Skip to main content

Full text of "Die nordfriesische Sprache nach der Moringer Mundart, zur Vergleichung mit den verwandten Sprachen und Mundarten. Hrsg. von M. de Vries"

See other formats


■/^:M 


n 

-.'\^ 

■  '^ii9II^H 

19 

$.M^ 


'l4 


I-.^'^^' 


fjh^' 


,-^#'' 
^^^ 


ÜsT 


DIE 


Dr.  '-- .  -  -  ^tJL 

LEIDEN, 


NORDFRIESISCHE  SPRACHE 

NACH  DER  MORINGER  MUNDART , 

ZUR  VERGLEICHUNG  MIT   DEN  VERWANDTEN  SPRACHEN 
UND   MUNDARTEN. 

VON 

BENDE    BENDSEN, 

rP-tVATLEUBER     IX      ARaiiESK.JÖEING. 


HERAUSGEGEBEN  VON 

D^  M.     D  E     Y  R  I  E  S , 

PROFESSOR    DER    NIEDERLäSBlSCIIEN    SPRACHE  ,    LITERATUR    UND    GESCHICHTE    AN     DER 

UNIVERSITÄT    ZU   LEIDEN,    MITGLIED    DER    KÖNIGLIGII-HIEDERLäjiDISCHES 

ACADEMIE   DER    WISSENSCHAFTEN  ,     U.  S,  W, 


LEIDEN , 

E.  J.  BRILL 

18G0. 


Diejenigen,  denen  die  Gelegenheit  geboten  ist,  vor  der  gänzlichen 
Vernichtung  friesischer  Sprache  und  Sitte,  die  letzten  üeberreste  der- 
selben zu  sammeln,  sollten,  so  viel  an  ihnen  ist,  dazu  beitragen, 
diese  der  Vergessenheit  und  dem  baldigen  Untergange  zu  entreissen. 

Dr.  J.  F.  Minssen,  in  Ehrentraut's 
Archiv,  I.  276. 


Nim  ,  roune  ,    nomm'le  Frysce  liuwe , 
It    Frysce,   dat    uws    hert   hjir    biedt ; 

In  aef  wy  rize  ,  sinke ,  driuwe , 

Leaf  bliuw'  uws  Frysce  teal  in  lied ! 

Dr.  E.  Halbertsma,  Leecl  in   Wille,  S.  3. 


HERRN 
H.  J,  KOENEN 


Jtm.    ÜTR.    DR.  ,    MITGtIED   DER    KONIGLICil-NIEDERLaiVDISCIlEN  ACADEHIIE   DER  WISSENSCHAFTEN 
Xrar    SECBETäR    DER    MILOLOGISCHEN    ABTHEILUNG,     IN     AMSTERDAM. 


Endlich ,  hochverehrter  Freund ,  wird  mir  die  Freude  zu 
Theil,  Ihnen  die  nordfriesische  Sprachlehre  zu  übersenden,  deren 
Erscheinung  Sie,  trotz  ihres  langen  Zögerns,  doch  stets  mit  un- 
geschmälertem Interesse  entgegengesehen  haben.  Nun  an  dem 
so  lang  und  so  eifrig  verfolgten  Ziele  angelangt,  finde  ich  den 
angenehmsten  Lohn  für  alle  auf  dieses  Werk  verwandte  Mühe 
und  Sorgfalt  darin,  dass  es  mir  vergönnt  ist,  Ihnen  durch  diese 
Zueignung  öffentlich  den  Dank  zu  bezeugen,  auf  den  Sie  mit  so 
vollem  Rechte  Anspruch  zu  machen  haben.  Ohne  Ihre  kräftige 
Unterstützung  wäre  dieses  Sprachwerk  wohl  nie  ans  Licht  ge- 
treten. War  doch  der  achtungswürdige  Verfasser  bis  in  sein 
hohes  Alter  hinein  vergeblich  bemüht  gewesen,  die  Früchte  sei- 
ner fleissigen  Studien  irgendwo  unterzubringen  und  zum  Druck 
befördert  zu  sehen ;  ja  er  hatte  sich  bereits  dem  trostlosen  Ge- 
danken ergeben,  für  seine  Stammgenossen  und  für  die  Wissen- 
schaft umsonst  gearbeitet  zu  haben ,  als  mir  das  Glück  beschieden 
wurde ,  in  Ihnen  einen  Retter  für  seine  Arbeit  zu  finden.  Ihre 
rege  Theilnahmc  an  allem,  was  ernstes  Streben  auf  dem  Gebiete 
des   Wissens   fördern   kann ,    Ihre    Vorliebe    für   die  germanische 


Sprachforschung  und  Ihre  Sympathie  für  das  friesische  Volks- 
thum ,  reichten  die  Mittel  zur  Beseitigung  aller  im  Wege  stehen- 
den Hindernisse,  und  setzten  mich  in  Stand,  nicht  nur  den  sehn- 
lichsten Wunsch  des  Verfassers  zu  erfüllen ,  sondern  auch  zu  ver- 
hüten, was  allerdings  zu  befürchten  stand,  dass  nämlich  die 
nordfriesische  Mundart,  bei  ihrer  allmähligen  Auflösung ,  am 
Ende  gänzlich  erlöschen  möchte,  ohne  eine  bleibende  Erinne- 
rung zu  hinterlassen  und  ohne  zu  der  vergleichenden  Spraehkunde 
ihren  schuldigen  Beitrag  geliefert  zu  haben. 

Aber  nicht  nur  für  den  Dienst ,  den  sie  mit  echter  Liberalität 
der  Wissenschaft  erwiesen,  sondern  auch  für  das  mir  geschenk- 
te verehrende  Zutrauen,  habe  ich  Ihnen  meinen  Dank  abzu- 
statten, indem  Sie  auf  meine  blosse  mündliche  Empfehlung  hin 
sogleich  zur  Hülfe  bereit  waren.  Jeraehr  ich  dieses  unbedingte 
Wohlwollen  seinem  ganzen  Umfange  nach  zu  schätzen  weiss , 
desto  lebhafter  schwebt  mir  die  doppelte  Pflicht  vor  Augen,  die 
ich  jetzt  gegen  Sie  zu  erfüllen  habe ,  nämlich  einerseits  Ihnen  den 
näheren  Beweis  zu  liefern,  dass  es  wirklich  eine  gute  Sache  war, 
für  welche  ich  Sie  um  Ihre  Mitwirkung  ersuchte,  und  anderer- 
seits von  demjenigen,  was  bei  der  Herausgabe  des  von  Ibnen  in 
Schutz  genommenen  Werkes  von  mir  geleistet  worden,  Rechen- 
schaft zu  geben. 

Sie  erinnern  sich,  wie  Herr  Bendsen,  nach  vielen  fruchtlosen 
Versuchen,  seine  Sprachlehre  der  Oeffentlichkeit  zu  übergeben, 
sich  im  Jahre  1852  an  mich  wandte,  in  der  Meinung,  seine  Hand- 
schrift könne  mir  bei  der  Ausarbeitung  des  Niederländischen  Wör- 
terbuches nicht  übel  zu  Statten  kommen.  Er  hatte  dazu  Veran- 
lassung gefunden  in  der  von  Rask  aufgestellten  Ansicht ,  dass  sich 
die  friesische  Sprache  zum  Holländischen  beinahe  ebenso  verhal- 
te, wie  das  Isländische  zum  Dänischen,  das  Angelsächsische  zum 
Englischen  und  das  Lateinische  zum  Italiänischen.  Freilich  ist 
diese  Ansicht  eine  unbegründete  Voraussetzung  des  berühmten 
Sprachforschers,  welcher  bei  näherer  Kenntniss  unserer  Mutter- 
Sprache  wohl  niemand  beipflichten  wird,  da  das  Holländische 
zwar  mit  dem  Friesischen  nahe  verwandt  und  besonders  in  der 
Volkssprache  nicht  von  friesischem  Einflüsse  frei  geblieben,  aber 
doch  keineswegs  als  eine  von  der  allfriesischen  Sprache  hcrslam- 


mende  Tochter  zu  betrachten  ist.  Der  Nutzen ,  der  aus  einem  nord- 
fricsischcn  Sprachwerke  für  das  Niederländische  Wörterbuch  etwa 
zu  ziehen  wiirc,  könnte  also  nur  ein  entfernter  sein.  Aber  auch 
ohne  diese  irrige  Annahme,  worauf  der  Verfasser  sein  Anerbieten 
stützte,  konnte  ich  doch  nicht  umhin,  sein  Verlangen  zu  IJcrzcn 
zu  nehmen,  da  ich  nicht  nur  eine  Avarmc  Sympathie  hege  für 
den  edlen  treuherzigen  friesischen  Stamm,  sondern  auch  die  Wich- 
tigkeit der  vorliegenden  Arbeit  für  die  '  vergleichende  Sprach wis- 
sensciiaft  erkannte,  zumal  da  die  Bendsensche  Handschrift  in 
der  gelehrten  Welt  nicht  unbekannt  und  der  Wunsch  nach  ihrer 
VeröfTcntlichung  mehrmals  von  den  bedeutendsten  Männern  aus- 
gesprochen war. 

Es  ist  in   der  That   zu   bedauern,   dass  eine   Arbeit,  die   sich 
von  jeher  so    viel  geneigter  Gönner  zu   erfreuen  halte,   bis  jetzt 
ungedruckt   und    unbenutzt    bleiben   musste.     Schon  i.   .1.   4825, 
als  der  Verfasser  kurz  zuvor  eine  Abhandlung  über  die  nordfrie- 
sische Sprache,   die   (wie   er   mir   schrieb)    von   weit    geringerem 
Umfange   war,   als  das  jetzt   erscheinende  Buch,   an  die   KönigL 
dänische   Gesellschaft    der  Wissenschaften    in    Kopenhagen    einge- 
sandt hatte,  äusserte  sich  Prof.  Rask  folgendermaassen   über   die- 
selbe; »Herr  B.  ßendsen  in   Arröeskjöbing  hat  mit  vielem  Fleisse 
und  grosser  Genauigkeit  eine  ausführliche  Sprachlehre  über  diese 
Sprachform    gesammelt,    und    mehrere    annehmbare    Erzählungen 
und  dergl.  übersetzt,   wonach  sich  nicht  allein   eine    Sprachlehre 
und  ein  Lesebuch,  sondern    zugleich  auch  ein   sehr  vollständiges 
Wörterbuch  ausarbeiten   liesse"    {Frisisk  Sprogläre,  S-  25).      Bald 
darauf,  i,  J.  1828,  hat  auch  Prof.  Michelsen,  in  seiner  historischen 
Skizze  über  Nordfriesland,  die  Aufmerksamkeit  der  Sprachforscher 
;  uf  die  Bendsensche  Arbeit  gelenkt,    und   deren   hauptsächlichen 
Inhalt  kurz   angegeben.   Er   nennt   dieselbe   ein   »sehr   wichtiges 
und  vortreffliches  Werk,"  und  erklärt:  »Sollte  der  hochgeehrten 
Gesellschaft    der    Wissenschaften    die     Herausgabe   dieser   Arbeit 
gefallen,  so  würde  ihr  nicht  Dank  genug  dafür  zu   wissen  sein" 
{Nordfriesland    im   Mittelaller,    S-    17).    Und    wiederum  (S.   287): 
»Sicherhch  wird  jeder  Freund  nordfriesischer  Geschichte  und  ger- 
manischer Sprachkunde  die  baldige  Herausgabe  des  preiswürdigen 
Werkes  gar  sehr  wünschen".     In   gleichem  Sinne   drückten  i.  J. 


Till 

-1857  die  beiden  Herausgeber  von  Oulzen's  Glossarium  der  friesi' 
sehen  Sprache,  die  Professoren  Engelstoft  und  Molbecb,  ihre  Hoff- 
nung aus ,  » dass  jetzt  auch  dieses  vorzügliche  und  werthvollc  Hülfs- 
mittel  zur  Kennlniss  einer  noch  lebenden  friesischen  Mundart 
dem  Drucke  übergeben  werden  möchte"  {Vorwort,  S.  XVI).  End- 
lich hat  der  ehrwürdige  Altmeister  der  deutschen  Sprachwissen- 
schaft, Jacob  Grimm,  der  die  Handschrift  längere  Zeit  unter  sich 
hatte,  den  Verfasser  schriftlich  mit  dem  Zeugnisse  beehrt,  er 
habe  » eine  bedeutende  Kenntniss  der  nordfriesischen  Mundart , 
geschöpft  aus  lebendiger  üebung  und  sorgsamer  Betrachtung",  in 
seinem  Werke  dargelegt,  wesshalb  es  sehr  zu  wünschen  wäre, 
dass  es  » vollständig  bekannt  gemacht  würde". 

Die  Erfüllung  dieses  von  so  vielen  und  so  ausgezeichneten  Ge- 
lehrten gehegten  Wunsches  hatte  jedoch  leider  mit  manchen,  lange 
Zeit  unüberwindlichen,  Schwierigkeiten  zu  kämpfen.  Bereits  i. 
J.  1854  hatte  Grimm  sich  der  Sache  angenommen  und  auch  im  nie- 
derländischen Friesland  dabei  Theilnahme  gefunden.  Später  ist 
von  neuen  Bemühungen  zu  demselben  Zwecke  wiederholt  die 
Rede  gewesen ,  und  besonders  haben  mehrere  damalige  Professo- 
ren der  Kieler  Universität,  unter  denen  ich  zu  meiner  Freude  die 
verehrten  Namen  der  Herren  Dahlmann,  Falck,  Müllenhoff,  Nitzsch 
und  Ratjen  nennen  darf,  sich  sehr  dafür  verwendet.  Aber  die 
Ungunst  der  Umstände  vereitelte  jedesmal  die  eifrigsten  Bestre- 
bungen, und  die  Hoffnung  des  fleissigen  Verfassers,  seine  Arbeit 
möchte  einmal  der  Wissenschaft  zu  gute  kommen,  blieb  schmerz- 
lich getäuscht. 

Gewiss  würde  unsere  Kenntniss  der  friesischen  Sprache  für 
immer  lückenhaft  geblieben  sein ,  wenn  wir  in  Bezug  auf  ihre  nörd- 
liche Mundart  einer  genaueren  Darstellung  fortwährend  hätten 
entbehren  müssen.  Der  alte  friesische  Stamm,  der  sich  einmal 
am  Ufer  der  Nordsee  von  Jütland  bis  nach  Flandern  erstreck- 
te und  sich  in  mehrere  Zweige  theilte,  deren  jeder  seinen 
eigenthümlichen  Dialekt  hatte,  ist  im  Verlaufe  der  Zeit  dcr- 
maassen  eingeengt  worden ,  dass  er  jetzt  nur  noch  in  drei  Zwei- 
gen besteht,  deren  Mundarten  die  einzigen  noch  lebenden  Ueber- 
reste  einer  in  jeder  Hinsicht  so  merkwürdigen  Sprache  bilden.  Es 
sollten  doch  wenigstens  diese  Ucberbicibscl  mit  möglichster  Sorg- 


IX 

falt  zusammengetragen  und  aufbewahrt  werden,  um  damit  die 
Wiederherstellung  eines  treuen  Gesammtbilds  der  friesischen  Spra- 
che möglich  zu  machen.  Für  die  Ehre  des  friesischen  Volkes 
ist  dieses  wohl  als  eine  unerlässliche  Pflicht  zu  betrachten,  denn 
in  der  Sprache  eines  Volkes  sind  die  wesentlichsten  Merkmale 
seiner  Nationalität  ausgeprägt. 

In  Hinsicht  auf  die  friesische  Mundart  hier  zu  Lande  ist 
wirklich  schon  vieles,  mitunter  auch  tüchtiges  geschehen.  Das 
Westfriesische  (um  mich  hier  des  in  Deutschland  üblichen  Aus- 
drucks zu  bedienen,  welcher  Namen  aber  bei  uns  nicht  zulässig 
ist,  da  er  von  jeher  in  einer  andern  Bedeutung  gegolten  hat) 
wurde  nicht  nur  zur  Zeit  des  Gysbert  Japiks  und  des  Althuysen 
fleissig  angebaut,  sondern  es  hat  sich  auch  namentlich  in  den 
letzt  verflossenen  Jahren  eines  so  glücklichen  Gedeihens  zu  erfreuen 
gehabt,  dass  es  jetzt  schon  eine  ziemlich  umfangreiche  Volkslite- 
ratur aufzuweisen  hat,  zu  welcher  besonders  die  Gebrüder  E.  und 
J.  H.  Halbertsma  treffliche  Beiträge  geliefert  haben.  Letzterer 
hat  sich  vor  Kurzem,  durch  den  Prinzen  Louis  Lueien  Bonaparte 
dazu  veranlasst,  um  die  heimische  Sprache  ein  neues  Verdienst 
erworben,  indem  er  sie  mit  einer  schätzbaren  üeberselzung  des 
Evangelium  Matlhäi  bereicherte  (London,  1858),  und  v/ir  haben 
von  seiner  geübten  Hand  ein  umfassendes  Wörterbuch  zu  erwar- 
ten., das  den  hohen  Werth  dieser  Mundart  für  die  Spraehkundc 
deutlich  an's  Licht  slgllen  wird.  Jeder  Freund  der  friesischen 
Sprache  wird  gewiss  die  Erscheinung  dieses  sehnlichst  erwünsch- 
ten Werkes  freudig  bcgrüssen,  und  wenn  auch  sonst  die  Erzeug- 
nisse der  hiesigen  Friesen  mehr  einen  literarischen  als  sprachwis- 
senschaftlichen Charakter  an  sich  tragen,  so  wird  doch  das  Wör- 
terbuch zeigen,  dass  ihnen  auch  daran  gelegen  ist,  den  strenge- 
ren Anforderungen  der  Wissenschaft  Genüge  zu  leisten :  eine 
Aufgabe,  welche  den  niederländischen  Friesen,  als  dem  eigent- 
lichen Kern  ihres  Stammes,  Avohl  am  allermeisten  obliegt. 

Es  ist  hier  nicht  am  Orte,  von  den  bisher  in  Friesland  erschie- 
nenen Nalionalschrifien  eine  bibliographische  Notiz  zu  geben ,  zumal 
da  das  Wichtigste  schon  von  Mone  in  seiner  Literatur  der  fri- 
sischen  Sprache  [Uebcrsicfit  der  niederl.  Volks- Literatur ,  S.  569— 393), 
von    Heltema  in  De  Jager 's   Taalkundig   Magazijn,  U.  225—274, 


und  von  Oueiiia  {rriesc/ie  Volks-Almanak ,  1844,  S.  79 — i24)  ver- 
zeichnet, und  neulich  von  Herrn  Nijhoff  im  Haag  ein  reichhaltiger, 
auch  die  neuesten  Leistungen  umfassender  Catalog  [Essai  d'iine 
bibliograpliie  de  la  Utterature  Fnso}i7ie)  hesorgt  worden  ist.  Da 
indessen  die  in  friesischer  Mundart  abgefassten  Schriften  (vielleicht 
schon  darum ,  weil  sie  raeislenlheils  von  geringerem  Umfange 
sind)  nur  spärlich  zur  Kenntniss  der  deutschen  und  dänischen 
Sprachforscher  gelangen ,  denen  sie  doch  nicht  unwillkommen 
sein  dürften ,  so  meinte  ich  hier  im  Vorbeis;ehen  auf  dieselben 
hinweisen  und  namentlich  auf  das  genannte  Essai  aufmerksam 
machen   zu    müssen. 

Was  den  zweiten  Dialekt,  das  Ostfriesische,  belrifft,  das  noch 
in  den  Saterländischen  Fennen  und  Morästen  und  auf  der  Insel 
Wangerog  fortlebt,  auch  dieses  ist  durch  die  Arbeit  mehrerer 
Forscher  zugänglich  gemacht  und  hat  der  Wissenschaft  schätzens- 
werthe  Dienste  geleistet.  Ohne  die  früher  von  Hoche  und  später 
von  Hettcraa  und  Poslhumus  in  ihren  Reisen  durch  das  Saterland 
gelieferten  sprachlichen  Mittheilungen  zu  erwähnen,  die  ja  ein  ge- 
borner  Oslfriese,  Herr  Dr.  Minssen  aus  Jever,  als  »durchaus  ohne 
Werlli"  bezeichnet  hat,  ist  hier  vor  Allem  das  Friesische  Archiv 
von  Herrn  Hofralh  Ehrentraut  hervorzuheben,  eine  Sammlung, 
welche  die  Kenntniss  der  ostfriesischen  Sprache  vielfach  gefördert, 
und  besonders  durch  die  Irefllichen  Bemerkungen  des  Herausge- 
bers über  die  Mundart  der  Wangeroger ,  nebst  denen  von  Dr. 
Minssen  über  das  Saterländische  ,  uns  mit  merkwürdigen  Beiträ- 
gen zur  friesischen  Sprache  überhaupt  beschenkt  hat.  Möchten 
nur  die  zwei  bisher  erschienenen  Bände  dieses  lehrreichen  Archivs 
nicht   länger   auf  ihre  Nachfolger  warten  lassen. 

Was  ist  aber  bis  auf  diesen  Tag  für  den  dritten  Dialekt  ge- 
leistet worden ,  für  das  Nordfriesische  an  der  Schleswigschen 
Westküste  und  auf  den  anliegenden  Inseln,  Silt,  Föhr,  Amrum, 
und  dem  etwas  entfernteren  Helgoland  ?  Unstreitig  nur  sehr  wenig. 
In  jedem  Falle  reicht  es  nicht  hin,  sich  von  dieser  Mundart  eine 
befriedigende  Vorstellung  zu  machen.  Damit  sich  das  Bedürfniss 
einer  näheren  Bearbeitung  ganz  klar  herausstelle,  wird  es  wohl 
nicht  unschicklich  sein,  das  bisher  Gelieferte  hier  in  einem  Ueber- 
blick  zusammenzufassen,  für  dessen  Vollständigkeit  ich  mich  aber 


XI 

nur  in   so   weit   verbürgen   kann,    als   die   belrelTenden  Leistun- 
gen hier  in  der  Ferne  zu  meiner  Kenntniss  gelangt  sind. 

Die  mir  —  wenn  auch  nur  theilweise  aus  eigener  Ansicht  — 
bekannten  Sprachproben  verschiedener  nordfriesiseher  Mundarten 
sind  folgende : 

\.  Eine  Inschrift  im  Nordstrandinger  Dialekt  auf  einem  zu 
Biisum  vorhandenen  kupfernen  Taufbecken  aus  dem  loten  oder 
14ten  Jahrhundert,  abgedruckt  von  Dahlmann  in  den  Kieler  BL 
B.  V.  H.  2.  S.  212. 

2.  Ein  Morgen-  und  Abendgesang  in  demselben  Dialekt ,  im 
J.  1G61  von  Heimreich  gedichtet  und  seiner  Nordfresisclien  Chro- 
nick  vorausgeschickt.  Wiederholt  in  der  neuen  Ausgabe  von 
Falck,  I.  27 — 30,  in  Radlof's  Muslersaal  aller  teutsc/ien  Mundar- 
ten, II.  511 — 314,  und  in  der  unten  N*'.  16  erwähnten  Samm- 
lung, S.  192—195. 

5.  Zwei  Lieder  in  der  Moringer  Mundart,  »eines  vom  Pastor 
P.  Petreus  zu  Deetzbüll,  auf  den  Geburtstag  König  Christians  VI, 
d.  50.  Nov.  1752;  das  andere  von  einem  Unbekannten,  auf  König 
Friedrich  V  bei  seiner  Durchreise  d.  21.  Jun.  1748  ;  beide  für 
sieh  gedruckt"  (Outzen,  S.  XXVIII). 

4.  Ein  Hochzeitsgedicht  von  A.  Bendixen  im  J.  1749,  in  der 
Wiedingharder  Mundart,  mit  westfriesischer  Ueberselzung,  mit- 
gelheilt  von  J.  II.  Halbertsma,  Hulde  aan  Gysbert  Japiks ,  II. 
258—265. 

5.  Einige  Proben  ,  als  Psalmen ,  Lieder  u.  s.  w. ,  von  der  Wie- 
dingharder und  Helgolander  Mundart,  in  Camerer's  Nachrichten 
von  Schleswig  und  Holstein,  I.  48, 181—186,  227-  252,  II.  111—119. 
Das  Vater  Unser  daraus  in  Adelung's  Mithridates,  II.  245;  das- 
selbe nach  der  Amrumer  Mundart .  Ebendas.  244. 

6.  Ein  kleines  Gespräch,  abgedruckt  in  den  Schlesiv.  Provinzial- 
Berichten,  1790,  S.  227,  erwähnt  Adelung,  ebendas. 

7.  Zerstreute  kleinere  Stücke  in  den  Fragmenten  aus  dem  Tage- 
buche eines  Fremden  (Kopenhagen,  1800). 

8.  Der  kleine  Catechisraus  Lutheri  im  Föhringer  und  Nord- 
slrandinger  Dialekt,  handschrifilich  auf  der  Königl.  Bibliothek 
in    Kopenhagen  (Falck  ,   S.  XXXI).     Wohl   derselbe   wie   die    von 


XII 

üutzen  S.  XXX  erwähnte    Uebersetzung   des    Herrn    P.  J.   Peters 
2u  Wrixum  auf  Föhr. 

9.  »Der  Geizhals  auf  der  Insel  Silt" ,  ein  Schauspiel  in  vier 
Aufzügen,  irn  Siher  Dialekt,  von  J.  P.  Hansen  (Flensburg,  1809). 
Von  demselben  auch  eine  Sammlung  Silter  Lieder.  Der  in  1828 
von  Michelsen  (a.  W.  S.  17)  ausgesprochene  Wunsch,  dass  Han- 
sen's  echt  nationale  Silter  Comödic  und  belieble  Lieder  von 
neuem  abgedruckt  werden  möchten  ,  ward  erfüllt  durch  die  Er- 
scheinung von:  »J.  P.  Hansen,  Nahrung  für  Leselust  in  nord frie- 
sischer Sprache" ,  enthaltend  1.  Der  Geizhals  oder  der  Silter  Pe- 
iritag ,  2/e  Ausg.  2.  Der  glückliche  Steuermann.  Ein  Enkel  des 
Geizhalses.  5.  Lieder  und  andere  Kleinigkeiten ,  zur  schuldlosen 
gesellschaftlichen  Unterhaltung ,  2/e  verm.  Ausg.  (Sonderburg , 
4835,  8.  XVI  und  284  S.). 

Von  den  Liedern  findet  man  einige  Proben  bei  Firmenich , 
Germaniens  Völker  stimmen,  L  1 — 7.  Die  vier  ersten  der  von 
Firmenich  1  augeführten  Lieder,  auf  die  vier  Jahreszeiten,  in's 
Westfriesische  übersetzt,  in  Iduna ,  HL  51,  108,  141   und  185. 

10.  In  demselben  Dialekt  eine  Sammlung  von  Silter  Sagen 
und  Erzählungen,  unter  dem  Titel:  UaUV  Sold' ring  Tialen  fan 
C.  P.  Hansen  üp  Süld  (Mögeltönder,  18o8), 

11.  Nord  friesische  Sprachproben  aus  drei  verschiedenen  Mund- 
arten, in  C.  F.  AUen's  Geschichte  der  dünischen  Sprache  im  Her- 
zogtimm-Seh  lesivig  oder  Südjütland  (Schleswig,  1857),  II.  758 — 741. 

12.  Ein  Märchen  in  der  Amruraer  Mundart,  eine  Ballade  und 
ein  Hochzcitslied  in  dem  Föhringer  Dialekt  (die  beiden  letzleren 
erwähnt  von  Outzen  ,  S.  XXIX);  mit  Uebersetzung  und  Erläute- 
rungen raitgetheilt  von  Herrn  L.  F.  Mechlenburg  auf  der  Insel 
Amrum  ,    in  Ehrentraut's  Archiv,  IL  525 — 542. 

15.  i>  Auch  eine  friesische  Stimme  an  den  König'\  ein  Lied  in 
der  Amrumer  Mundart,  bei  Firmenich,  III.  1  f. 

14.  Sechs  Lieder  von  H.  F.  Heikens,  nebst  zwei  Gesprächen, 
in  der  Mundart  der  Insel  Helgoland,  bei  Firmenich,  L  7 — 15, 
der  (S.  11)  mehrere  handschriftliche  Gedichte  des  genannten 
Volksdichters   erwähnt. 

15.  Drei  nordfriesische  Lieder  und  258  Sprichwörter,  in  Lap- 
penkorb  von   Gabe   Schneider  aus  Westfrisland ,  mit  Zuthafen  aus 


XIII 

Nordfrisland ,  bearbeitet  und  herausgegeben  von  K.  J  Clement  (Leip- 
zig, 1847),  S.  532  f.  uiul  294—316.  Die  Lieder  und  ein  Aus- 
zug von    115  Sprichwörtern   wiederholt  bei  Firmcnieh,  IlL  2 — 8. 

16.  »Frieske,  Hiigelaonner  en  Noirdfrieske  Rymkes,  sammle  trog 
De  Haan  Hettcma''  (Dockum,  1841),  enthält  (S.  183—200)  zehn 
nordfriesische  Lieder,  deren  drei  in  Helgolander  Mundart;  gross- 
tentheils  dieselben,  deren  oben  N".  2,  9  und  14  erwähnt  wor- 
den. Von  drei  dieser  Lieder  findet  sich  eine  westfriesische  Ueber- 
setzung  in  Iduna,  IL  172 — 176. 

17.  Einige  Helgolander  Redensarten,  milgetheilt  von  De  Haan 
Hetteraa  in  De  Vrije  Fries,  \.  356. 

18.  Subscriptions-Einladung  vom  J.  1857  zu  einem  Werke  in 
der  nordfriesisehen  Sprache,  betitelt:  De  freiske  Siemslin  (der 
Friesen  Spiegel),  in  welchem  Flerr  M.  Nissen,  Lehrer  zu  Gam- 
raendorf,  eine  Anzahl  »Gedichte,  poetische  Erzählungen,  Sagen, 
Gespräche,  Sprichwörter ,  und  einen  sehr  umfangreichen  Glossar" 
in  den  festländischen  Dialekten  Nordfrieslands  mitzulheilen  beab- 
sichtigte. Als  Proben  sind  drei  kleine  Lieder  vorgelegt.  Leider 
scheint  die  Subscription  dem  Buche  keine  genügende  Theilnahme 
gesichert  zu  haben;  bis  jetzt  wenigstens  ist  nichts  davon  er- 
schienen. 

19.  Handschriftlich  erwähnt  bei  Outzen,  S.  XXIX  f.:  Ein 
Paar  Lieder  von  Herrn  Jansen  in  Niebüll ,  im  J.  1814  geschrie- 
ben, und  ein  geistliches  Lied  von  Pastor  Quedens  auf  Wester- 
land-Föhr. 

In  lexicalischer  und  grammatischer  Hinsicht  besitzen  wir  fol- 
gendes: 

1.  Das  öfters  genannte  Glossarium  der  friesischen  Sprache  von 
N.  Outzen,  i.  J.  1857  von  Engelstoft  und  Molbech  in  Kopenhagen 
herausgegeben;  ein  wichtiger  Beitrag  zur  Kenntniss  der  nord- 
friesischen Mundart ,  der  aber  von  dem  reichen  Sprachstoffe  nur 
einen  Theil  enthält,  und  in  der  Behandlung  bekanntlieh  vieles 
zu  wünschen  übrig  lässt.  Herr  Bendsen  hat  mir  eine  bedeutende 
Sammlung  von  Zusätzen  und  Berichtigungen  zu  Oulzen's  Glossar 


XIV 

niitgelheilt,  welche  einem  künftigen  nordfriesischen  Lexicogra- 
phen  ein  sehr   brauchbares  Material  abgeben  könnten. 

2.  Ein  Vcrzeichniss  nordfriesischer  Wörter  im  Staatsbürg.  Magazin ^ 
4826,  V.  759,  und  in  Chr.  Paulsen's  Samlede  Skrißer ,  I.  215, 
erwähnt  Allen,  a.  W.  IL  J755  f. 

5.  P.  A.  Oelrichs,  Kleines  Wörterbuch  zur  Erlernung  der  Hehjo- 
lander  Sprache  für  Deutsche,  Engländer  und  Holländer.  Nebst 
einem  Anhang,  enthaltend  einfache  Dialoge  aus  dem  Leben  in  deut- 
scher und  Helgolander  Sprache,  1846.  16. 

4.  »Bemerkungen  über  den  Ursprung  und  Charakter  der  frie- 
sischen Sprache.  Finden  sich  in  dem  Schleswig -Holst.  Magazin, 
Num.  XII.  S.  276,  und  in  den  Schlcswig-Holst.  Anzeigen  vom  Jahr 
1758,  S.  557"  (Falck.  S.  XXXI). 

5.  K.  J.  Lyngby,  Om  Nordfrisisk  i  Bökking  og  Hiidding  Herreder 
(Kopenhagen  und  Leipzig,  1858).  Eine  kurze,  aber  werthvolle 
grammatische  Skizze  der  Böckingharder  und  Wiedingharder  Mund- 
arten in  den  Kirchspielen  Niebüll  und  Klangsbüll  im  Amte  Tondcrn. 

6.  J.  F.  Minssen ,  Vergleichende  Darstellung  der  Laut-  und  Flexi- 
onsve'rhällnisse  der  noch  lebenden  nenfriesischen  Mundarten  und  ihres 
Verhältnisses  zum  Altfriesischen,  in  Ehrentraut's  Archiv,  I.  165 — 
276.  Der  Verfasser  hat  in  dieser  Abhandlung  auch  das  Nordfrie- 
sische berücksichtigt. 

7.  K.J.  Clement,  Eigenthümliche  Elemente  der  frisischen  Sprache, 
mit  besonderer  Rücksicht  auf  das  Nordfriesische ,  in  Herrig's  Ar- 
chiv für  das  Studium  der  neueren  Sprachen  und  Literaturen,  IX. 
179—187,  X.  156—147,  269—287,  XIL  71—81. 

8.  K.  F.  H.  Strass,  Flüchtige  Andeutungen  über  die  friesische 
Sprache  auf  den  Inseln  Föhr  und  Helgoland,  im  Neuen  Jahrbuch  der 
Berlinischen  Gesellschaft  für  Deutsehe  Sprache  und  Alter thumskunde , 
VIII.  555—358. 

Wer  sich  übrigens  in  Bezug  auf  Nordfriesland ,  über  das  Land , 
das  Volk  und  seine  Geschichte  Raths  erholen  will ,  der  wird  in 
den  obengenannten  Werken  Michelsen's  und  Falck's  und  den 
von  letzterem  (in  der  Vorrede  und  S.  XXX— XXXVIII)  angeführ- 
ten Schriften  völlige  Befriedigung  finden.  Das  Sprachverhältniss 
der  Nordfriesen,  dem  Dänischen   und   Deutschen   gegenüber,  ist 


XV 

in  der  jüngsten  Zeit,  infolge  der  politischen  Unruhen,  vielfach 
besprochen  worden.  Ausser  Kolil's  Nationalität  und  Sprache  im 
Sc/ilesivigsc/ien ,  erwähne  ich  nur  das  Werk  von  C.  F.  Allen,  Vcber 
Sprache  und  VolksthümlichkeU  im  llerzogthum  Schleswig  oder  Süd- 
jütland,  nebst  dessen  schon  genannter  Geschichte  der  dänischen 
Sprache  (besonders  II.  726  f.,  wie  auch  die  Sprachkarte);  und 
das  Buch  seines  Gegners,  K.  J.  Clement ,  über  die  Nordgermanische 
Welt,  nebst  dessen  Abhandlung  über  Das  ivahre  Verhällniss  der 
süderjiUschen  Nationalität  und  Sprache  zur  deutschen  und  frisischen 
im  Herzogthum  Schleswig  (Hamburg ,  18i9).  Ich  begnüge  mich 
die  Schriften  dieser  beiden  Gelehrten  ganz  einfach  anzuführen , 
ohne  an  dem  Streit  zwischen  den  »  Deutschthümlern  und  Diinen- 
fressern"  und  den  dänischen  »rasenden  Enthusiasten"  —  wie 
sich  die  Herren  gegenseitig  betiteln  —  irgend  einen  Antheil 
zu  nehmen. 

Aus  dem  hier  gegebenen  üeberblick  wird  wohl  jedem  erhellen , 
wie  es  bis  jetzt  mit  unserer  Kcnntniss  der  nordfriesischen  Mund- 
art, zumal  in  Bezug  auf  ihren  grammatischen  Bau,  kümmer- 
lich beschafTen  war,  und  wie  sehr  die  obengenannten  Sprachfor-  , 
scher  Recht  hatten,  als  sie  die  Herausgabe  der  Bendsenschen 
Arbeit  mit  ihren  Wünschen  und  ihrer  thäiigen  Theilnahme  zu  för- 
dern suchten. 

In  dieser  Lage  der  Dinge  glaubte  ich  etwas  nützliches  leisten 
zu  können  ,  wenn  ich  mich  der  Sache  annähme  und  nach  meinen 
besten  Kräften  mich  bestrebte,  sie  zu  einem  guten  Ende  zu  führen. 
Um  aber  nichts  Uebereiltes  zu  thun,  wandte  ich  mich  an  J.  Grimm, 
dessen  Urtheil  mir  damals  noch  nicht  bekannt  war,  und  erbat  mir 
seinen  schätzbaren  Rath.  Ich  hatte  die  Freude  ,  eine  Antwort  zu 
bekommen,  welche,  wenn  sie  auch  die  Mänarcl  des  Buches  nicht 
verhehlte,  mich  doch  jedenfalls  anregte,  die  VerölTentlichung  des- 
selben wo  möglich  zu  bewirken.  Die  Friesische  Gesellschaft  in 
Leeuwarden ,  bei  der  ich  mich  zuerst  für  die  Uebernahme  des 
Druckes  verwendete,  war  leider  durch  Umstände  verhindert  den 
Antrag  in's  Werk  zu  setzen  (s.  den  Bericht  ihrer  Verhandlungen 
i.  J,  1853,  S.  6  f.).  Da  kam  ich  zu  Ihnen,  verehrtester  Freund, 
mit  dem  Vorschlag,  sich  in  den  Besitz  der  Handschrift  zu  stellen, 
und  Sie  erfüllten  meinen  Wunsch  mit  einer  Bereitwilligkeit,    die 


XVI 

ich  meinerseits  nicht  besser  zu  beantworten  wusste ,  als  durch  den 
Entschluss,  die  Herausgabe  selbst  zu  übernehmen  und  ihr  meine 
Mussestunden  in  Liebe  zu   widmen. 

Jetzt,  da  ich  glücklich  im  Hafen  angelangt  bin,  werfe  ich  einen 
Blick  zurück  auf  die  lange  und  ermüdende  Fahrt. 

Wiewohl  ich  mir  anfangs  einen  buchstäblich  getreuen  Ab- 
druck der  Handschrift  vorgenommen  hatte,  sah  ich  doch  bald 
ein,  dass  es  nicht  möglich  sei,  diesen  Grundsatz  überall  festzu- 
halten. Bei  aller  Gründlichkeit  und  Genauigkeit,  mit  welcher 
der  Verfasser  die  nordfriesische  Sprache  in  allen  ihren  Bestand- 
iheilcn  dargelegt  hatte,  schien  doch  manches  in  der  Einrichtung 
des  Buches,  um  eine  klare  und  zusammenhangende  Darstellung 
zu  erzielen,  eine  Ueberarbeitung  nothwendig  zu  machen,  wo  es 
ohne  Schaden  für  den  Hauptgegenstand  der  Behandlung  geschehen 
könnte.  Was  die  Herausgeber  des  Outzenschen  Glossars  in  ihrem 
Vorworte  bemerken,  sie  haben  »die  Weitläufligkeit  und  den  etwas 
breiten  Wortreichthum ,  so  wie  andere  schwächere  Seiten  dieses 
linguistischen  Beitrags,  nicht  übersehen",  dürfte  auch  wohl  hier 
gelten.  Namentlich  war  nicht  zu  verkennen ,  dass  die  durch 
mehrere  Einschaltungen  etwas  gestörte  Anordnung  nicht  wohl  un- 
verändert bleiben  könne.  Ich  glaubte  desshalb  keinen  Anstand 
nehmen  zu  müssen,  diesen  und  ähnlichen  Schwächen  einigermaas- 
sen  abzuhelfen,  und  habe  mich  daher  bemüht,  durch  die  erfor- 
derlichen Umstellungen  die  Aufeinanderfolge  und  den  Zusam- 
menhang der  einzelnen  Theile  in  eine  bessere  Ordnung  zu  brin- 
gen, die  unnöthigen  Wiederholungen  zu  streichen  und  sonstige 
kleinere  Mängel  zu  beseitigen.  Einige  hie  und  da  eingeflochtenen 
etymologischen  Bemerkungen,  die  einem  älteren  Standpunkte  an- 
gehörten ,  so  wie  eine  vergleichende  Zusammenstellung  nordfrie- 
sischer Wörter  mit  ähnliclien  aus  den  verwandten  Sprachen,  wel- 
che nach  dem  übrigen  Inhalt  des  Buches  kaum  etwas  neues  ent- 
hielt, sind  ausgelassen  worden.  Dagegen  wurden  die  vielleicht 
im  Uebermaass  angehäuften  Beispiele  unverkürzt  beibehalten, 
da  sie  jedenfalls,  wenn  auch  nur  des  reichhaltigen  lexicalischen 
Stoffes  wegen,  ihren  Werth  haben. 

Der  aufmerksame  Leser  wird  vielleicht  in  den  hundert  ersten 
Seilen  des  Buclies,  und  zwar  am  meisten  im  ersten  Capilel,  eine 


XVII 

geringere  Sorgfalt  der  Bearbeitung  als  in  den  späteren  Theilen 
entdecken.  Die  Erklärung  ist  ganz  einfach  diese,  dass  ich  damals 
meine  Veränderungen  bei  der  Correktur  der  Druckbogen  ein- 
rückte, und  daher  mir  nur  eine  beschränkte  Freiheit  nehmen 
konnte.  Später  aber  entschloss  ich  mich,  die  Handschrift  vorher 
zurecht  zu  machen,  und  hatte  also  eine  bessere  Gelegenheit,  die 
beabsichtigte  Revision  durchzuführen. 

Ich  brauche  wohl  nicht  zu  fürchten,  dass  ich  durch  die  vorge- 
nommene Umarbeitung,  welche  jedenfalls  sich  nur  auf  das  Aeussere 
bezieht,  dem  Rechte  des  geehrten  Verfassers  Eintrag  gethan 
habe.  Hatte  er  mir  doch  selbst  die  Besorgung  und  Herausgabe 
seines  Sprachwerkes  mit  unbedingtem  Vertrauen  überlassen  ,  und 
nichts  anderes  gewünscht,  als  dass  seine  Arbeit  in  möglichst  sau- 
berer Gestalt  an's  Licht  trete.  Damit  aber  die  Einmischung  ei- 
nes Fremden  nicht  etwa  die  Zuverlässigkeit  des  behandelten  Stoffes 
verdächtig  zu  machen  scheine,  so  muss  ich  erklären,  dass  ich 
mir  in  den  Mittheilungen  des  Verfassers  über  seine  Landessprache , 
dem  Wesen  nach,  auch  nicht  die  geringste  Aenderung  erlaubt 
habe.  Alles  ist,  wie  es  in  der  Handschrift  vorlag,  nur  in  etwas 
besserer  Ordnung  und  mit  einigen  Abkürzungen,  buchstäblich  ab- 
gedruckt worden,  auch  wenn  es  mir  mitunter  einigem  Zweifel  zu 
unterliegen  schien. 

Hätte  ich  mich  nicht  bei  der  Durchsicht  einer  fremden  Arbeit 
in  enge  Gränzen  beschränken  müssen,  so  wäre  mir  wohl  leicht 
die  Lust  erwacht,  etwas  weiter  zu  gehen.  Die  Behandlung  der 
Zeitwörter  z.  B.  —  um  nur  dieses  Eine  zu  nennen  —  wäre  mir 
bei  einer  andern  Eintheilung  für  die  Vergleichung  mit  den  ver- 
wandten Sprachen  bequemer  erschienen ,  und  die  regelmässigen 
und  unregelmässigcn  Zeitwörter  hätten  sich  vielleicht  in  schivache 
und  starke  umgebildet.  Aber  so  weit  zu  gehen,  wäre  eine  Eigen- 
mächtigkeit gewesen,  welche  ich  mir  nicht  zu  Schulden  kommen 
lassen  durfte;  und  es  war  eine  doppelte  Vorsicht  nöthig,  da  ja 
ein  bewährter  Kenner  der  friesischen  Sprache,  Herr  Ehrentraut, 
öffentlich  gestanden  hat,  »dass  es  nicht  möglieh  sei,  das  Zeitwort 
in  seiner  jetzigen  Beschaffenlieit  in  den  Classen  der  historischen 
Grammatik  unterzubringen"    (Archiv,  l.  283). 

Neben  der  eigentlichen  Grammatik  enlhielt  die  Handschrift  eine 

c 


will 

Anzahl  verscliieilener  Beiträge,  als  Wörterreihen,  Iledensarten , 
Sprichwörler,  Eigennamen  und  Sprachproben,  kh  habe  diese 
zerstreuten  Mittheilungen  in  schiekiicher  Ordnung  zusammenge- 
stellt und  daraus  den  Anhang  gebildet  (S.  403 — 172),  dessen 
Inhalt  für  die  nähere  Kenntniss  der  Sprache  wohl  nicht  unerheb- 
lich sein  dürfte. 

Schliesslich  war  ich  bemüht,  eine  neue  und  mehr  ia's  Ein- 
zelne gehende  Inhaltsanzeigc  auszuarbeiten,  welche  hoffentlich 
den  Gebrauch  des  Buches  nicht  wenig  erleichtern  wird. 

Noch  ein  Wort  über  die  vom  Verfasser  befolgte  Reclilschrci- 
bung.  Es  wird  jedem  auffallen,  dass  diese  ziemlich  abweicht 
von  den  in  andern  nordfriesischen  Denkmälern  angewandten 
Schreibarten,  welche  wiederum  einander  sehr  ungleich  sind.  Im 
Interesse  einer  genauen  Beobachtung  und  Vergleichung  der 
Sprachelemente  verschiedener  Dialekte,  darf  man  die  Hoffnung 
aussprechen ,  dass  doch  einmal  die  friesischen  Sprachforscher  sich 
über  die  Annahme  einer  gleichförmigen  Orthographie  verständigen 
möchten,  damit,  wenn  auch  nicht  die  Sprache  in  ihrem  ganzen 
Umfange,  doch  wenigstens  jede  der  drei  Hauplmundarten  für 
sich  einen  feststehenden  Typus  bekomme.  Das  Friesische  in  den 
Niederlanden  hat  in  dieser  Hinsicht  einen  bedeutenden,  das  Auf- 
blühen der  heimischen  Volksliteratur  kräftig  fördernden  Fort- 
schritt gemacht,  obgleich  auch  hier  noch  zwei  Systeme  einander 
sesienüberstehen,  deren  eines  sich  an  die  niederländische  Recht- 
Schreibung  anschmiegt,  das  andere  sieh  streng  auf  das  Altfrie- 
sische zu  stützen  sucht.  Was  aber  das  Nordfriesische  betrifft , 
da  wählt  sich  jeder  seine  eigene  Schreibung,  und  so  kreuzen  sich 
dort  alle  möglichen  Schriftformen  in  der  buntesten  Mischung  der- 
gestalt, dass  man  oft  Mühe  hat  sich  glauben  zu  machen,  man 
habe  mit  der  nämlichen  oder  doch  mit  einer  ganz  nahe  stehenden 
Mundart  zu  thun.  In  wie  ferne  das  Verfahren  des  Herrn  Bcndsen 
dazu  geeignet  ist,  die  Aufgabe  zu  lösen,  darf  ein  Fremder  wohl 
am  wenigsten  entscheiden.  Am  Schlüsse  seiner  Vorrede  spricht 
er  sich  über  dasselbe  aus,  und  er  hat  mir  in  mehreren  Briefen, 
bei  einer  näheren  Erörterung  seiner  Ansichten,  die  von  ihm  ge- 
wählte Rechtschreibung  als  das  Resultat  besonnener  Ueberlegung 
dargelhan.     Ich  habe  mich  daher  befleissigt,  sie  bei  dem  Abdruck 


XIX 

niil  gewissenhafter  Treue  zu  befolgen,  und  eben  dnrinii  ilie  et- 
waigen Abweichungen  in  der  Handschrift,  in  so  weit  sie  als  blosse 
Schreibfehler  zu  betrachten  waren,  nach  der  unzweideutigen  Ab- 
sicht des  Verfassers  berichtigt.  Die  Ungleichmässigkeiten  aber  , 
durch  die  Schwankung  zwischen  zwei  verschiedenen  Schreibungen 
desselben  Lautes  veranlasst,  habe  ich  nur  selten  zu  heben  gesucht. 
So  wird  man  z.  B.  bald  Branhser  und  gaulise  finden ,  bald  Brau- 
ser und  gause;  das  eine  mal  Niijdd,  ri'ijdd,  Stäiijll,  das  andere 
Mal  Nüjd,  riljd ,  Stäujl;  oder  hiemmcn  und  Jdemcn,  häliw  und  liäw , 
Hühs  und  Hüss,  Dörnsh  und  Dörensh,  Esh  und  Eesh,  trong  und 
trung,  u.  s.  w. ;  oder  man  wird  auf  Zusammensetzungen  von  Um- 
stands-  und  Verhältnisswörtern  stossen,  die  bald  zu  Einem  Worte 
verbunden,  bald  von  einander  getrennt  erscheinen.  In  diesen 
und  ähnlichen  gleichgültigen  Fällen  konnte  ich  wohl  nichts  anders 
thun ,  als  die  Handschrift  möglichst  getreu  wiedergeben ,  ohne 
eine  strenge  Consequenz  zu  erstreben,  die  ja  der  Verfasser  selbst 
nicht  bezweckte  (s.  seine  Vonede,  S.  xxvi). 

Bei  den  Amtspflichten  und  sonstigen  wissenschaftlichen  Arbei- 
ten, welche  meine  Zeit  fortwährend  in  Anspruch  nahmen,  konnte 
ich  die  Herausgabe  dieses  Werkes  nur  unter  vielen  Störungen 
und  Unterbrechungen  in  sechsjähriger  Frist  vollenden.  Dass  die- 
ses ,  trotz  aller  angewandten  Sorgfalt ,  die  Gleichförmigkeit  der 
Behandlung  im  Einzelnen  einigermaassen  beeinträchtigen  mussle, 
spricht  wohl  von  selbst.  HoiTcntlich  w  ird  aber  der  i!;eneigle  Leser 
die  vielfachen  Schwierigkeiten  einer  derartigen  Aufgabe  billig  beur- 
theilen,  und  den  Verstössen,  welche  bei  der  Besorgung  einer  fremden 
Arbeit  kaum  zu  vermeiden  waren,  seine  gütige  Nachsicht  nicht 
versagen. 

Es  bleibt  mir  noch  eine  angenehme  Pflicht  zu  erfüllen  übrig, 
die  öffentliche  Anerkennung  der  trefflichen  Hülfe ,  mit  w  clehcr 
mein  lieber  Freund,  Dr.  C.  A.  Sicherer,  Lehrer  der  hochdeutschen 
Sprache  und  Literatur  am  hiesigen  Gymnasium,  mir  in  rastloser 
Thäligkeit  zur  Seite  gestanden  hat.  Nicht  nur  bei  der  Corrcklur 
der  Druckbogen  hat  er  die  eben  nicht  eiquickliche  Arbeit  freudig 
mit  mir  gctheilt,  sondern  namentlich  auch  auf  die  Reinheit  der 
hochdeutschen  Sprache  ein  wachsames  Auge  gehalten.  Für  den 
treuen  Beistand  sei  ihm  mein  innigster  Dank  dargebracht. 


XX 

Dem  geelii'lcn  Verfasser  wird  es  ohne  Zweifel  zur  Freude  gerei- 
clien  ,  die  endliche  VeröfTenllichung  eines  Buches  zu  erleben ,  das 
ihm  so  viele  Mühe  und  Sorge  gemacht  hat.  Für  mich  ist  es  ein 
schmeichelhafter  Gedanke,  dass  es  mir  beschieden  war,  die  Früchte 
seiner  Arbeit  der  Wissenschaft  zu  gute  kommen  zu  lassen  ,  und 
seinem  Namen  die  gebührende  Erkenntlichkeit  seiner  Sprachge- 
nossen zu    sichern. 

So  gehe  denn  dieses  mit  Treue  gehegte  Buch  in  die  Welt 
hinaus.  Es  gehe  zu  den  Friesen  im  Norden  und  Osten  und 
W^esten,  und  bringe  ihnen  den  Gruss  eines  Fremden,  der  sich  aber 
doch  —  seinem  Namen  und  seiner  Abkunft  nach  —  zu  ihrem  Stamme 
bekennt.  Es  gehe  und  sage  ihnen,  dass  die  Holländer,  gegen  die 
sie  in  früheren  Jahrhunderten  in  blutigen  Kämpfen  ihre  Freiheit 
vertheidiglen ,  jetzt  in  brüderlicher  Gesinnung  ihnen  und  ihrer 
Sprache  entgegenkommen ,  und  keinen  andern  Kampf  mit  ihnen 
w  ollen  ,  als  den  edlen  Wetteifer  in  Förderung  der  Wissenschaft. 


Leiden,  im  Januar  1860.  M.    DE    V  R  I  E  S. 


VORREDE   DES   VERFASSERS. 


Was  Prof.  Rask  von  der   altfriesischen  Sprache  sagt,    gilt  noch 
mehr  von  der  nordfriesischen : 

»Die  angelsächsische  Sprache  ist  zwar  etwas  reicher  an  Beu- 
gungen, die  friesische  dagegen  an  Zusammenziehungen,  welche 
beinahe  wie  Abänderungen  aussehen,  und  die,  in  Verbindung  mit 
der  Aussprache  und  den  Formen  der  Wörter,  so  wie  mit  einer 
Menge  besonderer  Ausdrücke,  ihre  Eigenthümlichkeit  und  Selbst- 
ständigkeit bestimmen.  Diese  eigene  Sprachform  verbreitet  Licht 
über  den  Bau  der  verwandten  Sprachen,  und  ihr  Wörterschalz 
ist  eine  bisher  durchaus  unbenutzte  Quelle  zur  Wortableitung  in 
den  andern  gothischen  Sprachen."  (Vorrede  zu  Frisisk  Sprog- 
liirc,  S.  1). 

Wie  gross  das  alte  Nordfriesland  gewesen  sei ,  darüber  fehlen 
uns  bestimmte  Nachrichten.  Heimreieh  sagt  in  seiner  nordfriesi- 
schen Chronik:  »Dass  aber  die  Fresen  ein  gar  altes  Volk  seien, 
ist  leicht  zu  beweisen,  da  sie  schon  den  ältesten  griechischen 
und  lateinischen  Geographen  und  Geschichtschreibern  bekannt 
waren.  So  haben  unter  andern  die  griechischen  Geschichtschrei- 
ber Ephorus  und  Clitarchus,  nach  Strabo,  500  Jahre  vor  Christo 
über  die  Fresen  geschrieben;  Plinius  im  Jahre  17,  Cornelius  Taci- 
tus  iOO  und  Ptolemäus  159  nach  Christi  Geburt."  Der  ältesten 
Sage  nach  ist  die  Insel  Helgoland  mit  dem  übrigen  Nordfriesland 
landfest  gewesen,  die  jetzt  über  sieben  Meilen  von  der  Küste  ent- 
fernt liegt,  und  auf  Föhr  hört  jnan  noch  häufig  erzählen,  dass 
der  Erbauer  der  drei  Kirchen  und  Thürmc   zu   St,  Johannis  oder 


XXII 

in  Nieblum  auf  Föhr,  der  Helgolander  und  der  Pelwornier  altea 
Kirche,  diese  drei  Oerter  auf  einem  weissen  Pferde  beritten  habe, 
während  alle  drei  Thürme  gleichzeitig  im  Bau  begriffen  waren. 
Ucber  hundert  Gemeinden  mögen  von  den  Flulhen  verschlungen 
sein,  deren  Namen  man  noch  zum  Theil  auf  altern  Karten  findet. 
Aus  Ditraarschen ,  Eiderstedt,  und  von  den  Inseln  Nordslrand 
und  Pelworra  ist  die  friesische  Sprache  durch  die  plattdeutsche 
verdrängt,  so  wie  zum  Theil  in  dem  Dorfe  Stadum  auf  der  Vor- 
geest durch  die  dänische,  wo  vor  40  Jahren  noch  durchgängig 
friesisch  gesprochen  wurde.  Nur  in  58  grössern  und  kleinern 
Kirchspielen  der  Aemter  Tondern,  BrechtecU  und  Husum,  welche 
den  westlichen  Küstensaum  nebst  einem  Thcile  der  Vorgeest 
einnehmen,  so  wie  auf  einigen  Inseln  und  Halligen  der  Westsee, 
wird  sie,  in  verschiedenen  Mundarten,  noch  jetzt  vom  Volke  ge- 
sprochen. Die  Einwohnerzalil  dieser  58  Gemeinden,  mit  Einschluss 
der  Insel  Helgoland,  wird  nur  wenig  über  die  50,000  steigen. 
Das  Herzogthum  Schleswig  beträgt  nämlich  465  Quadratmeilen  , 
mit  550,000  Einwohnern,  als:  170,000  Deutschen,  130,000  Dänen 
und  50,000  Friesen.  Siehe  Jörgensen  Jomton's  Struensee  (Kopen- 
hagen ,  1852),  S.  XXVni  der  Einleitung. 

Es  geht  natürlich  mit  dieser,  wie  mit  jeder  Volkssprache,  die 
sich  nicht  zur  Schriftsprache  erhoben  hat.  Ueberali  findet  man 
Abweichungen,  Veränderungen  in  der  Aussprache,  in  Ausdrücken, 
Redensarten  und  Wendungen ,  selbst  in  den  benachbarten  Gemein- 
den. Am  reinsten  und  geläufigsten  möchte  indessen  die  nord- 
friesische Sprache  auf  dem  festen  Lande,  gegenwärtig  wohl  in 
dem  sogenannten  Risummoor ,  den  Gemeinden  Risum,  Lindholm, 
Niehüll,  Deezbüll,  so  wie  in  den  benachbarten  Kirchspielen  Dage- 
büll,  Fahretoß,  Siedesand  und  Enge  sein.  Auf  den  sogenannten 
Halligen,  Hooge,  Langenäss,  Nordmarsch,  Gröde  und  Oland ,  so 
wie  indem  Flecken  \Vijk  auf  der  Insel  Föhr,  spricht  man,  mit 
sehr  unbedeutenden  Abweichungen,  dieselbe  Sprache  wie  auf 
dem  festen  Lande  der  genannten  Ocrler.  Dagegen  weicht  die 
Sprache  der  übrigen  Föhringer,  so  wie  auf  den  Inseln  Sylt  und 
Amrum,  so  bedeutend  von  der  Festlands-Sprache  ab.  dass  die  Kü- 
stenbewohner sich  oft  nur  mühsam  mit  ihnen  verständigen  können. 
Die    Sprache    dieser    Insler    ist     vielleicht   alterlhümlicher,    aber 


XXIII 

dabei  höckerig  und  woitarm,  die  der  Festländer  wortreiclier  und 
fliessendcr;  diese  mehr  ausgebildet,  jene  der  Insler  mehr  ver- 
nachlässigt. 

In  den  vorerwähnten  Gemeinden  des  festen  Landes,  so  wie  in 
den  benachbarten,  sie  umschliessenden  Kögen,  findet  nun  durch- 
gängig die  grösste  Uebereinstimmung  Statt,  wenn  man  kleine  un- 
bedeutende Abweichungen  ausnimmt,  z.  B.  ball,  bald,  und  bull; 
ersteres  in  Risum,  dieses  in  Lindholm.  Merkwürdig  ist  es  indes- 
sen ,  dass  man  in  Niebüll  und  Deezbüll,  die  Risiim  und  Lindholm 
gerade  gegenüber  liegen,  und  kaum  eine  Viertehneile  davon  ent- 
fernt sind,  keinen  Dualis  gebraucht,  der  doch  der  Sprache  ganz 
eigenthüralich  zu  sein  scheint.  Wo  die  Oslermoringer  ihre  Zwei- 
heit:  wdt ,  jdt ,  nnk ,  unken,  junk,  junhen  gebrauchen,  da  setzen 
die  Westermoringcr  die  Mehrheit  des  persönlichen  und  des  zu- 
eignenden Fürwortes:  ive,  jdm,  ühs,  ühscn  und  jdringe,  auch 
wenn  sie   nur  von  zweien  sprechen. 

Da  nun  diese,  gewiss  uralte,  Sprache  mit  jeder  Generation  von 
allen  Seilen  durch  die  dänische  und  plattdeutsche  immer  mehr 
beschränkt  wird,  und  ihrem  allmähligen  Ausslerben  entgegen- 
geht, so  haue  ich  mich  der,  wahrlich  nicht  leichten.  Mühe  unter- 
zogen, sie  durch  gegenwärtige  Arbeit  von  ihrem  gänzlichen  Un- 
tergänge bei  der  Mit-  und  Nachwelt  zu  retten. 

Für  die  Rechischreibung  konnte,  bei  der  Bearbeitung  dieses 
Werkes,  keine  andre  Regel  angenommen  werden ,  als  die  Aussprache 
eines  bestimmten  Bezirkes,  in  welchem  die  wenigsten  Abweichun- 
gen vorkommen.  Ich  habe  daher  die  Mundart  meines  eigenen 
Geburtsortes  [Eisiim)  gewählt,  welche  ich  nicht  deswegen  für  die 
reinste  halte,  weil  sie  meine  Muttersprache  ist,  sondern  weil  sie 
mit  den  obengenannten,  welche  allgemein  für  die  besten  gehalten 
werden,  am  meisten  übereinstimmt.  Auch  neigt  sich  hier  die 
Sprache  weder  zum  Deutschen  noch  zum  Dänischen,  und  gestaltet 
keine  fremdartige  Einmischung,  ohne  dadurch  in's  Lächerliche 
zu  fallen.  Dies  gilt  bis  zu  dem  Grade ,  dass  selbst  der  ernsteste 
Friese  sich  —  bei  allem  Zwange ,  den  er  sich  anthun  mag  — • 
des  Lächelns  nicht  enthalten  kann,  wenn  irgend  ein  b'Äna  oder 
Deutscher  die  friesische  Sprache  radebricht,  wie  es  fast  alle 
lliun,  die  nicht  gcborne  Friesen  sind.     Ich  habe  Dänen  und   Nie- 


XXIV 

Uerileulsche  gekannt,  die  sich  zehn,  zwanzig,  ja  fünfzig  Jahre 
und  darüber  unter  den  Friesen  aufgehalten  und  die  Sprache 
beständig  gesprochen  hatten,  welche  dieselbe  dennoch  so  jäm- 
merlich verstüaimelten,  dass  es  zum  Erbarmen  war.  Dies  gilt 
mehr  oder  weniger  von  allen  Auswärtigen ,  die  sich  unter  den 
Friesen  niedergelassen  haben.  Ich  kenne  hiervon ,  unter  allen , 
nurz^^ei  Ausnahmen,  nämlich  eine  alte  Frau  in  MaasbüU,  Namens 
Cal/iariita  Paiscn ,  und  einen  Mann  aus  Klixhilll,  Namens  Niss, 
der  weiland  dem  Lehnsvogt  Nissen  in  JSordvisum  diente.  Jene  war 
aus  Bnidcrup  ,  und  als  achtjähriges  Kind  nach  MaasbüU  gekom- 
men, dieser  hatte  sieh  bloss  längere  Zeit  unter  den  Friesen  auf- 
gehalten; beide  waren  Dänen.  Uebrigens  können  die  Dänen  nie 
so  recht  hinter  die  richtige  Aussprache  kommen.  Sie  gebrauchen 
häufifif  ein  verkehrtes  Geschlechtswort,  oft  den  Dualis  a;ar  nicht", 
und  mischen  verstümmelte  dänische  Wörter  mit  ein.  Dass  aber 
fast  kein  einziger  unter  den  Friesen  wohnender  Fremder  ihre 
Sprache  je  richtig  sprechen  lernt,  hat  seinen  Grund  in  dieser 
selbst.  Sie  erfordert  nämlich  erstens  ein  geläufiges  Organ ,  das 
von  Kindheit  an  a;eübt  werden  muss;  zweitens  hat  sie  eine  Mensre 
eigenlhümlicher  Ausdrücke,  Bildungen  und  Wendungen,  die  den 
verwandten  Sprachen  fremd  sind:  das  unregelmässige  Zeitwort 
weicht  in  seinen  verschiedenen  Zeitformen  mehr  ab,  als  im 
Deutschen.  Dänischen  und  Englischen;  die  Zusammenziehungen 
sind  häufiger  und  verwickelter,  und  die  Wortfügung,  welche 
am  meisten  mit  der  niederdeutschen  übereinstimmt,  hat  mit 
der  dänischen  sehr  wenig  gemein.  Wer  daher  behauptet ,  die 
^ordfriesische  Sprache  sei  aus  der  dänischen  und  plattdeutschen 
zusammengestöppelt,  der  verräth  nur  dadurch  seine  Unkunde , 
und  fällt  ein  Urtheil,  das  in  nichts  begründet  ist.  Will  man 
hier  die  Wörterähnlichkeit  der  verwandten  Sprachen  vorwenden , 
so  liesse  sich  mit  eben  so  vielem  Rechte  behaupten,  die  deutsche 
Sprache  sei  dänisch  oder  die  dänische  deutsch:  denn  es  wäre 
nicht  schwer  darzuthun,  dass  wenigstens  der  dritte  Theil  der 
Wörter  beider  Sprachen  gleiches  Ursprungs  sei.  Die  nordfriesische 
Sprache  ist,  trotz  ihrer  abweichenden  Mundarten,  eben  so  rein 
und  selbstständig,  als  irgend  eine  andere  ihr  verwandte,  wie  z.  B. 
die  deutsche   oder  dänische,  in  welchen    es   weit   mehr  vcrschie- 


XXV 

denc  Mundarten  giebt,  der  englischen  gar  nicht  einmal  zu  ge- 
denken. 

Wer  sich  nur  das  erste  Capitcl  über  die  Ausspraclie  der  Buch- 
staben im  Friesischen  erst  recht  zu  eigen  macht,  der  wird  dann 
auch  mit  der  Sprache  selbst  leichter  fertig,  und  ohne  dieses 
möchte  ihm  leicht  alle  fernere  Mühe  verleidet  werden.  Die  Aus- 
sprache der  Buchstaben  ist  nach  den  Grundsätzen  der  Lautme- 
thode von  Krug  und  Slephani  bearbeitet,  und,  im  Ganzen  ge- 
nommen, richtig  und  sicher.  Schon  im  Jahre  1817,  wo  ich  däni- 
sche Kinder  nach  der  Lautmelhodc  im  Deutschen  unterrichtete, 
entstand  dieses  Capitel.  Um  vollkommen  sicher  zu  sein,  schrieb 
ich  nämlich  friesische  Wörter  und  Sätze,  deren  Sinn  sie  durchaus 
nicht  verstanden,  in  allen  nur  möglichen,  auf  die  Aussprache 
Bezug  habenden  Verbindungen  und  Zusammenstellungen  an  die 
Wandtafel,  und  liess  sie  von  den  geübteren  Schülern  lesen,  nach- 
dem ich  sie  zuvor  mit  der  Aussprache  der  einzelnen  Laute 
und  deren  Zeichen  bekannt  gemacht  hatte,  und  erst  dann,  wenn 
diese  auch  die  schwersten  Wörter  und  Sätze  so  lasen  und  aus- 
sprachen,  wie  der  geborne  Friese  seine  Muttersprache  spricht, 
hielt  ich  mich  von  der  Richtigkeit  meines  Verfahrens  überzeugt, 
und  wo  es  haperte,  änderte  ich  ab,  bis  es  richtig  ward'). 

Ohne  Tonzeichen  war  es  indessen  nicht  möglich  die  Sprache  zu 
bearbeiten  und  schriftlich  darzustellen,  was  überall  sehr  leicht 
nachzuweisen  und  eben  so  leicht  einzusehen  ist.  Wie  sollte  man 
z.  B.  fällen,  fallen,  und  fällen,  4.  fiUen,  schinden,  2.  einem  nach- 
laufen, wie  ein  Füllen  der  Stute;  stallen,  i.  stallen,  pissen  .  von 
Pferden,  2.  auf  den  Stall  setzen,  einstallen,  und  stallen,  1.  stillen, 
2.  stellen;  lachen,  lecken,  einen  Leck  haben,  lacken,  lacken,  mit 


^  In  einem  seiner  Briefe  schrieb  mir  Hr.  B.  noch  folgendes 
über  die  von  ihm  gewählte  Rechtschreibung:  «Einem  Schullehrer 
auf  einer  benachbarten  Insel,  auch  einem  gebornen  Friesen,  den 
ich  seit  meinen  Kinderjahren  nicht  gesprochen  halle,  schrieb  ich 
einen  friesischen  Brief  nach  meiner  Orthographie,  die  er  augen- 
blicklich begriff,  und  nach  welcher  er  mir  auch  den  Brief  so  be- 
antwortete, als  ich,  wie  ich  wähnte,  ihn  nur  selbst  hätte  schrei- 
ben können.  Dies  spricht  doch  dafür,  dass  mein  Verfahren  im 
Wesenilichen  richtig  sei". 

{/bim-  d.  Herausg.) 

d 


XXVI 

Lack  versiegeln,  und  lüken,  lachen,  ohne  Tonzeichen  von  einander 
unterscheiden?     Und   so  verhält  es  sich  in  tausend  ähnlichen  Fäl- 
len.    Was  nun  das  Weitere  in  der  gewählten  Rcchtschreihung  be- 
trifft ,  so  habe  ich  überall  die  Endconsonanten  da  verdoppelt ,  wo 
das  in   der    Mehrheit   gehrauchte   Wort   denselben    doppelt   hören 
iässt ,  als;   dät  Läujiin,   dd  Lmjnne,    das   Land,   die   Länder;  de 
Eiin,  dd  Enne,  der  Abend,  die   Abende;  de  Dick,  dd  Dicke,  der 
Deich,  die  Deiche,  u.  s.  w.     Bisweilen    trifft  mau  den  Vocal  ver- 
doppelt, als:  dät  Reef,  der  Fuchs;  bisweilen  mit   dem  Dehnungs- 
zeichen,  als:   dät  Ref,   was   überall     als   völlig   einslautend    gilt. 
Einzelne   Abweichungen    in    der  Rechtschreibung   habe   ich   nicht 
immer   vermeiden   können;  doch    sind  sie   nirgends  von  der  Art, 
dass  die  richtige  Aussprache  im  Wesentlichen  darunter  litte.     So 
ist  es  z.  B.  für  die  Aussprache  ziemlich  gleichgültig,  ob  man  Täte, 
Thäle  oder  Tä/ite  —  Vater,  in  der  Anrede  —  schreibt,   da  jedes 
dieser  Wörter  doch  immer  so  lauten  wird,  wie  das  deutsche  Ihäte, 
von   l/mn.      Zu  vielen   derjenigen  Wörter,  die  im  Dänischen  und 
Schwedischen   sk,  im  Deutschen  seh,  und  im  Englischen  sh  zum 
Anlaut  haben,  findet  man  im  Nordfriesischen  eine  Menge  analoger, 
wo  aber  nur  das  englische  s/i,  als  dem  friesischen  Laute  zunächst 
stehend,   ohne  Anstoss  für's  Auge  gebraucht    werden  kann,   weil 
weder  sk  noch  seh  hier  ganz  passen ,  indem   sie  beide   zu   scharf 
sind.     Der  friesische  Anlaut  ist  hier  eigentlich  sg ,  wo  g  als  sanf- 
ter Gauraenhauch  ausgesprochen   wird,   wie   am   Ende   der   deut- 
schen Wörter  Teig  und   Zweig.     Beispiele :   dän.     Skade ,  Schade  , 
fries.  de  Shcise;  dän.  Skam,  engl,  shame,  fries.  dät  Shöm,  u.  s.  w. 
Das  s  am  Ende  einer  Silbe  oder  eines  Wortes,  so   wie  das  ss  in 
der  Mitte   der  Wörter ,  müssen   beide    äusserst    weich   und   sanft 
ausgesprochen  werden,  wie  des  s  der  Holländer.     Wo  es  thunlich 
war,  habe  ich  die  richtige   Aussprache   dieses   Lautes    durch   ein 
vorgeschobenes  h  zu  erzwingen  gesucht,  als:  jö  Wähs,  die  Wittwe; 
wihssen,  weisen;  de  Spl.ihs,  die  Spalte;  wo   der    Vocal    geschärft 
und  der  weiche  Laut  des  ss  doppelt  gehört  wird. 


GRAMMATIK. 


ERSTES  CAPITEL 

VON  DER  AUSSPRACHE  DER  BUCHSTABEN. 


a.    Vocale. 

§.1.  l.  A,  a,  aa.  Dieser  Buchstabe  wird  im  Nordfriesischen 
auf  fünf  verschiedene  Arten  ausgesprochen.  Das  doppelte  aft 
khngt  ganz  wie  das  aa  im  Niederdeutschen ,  z.  B,  in  den  Wör- 
tern :  de  Aader ,  die  Ader ;  Faader ,  Vater ;  de  Baar ,  der  Bär , 
und  wie  das  dänische  aa  und  das  schwedische  ä ,  z.  B.  in  Aal , 
der  Aal;  Skaal ,  Schale  (Gefäss);  et  Baal,  der  Scheiterhaufe;  pd, 
auf;  Sprdk,  Sprache ,  u.  s.  w.  Beispiele  :  aane ,  ohne ;  haanen ,  können  ; 
Aabel ,  ein  weiblicher  Name;  faar ,  vor  und  für;  jö  Kaar ,  der 
Karren;  gaar  adv.  gar;  baar,  bar;  raar,  rar;  haaren,  karren;  jö 
Snaar ,  die  Schnur  (Schwiegertochter);  jö  Haatvel ,  die  Klunker- 
milch ;  jö  Baaivel ,  die  Simse ,  Binse ;  dat  Aawent ,  die  Schnür- 
brust;  spaawelt ,  gelb  und  weiss  gesprenkelt;  jö  Kaarcl ,  die 
Karte  ;  haarden  ,  karten  ,  Karten  spielen  ;  hraasen  ,  braten ;  jö 
Braahs ,  der  Braten  ,  u.  s.  w. 

2.  ^ ,  ä.  Wie  das  gedehnte  a/i  in  den  deutschen  Wörtern: 
ahnen,  bahnen,  mahnen,  der  Wahn,  Hahn  u.  s.  w. ,  als:  jö  ^rt, 
die  Erbse;  dät  Part,  der  Part,  Antheil;  jö  ^l,  die  Grossmutter; 
jö  u^nert,  die  Ente;  mal,  toll,  aufgebracht,  niederdeutsch:  mall; 
käl ,  kahl;  nägel ,  nackt,  daher  noch  im  Deutschen  nagelnackt, 
im.  Friesischen  spUnternagel ;  prälen ,  i.  prahlen,  2.  laut  rufen, 
schreien  ;  malen  ,  malen  (mit  Farben) ;  letalen  ,  nd.  betaalen  , 
dän.  at  betale;  sägen,  sägen;  sägnen,  vermissen,  dän.  at  savne, 
nd.  saaknen ;  dat  Gagen,  der  Nutzen,  dän.  Gavn ;  gägnen, 
Nutzen  gewähren ;  da  ^gne,  die  Spreu  ,  dän.  'Avne;  füren ,  fahren 
(nur  zu  Wasser);  de  Tjäre ,  der  Thcer;  jö  Snär ,  die  Schlinge. 

1 


3.  Wird  a  mit  demselben ,  unter  2.  bczeichnelcn ,  Laute  ganz 
kurz  ausgesprochen  oder  abgestossen ,  ohne  geschärft  zu  werden , 
wozu  sich  aus  den  verwandten  Sprachen  keine  Beispiele  entneh- 
men lassen.  Wir  müssen  dieses  durch  die  Verdoppelung  des  Con- 
sonanten  bezeichnen,  als:  ^fe,  Gross vater;  jöKätt,  die  Katze,  nd. 
und  dän. Kat;  fätt,  fett;  dätFäf  pl.  Fä/ise ,  die  Schüssel ;  \\cluM, 
er  heisst;  strädden,  altd.  greten ,  grätschen;  hlädden,  kladden, 
klittern;  jö  Klüdd ,  die  Kladde;  dat  Jädder ,  das  Euter,  nd.  dat 
Jüdder;  fällen,  fallen;  gällen,  weinen;  stallen,  stallen;  de  Stall, 
der  Stall ;  jö  Sali ,  der  Sattel ;  jö  Fäll ,  die  Falle ;  de  Gällc ,  die 
Galle;  de  Hätlig ,  der  Hallig  (Holm,  kleine  Insel);  fällig,  ordent- 
lich ,  weidlich ;  alles ,  alles  ,  u.  s.  w. 

4.  'A,  d.  Hat  den  Laut  und  Ton  des  dänischen,  gedehnten 
hellklingenden  a ,  wie  in  den  dänischen  W^örtern  :  en  Sal ,  der 
Saal;  at  gale,  krähen;  gal,  toll;  at  male,  mahlen;  at  prale,  prah- 
len; at  tale ,  reden  u.  s.  w.  —  Beispiele:  de  Hjäl  oder  Hjärl,  ge- 
hechelter Flachs;  swälen,  heuen,  Heu  machen;  späten,  spielen; 
läsen ,  foppen ,  prellen  ;  täsig  ,  gricklich  ;  fläsen  ,  ausplaudern  ;  lä- 
sen ,  birschen ;  lälisen,  gelitten;  dat  Raser  ^  ein  ein-  bis  zweijähri- 
ges Rind;  de  Päse ,  der  Ochsenziemer,  dän.  cn  Pces;  da  Lähse , 
die  Gliedmassen. 

5.  Ä ,  ä.  Ganz  wie  das  geschärfte  a  im  Deutschen  und  Däni- 
schen ,  in  :  das ,  nass  ,  blass  ,  Fass  ,  Napf,  fallen,  fassen  ,  Katze  , 
Schatz  ,  Latz ,  u.  s.  w. ,  als  :  näll,  stössig ,  von  Rindern ;  sliall ,  schmut- 
zig, vom  Rind- und  Wollenvieh,  das  dünn  mistet;  stall,  stille;  dp, 
auf;  (ip}}e,  auf;  wällen,  wollen;  de  Wälle,  der  Wille;  de  Bäk- 
her,  der  Bäcker,  2.  die  Meerschwalbe;  släkhen ,  lecken  mit  der 
Zunge;  mdcken,  küssen;  trdcken,  ziehen,  dän.  at  träkke ,  nd. 
trecken,  daher:  jö   Trackpott,  der  Ziehtopf,  d.i.  der  Theetopf. 

§.  2.  Ae,  ä,  all.  Wird  überall  so  ausgesprochen  ,  wie  das  ge- 
dehnte äh  im  Deutschen  in  den  Wörtern:  die  Aehrc,  die  Fähre, 
die  Mähre,  die  Thränc,  Mähne,  mähen,  nähen,  säen,  u.  s.  w. ,  als: 
dät  Aelil,  die  Mistjauche,  altdeutsch:  derAddel;  jö  S/iäl,  1.  die 
Schale ,  als  Gefäss ,  2,  der  Unterschied  zwischen  dem  Gebotenen 
und  Geforderten  beim  Kaufen  und  Verkaufen;  dal  3Iühl,  das 
Jflehl;  jö  Füget,  der  Fehler;  de  Hagel,  \.  der  Hagel,  2.  die  Fer- 
se; jö  Hagel,  die  Hechel;  shdlcn,  dilTeriren ,  nd.  schälen;  /ä- 
ivcrn,  liefern;  bäwern ,  beben;  sträwen,   1,  streben,  2.  sich  sLi'ei- 


teil ;  ahmen,  oflcn ;  de  Fräthc ,  gemein  für  Mund,  Maul,  die 
Fresse;  Tliüte ,  Vater;  lälis,  spät,  nd.  laal ;  bläliscn,  üainmen  v. 
trans. ,  z.  B.  gerupfte  Gänse  mit  Stroh,  dän.  at  blussc  ;  davon  jö 
Blähs,  dän.  et  Bluss ;  däsig ,  nd.  dösig.  —  Das  geschärfte  ä, 
wie  in:  äffen,  täppisch,  läppisch,  u.  s.  \v.,  kommt  im  Nordfricsi- 
schen  nicht  vor. 

§.5.  E ,  e ,  Ee ,  ee.  Behält  überall  den  unveränderten  Laut 
seines  Namens ,  und  wird  entweder  gedehnt ,  oder  bei  unverän- 
derlcm  Laute  kurz  abgestossen.  Gedehnt  klingt  dieser  Laut  wie 
in  den  deutschen  Wörtern  :  die  Ehe ,  Seele ,  drehen  ,  sehen ,  Avehcn  , 
ilehen,  als:  jö  Fcel ,  feien,  die  Feile,  feilen;  jö  Treel ,  trelen,  die 
Bollscheibe ,  rollen,  dän.  en  Trilde ,  at  trilde ;  jö  Meel ,  die 
Meile,  dän.  und  nd.  en  Miil ;  de  Tech,  die  Diele,  nd.  de  Dähl , 
altdän,  en  Tillie;  sielen,  stehlen;  de  Creme,  die  Halfter,  dän,  cn 
Crime,  woher  auch  wahrscheinlich  das  englische  groom ,  der 
Stallknecht,  stammen  mag;  jö  Steem  ,  die  Stimme;  dat  lleess , 
dän.  en  Rost ,  auch  die  Stimme  ,  wie  sie  besonders  jedem  Ein- 
zelnen eigen  ist;  dät  Neest ,  das  Nest;  nesteln,  nisten;  jö  Feest , 
die  Faust ;  dät  Feest ,  das  Fest ;  ncesh  ,  zart ,  von  der  Haut  ge- 
braucht; meek ,  zahm,  kirre;  mechUck,  gemächlich,  bequem.  Bei 
unverändertem  Laute  kurz  abgestossen  in:  elfing ,  heut  Abend; 
jö  Meilen,  die  Mühle;  de  Meiler,  der  Müller;  jö  Ellen,  die  Elle; 
teilen,  zählen,  nd.  teilen,  dän.  at  tälle;  feilen,  1.  füllen,  2.  ge- 
fallen sein ;  sellew  ,  selber  ,  dän.  selv ;  edder ,  früh  ;  dät  Edder , 
der  Eiter;  selten,  setzen;  tenn  ,  dünn;  wenn,  blau;  de  Enn,  der 
Abend ;  am  Ennem ,  des  Abends ;  jö  Fenn ,  die  Fenne  in  der 
Marsch ;  de  Senne ,  die  Sünde ;  jö  Penn ,  ein  kleiner  hölzerner 
Wirbel  zum  Vordrehen  an  Stallthüren  und  Luken. 

§.  4.  /,  i,  ih  ,  ie.  Gedehnt,  wie  in:  ihm,  ihn,  ihr,  mir, 
dir,  Thicr  ,  Stier,  die  ,  wie  ,  nie  ,  u.  s.  w. ,  als  :  hver,  ein  männlicher 
Eigenname,  2.  der  Eifer;  ifinc ,  allein,  dän.  ene  ;  da  Biene,  die 
Beine;  da  Sliene ,  die  Steine;  ihr,  eher,  früher;  dät  Bier,  das 
Bier;  hiese,  beide;  lie-cn,  miethen  ,  heuern,  dän.  at  leie;  lienen, 
leihen,  nd.  lenen ;  tienen,  dienen,  dän.  at  tjene ;  tie-en,  ziehen; 
de  Tiener,  der  Diener;  die-en,  heisse  Speisen  vertragen  können; 
ivieh ,  übel  zum  Erbrechen  ;  de  Sie-e,  der  und  die  See;  kie-en,  \.  stei- 
gen, anschwellen  vom  Wasser,  2.  v.  trans.  erhöhen;  fniesen , 
niesen  ;  friesen ,  frieren ,  u.  s.  w. 


Geschärft,  in:  Ick,  ich;  de  Dick,  der  Deich,  nd.  de  Diek;  dic- 
ken, deichen;  dät  Stick,  der  Griffel;  jö  Wkk ,  die  Wiek ,  dän. 
en  Viig,  die  Meeresbucht;  rick ,  reich;  dät  Lick,  die  Leiche,  nd. 
dat  Liek,  dän.  et  Lüg;  dät  Sicken,  der  Seufzer;  sicknen,  seuf- 
zen; dät  Dill,  das  Bild;  de  Biller,  ein  armer  Wicht;  ivill,  wild; 
drillen,  i.  drillen,  2.  foppen;  dulss,  das  Eis,  nd.  und  dän.  lis;  dät 
Griss ,  dän.  en  Griis,  das  Ferkel;  witt ,  weiss;  bitten,  beisscn ; 
slitten ,  i.  schleissen  ,  2.  aus  der  Tasche  verlieren,  5.  Einen  gut 
zu  nehmen,  zu  behandeln  wissen,  um  gut  mit  ihm  umgehen  und 
fortkommen  zu  können.  He  wijt  kam  gäiijd  to  slitten ,  er  weiss 
ihn  zu  nehmen. 

§.5.  0,  0,  00,  oh.  Hat  drei  verschiedene  Laute:  erst  den 
gedehnten  seines  Namens,  wie  in:  ohne,  der  Lohn,  schonen, 
wohnen ,  als :  Ohme ,  der  Odem ;  de  Thole ,  der  Grasbusch ;  de 
Trohl,  der  Zauberer,  dän.  en  Trold ;  de  Nöme ,  der  Name;  de 
Molme,  die  Mähne,  dän.  en  Manko,  engl,  the  mane;  hohl,  hohl, 
engl,  hollow;  de  Körne,  1.  ein  Poltergeist;  2.  die  Nase,  aber  nur 
scherzweise;  de  Höme ,  1.  der  Hamen,  die  Reuse,  2.  die  Schei- 
de der  Gräser ,  aus  welcher  die  Achre  hervorkommt ;  sören ,  sie- 
chen, kränkeln;  sögen,  einkochen,  v,  intrans. ;  de  Krage,  der  Gra- 
pen;  de  Loge,  die  Lohe,  Flamme;  de  Snoive ,  die  Schnuppe  am 
Lichte;  de  Rowe ,  der  Schürf  einer  vernarbenden  Wunde;  nög , 
i.  genug,   2.  gar,  adj. 

Zweitens  mit  unverändertem  Laute ,  aber  kurz  ,  als :  bannen , 
bannen,  fluchen;  wärmen,  Getreide  in  der  Schwingwanne  reinigen, 
dän.  at  dröfte  (schwingen) ;  de  Mönn ,  der  Mann  ;  jö  Kann ,  die  Kanne ; 
jö  Pönn,  die  Pfanne;  jö  Fömmen ,  das  Mädchen;  de  Dämm,  der 
Damm;  de  Römm ,  der  Widder,  Schafbock;  de  Ömmer,  der  Eimer; 
de  BöUe,  die  Beule;  de  KnöUe,  1.  der  Knöchel,  2.  der  Pfeifenkopf; 
}ö  Shömm,  l.dieSchaam,  2,  die  Schande;  de  Klömp,  l.dieKlampe; 
2.  der  Schober,  aber  ein  grosser  viereckiger  am  Hause,  wenn  man 
im  Hause  kein  Gelass  für  Heu  und  Korn  mehr  hat;  lönwi,  lahm; 
tömm  ,  zahm  ,  u.  s.  w. 

Drittens  geschärft,  wie  in:  sollen,  wollen,  oft,  hoffen,  offen, 
u.  s.  w. ,  als:  de  Trolling ,  ein  Brot;  oller,  nie,  niemals;  de  Kolle, 
i.  die  Kälte,  2.  das  Fieber;  grott ,  gross,  nd.  gröt ;  groltem, 
laut ;  jö  Polt ,  Topf. 

§.  G.     Oe ,  <i,  öh.    i.  Gedehnt,  wie  in  den  Wörtern:    Oel,  die 


Höhle,  liöhnen  ,  u.  s.  w. ,  als:  dät  Oeltle ,  das  Gel;  de  Tltöle ,  das 
Maul;  (jölil,  gelb;  njiil,  plump;  fö/il,  i.  faul,  träge,  2.  faul  z.  B. 
von  Eiern,  5.  boshaft,  niedrig  gesinnt;  shölen ,  Schutz  vor 
Wind  und  Regen  suchen,  dän.  at  skjule,  2.  wie  ein  Dieb  einher- 
schleichen;  jö/iö/?/,  1.  die  Grube,  2.  das^Grab,  nd.  de  Kühl,  dän. 
cn  Kulc  ;  holen ,  heulen ,  nd.  hulcn  ,  dän,  at  hyle  (spr.  hüle) ;  jö 
Möltr,  die  Mauer ;  polen ,  zupfen,  auszupfen,  dän.  at  pille;  lören, 
lauern,  nd.  luren  ,  dän.  at  Iure;  dat  Bölir,  das  Bauer,  nd.  und 
dän.  Buur;  drög ,  trocken,  nd.  drög ;  drögen ,  trocknen;  sivömen, 
schweimen ,  in  Ohnmacht  fallen ,  nd,  swieraen  ,  dän.  at  svime ; 
daher  nun  de  Sivöme ,  die  Ohnmacht;  de  Söme,  die  Summe;  de 
Glöme,  die  Gluth  ,  u.  s.  w. 

Zweitens  geschärft,  wie  in:  Söller,  öfter,  öffentlich,  als:  stowen, 
stieben;  döivcn,  tunken;  snöwen ,  i.  schnauben;  2.  schnupfen,  z.B. 
Taback;  shöiven ,  schieben;  Möwen,  klauben;  jö  Klöfl ,  die  Schnur- 
re,  Posse;  klöftig,  4.  drollig,  2.  gescheidt,  geschickt,  erfinderisch; 
lößen ,  gehoben. 

Di'ittens  wie  das  ö  im  Niederdeutschen  in:  de  Döhr,  de  Göhr, 
möhr  u.  s.  w.  als:  de  Jögel,  der  Eiszapfen  ;  Island,  lökul ;  de  Tögel , 
der  Zügel ,  nd.  Tögel ;  de  Fögel ,  der  Vogel ;  de  Böget,  der  Bügel ,  nd. 
Bögel ;  jö  Döged,  die  Tugend ;  jö  Jöged ,  die  Jugend ,  das  Jugendalter; 
jö  Köwel,  der  Weiberrock  ,  von  den  Hüften  bis  zu  den  Füssen  rei- 
chend ;  jö  Döhr ,  die  Thür ,  nd.  Döhr ,  dän.  Dör ;  döhr,  durch,  hindurch. 

§.  7.  U,u,uh.  1.  Gedehnt,  wie  in:  Uhr,  Spur,  thun ,  Schuh, 
Ruhe,  die  Müsse,  die  Busse  u,  s.  w. ,  als:  jö  Swuhn,  der  Schwan; 
jö  Buhn,  die  Bohne;  uhsen,  schöpfen,  dän.  at  Öse;  da  Klüse,  die 
Kleider;  de  Uhrs,  der  Frühling;  jö  Suhrd,  die  Schwarte;  de  Ur- 
der,  der  Enterich,  Erpel;  suhrt,  dän.  sört ,  schwarz;  luhnen,  loh- 
nen; de  Gut  ig ,  der  Galgen;  dät  Tulig ,  der  Talg;  dat  Hulem, 
Langstroh  zum  Decken  der  Häuser  und  Deiche,  als  nomen  eollecti- 
vum ,  dän.  Halm. 

2.  Bei  unverändertem  Laute  kurz  abgestossen,  wozu  es  in  den 
verwandten  Sprachen  an  Beispielen  fehlt,  als:  fudi! ,  bange;  de 
IJch ,  die  Wand;  de  Such',  der  Zober,  Zuber;  de  Kuch'  oder  Kug  , 
der  Koog  ;  duhggen  ,  thun  ;  fuhggen  ,  empfangen ,  empfahen  ,  dän. 
at  faae;  htich ,  hoch;  de  JIupp,  der  Haufe;  de  Kupp,  [der  Kauf; 
lupen,  laufen,  nd.  lopen;  hnppcn,  häufen,  häufeln;  stupp,  hart  an; 
de  Riip ,  dän.  et  Reeb,  nd.  Reep. 


5,  Kurz  und  geschärft,  wie  in:  Mutier,  Butter,  Kuller,  uns, 
und,  als:  twimtig ,  zwanzig;  da  Tunte,  die  Finnen  im  Fleische 
der  Schweine;  jö  Mmlder,  die  Mutter;  dät  Muddev,  der  Schlamm, 
Moder,  dän.  Muddcr;  munter;  unk,  uns  beiden,  uns  beide ;  j?M?/,- , 
euch  beide,  euch  beiden;  junk,  adj.  dunkel;  drunhen,  \.  getrun- 
ken, 2.  trunken  ;  y)  Ritng  ,  die  Runge  am  Wagen;  jö  Spung  ,  i.die 
Spange,  2.  das  Kirchhofthor;  jö  IIull,  die  Mütze  (Hülle);  de  Bulle, 
der  Zuchtstier;  dumm;  stumm;  jö  Itull ,  die  Holle;  unner ,  nd. 
unner;  de  Tunner,  der  Donner. 

§.  8.  TJc ,  ii ,  üh.  Gedehnt  und  geschärft,  wie  im  Deutschen. 
Beispiele:  de  Dülis,  der  Tod;  de  Sühs,  der  Brunnen,  nd.  de  Soot; 
&iUKlüIis,  das  Tuch;  Iiühs,  heiser;  lülis,  los;  snu/iss,  flink,  nett; 
Ulis,  unser;  de  Hülis,  die  Heimath,  u.  s.  w.  Geschärft:  ütte,  bütte, 
aussen,  draussen;  dät  Rätt,  die  Raute,  Scheibe;  jö  Ratten,  die  Raute 
in  der  Karte,  Schellen;  de  Rätter,  der  Reuter;  de  Siitter ,  1.  der 
:Schuster,  2.  die  Schleihe  (Gobitis  Tinea),  latein.  Sulor.  Gedehnt 
in  Düe,  ein  Mannsname ;  ^»('«.arbeiten;  jö  Rüing ,  die  Saatzeit 
-im  Frühling;  bräen,  zum  besten  haben,  necken,  nd.  brüen. 


b.    Doppellaute, 

§.  9.  Diese  sind:  aai,  äi,  äi,  di ,  äi,  öl,  au,  äu,  aaj,  oj ,  üj, 
■ij,  ?V>  oj,  äuj,  ijj. 

Aai,  aai.  Das  breilgedehnlc  aa  (§.  1.)  wird  hier  mit  i  ver- 
bunden ausgesprochen,  als:  Faaic,  Vater;  Klaai,  Nicolas  verkürzt; 
maai ,  ziemlich,  erträglich;  laai,  faul,  dän.  loi;  Baal,  Verkleine- 
rungswort für  Ingeburg;  dät  Baal,  der  Boi ,  ein  Zeug;  straaien, 
gemächlich  gehen ;  glaaien,  schlüpfen,  entwischen;  ütlglaaien,  aus- 
glühen; raaieln,  taumeln;  waaitcn,  winken;  jö  Waait,  die  Winke; 
jö  Flaait,  die  Flöte,  flöten:  flaaiten;  spaaitcn,  spritzen;  jö  Spaait, 
die  Spritze  ,  u.  s.  w. 

./i ,  äi.  Das  gedehnte  a  in  ahnen ,  bahnen  u.  s.  w.  wird  mit  i  ver- 
bunden ausgesprochen,  als:  dat  ^t ,  das  Ei;  dat  Wäi,  der  Wat- 
tich, die  Molken;  de  Kläi ,  der  Klei,  Thon;  Päic ,  Pai ,  Manns- 
name; de  Kaie,  der  Schlüssel,  engl,  the  key ;  lälden ,  blitzen, 
nd.  läiden;  de  Luid,  der  Blitz;  de  Wäien ,  der  Wagen;  dät  .^i- 
ken ,  das  Eichen,  Riechbüchse;  Fäikc  und  Pulke,  Anrede  an  klci- 


nc  Jungen;  pätlceii ,  raj)peln ,  Avic  ein  kleiner  Knabe;  släicn,  ge- 
schlagen ;  twäieii ,  gewaschen  ;  räicln ,  einreihen  ,  einen  Faden ; 
de  Mäi,  der  Mai;  dat  Mäijückcr ,  die  Weidenruthe ;  glüi ,  froh, 
dän.  glad   (I.  gluhs). 

'Ai,  äi.  Das  hellklingende,  langgezogene  äh  der  Dänen  mit  i 
verbunden,  als;  äi ,  nicht;  äien,  einem  die  Backen  streicheln;  jö 
Bai,  die  Beere;  däien,  gedeihen;  wäien,  1.  wehen,  2.  trauen,  ein 
Brautpaar ,  dän.  at  vie  (trauen) ;  fiäien  ,  freien ;  hräicn ,  krähen , 
nd.  kreicn ;  säien,  at  süe,  nähen;  späien,  speien;  gräien,  wach- 
sen, dän.  at  groe  ;  Jiäien ,  Milderungswort  für  lügen;  läi,  lau; 
äujn'e  Laie,  dän,  i  La,  im  Schutz  vor  dem  Winde ;  näi ,  neu;  de 
Bräi,  der  Brei;  dat  Sträi ,  das  Stroh;  dät  Stäi,  der  Koben,  dän. 
cn  Sti;  twäie,  altd.  zwiro,  d.  i.  zweimal,  engl,  twice;  träie,  drei- 
mal ,  engl,  thrice  ,  u.  s.  w. 

Ai ,  äi.  Das  geschärfte  ä  in:  dass ,  nass,  Fass,  lassen,  wird  mit 
i  verbunden  ausgesprochen  ,  als :  läinken ,  leicht  einherhüpfen  ; 
dräinken ,  Irinken;  säinkcn,  sinken;  kräinhen ,  kränken;  liäinken, 
hinken;  släinken,  schlucken;  tvuinken,  winken;  dat  Aingel ,  der 
Engel;  jö  Räingel,  der  Henkeltopf  mit  zwei  Henkeln;  de  Häinger, 
der  Henker;  de  Fähiger,  der  Finger;  räingeln,  klirren;  de  Späin- 
ke,  die  Leitersprosse;  da  Räinke,  die  Ränke. 

§.  dO.  Aei,  äi  in:  da  Aeile,  die  Aale;  da  Wäile,  die  Weiher; 
päilen,  im  Wasser  platschen,  dän.  atpöle;  käilen,  kühlen;  fallen, 
fühlen;  späilen,  spühlen;  da  Täis,  die  Zähne;  Gäis,  Gänse,  dän. 
Gjäs,  engl,  geese;  näist,  nächst,  dän.  näst,  engl,  next ;  de  Näi- 
ber ,  der  Nachbar,  nd.  Naaber;  jö  Häi,  1.  die  Lust,  2.  Erinne- 
rung, 0.  Gemüth,  u.  s.  w.  ^  — ;  deWäi,  der  Weg,  dän.  en  Vei;  da 


1  Diess  Wort  »jö  Häi"  ist  das  dänische  Hu,  und  das  altdeut- 
sche Hug,  Hauch,  Geist,  welches  noch  in  dem  Worte  Hugenot- 
ten ,  » Hug-genoten  ,"  Geistesgenossen ,  übrig  ist.  Im  Dänischen 
hat  man  folgende  Wörter  und  Redensarten  aus  demselben  ge- 
bildet: »Med  velbcraadt  llu,"  mit  rciflicber  Ueberlegung;  »Väre 
mod  i  Hu",  verstimmt,  verdricsslich  sein;  »Glad  i  Hu,"  frohes 
Gemüthes;  »  At  komme  ihn  ",  eingedenk  sein,  sich  erinnern;  »  Hu- 
kommelse"  ,  das  Gedächtniss ;  »  at  huske",  im  Gedächtniss  belialten. 
Lii  Nordfricsiscbcn  :  «Dät  kämt  me  änjn  liäi",  kommt  mir  in  den 
Sinn;  »Ick  Iiäw'r  m'jn  Häiäjt,"  ich  habe  keine  Lust  dazu.  —  Daher 
stammen  ferner  die  nd.  Wörter:  /lägen,  de  Häg,  und  /lögen  —  so 
wie  die  friesischen  Wörter:  /lägen,  jö  Hö/ig ,  und  /läien ,  so  wie 
hagen  und  behagen,  behaglich,  im  Deutschen.  Uägcn,  erfreuen. 


Mäile,  die  Mahle,  dän,  Maal ;  de  Täirem,  der  Darm ,  dän,  Tarm; 
deAeirem,  der  Arm;  fair,  stark,  dän.  för  (1.  föhr);  du  Häier ,  das 
Haar;  iväir,  wahr;  jö  Shäicr ,  die  Schere;  äim ,  wund,  zart, 
schmerzhaft,  dän.  öra;  sUiipen,  schlafen,  nd.  slaapen;  näi,  nahe; 
de  Näigde,  die  Nähe,  nd.  Negd ;  wäigen,  wippen;  dat  Häigeti, 
das  Stuhlkissen;  äien,  eigen;  läig ,  niedrig;  dat  Lälged ,  die  Nie- 
derung. 

Oi,  öl.  Behält  die  Aussprache  seines  Namens,  als:  töien,  auf- 
ihauen;  sliöien,  die  Pferde  beschlagen  (schuhen),  dän.  at  skoe; 
Böie ,  ein  männlicher  Eigenname ;  jö  Köi ,  die  Knie ;  forsmöien , 
verschmähen,  dän,  at  forsmaae ;  kröien,  nach  etwas  Gesunkenem 
mit  dem  Suchhaken  fischen ,  dän.  at  kröie ;  smöien ,  aufstreifen , 
dän.  at  opsraöie ;  röien ,  rudern ,  ein  Boot  u.  s.  w. ,  dän.  at  roe ; 
swöien ,  at  sweie  ,  swäie. 

§.  H.  Au,  au,  wie  im  Deutschen,  als:  dRAntie,  nom.  coli.,  die 
Buttermilch  ;  amver ,  über;  trauen  ,  einem  — ;  jö  Glauw,  der  Spaten ; 
jö  Granf ,  der  Graben ;  lamven  adj.  windstill ,  kalra ;  lauwen ,  v.  trans. , 
Heu  oder  Garben  aufladen ;  de  Auwen ,  der  Ofen ,  dän.  en  Ovn  ; 
auf,  ab,  dän.  af;  de  Maude,  die  Mode;  de  Grause,  \.  die  Gruse, 
Saft  der  Pflanzen ,  2.  Jahreswuchs  ;  de  Edgraiise ,  das  Nachgrass 
zum  Abweiden,  dän.  en  Gröde;  iöPraus,  Dreilingslicht,  Lauflicht, 
Rennkerze ,  dän.  en  Praas ;  jö  Stauwe^i ,  dän.  en  Stavn  ,  der 
Stafen ,  der  Warf,  auf  welchem  ein  Haus  steht  oder  gestanden 
hat ;  jö  Raus ,  die  Rose ,    u.  s.  w. 

Äu ,  äu ,  wie  im  Deutschen ,  als :  de  Täns ,  der  Zahn ,  engl, 
looth ;  dät  Maus ,  das  Muss ,  als  Pflaumenmuss;  dat  Bans,  die 
Erdhütte  aus  Rasen;  jö  Gaus,  die  Gans,  nd.  de  Gös ,  dän.  cn 
Gaas,  engl,  goose;   ick  läns,  ich  las. 

§.  12.  Aaj :  Aajt,  Agatha,  ^j ,  äj:  de  Bräjt,  die  Breite;  de 
Wäjt,  die  Nässe,  dän.  en  Väde ,  Vädske.  Aej,  äj :  dät  Ajth  (ge- 
dehnt), der  Essig,  dän.  Ädike ,  nd.  Atig,  engl,  cisel.  —  Ge- 
schärft in:  äjtt,  zu,  an,  bei,  engl,  at;  de  Bäjtlinge ,  von  en  Bdjtte, 
das  Bischen  ,  Umzugsgut ,  Fahrniss  (dän.  Flyttegods ,  Lösöre) ; 
dkFäjtl,  die  Füsse,  engl,  feet,  nd.  deFöth;  wäitt,  nass,  engl,  wet. 


behagen;  de  Häg,  das  Behagen;  högcn  im  nd.  behalfen,  erin- 
nern, im  Friesischen:  erfreuen;  jö  HöJtg ,  das  Wolilge"fallen ,  Beha- 
gen; liäien,  im  Sinne  behalten,  verbergen,  verheimlichen,  niüdernd 
für  lügen. 


dän.  vaad ;  swäßt ,  süss,  engl,  sweet;  de  Räjdd ,  der  Ralh,  dän. 
et  Raad;  räjdden,  l.  errathen ,  2.  zurathen,  abrathen  ,  5.  über 
etwas  befehlen ,  gebieten ,  4.  enlohnigt  sein  können ;  de  Räjd- 
delse,  das  Räthsel;  dät  Stäjll,  das  Eisen,  engl,  steel  (Stahl);  de 
Äjl,  der  Aal,  engl,  eel ;  jö  Sliäjll ,  die  Schuld,  Ursache;  dat  Mäjl, 
das  Mahl,  dän.  Maal;  de  Wäjl,  der  Weiher,  der  Wehl;  jö  Mäjdd, 
die  Math  ;  mäjdden  ,  mähen  ;  jö  Bräjdd ,  die  Braut ;  bräjdden  , 
brüten,  engl,  the  bride ,  to  brood,  to  breed ;  fäjdden,  ernähren, 
füttern,  dän.  at  föde,  engl,  to  feed ;  jö  Fäihs ,  Weide,  Unterhalt, 
dän.  en  Föde ,  engl,  the  feed. 

§.  15.  Ij,  ij:  dät  Ijll,  das  Feuer,  dän,  Ild;  dät  Ijllinge ,  die 
Feuerung;  dat  Ijd,  der  Torf;  he  bijtt,  er  biss;  de  StrijU ,  ein 
Gang  in  der  Kirche ,  das  engl,  slreet  (Strasse) ;  bijlken ,  laut  nach- 
rufen,  einem;  dät  Fijl,  das  Rad,  engl,  wheel ;  dät  Dijl ,  4.  das 
Ding,  2.  der  Theil ;  dät  Giß,  das  Geld;  jö  Hißl,  die  Heide,  die 
Fessel  am  Fusse  der  Pferde ;  hißlen ,  die  Fessel  anlegen ;  de 
Wißte,  der  Weizen,  engl,  wheat ,  dän.  Hwede ,  nd.  Weten ;  nijd- 
lick  ,  kümmerlich  ,  beengt ,  wörtlich  :  nöthlich  ,  von  Noth  ;  da 
Snydde,  die  Grieben;  hiß,  heiss,  nd.  hitt ,  dän.  hed  (1.  hehs) 
engl,  hot;  de  Stijtt,  der  Stoss;  de  Stißi,  der  Stein,  dän.  u.  nd. 
Steen ,  engl,  stone;  hijnnen,  1.  mit  den  Händen  auffangen;  2.  sich 
ereignen,  begeben;  fiijnn ,  schlecht;  rvijnnen ,  wenden. 

Äj,  scharf:  de  Hdjt,  die  Hitze;  Idjtt,  nd.  lüjtt,  engl,  lililc ;  en 
Bäßle,  ein  Bisschen;  de  Baß,  das  Jucken,  u.  s.  w, 

Üj ,  üj :  iijll,  alt;  iijllings ,  altlings,  weiland;  jö  UjlUtig ,  die 
Mulde;  de  Füjlle ,  die  Falte,  dän.  en  Folde,  engl,  fold;  de  Küjl, 
der  Kohl,  dän.  Kaal;  hüjllen,  halten,  engl,  to  hold;  düjdd ,  todt, 
dän.  död,  engl,  dead  ;  dät  Brüßl,  das  Brot ,  dän.  Bröd,  engl,  bread; 
jö  Nüjd ,  die  Noth  ,  dän.  Nöd ,  engl,  need ;  dät  Nüjtt ,  das  Rind  , 
dän.  et  Nöd ,  engl,  neat ;  de  Siijdde ,  der  Torfsode ;  rüjd ,  roth  , 
dän.  röd ,  engl,  red;  rußten,  muhen;  dat  Büßt,  das  Boot;  dät 
Uijdd ,  Loth ,  u.  s.  w. 

§.  14.  Öj,  öj,  als:  Döjtte ,  Töchterchen;  Paßte,  Schweinchen; 
pößte,  pöjlte !  zum  Anlocken  der  Ferkel  und  Schweine;  de  Haßte, 
die  Endscheibe  des  Brotes;  de  Rößite,  Mannsjacke;  de  Pößite,  ein 
zweizöUiges  Würfelhölzchen ,  mit  dem  die  Kinder  in  den  Weih- 
nachten um   Pfeffernüsse   spielen  ,   auf  den   vier   Seiten  mit  den 


10 

lalcinischcn  Buchstaben  A.  M.  N.  S.  bezeichnet ,  d.  i.  A':  alles ,  M : 
mein  eigen  ,  oder  der  Einsatz  ,  N  :  nichts  ,  S :  setz  zu  !  —  de 
Döjnlc  ,  das  Döhnchen  *. 

Äuj ,  äiij :  dat  Bläiijd ,  das  Blut ,  dän.  Blöd ,  nd.  Blot ,  engl, 
blood ;  de  Hmjd ,  der  Hut,  nd.  Hot,  engl,  hat,  dän.  Hat;  gäujd , 
gut,  engl,  good;  dät  Mmjd ,  der  Muth  ,  dän.  und  nd.  Mod,  engl, 
mood ;  jö  Fläiijd ,  die  Fluth,  dän.  Flod ,  nd.  Floth ,  engl,  flood; 
ßätijJden ,  fluthen;  dät  Gäujll,  das  Gold,  dän.,  nd.  und  engl,  gold; 
gäiijllen ,  golden ,  dän.  gylden ,  nd.  und  engl,  golden ;  hmjl , 
kalt ,  nd.  kold ,  u.  s.  w. ;  dat  Schäujl ,  die  Schule ,  dän.  en  Skole , 
nd.  Schöl,  engl,  school ;  dät  Bäujl,  die  Hütte;  de  Stäiijl ,  der 
Stuhl,  dän.  und  nd.  de  Stöl,  engl,  stool;  dät  Mäujl ,  das  Mill , 
Millcrdc,  lockere,  schwarze  Gartenerde,  dän.  Muld,  engl,  mould; 
äiijn ,  in ,  an ,  hinein ;  jö  Mäujnn ,  ein  offener  Kasten  zu  Holz 
und  Torf,  dän.  et  Mon,  aber  in  anderer  Bedeutung;  jö  S/iäjnn, 
die  Schandthat;  jö  Häiijnn ,  die  Hand;  dat  Läiijnn,  das  Land; 
dal  Säiijnn,  der  Sand;  jö  Brilnjnn,  die  Feuersbrunst;  dät  Pänjnn, 
das  Pfand  ;  dät  Säujlt ,  der  Russ  ,  dän.  Söd  ,  nd.  Sott ,  engl,  soot ; 
jö  Räiijll ,  die  Wurzel,  dän,  en  Röd ,  engl,  a  root;  jö  Läuüt,  die 
Ofenkrückc  ;  jö  Kläujtt ,  eine  Bootstange  mit  einer  Klaue;  läujd- 
den,  laichen  von  Fischen,  rammeln  von  Hunden,  Katzen,  Hasen, 
u.  s.  w. ,  daher:  jö  Läujdd ,  das  Laichen  und  Rammeln,  und  dät 
Länjdd ,  der  Laich  der  Fische ;  de  Fäiijt ,  der  Fuss ,  nd.  Föt , 
dän.  Föd  ,  engl,  foot  -. 

§.  \o.  Das  j  steht  ausserdem  nach  folgenden  Consonanten: 
B,  F,  G,  H,  K,  L,  M,  N,  S,  St  und  W;  also:  hj ,  fj;  gj , 
hj ,  hj  ,    Ij ,  mj ,  vj  ,  sj  ^  stj    und    wj.     Beispiele  :   dät    Bjäst ,    die 


1  Wo  das  ,/  (lott)  in  Verbindung  mit  Vocalen  vorkommt , 
bewirkt  es ,  bei  einer  richtigen  Aussprache ,  dass  sich  der 
darauf  unmittelbar  folgende  Consonant  demselben  auf  eine  ganz 
cigcnibümliche  Weise  anschlicsst,  wie  z.  B.  in  Mäjnte ,  Mantje  , 
Männchen ,  u.  s.  w^  Alle  Wörter  dieser  Art  werden ,  mit  Aus- 
nahme des  einzigen  Wortes  Aejlh  oder  Ajth,  Essig,  geschwind 
und  scharf  ausgesprochen.  Dänische  Kinder ,  nach  der  Lautme- 
ihodc  im  Lesen  unterrichtet,  sprachen  diese  Wörter,  ohne  sie 
zu  verstehen  ,  ganz  so  aus ,  wie  der  gcborne  Nordfriese. 

-  Das  geschärfte  ö,  mit  j  verbunden  .  giebt  denselben  Laut  in 
Pöjllov ,  von  Pott,  \.  der  Topf,  nd.  Pot  ,^  dän.  en  Potte,  2.  en 
Pol ,  als  Maass ,  d.  i.  eine  halbe  Kanne ,  engl,  pot. 


n 

Neumilch  nach  dein  Kalhcn ,  Biestmilch  ,  oberdeutsch :  die  Dienst , 
Briest  und  Brieschmilch  ;  bjätvscn ,  bellen ,  klaffen ,  von  Hun- 
den,  dän,  at  bjäfj'o;  dat  Bjärn,  das  Kind,  dän.  et  Barn,  von 
beren ,  tragen ,  nd.  boren ,  dän.  bare ,  also :  das  (im  Mutterleibc) 
Getragene;  fjaucr,  vier,  engl,  four;  fjarlcn,  furzen,  dän.  at  Ijärle, 
engl,  to  fart ;  dat  Gjärs ,  das  Gras ,  dän.  Gras ,  engl,  grass ;  gjär- 
sen,  grasen  und  grasen,  dän.  at  grässe ,  engl,  to  grass;  de  Iljärl , 
gehechelter  Flachs;  jö  Hjärn,  die  Ecke,  nd.  Hörn,  dän,  et  Hjörne  ; 
hjärnen ,  Kranke  besuchen ;  dät  Hjärt ,  das  Harz ;  de  Kjarl ,  der 
Kerl,  dän,  en  Karl;  jö  Kjarl,  der  Kern;  he  kjdrd ,  er  fuhr; 
kjarnen ,  körnen  v.  trans. ,  z.  B.  die  Gerste,  dän.  at  kjörne ;  dat 
Ljägt ,  das  Licht,  altdeutsch  Leoht ,  engl,  light;  Ijaagen ,  lügen; 
diQMjögs,  der  Mist,  dän.  Mög;  AcMjarn,  der  Morgen;  w/arne,  mor- 
gen; de  Mjarsh ,  die  Marsch;  njäsen,  säumen,  zaudern;  njöhl , 
schwerfällig,  plump;  de  Sjäme ,  der  ScJiemen ,  daher:  sjdmmcrn , 
schimmern ;  jö  Sjärn ,  die  Karne ,  Butterfass ,  engl,  churn  und 
kern;  sjarnen,  kamen,  buttern,  engl,  to  kern,  to  churn,  dän.  cn 
Kjärne ,  at  kjärne ;  sjuch !  Scheuchwort  für  die  Vögel;  sjungen, 
singen;  de  SJimger,  Sänger;  tjäsen,  salbadern;  Tjärc,  Theer;  dat 
Tjaiiling  ,  der  Garnknaul ;  tjdwcln ,  sich  zanken  ;  de  Tjaaler ,  der 
Keller;  dat  Tjög' ,  4,  das  Zeug;  2.  der  Zeug,  3.  Vieh,  dän.  Töi ; 
daher:  tjögen,  sich  anschaffen,  nd.  dat  Tüg,  tügen  ;  de  TJdwse , 
der  Kiefer,  Kinnbacken,  dän.  Kjäwe ,  engl,  jaw;  stjäiven ,  albern 
einhertreten  ;  jö  Stjäprmidder ,  die  Stiefmutter ,  engl,  stepmothcr ; 
Stjäpfidder ,  Stiefvater  ;  ^e  Stjärt ,  der  Sterz  ,  Schwanz  ,  dän.  en 
Stjert ,  nd,  de  Steert ;  stjärlen ,  stürzen  ;  stjöen ,  schaukeln  ;  jö 
Stjöi,  die  Schaukel;  de  Wjärt ,  der  Wirth ,  dän.  en  Värt;  de 
Wjärd,  1,  die  Wahrheit,  2.  der  Werth;  we  wjarn ,  wir  Avaren; 
wjarpeln ,  worfeln ;  de  Wjarlse ,  der  Wirbel  am  Spannstrick ,  oder 
Tüdder.  —  Das  w  steht  nach  S  und  T  ;  also :  siv  und  tw ,  als : 
swär ,  schwer;  stvärcn ,  antworten,  dän.  at  sväre ;  sivmven,  sclnvc- 
ben  ;  ttvdnne ,  zwei ,  dän.  tvende ;  twdrr ,  quer ,  dän.  tver ,  tvcrs ; 
dätTwic/i,  der  Zweig,  nd.  datTwicg,  engl,  twig;  Aä.iTwürl,  der 
Lichtdocht ;  de  Twäst ,  der  Quast ;  tw'Uten  ,  schnitzen  ;  twiwcln , 
zweifeln ,  nd,  twieweln  ,  dän,  at  tvivle. 

§,  46.     Sh ,  sl ,  sm ,  sn,  sp  und  st  kommen  mit  einander   ver- 
bunden vor ,  als  :    shöwm  ,    schieben  ;    släipen ,    schlafen  ,   engl,  to 

2  * 


12 

sleep  ;  smägen ,  schmecken ,  dän.  at  smage ;  spälen ,  spielen  ;  Stilen , 
stehlen,  dän.  at  stjäle,  engl,  to  steal;  sweren,  schwören,  engl,  to 
swear;  snäjtten,  schnauzen;  spillen,  verschütten,  dän.  at  spilde , 
engl,  to  Spill;  slräwen,  i.  streben,  2.  mit  Worten  streiten. 

Das  weiche  s,  ss  und  ss  (sogenannte  sz)  als  :  da  Zälise ,  die  Glied- 
jnassen ;  wihssen ,  weisen ,  dän.  at  vise ,  nd.  wiesen ;  smi/issen ,  sengen , 
dän.  at  svie ;  lihssen ,  leiden,  dän.  at  lide ,  nd.  lieden ;  sihssen .  zischen ; 
Silissen ,  die  Seide;  sihssen,  seiden,  von  Seide;  de  Dihsse ,  ge- 
trockneter Kuhfladen  zum  Brennen ;  de  Spihsse ,  die  Speise ;  de 
WUisse ,  i.  die  Weise,  2.  die  Wiese;  jö  Bläilis ,  die  Blase;  jö 
Räilis ,  die  Reise  ;  räisen ,  reisen  ;  kläisen ,  mit  den  Nägeln  krat- 
zen ;  de  Säiss,  der  Käs,  engl,  chcesc  ;  säise«  v.  trän s. ,  käsen,  Käse 
machen;  da  Snlise ,  die  Brunnen;  da  Khihse ,  die  Kleider;  liesen, 
lösen  ;  miesen  ,  meiden  ;  fniesen  ,  niesen  ;  riesc7i ,  sich  erheben  , 
aufstellen,  dän.  at  reise  sig ;  gniescn,  das  Maul  verzerren;  gri/is- 
sen,  grausen;  liesen,  auszupfen,  z.  B.  Wolle  oder  Haare,  dän. 
at  läse;  hicse ,  beide;  de  Riese,  der  Riese;  dät  Räliser ,  einjähri- 
ges Kalb;  de  Brauser,  der  Bruder,  engl,  brother,  nd.  und  dän. 
Broder. 

Scharf  wird  s  ausgesprochen  in :  dät  Hüss ,  das  Haus ,  engl, 
house,  nd.  und  dän.  Huus;  jö  Trüss,  die  Kröte;  jöMüss,  die  Maus; 
de  Mnss ,  der  Mund;  dät  Grüss ,  der  Gries,  Kies,  Grand,  dän. 
Gruus ;  dät  Krüss ,  l.  der  Krug,  2.  das  Kreuz,  engl,  cross,  nd. 
Krüz,  dän.  Kors ;  jö  Luss ,  die  Laus,  engl,  louse ,  nd.  und  dän. 
Luus;  dät  Läss,  das  Glied,  Gelenk;  de  Smäss,  der  Schmid ,  engl, 
srailh,  dän.  Smed;  de  Mass,  die  Messe  in  der  Kirche. 

§.  17,  Wie  das  deutsche  ss  {sz)  in  den  Wörtern  :  süss  ,  stiess , 
Fuss ,  grüssen,  klingt  es  in :  de  Süss,  der  Brunnen,  nd.de  Soot; 
de  Düss ,  der  Tod,  engl,  dealh  ,  dän.  Död;  lüss,  los;  hüss,  heiser, 
dän,  hähs ,  nd.  heesch  ;  dat  Khlss ,  das  Tuch,  dän.  Klud  ,  engl, 
clolh  ;  dät  Leess ,  das  Fuder,  dän.  et  Läss;  dät  Glecss ,  das  Glas; 
dät  Siveess,  der  Schwaden,  beim  Mähen;  täss ,  ziemlich  gesund; 
dät  Bleess,  das  Blalt;  dat  Rcess,  die  jedem  eigenthümliche  Stim- 
me, dän.  cn  Rost;  dät  ^hs ,  das  Aas,  nd.  Aas,  dän.  Aadsel; 
passen,  passen,  1.  von  Kleidern,  u.  s,  w. ,  2.  im  Kartenspiele; 
snüss,  flink,  nett,  gescheidt;  —  wie  s  in  aus,  Maus,  u.  s.  w, , 
als:  dat  Baus,  die  Erdhütte  aus  Rasen;   de    Taus,  engl,    tooth, 


13 

der  Zahn;  jö  Gaus,  die  Gans,  engl,  goosc ,  nd.  Gös ,  dän.  Gaas; 
dät  Äs,  das  As,  Daus;  ick  läns,  ich  las  ^ 

Wenn  «vorder  Endsilbe  n^  sieht,  hat  es  immer  die  weiche  Aus- 
sprache; als:  lirauser ,  Bruder;  Rauser ,  Rudcv ;  Njäser ,  Zauderer; 
Tjäser ,   Schwätzer ,   u.  s.  w.  '^. 


Uehergänge  der  Grund-  und  Doppellaule  in  andere. 

§.  18.  Das  geschärfte ,  kurz  abgestossene  ä  geht  in  das  geschärfte, 
langgezogene  ä  über,  als:  dat  Läss ,  das  Glied;  da  Lähse ,  die 
Gliedmassen;  de  Smäss,  der  Schmied;  jö  Smälts ,  die  Schmiede, 
Werkstatt;  da  Smälise ,  pl.  von  Smass  und  von  S7nälis. 

A ,  d  in  e  oder  ce ,  als:  jö  Kraft,  da  Kreefte,  die  Kraft;  de 
Saft,  pl.  Seefte ,  der  Saft;  satten,  sitzen;  selten,  setzen. 


'  Das  nordfriesiche  Baus  ist  die  kleinste  Wohnung ,  eine 
Erdhütte  aus  Rasen  mit  einem  Stroh-  oder  Binsenlager  und 
einer  Rasenbank ,  die  auch  fehlen  kann ;  darnach  folgt :  dät 
Bäiijl ,  eine  kleine  Hütte,  deren  Wände  aus  Rasen,  rohen  Stei- 
nen ,  Lehm  u.  s.  w.  bestehen ,  und  mit  Stroh ,  Binsen ,  Schilf 
oder  Heide  gedeckt  sind.  Solche  Hütten  haben  die  Anfänge  der 
Dörfer  gebildet ,  und  viele  Dörfer  haben  noch  dieses  Wort  in  ver- 
schiedenen Abänderungen  als  Endsilbe  unter  folgenden  Endungen 
der  verschiedenen  Districle  im  Friesischen ,  Dänischen  und  Deut- 
schen,  als  bäiijl,  bull,  böllc ,  balle,  hüttel ,  so  wie  das  Substanti- 
vum  Böl  oder  Bohl,  ein  Bauernhof  mit  einer  Hufe  Landes  von 
60  bis  80  Tonnen  oder  Morgen ,  wornach  dann  der  Besitzer  nicht 
Hufner,  sondern  Böhmann  genannt  wird. 

"^  Das  dänische  aa  wird  immer  so  ausgesprochen ,  wie  das 
friesische  Doppel-aa.  Das  d  am  Ende  eines  Wortes  nach  einem 
Vocal  spricht  der  gebildete  Däne  immer  als  sanften  Säusellaut 
aus,  wie  in  Gud,  Gott,  engl.  God,  fries,  Gäd,  wie  wir  etwa  Guhs 
lesen  würden ,  und  so  in  allen  ähnlichen  Fällen ,  als  in :  Baad 
(Baahs)  dis  Boot;  et  Bud  (Buhs)  der  Bote,  u.  s.  w.  Das  v  der 
Dänen  ist  das  w  der  Deutschen,  und  ihr  y  das  deutsehe  ü. 
Uebrigens  richte  ich  mich  hier  bei  einzelnen  W^örtern  nicht  im- 
mer nach  der  dänischen  Rechtschreibung,  sondern  nach  der  Aus- 
sprache, wie  z.  B.  hähs ,  welches  gedehnt  ist  und  /m'5  geschrie- 
ben wird.  Spricht  man  dieses  häs  scharf  aus ,  so  bezeichnet  es 
einen  Kornschober.  Der  dänische  Endlaut  oder  Auslaut  des  d 
nach  einem  Vocale  ist  mit  dem  isländischen  und  englischen  th 
so  wie  mit  der  weichen  Aussprache  des  s  und  ss  im  Friesischen 
sehr  nahe  verwandt ,  wodurch  denn  ,  bei  einer  richtigen  Belau- 
lung  der  AVöricr  in  den  verschiedenen  Sprachen  und  Mundarten, 
ihre  Aehnlichkeit  deutlicher  ins  Ohr  fällt. 


14 

A  ^  ä ,  in  /e ,  ö  und  ii ,  als  :  dät  Krämm ,  de  Kriemmer ,  der 
Kram ,  Krämer ;  hagen  ,  behagen ;  jö  Höged ,  das  Behagen ,  dän. 
at  behage;  bägen ,  de  Bdkker ,  baeken,  der  Bäcker. 

Aa ,  aa ,  wird  in  ü  verwandelt,  als:  daagen ,  jö  Döged,  taugen, 
altd.  tugan  ,  daher :  die  Tugend  ;  in  ä ,  als :  Ijaagen  ,  jö  lägen  , 
lügen,  die  Lüge;  in  das  geschärfte  6,  als:  dö  Ijögst,  du  lügst;  in 
das  gedehnte  5,  als:  jö  Naahs ,  die  Nase,  jö  Nöstring ,  das  Na- 
senloch, die  Nüster,  u.  s.  w. 

E ,  e  oder  ce  in  ä ,  wie  in :  spregen ,  sprechen  ,  de  Spräike ,  die 
Sprache ;  bregen ,  brechen  ,  bräik ,  brach ;  dat  Feck ,  da  Füge ,  das 
Fach ;  dät  Glees ,  da  Glase  ;  in  ä ;  bregen ,  dat  Brak ;  in  aa ,  dät 
Glees ,  de  Glaaser,  das  Glas,  der  Glaser;  in  ä,  als:  beeren,  bjärd, 
heben ,  einnehmen  ;  teeren ,  tjärd ,  zehren ,  zehrte  ;  we7'en ,  ivjärd , 
wehren,  wehrte,  u.  s,  w, 

E  oder  ce  in  ä,  als:  segt,  dät  Sägt,  seicht,  die  Seichte,  Nie- 
derung; wegen,  i.  wiegen  v.  intr. ,  2.  wägen  v.  trans. ,  jö  Wägt, 
i.  die  Wage,  2.  Gewicht,  engl,  to  weigh ,  weight ,  dän.  at  veie , 
en  Vägt. 

/,  *  in  ft,  als:  grippen ,  de  Grawe,  greifen,  der  Griff,  als  Hand- 
habe; sUdden,  de  Släse ,  glitschen,  der  Schlitten,  nd.  de  Slähd, 
dän.  cn  Släde ,  engl,  sledge ;  smittcn,  de  Smälis ,  schmeissen ,  der 
Schmiss. 

IJ  in  ie,  als:  däti?y«,  pl.  Biene,  das  Bein;  de  Stijn,pl.  Stiene , 
der  Stein ;  de  Prijn ,  pl.  Priene ,  die  Pfrieme. 

0 ,  ö  in  ä,  aa  und  ö ,  als :  de  Mann ,  pl.  da  Mätin ,  der  Mann , 
die  Männer;  dat  Blök,  da  Blaage ,  der  Block,  die  Blöcke;  kögen , 
de  Kögen  ,  kochen ,  die  Küche  ;  nög ,  genug  ;  iwgen ,  genügsam. 

Ö,  ö  in  e ,  als:  jö  Ko  ,  pl.  da  Ke  ,  die  Kuh,  die  Kühe;  das 
gedehnte  öh  in  das  geschärfte,  als:  jö  Kohl,  die  Grube;  kolken, 
ein  Knabenspiel ,  wo  sie  Knikker  (Schüsser ,  Schnellkügclchen) 
oder  runde  Marmelsteine  in  eine  kleine  Grube  werfen,  fries.  de 
Löper  V.  löpern.  ' 

U,  u  in  ü  und  ä,  als:  sjiingen,  silng ,  singen,  sang;  lupen, 
laufen;  Läpelse ,  i.  Käselaab ,  Rinnsal,  2.  das  Durchlaufen  der 
Pferde,    dän.  löbsk. 

U  in  ie ,  als:  sluhggen ,  de  Sliek ,  schlagen,  der  Schlag. 

l'  in  0,  als:  jung  ,  de  Jönge,  jung ,  der  Junge  ;  und  ö  in  äj ,  als: 


long,  de  Lajngdc ;  in  ä  gehl  aucli  o  über,  als:  worin,  de  Wärmt 
oder  Wärmcle ,  warm  ,  u.  s.  w. 

Das  scharfe  ü  geht  in  das  gedehnte  ö  (öh)  über ,  als :  de  Tünn , 
pl.  daTüningc,  der  Garten;  dal  Sfirtmn,  da  Shröningc,  die  Truhe, 
Lade. 

•  Aj  \n  e,  als:  jö  Bräjihl ,  de  Bredgome ,  Braut  und  Bräutigam, 
nd.  de  Brud,  de  Brüdigam  ,  dän.  cn  Brud  ,  cn  Brudgom  ,  engl,  a 
bride,  bridcgroom  ;  de  Räjdd ,  de  Redmon,  der  Raih ,  Ralhsmann. 

Au  in  u,  als:  de  Slianch ,  der  Schuh,  pl.  da  SImhr. 

Äu  in  äi ,  als:  jö  Gaus,  pl.  Gäis,  Gänse;  Täus,^\.  Täis,  Zähne; 
in  ö ,  wie  Göseßäsh ,  Gänsefleisch. 

Äuj  in  au,  wie:  dät  Shmijl ,  da  Sliaule ,  die  Schule;  de  Stäujl, 
da  Slaule,  der  Stuhl;  inö,  als:  jö  Häujnn,  de Hötistök,  die  Hand, 
der  Handslock  am  Dreschflegel;  jö  Hönkliess ,  der  Handschuh; 
äwj  in  äj,  als:  de  Fäujtt,  da  Fäjtt,  der  Fuss,  engl,  foot ,  pl.  feet, 
nd.  Foot ,  pl.  Föht  oder  Fölh. 

le  in  ö  und  0 ,  als:  bien ,  de  Böget,  biegen,  der  Bügel ;  tien,  de 
Tögel ,  ziehen,  der  Zügel;  bi-en ,  de  Böge,  biegen,  der  Bogen. 

le  in  t< ,  als:  liewen ,  de  Luwe,  glauben,  der  Glaube,  engl,  to 
believe. 

Ue,  ü  in  w  und  5;  als:  de  Süss,  pl,  da  Suse,  der  Brunnen;  dät 
Klüss,  da  Kluhse,  das  Tuch,  die  Kleider;  düwiven ,  dal  Döf,  tun- 
ken, die  Tunke;  snüwwen ,  dal  Snöf,  schnauben,  der  Schnupfen, 

Üj  in  ij,  als:  jö  Nüjd ,  m'jdlick ,  die  Noth ,  nölhlich  ,  d,  i.  be- 
schränkt, eingeengt;  in  ä,  als:  üjll,  dal  ^ller ,  alt,  das  Alter; 
und  ?j  in  äj ,  als:  //fy7^,  de  Häjll,  hciss,  die  Hitze,  nd,  hitt,  dän, 
hed,  engl,  bot;  in  äj ,  als:  brijdd ,  de  Bräjt,  breit,  die  Breite, 
engl,  broad  ,  ihe  breadth ,  dän.  breed ,  cn  Brede. 

Die  übrigen  Verwandlungen  der  Vocale ,  deren  es  natürlich 
noch  mehr  giebt,  werden  bei  der  Wortbildung  und  dem  unregel- 
mässis;cn  Zeitworte  vorkommen. 


Uehergängc  der  Consonanlen  in  andere. 

%.  19.     W  in  f,    als:   greivcn ,   dät   Greef ,   graben,   das   Grab; 
jewcn ,   dal  Jofl ,   geben ,   die   Gabe ,    beim    Füttern    des   Viehes ; 


16 

dihven,  dät  Döf,  tunken,  die  Tunke,  dän.  at  dyppe ,  engl,  lo  dip; 
shöiviven,  dät  Sliöf,  ein  Brett  zum  Vorschieben;  ]ö  Döww ,  de 
Duffer,  die  Taube,  der  Tauber,  Tauberich,  engl,  a  dove ;  sliöw- 
wen,  dät  Sliöff ,  die  Schublade;  driwwen  ,  ]ö  Dnift ,  treiben,  1.  die 
Trift,  2.  der  Trieb,  dän.  at  drive,  en  Drift,  engl,  to  drive,  a 
drift ;  shriwwen  ,  jö  Shräft ,  schreiben  ,  die  Schrift ;  snöiviven , 
i.  schnauben,  2.  schnupfen;  dät  Snöf ,  der  Schnupfen;  slow- 
iven ,  stieben,  dät  Stöf,  der  Staub;  greivcn,  graben,  jö  Grauf, 
der  Graben  ,  u.  s.  w. 

Umgekehrt  wird  f  wieder  in  w  verwandelt ,  als :  jö  Grauf,  pl. 
da  Graiiwe;  dät  Shöff ,  pl.  da  S/iöwwinge ;  dät  Kniff,  da  Kniiv- 
winge ,  das  Messer,  der  Kneif,  dän.  en  Kniv,  engl,  knifc ;  jö 
Wöff ,  wöwwen ,  das  Weib,  weihen,  sich  gatten ;  dät  Steef ,  da 
Stewe  oder  Stäwe,  die  Fassdauhe,  engl,  staff,  pl.  staves,  dän.  en 
Stav;  dät  Reef,  1,  der  Fuchs,  2,  Sandbank  im  Meere,  das  Riff, 
pl.  Räice ,  dän.  en  Räv ;  de  Thief,  da  Tliiewe ,  der  Dieb ,  engl,  a 
thief,  u.  s.  w. 

D  und  t  gehen  über  in  das  weiche  s,  als:  dat  Bäd,  da  Base, 
das  Bad,  dän.  et  Bäd,  engl,  bath;  fäjdden ,  ernähren,  dän.  at 
föde ;  jö  Fäilis,  engl,  to  feed ,  food  ;  dat  Fat,  pl.  da  Falise ,  das 
Fass,  die  Schüssel,  nd.  Fat,  dän.  et  Fad;  engl,  a  fat,  vat;  dat 
Feth,  da  Fälise ,  der  Bottich,  engl,  vat;  jö  Kätt ,  de  Käser,  die 
Katze,  der  Kater,  nd.de  Kalt,  de  Kaater,  dän.  en  Kät,  engl,  cat; 
bittei},  de  Balis,  beisscn,  der  Biss,  nd.  bieten,  dän.  at  bide,  engl. 
to  bite,  a  bite;  spUtten ,  de  Splähs ,  spleisscn  ,  nd.  splicten  ,  dän. 
at  splide ,  engl,  to  split ;  slidden ,  de  Slälise ,  engl,  to  slide ;  gijt- 
ten ,  jö  Gaalis ,  giessen ,  die  Gosse,  dän.  at  gyde ,  en  Gyde ;  dat 
Spät,  pl.  da  Spälise ,  i.  der  Spiess,  2.  der  Spatenvoll  Erde  beim 
Graben  ,  so  tief  als  das  Blatt  geht ,  engl.  spit. 

SS  und  SS  {sz)  gehen  in  das  weiche  Iis  über,  als:  dät  Lass, 
das  Glied,  da  Lähse ,  die  Gliedraassen  ;  de  Smds ,  pl.  da  Smäh- 
se ,  der  Schmied;  de  Süss,  da  Suse,  der  Brunnen,  nd,  de 
Soot ;  dat  Klüss,  das  Tuch,  da  Klüse  oder  Klulisc,  die  Kleider, 
engl,  cloth ,  pl.  cloths  und  clothes;  lüss ,  los,  pl.  Mise;  snüss , 
snulis ,  nett,  flink,  u.  s.  w. 

Ch  und  k  in  rj  ,  und  g  wieder  in  k ,  als  :  dät  Tiech  ,  pl.  da 
Tiege ,  die  Oberschenkel ,  Lenden ,   engl,  thigh ;  hucli ,  pl.  huge , 


17 

hoch  ;  (Jut  HuQct ,  die  Anhöhe  ;  fucfi ,  fuge  ,  hange  ;  de  Uch  ,  die 
Wand  ;  roch ,  rage ,  rauch  ,  zottig  ;  de  Such ,  der  Zuhcr  ,  u.  s.  w. ; 
dät  Feck ,  da  Fägc,  das  Fach;  slnliggen ,  de  Slieh ,  schlagen,  der 
Schlag,  nd.  slaan ,  engl,  to  slay. 

§.  20.  Die  Mundarten  der  nordfriesischen  Zunge  sind  ,  wenigstens 
auf  dem  festen  Lande ,  den  Halligen  und  in  der  Wijk  auf  Föhr , 
nirgends  so  abweichend ,  dass  die  Friesen  sich  nicht  recht  gut 
mit  einander  unterhalten  können.  Aber  auf  Helgoland,  Amrum, 
Westerlandföhr  und  Sijlt  weichen  die  Mundarten  so  sehr  von  der 
Sprache  der  Weslküsller  ab ,  dass  die  gegenseitige  Verständi- 
gung oft  schwer  fällt.  Um  einen  ungefähren  Begriff  von  den  ab- 
weichenden Dialecten  der  nordfriesischen  Bewohner  der  schleswig- 
schen  Westküste  in  den  Aemlern  Tondern ,  Bredstedt  und  Husum 
zu  geben,  mögen  hier  einige  vergleichende  Zusammenstellungen 
derselben  dienen.  Zuerst  steht  das  friesische  Wort  nach  der  morin- 
ger  Mundart  und  das  deutsche  zuletzt,  als: 

dät  Haad,  Haud,  Hawed,  dän.  Iloved,  engl,  head ,  das  Haupt; 
jö  Wräll,  Wräll,  Wärl,  Wörl,  engl,  world,  dän.  Verden,  die  Welt. 

jö  Hävjnn,  Iläun,  Haun,  altfr.  Hon,  Ilönd,  dän.  Haand,  engl, 
band ,  die  Hand. 

de  Däi ,  Däg ,  Deg ,  pl.  Doge,  engl,  day ,  dän.  Dag,  der  Tag. 

swäjtt ,  swäit,  engl,  sweet,  süss. 

wäjtt,  wäit,  engl,  wet,  dän  vaad,  nass. 

dät  ßjärn ,  Bern ,  dän.  et  Barn ,  das  Kind. 

AäiiSwjärd,  Swerd,  dän.  etSvärd,  engl,  a  sword,  das  Schwert. 

de  Strijlt ,  Striet ,  engl,  a  street ,  ein  Gang  in  der  Kirche , 
(Strasse). 

dät  ßläujdd,  Blaud,  nd.  und  dän.  Blöd,  engl,  blood ,  das  Blut. 

gäujd,  gäud,  gaud ,  nd.  gut,  goot,  dän.  god ,  engl,  good,  gut. 

de  Sträujnn,    Stiäun ,    altfr.   Strön ,    engl.    Strand,  der  Strand. 

§.21,  Nicht  minder  wichtig  für  die  Wortbildung  ist  die  Verglei- 
chung  der  Lautübergänge  in  die  verwandten  Sprachen ,  wozu  hier 
einige  Beispiele  folgen  mögen. 

A  entspricht ,  mit  seiner  fünffach  verschiedenen  Aussprache , 
meistens  dem  a  im  Deutschen ,  Dänischen ,  Angelsächsischen  und 
Englischen,  als:  mägen ,  machen,  nd.  maaken ,  dän.  at  mage; 
angels.  macian  ,  engl,  to  make  ,  und  so  in  vielen  ähnlichen  Fällen, 


18 

Ac ,  ä  entspricht  meistens  dem  e  in  den  verwandten  Sprachen, 
wo  dieser  Laut  sich  dem  iL  nähert,  wie  in  Leben,  geben,  schwe- 
ben, U.S.  w.,  als:  sträwen  ,  1.  streben,  2.  sicli  über  etwas  strei- 
ten, dän.  atsträbe,  engl,  to  strive ;  ä/iscii ,  essen,  nd.  äten,  dän. 
at  äde ,  engl,  to  eat.  Eben  so  e,  als;  dat  Nest,  d.  und  engl.  Nest; 
jö  Fenn,  die  Fenne,  engl,  a  fen;  seilen,  nd.  setten ,  dän.  at 
satte,  engl,  to  set,  u.  s.  w.  Das  gedehnte  ie  oder  ih  entspricht 
dem  deutsehen  ci  und  ie,  dem  nd.  ce ,  und  dem  dänischen  e, 
als:  da  Biene,  die  Beine,  nd.  und  dän.  Been  ,  das  engl,  hone; 
da  Stiene ,  die  Steine,  nd.  und  dän.  Steen,  engl,  stone;  älliene , 
allein  ,  nd.  alleen ,  dän.  alene ,  engl,  alone ;  tienen ,  dienen ,  nd. 
denen,  dän.  at  tjene ;  biese ,  beide,  dän.  begge ,  baade,  engl, 
both ;  niiencn,  meinen,  nd.  meinen,  dän.  at  mene,  engl,  to  mean. 
Dasselbe  gilt  zum  Theil  auch  von  dem  geschärften  i,  das  aber 
dem  nd.  ie  und  dem  dänischen  i  doch  öfter  entspricht ,  als :  dät 
Rieh,  das  Reich,  nd.  Rick.,  dän.  et  Rige;  lich ,  reich,  nd,  riek , 
dän.  rüg  (rig),  engl,  rieh;  dat  Lick ,  nd.  dat  Lick,  dän.  et  Lüg, 
die  Leiche;  de  Dick,  nd.  Dick,  der  Deich,  dän.  et  Dige  ,  engl,  a 
dike. 

0,  0,  entspricht,  nach  seiner  dreifachen  Aussprache,  dem  ge- 
dehnten oh  und  dem  geschärften  a  im  Deutschen  und  Dänischen, 
als:  de  Loge,  die  Lohe,  dän.  en  Lue;  hohl,  dän.  huul ,  nd, 
holl;  de  Mönn,  der  Mann  ,  engl,  a  man,  dän.  en  mand;  jö  Könn, 
die  Kanne,  nd.  Kann,  dän.  en  Kande,  engl,  a  can;  bannen,  ban- 
nen, fluchen,  dän.  at  bände,  engl,  to  bannish  ;  de  Gönner,  nd. 
de  Ganner,  der  Ganser,  Gänserich,  engl,  the  gander,  dän.  en 
Gasse  ,  von  Gaas. 

Oe ,  (i,  entspricht  an,  un  ,  en  ,  o,  u.  s.  w.  ,  als:  jö  Mühr ,  die 
Mauer,  nd.  und  dän.  Muur ;  dat  Bölir ,  das  Bauer,  nd.  und 
dän.  Buur;  lören,  lauern,  nd.  luren,  dän.  at  Iure,  engl,  to  lurk, 
to  lurch;  holen,  heulen,  nd.  hulen,  dän.  at  hyle,  engl,  to  howl; 
stöwwen,  stieben,  stäuben,  nd.  stowen,  dän.  at  slöve ;  d  rügen  , 
trocknen,  nd.  drögen,  engl,  to  dry ,  dän.  at  törre. 

U,  u,  enls[)richt  dem  ä,  d,  ä,  ö,  au  und»,  als:  jö  Swuhn ,  der 
Schwan  ,  nd.  Swön ,  Swaan  ,  dän.  en  Sväne  ,  engl,  a  swan ;  dat 
Tnlig,  der  Talg,  nd.  Tallig,  dän.  Talg,  Talg,  Tälle,  engl,  tallow; 
de  GuUij ,  der  Galgen ,  dän.  en  Galge ,   engl,  gallows ;  dat  Hulem , 


19 

llaliustroh  zum  Decken,  engl,  halin ;  slafiggen,  schlagen,  dän.  al 
slaac  ,  nd.  slaan ,  engl,  to  slay  ;  de  Kuch ,  der  Koog ,  dän.  Kog ; 
de  Such,  der  Zuber;  jö  Bufm,  die  Bohne,  nd.  de  Bohn ,  dän.  en 
Bönne,  engl,  a  bean  ;  he  ßiicfi ,  er  flog,  dän.  han  flöi ;  de  Kap, 
der  Kauf,  nd.  de  Koop,  dän.  et  Kjob;  liipen,  laufen,  nd.  löpen, 
dän.  at  lobe,  engl,  to  leap ;  de  Lup ,  der  Lauf,  nd.  de  Loop , 
dän,  et  Lob ,  engl,  a  leap ;  de  Hup ,  der  Haufe ,  nd.  de  Hupen , 
dän,  en  Hob,  engl,  a  heap ;  Iivpen ,  häufen,  engl,  to  heap;  jö 
Muclder ,  die  Mutter,  nd.  Moder,  dän.  Moder,  engl,  moiher;  de 
Kunst ,  die  Kunst.  Eben  so  :  munter ,  dumm  ,  stumm ,  jö  Null ,  die 
in  allen  drei  Sprachen  eins  sind;  unh ,  uns  beiden;  tunnern,  don- 
nern ,  engl,  to  thunder ;  drunhen ,  trunken  ,  engl,  drunk ,  drun- 
ken ;  slunhcn ,  1.  particip.  von  sldinken ,  schlingen,  verschlingen, 
schlucken ,  2.  schmächtig ,  mit  eingefallenem  Bauche ,  engl, 
sliragutted  ,  dän.  slunken  ,  in  der  zweiten  Bedeutung;  jö  Ilnll , 
die  Mütze  (Hülle) ;  liunnert ,  hundert ,  nd.  hunnert ,  dän.  hund- 
rede ,  engl,  hundred;  unner,  unter,  nd.  unner,  dän.  under,  engl. 
under. 

Ue ,  ü ,  iij  entspricht  oft  dem  deutschen  o  und  dem  dänischen 
ö,  als:  de  Düss,  der  Tod,  dän.  en  Död,  nd.  dcDood,  engl,  dealh; 
de  Süss,  nd,  Soot;  früss,  fror,  dän.  fröhs  (frös),  engl,  froze;  lüss, 
los ,  dän.  lös ,  engl,  loose ;  rüjdd ,  rolh  ,  nd.  röd ,  dän.  röd  ,  engl. 
red;  düjdd ,  todt,  nd.  död,  dän.  död,  engl,  dead ;  dat  Briijd , 
das  Brot,  dän.  Bröd ,  engl,  bread ;  jö  Nüjd ,  die  Noth,  dän.  en 
Nöd  (Nöhs) ,  engl,  need;  dat  Liijdd,  das  Loth,  dän.  et  Lod,  auch 
die  Gewichte  an  Uhren ,  engl.  lead ;  de  Küjl ,  der  Kohl ,  dän. 
Kaal ,  engl,  eole ;  üjll ,  alt  ,  nd.  ohld ,  altdän.  old  und  ald , 
engl,  old ;  de  Süjdde ,  der  Sode ,  aus  Torf  oder  Rasen  ,  nd.  de 
Söd ,  engl,  sod;  de  Slüjlt ,  der  Wassergraben,  altdeutsch  der 
Schlot,  nd.  Slot;  dat  Büjtt ,  das  Boot,  dän.  en  Baad ,  engl.  boaf. 
Geschärft  entspricht  Ü  nicht  selten  dem  deutschen  au,  als:  ült , 
aus,  nd.  ut,dän.  ud,  engl,  out;  hüttc ,  nd.  hüten,  das  Gegenlheil 
von  banne,  binnen,  inner,  innerhalb,  ütte,  draussen,  dän,  ude ; 
de  Snütte,  die  Schnauze,  nd,  de  Snut,  dän.  en  Snude ,  engl, 
snout;  dat  Rätt ,  die  Raute,  Fensterscheibe,  nd.  Rut ,  dän.  en 
Rüde;  rütlet,  gerautet,  gewürfelt,  von  Geweben;  de  Klält ,  Flick- 
lappen, dän.  en  Klud  ,  engl,  clout. 


20 

Aai,  (Uli,  entspricht  keinem  Laute  der  verwandten  Sprachen 
vorzugsweise  ,  als  :  laai ,  lass  ,  faul .  dän.  loi ,  de  Laaihänh  ,  die 
Lotterbank ,  dän.  Loibänk ;  glaaien ,  schlüpfen ,  entwischen ;  straaien , 
gemächlich  einhergehen  ;  waaiten  ,  winken  ;  spaaiten  ,  spritzen  ; 
jö  Flaait ,  die  Flöte,  nd.  de  Flaut,  dän.  en  Flöite ,  engl,  flute; 
flaaUcn ,  1.  flöten,  2.  pfeifen  mit  dem  Munde;  tnaai ,  so  ziem- 
lich; Faaie,  Vater,  in  der  Anrede;  Klaai ,  Nicolas;  Baai ,  1.  In- 
geburg,  2,  der  Boi ,  ein  Zeug;  raaieln ,  taumeln,  engl,  to  rcel ; 
stvaaien ,  dän.  at  svaie ,  schwenken. 

uii,  äi,  entspricht  iheilweise  dem  deutschen  ä  und  ei,  als: 
de  Wäien ,  der  Wagen ,  nd.  Waagen ,  dän.  Vogn ,  engl.  Wag- 
gon; dat  ^i ,  das  Ei,  dän.  et  Ag,  engl,  egg;  läiden ,  nd.  läidcn , 
blitzen,  engl,  lo  lighten,  de  Läid ,  der  Blitz;  dat  Wäi ,  der 
Wattich,  die  Molken,  dän.  Valle ,  engl,  whey ;  de  Kläi,  der 
Klei,  nd,  Klei,  dän.  Klik  ,  engl,  clay;  räieln ,  einen  Faden  ein- 
reihen, dän.  at  rie ;  jö  Fläiel,  der  Flegel,  zum  Dreschen,  engl, 
a  flail. 

"Ai,  äi ,  entspricht  oft  dem  deutschen  ei,  dem  plattdeutschen 
und  dänischen  ie ,  als :  häi ,  bei ,  nd.  und  dän.  bi ,  engl,  by ;  de 
Bräi ,  der  Brei,  nd.  Brie;  fräicn ,  freien,  nd.  fricn ,  dän.  at  frie; 
/räicw ,  heirathssüchtig ,  nd.  friens ;  däien,  gedeihen,  nd.  däien 
(dän.  at  trives,  engl,  to  ihrive);  sliräien .  schreien,  nd.  schrien, 
dän,  at  skrige  ,  engl,  to  shriek ;  sjjciien,  speien,  nd.  spien,  dän.  at 
spy;  kräien,  krähen,  nd.  kreien ,  engl,  lo  crow;  säien ,  nähen, 
dän.  at  sye ,  engl,  to  sew;  wäien,  \.  wehen,  dän.  at  vaie,  nd. 
waien,  engl,  to  wave;  2.  trauen  ,  ein  Brautpaar,  dän.  at  vie,  das 
deutsche:  weihen, 

Äi,  äj,  entspricht  dem  geschärften  i,  e,  und  ä  im  Deutschen, 
als:  de  Hajtt ,  die  Hitze,  nd.  de  Ilit ,  dän.  en  Hede,  engl,  ihe 
heat ;  dräinken,  trinken,  nd.  drinken  ,  engl,  to  drink ;  säinhen, 
sinken,  dän,  at  synke  ,  engl,  lo  sink;  wainhen ,  winken,  dän.  at 
vinkc,  engl,  lo  wink;  sJainken,  schlingen,  schlucken;  de  Fälliger, 
der  Finger,  nd.  dän.  und  engl,  ebenso;  de  Hainger,  der  Henker; 
hräinhen,  kränken,  dän.  at  kränke;  de  Swaingcl,  i.  der  Schwen- 
gel ,  2.  Schlegel  am  Dreschflegel ;  dät  A'ingel ,  der  Engel ,  dän. 
und  nd.  ebenso,  engl,  angel;  de  Sndjtter ,  der  Schnitzer  d.  i,  Tisch- 
ler ,  dän.  on  Snedker  (Snitkcr);  da  Bainhe ,  die  Ränke,  dän.  Rän- 


21 

ker;  de  Gdjngcr,  der  Gänger,  dän.  en  Ganger  und  en  Gänger; 
Idjtt ,  klein,  nd.  liijtt,  dän.  lille  ,  engl,  litlle;  hinin  g  er  n  ,  kJmgcn  , 
dän.  klingrc ;  de  Laingde ,  die  Länge,  nd.  de  Längd  ,  dän.  en 
Längde  und  en  Länge,  engl,  ihe  Icnglh  u.  s.  w. 

Aei,  Äi,  äi ,  entspricht  dem  deutschen  ü,  ilh  ,  a,  e,  und  ä, 
als:  späilen,  spülen,  nd.  spölen,  dän.  at  spöle ;  dat  Späiliiuj ,  das 
Spülicht,  dän.  Spöl  (Spöhl) ;  hauen,  kühlen,  nd.  kölcn  ,  dän.  at 
kjöle ,  to  cool;  räircti ,  rühren,  nd.  rören  ,  dän.  at  röre ;  fällen, 
fühlen,  nd.  fölen,  dän.  at  föle ,  engl,  to  feel ;  fairen,  führen, 
nd.  fören ,  at  fore ,  u.  s.  w. ',  Da  Gäis ,  die  Gänse,  nd.  Göhs , 
dän.  Gjäs,  engl,  gccsc;  da  Tiiis,  die  Zähne,  engl,  teeth  ;    de  Tai- 

rem ,   der    Darm ,    dän,  en  Tarm ;  de   Airem  ,    der  Arm ; 

wäir,  wahr,  nd.  waar ;  näi,  nahe,  nd.  neg ,  engl,  nigh,  (near) , 
dän.  när ;  dat  Shäip ,  das  Schaf,  nd.  Schaap ;  de  Släip ,  der 
Schlaf,  nd.  Slaap ,  engl,  slcep ;  släipen,  schlafen,  nd.  slaapen,  to 
sleep  ;  de  Bäirig  ,  der  Berg  ,  nd.  de  Barg  ,  dän.  et  Bjerg ;  äirig  , 
arg ,  nd.  ehenso  ,  dän.  arrig  ;  dat  Bäist ,  die  Bestie  ,  das  Rind  , 
nd.  dät  Beest,  dän.  et  Bast  (Bähst);  bäistig ,  nd.  beestig;  de  Däi , 
der  Tag,  nd.  de  Dag,  dän.  ebenso,  engl,  day ;  ich  däi,  ich  that, 
nd.  ick  dähd ,  engl.  I  did ;  dat  Haler,  das  Haar,  nd,  ebenso, 
engl,  hair;  läi ,  lag,  engl,  lay;  jö  Sfiäier,  die  Schere,  nd.  Scheer; 
jö  Släir,  der  Stern,  engl,  the  star. 

Au,  au,  weicht  sehr  ab,  als:  jö  Grauf,  nd.  de  Groof,  dän. 
en  Gröft ,  (die  Gruft)  der  Graben ;  anwer ,  über ,  nd,  öwer , 
dän.  und  engl,  over;  auf,  ab,  nd.  und  dän.  af,  engl,  of,  off;  de 
Maude ,   die  Mode ,   nd.  de  Mood ,   dän.  en  Mode ,  engl,  modo ;  jö 

Rauhs,  die  Rose ;  de  Anwen  ,  der  Ofen,  nd.  en  Aaben,  dän. 

en  Ovn,  engl,  the  oven;  de   Brauser,  der  Bruder,   nd.  und  dän. 


1  Um  unnöthige  Wiederholungen  zu  vermeiden,  will  ich  hier 
bemerken  ,  dass  die  Zeitwörter  mit  at  dänisch  ,  die  mit  to  eng- 
lisch sind  ,  wodurch  also  die  bisherigen  Andeutungen  »  dän.''  und 
•oengl"  bei  dieser  Wörterklasse  wegfallen  können,  und  zweitens, 
dass  drei  Striche,  Avie  im  Folgenden  noch  >^  Arm ,"  »Rose"  u.  a. 
anzeigen  sollen ,  dass  diese  Wörter  in  den  übrigen  verwandten 
Sprachen,  im  Deutschen  ,  Niederdeutschen  oder  PlaKdeutschen , 
Dänischen  ,  Englischen  ,  Friesischen  ,  Allfriesischen  und  Nordfrie- 
sischen ebenso  lauten. 


22 

Broder,  engl,  brotlier ;  jö  Atilis ,  die  Oese;  da  Slaiilc,  die  Slülile; 
da  S/iaule ,  die  Schulen;  äu  ist  eben  so  abweichend. 

Aeiij ,  äuj ,  entspriclit  dem  deutschen  u  am  meisten,  als:  de 
Häiijdd,  der  Hut,  nd.  de  Hood ,  dän.  und  engl,  hat;  gäujd , 
gut ,  dän.  göd ,  engl,  good ;  dät  Bläujdd ,  das  Blut ,  nd.  und 
dän.  Blöd,  engl,  blood;  jö  Räiijlt ,  die  Wurzel,  alldeutsch:  Rott , 
daher:  ausrotten,  dän.  en  Rod ,  engl,  a  root;  dat  Mäiijd ,  der 
Muth,  nd.  de  Mod ,  Möt ,  dän.  Mod,  das  engl,  mood  ;  jö  Fläiijdd, 
die  Fluth,  nd.  de  Floot,  dän.  Flöd  (1.  Flohs),  engl,  flood ;  dät 
Säiijtt,  der  Russ,  nd.  Sott,  engl,  soot ;  de  Stäujl,  der  Stuhl,  dän. 
und  nd.  Slol,  engl,  slool ;  dat  Shäiijl ,  die  Schule,  nd.  de  School, 
dän.  en  Skole,  engl,  a  school;  jö  Bräujnn,  die  Feuersbrunst;  dat 
Bäiijl ,  (s.  die  Anmerkung  1.  zu  §.  17);  de  Fäujt ,  der  Fuss , 
nd,  Foot ,  dän,  Fod ,  engl.  foot. 

]j ,  ij  (das  erste  i  ist  der  Vocal,  das  zweite  der  Consonant) ;  sie 
entsprechen  dem  deutschen  ei,  als:  dat  Bijti ,  das  Bein,  nd.  und 
dän.  ßeen ,  engl,  a  bone ;  de  Stißti ,  der  Stein,  nd.  und  dän. 
Steen ,  engl,  stone ;  lijdden ,  leiten,  verleiten,  at  lede,  to  lead ; 
brijdd,  breit,  nd.  und  dän.  bred ,  engl,  broad;  de  Wijtte ,  der 
Weizen,  nd.  de  Weten,  dän.  Hvede  ,  engl,  whcat;  brijdd  en ,  aus- 
breiten, dän.  at  brede,  z.  B,  bred  Dugen  ,  brijd  'e  Bördank ,  lege 
das  Tischtuch  auf.  In  den  Wörtern  Ijd ,  der  Torf ,  Ijll ,  Feuer 
und  Ijllinge ,  die  Feuerung,  lies:  ihjdd ,  ihjU,  ihjllinge.  Das  frie- 
sische Ijll  klingt  ganz  wie  das  dänische  Ild ,  Feuer,  und  ist 
auch  dasselbe  Wort,  Gijll ,  Geld;  bijtt,  nd.  beet,  dän.  bed,  engl, 
bit;  stijlteti ,  stossen ,  nd.  stöten,  at  stöde. 

Öi ,  öi ,  weicht  sehr  ab,  als:  töien ,  thauen,  nd.  dauen  ,  at  töe , 
to  thaw;  snöien ,  winden,  drehen,  at  snoe ;  shöien,  schuhen,  die 
Pferde,  at  skoe ,  to  shoe  a  horse ;  smöien ,  1.  aufstülpen,  at 
smöie  op ;  2.  schmähen,  in  forsmöien,  at  forsmäde;  —  [öi!  pfui; 
röien ,  rudern  ,  at  roe ,  lo  row. 


c.     Die  Consonanten. 

§.22.  B,  b,  entspricht  dem  b  der  verwandten  Sprachen ,  beson- 
ders zu  Anfang  eines  Wortes  ,  als:  de  Bank,  die  Bank  ,  dän.  Bank  , 


engl.  l)ank  ;  dal  BUutjdd ,  das  IJIul;  hläjddon ,  bluten,  nd.  blöden, 
at  blöde,  to  bleed ;  hriijdden,  brüten,  nd.  blöden,  to  bi'ced ; 
brünn ,  braun,  nd.  und  dän.  bruun ,  engl,  brown ;  de  Bulimm, 
der  Baum  ,  nd.  de  Bobm ,  dän.  cn  Böni ,  engl,  tlic  beain ,  an- 
gelsäehsiscli :  Bcain ;  dät  Band: ,  das  Buch  ,  nd.  dal  Bök ,  dän. 
cnBog,  engl,  book  ,  angels.  Boc ;  jö  /irägen  ,  altdeutsch:  der  Brä- 
gen, nd.  de  Brägen,  engl,  thc  brains ;  jö  Bräjdd,  die  Braut, 
engl,  bride ,  angels.  Bryd ;  dät  Bjarn ,  dän.  et  Barn,  angels. 
Bearn ;  de  Brauser ,  der  Bruder ,  nd.  und  dän.  Broder ,  engl,  bro- 
ther,  angels.  Brother;  hrännen ,  brennen,  at  brande;  angels. 
bärnan  ,  to  burn;  bitten,  beissen  ,  nd.  bieten,  at  bidc ,  to  bide , 
angels.  bitan  ;  bäcjen ,  backen,  at  bage,  to  bake  ,  angels.  bacan ; 
brehsen ,  flechten,  angels.  bredan ,  to  braid ;  belüchen,  einsperren, 
angels.  beluean ,  u.  s.  w. 

In  der  Mitte  eines  Wortes  wird  das  deutsche  b  im  Friesischen 
am  häufigsten  durch  w  vertreten,  als:  bleiben,  bliwwcn;  reiben, 
riwwen ;  schreiben  ,  shriwwen  ;  treiben  ,  driwwen  ;  leben ,  läwen ; 
lieben  ,  Ucxven  ;  schnieben  ,  snöwwen  ;  stieben  ,  stöwwen ;  klauben  , 
klüwwcn ;  schieben  ,  shöwiven  ;  kleben  ,  kläwen ;  klieben  ,  kliewcn ; 
graben ,  grewen ;  geben  ,  jewen  ;  schweben ,  swäiven ;  streben ,  strä- 
iven ,  u.  s.  w. 

§.25.  D ,  d,  zu  Anfange  eines  Wortes  wie  in  den  verwandten 
Sprachen ,  als :  de  Diu ,  nd.  und  dän.  en  Dag ,  angels.  Däg ,  engl, 
day ;  jö  Dögter ,  nd.  Dögtcr ,  dän.  Datter,  angels.  Dohter,  engl, 
daughter ;  düjn ,  nd.  dohn ,  angels.  don ,  to  do ,  done ;  duf, 
nd.  doof,  dän.  döw,  engl,  dcaf;  de  Däfis,  nd.de  Död ,  dän.  Död , 
engl,  death  ;  dat  Dijl ,  i.  der  Tlieil,  2.  das  Ding,  nd.  und  dän. 
en  Deel ,  engl,  deal ;  de  Driütm  ,  nd.  de  Drohm  ,  dän.  en  Dröm , 
engl,  adrcam;  drainken,  nd.  drinken ,  to  drink;  jö  Döwiv ,  nd.  de 
Duw ,  dän.  en  Due ,  engl,  a  dove ;  dlep ,  nd.  deep ,  dän.  dyb , 
engl,  deep;  de  Dröpp,  en  Drüpp  ,  dän.  cn  Draabe ,  engl,  a  drop ; 
diijd ,  nd.  död  ,  dän.  död ,  engl,  dead  ;  jö  Daalis ,  nd.  de  Daad , 
dän.  enDaad  (1.  Daahs) ,  engl,  dccd  ;  de  üäuwd ,  nd.  Üüwel ,  dän. 
Djävel ,  engl,  devil ,  u.  s.  w.  Die  diesen  entsprechenden  hoch- 
deutschen Wörter  haben   alle  T  statt  D  zum  Anfangsbuchstaben. 

Steht  d  verdoppelt  in  der  Mitte  eines  Wortes,  so  haben  die 
verwandten  Sprachen  keine  ihm  entsprechenden  Laute,  als:  lad- 


24 

den,  liegen;  bddden ,  bitten;  ledden ,  legen;  lijdden ,  leiten;  bijd' 
den,  bieten;  glidden ,  gleiten;  strädden,  greten,  grätschen;  gnud- 
den,  sich  schütteln,  vor  Ungeziefer  oder  Jucken;  budden ,  sich. 
balzen,  wie  die  Hühner  im  Staube,  u.  s.  w. 

§.24.  Auch  die  Anfangsbuchstaben  F,  G,  H,  K,  L,  M,  N,  P, 
R,  T,  W,  entsprechen  den  gleichen  Lauten  in  Wörtern  aus  den 
verwandten  Sprachen ,  als :  dät  Fccst ,  das  Fest ,  nd.  und  dän. 
Fest,  engl,  feast ;  jö  Fecst,  die  Faust,  nd.  Fust,  engl,  the  fistj 
de  Flä(js ,  der  Flachs,  nd.  Flass,  angels,  Fleax ,  engl,  flax ;  fier , 
fern,  dän.  fjcrn ,  angels.  feor,  engl,  far;  de  Füget,  der  Vogel, 
nd.  Vaagcl ,  dän.  Fugl ,  engl,  fowl ;  de  Fiddcr ,  der  Vater  (als  Er- 
zeuger), nd.  de  Faader,  dän.  en  Fäder,  angels.  Fäder,  engl, 
father;  jö  FUiujdd ,  die  Fluth ,  nd.  de  Floth,  dän.  Flod  (I.Flohs), 
angels.  Flod  ,  engl,  flood  ;  fresen ,  fressen  ,  nd.  fräten  ,  to  fret , 
angels.  fretan;  fällen,  fallen,  at  falde ,  to  fall,  angels.  feallan ; 
ßen ,  fliegen ,  angels.  fleon ,  to  fly.  So  auch  mit  den  übrigen 
der  angeführten  Buchstaben  ,  als  :  gräten  ,  nd.  gröten  ,  angels.  gre- 
lan  ,  to  greet ;  de  Gläme ,  engl,  the  gleam ;  lielpen ,  helfen ,  nd. 
helpen ,  angels.  hclpan ,  to  help ;  jö  Hetp ,  nd.  de  Hülp,  engl, 
help ;  kännen ,  kennen  ,  atkjende,  token;  läjttcn ,  lassen,  nd.  laa- 
ten,  at  lade,  to  let,  angels.  lätan  ;  de  Manne,  der  Mond,  nd.  de 
Maand ,  dän.  en  Maane ,  angels.  se  Mona ,  engl,  the  moon ;  de 
Neke ,  der  Nacken ,  nd.  de  Nack ,  engl,  the  neck ;  de  Nome , 
der  Name,  nd.  de  Naam ,  dän.  et  Navn ,  engl,  the  name;  jö 
Plant ,  die  Pflanze ,  nd.  de  Plant ,  dän.  en  Plante ,  engl,  a 
plant;  r/'cÄ-,  reich,  nd.  riek ,  dän.  rüg,  engl,  rieh;  de  Rinn,  der 
Regen ,  angels.  Pien ,  engl,  rain  ,  u.  s.  w. 

§.  25.  Es  ist  schon  früher  bemerkt  worden ,  dass  das  weiche  s , 
mit  dem  englischen  und  isländischen /A,  sowie  mit  dem  dänischen 
d  am  Ende  eines  Wortes  nach  einem  Vocale  nahe  verwandt  ist , 
und  dass  es  (nach  Rask) ,  verdoppelt ,  wie  das  z  der  Holländer 
ausgesprochen  wird.  Alle  diese  Buchstaben  bezeichnen  sämmtlich 
ganz  sanfte  Säusellaute.  Die  dänischen  Wörter  dieser  Art  wer- 
den beinahe  so  ausgesprochen  ,  als  wenn  sie  /is  zum  Endlaut  hät- 
ten,  als:  en  Baad ,  et  Bad,  Gud ,  Död  —  ein  Boot,  ein  Bad, 
Gott ,  Tod  —  werden  Baahs ,  ßähs ,  Guhs  und  Döhs  ausgespro- 
chen ;   so  nun  auch  in  folgenden  friesischen ,   als :   lälisen ,  gclit- 


25 

Icn ;  sühssen,  i.  sausen,  2.  Süden;  grihssen ,  grausen;  Wissen  ^ 
leiden;  jö  Näfis,  die  Niiss ;  de  Splälis,  die  Spleisse;  jö  Räilts,  die 
Reise;  jö  Slöfis ,  die  Schleuse,  dän.  en  Sluse,  engl,  sluice ;  jö 
Raulis ,  die  Rose;  jö  Daufis ,  die  Dose;  dat  Wahser,  das  Wasser; 
sihssen,  zischen;  wihssen ,  weisen;  jö  Daahs,  die  That;  jö 
Braafts ,  der  Braten ;  jÖ  Shicfis ,  die  Scheide ;  de  Slähse ,  der 
Schlitten;  de  Hielis,  die  Heide,  (Land);  de  Bohse ,  der  Bothc ; 
de  Hiesc,  der  Heide;  de  Balis,  der  Riss;  jö  Gaalis ,  die  Gosse; 
dat  Läfiser,    das    Leder;    de   Sinä/is,   der   Schmiss,  u.  s.  w. 

§.  26.  Die  hier  angedeuteten  Lautübergänge  der  verwandten  Spra- 
chen in  einander  mögen  als  Fingerzeig  dienen  ,  um  überall  ähnliche 
Vergleichungen  anstellen  zu  können ,  wo  diese  sich  dem  geneig- 
ten Leser  darbieten.  Wenn  auch  in  der  Rechtschreibung  einige 
Abweichungen  und  Unregelmässigkeitea  vorkommen ,  so  stehen 
doch  wenigstens  die  Tonzeichen  überall  richtig ,  was  die  Aus- 
sprache leichter  und  sicherer  macht.  Oft  gränzen  aber  einzelne 
Grundlaute  so  nahe  an  einander ,  dass  es  schwer  fällt ,  zu  ent- 
scheiden ,  welcher  Laut  der  richtigere  sei,  z.  R.  in  Mudder  oder 
Modder,  Mutter,  nd.  Moder;  timnern  oder  tönnern,  donnern,  u.  s.  w. 
In  ähnlichen  Fällen  können  auch  einzelne  Unregelmässigkeiten 
bei  der  Verdoppelung  der  Endconsonanten  vorkommen,  wie  z.  R. 
bei  wdt  oder  wdtt.  Wdt  ist  nämlich,  1.  was,  2,  etwas,  3.  wir 
zwei  oder  wir  beide ,  als  erste  Person  im  Dualis ,  wo  jät  oder 
jatt  die  zweite  bezeichnet.  Die  angenommene  Regel  erlaubt  nur 
da  die  Verdoppelung  der  Endmitlauter ,  wo  die  Verlängerung  des 
Wortes  sie  doppelt  hören  lässt ,  wie  in:  grott ,  gross,  de  grotte 
Mönn ,  da  grotte  Mann  oder  Manne ;  oder  wo  sie  in  der  Mehr- 
heit doppelt  vorkommen,  wie  in:  ]öTrüss,  da  Trasse,  die  Kröte; 
dat  Bill ,  da  Bille ,  das  Bild  ,  u.  s.  w.  Dät  Fat ,  die  Schüssel , 
nd.  und  engl.  Fat ,  dän.  Fad  ,  klingt  ganz  wie  fätt ,  fett ,  engl, 
fat ;  jenes  hat  aber  im  Pluralis  :  da  Falise ,  dieses  im  männlichen 
Geschlecht  und  in  der  Mehrheit:  fätte ,  als:  de  fätte  Römm ,  da 
fatte  Römme ,  engl,  Ihe  fat  ram  ,  der  fette  Widder,  Das  //. 
braucht  nicht  immer  als  Zwangsdehnungszeichen  zu  stehen ,  wo 
das  s  sich  der  vorangehenden  Sylbc  von  selbst  als  weicher , 
sanfter  Säusellaut  anschliesst,  wie  in:  rälsen ,  reisen,  kläisen ,  mit 
den  Nägeln  kratzen ;  aber :  jö  Räilts ,  jö  Kläihs ,   weil  diese  W^ör- 


26 

ter  weit  gedehnter  ausgesprochen  werden,  und  so  in  allen  ähn- 
lichen Fällen.  Auch  können  die  Laute  des  ü  und  ö  oder  nh 
und  öh  leicht  mit  einander  verwechselt  werden,  wie  z.  B,  in 
sühssen  oder  söhssen ,  sausen ;  brühssen  oder  bröhssen ,  hrausen , 
wo  das  ü  geschärft ,  aher  das  ss  ganz  weich  ist.  Die  verwandten 
Sprachen  hahcn  hier  u  und  au ,  aber  keine  Beispiele ,  dass  ein 
Vocal  vor  einem  h  je  geschärft  wird.  In  den  Wörtern  llösitj ,  nd. 
flödig,  leicht,  schwach,  brösig,  nd.  brösig,  widerspänstig ,  hat 
das  ö  die  plattdeutsche  Aussprache ,  wie  in  dösig ,  Möltl ,  nöleti , 
u.  s.  w.  *. 


ZWEITES    CAPITEL 

CLASSENEINTHEILUNG  DER  WÖRTER. 


§.  27.     \.  Das  Hauptwort,  [Nämurd,  Nennwort),  ist  der  Name 
eines   Gegenstandes,   als:   de  ^pel,  der  Apfel;   de   Buhmni ,   der 


*  Bald  tritt  die  Wörterähnlichkeit  der  hier  mit  einander  ver- 
glichenen Sprachen  mehr  in  der  Schreibung,  bald  mehr  in  der, 
in  jeder  der  verschiedenen  Zungen  eigenthümlichcn  ,  Aussprache 
der  Wörter ,  und  bald  in  beiden  zugleich  deutlicher  hervor ,  was 
alles  sorgfältig  zu  berücksichtigen  ist.  Nehmen  wir  z.  B.  'das 
fries,  Wort  Diu ,  Däg ,  und  das  engl,  day ,  so  ist  Schreibung 
und  Aussprache  fast  eins ;  eben  so  mit  dem  Worte  TJiief ,  das  in 
beiden  Sprachen  gleich  lautet.  Das  friesische  Tliig ,  Tltieg  oder 
Tieg ,  und  das  engl,  thigh  ,  würden,  nach  deutscher  Aussprache, 
ganz  gleichlautend  sein  ,  aber  hier  spricht  der  Engländer :  thei 
oder  dhei.  Dat  Kiüf ,  der  Kneif,  dän.  Kniv  (1.  Kniew) ,  engl, 
knife,  sind  ähnliche  Beispiele.  Hier  würde  das  englische  Wort 
ganz  mit  dem  deutschen  in  der  Aussprache  zusammenfallen  und 
beides  /i/av/ lauten,  wenn  der  Engländer  sein  k  mitausspräche. 
In  den  Wörtern:  de  Fävjtf ,  pl.  Fäjtt ,  engl,  foot,  pl.  feet ,  nd. 
Foot ,  pl.  Fölh ,  liegt  die  Verwandtschaft  näher,  als  im  Hoch- 
deutscheu und  Dänischen:  derFuss,  die  Füsse  ,  en  Föd,  Födder, 
obgleich  auch  in  den  letztem  die  Aehnlichkcit  nicht  zu  verken- 
nen ist.    ■ 


27 

Baum;  jö  Stäir ,  der  Stern;  de  Dühs ,  der  Tod;  dat  Lif ,  der 
Unterleib,  2.  das  Leben;  dät  Läwent ,  1.  das  Leben,  2.  der 
Lebenswandel;  dät  Aller,  das  Alter;  de  Grause,  i.  die  Gruse, 
2.  Wachsthura  der  Pflanzen ,  dän.  en  Gröde  ;  de  Luwe ,  der 
Glaube ;  dät  Feest ,   das  Fest ,   u.  s.  w. 

2.  Das  Geschlechtswort  bestimmt  das  sprachliche  Geschlecht 
der  Haupt-  und  Bestimmungswörter,  und  heisst :  de,  der,  jii , 
die,  dät,  das;  im  pl.  da,  die;  unbestimmt:  dn  und  en  oder 
'n  d.  i.  ein  ,  eine. 

5.  Das  Bestimmungswort,  {Baiurd,  adjectivura),  giebt  die  Merk- 
male der  Dinge  an ,  als :  grott ,  gross  ;  läjtt ,  klein ;  rüjdd ,  roth  ; 
iljll ,  alt;  Ituch  ,  hoch;  läig ,  niedrig;  lä/is ,  spät;  ripp ,  reif;  sHfj', 
steif,  u.  s.  w. 

4.  Das  Zahlwort,  [Tällurd,  numerale),  giebt  entweder  eine  be- 
stimmte oder  eine  allgemeine  Zahl  gleichartiger  Dinge  an ,  oder  es 
bestimmt  die  Ordnung  und  Aufeinanderfolge  derselben,  als:  fjauer 
Dege  ,  vier  Tage  ;  segs  Wäge ,  sechs  Wochen  ;  ttvunlig  Shällinge , 
zwanzig  Schillinge,  u.  s.  w. ,  oder:  faale  Fäujlk ,  viel  Volks;  man- 
mng  Hünne ,  viele  Hunde ;  arken  Manshe ,  jeder  Mensch ;  alle 
Manshene ,  alle  Menschen;  oder:  de  jarste,  der  erste;  de  lä/isere, 
der  zweite;  de  tredde,  der  dritte;  de  fierde ,  der  vierte;  de  lestc , 
der  letzte. 

5.  Das  Fürwort,  {Stähsurd,  pronoraen) ,  steht  statt  eines  Haupt- 
wortes oder  vertritt  dessen  Stelle,  als:  de  Mönn  as  sierem  krönk, 
Iie  wört  wäjl  stäirwe ;  der  Mann  ist  sehr  krank ,  er  wird  wohl 
sterben.  Solche  Wörter  sind  ferner:  Ick,  ich;  dö ,  du;  Iie ,  er; 
jö,  sie;  dät,  es;  hat,  es;  we,  wir;  ivatt,  wir  zwei;  jatt,  ihr  zwei; 
j«w,  ihr;  jd ,  sie.  So  auch:  niemmen,  niemand;  hum ,  wer,  je- 
mand ;  sönän ,  sönijn ,  ein  solcher ,  eine  solche ;  sön  ,  socken  ,  sock , 
solcher;  deselwe,  jösellew ,  dälsellew ,  derselbe,  u.  s.  w. ,  pl.  da- 
sehve. 

6.  Das  Zeitwort,  {Tiddiird,  verbum) ,  zeigt  entweder  ein  Han- 
deln oder  ein  Geschehen  oder  ein  Bestehen  an,  als:  majdden, 
mähen;  hiijllen ,  halten;  jewen ,  geben;  bim,  biegen;  sldipen , 
schlafen ;  tue« ,  arbeiten;  kühlen,  liegen;  wägsen,  gräien,  wachsen; 
bestävjnnen ,  bestehen;  hijnnen ,  1.  auffangen,  mit  den  Händen, 
2.   sich    ereignen,    begeben,     zutragen;    wesen^    sein:   z.   B.    de 

i  * 


28 

Iliinn   holet,   der    Hund  heult;   dat  rinnt,  es   regnet;  ick  giing, 
ich  gehe ,  u,  s.  w. 

7.  Das  Umstandswort ,  [Amstandsunl ,  adverbium) ,  giebt  einen 
Umstand  an ,  z.  B.  man  Brauser  het  hirr  lungens  wähn ,  mein  Bruder 
ist  längst  hier  gewesen ;  he  het  hirr  näjlke ,  kaurtlick ,  dilling , 
antenne ,  avjürsne ,  märl'mg ,  faar  en  läiet ,  noch  äi  wähn ,  er  ist 
hier  neulich  ,  kürzlich  ,  heute  ,  gestern  Abend  ,  gestern  ,  heute 
Morgen,  vor  einer  Weile ,  noch  nicht  gewesen.  So  auch  hirr, 
hier;  dirr,  da;  jänner ,  dort;  aiv  'e  janneregge ,  jenseits,   u,  s,  w. 

8.  Das  Verhältnisswort,  [Faarurd,  praepositio) ,  bestimmt  das  Ver- 
hältniss  der  Gegenstände  zu  einander ,  als  :  imjn  'e  Dörnsh ,  in 
der  Stube  ;  aiv't  Haad  ,  auf  dem  Haupte ;  faar  me  ,  efter ,  unner , 
amver ,  bäi ,  enädre  me,  vor  mir,  nach,  unter,  über,  bei,  hinter 
mir.  'Aw'e  ja?incregge  de  Struhmm  ,  jenseit  des  Stromes;  to  me, 
zu  mir;  fon  de,  von  dir;  am,  um;  dp,  auf;  auf,  ab;  efter,  nach, 
dän.  efter,  engl,  after,  und  das  altdeutsche  afler,  wie  in  after- 
reden  ,  Afterkorn ,  u.  s.  w, 

9.  Das  Bindewort ,  (Binnurd ,  conjunctio) ,  giebt  das  Verhältniss 
der  Sätze  zu  einander  an,  und  verbindet  sie  zugleich,  als:  Wanfi 
dö  äi  mä  wäth ,  so  kaast  't  läjtte,  aurs  dann  fähst  ock  nint  to  sie- 
en;  Wenn  du  nicht  mitwillst,  so  kannst  du  es  lassen,  aber  dann 
bekommst  du  auch  nichts  zu  sehen.  Die  Wörtchen:  ivann ,  so, 
aurs  verbinden  hier  die  Sätze  mit  einander.  Solche  Wörter  sind 
auch  folgende,  als:  du,  und;  also,  also;  sögaar ,  sogar;  äi  al- 
liene —  aurs  ock,  nicht  allein  —  sondern  auch;  wihsser  ick,  un- 
tig  dö ,  weder  ich ,  noch  du ;  äujnttvihsser  —  untig  ,  entweder  — - 
oder;  dirr  faar ,  daher,  u.  s.  w. 

40.  Der  Empfindungslaut,  (Interjeclio) ,  drückt  eine  Empfindung 
oder  eine  Gemüthsbewegung  und  dergl.  aus,  als:  oh!  ohd !  dw ! 
hallcp  Göd !  hilf  Gott!  Göd  bewäre!  fui!  hurräh  !  hallo!  Dät  de 
de  Ilajnger !  Dass  dich  der  Henker !  Däuwel  ock !  den  Teufel 
auch  1  ! 


1  Als  Ausrufungen ,  Verwünschungen  und  Flüche  werden  auch 
folgende  Ausdrücke  gebraucht,  als:  Dät  de  de  Kukuk ;  dät  de  de 
Raawen  (mir  nicht  erklärlich);  dät  de  de  Wünnen  !  oder  de  Fiwiin- 


29 

DRITTES  CAPITEL. 

DAS  HAUPTWORT. 


1.     Arien  desselben. 

§.  28.  Das  Hauptwort  ist  entweder  ein  Gattungsname  (nomen 
appellativum) ,  ein  Stoffname  (nomen  materiale) ,  ein  Mengename 
(nomen  collectivum),  oder  ein  Eigenname  (nomen  proprium).  Diess 
gilt  jedoch  nur  von  solchen  Hauptwörtern  ,  die  wirkliche  Dinge 
oder  sinnfällige  Gegenstände  bezeichnen. 

Bei  den  Gattungsnamen,  deren  Anzahl  die  grösste  ist,  nehmen 
wir  auf  die  Gestalt  oder  Form,  auf  die  Arten,  Geschlechter  und 
Gattungen  der  Dinge  Rücksicht,  als:  de  Mönn,  der  Mann;  jö  Wöff, 
das  Weib;  de  Trog,  der  Trog;  jö  Pupp,  die  Pfeife;  de  Hünn,  der 
Hund;  de  Buhmm,  der  Baum;  jö  Ihk,  die  Eiche;  jö  Bäjk,  die 
Buche ,  u.  s.  w. 

Bei  den  Stoffnamen  sehen  wir  bloss  auf  den  Stoff  oder  die  Be- 
standtheile  der  Dinge,  als:  de  Kläi,  der  Klei,  Thon;  dat  Gäiijll, 
das  Gold;  dat  Spek,  der  Speck;  dät  Flash,  das  Fleisch;  jö  Böser, 
die  Butter;  dät  Holt,  das  Holz,  dät  Wähser,  das  Wasser;  dät 
Hjärt,  das  Harz;  dat  Pack,  das  Pech;  de  Tjäre ,  der  Theer;  dät 
Blie,  das  Blei,  u.  s.  w. 

Der  Mengename  fasst  eine  Anzahl  gleichartiger  Dinge  zusam- 
men, als;  dät  Fäujlk,  das  Volk,  die  Leute;  da  Söshene,  die  Ge- 
schwister; dät  Äa?/r«,  das  Korn,  Getreide;  däiKrüdd,  das  Schiess- 


ncn ,  dass  dich  die  fünf  Wunden  (Christi  nämlich)  brennen  oder 
schmerzen  mögen.  Dät  de  de  Däuivel ,  de  Däuner ,  de  Däuker ,  de 
Däutsher !  (lauter  Benennungen  des  Teufels);  dät  de  de  Racker !  der 
Schinder,  sonst:  de  Racker!  de  Kränked,  de  Styt,  u.  s.  w.  die 
Pest,  die  Seuche  befallen  möge;  Göd  straaf  me!  God  fordamm 
mel  sömöd,  bei  Golt,  wenn  man  etwas  bekräftigt.  Versichernd: 
sei  mijn ,  allerdings  ;  jäwäyV,  j^awohl ;  faarwäir,  fürwahr;  wjärlick, 
wahrlich;  bäi  Good !  bei  Gott,  s.  söniötl!  ja,  dö  sürjed  och.'  Ja, 
du  solltest  wohl!  oder:  ei,  warum  nicht  gar!  u.  s.  w. 


30 

pulver-Kraut,  noch  in:  Kraut  und  Loth,  dän.  Krudt ;  dat  Gjärs, 
das  Gras;  dät  Brüjdkrüdd,  der  Kümmel;  dät  Slräi,  das  Stroh; 
dät  Födder,  das  Heu;  da  ^gene,  die  Spreu,  dän.  Avne. 

Durch  die  Eigennamen  unterscheidet  man  einzelne  Gegenstände 
derselben  Art  oder  Gattung  noch  besonders  von  einander.  Tage , 
Monate,  Länder,  Erdtheile,  Wohnörter,  Wälder,  Berge ,  Gewässer, 
Gestirne,  einzelne  Sterne,  Götter  und  Göttinnen,  auch  Thiere 
z.  B.  Hunde  u.  s.  w.  haben  Eigennamen,  als:  de  Sändäi,  der  Sonn- 
tag, de  April,  jö  Türkäi,  Europa,  Holläujnn ,  Holland,  dät  Salt- 
lief,  das  Saizmeer,  Blockshäirig ,  jö  Saaivenstäir ,  das  Siebenge- 
stirn, de  Sirius,  Odin,  Freiä,  Moloch,  Karo,  u.  s.  w. 


2.     Bildung  des  Hauptwortes. 

§.  29.  Die  Hauptwörter  sind  thcils  Stamm-  oder  Wurzelwörter 
(Urwörter,  primitiva),  theils  abgeleitete  oder  aus  andern  gebildete 
(derivala),  und  theils  zusammengesetzte  (composita).  Von  der  er- 
sten Art  sind  z.  B.  folgende:  jö  Pott ,  der  Topf;  de  Grünn,  der  Grund; 
dät  Hüss,  das  Haus;  jö  Ä'ö,  die  Kuh,  u.  s.  w.  Sie  sind  meistens 
einsilbig.  Abgeleitete  sind  z.  B.  folgende,  als:  de  Meiler,  von  jö 
Meilen,  der  Müller,  von  Mühle,  oder  3Iöller  von  dem  nd.  de  Möhl; 
de  Fds/ier,  der  Fischer,  von  Fdsli,  Fisch;  grolt,  de  Grottense, 
gros,  die  Grösse;  lieiven,  de  Luwe ,  glauben ,  der  Glaube;  de  Släip, 
der  Schlaf,  von  släipen,  schlafen ;  de /fit^fZe ,  de  Huge  und  dät  Huget, 
die  Höhe ,  von  Jnig  ,  hoch.  Zusammengesetzte  sind :  jö  Rulimme- 
shiess ,  der  Rabmlöffel  ;  BuJinimull,  Baumwolle;  dal  Lanmmeßäsh , 
das  Lammfleisch  ;  Wöffesömling ,  Weiber  Versammlung  bei  einer 
Gebährenden  ;  Däisljägt ,  Tageslicht  ;  Düivivehüss ,  Taubenhaus ; 
Mäisterstock ,  Meisterstück. 

§.  30.  Von  einsilbigen  Hauptwörtern  ohne  bestimmte  Endun- 
gen und  Nachsilben,  unter  denen  die  meisten  Stammwörter  sein 
mögen ,  wollen  wir  zuerst  einige  der  vorzüglichsten  anführen. 
Es  sind  folgende,  als: 

jö  Aagt,  die  Achte,  8.  dät  ^i,  das  Ei. 

jö  ^gt,  die  Acht,  Achtung,  Ob-    jö  Ahl ,  Grossmuttcr. 
acht.  jö  ^gs,  die  Axt. 


51 


(lät  ^mt,  das  Amt. 

jö  Aart,  die  Art. 

jö  ^rt ,  die  Erbse. 

dät  ^ss,  das  Aas. 

dat  Ass,  das  Daus. 

dät  Ähl,  die  Mistjauchc, 

de  Alk,  der  Iltis. 

jö  Auhs,  die  Ocse. 

dät  Ajk,  die  Stute. 

de  Ajl,  der  Aal. 

dät  Ais,  das  Aas. 

dät  Ak,  das  Thor. 

dät  ^r ,  die  Narbe. 

jö  5aow,  1.  die  Balin,  2.  Rain- 
farren. 

jö  liaar ,  üer  Bär. 

dat  Bäcl,  das  Bad. 

de  Bank,  die  Bank, 

jö  /?di ,  die  Beere. 

jö  Biigg ,  der  Bau,  das  Gebäude. 

de   Bähs  ,    nd.    Baas  ,   dän.     en 
Bähs. 

dat  Baurd,  das  Brett. 

jö  Bäjk  ,    1.  die   Buche  ,    2.  die 
Beuche. 

dät  Bäiijl,  die  Hütte. 

dat  Baus,  die  Erdhütte. 

dät  Bank,  das  Bucli. 

dät  Bedd ,  das  Bett. 

dät  Bedd,  das  Beet,  Gartenbeet. 

jö  Bi,  die  Biene,   dän.  en  Bi. 

de  Bijnn ,   i.  der   Band,  2.  das 
Band. 

dät  Bijn,   das  Bein,   der  Unter- 
schenkel. 

dat  Bill,  das  Bild, 
dät  Bier,  das  Bier. 


dät  Bitt,  die  Wuline  im  Eise. 

dät  Bat,  die  Pfcifenspitzc. 

de  Bähs,  \.  der  Biss ,  2.  die 
Schneide. 

jö  Buk,  die  Birke. 

dät  Birk,  der  Birkdistrict. 

jö  Blech ,  das  Laken ,  dän.  et 
Lägen,  und:  en  Blee. 

jö  Blähs,  dän.  Blus. 

jö  Bläihs,  die  Blase. 

dät  Bläk,  die  Dinte. 

de  Bldjnk,  der  Schimmer;  dän. 
et  Glimt. 

dät  Bleess,  das  Blatt. 

dät  Block,  der  Block. 

jö  Bucht,  \.  die  Bucht,  2.  die 
Oberhand,  der  Sicff. 

de  Böll,  der  Bolzen,  dän.  Bolt. 

jö  Biiss,  die  Büchse,  dän.  Bosse. 

dät  Bör,  der  Bohrer,  dän.  et  Bor. 

dät  Brak,  die  Mlh,  der  Mangel. 

de  Bräi,  der  Brei,  die  Grütze. 

jö  Bräjdd,  die  Braut. 

dät  Bräif,  der  Brief. 

de  Brück,  der  Brauch. 

dät  Brüjd,  das  Brot. 

dat  Bräu,  die  Tafel. 

jo  Brdll,  die  Brille. 

jö  Brdmhs,  i.  die  Bremse,  Stech- 
fliege. 2.  die  Bremse  zum  Brem- 
sen der  Pferde. 

de  Brödd,  i.  der  Stift,  2.  der 
Stachel,  dän.  en  Braad. 

jö  Brö,  die  Brücke,  dän,  en  Bro. 

dät  Bjärd,  der  Bart. 

dat  Bjdrn  ,  das  Kind  ,  dän.  et 
Barn. 


52 


jö  Bjärst,  die  Borste. 

de  Bück  ,  der  Bauch  ,  nd.  de 
Buk,  dän.  Bug. 

dät  Bann ,  das  Bund ,  das  Bündel. 

de  Biihmm ,  der  Baum. 

de  Bush,  die  Büchse,  als  Be- 
hälter. 

jö  Bitrst,  die  Brust. 

de  Bush,  der  Busch,  der  Strauss, 

dät  Büjtt ,  das  Boot. 

jö  Buhn ,  die  Bohne. 

de  Bunk ,  der  Haufe ,  dän,  en 
1  Bunke. 

dät  Bohr ,  das  Bauer ,  nd,  und 
dän.  Buur. 

de  Daard ,  das  Frühstück ,  dän. 
Davre. 

de  Dämp,  der  Dampf. 

de  Dank ,  das  Tuch. 

de  Däi ,  der  Tag ,  engl.  day. 

de  Ddsh ,  das  Schälchen. 

jö  Dauhs ,  die  Dose. 

de  Die ,  der  Teig ,  dän.  Dei. 

jö  Diek,  das  Grübchen. 

dat  Dijl ,  I.  das  Ding,  2.  der 
Theil. 

dat  Ding  in  Hilligding  ,  das  heili- 
ge Ding,  die  Rose,  der  Rolh- 
lauf. 

de  Dick ,  der  Deich ,  nd.  de  Diek , 
engl,  dike  ,  dän.  et  Dige. 

dät  Dohf,  die  Tunke ,  dünner 
Teig,  engl,  dough. 

de  Dring ,  der  Knabe ,  dän.  en 
Dreng. 

iöDöw,  die  Taube,  nd.  deDuw, 
engl,  a  dove ,  dän.  en  Due. 


jö  Dühr ,  nd.  und  dän.  en  Dör, 

engl.  door. 
de  Döi'ensh,  die  Stube, 
de  Dämm,  der  Damm, 
jö  Dräft ,   1.  der   Trieb,   2.  die 

Trift ,  0.  die  Auffahrt  nach  dem 

Hause,  4,  der  Nachdruck, 
jö  Druhg,  1.  die  Traube,  2.  die 

Milchseihe. 
de  Dröpp ,  der  Tropfen, 
de  Drall ,  der  Drillich, 
de  Dunst ,  der  Dunst, 
dat  Diert,   das   Thier,  nd.   dat 

Deert ,  dän.  et  dyr. 
dät  Eesh  ,  die  Asche, 
jö  Eesh ,  die  Esche, 
de  Eesh,  die  Schachtel,  dän.  en 

iske. 
de  Enn ,  der  Abend, 
jö  Elms,  das  Almosen ,  engl.  alms. 
jö  Faan ,  die  Fahne, 
dät  Fdck ,  die  Ficke. 
de  Fäll,  der  Fall,  engl.  fall, 
jö  Fäll ,  die  Falle, 
dat  Fat ,  die  Schüssel ,   dän.  et 

Fad. 
jö  oder  dät  Dock ,   die  Puppe , 

die  Docke, 
jö  Faur,  die  Fuhre, 
jö  Faurk ,  die  Gabel ,  engl,  a  fork , 

dän.  Fork. 
jö  Fähr,    1.  die  Fähre,   2.  der 

Aufzug ,  5.  die  Schaar. 
dät  Fäjll,  das  Feld,  engl,  field. 
jö  Fäil ,  das  Gefühl, 
jö  Fäihs ,   der    Unterhalt ,  dän. 

Föde  .  enel.  food. 


53 


dät  Fäujlk ,  das  Volk ,    ie  Leute , 

engl,  folk ,  folks. 
de  Fäujlt,  der  Fuss ,  nd.  de  Foot , 

dän.  en  Fod ,  engl.  foot. 
dät  Feel ,  der  Bottich, 
dät  Fek ,  das  Fach, 
jö  Feest,  die  Faust, 
dät  Feest,  das  Fest. 
jö  Feel,  die  Feile;  dän.  und  nd. 

de  Fiil,  engl.  file. 
jö  Fieg ,  die  Feige,  dän.  Figen, 

engl,  a  fig. 
de  Fijnd ,  der  Feind, 
dät  Fijl,  das  Rad,  engl,  a  wheel. 
de  Fihss,  der  Fist. 
de   Fjärt ,    der   Furz ,   dän,    en 

Fjärt ,  engl,  a  fart. 
jö  Fläg ,  der  Regenschauer ,  engl. 

a  shower. 
de  (dät)  Flägs ,  der  Flaohs ,  nd. 

Flass,  engl.  flax. 
dät  Flash,  das  Fleisch,  das  dän. 

Flesk  für  Speck, 
jö  Fläujdd,  die  Fluth. 
jö  Flaait ,  die  Flöte ,  nd.  de  Flaut, 

dän.  en  Flöite ,  engl,  flute. 
jö  Flieg ,  die  Fliege ,  nd.  de  Fleeg , 

engl,  a  fly. 
jö  Fingt,    \.  der    Flug,    2.   die 

Flucht. 
jö  Flank,  der  Flügel,  nd.  Flunk, 

Flünk. 
de  Foss ,   der  Fuchs  (Pferd). 


jö  Fotls   in  Slüttfotts ,   gemeines 

Schimpfwort, 
de  Folt ,  in  Uünnsfott,  der  Hunds- 
fott, 
dät  Fjärsh ,  der  Vers, 
jö  Fragt,  die  Fracht, 
jö  Fi'äi ,  die  Heirath. 
de  Fräst,  die  Firste  des  Daches, 
jö  Frist ,  —  1. 
de  Fräst ,  der  Frost, 
jö  Frösh ,  der  Frosch, 
de  Frünn .  der  Freund, 
dät  Fritt ,  der  Frittbohrer ,  dän. 

Vrit. 
jö  Friujt ,  die  Frucht, 
de  Fünst ,  der  Fund, 
de  Fldck,  der  Fleck,  Leder  am 

Absatz, 
jö  Finn ,   1.   die  Finne,    2.   die 

Flosse, 
jö  Flint ,  die  Flinte, 
dät  Flor,  der  Flor, 
dät  Flöti,  das  Floss. 
jö  Fair,  die  Föhre,  Fichte,  dän, 

Fyrr. 
dat   Fäll,   i.  das  Fell,    2.   das 

Füllen, 
de  Faurm ,  die  Form, 
de  Galt,  der  Borg,  dän.  en  Galt, 
de  Gast ,  der  Gast, 
jö  Gast,  die  Geest, 
dät  Gätijd ,  das  Gut, 
dät  Gäujll,  das  Gold. 


1  Ein  Strich  in  diesem  Verzeichniss  soll  dasselbe  anzeigen ,  was 
bisher  durch  drei  Striche  angedeutet  worden.    Siehe  S.  24  ,  Anm.  1. 


34 


jö  Gäiis,  die  Gans,  nd.  de  Goos, 
dän.  Gaas,  engl,  goose. 

dät  Geck,  der  Geck  ,  dän.  en  Gjäk. 

de  Geedd ,  der  Hecht ,  dän.  en 
Gjede. 

dät  Giß,  das  Geld. 

de  Guts ,  der  Geiz. 

jö  Gläjd,  die  Gluth ,  dän.  en  Glöd ; 
such  eine  glühende  Kohle. 

jö  Glauw ,  der  Spaten. 

dät  Gleess ,  das  Glas  ,  nd.  engl, 
und  dän,  ebenso. 

dät  Glüpp,  der  Ketscher,  dän. 
en  Gliv. 

dät  Graum,  das  Eingeweide  der 
Fische  und  Vögel. 

de  Graad,  der  Grad. 

jö  Gräjdd,  der  Rasen,  auch  Ra- 
senacker. 

de  Grünn  ,  der  Grund. 

dät  Griss ,  dän.  en  Griis ,  das 
Ferkel. 

de  Gripp  ,  der  Griff  mit  der  Hand, 

de  Grähp ,  der  Griff,  die  Hand- 
habe. 

dät  Grö/,  rohe  Grütze,  nd.  Grüit, 
dän.  Gröd. 

de  Gölh,  der  Guss  an  einer  Kan- 
ne ,  u.  s.  w, 

dät  Grüss,  1.  der  Graus,  Gries , 
Grand ,  2.  der  Schutt ,  dän.  und 
nd.  Graus. 

de  Graup,  die  Mistrinne  im  Stal- 
le ,  engl,  ihe  groop. 

de  Groll ,  der  Groll. 

de  Gong,  der  Gang. 

de  Godd ,  der  Gott. 


dät  Gjärs,  das  Gras. 

jö  Gitjt,  die  Gicht. 

dät  Greef ,   das  Grab,  nd.  Graf, 

dän.  Grav,  engl,  ihe  grave. 
jö  Gn'/ijdän.  Gröft.  der  Wasser- 
graben um  den  Warf, 
de    Gäihs ,    der    Dünger ,    dän. 

Gjöske. 
de  Graaw ,  der  Graf, 
dat  Gips  ,  —  . 
dät  Haad,  das  Haupt, 
de  Haaw,  das  Gotteshaus, 
de  Hals,  der  Hals, 
jö  Hänn ,  die  Henne. 
deHaup,  der  Reif,  Tonnenband, 

engl.  hoop. 
dat  Hart ,  das  Herz  ,   nd.  Hart , 

engl,  heart. 
de  Hauch,  derHauk,  engl,  hock, 

das  Zäpfchen  im  Halse ,  2.  der 

Hisseblock, 
jö  Haur ,  die  Hure. 
jö  Hanrd,  derKirchhöf,  von  Hürde, 
jö  Häujnn,  die  Hand, 
de  Hänjdd ,  der  Hut. 
jö   Häi ,    der   Mulh ,    der  Sinn  . 

die  Erinnerung, 
dät  Häi ,  die  Lust  zu  etwas, 
jö   Hähg ,  das  Heck   vor   einer 

Fenne, 
de  Haurn ,  das  Hörn. 
dät  Haurn,  als  nomen  materiale, 
de  Halm,  der  Helm, 
de  Hdw ,  der  Hieb, 
de    Hdjnst ,    der    Hengst ,    däm 

Hingst ,  überhaupt  ein  Pferd  , 

als  Gattungsname. 


35 


de  Hält ,  der  Ileld ,  dän.  Ilelt, 
jö  Hdks ,  die  Hexe, 
jö  Hing ,  die  Thürangel. 
dat  Hielis ,  die  Heide ,  das   Hei- 
dekraut, engl,  heath. 
jö  Hiehs,  die  Heide,  das  Heide- 
feld, dän.  en  Hede, 
dat  Hierd ,   die  Harde ,   dän,  et 

Herred. 
jö  Hyll,  die  Heide,  dän.  en  Hil- 
de; die  Fussfessel  der  Pferde, 
u,  s.  w. 
de  Hjärl ,  gehechelter  Flachs, 
jö  Hjärn ,   \.  die   Ecke,  2.  der 
Winkel,  nd.  Hörn,  dän.  Hjör- 
ne. 
dät   Hjärn ,   wollenes  Garn ,   2. 

Hühnergeier  in  Hännefijärn, 
dät  Hjärt ,  das  Harz, 
dät  Heef,  das  Haff,  Meer,  dän. 

et  Hav, 
dät  Heeft,  das  Heft,  Schale  am 

Messer, 
jö   Heesp ,   der  Haspel ,  dän  en 

Haspe, 
jö  Holis,   der  Strumpf,   dän,  en 

Hose ,  das  deutsche  Hose, 
dät  Höll ,  das  Gesäss, 
dat  Hjört ,  der  Hirsch ,  engl,  a 

hart ,  dän.  Hjort. 
de  Hüpp ,  der   Haufe ,   dän,  en 

Höh ,  engl.  heap. 
dät  Hüss,   das   Haus,  dän,  und 

nd.  Huus,  engl,  house, 
de  Hühs ,   das  Heim ,    die  Hei- 
math,    dän,   elHjem,    engl. 
horae. 


jö  Hüll,  die    Mütze,   das   deut- 
sche Hülle, 
dat  Höh,  das  Holz, 
de  Hütm ,  der  Hund. 
iöHüdd,  die  Haut,  nd.  und  dän, 

Hut,  Hud. 
jö  Hcinn,  das  dünne  Häutchen, 

dän.  en  Hinde. 
jö  Höw ,  die  Hoffnung ,   dän.    et 

Haah,  engl.  hope. 
dät  Häwr,  das  Haar,  engl.  hair. 
de  Hof,  der  Hof  um  Sonne  und 

Mond,  dän.  en  Hov. 
de  Hanf,  der  Huf. 
de  Hill,  der  Holunder,  dän,  Hyld, 

de  Hillebuhmm. 
jö  Jagt,  4.  die  Jagd,  2.  die  Jacht, 
dät  Järd ,  die    Erde ,   als  Stoff- 

namc. 
dät  Jeß,  die  Gabe,  beim  Füttern 

des  Viehes, 
de  Uiss ,  der  Eid ,  dän.  en  Eed  , 

2.  Scheitel, 
dät  Ijd,  der  Torf, 
dat  Hir,  das  Jahr,  engl.  year. 
dat  Ijll ,  das  Feuer,   dän.  Ild. 
dät  hs,  das  Eis,   nd.  und  dän. 

lis ,  engl.  iee. 
jö    Ulk ,    die    Eiche ,    nd.   Eek , 

dän.  en  Eeg. 
dal  Jörn,  ein  Eisen,  dän.  et  Jern. 
de   Jüll ,  dän.  Juul ,    die  Weih- 
nachten, 
dat  Jäck  ,  die  Jacke, 
dat  Jäck ,  das  Joch ,  engl.  yoke. 
jö  Jahl ,    das    Rohrkolbenblatt, 
(Typha). 

5  * 


36 


dät  Klapp,  eine  Art  Kreuzbinde 

alter  Weiber, 
dät    Klapp,    i.  der   Hosenlatz, 

2.  eine  Schütte  Stroh, 
jö  Kaar ,    der  Karren,   das  dän. 

Karre,   und   das   engl,  a  car 

und  cart. 
jö   Kaard ,   die  Karte,    dän.   et 

Kort,  (Kaart),  engl,  card  und 

Chart, 
jö  Kapp  ,  die  Kappe ,  dän  Kappe , 

engl.  cap. 
jö  Kätt ,  die  Katze  ,  dän.  und  nd. 

Kät,  engl.  cat. 
de  Kant,  die  Kante,  der  Rand, 

die  Seite, 
jö  Käil,  4.   die    Keule,    2.  die 

Kühle, 
de  Kaumm,  der  Kamm,  nd.  und 

dän.  en  Kam,  engl.  comb, 
dät  Kaum ,  das  Korn ,   nd.  und 

dän.  Körn,  engl.  corn. 
de  Kalk,  der  Kalk, 
dät  Kann,  das  Kinn",  engl,  chin, 

das  dän.  Kind  (die  Backe). 
jö  Kdrst,  i.  Kiste,  2.  der  Sarg. 
de  Kälir ,   die  Kühr ,  die  Wahl , 

Freiheit  zu  wählen, 
jö  Kier ,  wie  Kälir. 
de  Kecl,  der  Kiel,  dän.  en  Kjöl, 

engl,  a  kecl. 
jö  KicJ; ,  dän.  Udkik  ,  die  Gucke. 
de  Klang,  der  Klang, 
jö  Klädd,  die  Kladde, 
de  Klädd,  der  Klecks, 
jö    Kldww,   die   Klaue,    engl,    a 

claw,  dän.  Klö, 


jö  Klamm ,  die  Klemme ,  eigentl. 
und  uneigentl. 

iöKlöck,  I.Glocke,  2.  Uhr,  engl, 
a  elock  ,  dän,  en  Klocke, 

de  Klömp,  l.die  Klampe,  2.  der 
Schober,  dän.  Häs. 

de  Klump,  l.Kloss,  2.  der  Klum- 
pen. 

de  Kläi ,  der  Klei ,  Thon ,  engl, 
clay ,  dän.  Klik. 

Klaai ,  Nicolai. 

de  Klütt ,  der  Flicklappen ,  das 
dän.  Klud  und  das  engl,  clolh. 

Jö  Klajnk ,  die  Klinke ,  dän.  en 
Klink. 

dät  Klie,  die  Kleie,   dän.  Klii. 

jö  Kling ,  die  Klinge. 

de  Kjärl ,  der  Kerl ,  dän.  en 
Karl. 

jö  Kjärl ,  der  Kern ,  2.  ein 
Krüramchen. 

dät  Klühs ,  das  Tuch ,  vergleiche 
Klud,  cloth. 

de  Knälip,  i.  der  Kniff,  2.  Taille. 

dät  Kniff,  der  Kneif,  das  Mes- 
ser. 

jö  Kniep ,  die  Schnalle. 

jö  Kldtsh ,  \.  die  Klatsche  an 
der  Peitschenschnur,  2.  der 
Seime. 

de  Knöst ,  dän.  Knast. 

jö  Kost,  l.die  Kost,  2.  die  Hoch- 
zeit. 

de  Knapp,  der  Knopf,  dän.  en 
Knäp. 

de  Kndgt ,  der  Knecht. 

de  Knall,  der  Knall. 


57 


\  eineBoolstange  zum 

,     r-...  •     i  Schieben  der  Boote  , 
de  Klaujtt,\   ,  .     .       ,.  ... 

,„..  .      >oben  mit  einer liruk- 
10  hlauiUA, 

\ke,  unten  mit  einer 

/Klaue  versehen. 

jö  Kwall,  die  Quelle. 

jö  Kraß ,  die  Kraft. 

jö  Krack,  die  Krücke. 

dät  Krack ,  die  Kracke ,  elendes 
Pferd ;  dän.  Krik. 

de  Kram,  der  Kranz. 

dät  Kram,  1.  der  Kram ,  2.  Kram- 
laden. 

de  Krich,  der  Krieg. 

dät  Kritt,  die  Kreide. 

dät  Kripp ,  der  Krepp ,  ein  Zeug. 

jö  Krück ,  die  Kruke  ,  der  Krug. 

de  Kriss ,  der  Kreis ,  dän.  en 
Kreds  (1.  Kres). 

dät  Krät ,  das  Gethier ,  dän.  et 
Krä. 

de  Kröpp,  der  Körper,  dän.  en 
Kröp ,  2.  der  Kropf  der  Vö- 
gel, 5.  der  Kropf  der  Pferde, 
eine  Krankheit. 

dat  Krüss,  1.  der  Krug,  2.  das 
Kreuz. 

jö  Krauck,  der  Dachwinkel. 

duKrüdd,  1,  das  Kraut,  2.  Schiess- 
pulver, noch  in:  Kraut  und 
Loth ,  dän.  Krudt. 

de  Kraimim,  die  Krampe. 

jö  Krebh,  die  Krippe. 

jö  Kröhn  ,  die  Krone,  engl,  crown. 

de  Kraug ,  der  Krug ,  als  Schenke. 

jöKöhl,  die  Grube,  nd.  Kul,  dän 
en  Kule. 


jö  Ko,  die  Kuh ,  nd,  u.  dän.  cn 

Ko,  engl,  a  cow. 
de  Kunsl,  die  Kunst, 
de  Kupp,  derliauf,  nd.  de  Köp, 

dän.  et  Kjöb. 
jö  Kann,  die  Kanne,  nd.  de  Kann, 

dän.  en  Kande,  engl,  a  can. 
de  Kiljl,    der  Kohl,  dän.  Kaal, 

engl.  cole. 
jö  Käg  ,   der   Kuchen  ,   dän.  en 

Kage,  engl.  cake. 
de  Klöts,  der  Klotz,  dän.  en  Klods. 
dät  Kopp,  dirainutivum  :  dät  Kop- 

ken,  die  Tasse, 
jö  Kunim,  die  Kumme, 
jö  Küst,  die  Küste, 
dät  Küt,  der  Kitt, 
jö  Laash,  die  Lerche, 
de  Läid,  der  Blitz, 
jö  Las,  die  Last, 
jö  Last,  der  Leisten, 
jö  Ld,  die  Sense,  dän.  en  Lee. 
jö  Law,  der  Löwe. 
dätXä^,   4,  die  Schicht,  2.  das 

Gelag,  dän.  et  Lag. 
dät  Lack ,  der  Lack, 
jö  Ldnn,  die  Linde, 
jö  Lälis,  die  Scheune, 
dät  Ldss ,  das  Glied, 
dat  Lddd,  4.  der  Deckel,  2.  der 

hölzerne  Teller. 
de  Lacks,  der  Lachs. 
dät  Lämp ,  die  Lampe, 
jö   Länk ,    die    Kette ,    dän.   en 

Liinke. 
dät  Lalh ,  die  Latte, 
dät  Laumm,  das  Lamm. 


38 


dät  Lävjnn,  das  Land. 

jö  Lmijtt,  die  Ofenkrücke. 

jö  Läjt,  das  Geschrei. 

dät  Lees,  das  Fuder,  dän.  et  Las. 

dät  Lick,  die  Leiche,  nd.  Liek, 
dän.  Lüg. 

dät  Liek,  ein  Spiel  mit  Schneil- 
kügelchen. 

jö  Lie,  die  Miethe,  dän.  en  Lcie. 

dät  Liem,  der  Lehm. 

dat  Limm,  der  Leim,  dän.  Liim. 

jö  Liep,  der  Kibitz,  das  engli- 
sche lap  in  lapwing. 

jö  Leen,  die  Leine,  engl,  a  line, 
dän.  Line. 

dät  Ljägt,  das  Licht. 

dät  Loos,  das  Loos,  dän.  en  Lod. 

dät  Loch  ,  1.  das  Loch ,  2,  der 
Kerker. 

jö  Lüss,  die  Laus. 

jö  Luft,  die  Luft. 

jö  Lust,  die  Lust. 

dat  Lüjn,  der  Lohn. 

de  Lünn,  der  Hain,  dän.  en  Lund. 

jö  Lufik,  Zwiebel,  dän.  et  Log, 
der  Lauch. 

dät  Linn ,  der  Bund ,  als :  Ho- 
senbund, dän.  et  Lin. 

dat  Liff,  1.  der  Unterleib,  2.  das 
Leben,  nd.  und  dän.  Liv,  engl. 
life. 

jö  L6,  die  Tenne,  dän.  en  Lö. 

de  Lupp,  der  Lauf. 

jö  Löft,  der  Boden,  dän.  et  Löft, 
engl.  loft. 

jö  Lier,  i.  die  Lehre,  2.  Kennt- 
nisse. 


jö  Lierk,  ein  kleiner  Strandläu- 
fer (Charadrius  minor). 

jö  Lits,  die  Litze,  dän,  en  Lids. 

jö  List,  die  List ,  — . 

dat  Lück ,  die  Luke ,  dän.  en 
Luge. 

dat  Lück,  das  Glück. 

jö  Löhr , 


ö  Löhr,    I 
ö  Lörr ,    j 


die  Lauer. 


J 

jö  Lunt,  die  Lunte. 

de  Läink,  der  Sprung. 

jö  Mägt,  die  Macht,  dän.  Magt. 

dat  Malt ,   das   Malz ,   engl,  und 

dän.  Malt, 
jö  Malt,  die  Milz, 
jö  Mdgg ,  die  Mücke, 
de  Mdck ,  der  Kuss. 
jö  Mäsh,    1.  die  Masche,  2.  die 

Made, 
jö    Matt ,    die    Matte ,    engl,    a 

mat. 
jö  Mähr,  die  Mähre,  dän.  en  Mär, 

engl,  a  mare. 
dät  Mäujt,  die  Begegnung,  dän. 

et  Mode,  engl.  meet. 
dÄt  3Iäujdd,  der  Muth,  nd.  Moth, 

dän.  Mod ,  engl,  raood. 
dat  Mäjl,   das  Mahl,  dän.  Maal, 

Maaltid. 
de  Mall,  die  Mitte, 
dät  3Iäujl ,  das  Mill ,  die  Millerde , 

dän.  Muld,  engl,  mould. 
dät  3Iäus,  das  Muss,   als  Pflau- 

menmuss ,  dän.  Gröd,  engl.  pap. 
jö  Mäujnn ,  der  Torf —  oder  Holz- 
kasten u.  s.  w.,  dän.  et  Mon. 
de  Mast,  der  Mast,  —  . 


59 


dät  Mahl,  das  Mehl,  däii.  Meel, 

nd.  Mehl, 
jö  Meel,  die  Meile,  nd.  und  dän. 

cn  Miil ,  engl,  a  raile, 
jö  Mäßd,  die  Malh,  engl,  meadow. 
de  Maurd ,   der   Mord ,   dän.  et 

Mord,  engl,  murder. 
de  Mjärn,  der  Morgen, 
de  Mjogs,  der  Mist,  Dünger, 
dät  Mjögs ,  der  Koth. 
jö  Miek,  die  Mutterscheide,  nd. 

de  Mieg. 
dät  Moos,  das  Moos,    dän.    und 

engl,  raoss. 
de  Mmn ,    der   Mann ,    dän.    en 

Mand ,  engl,    a    man.   Monns , 

Manns  für  etwas  sein, 
jö    Muss  ,    weiblicher    Kopfputz 

mit  Spitzen  unter  der  Kreuz- 
binde [Shiedcutk)  an  den  Schlä- 
fen, 
jö  Muff,  der  Muff,  engl,  muff, 

dän.  en  Muffe, 
jö  Mölir  ,   die    Mauer ,    nd.   und 

dän.  en  Muur,  Mühr. 
de  Müss,  der  Mund, 
jö  Müss,  die  Maus,  nd.  und  dän. 

Muus ,  engl,  a  inouse. 
dät  Muhl,  das  Ziel,   dän.  Maal. 
jö  Mäjtt,  das  Maass. 
dät   3Iärk ,    Merkmal  ,     dän.    et 

Märke,  engl.  mark, 
jö  Mark,  die  Mark  (16  f.). 
de   Marsh  ,    der   Marsch  ,   engl. 

march,  dän.  Marsk. 
jö   Mjärsh ,    die   Marsch ,    engl. 

marsh. 


de  Mass,  die  Messe  in  der  Kir- 
che, engl,  mass,  dän.  Messe. 

dat  Mäsh,  der  Meisch,  dän.  Mask, 
engl.  mash. 

de  Most,  der  Most.  —  engl.  must. 

de  Muck,  der  Muck,  Mucks. 

jö  3Iünt ,  die  Münze. 

Mdmm,  Mutter,  in  der  Anrede 
von  Kindern. 

Meem,  Mem,  dasselbe. 

Matt,  Mette,  ein  weibhcher  Ei- 
genname. 

jö  Naas,  die  Nase,  nd.  Nähs, 
dän.  Nase,  engl.  nose. 

jö  Nähs,  l.die  Nuss,  2.  dieNiss, 
1.  nd.  de  Not,  dän.  en  Nöd', 
engl.  nut.  2.  nd.  Näd ,  dän. 
Nidd,  engl.  nit. 

jö  Nagt,  die  Nacht. 

dät  Näps,  der  Napf. 

de  Narr ,  der  Narr ,  —  . 

dät  Näis ,  die  Neuigkeit,  dän. 
noget  Nyt,  engl.  news. 

jö  Neil,  die  Nadel,  engl,  needle. 

dät  Neest ,  das  Nest ,  nd.  und 
engl.  nest. 

dät  Neet,  1.  das  Netz,  nd.  engl, 
und  dän.  Net.  2.  der  Harn, 
altdeutsch  der  Netz. 

jö  Nill,  die  Nessel,  nd.  und  engl. 
Nettel. 

jö  Nist,  der  Funke,  dän.  en  Gnist. 

jö  Nöpp,  der  Floh. 

jö  Niijd',  die  Noth. ,  dän.  en  Nöd, 
engl.  need. 

dät  Nüjtt ,  das  Rind  ,  dän.  et  Nöd', 
engl.  neat. 


40 


jö  Nöst,  der  Tränktrog, 
jö  Null,  die  Null,  et  Nul. 
de  Ödd,  die  Messerspitze,  Land- 
spitze ,  dän,  en  Od  ,  Odde. 
de  0/im,  der  Oheim,  Onkel, 
de  Päbst,  der  Pabst. 
dät  Pack,  1.  der  Pack,  2.  das  Pack, 
dät  Pär,  1.  das  Paar,  2.  einige, 
dät  Päss,  der  Pass. 
de  Päls ,  der   Pelz ,  dän.  Pelts. 
dät  Pdss,  der  Harn, 
dät  Päjl,  der  Pfuhl,  dän.  en  Pol 

(1.  Pohl), 
jö  Päußm,  das  Pfand,  dän.  Pant, 

engl.  pawn. 
dät  Pänjfin,  Pfandgut, 
jö  Pari,  die  Perle,  engl,   pearl. 
de  Peel,  der  Pfeil,  dän.  und  nd. 

en  Piil. 
jö   Penn ,   ein   hölzerner   Wirbel 

an  Luken  zuai  Vordrehen,  dän. 

en  Vreil,  daher  das  englische 

to  pen  ,    einschliessen  ,    fries  : 

pennen. 
de   Pick,  die    Pieke,   dän.  Pig, 

engl,  a  pike, 
de  Pläck,  der  Fleck, 
dät  Pläss ,    der   Platz  ,   nd.  und 

dän.  Plads,  engl,  place, 
de  Plaan ,  der  Plan  ,  —  . 
jö     Plagt  ,     die     Pflicht  ,    dän. 

Pligt. 
jö  Plefj ,  die  Pflege, 
de  Plöck,  der  Pflock,  dän.  Plög, 

engl.  plug. 
de  Plaug,  der  Pflug,  nd.  Plög, 

dän.   Plov ,  engl,  plough. 


jö  Plant,   die  Pflanze,   dän.  nd. 

und  engl.  Plant, 
jö  Plöhm,  die  Pflaume,  nd.  und 

eng],  plura. 
jö  Plät,  die  Platte,  engl,  a  plate, 

dän.  Plade. 
de  Post ,  die  Post ,  — . 
jö  Pönn  ,    die   Pfanne  ,    engl,   a 

pan,  dän.  Pande. 
jö  Polt,  nd.  und  engl.  Pot,  dän. 

en  Pot,  als  Maass,  en   Potte, 

als  Gefäss. 
jö  Pupp,  die  Pfeife ,  engl,  a pipe, 

nd.  Piep, 
jö  Pietsh ,  die  Peitsche,  dän.  en 

Pidsk. 
de  Präck ,    \ .  der  Stich ,  2,  der 

Tüpfel, 
jö  Prauhs,  die  ßennkerze,  dän. 

en  Praas. 
jö  Podd ,  der  Käfer, 
de  Prijnn,  die  Pfrieme,  dän.  en 

Preen. 
jö  Präkv,  die  Probe, 
de  Prdwst,  der  Probst,  dän.  Provst. 
de  Prins,  der  Prinz,  — . 
jö  Prämni,  der  Prahm,  dän.  Pram. 
de    Priss ,    der    Preis ,   nd.    und 

diän.  en  Priis,  engl,  prize,  price. 
jö  Prie/is,  die  Priese, 
de  Puls ,  der  Puls  ,  — . 
dät  Pünn,   das  Pfund,  nd.  und 

dän.  Pund,  engl,  pound. 
jö  Pump,   die  Pumpe,   nd.  und 

engl.  Pump,  dän.  Pumpe, 
de  Pung ,   i.  der  Beutel,   2.  der 

Ilodensack ,  dän.  Pung. 


41 


dät  PuU  ,  das  Pult. 

de  Puff,  der  Puff. 

jö  Prung,  der  Tausch,  dän.  Prang. 

jö  Ptits,  der  Putz,  Staat,  2.  der 

Streich ,  Possen, 
jö  Pörn,  nd.  Porn,  die  Garnele, 

engl,  prawn,  shrimp. 
dät  Rd,  die  Reihe,  Zeile,  dän. 

en  Rad. 
dät  Rdck,  1.  das  Schüsselbrett, 

2.  die  Hühnerlatte, 
de  Räjdd,  (ier  Rath,  dän.  Raad. 
jö  Räilid,  das  Rohr,  als  Pflanze, 

engl.  reed. 
jö  Rauhs ,  die  Rose ,  Blume, 
jö  Rmijtt,   altd.  Rott ,  dän.   en 

Rod,  engl.  root. 
de  Rast ,  der  Rest, 
de  Rähw,  der  Riss, 
jö  Rauk ,   der  Rabe ,  das  engl. 

rook ,  die  Saatkrähe, 
de  Ränt,  der  Rand, 
jö  Räifis,  die  Reise, 
jö  Räbb,  die  Rippe,  Ribbe. 
jo  Räsp,   die  Raspel,  dän.   und 

engl,  a  Rasp. 
de  Rang ,  der  Rang,  engl,  a  rank, 
jö  Rank,  die  Ranke, 
jö  Rau,  I  die  Ruhe ,  dän. 
jö  Rd,    j  Roe. 
jö  Rast,   die   Rast ,    dän.    Rist , 

engl.  rest. 
dät    Reef ,    dan.    en    Räv ,    der 

Fuchs,  Reincke. 
jö  Reew,  dän.  en  Rive,  der  Re- 
chen, engl,  a  rake. 
dät  Reess,  dän.  cn  Rost. 


de  Regg ,  der  Rücken,  dän.  en 

RiJgS'  engl,  ridge. 
de  Riek,  der  Rauch,  dän.  Rög, 

nd.  Rök ,  engl.  reck, 
dät  Rick ,   nd.    dat   Riek  ,   das 

Reich, 
dät  Riss,  die  Ruthe,  das  Reis, 

dän.  et  Riis. 
de   Ripp,   der   Reif,    gefrorner 

Thau ,  dän.  Riim,  engl,  rime  — 

hoare. 
de  Rimtn ,   der  Reim ,  nd.  und 

dän.  Riim,  engl,  rliyrae,  rime. 
dät  Riess,  von  riesen,  sich  auf- 
richten, 2.  das  Riess. 
de  Rinn,   der  Regen ,  nd.  dän. 

Regn ,  engl,  rain, 
jö  Riim ,  die  Rinde  ,  engl.  rind. 
de  Ridd,  der  Ritt,  dän.  et  Rid', 

engl,  a  ride. 
de  Rock,  der  Spinnrocken, 
de  Rock,  der  Rock, 
dät  Rögt,  das  Recht, 
de  Rögt,  das  Gericht  Essen, 
de  Römm,  der  Widder,  engl  a 

ram. 
jö  Roost,  der  Rost,  beim  Brauen, 
de  Ring,  der  Ring, 
jö  Rösh,  die  Binse,  engl,  a  rush. 
jö  Rät,  die  Ratze,  nd.  en  Rott, 

dän.  en  Rotte  ,  engl,  a  rat. 
jö  Röhw,  die  Rübe,  nd.  de  Röhw, 

engl,  a  rape. 
dät   Rült,    die  Raute,   Fenster- 
scheibe, nd.  de  Rut,  dän.  Rüde, 
dät  Röhn  ,    Rinnsal ,    engl,  run- 

net ,  'rennet. 


42 


dät  Rümm,  -l.Raum,  2.  Zimmer, 
nd.  Piiium,  dän.  Rum',  engl, 
roora. 

dät  Ihidd ,  die  Spur,    engl.  rut. 

de  Ruk,  der  Heuschober,  engl, 
rick. 

dät  Ruf,  die  Garnsträhne. 

jö  Ruliw,  die  Mühlenruthe,  Flü- 
gel der  Windmühle. 

de  Rump,  d.  der  Rumpf,  2.  Brust- 
tuch, engl.  rump. 

jö  Rull,  1.  die  Rolle,  2.  die  Spin- 
del, engl,   a  roll. 

de  Rust,  der  Rust. 

jö  Rast,  der  Rost,  dän.  en  Rist. 

jö  Rnng,  die  Wagenrunge. 

dät  Rüss,  das  Gerolle. 

de  Rüss,  der  Rausch  ,  dän.  cn 
Runs. 

dät  Riijtt ,  eine  Krankheit  der 
Kühe. 

jö  Rag,  dän.  en  Rage,  engl,  a 
rake. 

jö  Saal,  die  Sohle,  dän.  und 
nd.  en  Saal,  engl,  a  sole. 

de  Saal,  der  Sahl ,  dän.  en  Sal. 

jö  Sali,  der  Sattel. 

de  Saft,  der  Saft. 

jö  Säjk ,  die  Suche. 

dät  Säjdd,  l.die  Saat  ,^2.  Same, 
5.  Rapsaat ,  dän.  Säd  ,  engl, 
seed. 

dät  Salt,  das  Salz. 

jö  Säliw,  Binsenmark. 

dät  Sähw,  das  Sieb,  ensfl.  a  sieve. 

dät  Säujtt,  der  Russ,  nd.  Sott, 
dän.  Söd,  engl.  soot.  - 


dät    Sägt,    l.  das  Ziclkorn    am 

Gewehr,  2.  Seichte,  Niederung, 
jö  Sägt,  (Sigt),  die  Sense   zum 

Erbsenmähen, 
de  Sä'ü'k,  das  Mannshemd,  dän. 

Särk  (Weiberhemd), 
de    Smöck  ,    das   Weiberhemd , 

engl,  smock. 
de  Sann,   die  Sonne,   engl.  Ihe 

sun. 
dat  Sann,  der  Sinn,  dän.  Sind, 

engl,  sense. 
de  Salin  ,  der  Sohn  ,  nd.  Söhn  , 

dän.  Sön',  engl.  son. 
jö  Sahn ,  die  Sehne, 
de  Säihs,  der  Käs,  engl,  cheese. 
i'ö  Sähg ,   die  Säge,  nd.   Saag , 

dän.  Sav,  engl,  a  saw. 
de  Sceck,  der  Sack,  dän.  Säk, 

engl.  sack. 
jö  Segt,  die  Sucht, 
jö  Siek,  die  Wange,  engl,  cheek. 
dät  Sierp  ,  der  Syrup. 
jö  Sidd,   die  Seite,  nd.   Sied, 

engl.  side. 
jö   Siel,    die   Seele,    nd.  Secl , 

dän.  Själ,  engl.  soul. 
de  Sill,  der  Kessel, 
dät  Sill,  das  Siehl. 
jö    Sierk ,   kleinere    Wunde ,   2, 

der  Grind,  dän.  Saar, 
dät  Sicp  ,  die  Seife ,   nd.  Seep , 

engl.  Soap. 
dät  Shann,  alld.  das  Schind,  in 

schinden,  Schindmähre,  Schin- 
der, Schindanger,  dän.  Skind, 

engl.  skin. 


43 


de  Shätt ,  der  Schatz ,  diin.  en 
Skat. 

jö  Shätt,  die  Schätzung,  Abgabe, 
dän.  Skat. 

de  Shälk ,  der  Schalk  ,  dän. 
Skalk,  nd.  Schalk. 

dät  Shäp,  nd.  Schap ,  dän.  et 
Skab,  der  Schrank. 

dat  Shüp,  das  Schiff,  nd.  Schipp , 
engl,  ship,  dän.  et  Skib. 

de  S/tdlm,  der  Schelm,  nd.  und 
dän.  Skjälra. 
jö  Shaahs ,  i.  der  Riegel,  dän. 
cn  Skaade,  2.  die  Elster,  dän. 
en  Skäde ,  5.  ein  Bund  Lang- 
stroh ,  4.  das  Leichenlager  auf 
Langhalm  vor  dem  Einsargen. 

jö  SItähl,  l.die  Schale,  dän.  en 
Skaal ,  2.  Differenz  beim  Bie- 
ten und  Fordern  ,  nd.  de 
Schäl. 

jö  Sil  äs  ,  1.  die  Scharte,  2.  die 
Schnarre  ,  Klapper. 

dät  Slimijl,  die  Schale. 

jö  Slidl,  die  Schale,  Schelfe, 
dän.  en  Skäl,  engl,  shell. 

jö  Sliäw,  die  Schabe,  dän.  Skjäve, 
engl,  chaff. 

jö  Sliäujnn,  die  Schandthat. 

de  Sfiauch,  der  Schuh. 

jö  Shäjll ,  die  Schuld  ,  Ursache , 
dän.  Skijld. 

jö  SIiüll,  die  Geldschuld. 

jö  Slieew ,  die  Scheibe ,  1 .  dän. 
en  Skive,  2.  der  Tisch. 

de  Shähr,  der  Schnitt,  Schnitt- 
wunde. 


jö  Sliepp,  das  Schiff,  dän.  Skjüp- 

pe ,  nd.  Schipp, 
jö  Spirr,  der  aufgehende  Keim, 

dän.  cn  Spire. 
dat    S/iiUp  ,     das    Schaf  ,     nd. 

Schaap. 
jö  S/dess,  der  Löffel,  dän.  en  Skcd, 
de  Sliiess,  in  Aufshiess,  Abschied, 
dat    Shjärn  ,   1.   der    Schmutz , 

Kehricht,    2.  ein    Bösewicht, 

dän.  et  Skarn. 
de  Sftinn,  der   Schein,   nd.   de 

Schiin,  dän.  Skin,  engl,  shine. 
dat  Shihl,  l.das  Schild,  dän.  et 

Skilt,  2.  der  Schild,   dän.  et 

Skjald,  engl,  shield. 
dat   Slijärd,  die   Scherbe,  dän. 

et  Skaar ,  engl,  shard. 
dät    Shörn,  1.  der  Schemel,   2. 

der  Bläueltisch, 
dät  Shör,   die  jähe  Tiefe  eines 

Sees ,  jähes  Ufer ,  engl,  a  shore. 
de  Shöt,  i.  der  Schuss,  2.  der 

Schoss  z.  B.  einer  Weide,  engl. 

shoot,  shot. 
dät  Shott,  das  Schutzbrett, 
dat    Short ,   die   Schürze  ,    dän. 

Skjört  (Weiberrock), 
jö  Shiehs,  die  Scheide,  dän.  en 

Skede ,  engl,  sheath. 
dät  Shömm,   1.  die  Schande,  2. 

die  Schaam ,  dän.  en  Skam , 

engl,  shame. 
jö  Shühl,  Schutz  vor  Regen  und 

Wind  ,  dän.  et  Skjul. 
de  Shirm ,  der  Schirm ,  dän.  cn 

Skjerm. 

G  * 


44 


ilc    SliUl,    der   Schiss,  dän.    cn 

Skid, 
dät  Sliöf ,    \.  ein   kleines   Brett 

zum  Vorschieben,  engl,  shove, 

2.  Garbe, 
dät  Slirön,    dän.  et  Skriin ,  die 

Lade  ,    Truhe  ,   der   Schrein  , 

engl,  shrine. 
jö  S/irdft,  I.Handschrift,  2.  die 

heilige  Schriit,  dän.  Skrift. 
jö  Sliröck ,  die  Tasche, 
jö    Shruw ,    die    Schraube  ,    nd. 

Schruw,   engl,  a  screw,  dän. 

en  skrue. 
de  Shräi,  der  Schrei, 
jö  Shräw ,  die  Scharre,  dän.  en 

Skrabe,  engl,  a  scraper. 
dät   Shilrw  ,    die    Räude ,    der 

Schürf,  dän.  Skurv. 
dät  Shöhr ,  l.der  Schauer,  An- 
fall ,  2.  die  Weile, 
dät  Shrübh,  die  Krätze, 
de   Släch,   1.  der  Schlag,   Art, 

Gattung ,    2.  der   Schlag    als 

Krankheit, 
de  SUck,   l.ein  Schlag,   2.  die 

Art,  Gattung, 
dät  Slübb,  der  Kolh. 
de  Släjnk ,  der  Schluck, 
jö  Sldjnk,  der  Schlund, 
jö   Sling,   4.  die  Schleuder,  2. 

Höhlung    im    Wagengeleise , 

engl,  sling,  dän.  en  Slijnge. 
jö   Shlöhs,    die    Schleuse ,   dän. 

en  Slusc,  nd.  Schlühs,   engl. 

sluice. 
de  Slicp ,  der  Zipfel. 


de  SlüjU  ,  der  Wassergraben  , 
nd.  Schlot. 

dat  Scliüff,  die  Schublade,  dän. 
en  Skuffe. 

dät  SUmm,  der  Schleim ,  nd. 
und  dän.  Sliim,  engl,  slime. 

de  Slump,  i.  der  Schlump,  Zu- 
fall ,  2.  eine  Menge. 

jö  Slmv,  die  Schleppe,  dän.  et  Släb. 

dät  Sliuf,  siehe  unten, 

dat  Slot,  das  Schloss  in  beiden 
Bedeutungen,  dän, 1. en  Laas, 
2.  et  Siöt,  nd.  Schiott. 

jö  Slägt,  die  Schlacht. 

dät  Smähr,  das  Schmeer. 

de  Smatis,  der  Schmaus. 

de  Smdss,  der  Schmied. 

jö  Smälis ,  die  Schmiede ,  dän, 
en  Smedie. 

de  Sinälis ,  der  Schmiss ,  dän. 
et  Smid. 

jö  Smiinn,  eine  Art  wilder  En- 
ten, die  Schmenne. 

de  Smühsse,  die  Esse. 

jö  Slieiv ,  der  Aermel  ,  engl, 
sleeve. 

de  Snäpps,  der  Schnaps. 

de  Shiijtt,  der  Schoss,  nd.  de 
Schoot,  dän.  Skjöd. 

dat  Snauck,  siehe  unten. 

dät  Sniclis,  das  Siieg,  dän.  en 
Snees. 

jö  Snanr,  die  Schnur. 

jö  Snaar ,  die  Schnur ,  die 
Schwiegertochter. 

de  Snie,  der  Schnee,  dän.  Snce, 
engl.  snow. 


4U 


de    Snälis  ,   der  Schnitt,  Pfiff, 

et  Sned,  snit. 
jö  Sndgg,  die  Schnecke, 
dät  Sndivs,   1.  der  Schmutz,  2. 

nutzlose  Sachen ,  dän.  Snavs. 
de  Snäpp,  der  Zipfel,   dän.  en 

Snip. 
jö    Snurr ,   die   Schnurre  ,    (ein 

Spielzeug). 
dät  Snöf,  der  Schnupfen,  dän. 

Snue. 
jö  Söltg ,   die  Sau  ,    nd.    Söhg , 

dän.  en  Soe,  engl,  a  sow. 
de  Song,  der  Sang,  Gesang,  dän. 

en  Sang,  engl,  a  song. 
de     Sömp  ,   der    Sumpf  ,    dän. 

Sump. 
dät  Soft  SS,  die  Suppe. 
de  SiJöt,  der  Fleck, 
dät  Spät,  der  Spott. 
jö  SjJaait,  die  Spritze. 
de  Spaait,  der  Spritzfleck, 
de   Spring ,   der   Sprung ,    dän. 

und  engl,  spring, 
dät  Spät,   4.  ein  SpatcnvoU,  2. 

der  Spiess. 
dät  Späll,  das  Spiel, 
jö  Spar,  der  Spor,- Sporn,  dän. 

en  Spore,  engl.  spur, 
dät    Spar  ,  die    Spur ,   dän.    et 

Spör. 
dät  Speek,  der  Speck, 
jö  Spann,   die  Spanne,  engl,  a 

span. 
dät  Spann,  das  Gespann, 
dät  Späi ,  I    Gespiecncs. 
SpäiUng,     j   dän.  Spij. 


jö  Späir  ,  der  Sparren  ,  engl, 
spar,  dän.  en  sparre. 

de  Spann,  der  Spaan  ,  dän,  en 
Spaan,  das  engl,  spoon,  (Löffel). 

jö  Spaul ,  die  Spuhle,  dän.  en 
Spole,  engl,  spool. 

dcilSpüU,  der  Speichel. 

jö  Stjörr,  Steuer,  Ordnung,  von 
stjörren,  steuern,  dän.  Stijr. 

de  Spärk ,  dän.  et  Spcrk ,  ein 
Stoss  mit  dem  Fussc. 

jö  SJäll,  die  Regel,  Ordnung. 

jö  Sjärn  ,  das  Butterfass  ,  nd. 
Karn,  engl,  churn. 

jö  SJörk,  die  Kirche,  nd.  Kark, 
dän.  Kii'ke ,  engl,  church. 

dat  Sjöhn,  1.  das  Gesicht,  2. 
die  Erscheinung  ,  dän.  Sijn. 

dät  Sjölink  ,  das  Licht  zum 
Brennen  und  Leuchten. 

de  Splähs,  die  Spleisse. 

jö  Splinn,   |   der  SpUtter, 

de  Splinn,  j  dän.  en  Splint  , 
engl.  Splint. 

dät  Stäfik ,  das  Stacket. 

de  Stall,  der  Stall,  dän.  Stald, 
engl,  stall. 

de  Stamm,  der  Stamm,  engl. 
Stern. 

de  Stjütt,  die  Semmel. 

de  Staat,  der  Staat,  1. als  Volks- 
verein, engl.  State,  dän.  stat, 
2.  die  Pracht  ,  der  Prunk  , 
dän.  städs. 

jö  Stämp,  die  Stampfe. 

de  Star,  der  Staar,  als  Augen- 
krankheit. 


46 


jü  Sprijn,  der  Staar,  als  Vogel, 
dän.  en  Stare,  engl,  a  starc, 

jö  Strädd ,  die  Grätsche ,  engl, 
a  stride. 

dät  Stäi,  der  Koben,  dän.  en 
Stie ,  engl.  stij. 

dät  Stäjll,  das  Eisen,  als  Stoff- 
name ,  das  engl,  steel. 
de   Stähg,   der  Stich,    dän.   et 

Stik ,  engl,  stitch. 
jö  Stäir,  der  Stern,  engl,  a  slar. 
jö  Stanrk,  der  Storch,  engl,  und 

dän.  Stork. 
jö  Steem,  die  Stimme,  dän    en 

Stemme, 
dät    Steef ,    die  Fassdaube,    pl. 

Stmve,  engl,   a  staff,  pl.  sta- 

ves,  dän.  en  stäwe. 
de  Stijtt,  4.  der  Stoss,  2.  J?aum- 

besatz  an  Kleidern, 
de  Stier,  der  Stier, 
de  Stierm,  der  Geruch, 
dät  Stick ,  der  Griffel, 
jö  Sting ,  die  Granne, 
jö  Stig,  der  .Steig. 
jö  Steeg ,  ein  schmaler  Weg. 
de  Stijn^   1.  der  Stein,   2.  der 

Kode, 
de  Stock,  der  Stock, 
dät  Stock,  das  Stück, 
dät  Stopp,  die  Gelte. 
dät  Stöf,  der  Staub. 
de  Stup,  die  Meste,  Theermeste, 

2.   der  Stauf,    in  Krüddstup, 

Blumenstauf. 
jö  Stünn,  die  Stunde,  das  dän. 

Stund  (Weile). 


de  Stjdrt ,  der  Sterz  ,  Schwanz , 

dän.  Stjärt. 
jö  Stäfis,  die  Stadt, 
dat    Stälis ,   die  Stätte,    Stelle, 

der  Ort. 
de  Sträg ,  der  Strich ,  dän.  en 

Streg. 
jö  Straahs,  die  Gurgel, 
de  Sträujn,  der  Strand, 
de  Strijt,  ein  Gang  in  der  Kirche, 

das  engl,  street. 
de  String  ,l.der  Strang,  2.  die 

Saite,  engl,  string ,  dän.  Streng, 
dät  Sträi,  das  Stroh,  dän.  Straa, 

engl,  straw. 
de  Struhmm,   der    Strom,   dän. 

Stöm,  engl,  streara. 
de  Struck,  der  Strunk, 
de  Stridd,  der  Streit,  dän.  Strid. 
de  Sufimm,  l.  die  Nalh,  2.  der 

Saum ,   dän.   en    Söm  ,    engl. 

seam,  nd.  Soom. 
de  Such ,  der  Zober ,  Zuber, 
jö  Suhrd,  die  Schwarte,  engl. 

sward,  dän.  Svär. 
de  Süss ,  der  Brunnen ,  nd.  de 

Soot. 
dät  Swämp,  der  Schwamm, 
jö    Swuhn ,   der    Sclnvan  ,    nd. 

Swoon ,  dän.  Svane  ,  engl,  a 

swan. 
de  Släip,  der  Schlaf,  nd.  Slaap, 

engl,  sleep. 
jö  Swiep ,  die  Windeln ,  dän.  et 

Svöb ,  engl,  swathingclothes, 
dät  Siveess ,  der  Schwaden ,  engl. 

swath. 


47 


dät    Strunt ,   der    Dreck ,   alles 

was  nichts  laugt, 
dät    Sivijt ,    der    Schweiss ,    nd. 

Sweet ,  dän.  Sved,  engl,  sweat. 
dät   Swär ,    die  Antwort ,    dän. 

Svar. 
dät  Sivdck,  das  Zweck,  dän.  Svik. 
dät  Swinn ,    das   Schwein  ,  dän, 

und  nd.  Sviin ,  engl,  swine. 
dät  Stviert,  Kienruss ,  dän.  Svärte. 
de  Swierm,  der  Schwann,  dän. 

Svärm ,  engl,  swarni. 
de  Sluck ,  der  Schluck. 
de  Kluck ,  der  Kluck. 
dät  Sits ,  der  Zitz. 
de  Süpp ,  der  Schluck. 
dät  S^äpp ,  der  dünne  Speichel , 

der  Sabber, 
dät    Sägn ,   die   Sage ,   dän.    et 

Sagn. 
jö  Stjöi ,  die  Schaukel, 
dät  ShUmm,  Schaum,  nd.  Schuum, 

dän.  skura. 
jö  S/m,  die  Scheu, 
jö  Snär ,  i.die  Schlinge,  2.  die 

Schleife, 
jö  Smeel ,  das  Lächeln ,  dän.  et 

Smiil,  engl,  a  smile. 
dät  Staat ,  der  Stahl ,  dän.  Staal , 

nd.  engl,  steel. 
dät    Snäk ,    der    Schnack ,    das 

Gerede ,  dän.  und  nd.  Snäck. 
jö   Snäpp ,   die   Schnepfe ,  dän. 

und  nd.  Sneppe ,  Snep ,  engl. 

a  snipe. 
jö  Shrämm,  die  Schramme,  dän. 

en  Skramme. 


de       Shrdck  ,      der     Schreck , 

dän.     und    nd.    Skräk     und 

Schreck, 
dät  Swjänl ,  das   Schwert,  dän, 

et  Svärd ,  engl,  sword, 
jö  Swier ,  Säuferei ,  nd.  und  dän. 

en  Sviir. 
dät  Spünn,  der  Spund,  dän.  et 

Spunds, 
de   Stäp ,  der  Stapf,  ein  langer 

Schritt, 
de  Straal,  der  Strahl,  nd.  und 

dän.  en  Straale. 
jö    Taart,   die  Torte,   dän.    en 

Tärte ,  engl,  a  tart. 
de  Tört,  der  Tort,  Schimpf, 
dät  Täjk,  der  Tang,  Seegras, 
de  Täüs ,  I  der  Zahn,  engl,  tooth. 
de  Täis  ,   j  pl.  teeth. 
de  Tackst,   4.  die  Taxe;   2,  der 

Text,  engl.  tax. 
dät  Tdimu,  das  Tau,  nd.   dän. 

et  Toug. 
jö  Täio,   i.  die  Tiffe ,  2.  Petze, 

dän.  en  Täve,  nd.  Tiff. 
dät  Tdlt ,   das   Zelt,    dän.   und. 

nd.  Tclt. 
jö  T/iäUj,  das  Strohseil  zum  Dach- 
decken, 
jö  Thäg,  die  Schaflaus ,  die  Zec- 
ke ,   dän.    en   Tage ,    engl,  a 

tick ,  a  tike. 
de  Tdpp ,  dän.  en  Tip. 
jö    Tdnn ,   die   Tonne ,   nd.   und 

engl,  tun  ,  dän.  Tönde. 
dat  Tdnn,  das  Zinn;   nd.  dän. 

und  engl.  lin. 


48 


de  Täms ,  das  Haarsieb ,  dän. 
et  Tims, 

jö  Täll ,  nd.  und  dän,  Tal ,  die 
Zahl. 

de  Taurn,  der  Dorn,  nd.  Dorn, 
dän.  Törn,  engl,  ihorn, 

de  Thee,  der  Thee. 

jö  Tiem ,  der  Zaum  zum  Fah- 
ren ,  das  engl,  team ,  ein 
Zaum  Pferde  ,  Gespann  ,  dän. 
en  Tömme ,  nd,  de  Toom, 

de  Thicf ,  der  Dieb,  engl,  thief, 
nd,  de  Deef ,  dän,  cn  Tijv, 

dät  Thieg ,  die  Lende,  der  Ober- 
schenkel, engl,  thigh. 

dät  Thing ,  das  Dinggericht , 
dän.  et  Thing. 

de  Tijnst ,  der  Dienst,  nd.  de 
Deenst ,  dän.  Tjcneste. 

dät  TJöcJi,  i.  das  Yieh  ,  pl,  2.  das 
Zeug ,  3,  der  Zeug ;  4,  die 
Sachen,  nd,  Tüg,  dän.  Töi. 

de  Tngh ,  die  Zunge ,  nd.  de 
Tung  ,  dän,  en  Tunge  ,  engl, 
tongue. 

jö  Tnng ,  die  Zange ,  nd.  und 
dän.  en  Tang ,  engl,  tongs. 

deTSll,  der  Zoll,  nd.  Toll,  dän. 
Told,  engl.  toll. 

de  Topp,  der  Schopf,  Büschel, 
die  obere  Spitze ,  auch  dän. 
en  Top,  engl.  top. 

de  Tütt ,  der  Guss  an  einer  Kan- 
ne ,  ein  Däumling   und  dcrgl. 

de  Türk ,  der  Türke. 

de  Törw ,  die  Rasenflagge ,  der 
Heidetorf,  dän.  Törv,  engl.  turf. 


dät  Trft/rff/,  Draht,  Zwirn,  engl. 

thread. 
de  Träjdd,   der  Faden,   Zwirn- 
faden, 
de   Trumf,   der   Trumpf,  engl. 

Irump. 
de  Trog,  der  Trog,  nd.  dän.  et 

Trug,  engl.  Irough. 
jö  Trüss,  die  Kröte, 
de  Trans,  die  Trense, 
jö  Trcel,  die  Trile,  Trille,  dän. 

en  Trilde. 
de  Trähs,  der  Tritt, 
de  Trähs,  pl.  Trähse,  Tretthöl- 

zer  am  Webstuhle ,  u.  dergl. 
jö  Träiv ,  \.  der  Trab,  dän.  en 

Trav',  2.  das  DrafT,  die  Stiege 

Garben,    20,    40,    60  Stück, 

dän.  en  Trave. 
de  Tlivol  ,   der   Zauberer,   dän. 

en  Trold. 
de  Thron,  der  Thron,  dän.  und 

engl,  trone. 
de  Tünn ,  der  Garten ,  der  Zaun, 

nd.  Thun. 
jö  Thürn ,  der  Thurm ,  nd.  Toorn, 

dän.  Taarn. 
jö  Trepp,  die  Treppe,    dän.  en 

Trappe  ,  nd.  Trepp, 
jö    Tuhn  ,   die    Zehe  ,    dän.   en 

Taa,  engl,  a  toe. 
jö     Tiir  .     1.    die    Thräne  ,    2, 

der    Tropfen,     3.  die    Tur  , 

dän.  en  Taare,   engl,  a  tear; 

pl.  tears. 
dät  Tur,  ein  paar  Tropfen,  dän. 

en  Taar ,  engl,  a  drop. 


49 


dät  Töch,  1.  das  Mal  ,  2.  der 
Zug,  z.B.  LIcklöcli,  Leichen- 
zug, dän.  et  Tog ,  engl.  tug. 

dät  Thier,  das  Thier, 

de  Twäst,  der  Quast,  oder  die 
Quaste. 

dät  Twört,  der  Docht. 

dät  Twich,   der  Zweig,  nd.  dat 
Twieg,  engl.  twig. 

dät  Twjarn,  der  Zwirn. 

jö  Ttvjärn,  die  Querne,  Hand- 
mühle ,  dän.  Qvärn. 

jö  Tweg ,  die  Quene,  Färse,  dän. 
en  Qvie, 

jö  Twöng  ,  der  Zwang  ,  dän. 
Tvang. 

jö  Tiviwl,  der  Zweifel,  nd.  und 
dän.  Tvivl. 

jö  Tjälis,  die  Schwätzerinn. 

de  Träst,  der  Trost,  nd.  und 
dän.  Trost. 

jö  fügt  ,  die  Zucht ,  nd.  und 
dän.  Tugt. 

dät  Tool ,  Getöse  ,  dän.  Stöi , 
Lärm. 

de  Tröts,  der  Trotz,  dän.  Trods- 

de  Töhg ,  der  Streich ,  nd.  Thög. 

de  Track,  der  Zug,  dän.  et  Träk. 

jö  Toft,  die  Toft,  ein  eingeheg- 
tes Stück  Land  beim  Hause, 
dän.  en  Toft. 

jö    Trits ,   die  Tritze  ,   dän.   en 

Tridse. 
dät  Uhr,  das  Ohr. 

jö  Uhr,  die  Uhr,  in  Taschenuhr, 
de  IJhrs,  der  Lenz, 
de  [/c/t,  die  Wand. 


jö  Uk,  die  Weiche. 

dät  Vhg,  das  Auge,  nd.  dat  0hg. 

de  Vlw,  \   der  Wolf, 

de  iJlw,  j    dän.  Ulv. 

dät  Uli,  die  Wolle. 

dät  Urd,  das  Wort. 

jö  ürl,  die  Warze. 

dät  War  ,   die  Zieche ,  dän.  et 

Vaar. 
dät    Wäi  ,   der    Wattich  ,    die 

Molken, 
de  Wäll,   der  Wall ,   das  engl 

wall ,  (Wand), 
jö  Wägt,  i.  die   Wacht,   2.  die 

Wache ,   nd.   und  dän.    Vagt , 

engl,  watch. 
jö  Wägt,  1,  die  Wage,  dän.  en 

Vägt,  2.  das  Gewicht,  Schwere, 
de  Wärk,  der  Schmerz,  dän.  en 

Värk. 
dät  Wams ,  das  Wamras, 
jö  Wml,  die  Wahl, 
jö  Wahs,  die  Wittwe. 
de  Wännü,  der  Gewinn, 
jö  Waag  ,   die    Woge ,  dän,   en 

Vove ,  engl,  a  wave  ,   2.  die 

Wage, 
jö  Waait,  die  Winke, 
de  Waait,  der  Wink, 
de  Wäink,  der  Wink,  engl.  wink, 
jö  Wä/ig ,  die  Woche, 
dat  Wäirk,  das  Werk, 
de  Wjärt,   der  Wirlh,  dän.  en 

Värt ,  2.  der  Werlh. 
de  Wjärd,  die  Wahrheit, 
de   Winn,   4.  der  Wind,  2.  der 

Wein,  engl,  wind  und  wine, 

7 


50 


dän.    Vind     und     Viin  ,    nd. 

^yind  und  Wiin. 
jö   Winn ,   die   Winde  ,   dän.   en 

Vinde. 
de  Winn,  die  Blähung, 
jö   Whuj ,   der  Flügel,  dän.  en 

Vinge,  engl,  a  wing. 
dät  Wirr,  der  Eisendraht,  dän. 

en  Vire ,  engl.  wire. 
de  Wurm ,  der  Wurm ,   dän.  en 

Orm,  engl,  a  worm. 
.dat    Würt  ,    die    Würze     beim 

Brauen,  engl.  wort, 
jö   Wöff,   das   Weib,   nd.  Wlef, 

dän.  en  viv,  engl.  wife. 
de  Wäjl,  der  AVeiher. 
dät  lFä/7,  das  Wohl, 
jö  Weel ,  die  Erholung,  dän.  cn 

Hvile. 
jö     Wräll  ,     die    Welt  ,     engl. 

World, 


de   Wräst  ,    der   Spann  ,   Rist , 

dän.  en  Vrist. 
dät  Wrack,  das  W^rack,  dän.  et 

Vräg,  engl,  wreck. 
jö  Wiipp ,   die   Aehre ,   das  dän. 

Yippe  ,  (Granne), 
dät  Wäll,   die  Fürth, 
dät  Wal,  dän.  et  Vad. 
dat  IF%s,  das  Wachs,  nd.  Wass, 

dän.  Vox,  engl.  wax. 
de  Wdi,    der  Weg,  engl,   way, 

dän.  Vei. 
jö  Wäilig,  die  Wippe, 
de  Wils,  der  Witz, 
jö    Währ  ,    die   Wehr  ,    Kraft, 

Stärke. 
de  Wäirf,  der  Warf, 
dat  Weest ,  der  Westen, 
jö  Wägg ,  die  Wiege, 
jö  Wich,  die  Wicke, 
de  Wdnsh,  der  Wunsch'. 


Bemerkungen  und  Erläuterungen. 

1  Dat  Alik  ist  i.  das  Scheunenthor;  2.  die  längs  der  einen 
Seite  eines  Deiches  gehende  Auf-  oder  Abfahrt  nur  von  der  Breite 
eines  Wagens.  Stammt  von  dem  Worte  ägen,  langsam  fahren.  Jö 
Bägg  kommt  auch  in  dem  yYorie  Ijnhagg  ,  dän.  EneboUg ,  vor  und 
bedeutet  ein  einzeln  liegendes  Haus,  auf  einer  Heide  oder  im 
W^alde.  De  Balis,  dän.  en  Bas,  nd.  en  Baas,  stammt  von  dem 
Adjectivum  hass ,  aus  dem  unser  Coraparaliv  v  bosser''  (bässer) 
"sich  gebildet  hat,  und  ist  einer,  der  es  andern  zuvorlhut.  Aus 
derselben  Wurzel  sind  hervorgegangen:  de  Bälise ,  dän.  en  Baado, 
der  Nutzen,  Yortheil ,  so  wie  die  Zeitwörter  bähsen,  at  baade 
und  das  deutsche  baten,  nützen,  Nutzen  bringen.  De  Bläjnk , 
dän.  und  engl,  blink,  ist  1.  ein  Blink  mit  den  Augen;  2.  der 
schnelle  Schein,  dän.  et  Glimt,  engl,  a  glimps ;  5.  kommt  es  zu- 
sammengesetzt vor  in  dem  Worte  »  Hr/Üetvblaink,"  der  Zwitter, 
Hälberling.  Das  Wort  Brälik  ist  das  deutsche  Brack,  wird  aber 
anders  gebraucht,  als:  dät  hei  nijn  Brahh ,  es  hat  keine  Noth , 
hat  nichts  auf  sich ,  nichts  zu  bedeuten ;  2.  Ick  häw  Brahk  faar 


51 

Gijl ,  [aar  Brüjd,  u.  s.  w.,  ich  habe  Mangel  an  Geld,  Brot,  u.  s.  w. 
Dät  Bloch  ist  auch  ein  kurzes  Ende  von  einem  Rasenacker.  Dat 
Brüjd  ist  Brot  als  StofTnnmc  .  ein  gcformles  Biot  ist  de  TroUimj , 
an  andern  Orten  de  Lief,  der  Laib.  De  Brödd ,  das  diin.  Braad  , 
spitzer  Slilt;  der  Stachel  ist  beiden  Bienen:  de  Paurte.  Jö  Flöiih , 
nd.  Flünk ,  Averden  nur  die  abgeschnittenen  Flügel  genannt,  die 
als  Flederwische  dienen  ,  sonst :  jö  Whig.  De  Gripp ,  ein  schnel- 
ler GrifT  mit  der  Hand;  de  Grülip:  he  liet  't  äw  e  Grälip,  er  hats 
am  Griff,  u.  s.  w.  De  Grawe,  der  Griff  als  Handbabc  an  einem 
Dinge,  z.B.  der  Henkel  an  einem  Topfe  und  dergl.  Jö  Haaw 
konirnt  nur  so  vor,  als;  tö  Haaw  (jungen,  zur  Kirche  gehen;  tö 
Haaw  wesen,  sonst  auch  tö  Sjürk.  Jö  Haiird ,  der  Kircldiof,  ist 
das  deutsche  Hürde,  indem  vor  Allers  in  der  Bewaldungszeit  die 
Kirchhöfe  mit  Hürden  eingezäunt  waren.  Dat  Jörn,  dän.  Jern , 
engl,  iron,  kommt  nur  als  Werkzeug  vor,  wie  in  Sirichjörn, 
Plätteisen,  Plaugjörn ,  dät  Wirhjörn ,  u.  s.  w.  De  Klöinp ,  \.  die 
Klampe .  2.  die  grossen  Heu-  und  Getreideschober ,  welche  man  , 
aus  Mangel  an  Gelass  im  Hause  .  neben  demselben  auffübrt.  De 
Knupp ,  1.  jede  kleine  harte  Erhöhung,  2.  die  Schwammdose  an 
der  Tabackspfeife.  Jö  Läjll ,  ist  schwer  zu  übersetzen ,  und  wird 
so  gebraucht;  Jö  slaag  grihslich  to  Läjtl ,  wörtlich:  »Sie  schlug 
gräulich  zur  Lasse"  d.  i.  sie  erhob  ein  grosses  Geschrei  zum  Schei- 
ne, damit  es  lassen  oder  scheinen  sollte  ,  als  ob  ihr  die  Sache  sehr 
zu  Herzen  ginge;  besonders  bei  Unglücksfällen.  Jö  Lier ,  Lehre, 
he  hei  'n  gaiihs  Lier,  er  hat  gute  Kenntnisse;  2.  he  ds  noch  äiijn 
eLier,  er  ist  noch  in  der  Lehre.  Dat  Mäjl,  das  Mahl,  dän.  Maal, 
wird  so  gebraucht ;  en  Mäjl  Mölhe ,  dän.  et  Maal  Mälk  ,  so  viel 
Milch,  als  eine  Kuh  aufs  Mal  giebl;  en  3Iäjl  Pass ,  so  viel  Harn, 
als  man  auf  einmal  lässt;  en  Mäjl  Ahse,  dän.  et  Maal  Mad  ,  eine 
Portion  Speise  :  jö  Mäjltidd  ,  die  Mahlzeil.  Jö  Mäujnn  ,  ein  Kasten 
oder  Korb  für  Holz  und  Torf;  der  Kasten  unter  den  altmodischen 
Garnwinden,  dalier;  de  Mäiijnneplöch,  das  walzenförmige  Wickel- 
holz ,  auf  welches  man  den  Knaul  (dat  Tjauling)  wickelt ,  weil 
dieses  in  dem  Kasten  aufbewahrt  wird.  Jö  Mäjdd,  die  Math  oder 
Mäht,  ist  mit  dem  dänischen;  en  Mä,  Mai,  dem  deutschen  Malle, 
dem  engl,  tnead ,  meadow  verwandt,  und  bedeutet  meistens  nie- 
drige ,  grasreiche  Wiesen ,  die  zur  Heuwindung  liegen.  Jö  Nösl , 
der  Tränktrog  fürs  Vieh ,  ist  eigentlich  ;  der  Sarg ,  und  soll  aus 
dem  Gothischen  stammen  ;  genau  genommen  wird  dieser  Name 
auch  nur  von  denjenigen  Tränktrögen  gebraucht,  die  alle  aus 
einem  einzigen  Steine  ausgehauen  sind.  Jö  Priehs  ist  sowohl  eine 
Prise  Taback,  als  eine  gekaperte.  Dat  Biess ,  das  Vermögen  sich 
aufzurichten,  z.Kjö  Kö  as  fön  'l Biess,  die  Kuh  ist  von  den  Bei- 
nen ,  kann  nicht  aufstehen ;  riesen ,  sich  in  die  Höhe  richten , 
daher:  de  Biese,  der  Riese.  Dät  Bndd ,  von  rudden,  hin  und  zu- 
rück durch  einen  Zaun  oder  über  einen  Wall  kriechen ,  und 
dadurch  einen  Schlupfweg  bahnen,  wo  keiner  sein  darf;  diese 
Oeffnung  heisst  däi  Budd ,  in  Angeln:  dat  Bü  oder  Boi ,  das  engl. 
rov,t ,  die  unordentliche  Flucht.  Jö  Säih,  z.B.  dät  Bauch  as  nie  to 
Säih,  ich  vermisse  das  Buch,  wörtlich;  es  ist  mir  zu  Such.  Jö 
Shröch,  nur  die  Tasche  in  einem  Kleide.     Dat  Shiif,  der  Schoof, 

7  * 


52 

Schaub ,  ein  Bund  Stroh;  auch  eine  Garbe  Korn,  die  jeder  Bauer 
dem  Feldhüter  und  dem  Glöckner  als  alte  Gerechtsame  zu  geben 
hat.  Dat  Suauck,  eine  Kette  mit  einem  Haken,  etwas  daran  zu 
hängen ,  wie  in  Külsnauck ,  Kesselhaken ,  dat  Lämpesnauch ,  die 
Lampenketle.  Jö  Söfjfi,  die  Sau,  von  sögen,  saugen.  Jö  Stjiirr, 
die  Steuer,  von  stjürrcu ,  steuern,  regieren;  küjü  Stjürr !  dän. 
hold  Styr.  Jö  Själl,  unübersetzbar,  die  Ordnung,  Regel,  Aehn- 
lichkeit,  seines  Gleichen.  Dirr  as  nijn  Själl  mä ,  nijn  Själl  äujn, 
dät  sjället  nint ,  sieht  nach  nichts  aus.  De  Släp ,  der  Stapf,  der 
lange  Schritt;  de  Stäpe,  die  Stapfe,  der  Eintritt  vom  Fusse.  — 
Dät  Stäpstä/is ,  der  Siegel ;  de  Trislape ,  ein  grosser ,  hölzerner 
Bock  mit  drei  Füssen ,  oder  hölzerner  Dreifuss ;  der  eiserne  Drei- 
fuss  ist  de  Trifäujtt  oder  Trafäujtt.  Dat  Glaumm ,  der  Gluram , 
das  Trübe  im  Wasser,  daher  ^/aiM/w/Mr; ,  glumm;  dät  Graum,  siehe 
oben,  daher  grämen,  ausweiden,  als  Fische  und  Yögel.  Jö  Piiliss, 
die  weibliche  Schaam ;  dat  Dümi ,  die  Daunen ,  Flaumen ,  nd. 
und  dän.  Duun  ,  Dunen;  de  Bhiss,  die  Blässe,  eines  Pferdes;  de 
Km'tpp  ist  auch  die  Knospe ;  dat  Feit ,  der  Filz ,  dän.  Filt.  De 
Drall,  der  Drillich,  dän.  Dreil ;  jö  Kier ,  he  gongt  so  to  Kiers ,  er 
geht  so  zu  Kehr ;  tökiersgungcn ,  nd.  tokeersgaan ;  dät  Krät ,  ein 
verkümmertes  Ding,  verächtlich,  von  Menschen  und  Thieren. 


Die  Nachsilben  des  Hauptwortes. 

§.  5i.  Diese  sind:  äi,  e,  cl,  eni ,  en,  er,  ere ,  erne ,  ense ,  ent, 
cd,  et,  ert ,  ig,  inn  ,  ing  ,  ling  ,  ir ,  he,  ken ,  jen,  duhm ,  shäp , 
häid,  eise  und  niss ,  als:'  jö  Lönshriwiveräi ,  die  Landschreiberei; 
de  Kröge,  der  Grapen  ;  de  Knepel ,  der  Knüppel;  de  Bäisem ,  der 
Besem ;  \ö  Meilen ,  die  Mühle;  de  Shrüjdder ,  der  Schneider;  de 
Fasere,  der  Gevatter,  richticfcr:  de  Faser;  de  Wanserne  r.  IFan- 
ser ,  die  Schnell  wage ,  nd.  und  dän.  en  Bismer;  de  Fierense, 
die  Ferne;  dät  Aatvent,  die  Schnürbrust;  jö  Döged ,  die  Tugend; 
dät  Hiiget,  die  Anhöhe;  jö  udncrt ,  die  Ente;  de  Gulig ,  der  Gal- 
gen; jö  Kinninginn ,  die  Königinn ;  dat  Alkenir,  der  Erker;  dät 
Wänning,  das  Fenster;  de  Repling ,  die  Blutwurst,  wörtlich:  der 
Reifling;  dät  Twelbortjen ,  das  Sabbertüchlein;  dal  Hiertugduhm , 
das  Herzogthum;  dät  Lönskap,  die  Landschaft,  auch:  jö  Lönshap; 
jö  Saalighäid ,  die  Seeligkeit;  de  Tdchelse,  die  Deichsel;  dät  Lick- 
niss ,  das  Gleichniss. 

§.  32.  Die  meisten  Wörter ,  welche  sich  auf  e  endigen ,  sind 
folgende  ,  als :  de  ./we,  der  Affe ,  nd.  de  Aap ,  engl,  ape , 
dän.  en  Abc;  de  ^tte ,  ^Uäte,  der  Grossvatcr;  da  Aime,  collect. 


55 

die  Butlerrailch;  de  Bahse,  der  Nutzen,  Vorllieil ;  de  Bahre,  die 
Bahre,  dän.  cn  Baare ,  engl,  barrow ,  a  bier;  de  Böge,  der  Bo- 
gen ,  engl,  a  bow ,  dän.  en  Bue ,  nd.  de  Baag ;  de  Bolle ,  die 
Beule,  dän.  Byld,  engl,  a  beal ,  bile,  boil;  de  Bürre ,  der  Bauer; 
de  Btirre,  die  Klette,  dän.  Burre,  engl,  bur;  de  Stägelburre,  die 
Distel;  de  Banckstewe,  der  Buchstabe ,  dän.  Bogstav;  de  Büshe , 
das  Butterbrot;  de  Bulle,  der  Bulle,  engl,  bull;  de  Bolise,  der 
Bote,  nd,  de  Baad;  de  Bälle,  der  Ball,  2,  der  Ballen,  engl,  ball; 
de  Döbbe ,  der  Pfropf;  de  Dümpede,  das  Kopfkissen;  dät  Drajnke, 
das  Trinken;  dät  Ahsc,  das  Essen;  de  Dräge,  der  Drache,  dän, 
en  Dräge ,  nd.  de  Draak ,  engl,  drakc ;  de  Driegde ,  Verschlagsam- 
keit ;  de  Ebbe,  die  Ebbe,  engl,  ebb,  dän,  Ebbe;  de  Egge,  Seite, 
Kante,  das  dän.  Eg'  und  das  engl,  edge;  de  Di/issc,  getrockneter 
Kuhfladen;  Dojtte ,  Töchterchen  in  der  Anrede;  de  Borke,  die 
Beilade  in  einem  Koffer ;  de  Falke ,  der  Falke ;  Fäike ,  Bübchen ; 
de  Färe ,  die  Gefahr ,  dän.  en  Färe ;  de  Flohse ,  dän,  und  engl, 
flock;  de  Fohle,  der  Fohlen,  engl,  a  foal ;  de  Frage,  die  Frage; 
Ae  Frmde ,  die  Freude;  de  Fräthe,  (verächtlich  und  geraein)  das 
Maul,  die  Gosche,  Fresse;  de  Frese ,  der  Friede,  dän.  und  nd. 
Fred ;  da  Flöme ,  coli,  die  Flauraen  der  Schweine ,  dän.  Flom- 
mer;  de  Frohse ,  der  Geifer,  dän.  Fraade  ,  engl,  froth  ;  de  Fiijlle, 
die  Falte,  dän.  en  Folde,  engl,  a  fold ;  Frönne,  coli.  Gefreundte , 
Verwandte,  dän,  Fränder;  de  Faane,  (jö  Faan) ,  die  Fahne,  dän. 
en  Fane,  das  engl,  fan ;  de  Fläbbe,  das  Hängemaul,  die  Fläbbe, 
dän.  en  Fläb;  de  Finne,  (jö  Finn),  \.  Flosse,  2.  Finne,  dän.  en 
Finne  ,  engl,  fin  ;  de  Främde ,  die  Fremde ;  de  Flekke ,  die  Häk- 
chen an  der  Spindel ;  de  Gaaive ,  die  Gabe ,  dän.  en  Gäve ;  de  Glä- 
mc ,  engl,  a  gleara,  Schimmer;  de  Gahse ,  [Gahsing) ,  alles,  was 
man  gut  gebrauchen  kann;  de  Galle,  die  Galle,  dän.  Galde,  engl, 
gall;  de  Göme,  der  Gaumen,  dän.  Gurame,  nd.  Guhm;  de  Glöme, 
die  Kohlcnglulh;  de  Gnahse ,  die  Gnade;  de  Grawe,  die  Hand- 
habe; de  Gränse,  Gränze ,  dän.  Grändse ;  de  Grause,  die  Gruse, 
dän.  en  Gröde ,  engl,  growth ;  de  Ch-eme ,  die  Halfter,  dän.  en 
Grime,  daher  das  engl,  groom  ,  (Stallknecht);  de  Häge ,  der  Ha- 
ken, dän.  en  Hage,  engl,  a  hook,  nd.  en  Haak,  Haaken ,  2.  der 
Schüttkoben,  in  welchen  das  Vieh  von  dem  Flurhirten  eingeschüt- 
tet, d.  h.  eingepfercht  wird;  de  Hase,  der  Hase;  de  Hämme ,  eine 


54 

Reihe  Fennen  in  dem  sogenannten  Herrenkoge ,  die  durch  einen 
sie  umgebenden  Graben  von  dem  übrigen  Lande  gelrennt  sind;  ein 
von  andern  abgefriedigles  Stück  Land,  der  Harn,  die  Hemme. 
De  Helle ,  die  Hölle ,  engl,  hell ;  de  Hiere ,  der  Herr ;  de  Hiese , 
der  Heide ,  engl,  a  heathen ;  de  Hocke ,  die  Garbe ,  das  deutsche 
die  Hocke ,  zusammengestellte  Garben ,  fries.  de  Shocke ;  de 
Home,  der  Hamen  (Reuse);  de  Hone,  altfries.  der  Hahn,  in  Hone- 
biijlke ,  der  Hahnenbalken;  de  Hönke ,  der  Hahn  am  Fasse,  dän. 
en  Hanike ;  de  Huge ,  die  Hoge ,  Name  eines  Halligs;  de  Höjtte, 
Endscheibe^des  Brotes,  de  Höjnte — ;  de  Jäle  [iöJalil],  der  Schilf- 
oder Teichkolben;  de  Jjnne,  das  Ende;  de  Jönge,  der  Junge,  nd. 
de  Jung;  de  Jöfirke,  die  Theurung;  de  Jölise ,  der  Jude,  dän.  cn 
Jode,  engl.  Jew;  de  Kaie,  engl,  a  key ,  der  Schlüssel;  de  Kälse, 
der  Malmzahn,  nd.  de  Kuhs;  de  Kempe,  der  Kämpe;  de  Kille,  der 
Keil,  dän.  en  Kile;  de  Klage,  die  Klage,  dän.  en  Klage;  de  Klüse, 
Traube,  Büschel,  dän.  en  Klase,  engl.  Cluster;  de  Knaakc,  der 
Knochen,  nd.  Knaak,  dän.  Knaag;  de  Kläwc,  dän.  cn  Kleve,  das 
Halsband  der  Rinder,  mit  welchem  sie  an  die  Wirbel  der  Ställe 
gebunden  werden,  2.  der  Zagel;  de  A7ö»A{?,  die  Holper,  Erdscholle; 
de  Klünne,  dän.  en  Klunds,  ein  dicker  Lümmel;  de  Klobbe,  der 
Kober  ;  de  Knagge ,  der  Zacken  ,  um  etwas  daran  zu  hängen ,  2. 
in  einem  Rade,  dän.  en  Knäg";  de  Knolle,  der  Fussknöchel,  2.  der 
Pfeifenkopf;  de  Knolle,  dän.  cn  Knold,  ein  derber  Lümmel;  de 
Kölile,  l.die  Kohle,  2.  der  Schliessstift  bei  allen  Vorlegeschlössern, 
nd.  de  Köl,  dän.  en  Kül;  de  Krage,  4,  der  Kragen,  2.  die  Krähe; 
de  Kruse,  dän.  en  Kräse ,  der  Kropf  bei  Vögeln;  de  Knote,  der 
Knoten,  dän.  en  Knude,  nd.  de  Knott ,  engl,  knot ;  de  Kulle,  \. 
die  Kälte,  2.  das  Fieber,  dän.  en  Kulde,  nd.  de  Köll,  engl,  cold; 
de  Körne,  ein  spottender  Hausgeist,  (Komos?),  2.  im  Scherz,  die 
Nase;  de  Krampe,  der  Krampf,  dän.  en  Krampe,  engl,  cramp;  de 
Kroge,  der  Grapen ;  de  Kurde,  dän.  en  Karte,  engl,  card,  die 
Karde  oder  Kardätsche  zum  Wollkratzen;  de  Läge,  de  Laage,  die 
Lage;  de  Läpe,  der  Lappen;  de  Lappe,  die  Lipj)e,  Lefze,  dän.  en 
Lippe,  en  Labe,  nd.  und  engl,  the  lip ;  de  Ldingde ,  die  Länge, 
dän.  en  Längde,  engl,  ihc  Icngth ;  de  Lanckke ,  der  Blick,  An- 
blick eines  Menschen,  nach  den  Augen  beurtheilt,  z.B.  Iie  het  nun 
yanhsen  Lanckke,  er  hat  keinen  guten  Blick,  von  laucken,  lugen; 


55 

de  Laurte,  dän.  cn  Lört,  engl,  a  turd;  de  Licwdc ,  die  Liebe, 
nd,  de  Leewde;  de  Lense,  die  Lünse,  dän.  Lunstikke,  engl,  linch- 
pin;  de  Junke  an  de  Ljägle,  im  Dunkeln  und  im  Lichte;  de  Locke, 
die  Locke,  dän.,  nd.  und  engl.  Lock;  de  Löge,  die  Lohe,  Flam- 
me, dän.  en  Luc,  nd.  de  Laag ;  de  Löiike,  die  Hüfte;  de  Zmve, 
der  Glaube;  de  Mäge,  der  Magen,  nd.  de  Maag,  dän.  Mave;  de 
Mdingde,  die  Menge,  dän.  en  Mängde;  de  Alande,  die  Mode,  dän. 
und  engl,  mode ,  nd.  de  Mood;  de  Manne,  i.  der  Mond,  dän.  en 
Maane,  nd.  de  Maand,  engl,  moon,  2.  der  Monat,  dän.  Maaned, 
engl,  month.  De  Maure,  4.  das  Moor,  2.  das  sogenannte  Riesum- 
moor;  de  Mose,  das  Torfmoor,  dän.  en  Mose,  engl,  moor,  vergl. 
das  Moor  und  de  Maure;  de  Möne,  die  Mähne,  dän.  en  Man, 
Manke,  engk  mane;  dat  Mölke,  die  Milch,  dän.  und  nd.  Mälk , 
engl,  milk;  de  Döjnfe ,  nd.  dat  Döntjcn ,  Döhnchen;  jö  Maak,  die 
Mache;  deMäute,  die  Mühe;  deMäjntje,  das  Männchen;  de  Man slie, 
der  Mensch,  dän.  et  Menneske,  nd.  de  Minsch;  de  Mäjtte,  in  der 
Redensart  :  to  Mäjtte  kämen,  übel  anlaufen,  etwas  WerthvoUes 
beschädigen  oder  zerbrechen.  Es  bedeutet  auch  das  Maass ,  als: 
Mäjtte  Jti'ijllen,  Maass  halten,  dän.  at  holde  Maade;  de  Nänjtte,  i. 
die  Note,  2.  Melodie;  de  Närke,  die  Enge,  yonnär,  eng,  engl.  naiTow; 
de  Neke,  der  Nacken,  engl,  neck;  de  Njörke,  die  Niere;  de 
Nome,  der  Name,  nd.  de  Naam,  engl,  narae;  de  Näigde,  die  Nähe, 
nd.  de  Necgd ;  de  Nooke,  der  Schlucken,  engl,  hiccup;  de  Nüittc, 
der  Nutzen,  u.  s.  w. ;  de  Ohme,  der  Odem;  de  Ögse,  der  Ochse, 
en  Ox,  nd.  de  Oss  ,  dän.  en  Oxc;  de  Örne,  der  Eber,  dän.  en 
O'rne;  dat  Ohle,  das  Oel;  de  Paasfie,  die  Ostern,  dän.  Paaske;  de 
Päike,  dän.  cn  Pög,  Päike,  Jüngelchen;  de  Päpe,  l.  die  Weiber- 
brust, 2.  die  Zitze,  Brustwarze,  3.  die  Muttermilch;  de  Päse ,  der 
Ochsenziemer,  dän.  en  Pees;  de  Paurte,  d.das  Thor,  die  Pforte, 
dän.  nd.  und  engl.  Port,  2.  der  Kerker,  5.  der  Bienen-  und  Wes- 
penstachcl;  de  Pille,  l.die  Pille,  2.  das  männliche  Glied;  de  Pjärse, 
die  Presse,  dän.  en  Perse,  engl,  press;  de  Plage,  die  Plage,  engl, 
plague;  de  Plünne,  der  Lumpen,  nd.  de  Plünn  ;  de  Plagge,  der 
Fohlen,  dän.  en  Plag',  engl,  a  colt  or  foal ;  de  Pöjnte,  s.  oben,  ein 
Würfelhölzchen;  de  Pose,  das  Säckchen,  dän.  en  Pose,  nd.  de 
Paas;  de  Pule,  der  Pfahl,  dän.  en  Päl,  nd.  de  Paal,  engl,  a  pale, 
pile;  de  Putte,   dän.  en  Pude,    Hestepude,  1.  das  Kummetkissen, 


56 

2.  ein  Pott  Erde  beim  Deichen ;  de  Pocke ,  die  Pocke ,  Blatter ,  u.  s.  w, 
Qu  oder  Kiv  fehlt  gänzlich  im    Nordfriesischcn  und  kommt   höch- 
stens in  Quaal,  die  Qual,  und  Qualster,  der  Qualster,  vor;  dieser 
Laut  wird  durch  Tw  vertreten.     De  Räme,  der  Rahmen,  dän.  en 
Ramme,   nd.  Raam;   de  Räme,  die  Dachschwelle;   de  Reme,   der 
Riem,  d.  i.  Treibruder,  dän.  en  Aare,  engl,  an  oar,  nd.  Reem;  de 
Riese,  der  Riese;  de  Rögge,  der  Roggen,    dän.  Rüg;  de  Röjnte,  die 
kurze  Mannsjacke;   de  Röwe,   der  Schürf  auf  einer  vernarbenden 
Wunde,  nd.  Raaw;   de  Robbe,   der  Robbe,   Seehund;  da  Rdinke, 
collect,  die  Ränke,  dän.  Ränker;  de  Säge,  die  Sache ,  dän.  en  Säg, 
nd.  de  Saak;  de  Säle,  das  Kummet;  de  Senne,  die  Sünde,  6ngl. 
sin;    de  Seme,  die  Seime,    die  Peitschenschnur;    de    Seime,    der 
vordere  Bettrand;  de  Sjäme,  der  Schemen;  de  Sliäse,  der  Schade, 
dän.  Skäde ;  de  S/ijärdlihsse ,  die  Schnittererndte ;  de  Sltänse,  die 
Schanze,  dän.  en  Skandse,  engl,  a  sconce;  de  S/iä7W,  die  Schiene, 
dän.  en  Skinne;   de  Sie,  i.  die  See,    2.  der  See;    de  Slänge,  die 
Schlange,  dän.  en  Slange;  de  Släse,  der  Schlitten,  dän.  en  Släde, 
engl,  sledge;   de  Slörre,  Nachlässigkeit,   Fahrlässigkeit,  von  slör- 
ren,  säumen,  nachlässig  behandeln;  de  Slöpe ,  das  lederne  Brust- 
geschirr der   Pferde ;   de    Sljugte ,   von  sijögt ,   eben ,   schlicht ;   de 
Sliöcke,  vergl.  Hocke;  de  Smäge,  der  Geschmack,  dän.  en  Smäg; 
de  Snütte,  die  Schnauze,  dän.  Snude ,  nd.  Snut,  engl,  snout ;  de 
Snijdde,  die  Griebe,  die  Ueberreste  des  ausgeschraelzten  Schweine- 
fetts, dän.  Grever;  de  Snöwe,  die  Schnuppe  am  Lichte,  engl,  a  snuff; 
de  Smühsse,  die  Esse;  de  Söme,  die  Summe,  Sum  — ;  de  Sollme, 
die  Kindtaufe;    de  Späse ,  der  Spaten  zum   Torfgraben,  dän.  und 
engl,  spade,  nd.  Spaad;  de  SpUisse,  die  ^-peise,  dän.  en  Spise;  de 
Sprainke,   die  Sprosse   einer  Leiter;   de  Spuke  oder  Späjcke,   die 
Speiche,  engl,  spoke;  de  Spräjcke,  die  Sprache,  dän.  et  Sprog,  nd. 
Spraak;  de  Spijlle,  die  Spreize,  derSpeiler;  deSwöme,  die  Schwei- 
me,  Ohnmacht,  engl,  swoon;  de  Stelle,  die  Stelze,  dän.  en  Stylte, 
engl,  still;   de    Stiibbe,   4.  der  Baumstumpf,   Stock,   S.Familien- 
Stammsitz;  de  Stuwe,   das  Feuerstübchen  ,  Feuerkieke,   das  engl. 
Steve;   de   Straate,  die   Strasse,  nd.    Straat ,    dän.    Strädc,   engl, 
Street,  strait;  da  Sturre ,  coli.  Spitzenfalten  als  Kopfputz;  de  Stäpe, 
die  Stapfe,  engl,  step;  de  Stücke,   eine  Stauche  Torf;  de  Stele, 
der  Stiel,  nd.  de  Stähl;  deStvnge,  die  Stange;  de  Stalle,  die  Stille; 


57 

de  Shdcke,  Gestalt,  Form,  nd.  und  dän.  Schick  und  Skik,  als: 
däl  het  näu  Shacke,  en  ganJisen  Sfiacke,  nd.  dät  liet  keen  Schick, 
cn  guden  Schick;  de  Stägge,  die  Sehlacke,  engl,  slacks,  pl, ; 
de  Shurre,  der  Schlittschuh,  engl,  skate,  dän.  en  Sköite  ;  de 
Shrädde,  die  Schräge;  de  Sträge,  der  Streicher  z.  B.  zur  Sense, 
der  Häckselklinge,  dän.  Stryger,  engl,  stroker;  de  Stippe,  die  Stütze; 
de  Tage,  das  Dach,  dän.  et  Tag,  nd.  Dack;  de  Täpe,  der  Zapfen, 
tap,  — ;  de  Thäte,  der  Vater;  de  Tele,  die  Diele,  altdän.  Tillie , 
nd.  Dähl;'de  Tjäre ,  der  Theer,  dän.  Tjäre,  engl,  tar;  de  Tjdwse, 
der  Kinnbacken,  Kiefer,  engl,  jaw,  chaw;  de  Töle,  das  Maul;  de 
Töle,  ein  Grasbüschel,  Binsenbusch,  u.  s,  w.;  de  Tome,  l.  der  Dau- 
men, 2.  der  Zoll,  nd.  1.  de  Duhm,  dän.  i.  Tommelfinger,  2.  en 
Tomme,  engl,  thumb;  de  Tagte,  der  Gedanke;  de  Töfte  oder  Tagte, 
in  Wähsertoße ,  eine  Abzugsrinne  unter  einem  Wege,  kleines  Siel; 
da  Twäge,  die  Hefen;  de  Träne,  der  Thran,  dän.  Trän,  nd.  Traan, 
engl,  train-oil;  de  Tünne,  die  Zinke,  dän.  en  Tinde,  engl,  tine; 
da  Träme,  pl.  der  Drum,  Lädelfäden  am  Weberbaum;  da  Töntle, 
die  Klöppel  zum  Klöppeln;  de  Unnerne,  das  Mittagessen ;  de  Wälle, 
der  Wille,  engl,  und  nd.  Will,  dän.  Villie;  de  Wale,  1.  die  Strieme, 
Schwiele,  2.  in  Tingiväle,  dän.  Tingvold,  in  Norwegen:  Budstikke, 
5.  die  Wulst;  de  Wijtte,  der  Weizen,  engl,  wheat,  dän.  Hvede , 
nd.  Weten;  de  Wihsse,  4.  die  Weise,  nd.  und  dän.  en  Viis,  engl, 
wise,  2. der  Weise,  nd.  und  dän.  en  Viis,  5.  die  Wiese;  de  Wäne, 
der  gute  Freund,  dän.  en  Ven;  deWidde,  die  Weite,  dän.  en  Vide; 
de  Weeste,  der  Westen;  de  ^sle,  der  Osten;  de  Sühsse,  der  Sü- 
den; de  Naurde,  der  Norden;  de  Wjärlse,  der  Wirtel,  Wirbel  am 
Tüdder  oder  Spannstrick,  damit  dieser  sich  nicht  zusammendrehet 


*  De  Böshe,  das  Butterbrot,  ist  nicht  mit  Büshr  die  Büchse,  als 
Behältniss ,  zu  verwechseln,  wie  in  Böserbüsli,  Spürbüsh,  u.  s.  w. 
Dät  Ahse  an  Drajnke ,  ist :  das  Essen  und  Trinken ,  als  Speise  und 
Trank;  die  Handlung  des  Essens  und  Trinkens  ist:  dat  Ä/isen  an 
Dräjnken.  De  Egge,  die  Seite,  ist  nicht  die  wirkliche  Seite  eines 
Dinges,  diese  ist:  jö  Sidd,  als:j'ö  ragt,  jö  Icft  Süld ,  jö  Slägskld.  Egge 
wird  so  gebraucht:  de  hirr  Egge,  de  janner  Egge  auf  ä  Slruhmm, 
diese ,,  jene  Seite,  oder:  diesseit  und  jenseit;  ferner:  Ick  bdn  äw 
dän  Egge,  ich  bin  auf  deiner  Seite,  halte  es  mit  dir;  äiv  sdn 
Egge,  wofür  man  auch  Kant,  die  Kante,  gebraucht.  De  Frünn, 
ist  von  Friinne,  Anverwandte,  zu  unterscheiden,  als:  dät  ds  man 


58 

Volksnanicn  auf  e  sind:  de  Swede,  de  Preuse,  de  Russe,  de  Slaa- 
we,  (l.der  Slavc,  2.  Sklave);  de  Jose  (Jude);  de  Hiese  der  Heide. 

Hauptwörter  mit  der    Endung  el. 
a.    Männliche. 

§.  53.  De  ^pel ,  der  Apfel,  nd.  Appcl,  engl,  apple;  dät  Ajngel, 
der  Engel,  engl,  an  angel;  deBajngel,  der  Bengel;  deBäjttel,  der 
Meissel ,  nd.  Betel;  de  Hassel,  der  Kappzaum,  dän.  et  Bidsel;  de 
Bibel,  engl,  bible  — ;  de  Böget,  der  Bügel,  dän.  en  Böil ,  nd.  — ; 
de  Bu/ifel,  der  Büffel;  de  Büttel,  die  Büttel,  nd.  —  ,  engl,  bettle; 
de  Dackel,  der  Deckel;  de  Dänwel,  der  Teufel;  de  Drempel,  der 
Drempel,  die  Scbwelle;  de  Fibel,  die  Fibel;  de  Fögel,  der  Vogel, 
nd.  Faagel,  dän.  Fugl,  engl,  fowl;  de  Gäwel,  der  Giebel,  nd.  Gä- 
wel,  dän.  Gavl,  engl,  gable;  de  Grüppel,  Abzugsrinne;  de  Hdin- 
mel,  der  Himmel,  nd.  und  dän.  —  ;  de  Hagel,  i.  die  Ferse,  2. 
der  Absatz  am  Schub,  5.  der  Hagel,  4.  Hagelkorn,  Schrot,  dän. 
1.  en  Häl,  2.  Hagl,  engl.  i.  heel,  2.  hail;  de  Högel ,  der  Hügel; 
de  Jögel ,  der  Eiszapfen,  das  deutsche  Jökel,  und  das  isländische 
Jökul;  de  Kittel,  der  Kittel,  — ;  de  Kncpel,  der  Knüppel;  deKrdingel, 


Frünn,  das  ist  mein  Freund;  aber  wdlt  sdn  Frünne  ist:  wir  sind 
Anverwandte  oder  Gefreundte,  dän  Fränder;  wir  sind  gute  Freun- 
de (einander  nicht  fcind)  ist:  wäll  sän  ganhs  Wäne,  dän.  gode 
Yenncr;  de  Flecke,  s.  oben ,  sind  die  Arme  der  Spindel;  die  daran 
befindlichen  eisernen  Häkchen  beisscn:  da  Nocke,  pl.,  welches  Wort 
auch:  der  Schlucken  heisst,  s.  dieses;  de  Främde ,  wird  ganz  wie 
im  Deutschen  gebraucht,  als:  äujn'e  Främde  wesen,  in  der  Frem- 
de sein;  de  Främde  kamt  Ulfe  Främde,  der  Fremde  kommt  aus 
der  Fremde.  Dat  Ljägt,  das  Licht,  als:  Däisljägt,  Wägsljägt,  ist 
zu  unterscheiden  von:  de  Ljägte,  die  Helle,  als:  Dirr  liäfist  de 
sellew  äujn'e  Ljägle  slijnnen,  da  hast  du  dir  selber  im  Lichte  ge- 
standen. De  Sehne,  s.  oben;  zu  Häupten  des  Bettes  ist:  de  Haad- 
linge;  zu  Füssen:  de  Fäjttlinge.  De  Sljur/te  von  sljögt,  schlicht, 
dän.  slct,  ist  zwar  im  eigentlichen  Sinne:  die  Ebene,  dän.  en  Slette, 
wird  aber  meistens  uneigentlich  gebraucht,  als:  fie  slaug  me  äw 
äiven  Sljogte  ,  nd.  he  slög  mi  up  eben  Sligt,  d.  i.  er  schlug  mich 
ohne  alle  Veranlassung,  aus  freien  Stücken;  dät  kaum  äw  äiwen 
Sljögte,  es  kam  ganz  von  selbst,  unwillkürlich:  Nö  san  watt  äw'e 
Sljogte  mä  enauser,  nun  sind  wir  aufs  Reine  mit  einander  ge- 
kommen. 


39 

die  Kringel,  Bretzel,  dän.  cn  Kringle,  nd.  Kringel,  engl.  crackncU; 
de  Kräwel,  der  Krüppel,  engl,  cripple;  dat  Kräwel,  verächtlich; 
de  Kägel,  der  Kegel,  dän.  en  Kegle,  engl,  kayle;  de  Mämjvl,  der 
Mangel;  de  Mergel,  der  Mergel,  engl,  marl;  de  Nägel,  l.der  Na- 
gel am  Finger,  u.  s.  w.  2.  ein  kleiner  Nagel,  nd.  Naagcl,  dän.  Negl, 
engl,  nail;  de  Ndwwel,  der  Nahel,  dän.  Nävi,  engl,  navel;  de  Pie- 
sel,  der  Pesel  oder  Pisel,  nd.  Pesel;  de  Pinsel,  der  Pinsel,  dän. 
en  Penscl,  engl,  pencil;  de  Prägel,  die  Stricknadel,  das  deutsche 
Prickcl,  wie  in  Wurstprickel;  de  Pudel ,  1.  der  Pudelhund,  2.  einen 
P.  machen  beim  Kegelspiel;  de  Rekel,  der  Rekel;  de  Puchcl ,  1. 
der  Höcker,  Buckel,  2.  der  Rücken  selbst;  de  Saabel,  der  Säbel, 
nd.  Saabel,  dän.  Säbel,  engl,  sabre;  de  Särkel,  der  Zirkel,  engl, 
circle,  dän.  Sirkel;  de  S/iainhel,  l.der  Schenkel,  2.  der  Schinken; 
de  Scliämmel,  der  Schemel,  dän.  en  SkammeH  ;  de  Slüngel,  der 
Schlingel,  dän.  und  nd.  Slüngel;  de  Snaabel,  der  Schnabel  an 
einem  Dinge,  wie  im  Dänischen:  enSnäble;  bei  Vögeln:  dat  Nehb, 
dän.  et  Neb;  de  Staapel,  der  Stapel,  dän.  cn  Stäbcl;  de  Staingcl, 
der  Stengel;  de  Stäiwel,  der  Stiefel,  nd.  Stäwel;  de  Stakel,  dän, 
und  nd.  en  Stakkel,  der  arme  Wicht;  de  Swdingel,  der  Schwen- 
gel, besonders  am  Dreschflegel  und  an  der  Wage,  an  welcher  die 
Pferdeden  Wagen  ziehen,  an  der  Pumpe,  u.  s.  w.;  de  Swdndel,  der 
Schwindel;  de  Stdmpel,  der  Stempel;  de  Snösel ,  nd.  Snösel;  de 
Spainkel,  das  Faulfieber  mit  Flecken;  de  Slrippel,  der  Streifen  in 
gestreiften  Geweben;  de  Tdmpel ,  der  Tempel,  dän.  und  nd.  — ; 
de  Tögel,  der  Zügel,  nd.  Tögel,  dän.  Töil;  de  Titel,  der  Titel; 
de  Tüttel,  der  Tüttel;  de  Toß'el,  der  Pantoffel,  nd.  und  dän. 
Toffel;  de  Wacksei,  der  Wechsel;  de  Wainkel,  der  Winkel;  de 
Wäsel,  das  Wiesel. 


1  De  Shämmel,  gilt  in  allen  Bedeutungen  des  deutschen  Wor- 
tes, es  ist  aber  sinnverwandt  mit:  dat  S/iörn,  wie  etwa  Sclre- 
mel  und  Hitsche  ;  dat  Skörn  und  de  Fäujtt shämmel  werden  als 
völlig  synonym  gebraucht,  aber  in  vielen  Fällen  kann  und  darf 
man  sie  nicht  mit  einander  verwechseln.  So  heissen  die  horizon- 
talen Bretter,  welche  die  Füsse  der  altmodischen,  langen  Tische 
mit  einander  verbinden,  auch  Fäujttshämmle ,  weil  man  beim  Es- 
sen die  Füsse  darauf  setzen  kann;  hier  würde  Shörn  durchaus 
verkehrt  stehen.  So  sagt  man  auch:  dät  Bögshörn,  Bläucltisch  , 
wo    Shämmel  nicht  stehen  könnte. 


60 


b.  Weibliche. 

Jö  Daawel,  die  Simse:  jö  Bössei,  die  Bossel,  d.i.  eine  Kugel  zum 
Werfen,  wie  jö  Issbössel,  Kägelbössel,  u.  s,  w. ,  engl,  bowl;  jö  Dä- 
gel,  der  Tiegel;  jö  Fägel,  der  Fehler,  das  Versehen;  jö  Fistel, 
d.die  Fitze;  2.  die  Fistel;  jö  Fläiel,  der  Dreschflegel,  engl,  flail: 
jö  Gichel,  die  Geige;  jö  Haawel,  die  Klunkermilch,  gelieferte 
Milch;  jö  Häwel,  der  Hobel,  dän.  en  Hövl;  jö  Hagel,  die  Hechel, 
dän.  en  Hegle,  nd.  de  Häkel,  engl,  heckle,  hatchel;  jö  Käivel , 
die  Koppel,  z.  B,  Pferde,  Hunde,  u.  s.  w.,  engl,  couple;  jö  Köwel, 
kurzer  Frauenzimmerrock  (petticoat) ;  jö  Kantöffel,  die  Kartoffel; 
jö  Lüngel,  die  Lunge,  dän.  en  Lunge,  nd.  de  Lung,  engl,  lungs; 
jö  Mandel,  die  Mandel,  nd.  und  dän.  en  Mandel;  jö  Mängel,  die 
Mangel,  kleine  Handrolle,  dän.  Mangletöi;  jö  Rdingel,  der  Henkel- 
topf; jö  Räigel,  die  Regel;  jö  Sägel,  die  Sichel,  dän.  en  Segl,  nd. 
Sekel,  engl,  sickle  ;  jö  Sjöhssel,  dän.  en  Syssel,  die  Pässelei;  jö 
Shauwel,  die  Schaufel,  dän.  en  Skovl,  engl,  shovel,  nd.  Schüffei; 
jö  Taafel,  die  Tafel,  nd.  Taafel,  dän.  et  Taffei,  en  Tavle,  engl, 
table;  jö  Kugel,  die  Kugel,  dän.  Kugle;  de  Taagel,  nd.  — ,  der 
Zagel;  jö  Stauppel,  die  Stoppel;  jö  Wickel,  nd,  de  Wiechcl,  die 
Weidenruthe ,  die  Weide  selbst;  jö  Ungel,  die  Angel,  engl,  angle. 

c.  Sächliche. 

Dat  A'ingel,  das  Engelchen;  dät  Aesel,  der  Esel,  nd.  und  dän. 
Esel;  dät  Krävel,  der  Krüppel,  nd.  Kröpel;  dal  Kapitel,  — ;  dät  Mi- 
raakel,  Mirakel,  grosses  Gewirre;  däl  Räiel,  in:  Spannräiel,  Spin- 
nenwebbe;  dät  Sägel,  l.das  Segel,  2.  das  Siegel. 


Mit  der  Endung  en, 

a.  Männliche. 

§.  34.  De  Aimen,  der  Ofen;  de  Dägen,  der  Degen;  de  Raa- 
wen,  i.  der  Rogen,  2.  eine  Verwünschung;  de  Sägen,  der  Segen;  de 
Wäien,  der  Wagen;  de  Gellen,  der  Gulden;  de  Orden,  der  Orden; 
de  Kögen,  die  Küche. 

b.  Weibliche. 

Jö  Brägen,  der  Brägen,  engl,  brain,  brains,  nd.  Brägen;  jö  Blä- 


6t 

gen,  dän,  cn  Blcgii,  Bläschen,  Blatter,  engl,  a  blain;  jö  Ellen, 
die  Elle,  nd.  en  Ahl,  engl,  an  eil,  dän,  cn  'Alcn:  jö  Fömmen,  das 
Mädchen,  das  engl,  woman;  jö  Läfjeti,  die  Lüge,  dän,  Lögn,  nd. 
Lögen:  jö  Meilen,  die  Mühle,  engl,  a  mill;  jö  Stauwen,  der  Sla- 
fen,  dän.  Stavn,  der  Standort  des  Hauses  mit  dem  Warf  und  Gar- 
ten, u,  s.  w.;  jö  Wünnen,  l.die  Wunde,  2.  als  Verwünschung  oder 
Fluch:  dät  de  de  Wünnen!;  jö  Nilken,  die  Nelke. 

c.     Sächliche. 

Dät  ^Iken,  dän.  en  Allike,  die  Dohle,  daher;  dät  u/lkenier , 
der  Giebelerker,  wo  sie  früher  oft  nisteten.  Dät  ^iken,  das  Ei- 
chen, eine  eiförmige  Riechbüchse;  dät  Bächen,  das  Becken;  dät 
Däken,  die  Pferdedecke;  dat  Gagen,  der  Nutzen,  dän.  Gavn;  dät 
Häigen,  das  Stuhlkissen,  dän.  cn  Hynde ;  dät  Kopken,  diminutiv, 
die  Tasse,  das  Tässchen;  dät  Laaken,  das  Laken,  dän.  Lagen, 
wie  in  Rielaaken ,  dän.  Sparlagen ,  Bettvorhänge  an  messingenen  Rin- 
gen, die  auf  einer  wagrecht  ruhenden  Stange  vor-  und  zurückge- 
zogen werden;  dät  Sägen,  die  Sage,  dän,  Sagn:  dat  Sicken,  der 
Seufzer,  dän.  et  Suk,  engl,  sigh;  dat  Swälken,  das  Schwälbchen, 
engl,  swallow;  dät  Tieken ,  das  Zeichen,  nd.  dat  Tcken,  dän.  et 
Tegn,  engl,  token ;  dat  Waapen,  das  Wappen,  dän.  Vaaben;  dät 
Wäsen,  das  Wesen,  dän.  et  Vasen,  1.  das  Wesen  als  wirklich  Sei- 
endes, 2.  viel  Wesens  von  etwas  machen;  dät  Saaken,  nora.  coli, 
für  Vieh  und  Sachen;  dät  Sihssen,  die  Seide;  dat  Shräbilken , 
die  Maske,  Larve,  auch  der  Haubenstock;  dät  oder  jö  Wolken ^ 
die  Wolke,  das  engl,  welkin. 

Mit  der  Endung  er. 

a.    Männliche. 

§.  35.  De  Aadler,  der  Adler;  de  Jlnker ,  der  Anker  —  ;  de 
Bolter,  eine  gewundene  Rennkerze  aus  Wachs  oder  Talg;  de  Brauh- 
ser,  der  Bruder,  nd.  und  dän.  Broder,  engl,  brother;  de  Daalei\ 
der  Thaler,  nd.  Daaler  ,  dän.  en  Dälcr,  2.  der  Dotter  im  Eie;  de 
Drönker,  der  Säufer,  dän,  en  Dranker,  engl,  drunkard;  de  Doffer, 
der  Tauber,  Tauberich;  de  Eher,  der  Acker,  dän.  en  Ager,  engl, 
acre;  de  Däger,   der  Dcchcr,   dän.  et  Degcr,   engl,  a  dicker;   de 


62 

Fajnger,  der  Finger;  de  Fidder,  der  Vater,  dän.  Fäder,  nd.  Faa- 
der,  engl,  fallier  •  ;  de  Fäliser,  die  Feder,  dän.  Fjeder,  nd.  Fed- 
der,  engl,  fealher;  de  Gljärder,  der  Brotschieber;  de  Hämmer,  der 
Hammer;  de  Häinger,  der  Henker;  de  Haller,  der  Heller;  de  Ha- 
ger, die  Trespe  (Bromus  secallnus  L.),  dän.  Heire;  de  Jäger,  der 
Jäger,  dän.  und  nd.  — ;  de  Junker,  der  Junker;  de  Jörder,  der 
Hirte ,  dän.  en  Hyrde ,  das  engl,  lierd  in :  herdman  und  shepherd ; 
de  Kaiser,  der  Kaiser;  de  Käpcr,  der  Kaper;  de  Kufj'er,  der  Kuf- 
fer;  de  Könher,  der  Kanker;  de  Ljögter,  die  Leuchte;  de  Löper , 
der  Knicker,  Schüsscr,  das  Schnellkügelchen ;  de  Malmer,  richti- 
ger: de  Marmel,  das  Marmelkügelchen  zum  Spielen  für  Knaben; 
de  Mäister,  der  Meister,  nd.  —  ,  dän.  Mester,  engl,  raaster;  de 
Moser,  der  Mörser;  de  Mäjdder,  der  Mäher,  dän.  en  Maicr;  de 
Nummer,  die  Nummer,  engl,  number;  deNänner,  der  Nenner,  und 
de  Teller,  der  Zähler  in  Brüchen  ;  de  Ömmer,  der  Eimer;  de  Prestet\ 
der  Priester,  dän.  en  Präst,  engl,  priest;  de  Racker,  dän,  Racker, 
der  Schinder;  de  Racker,  ein  Scheltwort,  dän  grölte  Rdcker,  du 
grosser Rekel ,  Lümmel;  deRidder,  l.der  Reiter,  2.  Ritler,  5.  das 
Reitpferd,  als:  de  Shdmmel  as  en  gauhsen  Ridder,  der  Schimmel 
ist  ein  gutes  Reitpferd,  lässt  sich  gut  reiten;  de  Rütter,  der  Reu- 
ter, dän.  en  Rytter,  im  Militair;  de  Sdmmer ,  der  Sommer;  de 
Sndjtter,  der  Tischler,  eigenll.  Schnitzer,  dän.  Snedkcr  (Snitker); 
de  Sötter,  das  latein.  sutor  ,  der  Schuster  ;  de  Shjärder  ,  der 
Schnitter;  de  Shrüjdder  ,  der  Schneider ;  de  T haser  ,  der  Buch- 
weizen; de  Tjaaler,  der  Keller;  de  Urder,  der  Erpel,  Enterich, 
nd.  de  Wort;  de  Wönter,  der  Winter;  de  Wihsser,  der  Weiser, 
Zeiger,  nd.  und  dän.  Viser;  de  Edder,  die  Ader;  de  Tunner,  der 
Donner,  nd.  — ,  engl,  thunder;  de  Kämmer  ,  die  Kammer,  nd. 
und  dän.  — ,  engl.  Chamber;  de  Swaager,  der  Schwager,  nd. — , 
dän.  Svover;  de  Gönner,  der  Ganser,  nd.  Ganner,  engl,  gander; 
de  Höker,  der  Höcker,  Trödler,  engl,  huckster;  de  Ringster,  der 
Läuter,  dän.  en  Ringer,  engl,  a  ringer;  de  Ränster ,  der  Renner; 
de  Faarränster,  der  Vorrenner,  der  gleich  nach  der  Predigt  aus 


1  De  Fidder,  der  Vater,  und  jö  Mudder ,  die  Mutter,  sind  die 
Namen  der  Eltern  in  Beziehung  auf  ihre  Kinder;  in  der  Anrede 
nennen  die  Kinder  den  Vater:  T/iäte,  Täjte,  Rabbe,  und  die  Mut- 
ter: Mdmm,  Mcem  oder  Mcmm. 


65 

der  Kirche  rennt;  de  Kummer,  der  Kummer,  nd.  und  dän.  — , 
engl,  cumber;  de  O'tler,  die  Otter,  dän.  cn  Odder,  nd.  — ,  engl, 
an  Otter;  de  Böjter,  der  Böttcher,  nd.  — ,  dän.  Bödker;  de  Kliiw- 
wer,  der  Klauer;  de  Klöwwer,  der  Klaustab;  de  Stömper,  der  La- 
destock, Stampfer;  de  Pulsher,  die  Störstange,  mit  der  man  die 
Hechte  ins  Netz  treibt;  de  Plumper,  dasselbe,  auch  Plumpstock, 
Springstock,  mit  dem  man  über  die  Wassergräben  springt;  de 
Trägter,  der  Trichter,  dän.  en  Tragt;  de  Nager,  der  Neger,  nd. 
und  dän.  — ,  engl,  negro;  de  Fäger,  ein  rechter  Feger,  der  was 
los  machen  kann,  dän.  en  feiendes  Fyr;  de  Tivitler,  ein  flinker 
Bursche,  dän.  en  flink  Fyr  (1.  für);  de  Täter,  der  Zigeuner,  dän. 
Täter;  de  Setter,  die  Setze,  ein  irdenes  Milchfass;  de  Juler,  der 
Stellmacher,  von  dem  dän.  Hjul,  das  Rad;  de  ^slier,  die  hohle 
Schaufel;  de  Glaaser,  der  Glaser;  de  Wönräjdder,  wörtlich:  der 
Wahnräther,  der  immer  solche  Dinge  unternimmt,  die  mislingen 
und  keinen  Nutzen  gewähren,  vielmehr  meistens  Schaden  bringen; 
de  S/tuller,  die  Schulter,  nd.  Schuller,  dän.  Skulder,  engl.  Shoul- 
der; de  Koller,  der  Koller  der  Pferde;  de  Wujjper,  ein  Besen 
zum  Abfegen  der  ausgedroschenen  Aehren*. 

b.  Weihliche. 

Jö  Modder  oder  Mudder,  die  Mutter,  nd.  und  dän.  Moder,  engl, 
mother;  jö  Mäddcr ,  die  Muhme;  jö  Läddcr ,  die  Leiter;  jö  Liw- 
wer,  die  Leber,  engl,  liver;  jö  Böhser,  die  Butter;  jö  Dögter,  nd. 
Dogter,  engl,  daughler;  jö  Söster,  nd.  und  dän.  — ,  engl,  sister; 
jö  Shäier,  die  Schere,  nd.  Sheer. 

c.  Sächliche. 

Dät  Faiiser,  das  Futter  für  das  Vieh ,  2.  Unterfutter;  däl  Raiiser, 
das  Ruder;  dät  Taller,  der  Teller;  dat  ^ller ,  das  Alter,  dän.  en 
Alder;  dät  Edder,  der  Eiter;  dät  Häicr,  das  Flaar,  nd.  und  dän.  — , 


*  In  einigen  von  Zeitwörtern  abgeleiteten  Substantiven  auf  er, 
steht  st  vor  der  Endsilbe,  als:  de  Ringster ,  der  Läuter;  de  Ring- 
sieremie,  der  Abend  des  Grabgcläules;  de  Räiister ,  s.  oben;  de 
Wälvster ,  der  Weber ;  de  Trölstcr ,  der  Zauberer ,  von  trölen ,  zau- 
bern. Diess  sind  alterthümliche  Formen,  aus  ringen,  ränen, 
weeiven  wnA  trolen;  die  regelmässigen  Bildungen  müsstcn :  de  Rin- 
ger, Räner ,  Wiiwer  und  Trölcr  heissen. 


64 

engl,  hair;  dät  Jädder ,  das  Euter,  nd.  Jüdder,  engl,  udder;  da 
Jücker,  die  Gerte,  das  Reis;  dätA7ösfer,  deutsch,  nd.  und  dän. — , 
engl,  cloister;  dät  Laager ,  4.  das  Lager,  dän.  et  Leie,  zum  Lie- 
gen und  Ausruhen,  2.  Feldlager,  dän.  en  Leir,  5.  Waarenlager; 
dät  Laster,  das  Laster,  dän.  en  Last;  dat  Lähser,  das  Leder, 
engl,  leather;  dät  Luder,  das  Luder  (Aas);  dat  Münster,  das  Mu- 
ster, dän.  Mynsler;  dat  Mudder,  der  Schlamm,  Moder,  dän.  Mud- 
der;  dät  Öfer,  das  Opfer,  dän.  et  Offer;  dat  Ower,  das  Ufer;  dät 
Rähser,  ein  einjähriges  Kalb;  dät  Tammer,  das  Zimmerholz;  dät 
Tänner,  der  Zunder;  dät  Wähser,  das  Wasser,  nd.  Waater,  engL 
water;  dät  Wähser,  das  Wetter,  nd.  Wädder,  engl,  weather. 

§.  56.  Folgende  haben  die  Endung  em ,  als :  de  Airem ,  der 
Arm,  — ;  de  Bäisern ,  der  Besen,  nd.  —  engl,  besora ;  de  Bau- 
sem ,  \.  der  Viehstall,  2.  der  Boden  eines  Gefässes ;  de  Haulem  , 
der  Holm,  kleine  Insel,  auch  in  Ortsnamen,  als:  Lindholra ,  Ock- 
holra ,  Stockholm,  Bornholm  u.  s.  w. ;  de  Stierem,  der  Geruch;  de 
Swiereni ,  der  Schwärm  ,  nd.  — ,  engl,  swarm  ,  dän.  svärm  ;  de 
Täirem ,  der  Darm  ,  dän.  Tarm  ;  jö  Blossem  ,  die  Blüthe ,  engl, 
blossem ;  jö  Fäihscm ,  der  Faden  ,  als  Maass ,  engl,  fathom  ,  dän. 
en  Favn;  jö  Gässem,  die  Gäspe;  dat  Hulem,  das  Langhalm,  Lang- 
stroh, engl.  halm. 

§.  37.  Einige  haben  die  Mehrheits-Endung  ere  in  der  Einheit, 
als :  de  Wähsere ,  der  Hammel ,  das  deutsche  Widder ,  das  dän. 
Vädei' ,  und  das  engl,  wether ,  welches  ganz  dem  Friesischen  ent- 
spricht ;  de  Käscre ,  der  Kater ,  nd.  Kaater ;  de  Fasere ,  der  Ge- 
vatter ,  dän.  Fadder ;  richtiger  wäre  aber :  de  Wähser ,  de  Käser 
und  de  Faser;  so  wie  de  Stäujnner,  der  Leuchter.  Einigen 
giebt  man  gar  die  Endung  ne  in  der  Einheit,  wie  z.  B.  de  Wad- 
derne ,  der  Wittwer  ;  de  Wdnserne  ,  die  Schnellwage  ;  de  Pönterne , 
der  Wiesbaum;  de  Hijnserne,  der  Brunnenschwengel:  de  Unnerne, 
das  Mittagessen  ;  hier  wäre  :  de  Wadder ,  deWanser,  de  Ponter,  de. 
Hijnser  und  de  Untier  auch  richtiger'. 


1  De  Hijnserne  kommt  zusammengesetzt  vor  in:  Hijnscrnetjöch ; 
dieses  besteht  aus  einem  in  die  Erde  gestellten  Balken  ,  in  dessen 
oberem  Ende  eine  gabelförmige  Vertiefung  ist,  in  welcher  der 
Schwengel  (de  Hijnserne)  auf  einem  Bolzen,  als  seiner  Axe,  ruht, 
an  dessen  Hintcrendc  ein  schwerer  Klotz  angebracht  ist ,  und  an 
dessen  Vorderende  sich  die  Brunnenstange  (de  Shüwringe)  befindet. 


6Ö 

§.  58.  Auf  ense ,  ent ,  ed ,  et,  und  ert ,  als :  de  Fierensc ,  diö 
Ferne,  nd.  de  Ferens;  de  Grötlense,  die  Grösse;  de  Tjäckense , 
die  Dicke;  de  Lickcnsc,  die  Aehnlichkcit,  Gleichheit;  de  Iluluense ^ 
die  Halbscheid ;  dat  Aawent ,  die  Schnürbrust ;  dät  Läwent ,  das 
Leben;  jö  Jörjed ,  die  Jugend;  jö  Dögcd,  die  Tugend;  jö  Höged , 
das  Wohlgefallen  an  etwas;  jö  Blöged,  von  blög'  (blöde),  die 
Schaana  ,  die  Schäme ;  de  Faagcd ,  der  Vogt ,  dän.  Faaged  ;  dät 
Huget ,  die  Anhöhe  ;  dat  Liiigct ,  die  Niederung  ;  jö  ^nert ,  die 
Ente  ;  dät  Läncrl ,  die  Leinwand. 

§.  59.  Auf  ig  und  igt ,  ir  und  ier  und  iim  endigen  sich  fol» 
gende,  als:  de  Bäirig ,  der  Berg,  dän,  et  Bjerg,  nd.  de  Barg; 
de  Bielig ,  der  Balg,  in:  Blaasbielig ,  Blasebalg;  de  Gulig ,  der 
Galgen;  de  Hallig,  der  Hallig,  kleine  flache  Insel;  jö  Furrig,  die 
Furche,  dän.  cn  Furrc ,  engl,  furrow  ;  jö  Späirig ,  der  Sperling, 
dän.  en  Spurre  (Spurvc),  engl,  sparrow;  jö  Swällig  (Swielig),  der 
Schlund ,  das  deutsche  Schwalch  ,  dän.  et  Svälg ;  dat  Fällig  oder 
Fulig  ,  Brachfeld  ,  von  fälligen  ,  fuligcn  ,  fieligen  ,  brachen  ,  engl, 
fallow-field ;  dät  Märrig ,  das  Mark,  dän.  Mary,  engl,  raarrow ; 
dät  Tulig  ,  der  Talg ,  engl,  tallow;  jö  Merrigt,  das  Mensch,  die  Metze ; 
de  Berrigt ,  die  Ernte;  ir  oder  ier  kommt  vor  in:  Lägenier ,  der 
Lügner,  und  in:  ^Ikenier ,  Erkcrgiebel ;  inn ,  wie  im  Deutsehen, 
als  Kinninginn,  Königinn,  Kaiserinn,  Hierlugi7in ,  Herzoginn ,  Grä- 
ivinn  oder  Graawinn ,  Gräfinn ,  von  de  Graaw ,  u.  s.  w. ;  diese 
Silbe  ist  im  Dänischen  inde,  als:  Gräwinde  ,  Keiscrinde,  u,  s.  w. 

§.  40.  Die  Endsilbe  ing  treffen  wir  in  :  de  Kinning ,  der  Kö- 
nig, alldän.  en  Konning ,  engl,  king;  de  Wuhstring ,  die  Speise- 
röhre, das  Geschlinge;  de  Gäsing  ,  alles,  was  einem  eben  passend 
ist,  was  man  gerade  gebrauchen  kann;  jö  Nöstring ,  die  Nüster, 
engl,  nostril ;  jö  Tenning ,  die  Schläfe,  dän.  en  Tinding;  jö  Ti/is- 
sing  ,  Nachricht ,  Zeitung ,  dän.  cn  Tidende ,  engl,  lidings ;  jö 
Gräiving ,  ein  breiter  und  tiefer  Graben  um  den  Warf,  2.  ein 
Bach  im  Risummoor ,  der  die  Feld-  oder  Landscheide  zwischen 
dem  Oster-  und  Westermoor  bildet;  jö  HijUing  ,  das  Geheiss;  jö 
Löwring,  die  Gewitterschwüle;  jö  Lühssing ,  die  Ohrfeige,  dän. 
cn  Lusing;  jö  Slaingring ,  eine  kleine  Schlucht  im  Wagengeleise; 
jö  Gi'äsing ,   ein  kalter  Schauer ,    das  Grausen ;   de  Pänning ,  der 

0 


66 

Pfennig ,  dän.  und  nd.  en  Pcnning ,  engl,  pcnny ,  pl.  pencc ;  dät 
Wanning ,  das  Fenster ;  de  Sörrhig ,  der  Sauerteigkuchen  zum 
Säuern  des  Brotes;  jö  Aiising ,  die  Dachtraufe;  de  Wjärsing ,  der 
eingestrichene  Hauptschwaden  heim  Heumachen ,  welcher  zusam- 
mengcdiemt  (» timet")  und  in  Diemen  (Ruke,  Schober),  aufge- 
setzt wird;  de  Wällering,  der  Weller,  etwas  zusammengewellertes, 
als:  Heu,  Stroh,  Wolle,  Teig,  Lehm,  Kitt,  u.  s.  w. 

§.  41.  Auf  ling  endigen  sich:  de  Bröchling ,  der  Brocken;  de 
HüUling  ,  der  Fingerling ;  de  Tölimling  ,  der  Däumling ;  de  Knäib- 
ling,  das  Knie;  de  Fäjtlling ,  der  Füssling;  de  Bijnliiig  ,  der  Bein- 
ling; jö  Gältsling ,  dän.  en  Gjäsling ,  engl,  a  gosling,  das  junge 
Gänschen;  jö  Spillitig  ,  die  gelbe  Pflaume;  jö  HijUing  ,  die  Nachge- 
burt; jö  iijlUng ,  die  Mulde;  de  Repling ,  wörtlich:  der  Reifling, 
d.i.  die  Blutwurst;  da.1  ^nner  ling  ,  ein  einjähriges  Lamm,  Mutter- 
lamm, —  sonst  Ailaumm;  dat  TjauUng ,  der  Knaul;  dat  Läiling , 
das  Lägel ;  dat  Shräwling ,  das  Angebrannte  in  der  Pfanne  und 
dem  Grapen,  besonders  bei  der  Grütze;  dät  Twannling ,  der  Zwil- 
ling ,  dän.  en  Tvilling ,  engl,  a  twin ;  dät  Trdnnling ,  der  Dril- 
ling; ddilWälling  ,  die  Milchsuppe ,  dän.  Välling;  dät  Sjöclding  ,  das 
Küchlein,  engl,  chicken  ;  dat  Tälin g  ,  dän.  en  Slye,  lose  Bretter 
und  Latten  über  die  Fächer  gelegt ,  um  Heu ,  Getreide  oder 
Stroh  darauf  zu  legen;  dat  Haaling ,  das  Loch  (Höhlung),  dän.  et 
Hül  ,  engl,  a  hole;  de  Tjärtling,  Lammsmist  in  ßohnenform ;  dät 
TJärling ,  der  Würfel,  dän.  en  Tärning ,  u.  s.  w. 

Folgende  stehen  meistens  nur  in  der  Mehrheit,  als:  de  BäjUlinge, 
nom.  coli.,  Umzugsgut,  Fahrniss;  da  Haadlinge,  zu  Häupten  des  Bettes; 
da  Fäjlllinge ,  zu  Füssen  des  Bettes;  dkMäihslinge ,  die  Masern,  dän. 
Mäslinger,  engl,  measles;  da  Bitgslinge,  die  Hosen,  dän.  Buxer , 
nd.  Büeks;  da  Öcklinge ,  der  Platz  unter  dem  Dache  auf  dem 
Boden  ;  de  Plahsringe ,  wörtlich  :  der  Plätscherling  ,  Name  eines 
Ortes  in  Nordrisum,  wo  immer  Enten,  Gänse  und  Wäscherinnen 
herumplätschern ;  de  Knöwringe ,  ein  Stück  Vorland  im  Herren- 
kogc  ,  mit  sehr  kurzem  Grase  bewachsen,  das  Pferde  und  Schafe 
mit  einem  knopernden  Laut  abfressen  oder  knopern ,  fries.  knö- 
wpvn.  daher  der  Name. 

§.  42.  Die  Endungen  ke  und  fe  stehen  in  einigen  Fällen  ver- 
kleinernd,  als:  de  Njörke,  die  Niere,  dän.  en  Nyre;  de  Fäike , 


Ö7 

das  Bübchen;  de  Päihe,  dän.  cn  Pog ,  Pöike  ;  de  Itorhe,  die  Bei- 
lade ;  de  Hönkc ,  der  Hahn  ,  am  Fasse  ,  dän.  Hänikc ;  da  Mäjnte , 
das  Männchen  ;  de  Däjnte ,  das  Bündel ;  de  Döjnte ,  das  Dohnchcn  ; 
de  Prüjnte,  eine  Kaue  Taback  ;  ferner:  Döjtte,  Pöjtte ,  de  Pöjnte, 
de  Röjnte ,  de  Höjtle ,  de  Hojnte ,  u.  s.  w. 

§.  45.  Auch  die  Silben  kcn  und  jen  stehen  verkleinernd  in: 
dät  ^Iken ,  dat  ^iken  ,  dat  Hüskcn ,  dat  Kopken ,  dat  Swälkcn, 
dal  liorljen ,    in  Twelbortjen ,  das  Sabberlüchlein. 

§  44.  Die  Endungen  f/w//m  und  s/iapp.  Das  alte  Wort  du/im, 
als  Endung ,  ist  im  Deutschen  thum ,  dän.  dom  oder  dömme , 
engl.  dom.  Im  Dänischen  ist  es  dömme ,  und  ist  ein  Neutrum  , 
wenn  es  den  Umfang  eines  Gebieles  anzeigt,  als:  et  Keiscrdömme , 
et  Fyrslendömme  ,  et  Bispcdömme  ;  sonst  ist  es  dorn  und  ist  gemein- 
schaftlichen Geschlechts,  als:  en  Heliigdom,  Heiligthura;  en  Ungdum, 
die  Jugend;  Hedendom,  Heidentlium.  Im  friesischen :  dät //ter/o(/- 
dulim,  Bishopduftm ,  Hiesenduhm,  Heidenthum,  Krdstendulim,  Chri- 
stenthum,  Allerduhm,  Alterthum,  Hilligduhm,  Heiligthum,  Aienduhm, 
Eigenthuni,  u.  s.  w.  —  Sfidpp,  schaff,  dän.  skab.  Dät  Hieseti- 
sfiapp,  dän.  Hedenskap;  dixl  Mönnsliapp ,  die  Mannschaft;  dat  Hier- 
shapp,  die  Herrschaft;  dat  Brausershapp ,  die  Bruderschaft;  dat 
Sellshapp,  die  Gesellschaft ,  dän.  Selskah;  dal  Lönnsliap ,  die  Land- 
schaft; dat  Frünnsliapp,  1.  die  Freundschaft,  2.  Verwandtschaft; 
dat  Ndihershapp,  die  Nachbarschaft,  nd.  Naaberschop;  dat  Fijndshapp, 
die  Feindschaft,  dän.  Fjendskab;  Graawslmpp,  die  Grafschaft;  Swän- 
gershapp,  die  Schwangerschaft;  ß/äistershapp,  die  Meisterschaft;  dal 
Tienershapp  ,  die  Dienerschaft  ;  dat  Törpsliapp,  die  Dorfschaft;  dat 
Jümfershapp ,  die  Jungferschaft;  dat  Biddershapp ;  dat  Fiddersfiapp , 
die  Vaterschaft;  Aadelsliapp ,  Adelschaft;  Swaagersfiapp ,  Schwäger- 
schaft, Aiens/iapp,  Eigenschaft;  Fängenshapp ,  Gefangenschaft;  Könn- 
s//a;9/),  Kundschaft,  Kenntniss;  Gemionsfiapp ,  Gemeinschaft,  u.  s.  w. 

§.  45.  Die  Endung  äi  entspricht  dem  deutschen  cl  und  dem 
dänischen  ie,  als:  dat  Shriwweräi ,  die  Schreiberei,  dän.  Skriverie, 
nd.Schriverie;  Tjäscräi,  Schwätzerei;  Sivenneräi ,  Schweinerei;  Njä- 
seräi,  Säumerei;  Mingeräi,  Zauderei;  Thicwerdi,YiieheYei;  Präjtäi, 
Predigt;  Pra'jüs/dt,  Prohstei;  Geckeräi,  Geckerei;  Göserdi,  Gänsclci; 
Bedregeräi ,  Betriegerei  ;  Mäleräi,  Mahlerei;  Täigeldi,  Ziegelei; 
Fdsheräi,  Fischerei,  u.  s.  w. 


68 

'§).  46.  Die  Endung  e/cS'c  kommt  in  folgenden  Wörtern  vor,  als: 
de  Tdchehc,  die  Deichsel;  de  Tümielse,  die  Geschwulst;  de  liäjdd- 
eise,  das  Räthsel;  de  Läpelse,  l.das  Laab,  Rinnsal,  2.  das  Durch- 
laufen der  Pferde,  als:  da  Häjnsie  hippe  Läpelse,  die  Pferde  lau- 
fen durch,  dän.  löbsk  ,  adj.  läufisch;  de  Gräpehe,  die  Grapse,  to 
Gräpelse  smitten,  in  die  Grapse  werfen,  z.  B.  eine  Handvoll  klei- 
ner Münzen;  da  Häckelse,  pl.  oder  coli,  das  Häcksel,  der  Häcker- 
ling; dat  Spaiilielse,  das  Gespenst,  dkn.  et  Spögelse,  (dat  Spauk 
ist  der  Spuck,  das  verbum  spmikcln);  dat  Röckelsc,  der  Rauch, 
als  Mittel  zum  Räuchern,  wie  in  Königsrauch,  Weihrauch,  Räu- 
cherpulver; dat  Smökelse ,  dasselbe;  dat  Sldrkelse,  die  Stärke, 
der  Amidam. 

§.  47.  Die  Nachsilbe  liäid,  deusch:  heit  und  keit,  dän.  hed, 
engl,  hood  und  head,  steht  für  Iieit  und  keit  im  Deutschen,  als: 
jö  Mönnhäid  ,  Mannheit  ;  Krdstenhäid  ,  Christenheit  ;  NjöUiäid  , 
Schwerfälligkeit;  Plumphäld;  Drieghäid,  Vcrschlagsamkeit,  dän. 
Dröihed,  nd.  adj.drecg;  jö  FöhUiäid,  die  Bosheit;  WäligliäUl,  slurk 
an  Kräften,  die  Wäligkeit;  Krönkliäid ,  Krankheit;  Sünnhäid,  Ge- 
s'jndheit,  dän.  Sundhed;  Mül/iäid ,  Tollheit,  nd.  Mallheit;  Fast- 
häid,  Festigkeit;  Batlerläud,  Bitterkeit;  Drisürj/iäid,  Dreistigkeit; 
Däsigliäid ,  Albernheit,  Verrücktheit;  Aienliäid,  Eigenheit;  Sdl- 
tenliäid;  so  auch  aus:  rie7i ,  rein;  tdgt,  d\chl ;  junk ,  dunkel;  frisfi ; 
rück,  rauch;  fri,  frei;  dgt,  echt;  blög',  blöde;  wiglig ;  kier ,  kür, 
küiisch,  dän.  kräsen;  laai ,  faul,  träge;  trat,  müde.  dän.  trat, 
u.  s.  w. 

§.  48.  Bildung  des  Hauptwortes.  Das  Hauptwort  wird  be- 
sonders aus  andern  Hauptwörtern,  Beslimmungs-  und  Zeitwör- 
tern gebildet,  jedoch  hin  und  wieder  auch  aus  andern  Wör- 
lerklassen ,  z.  B.  dat  Tivdnling ,  von  twdnne,  zwei;  de  If/äister, 
von  mäst,  meist;  ijn,  gegen,  de  Jjnne ,  das  Ende;  däkl,  nieder, 
dat  Daal,  das  Thal;  dökr,  durch,  jö  Dölir,  die  Thür,  u.  s.  w. 

Hauptwörter  aus  andern  Hauptwörtern  durch  die  Silbe  er.  Jö 
Meilen,  de  Meiler,  die  Mühle;  de  Fdsh ,  de  Fdskcr,  Fisch;  de 
Iläi'jdd,  de  Häiijttcr,  der  Hut;  dat  Glees,  de  Glaaser,  Glas;  dät 
Shdpp,  de  Shdpper,  das  Schiff;  jö  Eesk ,  de  ^sher ,  die  Esche; 
jö  Wüpp,  de  Wupper,  die  Aehre;  jö  Kutsh ,  de  Kidsher;  de  Senne, 
de    Sennir ,   die   Sünde;  de   JUeme ,    de   lilemer ;  dat   Krämm,   de 


69 

Kricmmcr,  der  Kram;  dal  Sliäiijl,  de  Shaulcr ,  die  Schule;  jö 
Pott,  de  Pöjiler ,  der  Topf;  jö  Döww ,  de  Doffer,  die  Taube;  dat 
Läujnn,  de  Läujnncr ,  das  Land;  de  Paurtc,  de  Paurtncr ,  die 
Pforte;  de  JOicA-,  de  Dicker,  der  Deich;  de  Drönl; ,  de  Drönkcr , 
der  Soff,  Gesöff;  dat  Fä/,  de  Faser,  die  Schüssel;  jö  Grauf,  de 
Granwer ,  der  Graben;  jö  A'ä//,  de  Käser,  die  Katze;  jö  /f/äw,  de 
Kläwer ,  die  Klaue;  jö  /i7öi</,  de  Klöwiver,  die  Klaue;  jöKlöch, 
deKlöcker,  die  Glocke;  de  AVfIi,  de  Kläier,  der  Klei,  Marscherde; 
de  Kraug,  de  Kraugcr ,  der  Krug:  jöMäjdd,  de  Mäjdder,  die  Math; 
de  Maurd,  de  Maurder ,  der  Mord;  de  Mjögs,  de  MJögser,  der  Mist, 
Koth;  jö  i>V7{;f,  de  Nägterl,  die  Nacht;  de  Plaug ,  de  Plauger, 
der  Pflug;  dat  7?o^^,  de  Rögtcr ,  das  Recht;  de  ii«/.-,  de  Ruh  er , 
der  Diemen,  Schober;  de  S//ö/,  de  Sliöter,  der  Schuss;  dai  Slitbb, 
de  Sluhher ,  Kolli;  jö  S/iüU,  de  S/iüllner,  die  Schuld;  jö  iS'/wr, 
deASjporer,  der  Spoor  oder  Sporn;  de  Toll,  de  Töller,  der  Zoll;  de 
Tröl,  de  Trö'.sler;  jö  11%/,  de  IVa^/er,  die  Wacht;  de  Ihitlel ,  de 
Buttler,  die  Bullcl ;  jö  Gicliel,  de  Gicfiler,  die  Geige;  dat  Liijdd, 
de  Lüjdder,  das  Lolh  zum  Löthen;  de  Sliänse,  de  S/iäuser,  die 
Schanze;  de  iyV,  de  Illger ,  der  AaH. 


'  De  u/sJier,  ursprüngl.  eine  hohle  Schaufel  aus  Eschenholz, 
welche  jetzt  auch  aus  anderm  Holze  diesen  Namen  führt.  Die 
Esche  hiess  weiland  jö  ^sfi ,  und  noch  jetzt  im  Dänischen  en  Ask. 
De  Läujnner ,  der  Länder,  kommt,  wie  im  Deutschen,  nur  in  Zu- 
sammensetzungen vor,  wie  z.  ß.  de  Uolläujnner ,  Gräinläujnner , 
Jüttläujmier.  De  Shaulcr  ist  aus  dem  älteren  Worte  Shaul  ge- 
bildet, das  auch  noch  jetzt  in  mehreren  Gegenden  gebraucht  wird. 
De  Fahser,  gewöhnlich  Fahserc,  ist  buchstäblich:  der  Fasshalter 
bei  der  Taufe.  Dat  Fat,  das  Fass,  die  Schüssel,  nd.  Fat,  dän. 
Fad,  ist  im  pl.  da  Fähse,  und  da,  weinigstens  vormals,  die  Kin- 
der meistens  im  elterlichen  Hause  gelauft  wurden  ,  so  musste 
einer  der  Taufzeugen  das  Fass  oder  die  Scliüssel  halten,  daher 
die  Benennung,  woraus  sich  zugleich  das  dänische  und  plattdeut- 
sche Fadder  und  das  hochdeutsche  Gevatter  erklärt.  —  De  Grau- 
iver,  von  Grauf,  ist  nur  der  Gräber,  welcher  die  Gräben  zwischen 
den  Aeckern  im  Pusummoor  reinigt,  sonst  Grewer,  Gräwster,  Kläier, 
von  greivcn,  oder  Kläi.  —  De  Klöwwcr ,  der  Klaustab,  unten  mit 
einer  eisernen,  breiten  Doppelklaue  beschlagen,  um  das  zu  tiefe 
Eindringen  in  den  Schlamm  zu  verhindern.  —  De  Mjogser  ist  l. 
der  Ausmisicr,  2.  der  Sudler.  —  De  Nägterl,  das  Abendessen, 
Nachtessen;  de  Ruher,  der  den  Diemen  oder  Schober  setzt;  de 
Jllger,  der  Aalstachel,  die  Aalprickc,  ist  eine  unregelmässige  Wort- 


70 

Fäslicr  ,  Dicker  ,  Granwcv,  Kläier,  Plaugcr  ,  Ruker  ,  Lüjddei\ 
Gichlcr,  S/tänscr ,  Rugicr  sind  aus  den  Zeitwöriern:  fdshen , 
fischen;  dicken,  deichen;  grauwen,  graben;  kläien,  kleien;  plau- 
gen,  pflügen;  ruken,  diemen,  schobern;  lüjdden,  lölhen;  gicheln, 
geigen;  s/iänsen,  schanzen,  und  ragten ,  richten,  gebildet  worden, 
diese  aber  wieder  aus  den  vorsiehenden  Substantiven.  Bei  den 
meisten  dieser  abgeleiteten  Wörter  crgiebt  sich  die  Bedeutung 
derselben  aus  ihrem  Stamm worte,  als:  Müller,  Fischer,  Glaser, 
Schiffer,  Kutscher,  Sünder,  Riemer,  Krämer ,  Schüler,  Töpfer,  Tau- 
ber, Länder,  Pförtner,  Deicher,  Säufer,  Kater,  Glöckner,  Krüger, 
Mäher,  Mörder,  Pflüger,  Richter,  Schütze,  Schuldner,  Sporer,  Zöll- 
ner, Zauberer,  Wächter,  u.  s.  w. 

§.  49.  Aus  Hauptwörtern  vermittelst  der  Silbe  ling  ,  linge : 
Dät  IHM,  de  Hüttling ;  de  Tome,  de  Tonil ing;  däfäjtt,  de  Fäjtt- 
ling  t  und  da  Fäjttlinge;  dät  Haad,  da  Haadlinge;  dät  Rijn,  de 
Rijnling ;  jö  Gaus,  jö  Gähsling ;  dät  Rep,  de  Repling ;  jö  Feest, 
jö  Feestling ;  de  Rajtte,  de  Räjtlinge;  jö  Naas,  jö  Nöstring ;  dät 
Ijll,  dät  Ijllinge;  de  'Alk,  de  Allring  K 

§.  50.  Die  §.  44  vorkommenden  Wörter  auf  duhm  und  shapp 
sind  auch  grösstenheils  hauptwörllicher  Abstammung;  bei  duhm 
sind  bloss  Hilligduhm  und  Aienduhm  von  Adjectiven  abgeleitet: 
unter  shapp  nur  die  mit  schwanger,  eigen,  gefangen  und  ge- 
mein gebildeten.  Durch  die  Silbe  liäid  lassen  sich  nur  folgen- 
de vier   aus  andern  Hauptwörtern  bilden,   als;  Mönnhäid,  Mann- 


bildung aus  ^j/,der  Aal.  —  Die  Aalquappe,  Aalraupe  (Gadus  Lota), 
so  wie  die  Aalmutter  (Blennius  viviparus),  heissen  beide  Ailemml- 
der,  weil  man  sie  für  die  Mütter  der  Aale  gehalten  hat,  und  der 

Blutigel  (Egel)  ist  de  Ailebitter,  wörtlich  der  Aalbeisser. 

•  Dät  Ilütt,  der  Deckel,  z.B.  eines  Pfeifenkopfes,  die  Wurzel  zu 
dem  deutschen:  Hütte;  de  Hüttling,  der  lederne  Ucbcrzug  ei- 
nes veiletzlen  Fingers;  Tömling,  Däumling,  ein  solcher  für  den 
Daumen;  da  Fäjttlinge,  \.  pl.  von  Fäjttling ,  2.  Fussende  des  Bet- 
tes; da  Haadlinge,  zuHäupten;  Feestling,  Fausthandschuh  ohne 
Fingerlinge;  de  Räjtte,  das  Bischen,  de  Bäjttlinge ,  gleichsam  die 
Bischen,  d.  i.  Umzugsgut;  dat  ///,  das  Feuer,  dat  Ijllinge,  die 
Feuerung;  yl/Ä- und  'Allring  s\nd  beide:  der  Iltis.  —  Die  Verkleine- 
rungen auf  kc,  te,  ken,jen,  siehe  §.  42  und  45. 


71 

hcid;  Kr ästenliäld,  Chiisicnhcit  ;Mcinshhäid,  Menschheit,  und  Sliälk- 
häid,  Schalkheit. 

§.  bl.  Mehr  oder  weniger  iinregehnässige  Wortbildungen  sind 
unter  andern  folgende,  als:  jö  Bräjdd,  de  Bredgome,  der  Bräuti- 
gam; jö  Bjärst,  de  Bjärscl,  die  Borste  und  die  Bürste;  jö  Dör 
oder  Döfir,  de  Dörnsh-Thür,  Stube;  jö  Gaus,  de\Gdnner,  Gans 
und  Ganser;  dat  Hüss,  de  Hü/is,  das  Haus  und  das  Heim,  dän. 
et  Iljem,  engl,  horae;  de  Smdss,  jö  Smä/is,  der  Schmied  und  die 
Schmiede,  dän.  en  Smed  und  en  Smedie;  dat  Klüss,  da  Klulise, 
das  Tuch  und  die  Kleider;  dät  Lass,  das  Glied,  Gelenk,  da  Lähse, 
die  Gliedmassen;  auch  in  Ugenlass,  Augenlied,  und  Önlaas,  Ant- 
litz; dat  Rd,  die  Reihe,  Zeile;  dät  Back,  der  Riechel,  Schüssel- 
brett, u.  s.  w. ;  de  M5nn,  de  Mäjnte,  der  Mann,  Männchen;  de 
Salm,  Sänke,  Sohn  und  Söhnchen,  dän.  Sön  und  Sönike,  nd. 
Sönken;  jö  Wälts,  de  Wadder  [Wadderne),  Wittwe  und  Wittwer; 
jö  Dögtcr ,  die  Tochter,  Döjtte,  Töchterchen;  dät  ^s,  oder  Aas, 
dät  Ais,  das  Aas,  als  Schimpfwort  in:  Raawenäis  und  Aasknaake. 
Diess  sind  die  wesentlichen  Wortbildungen  des  Hauptwortes  aus 
seines  Gleichen;  die  übrigen  stammen  meistens  von -Beslimmungs- 
und  Zeitwörtern  ab.  —  Die  Endungen  ent,  erl,  ew,  und  cjj  kommen 
nur  in  einzelnen  Wörtern  vor,  wie  in:  Aawent,  Läwent,  jö  ^nert, 
die  Ente;  dat  Länert ,  die  Leinwand;  dät  Kulew,  das  Kalb;  dät 
Suleiv,  die  Salbe;  dät  Hänep,  der  Hanf,  und  dät  Sänep,  der  Senf. 
§.  52.  Hier  mögen,  bevor  wir  die  Bildung  des  Hauptwortes 
weiter  verfolgen,  einige  Stoff-  und  Mengenamen  ihren  Platz  fin- 
den ,  als:  a.  Sloffnamen  :  jö  Bö/iser ,  Butter;  dat  Briijd ,  Brot; 
Säilts,  Käs,  Flash,  Speck,  Smär,  Schmalz;  Tulig,  Wägs,  Liem, 
Kalk,  Krilt,  Kreide;  Siep,  Seife;  Gäujll ,  Selwer,  Kaawer,  Blie, 
Miidder,  Slubb,  Slömm,  Sl'mim,  Schleim;  Glees ,  Holt,  Haurti , 
Stäjll,  Staal,  Tän ,  Zinn;  Swaaivel,  Allöhn ,  SäujU ,  Russ;  Uli, 
Wolle;  Flägs,  Bräi,  Stijnn,  Lähser,  Sltdnn,  Tjaare ,  Pack,  Hjärt, 
Harz;  Knaake,  Gniistel,  Knorpel;  Sulew,  Piaaster,  Burk ,  Borke 
oder  Baumrinde;  Starkelse,  Limm,  Leim;  Riihmme,  der  Rahm; 
Mölke,  Dieh,  Teig;  Snöte,  Nasenschleim;  Eesh,  Asche;  Sivämp, 
Maus,  Sicrp,  Kitt,  Dünn,  Daunen;  Swiert,  Kienruss;  5ömüe/,  Schmalz , 
Butter,  Fleisch  und  Speck  zum  Brote,  u.  s.  w.  —  b.  Mengenamen: 
du  Paingsdege,  die  Pfingsten;  da  Aime,  die  Buttermilch;  da  Knap- 


72 


linge,  die  Spitzen,  Kanten;  da  Beere,  die  Gcbehrdcn,  alle  im  plur,; 
dat  Gijl,  das  Geld;  dät  Grüss,  Gries;  dät  Gjärs,  dal Krüdd,  Schiess- 
pulver; dat  Säjd,  Gesäme;  da  ^gne,  pl.  die  Spreu;  dat  Üntjög', 
Ungeziefer;  dat  Groot,  Grütze;  da  Grubene,  die  Graupen;  dkTräme, 
beim  Weben;  da  Wäwle,  pl.  der  Webstuhl,  u.  s.  w. 

§.  00,     Bildung  des  Hauptwortes  aus  dem  Bestimraungsworte , 
mit  der  Endung  c  und  de,  als: 


lick,  gleich,  de  Licke. 
käujl,  kalt,  de  Kolle. 
näi,  nahe,  de  Näiijde. 
läng,  lang,  de  Lditigde. 
kaurt ,  kurz,  de  Katirte. 
widd,  weit,  de  Widdc. 
neu',  eng,  de  Närke. 
stall,  still,  de  Sldlle. 
gäujd,  gut,  de  Gause. 
diep,  tief,  de  Diepde. 
slojgt,  schlicht,  de  Slojgte. 
lief,  lieb,  de  Liewde. 
drögh,  trocken,  de  Dröghde. 
främd,  fremd,  de  Främde. 
hug ,  hoch,  de  Hngde. 
läig,  niedrig,  de  Läigde. 
wriess,  böse,  de  Wrehse. 
funk,  dunkel,  de  Juiike. 
Ijägt,  licht,  de  Ljügte. 
rien,  rein,  de  Riene. 


bliek,  bleich,  de  BHeke. 
worin,  warm .  de  Wärmde. 
läi,  lau,  de  Laie. 
Hess,  leid,  de  Liese, 
grrw,  schnell,  de  Gaive. 
shrädd,  schräg,  de  Shrädde. 
iieesh,  zart,  de  Neeslie. 
rögt,  recht,  de  Rogte. 
ripp,  reif,  de  Rippe, 
wass,  gewiss,  de  Wasse. 
wäjtt,  nass,  de  Wäjtte. 

Auf  ense. 

de  Fierense,  die  Ferne, 
de  Grottense,  die  Grösse. 
de  Lickense,  die  Gleichheit, 
de  Tjöckense,  die  Dicke. 

Auf  eise. 

de  Trinnelse,  die  Runde. 


§.  54.     Ohne  bestimmte  Endungen: 
bliek,  bleich,  jö  Bliek.  shu,  scheu,  jö  S/ni. 


sier,  wund,  weh,  jö  Sierk. 
kijtt,  heiss,  de  Hdjtt. 
brijd ,  breit,  de  Bräjt. 
seeft,  sanft,  jö  Seeft. 
hiileiv,  halb,  de  Hällewt. 
nk ,  weich,  jö  Uk. 
lack,  leck,  de  Lack. 
flät .  platt,  jö  Plät. 


düjdd,  todt,  de  Düss. 
wäir,  wahr,  de  Wjürd. 
wjärt,  werth,  de  Wjärt. 
segt,  seicht,  dat  Sagt, 
rögt,  recht,  dat  Rögt. 
näi,  neu,  dät  Näis. 
diep,  lief,  dät  Diep. 
sliör,  steil,  dät  Sliör. 


75 

wäjll,  nass,  de  Wäjt.  läig ,  leeg,  dät  Läiget. 

lick,  gleich,  dät  Liclmiss.  üjll,  alt,  dät  ^ller. 
swänger,  schwanger,  dat  Swän-      erm,  arm,  jö  Ermäujd. 

gershapp.  gemien,  geraein.  Gemienshapp. 

surr   und  sörv,   sauer,   de  Sür-      /töl,  hohl,  dät  Haaling. 

ring  und  de  Sörring.  krumm,  krumm,  jö  Kröming. 

blög,  blöde,  jö  Blöged.  äiwen  ,   s.  die  Anmerkung,  de 

jung,  jung,  jö  Jöged.  AiivnerK 
htig,  hoch,  dät  Hiiget. 

§.  55.  Auf  Iiäid  endigen  sich  folgende  ,  als  :  blick  ,  bleich , 
blass,  jö  Bliekhäid;  lenn,  dünn,  jö  Tennliäid;  hall,  hell,  jö  Hall- 
hatd,  U.S.W.  Auf  dieselbe  Weise  werden  aus  nachstehenden  Ad- 
jectiven  Substantive  gebildet,  als:  spass,  spitz;  füll,  voll;  äiiven, 
sachte;  lick,  gleich;  äien,  eigen;  fräck,  frech;  wiss,  klug,  weise; 
lidi'd,  hart;  nögen,  genüglich;  swäck,  schwach;  glöbsli ,  ungestüm, 
grimmig,  dän.  glubsk;  hillig,  heilig;  glatt,  knäp,  knapp,  genau, 
kaum ;  suhrt ,  schwarz ;  täaig ,  gricklich ;  fug ,  bange ;  fähg ,  feige ; 


1  Die  aus  Adjectiven  gebildeten  nicht  persönlichen  Hauptwörter 
auf  e,  sind  alle  weiblich,  als:  die  Kälte,  Nähe,  Länge,  Kürze, 
Weite,  Enge,  u.  s.  w. ,  die  friesischen  dagegen  alle  männlich.  De 
Gänse  wird  so  gebraucht;  äiijn  'e  Gause,  in  der  Güte;  de  Licke: 
dö  fdnst  nög  dän  Lickc ,  du  findest  schon  deines  Gleichen;  dät  hct 
ja  nän  Lickc,  lickent  nint,  gleicht  nichts,  u.  s.  w.  De  Diepe  oder 
Diepde  ist  die  Tiefe,  dat  Diep,  das  Tief,  nd.  dät  Deep,  z.B.  das 
sijlter  Tief  bei  der  Insel.  De  Hugdc,  die  Höhe,  dat  Huget,  sanfte 
Anhöhe;  de  Läigde,  die  Niedrigkeit,  dät  Läiget,  die  Niederung, 
die  Seichte  des  Bodens;  de  Wrehsc,  der  Zorn,  dän.  en  Vrede, 
engl,  wrath:  de  Junke:  ävjn  'e  Junke,  im  Dunkeln;  äujn  'e  Ljägte 
stäujnnen,  einem  im  Lichte  stehen;  äw'e  Riene  ivesen,  aufs  Reine 
gekommen  sein;  dät  Lauert  läit  aw  ' e  Blicke ,  ist  ausgelegt  zum  Blei- 
chen, jö  Bliek,  die  Bleiche,  als  Platz  des  Bleichens;  äujn  'e  Laie 
stäujnnen,  im  Lauen  stehen;  äujn'e  Gdwe,  in  der  Geschwindigkeit; 
neesh,  zart,  von  der  Haut,  z.B.  zwischen  den  Schenkeln  und  Fin- 
gern, daher  de  Neeshe,  die  Zarte  der  Haut,  oberdeutsch:  nicsch 
und  nicschc,  d.i.  sanft  abschüssig.  Drieg,  dän.  dröi,  vcrschlag- 
sam,  was  lange  vorhält,  2.  schwer,  beleibt,  u.  s.  w.  Aiv'e  Wässe 
Wesen,  einer  Sache  gewiss,  davon  überzeugt  sein.  Bc  Bräjt,  die 
Breite;  jö  Brijdd,  ein  ganz  breiter  Acker,  das  Gebreitc;  deWäjtte, 
die  Nässe,  de  Wäjt,  das  Nass;  dät  Sägt,  die  Seichte,  auch  das 
Ziel,  und  das  Zielkorn  an  der  Flinte.  Dat  Näis,  etwas  Neues,  die 
Neuigkeit;  blög,  blöde,  jö  Blöged,  die  Schaam,  die  Schäme;  de 
Äiwner,  das  Mittelstück  der  Wage  an  der  Deichsel. 


74 

trong,  angsl;  angst ,  dasselbe;  smuck,  schmuck;  trinn,  rund;  klöuim, 
klamm;  käim,  zimperlich,  spröde  von  Mädchen;  shäier,  spröde  z. 
B,  vom  Glase ;  slierig ,  kosig  ,  sclimeichlerisch  ;  samper ,  zimpcr . 
fein  und  zurückhaltend  beim  Zulangen;  liämper,  hart  in  der  Rede; 
kier,  kür;  trat,  müde;  äim,  d.wund,  2.  weichlich ;  äimkräim,  dän. 
ömskindet,  zu  empfindlich  an  der  Haut;  tagt,  dicht;  kränk,  krank; 
twmi',  quer;  wälsh,  welsch,  d.  i.  quersinnig;  läjtt,  klein;  grof, 
grob;  dumm,  dumm;  lömm,  lahm;  hält,  hinkend;  rög ,  rauch, 
wollharig;  kahl,  kahl;  satt,  satt;  njöl,  schwerfällig; ^/«m/?,  plump; 
fühl,  1,  boshaft,  2.  faul  vom  Fleische;  lumsh,  tückisch;  lüss,  los; 
sti/f,  steif;  päll,  fest  an;  stup,  dicht  an;  fätt,  fett;  fast,  fesl;  mun- 
ter, munter;  wiecker ,  wacker;  mägei',  mager;  säker,  sicher;  hüd- 
der,  heiter;  Idckcr,  lecker;  säig ,  zähe;  nägel,  nackt;  bär,  bloss, 
bar;  mürrig,  mürbe;  dir  ig ,  arg;  äujnnet,  ungezogen;  fähs,  unar- 
tig von  Kindern;  hüss,  heiser;  äiwen,  1.  eben,  2.  leise;  gröttem, 
laut;  künnig-,  kundig;  Idbben,  lebhaft,  lebendig;  liderlick,  lieder- 
lich; länig ,  biegsam;  smiesig ,  geschmeidig;  lustig,  lustig;  rigtig , 
richtig;  wigtig ,  wdgtig,  gewichtig;  tvill,  wild;  meek,  zahm;  meek- 
lick.  gemächlich;  mjdlick ,  eingeengt,  kümmerlich;  ivädderlick,  wi- 
derlich; umüick,  freundlich;  gründlich,  freundschaftlich;  aagtern, 
nüchtern;  ähsrig,  nüchtern  d.  h.  nicht  betrunken;  dgt,  echl;  sldmm, 
1.  schlimm,  2.  klug,  gescheidl;  snüss,  nett,  sauber,  flink;  snaiid, 
schnöde;  flink;  snall,  1.  schnell,  2.  pfiffig;  shlunken,  eingefallen, 
vom  Bauche;  slöpp,  schlaff,  von  einem  Einlegemesser,  wenn  es 
im  Stifte  wackelt;  bull,  stumpf  an  der  Schneide;  ewig,  ewig;smeel, 
schmal;  snuirig,  schnurrig;  shnaask,  schnakisch;  snäwsk,  rotzig, 
von  Pferden;  ndll,  stössig  von  Rindern  und  Böcken;  spötsh,  spöt- 
tisch; trau,  treu;  klär,  4.  klar,  2.  fertig;  fraam  ,  fromm;  mötig , 
geschäftig;  däsig ,  albern;  grültsh ,  aufgeblasen;  stvdhsen,  gesengt, 
angebrannt;  snäsig ,  schneidig,  pfiffig;  steil,  steil;  stramm,  straff; 
tönnn,  zahm;  hall,  heW;  hall,  gerne;  s/rmj,  1.  stark,  von  Gewürzen 
und  geistigen  Getränken,  2.  strenge,  von  Menschen;  stmyim ,  stumm ; 
hijnn,  schlecht,  geringe;  grimmig,  grimmig;  räirig ,  rührig;  ätnen, 
offen;  shief,  schief;  ihrlich,  ehrlich;  fair,  stark;  möglick,  mög- 
lich; wieh ,  übel  zum  Erbrechen;  bäish,  bitter  schmeckend;  duf, 
laub;  blinn,  blind;  rd,  roh;  räsh,  rasch;  rien,  rein;  glijnn,  glü- 


75 

hend;  gremet,  schmutzig,  russig;  öwcl,  übel;  ndw,  genau,  knicke- 
rig; blank,  blank;  hdltcr ,  bitter;  s/idrp,  scharf;  wälig ,  wältlig, 
stark;  strujf,  straff;  rienlick,  reinlich;  rdiUick,  redlich;  saalig,  se- 
iig; sälig,  albern;  sdllcn,  selten;  sidil,  zu  weit  lierabhangcnd,  von 
Kleidern;  glübsh,  reissend,  grimmig;  fälsh,  falsch;  slörrig,  fahr- 
lässig; slänk,  schlank;  rank,  rank;  dristig ,  dreist;  swäjtt,  süss; 
fldw,  flau;  smdgtig ,  schmächtig;  Idgt,  leicht;  laai,  faul,  träge; 
spie,  zart,  von  neugebornen  Kindern;  i/mlick,  einzeln;  ihnsaam, 
einsam;  spärsaam,  sünig,  sparsam;  fugtig ,  feucht;  orkel,  ungestüm 
vom  Wetter;  slöiiig ,  schleunig;  fier,  l.fern,  2.  zurückhaltend,  von 
Frauenzimmern  mit  vornehm  gezierten  Geberden;  stüjnsh,  hoch- 
mülhig,  höhnisch,  von  Frauenzimmern;  kief,  überdrüssig;  stäsig , 
slätig;  sivär-,  schwer;  hläckel,  verschossen,  von  Farben;  foss,  bär- 
beissig,  kurz  angebunden;  fri,  frei;  ndtt,  nett;  fjärsh,  i.  frisch, 
ungesalzen,  2.  süss ,  vom  Wasser ;  rü^',  verschwenderisch;  trü/f\  bei 
guter  Gesundheit;  tähs,  noch  ziemlich  gesund;  gläi,  glatt;  jämsh , 
bezeichnet  das  ßefinden  nach  durchschwärmten  Nächten,  katzen- 
jämmerlich; aardig ,  artig;  mal,  toll;  Idmplick,  i.  erträglich  schlecht, 
vom  Befinden;  2.  glimpflich;  auwerlänsh,  buchstäblich:  oberlän- 
disch, die  Weise  bezeichnend,  wenn  einer  sich  auf  eine  fremdar- 
tige Manier  hervorthun  will;  stump  oder  stumpel,  zu  kurz,  be- 
sonders von  Kleidern;  maai,  erträglich,  so  ziemlich;  raset,  faul, 
verfault;  wräweljyon  Schafen,  die  in  der  Brunst  sind,  von  Säuen: 
wru,  von  Stuten:  wdllig  (willig),  von  Kühen:  ägsen  oder  aagsen; 
äselick,  kläglich;  witt,  weiss;  suhrt,  schwarz;  rüjdd,  roth;  gölil, 
gelb;  gräin,  grün;  grd,  grau;  hrünn,  braun;  braucket,  bunt;  spaa- 
welt,  gelb  und  weiss  gesprenkelt;  spötet,  scheckig;  placket,  ge- 
fleckt; shrock,  sagt  man  von  den  Vögeln,  wenn  sie  keine  Eier 
mehr  legen  können,  und  von  Spielern ,  wenn  sie  kein  Geld  mehr  in 
der  Tasche  haben;  geest,  sieg,  güst,  gelt,  ist  eine  Kuh,  die  keine 
Milch  mehr  hat,  mäilk,  wenn  sie  Milch  giebt;  gäujd,  gut;  närig , 
erwerbsam,  besonders  in  kleinlichen  Dingen,  und  in  allen  er- 
werblichen Richtungen;  Iiäppig ,  erpicht  auf,  versessen  auf  etwas, 
besonders  auf  Erwerb  und  Gewinn;  shluck,  plötzlich  verlegen 
werden  z.  B. ,  he  ivürd  so  shluck;  träll,  n.  d.  drall,  fest  ge- 
dreht, von  Zwirn   u.  dergl.   2.  en  träll  Fömmcn,^  n.  d.  en  diallc 

10* 


76 

Deren,  stätsh .   stätig,  statisch,    von    Pferden,  die  nicht   von   der 
Stelle  wollen  K 

Bildung  des  Hauplvoortcs  aus  dem  Zeitworte. 

§.  56.  Von  den  bereits  oben  §.  30  angeführten  einsilbigen 
Hauptwörtern  ohne  bestimmte  Endungen  verdanken  folgende  ihre 
Enstehung  dem  Zeitworte,  als:  dät  Bäd,   von  hahsen;  dät  Bünn, 


*  Kier,  kür,  kürisch,  ist  hier  ein  reines,  kein  abgeleites  Ad- 
jectiv  und  wahrscheinlich  die  Wurzel  zu  küren,  die  Kur,  in 
Kurfürst,  Kurmark  u.  a.  Meek  ist  mit  tömm  sinnverwandt,  be- 
zeichnet aber  einen  höhern  Grad  der  Zahmheit  bei  Hausthieren, 
als  tömm.  Mötig,  ist  mit  dem  n.  d.  möten,  dän.  at  raöde,  et  Mode 
(die  Zusammenkunft)  und  dem  deutschen  »meuten"  verwandt,  und 
wird  so  gebraucht:  dät  sjögt  me  janner  so  mötig  ütt,  es  sieht  mir 
dort  so  bunt  aus,  wenn  z.  B.  viel  Menschen  bei  einem  Unfall  zu- 
sammen gelaufen  sind,  he  het  't  alt  so  mötig,  er  ist  immer  so 
geschäftig,  macht  so  viel  Aufhebens  von  etwas,  dät  sjögt  noch 
mötig  ütt,  das  sieht  noch  mühsam  aus,  die  Sache  steht  noch  im 
weiten  Felde.  Fair,  dän,  för  (1.  föhr)  ist  4.  stark  von  Körper- 
bau, 2.  von  Sachen,  dick  und  stark,  z.  B.  von  Balken,  im  Ge- 
gensatz von  klien,  tenn  und  siväck,  klein,  dünn  und  schwach; 
o.  sagt  man  bei  einem  Gewitter:  dät  ds  fair  Wähser.  Diesem  nach 
würde  die  Insel  Föhr,  die  Grosse  bedeuten,  da  sie  im  Nordfrie- 
sischen Fair  heisst,  wie  sie  denn  auch  wirklich  die  grösste  unter 
den  dortigen  Inseln  ist.  Greinet,  dän.  grimet,  mit  schwarzen  Strei- 
fen und  Flecken  im  Gesicht,  von  Kesselruss  u.  dergl.,  aus  dem 
dänischen  Grim,  der  Russ  an  Pfannen;  en  gremet  Ko  ,  eine  weiss- 
stirnige  Kuh  mit  schwarzen  Streifen.  Das  Wort:  klien,  dän.  klein, 
entspricht  nur  dem  deutschen  »klein"  in  der  Redensart:  kaurt  an 
klien  magen ,  kurz  und  klein  machen ,  n.  d.  kort  un  kleen  raaa- 
ken;  sonst  ist  es:  dünn  und  schwach,  aber  wieder  in  einge- 
schränkter Bedeutung,  indem  es  nur  von  runden  und  eckigen,  in 
die  Länge  gestreckten  Körpern  gebraucht  wird.  So  sind  z.  B. 
Beine,  Arme,  Finger,  Zweige,  Stäbe  u.  dergl.  klien,  wenn  sie 
dünn  und  schwach  sind,  dagegen  sind  Bretter,  Platten  u.  dergl., 
die  eine  breitere  Fläche  haben,  tenn,  dünn;  flöhsig ,  n.  flödig,  leicht 
und  schwach,  ist  mit  klien  auch  sinnverwandt;  swär.  jö  Swärk, 
schwer,  die  Schwere,  und  Wägt,  Gewicht  und  Wucht,  sind  nicht 
einsdeutig;  deMeke,  dän.  Mag,  ist  die  Gemächlichkeit.  Die  Adjec- 
tive  auf  f  lassen,  bei  der  Verlängerung,  diesen  Laut  in  w  über- 
gehen, wie  shief,  de  shiewe  Sträg,  der  schiefe  Strich;  jö  Blöged, 
s.  o.,  ist  erst  etwas  Reschämendes,  etwas,  dessen  man  sich  schä- 
men muss,  als:  dät  as  jd  en  Blöged,  2.  die  Blosse,  die  Schaam; 
jö  het  äi  so  faale,  däCs  har  Blöged  dirmd  shöle  kön,  sie  hat  nicht 
so  viel,  dass  sie  ihre  Blosse  damit  bedecken  kann. 


77 

de  Bijnn,  von  binnen,  binden;  de  Bielk,  von  bijlken;  dät  ^lik,  von 
ägen,  langsam  fahren;  jö  Bägg  von  hdggen,  bauen;  de  ßähs  von 
bitten,  beissen;  dät  Döf  yon  düwwen,  tunken;  jö  Dräft  von  driw- 
wen,  treiben;  de  Fäll,  jö  Fäll,  von  fällen;  jö  Fauhr  von  fairen, 
führen;  jö  Fähr,   von  fairen;  jö  Fäil  von  faden;  jö  F/»y/f  von 
flieen;  jö  /Väi  von  fräien;  jö  G/ö/t/  von  glaaieti,   glühen,   in  mW- 
glaaien,  ausglühen;  jö  Gräjdd  von  gfmiew,  dicht  wachsen;  de  Gripp, 
de  Grähp  und  de  GräM;e  von  grippcn,  greifen;  de  Göth  von  gijtten, 
giesscn;   de   Gong   von  gungen,  gehen;  dät  Greef,  jö    Grauf  von 
grewen,  graben;  de  Gäihs  von  gäisen,  düngen;  jö  Haur  von  /mM- 
ren;  jö  Hdx  von  haxen;  jö  //i«/;  von  hingen,  hangen  und  hängen; 
jö  üijll  von  hüjllen,  halten,  und  hijllen  wieder  von  jö  Hyll,  die 
Heide;  jö  Jagt  von  jagen;  dät  Jeß  von  jewen,   geben;   de  Kähr, 
jö  Kier  von  kieren,  kehren;  jö  Kiek  von  kieken,  gucken;  de  Klang 
von  klingen;  jö  Ä'/arf(^  von  klädden;  jö  Klamm  von  klammen;  de 
Knähp  von  knippen,  kneifen;  jö  Klatsch  von   klatschen,  mit  der 
Peitsche  knallen;  de  ämws^  von   kaanen,  können;  de  Ai/pp  von 
fcjtpjoew ,  kaufen ;  }ö  Lähs  von  /esew,  laden;  jö  Lfe  von  //«>?,  raiethen, 
dän.  at  leie;  de  Lupp  von  luppen;  jö  Licr  von  Heren,  lernen  und 
lehren;  jö  Mägt  von  magen  oder  maagen;  de  MttcA;  von  machen,  küs- 
sen ;  de  Matird  von  maurden;  jö  Mö/'/f  von  maßten ,  messen ;  dät  Mäiijtt 
von  mäjtten,  begegnen;  de  ^/j^cä;  von  mucken,  mucksen;  jö  Pleg  von 
plegen;  de  jPm/^'  von  puffen;  jö  Präiic  von  präiiven,  probiren,  prüfen; 
jö  Prung  von  prungen,  tauschen;  de  Riljdd  von  räjdden,  ratben, 
errathen ;  de  Rälnv  von  riwwen,  reissen ;  jö  Räihs  von  räisen,  reisen ; 
de  Rinn  von  renen,  regnen;  de  Ridd  von  ridden,  reiten;  jö  Rull 
von  rnllen;  jö  Rähg  von  ragen,  n.  d.  raaken,   dän.   at  rage;  jö 
Säjk  von  säikken,  suchen;  dät  Säjd  von  sim,  säen;  dät  Sägt  von 
sägten,  zielen,  2.  dät   Sägt  vom  Adj.  seg-f,  seicht,  die  Seichte  in 
einem  Acker,  kleine  Niederung;  dät  Sill  von  sillen,  fliessen,  trei- 
ben V.  n.;  jö  Shäiijn  von  shäien,  geschehen;  de  Shär  von  sheren, 
scheren,  schneiden;  de  Shin  von  shenen,   scheinen;   de  Shöt  von 
shijtten,   schiessen,   i.  mit  dem  Gewehre,   2.  der  Schössling  z.  B. 
einer  Weide,  einer  Haselstaude;  jö  Shiehs  von  shiescn,  scheiden; 
dät  Shöm'  von  shaamen,  schämen;  jö  Shöhl  von  shölen,  sich  ber- 
gen  vor  Ungewitter,   Schutz   suchen,   2.  furchtsam  herumschlei- 
chcn,  um  nicht  entdeckt  zu  werden;  dat  Shöf  von  shöwwen,  vor- 


78 

schieben;  jö  Shrdft  von  slir'nvwen,  schreiben;  de  Shräi  von  shräien, 
schreien;  jö  S/iräiv  von  shräwcn,  schaben,  scharren;  de  Släg  von 
sluhggen,  schlagen;  de  Slieck  von  derselben  Wurzel;  jö  Släjnk 
von  shlainken,  schlucken,  schlingen;  jö  SUng  von  slingen,  schleu- 
dern; dät  Toot  von  tijtten,  laut  schreien,  tosen;  de  T/iög  von 
tien,  ziehen;  jö  Wägt  von  ivegen,  wiegen,  wägen;  jö  Wägt 
von  Waagen,  wachen;  jö  Waal  von  wälen;  jö  Waag  von  waa- 
gen,  wagen;  dat  Wälrk  von  wirken;  de  Wiim  von  wäien,  we- 
hen; jö  Well  von  ivele?i,  ausruhen,  dän.  at  hvile;  de  Wräst  von 
wrilissen,  dän.  at  vride;  jö  Wäig  von  wäigen,  auf  und  nieder  wip- 
pen auf  einem  Brette,  in  einem  Boote  schaukeln;  jö  Stjäui  von 
stjäiijen,  in  einer  Schaukel;  jö  Wiilir  von  ivehren,  \.  sich  wehren, 
2.  abwehren,  daher  jö  Wälir  1.  die  Gegenwehr,  2.  Kraft,  Stärke; 
de  Wänsh  von  wänshen,  wünschen;  dät  Bali,  dat  Bilt  von  hüten, 
beissen;  jö  Blähs  von  blasen,  flammen,  v,  intr. ,  dän.  at  blusse, 
engl,  to  blaze,  Subst.  et  Blus,  a  blazing;  dat  ßör  von  boren;  dät 
Brak  von  bregen,  gebrechen;  de  Brägh ,  de  Brälk,  de  Bvöhk  von 
bregen,  brechen;  jö  Braalis  von  braasen,  braten;  de  Brand,  jö 
Brävjnn  von  brännen,  brennen;  jö  Daahs,  jö  /)w/«s  von  cluhggen, 
thun;  de  Döws  von  dönsen,  tanzen;  de  Drönk  von  drainken,  trin- 
ken; de  Drück  von  drücken,  drucken;  de  Druhm  von  driemen, 
träumen;  jö  Färf  von  faren;  de  Fängst  von  fangen,  fangen;  de 
Frösf  von  friesen,  frieren;  dat  Fri//  von  fresen,  sich  einfressen;  jö 
Gaahs  von  gißten,  giessen ;  de  /fäw  von  häwwen,  hauen ;  de  Wärk  von 
wärken,  auch  ivärrigen,  schmerzen;  de  Knall  von  knallen;  de  AVic/i 
von  kregen,  kriegen;  de  LäcÄ;  von  lacken,  lecken,  leck  sein;  jö 
Lien  von  lienen,  n.  d.  lenen,  leihen;  dat  Pack  von  packen,  1.  zu- 
sammen packen,  2.  sich  packen;  jö  /Ja?*  und  jö  Rö  von  rauen,  ru- 
hen; dät  iiiess  von  riesen,  dän.  at  reise  sig,  engl,  to  rise,  to  raisc; 
rudden,  dät  Riidd,  s.  o. ;  dat  Shjärd  von  slieren,  scheren,  schnei- 
den; dat  Shöf  s.  0.  dat  Sliüff,  dat  Ä'/n//  von  shöwwen,  schieben; 
de  Wdink  von  ivainken,  winken;  jö  Waait  von  waaiten,  winken; 
jö  Spaait,  de  Spaait  von  spaaiten,  spritzen;  jö  Slähiv  von  släwen, 
schleppen;  de  -S'näÄs  von  snesen,  schneiden;  dät  Snöf  von  snüiv- 
loen,  schnieben;  dat  Spdtt  von  spdhsen;  de  Spring  von  springen; 
de  iS/äAr/  von  siegen,  stechen;  dät  Sffc/c  von  stegen,  stecken;  jö 
Spann yon  spännen ,  spannen;  dät  Späi,  auch  Späiling ,  von  späien. 


79 

speien;  jü  Stjürr  von  stjürrcn,  steuern;  de  Spärk  von  spärken , 
slossen  mit  den  Füssen;  jö  Själl  von  själlen,  gleichen;  dat  Sjö/in 
von  sim,  sehen;  dät  Sjö/mk  von  sien,  sehen;  de  Splähs  von  splU- 
ten,  spleissen;  de  Slamp,  jö  Stämp  von  stämpen,  stampfen;  jö 
Slradd  von  slrädden,  grätschen,  engl,  to  stride;  de  Slijtt  von  sUjl- 
ten,  stossen;  de  Slridd  von  stridden,  streiten;  de  Sldip  von  släi- 
pen,  schlafen;  jö  Siviep  von  swiepen,  dän.  at  svöbe,  engl,  to  swaddle, 
einwindeln;  jö  Önturd  von  önturden,  antworten;  jö  Sivär  von  swä- 
ran,  dän.  at  sväre;  de  Tijnst  von  ticnen,  dienen;  de  Trähs,  de 
Trälis  von  tresen;  jö  Trmv  von  trätven,  traben';  jö  Twöng  von  twin- 
gen,  zwingen,  dän.  at  tvinge;  jö  W'mn  von  ivmnen,  winden;  jö 
Drägt  von  dregen,  tragen;  de  Stank  von  stjönken,  stinken;  jö  Sigt 
von  sien;  dät  Töch  von  tien;  de  Smälis  von  smitten,  schmeissen; 
jö  ^gt  von  ägten,  achten;  de  Ndck  von  nacken,  nicken;  dät  Spät 
von  späten,  spotten;  jö  Pägt  von  päglcn,  pachten;  de  Wägs  von 
ivägscn,  wachsen;  de  Strulimm  von  str ihnen,  strömen;  dät  Shöm 
von  5/mamew,  schämen;  de  Strägh  von  stricken,  streichen;  dät  Bödd 
von  bijdden,  bieten;  de  Knapp  von  knappen,  knipsen,  schnellen, 
also:  der  Knips,  der  Schneller;  de  Fünst  von  finnen,  finden;  de 
Shridd  von  shridden,  schreiten;  dat  Smeel  von  smelen,  lächeln, 
dän.  et  Smiil  von  at  smile;  dat  Spdll  von  spälen,  spielen;  de 
Spring  von  springen;  de  Stand  von  stänjnnen,  stehen;  de  Bjäws 
von  bjdwscn,  bellen,  dän.  at  bjäffe;  dät  Löf  \on  löiven,  \.  loben, 
2.  versprechen  (einem  etwas)  dän.  at  love;  de  Hä/ts  von  hähsen, 
hassen;  de  Shrdck  von  shracken,  schrecken;  dat  oder  jö  ^rw  von 
ärwen  [ihrwcn]  erben;  jö  Bugt  von  bic-en,  biegen;  de  Rebb  von 
rebben,  rülpsen,  dän.  at  räbe;  da  Nucke  pl. ,  von  nocken,  dän.  at 
hikke,  schlucksen,  engl,  to  hickup;  dät  Kiff  von  kiwiven,  keifen; 
de  Kamp  von  kempen,  kämpfen;  de  Glälis  von  glidden,  gleiten; 
jö  Fäifts  von  fäjdden,  dän.  at  föde,  ernähren,  engl,  to  feed,  a 
food;  jo  Häitv  von  Iiäiiven,  wähnen,  vcrmuthen;  jö  Kloß  von  klie- 
iven,  klieben;  jö  ////  von  ililen,  eilen;  dat  S/irubb  von  shrubben, 
kratzen,  die  Krätze;  de  Berigt  von  bäirigen,  bergen;  jö  Bäick 
von  bäicken,  beuclien;  de  Stäp  von  stüpen,  stapfen;  de  Hack,  jö 
Hack,  von  hacken,  hacken;  jö  Läjtt  von  läjlten,  lassen;  de  Bjärst 
von    bjärsten,   bersten;  jö    Bräjdd    von    bräjdden,   brüten,    engl. 


80 

lo  brood   und  to  brecd;   jö  Lö/ir   von   lören,   (lörren)   lauern;   de 
Graup  von  grewen,  engl,  groop '. 

§.  1)7.  Folgende  endigen  sich  aulc,  als:  de  Luwe  von  liewen, 
glauben;  de  Spräike  von  spregen,  sprechen;  dat  Alise  von  ähsen, 
essen;  dat  Drdinke  von  drainken,  trinken;  de  Spilisse  von  spihs' 
sen,  speisen;  de  Ihre  von  ihren,  ehren;  de  Tjöge  von  tjögen, 
zeugen,  der  Zeuge;  de  Tagte  von  tanken,  denken;  de  Fräthe 
von  fresen,  fressen;  de  NJütte  von  njütten,  nutzen;  de  Läne  von 
länen,  lehnen;  de  Söpke,  von  süppen,  nd.  supen,  saufen;  de  Grä- 


*  Dät  Bitt,  ein  gehauenes  Loch  im  Eise  (eine  von  selbst  o£fen 
gebliebene  Stelle  ist:  jö  Wdnwaag,  die  Wuhne);  däl  Batt ,  die  Pfei- 
fenspitze; de  liähs,  1.  der  Biss,  2.  die  Schärfe  einer  Schneide;  jö 
Daahs,  die  That;  jö  Düjns,  viel  Wesens;  de  Drück,  der  Druck 
eines  Buches,  drücken  ist  krögen;  jö  Greft,  ein  Graben  um  den 
Warf;  dat  Lddd,  die  Stürze,  Topfdeckel,  zum  Pfeifenkopf:  dät 
Hütt,  sonst  de  Dackel;  jö  Bau  und  jö  jRö  sind  völlig  gleichbedeu- 
tend; dät  Biess  wird  gewöhnlich  nur  von  Hausthieren  gebraucht, 
die  nicht  mehr  aufstehen  können,  als:  jö  Ko  as  fönt  Biess,  die 
Kuh  ist  von  den  Beinen;  dät  Shuf,  eine  Gabengarbe.  Wdinken 
und  waaiten  sind  beide  winken,  sind  aber  nicht  völlig  gleichbe- 
deutend. Waaiten  kann  nur  mit  der  Hand  und  dem  Arme,  mit 
dem  Hute,  einem  Tuche  und  dergl.  geschehen;  wdinken  dagegen 
auch  mit  einem  Finger,  mit  den  Augen,  und  de  Wdink  kann 
sogar  durch  Worte  gegeben  werden.  Jö  Waait,  die  Winke,  ist 
ein  weisses  Laken  auf  einer  Stange  an  einem  Ende  des  Hauses 
aufgestellt,  um  damit  die  Arbeiter  vom  Felde  nach  Hause  zu 
winken,  wenn  die  Hausfrau  das  Essen  gekocht  hat.  De  Sndhs, 
ist  l.eine  Schnitte  Brot,  2.  der  Pfiff;  daher  sndhsig ,  pfiflig,  schlau. 
Dät  Stick  ist  der  Griffel,  Schieferstift;  jö  Spann,  die  Spanne,  dat 
Spann,  das  Gespann.  Jö  Stjürr,  hüjll  Sijürr!  halte  Steuer,  oder 
steure  der  Unart,  dän.  hold  Styr.  Själlen  ist  mh  licknen  ver- 
wandt, und  wird  so  gebraucht:  dät  sjället  jd  nint,  oder  dirr  as  nijn 
Själl  äiijn,  es  gleicht  ja  nichts,  ist  kein  Sinn  darin.  Dät  Sivijtt 
\on  stvdttcn,  schwitzen,  wird  auch  vom  Blute  geschlachteter  Thiere 
gebraucht.  Onlurden  und  sivären,  so  wie  jö  Önturd  und  dat  Sivar, 
sind  sinnverwandt.  De  Trähs,  der  Tritt,  däTrähse,  die  Trethölzer 
am  Webstuhle  u.  s.  w.  De  Strähg ,  i.  der  Strich,  2.  der  Streich; 
de  Glähs:  nö  ds  'tdw'e  Gldhs,  dän.  nu  er  det  paa  Glid ,  nun  ist  es 
auf  der  Gleite,  nun  geht's.  Jö  Kluft,  etwas  Drolliges,  Possierli 
ches;  de  Berigt,  die  Ernte;  jö  Läjtt,  jö  släit  so  to  Läjtt,  sie  ge 
behrdet  sich  so  zum  Scheine,  dass  es  lassen  soll,  als  ob  u.  s.  w 
Jö  Bräjdd,  4.  die  Brut,  als:  en  Bräjdd  Sjöcklinge,  eine  Brut  Küch 
lein,  1.  engl,  brood,  2.  to  breed,  2.  die  Braut,  nd.  Brut,  dän 
Brud,  engl,  bride.  Loren  und  lörren,  so  wie  jö  Lahr  und  ']öLörr, 
lauern,  die  Lauer,  sind  in  der  Bedeutung  nicht  verschieden. 


81 

we  von  grippen,  nd.  gricpcn,  greifen;  de  Bare  von  bereu,  alld. 
baren,  dän.  al  bare,  nd.  boren,  engl,  to  bear;  de  Böge  von  bien, 
biegen;  de  Dümpede  von  dumpen,  — ;  de  Frage  von  fragen;  de 
Plage  von  plagen ,  — ;  de  Fräude  von  fräuen ;  de  Röive  von  riiviven , 
reissen,  kratzen;  de  Pähse  von  passen,  pissen;  de  Graushe  von 
gräien ,  wachsen ,  dän.  at  groe ,  engl,  to  grow ;  de  Klage  von  klagen ; 
de  PJärse  von  pjärsen,  pressen;  de  Slälise  von  slülden,  schlittern, 
glitschen;  de  Slörre  von  slörren,  hinstehen  lassen;  de  Smäge  von 
smagen,  schmecken;  de  Swöme  von  sivömen,  schweimen;  de  Laiike 
von  laiiken,  lugen;  de  Gaave  von  gäiven,  geben;  da  Wäivle  pl.,  von 
wewen,  weben;  de  Döjnte  von  duhggen;  de  Rüge  von  ragen,  nd. 
raaken,  dän.  at  rage,  engl,  lo  rake;  de  Stippe  von  stippen,  stüt- 
zen ;  de  Krömpe  von  krömpen,  krumpfen  ;  de  Gäre  von  garen, 
gären;  de  Knote  von  kneten;  de  Kempe  von  kempen,  kämpfen;  de 
SItäse  von  sliäsen,  schaden;  de  Bere  von  fceren,  gebehrden,  pl.  da 
Bere,  die  Gebehrden;  de  Stäpe  von  stäpen,  stapfen;  de  Jewe  \on 
jewen,  in  Näiihrsjewe,  Neujahrsgabe;  de  Färe  von  fären,  die  Ge- 
fahr; de  Mäjtte \on  mäjtten,  messen;  de  Liewde  von  liewen,  lieben; 
de  Rese  von  7'esp«,  Rede  stehen;  de  Spijlle  von  spijllen,  dän.  at 
spile ,  aufspeilern;  de  Tage  von  /cAe«,  decken,  ein  Dach  legend 
§.  58.     Nur  wenige  endigen  sich  auf  en ,  ent  und  el,  als :  dat  Wäsen 


1  Liewen  ist  sowohl  glauben  als  lieben;  das  sinnvollste  Wort  in 
der  nordfriesischen  Sprache,  denn  aus  diesem  Worte  bildet  sich 
de  Liewde  und  de  Liiwe,  die  Liebe  und  der  Glaube,  aus  einer 
Wurzel,  im  Friesischen  als  unzertrennliche  Brüder,  ins  Deutsche 
übersetzt  als  untrennbare  Geschwister.  Ich  habe  mich  nicht  ent- 
halten können,  diese  Bemerkung  zu  machen.  Im  Friesischen  sind 
beide  männlich ,  und  also  Brüder,  im  Deutschen  männlich  und  weib- 
lich, daher  Geschwister.  Liewen,  glauben  und  lieben,  ist  im  Frie- 
sischen eins  durch  alle  Zeitformen  des  Verbums.  Gott  gebe,  dass 
es  auch  durch  alle  Zeilen  und  bei  allen  Völkern  bis  in  Ewigkeit 
so  wäre,  und  Menschenthum  und  Christenthum  nur  Eins  sein  möch- 
ten !  —  Dumpen ,  sich  rücklings  niederwerfen  ,  daher  de  Dümpede. 
De  Slälise,  der  Schlitten.  De  Slörre,  das  Schlendern,  die  Fahr- 
lässigkeit. De  Laiicke,  der  Blick:  Iie  het  aji  ßlen  Laucke ,  er  hat  ei- 
nen bösen  Blick,  man  sieht's  ihm  an,  dass  nichts  Gutes  in  ihm 
steckt.  De  Bäge  von  ragen,  i.  zur  Seite  oder  herunlerschieben, 
2.  herumtappen,  wie  im  Finstern,  3.  rasiren  ,  scheren,  4.  faseln, 
von  Kranken,  die  irre  sind.  In  der  letzten  Bedeutung  sagt  man 
von  irreredenden  Kranken  und  Sterbenden;  Dül  as  äwen Rage  ma 


82 

von  Wesen,  sein;  jö  Lägen  von  Ijaagcn ,  lügen;  dat  Läwent  von 
läwen,  leben;  de  Kraingel  von  kringen,  die  Kringel,  Brätzel;  de 
Swämgel  von  sivingen;  dät  Kriiwel  von  krmveln,  kriechen;  de  Rakel 
von  reken,  recken;  de  Grüppel  von  grewen,  graben;  jö  Häwel,  der 
Hobel,  von  häwen,  heben;  dät  Räiel  von  räien,  aneinander  reihen, 
daher  de  Räiträjd,  der  Reidraht;  dat  Spännräiel,  Spinnenwebbe ; 
de  Tögcl  von  tien,  ziehen;  de  Rögel  von  bien,  biegen;  jö  Spdndel 
von  spannen,  spinnen;  de  Dackel  von  dacken,  decken;  jö  Kapsel 
von  kappen;  jö  Raingel  von  raingeln;  de  V^äcÄ-se/  von  wacksein, 
wechseln  *. 

§.  59.  Folgende  endigen  sich  auf  ing  und  ling ,  als:  jö  Hijlling 
von  hiijllen ,  halten ,  die  Nachgeburt  bei  Thieren ;  dät  Wälling  von 
wällen,  aufwallen  am  Feuer,  dän.  Velling,  dünne  Grütze,  Milch- 
suppe; de  Pläfisr'mg  von  pläsern,  plätschern;  de  Knöivring  \on  knö- 
wem,  knopern;  de  Wällering  von  wällern,  wällern;  dal  Tällng  von 
tälen,  hillen,  die  Hille  legen;  de  u/rwing  von  ärwen ,  erben;  jö 
Tiekning  von  tieknen,  zeichnen;  jö  Liesin g ,  wie  in  Wä/iserliesing , 
die  Wasserlösung,  Wasserleitung,  von  liesen,  lösen;  jö  Shiesing  von 
shiesen,  scheiden,  wie  in  Lönshiesing ,  Land-  oder  Feldscheide;  jö 
Gräwing  von  greiven,  graben,  ein  grosser  Wassergraben  um  den 
Warf,  »de  Wäii'ew",  und  ein  Bach  im  Risummoor,  der  in  Lind- 
holm jö  Lönshiesing  genannt  wird.  Ferner:  jö  Rüing  von  büen, 
arbeiten,  der  Frühlingsfeldbau;  jö  Rähsring  von  bähsern,  bessern; 
jö  Hijlling  von  Mjllen,  neigen ;  jö  Dicling  von  dielen,  iheilen ;  jö  Tering, 
Täring  von  tcrcn,  zehren;  jö  Hieling  von  kielen,  heilen ;  jö  Aaning  von 
aawew,  ahnen;  jö  Dölissing  yon  döhssen ,  deuten;  jö  Annering  von  an- 
nern,  ändern;  jö  Näring  von  neren,  nähren;  jö  Rädning  von  radden, 
reiten;  jö  Ißming  von  ijnnen,  enden;   jö  Apdeging  von  apdegen. 


kam,  er  faselt  schon;  ferner  wenn  ein  Zustand  oder  die  Lage  eines 
Menschen  sich  vcrschlinuncrt.  De  Stäp,  ein  langer  Schritt,  der 
Siapf;  de  Stäpe,  der  Eindruck  vom  Fusse,  die  Stapfe.  Kneten  ist 
einen  Knoten  schürzen;  knesen,  kneten,  den  Teig  bearbeiten.  Jö 
Mäjtt ,  ist  das  Maass ,  de  Mäjtte ,  die  Maassc,  wie  in :  über  die  Maassen , 
mit  Maassen;  Inder  Redensart:  toMäjüe  kamen,  ist  es:  übel  anlau- 
fen ,  wenn  man  z.  B.  einen  werthvollen  Gegenstand  beschädigt  oder 
zerbricht. 

'  Die  unter  §.  4G  angeführten  Wörter    auf  ehe,  als:  Tdckelse, 
Tünnelse  u.  s.  w.  sind  alle  zeilwörtlicher  Abstammung. 


85 

entdecken;  jö  Regienng  von  regieren;  jö  Stiering  von  stieren,  stö- 
ren; jö  Forlclli7ig  von  forlollen,  erzählen;  jö  Telling  von  teilen, 
zählen;  jö  Betäling  von  hetälen;  jö  ßeställing  von  bestallen,  bestel- 
len; jö  Forstöpping  von  forstöppen,  verstopfen;  jö  Forsägling  von 
forsägeln,  versiegeln;  jö  Sijnning  von  sijnnen,  senden;  jö  Wij?i- 
ning  von  wijnnen,  wenden;  jö  Apfäiring  von  ap fairen,  aufführen; 
jö  Beräiring  von  beräiren,  berühren;  jö  Beshaaming  von  beshaa- 
men,  beschämen;  jö  Beswäring  von  beswären  ,  beantworten  ;  jö 
Rähkning  von  rägnen,  rechnen;  jö  Ldnnering  von  lannern,  lindern; 
jö  Tieing  von  tie-en,  ziehen;  jö  Sclting  von  selten,  setzen;  jö  Aujn- 
wihssing  von  äujnwihssen,  anweisen;  jö  Fordring  von  fordern  (for- 
digen); jö  Stdlling  von  stallen,  stillen;  dät  Ställing ,  das  Gestell, 
Gerüst;  jö  Gjärsing  von  gjärsen,  grasen  und  grasen;  jö  Beshriio- 
wing  von  beshriwwen,  beschreiben;  jö  Betiening  von  betienen,  be- 
dienen; dat  Späiling  von  späten,  speien.  So  auch  aus:  formaanen, 
ermahnen;  forwunnern,  verwundern;  mienen,  meinen;  fairen,  füh- 
ren; feilen,  füllen;  kieren,  kehren;  spännen,  spannen;  öiven,  üben; 
wihssen,  weisen;  begeren ,  begehren;  bes/ieren,  bescheren;  mal- 
den,  melden;  Innen,  lohnen;  li'men,  löhnen  u.  s.  w.  In  einzelnen 
Fällen,  wenn  die  Stammsilbe  des  Zeitwortes  sich  auf  d  oder  t 
endigt ,  wird  der  Endung  ein  n  vorgeschoben ,  wie  in  Rdddning 
von  radden,  Forivältning ,  Foräujnstaltning ,  was  aber  selten  vor- 
kommt '. 

§.  GO.     Folgende   endigen   sich   auf  er ,   als  :    de   Driwwer  von 
driwwen,  treiben.  So  auch  aus:  shriwioen,  schreiben;  rögten,  rich- 


1  Hijllen,  dän.  at  beide,  im  Oberdeutschen  halden  ,  sich  nei- 
gen, daher  nun:  jö  Tänn  läil  aw'e  Ilijlling,  die  Tonne  liegt  auf 
der  Neige;  das  zweite  hijllen,  von  jö  Hijll ,  die  Heide,  Halte, 
Fussfcssel  der  Pferde,  ist:  den  letztern  dieselbe  anlegen.  Jö  Te- 
ring  wird  auch  für  Auszehrung  gebraucht.  Jö  Näring ,  i.  Nah- 
rung überhaupt,  2.  guter  Erwerb,  Verdienst  u.  s.  w.  i'o  Bestdlling 
gilt  sowohl  für  Bestellung,  als  Bestallung  eines  Beamten.  Dat  Stdl- 
ling von  stdllcn,  stellen,  als  dat  Swdckstdlling ,  das  Zweckgestell 
einer  Windmühle.  Spdiling  ist  das  Ausgespieene;  dat  Späiling 
von  späilen,  spühlen,  ist  das  Spülicht,  dän.  Spöl  (1.  Spöhl).  Be- 
sheren  ist  1. bescheren,  miilheilcn,  geben,  2.  bescheeren  mit  dem 
Scheermesser  oder  überhaupt  beschneiden.  Spännen  ist  von  spän- 
nen, spinnen,  wohl  zu  unterscheiden,  so  wie  jö  Spann,  die  Span- 
ne, von  dat  Spann,  das  Gespann. 


84 

len;  kännen,  kennen;  spälen,  spielen;  sömmeln,  sammeln;  lesen, 
lesen;  prälen,  prahlen;  jrtrfrfen,  jäten:  liieren,  hören;  stieren,  stö- 
ren; Heren,  \.  lehren,  2.  lernen;  fdgten,  fechten;  dregen,  tragen; 
dönsen,  tanzen;  dräien,  drehen;  röchen,  rauchen;  smoken,  schmau- 
chen; slägfcn  (slägtigen)  schlachten;  süppen ,  saufen;  draijiken, 
Irinken ;  ähseti ,  essen ;  rädden,  retten ;  mingen ,  i .  mengen ,  2.  zaudern ; 
njäsen,  säumen,  zaudern j  tjäsen,  schwatzen,  waschen.  Ferner:  de 
Tjdwler,  der  Zänker;  de  Kreger  ,  der  Krieger;  de  Bonner,  der 
Flucher;  de  Sliijnner  ,  der  Schänder;  de  Tanker,  der  Denker; 
de  Maler  ,  der  Mahler  ;  de  Mäjtter  ,  der  Messer  ;  de  Släiper , 
der  Schläfer;  de  Brauner,  der  Brenner;  de  Leser,  der  Leser; 
Lauwer ,  der  Lader  ,  von  lamven,  Garben  und  Heu  auf  dem 
Wagen  zu  einem  Fuder  bilden  ;  de  Bdggei-  ,  der  Bauer  von 
Gebäuden  (der  Ackermann  ist  de  Bürre);  de  Händler,  der  Händ- 
ler; de  Bedreger,  der  Betrieger;  de  Gnieser,  der  das  Maul  verzerrt; 
de  Springer ;  de  Läker,  der  Lacher;  de  Helper,  der  Helfer;  de  Slip- 
per, der  Schleifer;  de  Stricker,  in  Lönstricker,  der  Landstreicher; 
de  Driemer ,  der  Träumer;  de  Fräier,  der  Freier;  de  Kläger,  der 
Kläger;  de  Brauer,  der  Brauer;  de  Stijtter,  der  Stösser;  de  Sie-er , 
der  Seher;  de  Sjunger ,  der  Sänger;  de  Tiener ,  der  Diener;  de 
Pägter,  der  Pächter;  de  Tjärs/icr,  der  Drescher;  de  Mager,  der 
Macher;  deGijtter,  der  Giesser,  u.  s.  w.  Man  kann  in  diesen  Haupt- 
Avörtern  eben  so  leicht  das  Zeitwort  wieder  erkennen,  als  das 
Hauptwort  aus  den  vorigen  Zeitwörtern  bilden. 

§.  61.  Folgende,  derselben  Wortbildung  angehörig,  sind  in 
Form  und  Bedeutung  mehr  oder  weniger  unregelmässig,  als:  de 
Liiper  von  lupen ,  reg.  de  Löper  von  hipcn,  laufen,  das  Schnellkü- 
gelchen,  der  Schüsser;  de  Setter  von  settcn,  setzen,  i.der  Setzer, 
2.  eine  flache  Milchschüssel,  nd.  die  Satte,  Sette;  de  Ljögter  von 
ijügten,  die  Leuchte,  dagegen  ist  der  Leuchter:  de  Stäujnner  von 
stävjnnen,  stehen,  also  wörtlich:  der  Steher;  de  Gljärder  von  glid- 
den,  gleiten,  der  Brotschieber  der  Bäcker;  de  Plumper  und  de 
Pulsher  von  plumpen  und  pulshen ,  die  Störstange;  de  Wihsser  von 
wihssen,  der  Weiser  überhaupt,  wie  in  Wäiwilisser,  Wegweiser, 
2.  der  Zeiger  an  der  Uhr;  de  Stornier,  der  Ständer,  von  stäujnnen; 
de  Twitter  von  Iwittcn,  schnitzen,  der  Schnitzer:  en  flinken  Twitter , 
ein  flinker,  junger  Bursche;  de  Böger  von  bögen,  klopfen,  bläuein, 


8Ö 

der  Bläuel  zum  Bläuein  der  Wäsche;  de  Kluseböijer ,  auch  der 
Klopfer  oder  Hammer  an  einer  Thür;  de  Slicrer  von  slterc7i ,  schnei- 
den, wie  in  Faas/ierer,  Vorschneider;  de  Slijärder,  der  Schnitter, 
aus  derselben  Wurzel;  de  Fäger  von  fägen,  rasch  von  der  Hand 
arbeiten,  dän.  at  figc,  mit  der  Arbeit  eilen;  fägen  ist  fegen,  daher 
de  Fäger,  z.B.  in  Shörstijnfäger ,  Schornsteinfeger;  de  Slömper  von 
stämpen,  stampfen,  der  Ladestock;  de  Ridder  von  ridden,  1.  der 
Reiter,  2.  der  Ritter,  3.  das  Reitpferd;  de  Rötter  oder  liüller,  der 
Reuter  (Husar);  de  Ringster  von  ringen,  läuten;  de  Ränsler  von  rä- 
nen,  rennen ;  de  Grewster  von  grewen,  der  das  Grab  gräbt ;  de  Wäivster 
von  wewen,  weben;  de  Häjnger,  der  Henker,  von  hingen;  de  Drön- 
ker,  der  Säufer,  von  dräinken,  trinken;  de  Süpper  von  süppen, 
saufen,  dasselbe;  de  Teller,  der  Zähler,  von  ^e7/ew ,  zählen ;  de Ndn- 
ner,  der  Nenner;  dät  Tänner,  der  Zunder,  von  tijnnen,  zünden, 
dän.  Tönder,  engl,  tinder;  de  Kieker  \on  kieken,  gucken,  daher  das 
Fern-  oder  Sehrohr;  de  Jäger  von  jagen;  de  Maurder,  der  Mörder,  von 
mjärden,  morden;  de  Shruoher,  der  Kratzbesen,  von  shrubhen,  krat- 
zen ;  de  Shicker  von  stucken ,  und  dieses  wieder  von  sluck ,  niederge- 
schlagen; de  erme  Slucker ,  der  arme  Schlucker;  de  Slubber,  ein 
Scheltwort  von  Sliibb,  dünner  Strassenkoth,  daher  slubbern,  wie 
die  Enten  im  Schlamme,  von  Menschen  gebraucht  für  schlürfen, 
ddn  grolle  Slubber!  du  grosser  Kothhahn!  oder  so  was;  de  Racker , 
der  Bäcker,  von  tagen,  backen  *. 

§.  62.  Die  Nachsilbe  äi,  deutsch  ei,  dän.  und  nd.  ie.  Sie  hat 
dieselbe  Bedeutung  wie  im  Deutschen  und  Dänischen  ,  und  ist 
meistens  sächlich;    nur  da,   wo  sie  den  Ort  der  Handlung  oder 


*  De  Kiltring,  dän.  en  Kjeltring ,  wollen  einige  von  dem  alten 
Volke  der  Gelten  oder  Kelten  herleiten.  Im  Friesischen  hat  man 
das  Zeitwort  kiltern,  sich  auf  eine  grobe  Art  mit  einander  herum- 
zanken und  dabei  überhaupt  eine  gemeine  Denkweise  verrathen; 
wie  Hunde  und  Katzen  mit  einander  leben.  Solche  Leute  sind 
im  Nordfriesischen:  Killringe.  In  der  Schweiz  heisstdas  sogenannte 
Fenstern  (im  Friesischen:  dä.1  Nägtlupen)  kiltern,  und  der  Killer 
oder  Fensterer  geht  auf  den  Kiltgang,  auch  Heimgärteln  genannt. 
Obgleich  nun  das  Fenstern  auch  bei  den  Friesen  Sitte  ist,  so  hat 
es  doch  mit  dem  Begriffe  Kiltring  nichts  gemein,  und  ich  muss 
daher  die  wahre  Abstammung  des  Wortes  hier  unentschieden  las- 
sen. Die  Zigeuner  in  ihren  Kneipen  stellen  ein  wahres  Bild  von 
Kiltringcn  dar. 


86 

den  Umfang  der  Ausübung  eines  Rechtes  bezeichnet,  steht  das 
weibliche  Geschlecht,  als:  jö  Lönshriwweräi,  die  Landschreiberei; 
jö  Braneräi,  die  Brauerei;  jö  Lönfaagedäi ,  die  Landvoglei  ;  jö 
Sukkerkögeräi ,  die  Zuckersiederei ;  jö  Prdwstäi,  die  Probstei;  jö 
Mäleräi,  die  Malerkunst;  jö  Präjtäi,  die  Predigt;  jö  Wäweräi,  die 
Weberei;  jö  BauMrücheräi ,  die  ßuchdruckerei ;  jö  Backeräi,  die 
Bäckerei;  jö  Slaaweräi  als  Aufenthaltsort,  sonst  dät  Slaaweräi; 
dät  Bedregeräi,  die  Betriegerei;  dat  Spöteräi,  die  Spötterei;  Tjaa- 
seräi.  Schwätzerei;  5/iereräi ,  Koserei ;  Smereräi,  Schmiererei;  Sldc- 
keräi,  Näscherei;  Baaseräi,  Raserei;  Mingeräi,  Zauderei;  Däsige- 
räi,  Albernheit;  Haxeräi,  Hexerei;  Drilleräi,  Prellerei;  Tjdiveläi, 
Zänkerei ;  Ruwcräi ,  Räuberei  ;  Tliieweräi ,  Dieberei  ;  Driemeräi , 
Träumerei,  u.  s.  w.  Die  sächlichen  Hauptwörter  auf  äl  führen 
meistens  den  Begriff  der  Geringfügigkeit,  wenn  nicht  gar  der  Ver- 
ächtlichkeit mit  sich,  was  bei  den  weiblichen  nicht  der  Fall  ist. 
§.  65.  Aus  dem  Infinitiv  jedes  Zeitwortes  kann  man,  wie  im 
Deutschen,  durch  Vorsetzung  des  Geschlechtswortes  dät,  ein  Haupt- 
wort bilden,  als:  dät  Laken,  das  Lachen;  dat  Dräinken,  das  Trin- 
ken; dät  Släipen,  Gängen,  Sjungcn,  Shriwiven,  Lesen,  Tiesen  (aus- 
einanderzupfen, dän.  at  täse) ;  dät  Gniesen  (Maulzerren);  Driemen, 
Träumen;  Ringen,  Läuten;  Lieren,  das  Lehren  und  Lernen.  Diess 
gestattet  der  Infinitiv  eines  jeden  Zeitwortes  ohne  Ausnahme. 

Bildung  des  Hauptwortes  aus  Bestimmungswörtern. 

§.  64.  Auch  aus  dem  Bestimmungsworte  (Adjectiv)  lassen  sich 
durch  den  blossen  Vorsatz  des  sächlichen  Geschlechtswortes  Haupt- 
wörter bilden,  als:  dät  (jjll  an  Näi ,  das  Alte  und  Neue;  dät 
Witt  an  Suhrt ,  das  Weisse  und  Schwarze ;  dät  Wäjtt ,  das  Nass , 
dagegen  de  Wäjl ,  die  Nässe ,  ä\i]n  e  Wäjtte ,  im  Nassen ;  dät  Aien 
as  bähsere  as  dät  Främd ,  das  Eigne  ist  besser  als  das  Fremde; 
dat  Bögt,  das  Recht;  dät  Diej) ,  die  Tiefe;  dat  Gäujd ,  das  Gut, 
U.S.W.  Aus  Fürwörtern  und  allgemeinen  Zahlwörtern:  dät  Min 
an  Din ,  das  Mein  und  Dein;  dät  FaaJe  an  dat  Läiet,  das  Viel 
und  Wenig;  dät  Sin  an  Hdrr ,  das  Seine  und  das  Ihre.  Aus  dem 
bestimmten  Zahhvorle  gehen  die  Namen  der  Zahlzeichen  hervor, 
als :   jö  Jjn ,  jö  Tfmg ,  jÖ  Tric ,   jö  Fjauer ,  jö   Ficw ,   jö  Segs ,   jö 


87 

Saawen,  jö  Aagt,  jö  Njögcti,  jü  Tien.  —  Andre  Bildungen  aus  dem 
Zahlworte  sind  :  de  DnlUng  ,  de  Segsling ,  de  Fierding  ,  als  Land- 
und  Tonnenmaass  ;  dat  ^gendijl,  das  Achtel ,  als  Maass  ;  bei  Bruch- 
iheilen  setzt  man  Dijl ,  Theil,  statt  des  Deutschen  tel ,  als:  ein 
Tredendijl ,  ein  Drittel;  en  Ficrdendijl ,  Füßendijl,  Segstendijl , 
u.  s.  w.  Hier  wäre  es  aber  bequemer  sich  der  deutschen  Endung 
tel  zu  bedienen  und  dät  Tredel,  Fierdel,  Füftel,  Segstel,  Saawen- 
tel,  Aachtel ,  Njögcntel ,  Tiendel  zusagen.  De  Twännling  und  de 
Trannling ,  der  Zwilling  und  der  Drilling ,  entstehen  aus  den  Zahl- 
wörtern ttvdnne  und  tränne,  dän.  tvende  og  trende,  zwei  und  drei. 
Aus  dem  bestimmungswörtlichen  Bezeichnungen  der  Him- 
melsgegenden :  ästen ,  ivesten ,  sülissen ,  naurden ,  entstehen  erst- 
lich die  Hauptwörter :  dät  ^sten ,  dät  Westen  ,  dät  Sühssoi ,  dät 
Naurden ,  als :  dät  läit  äujnt  ^sten ,  Westen ,  u.  s.  w.,  es  liegt 
im  Osten,  Westen,  u.  s.  w.  Der  Ost,  West,  Süd  und  Nord,  sowie 
der  Osten  ,  Westen ,  Süden  und  Norden  ,  heissen  :  de  u4ste ,  de 
Weste,  de  Sühsse,  de  Naurde.  Anwendung:  Dö  shälit  widdere  tö't 
uisten,  tö't  Westen,  Sülissen  an  Naurden,  du  sollst  weiter  nach 
dem  Osten,  Westen  u.  s.  w.  Ick  gung  dm'eu/ste,  dm'e  Weste, 
dm'c  Sälisse,  dm'e  Naurde,  ich  gehe  gen  Osten,  Westen  u.  s.  w.  In 
zusammengesetzten  Ortsnamen  endigen  sich  diese  Wörter  häufig 
auf  er,  als:  ^ster ,  Wester,  Sühsser,  Naurder ,  wie  ^stei'S7iotebüll, 
Westerhäwer ,  Sülisserläigem ,  Naurderhölt ,  wie  im  Deutschen : 
Oster-,  Wester-,  Süder-,  Norder-.  Diess  ist  jedoch  nicht  immer 
der  Fall.  —  Die  Adjective  östlich ,  westlich ,  südlich ,  nördlich , 
heissen :  ästlick ,  westlich ,  sühsserlick  und  näurdlick ,  aber  auch 
ästerlick,  westerlick ,  sühsserlick,  naurderlick  d.i.  ein  wenig  nach 
Osten ,  Westen  u.  s.  w.  Süd  ist  im  Altfriesischen  Soss ,  wie  noch 
in :  Sossrihssem ,  Südriesum  ,  und  Sossionhalm  ,  Südlindholm, 

Das  Geschlecht  der  Hauptwörter. 

§.  65.  Das  Geschlecht  der  Hauptwörter  besieht  in  der  Eigen- 
thüralichkeit  derselben ,  sich  ausschliesslich  mit  einem  der  drei 
Geschlechtswörter  de  (der) ,  jo  (die) ,  dät  (das)  zu  verbinden ;  die 
Mehrheit  für  alle  Geschlechter  ist  dd  (die).  Hierüber  lassen  sich 
nur  wenig  bestimmte,  meistens  nur  sehr  allgemeine  Regeln  geben. 


88 

Im  Allgemeinen  gilt,  dass  ein  Hauptwort,  welches  einen  Gegen- 
stand bezeichnet,  der  ein  natürliches  Geschlecht  hat,  sich  auch 
in  der  Sprache  nach  diesem  Geschlechte  richtet ,  als :  de  Mann , 
de  Kräjddcr ,  de  Käser  (Käsere),  de  Wjäii,  de  Römm ,  de  Bulle, 
de  Sliriwwe7',  de  R6gte7\  de  Shjärder  u.  s.  w. ,  der  Mann,  der 
Hahn  ,  der  Kater ,  der  Wirlh ,  der  Widder,  der  Stier,  der  Schreiber  , 
der  Richter,  der  Schnitter,  u.  s.  w.  Ebenso:  jö  Hänn,]'6  Gaus, 
jö  Wöß' ,  jö  Ko,  jö  Fömmen  ,  jö  Bräjdd  ,  jö  ^nert ,  jö  Tiveg  u.  s.  w., 
die  Henne,  die  Gans,  das  Weib,  die  Kuh,  das  Mädchen,  die 
Braut ,  die  Ente ,  die  Quäne  oder  Färse,  Ausnahmen  machen 
hier:  dät  Sliäip ,  das  Schaf;  dät  Ajk ,  die  Stutte ;  dät  Geck;  dät 
Mansch,  das  Mensch;  dät  ^nnerling ,  ein  ein-  bis  zweijähriges 
Mutterlamm  ,  und  dät  Ailanmm .  ein  Mutterlamm  unter  einem 
Jahre. 

Bei  Thieren  wird  oft  die  Gattung  und  das  Geschlecht  zugleich 
bald  durch  ein  männliches ,  bald  durch  ein  weibliches  Hauptwort 
bezeichnet,  als:  de  Hünn,  de  Hdjnst,  jö  Hänn,  jö  Gaus,  ]ö^ncrt, 
jö  Kätt,  u.  s.  w.  Die  Mehrheit  lautet:  da  Hünne,  Hdjnste ,  Hanne, 
Gäis,  u/nerte  und  Kälte.  Sie  bezeichnen  in  der  Einheit  das  männ- 
liche oder  weibliche  Geschlecht  und  auch  die  Galtung,  aber  in 
der  Mehrheit  nur  diese  allein.  Beispiele :  De  Gramv  hält  manning 
Hünne ,  der  Graf  hält  viele  Hunde ;  he  het  aagtäin  Hdjnste  mv  'e 
Stall,  er  hat  achtzehn  Pferde  auf  dem  Stall;  dd  Hanne  sdn  all 
äiv  't  Räch ,  die  Hühner  sind  schon  auf  der  Latte ;  mjarne  shdn  'e 
Gäis  slägtigt  worde ,  morgen  sollen  die  Gänse  geschlachtet  werden;  dd 
inerte  kaane  jdm  sellew  nere,  die  Enten  können  sich  selber  nähren ; 
da  Kälte  fange  Müss,  die  Katzen  fangen  Mäuse.  Bei  andern  wird 
die  Gattung  auch  in  der  Einheit  nur  allein  bezeichnet,  wo  man 
dann,  wie  auch  in  den  vorstehenden  Fällen,  für  das  Geschlecht 
besondere  Namen  hat.  Reine  Gattungsnamen  sind  z.B.  dät  Stvinn, 
dät  Griss,  dät  Shäip,  dät  Fäll,  dat  Bjdrn ,  dät  Nüjtt,  dät  Bäist, 
dät  Rähser,  das  Schwein,  das  Färkel,  das  Schaf,  das  Füllen,  das 
Kind,  das  Rind,  das  Vieh,  das  einjährige  Kalb,  und  dät  Kulew,  das 
Kalb,  so  wie  auch  dät  Rce  und  dät  Hjört,  das  Reh  und  der  Hirsch. 
Wir  wollen  hier  zuerst  diejenigen  anführen ,  welche  den  Gat- 
tungsnamen mit  einem  der  Geschlechtsnamen  gemein  haben ,  und 
darnach  diejenigen ,   welche  allein  besondere  Gattungsnamen   und 


89 

Geschlecbtsnamcn  führen.  Geschlechts-  und  Gattungsnaine  zu- 
gleich, entweder  männlich  oder  weiblich,  sind:  Jö  Uänn,  m.  de 
Kräjdder,  der  Hahn,  der  Kräher;  jö  Gaus,  de  Gönner,  engl,  goo- 
se,  gander;  jö  ^nert,  m.  de  Urder ,  der  Erpel,  Enterich;  dät 
Shäip,  m.  de  Uömm,  der  Widder  (de  Wähser  oder  Wähsere  ist  der 
Hammel  oder  Schöps) ;  jö  Kätt ,  m.  de  Kä/tser  oder  Kahsere ;  jö  Döivw , 
m.  de  Doffer ,  der  Tauberich;  de  Hünn,  w.  jö  Tähw,  die  Tiffe, 
Petze,  u.  s.  w. 

Gattungsnamen  und  Geschlechtsnamen  mit  verschiedenem  Ge- 
schlecht: dät  Swinn,  de  Örne,  jö  Söhg,  Schwein,  Eber  und  Sau; 
dät  Nüjtt,  dät  Bälst,  de  Bulle,  jö  Kö',  Rind,  Stier  und  Kuh; 
de  Hdjnst  ,  de  >Fri;«S/^e ,  dät  Aik ,  Hengst  und  Stutte  ;  de 
Mänshe  ,  Mensch,  de  Mann,  jö  Wöff,  Mann  und- Weib;  de  Kdr- 
men ,  jö  Wüssed,  Mannsperson  und  Frauenzimmer;  dat  Bjärn, 
Kind,  de  Dring,  jö  Fömmen,  Knabe  und  Mädchen;  de  Jüngling 
oder  de  Jungmönn  ,  jö  Jümfer  ,  der  Jüngling  ,  die  Jungfrau  ; 
da  Spsshene,  die  Geschwister,  de  Brauser,  jö  Sästcr,  Bruder  und 
Schwester;  da  ^llerne,  die  Eltern,  de  Fidder ,  jö  Mudder,  Vater 
und  Mutter;  de  Sahn,  jö  Dögter,  die  Kinder  in  Beziehung  auf 
die  Eltern;  da  Stjäpällerne,  die  Stiefeltern ,  de  Stjäpfidder ,  ']ö  Stjäp- 
mudder;  Stjäpbjarne,  Stiefkinder,  de  Stjäpsahn ,  jö  StjäpdSgtcr;  Hal- 
lewsösshene ,  Ualhgeschwisler,  de  Halleivbrauser,  ]6  Hallewsöster ;  da 
Förlöwede,  die  Verlobten,  jö  Bräjdd,  de  Bredgöme,  Braut  und  Bräu- 
tigam; jö  Wähs,  de  Wädder  oder  Wadderne,  Wittwe  und  Witt  wer; 
jö  ^hl,  die  Grossmutter,  de  ^ttc,  ^Itähte,  Grossvater;  de  Ohm, 
der  Oheim;  jö  Mädder,  die  Base,  Muhme,  Tante;  Sösshenbjärne , 
Geschwisterkinder;  Sivicgerällerne ,  de  Swiegerfidder,  ]'6  Swieger- 
mudder,  Schwiegereltern,  Schwiegervater  und  Schwiegermutter; 
de  Swiegersähn ,  jö  Siviegerdögfer ,  Schwiegersohn  und  Schwieger- 
dochter,  und  jö  Snaar,  die  Schnur;  de' Swaager,  der  Schwager, 
jö  Swiegerinn,  die  Schwägerinn. 

Anmerk.  i.  Bei  kleinen  Vögeln  kann  man  das  Geschlecht  durch 
He  und  Jö  bezeichnen,  und  sprechen  :  dät  äs  en  He  untig  en  Jö, 
das  ist  ein  Er  oder  eine  Sie;  oder  wie  im  Niederdeutschen  durch 
Heken  und  Seken ,  ein  Erchen  oder  Siechen.  Jö  Sähg ,  die  Ziege , 
hat  im  männlichen  Geschlechte  de  Sägenbock. 

Anmerk.  2.     Der  Widder  ist   offenbar  genug  das  friesische  de 

12 


90 

Wältser  [Wähscrc),  das  engl,  a  welhcr,  und  das  dän.  en  Vädei^  aber 
immer  in  der  Bedeutung  zwischen  Widder  und  Hammel  wech- 
selnd. Der  ^yiddeI^  dän,  en  Väder,  ist  das  fries,  Römm  und  das 
engl,  ram,  in  der  Bedeutung;  und  das  fries,  WäJisere,  so  wie  das 
engl,  welher,  beissen  im  Deutschen  Hammel  oder  Schöps,  und  im 
Dänischen  en  Bede,  Aehnliche  Verschiedendeutigkeiten  findet 
man  häufig  in  den  verwandten  Sprachen  bei  Wörtern  von  gleicher 
Urwurzel.  —  Ein  verschnittener  Stier  ist  im  Fries,  de  Stier  und 
de  Ögse,  wofür  man  in  der  Mehrheit  auch  das  alte  Colleetivura: 
da  A'xne,  dän.  Oxen,  Oxne  gebraucht.  Ein  verschnittener  Eber  ist 
de  Galt,  dän.  en  Galt,  der  Borg.  Dät  Fall,  das  Füllen;  de  Plag- 
ge, ein  jahriges  Füllen,  und  de  Fohle  ein  zweijähriges.  Ein  jun- 
ges Gänschen  ist  jö  Gähsling,  nd.  Gösling,  dän.  Gjäsling,  engl, 
gosling.  Das  Küchlein  ist  en  Sjiickling,  dän.  Kylling. 

Anmerk.  3.  Unter  den  Hauptwörtern  mit  nacktem  Stamme 
sind  die  meisten  weiblich,  die  wenigsten  sächlich  und  die  Mittel- 
zahl männlich.  So  finden  wir  unter  der  ersten  Sammlung  einsil- 
biger Wörter  §.  50 ,  gegen  524  weibliche ,  288  männliche  und  2G0 
sächliche.  Doch  kommen  auch  in  dieser  Sammlung  mehrere  ab- 
geleitete vor.  Einige  der  Endungen  jener  Wörter  gehören  zwar 
vorzugsweise  einem  bestimmten  Geschlechte  an,  aber  wir  finden 
doch  fast  immer  Ausnahmen,  als:  dät  JJll,  dät  Dijl,  dät  Fijl,  dät 
Gijl ,  aber  jö  Hijll;  dät  Lick,  dät  Rick,  dät  Stick,  aber  de  Dick 
und  jö  Wick;  aulis,  weibl.  als:  jö  Auhs,  jö  Danks,  jö  Praulis,  jö 
Raulis;  äst,  männl.  als:  de  Fräst,  de  Kräst,  de  Rast,  aber  jö 
Lcist;  aug,  männl.  als:  de  Kravg,  de  Plmig ,  de  SJiaucli;  eess,  sächl.  als : 
dät  Rleess,  däi  Leess,  dätRcess,  dät  Siveess,  dal  Gleess,  pl.  Glähse; 
äst,  m. ,  de  Gast,  deTwäst;  all,  w. ,  de  Ball  (Tanzball),  de  Fäll, 
de  Stall,  aber  jö  Fäll,  die  Falle,  jö  Sali,  jö  Själl ,  jö  Täll;  äi/is, 
w. ,  jö  Rläihs,  iö  Falks,  jö  Kläihs,  jö  Räiks ,  aber  de  SäiJis;  äujl , 
sächl.  als:  dät  Bävjl,  dät  Gäiijll,  dät  Skävjl,  däi Mäiijl;  äjd,  w. , 
jö  Rräjdd,  jö  Gläjd,yö  Mäjdd,  aber  wieder  de  Räjdd,  de  Träjdd , 
und  dät  Säjd;  äitjnn,  w. ,  jö  Bräujnn,  jö  Skäiijn,  iijö  Hmjnn,]ö 
Päujmi,  jö  Mäujnn,  aber  wieder  dät  Läujnn  ,  dat  Sänjnn,  de 
Siräujnn ;  np,m.,  de  Hupp,  deKitp,  deLnp,  deStvp,  mKrüdstiip, 
\md  in  Tjärestvp,  die  Theermeste ;  ans,  s.,  dät  Baus,  dät  Maus,  aber 
de  Taus,  jö  Gaus;  alt,  s,,  dät  3/«//,  dät  Salt,  de  Galt;  dmi ,  s.,  dät 


Ol 

Tann,  dat  Sann,  dät  Kann ,  de  Sdnn ;  inn ,  m.,  de  Rinn ,  de  Winn,  Wind 
und  Wein ,  jo  Rinn,  die  Rinde,  dät  Litin,  der  Hosenbund ,  de  S/iinn  ; 
dgt,  w.,  jö  Bdgt,  jö  Prägt,  jo  VFä///,  dät  .Sä^i;  a«c/i ,  w.,  jö  Krauch, 
iöRaiick,  {\a.t  Snauck ,  der  Kesselhaken;  eel,  w.,jö  Teel,  jö  Med,  jo 
r?Te/,  jö  Weel,  dat  Tiveel;  a/i,  jö  iüf?//,  dat  Tält,jö  Gewalt;  nlig , 
dat  Fulig,  dat  Tw/i^,  de  Gif%;  if/,  dat  ^i//^,  d^i  Krilt,  dal  Fritt, 
dät  Sliitt;  du,  dät  Fü'7i,  Fell  und  Füllen,  de  Mi//,  de  Knall, 
de  Sliall;  öt,  dal  Gröt,  dal  Tot,  ]6Röt;ähk,  dä.1  ^hk,  dal Bralik, 
dät  Stahk,  dät  Snahk;  äck,  dat  Räck,  dät  PacA;,  de  iYäfA:,  der 
Nick,  deMdck,  dät  Swdck,  dal  Krack;  %s,  jö  ^ö»«,  dät  Flägs,  dat 
VFäi^s;  cS5,  dät  ^ss,  dat  Päss;  ä/is,  de  Balis ^  jö  Lähs;  icp,  jö 
5/i^p,  jö  Knie}),  jö  Liep,  de  Pie/j;  öpp,  de  Tö/jp,  de  Ktiöpp,  de 
Nöpp,  der  Zwack,  jö  Löp]^,  de  Kröpp;  eck,  dät  FecA;,  dät  Ger/.:, 
dat  Speck,  de  6ecÄ;;  m/W,  dät  Büjtt,  dät  iVw^'//,  Shüjtt,  Scliöss, 
dat  Rüjtt,  deSlüjtt,  deKlüjtt;  älis,  de  Glähs,  deSplä/ts,  jöNälis, 
jö  Wäfis;  äujtt,  de  Fäiijtt,  de  Kläujlt,  auch  jö  Kläujtt,  jö  Länjlt, 
jö  Räujtt,  dät  Säujtt;  äujd,  jö  Fläujd,  jö  Läiijdd,  de  lläujdd ,  dat 
Mmjdd,  dät  Gäujdd;  urst ,  jö  Burst,  de  Turst;  auck,  siehe  oben: 
^at  Bauck,  dat  Daiick,  dät  Snauck,  de  Dauck,  jö  Bauck ;  ump,  ist 
m. ,  de  Rntnp,  de  Khanp,  de  Bump,  de  Slunip,  de  Dump,  aber  jö 
Pump;  järt,  de  Stjärt,  de  VF/'är/,  de  /ydr^,  Furz,  aber  dät  HJdrt ; 
älh,  jö  LaiA,  dät  Krath;  ärreiv,  jö  Färrew,]ö  Härrexv;  äi,  iöBdi, 
jö  Fmi;  dät  J5/di,  dat  5/äi,  dat  Sträi,  de  ßrdi;  öck,  de  Foc/.-, 
de  /JocA; ,  dät  X/Oc/c ,  dät  5/oc/; ;  ö?2gf ,  de  Gö?«^/ ,  de  Söw<; ,  jö  Swöng ;  dgg, 
jö  Bdgg,  jö  Mdgg ;  üss,  jö  L^m,  jö  i>/«is,  jö  Früss,  de  iVwss,  dat 
Wwss,  dät  Grüss,  dät  Krüss;  ing,  de  Dring,  de  ^m/^,  jö  Kling,  jö 
5'/mg',  jö  Wwfgf;  ö/,  dät  Dö/",  dät  ^nö/,  dät  5/0/",  de  /fö/',  dät  -SV/ö/',- 
tic/:,  de  Bück,  dät  LwcA;,  de  Struck,  de  Pück^  de  Brück,  jö  Krück; 
ümm,  dät  Sliümm,  dät  Rümm;  ufimm,  de  Buhmm,  de  Sulimm; 
ünn,  dal Bünn,  de  Granu,  de  Hilnn,  de  Lünn,  de  Tw««,  dätPü?««, 
jö  Smünn;  iss,  dät  /ss,  dät  Griss,  de  Priss;  ijt,  dät  Swfjtt,  de 
Slrijtt;  järn,  dät  Bjärn,  de  IfJjärn,  jö  Sjärn,  jö  HJdrn ,  dul  lijürn, 
jö  Twjärn,  dät  Shjdrn;  dgt,  jö  ^ft/y/,  de  Knägt,  dät  »Va;/f,  s.  oben; 
ees^  dät  Feest ,  dät  Nccst ,  dät  Weesf,  jö  Fees/;  «ff«,  de  Plaan,]() 
Baan,  iöFaan;  ig,  de  B  dir  ig ,  dät  Airig,  das  Arge;  tV?r,  dät  ^/cr,  jö 
A'icr,  jö  Lier,  de  »S7t>/',  dät  r/r/^r;  ä/7,  de  .1;/,  däl Fäjll,  dal Mäjt, 
jö  .S/m}7^;  t;«,  s.  o.,  jö  >1i////,  dät  »%'(///,  de  <S'//;7^-  fyVf,  de  /^</7^ 

12  * 


92 

de  Bäjtt,  das  Jucken;  iek  oder  ieck,  jö  ßlieck,  jö  Dieck,  jöKieck, 
jö  Micck,  yöSicck,  da  Lieck;  ämp,  deDänijj,  deStämp,  iöStamp, 
jö  Lämp,  dät  Sivänip;  ic,  de  Die,  jö  Lie,  dät  Pie;  eef,  dät  Gree/', 
dät  Heef,  dät  iJee/',  dät  Steef;  öck,  jö  DöcA ,  de  Plöck,  de  Stock, 
dät  Block;  öst,  de  Frost,  jö  Ä'Ö6/,  jöNöst,  iöRöst;  änk,  de  Bank, 
jö  Länk,  jö  Plänk,  dät  Plänk;  de  Türrew ,  dät  Shürreiv;  joFaurk, 
jö  Staurk;  aar,  jö  Snaar ,  jö  Baar,  jö  Kaar ;  deEnn,  jö  Fenn,]ö 
Penn:  min,  jö  Ldnn,  jö  Hdnn,  jö  Ta/m,  dät   ra;«n,  de  Sdnn,  dät 
Sann,  dät  Sfidtin,   dät  Kann;  djnk,    de  Bldjnk,  aber  auch  w.  in 
jö  Halleivbldjnk,  de  Ldjnk,  jö  Kldjnk;   6,  jö  -5ro,  jö  Zd,  jö    jRö; 
dät  Brüjd,  jö  JSüjd;  amn,   dät   Graimi,   de  Kaiimm,  de  Kraumm; 
i/f,   dät  Li^',    dät  A'i/f ,    dät  Ä'^^//f;   efti,   jö  Krebb,    de  i?e66,   rfät 
IF^^fei;    d,  jö  iä,  dätRd;    iill,    f/ät  t///,   jö  //m/^,   dät   Smull,  jö 
iVw//,  jöRull;  önn,  de  Blönn ,  jö  Kann,  iöPönn,  dät  Sonn,  altfries. 
für  Säifjnn,  Sand;  iww,  de  Mw»  und  jö  TfiwM,  jö  i?/«w,  de  iJiww, 
dät  Sivinn;   örn,  jö  P^rw,  dät  /ä?-w,  dät   Shörn;  järd,  dät  Järd, 
dät  Bjdrd,  dät  Swjärd,  dät  Shjärd,  de  TF/m/;  «//«,  de  Trd/is,  de 
Spidits,  jö  Smdlis,  jö  Wd//s;  tmg',  jö  Bimg,  jö  Rung ,  jö  Prung ,  de 
Pung;  edd,  dät  ^ÄW,  de  G«Z(^;  d/Ü,  jö  Drdft,  jö  Ä'm/i^,  jö  Shrdft, 
de  -So-//,   dät  rd/lf;   tV/,  dät  ^«7/,   dät  ^i//,   jö  iViV/,   de  A'i//;  ör, 
dät  ^%  dät  Pär,  jö  )5'«är,  jö  Swär ,  de  /Sfär  (im  Auge);  äi/i;,  dät 
iijA;,  jö  ÄäyT;,   jö  Kräjk,  dät  Tö/'A-;    a?tm,  de  Tanrn,   dät  Kaum, 
de  Haurn,  dät  Haurn;  ick,  dät  jLM-,  dät  Ay/icA;,  dät7?/'cÄ,  de  i)icA;, 
jö  Wic/i,  u.  s.  w.     Auch  die  verschiedenen  Endungen  des  Haupt- 
wortes, wie  z.B.  e/,  /iw(/,  er,  in;/,  /mirf,  äi,  u.  s.  w.  können  fast 
nie   oder  doch   selten    ausschliessend   ein  gewisses  Geschlecht  be- 
stimmen.    So  heisst  es:  jö  Sägel,  die  Sichel,  und  de  Prägel;  de 
Kägcl,  und  jö  Fägel,  der  Fehler;  de  Kinning,  der  König,  jö  IJjlling ,  die 
Mulde,  dät  ]Föw«w?7,  das  Fenster,  und  so  in  vielen  andern  Fällen. 
Anmerk.  4.     Obgleich  die  meisten  der  hier  zusammengestellten 
Wörter  schon  §.  50.  vorkommen,  so  bedürfen  doch  einzelne  derselben 
einer  nähern  Deutung,  als:  jö  Aulis  und  jö  Kräik ,  Haken  und  Oebren; 
man  sagt  Kräike  und  Äuhse,  Häkchen  und  Oebren;  jö  Kläihs,  die 
Nägelkratze,  das  Kratzen  mit  den  Nägeln  beim  Raufen;  dät  Tiveel, 
der  Sabber,    der  Quiel;   de  Gült,  der  Borg,   verschnittener  Eber; 
jö  Wccl,  die  Erbolung;  jö  Stiep  von  sliepen  ,  das  Lichtziehen;  de 
Klüjtl,  eine  Klolhc  Torf;  de  Rump,   1,  der  Rumpf,  2,  das  Brust- 


95 

luch;  dät  Bläi,  die  Farbe,  als  sloll'los  gedacht,  sonst  Färrew;  jö 
Sting,  die  Granne,  wie  ander  Gerstenähre;  jöDiek,  das  Grübchen; 
jö  Faan,  die  Fahne;  jö  Plänk,  die  Planke,  dät  Plänk,  ^  Kanne; 
du  Sliürretv ,  die  Räude,  das  deutsche  Schürf;  dä.1  Kann,  das  Kinn; 
de  Kraumm,  die  Krampe;  dät  Srniill,  der  Staub  vom  Torf,  Säge- 
späne und  dergl. ;  de  Gklcl,  der  Hecht. 

Anmerk.  5.  Unter  den ,  von  Zeitwörtern  durch  Abkürzung  ge- 
bildeten, Hauptwörtern  ist,  wie  im  Deutschen,  das  männliche 
Geschlecht  vorherrschend,  und  im  Dänischen  das  sächliche,  als: 
de  Prdck  von  fracken,  stechen,  tüpfeln;  de  Rähw ,  der  Riss;  de 
Stijtt,  deSlieck,  de  Släg ,  deHdw,  deShähr,  deSnälis,  de  Splülis, 
de  Glähs ,  de  Gong  ,  de  Song ,  de  Klang ,  de  Ltipp ,  de  Kupp ,  de 
Grähp,  de  Gripp,  de  Bjdtvs ,  de  Fäll,  u.  s.  w\  Doch  finden  sich 
auch  manche  weibliche  und  sächliche  darunter,  wie:  jö  Bagg ,  jö 
Faur,  jö  Fähr,  jö  Gräjd ,  jö  Hm,  jö  Kieck ,  u.  s.  w.;  ingleichen 
dät  u/hk ,  dät  Bäd  ,  dät  Brak  von  bregen ,  mangeln ;  dät  Bünn ,  dät 
Döf,  dät  Jeft ,  dät  Säjd,  dät  S/ijärd,  dät  Shüff,  u.  s,  w. 

§.  66.  Männlich  sind  alle  Hauptwörter  auf  er,  welche  männ- 
liche Verrichtungen  anzeigen,  sie  mögen  von  andern  Substantiven 
oder  von  Zeitwörtern  abstammen,  als:  de  Meiler,  de  Glaaser,  de 
Krauger,  de  Mäjdder ,  de  Kutsher,  de  Driemer,  Shriwwer,  Hdjn- 
gcr ,  Leser,  Dritvwer,  Shjärder,  Tjärsher,  u.  s.  w.  Ferner  bestimmt 
die  Endung  e  das  männliche  Geschlecht,  wohin  auch  die  Endun- 
gen ere,  eine,  ense  und  eise,  zu  zählen  sind,  als:  de  Kröge,  de 
Mäge,  de  Krage,  de  Wähsere,  de  Vnncrne,  de  Tachclse,  de  Fie- 
rense,  u.  s.  w.  Eine  Ausnahme  davon  machen:  dät  oder  jöMö/Äe, 
die  Milch;  da  Anne,  collect,  die  Buttermilch;  da  Wäwle,  der  Web- 
stuhl, auch  ein  coUectivum ;  däKndplinge,  coli,  die  Spitzen,  Kanten; 
da  Beere,  coli,  die  Gebehrden;  da  ^gne,  coli,  die  Spreu;  da  Gm- 
bcnc,  coli,  die  Graupen;  da  Träme,  der  Trumm.  Ferner  die  §  46 
angeführten  sächlichen  auf  eise,  als:  da  Häckelse,  dät  Röckelse, 
Smökelse,  Sldrkelse,  Spauckelse;  so  wie  dät  Aehsc,  dät  Drajnke, 
dät  Olde  und  jö  Döjtte. 

Die  Endung  er  ist  zwar  allen  Geschlechtern  gemein  ,  als: 
de  Fklder ,  jö  Mudder  ,  dat  Jäddcr ;  de  Twitler ,  jö  Dögter ,  dät 
Wähser ,  u.  s.  w. ;  aber  doch  ist  hier  das  männliche  Geschlecht 
weit  überwiegend.     Dasselbe  gilt   von  der  Endung  cl,  wogegen 


94 

die  Endung  en  so  ziemlich  glcichmässig  durch  alle  Geschlechter 
vertheilt  ist,  und  dasselbe  möchte  wohl  auch  von  der  Nachsilbe 
ling  gelten.  Bei  der  Endung  em  herrscht  das  männliche  Geschlecht 
vor,  als:  de  Bausem,  de  Bäisem,  de  Haulem,  de  Stierem,  de  Sivie- 
rem,  de  Täirem,  de  Airem;  aber  jö  Fäihsem ,  jö  Blossem,  jö  Gä- 
scm,  die  Gäspe,  und  dät  Hulem,  Langstroh;  dät  Etlem,  Tag  und 
Nacht,  oder  24  Stunden,  dän.  et  Etmaal,  et  Dögn  (1.  Döin  oder 
Däun),  nd.  Etmaal.  Die  Endung  ew  kommt  gleichfalls  in  allen 
Geschlechtern,  aber  nur  in  wenig  Wörtern  vor,  wo  das  sächliche 
Geschlecht  überwiegt,  als:  de  Waireio,  jö  Häirew,  dät  Kuleiv ,  dät 
Suletv,  dät  Wierew,  das  Gewerbe ,  dät  Sliürrew,  dät  Färrew. 
Auch  die  Endsilbe  ig  geht  durch  alle  Geschlechter,  als:  de  Bäi- 
rig,  de  Bielig,  de  Giilig ,  de  Hallig;  aber  jö  Fürrig ,  jö  Spärrig, 
jö  Swällig  oder  Sivielig,  und  dät  Märrig ,  dät  Fulig,  dät  Tiilig, 
siehe  §.  39. 

§.  67.  Männlich  sind  ferner  die  Namen  der  Tage,  Tageszeiten, 
Monate  und  Jahreszeiten,  als:  de  Sändäi,  de  Maundäi,  de  Täilts- 
däi,  de  Wensdäi,  de  Törsdäi,  de  Fräidäi,  de  Sänenne;  ferner:  de 
Januar,  Februar,  Marls,  April,  Mäi,  Juni,  Juli,  August,  Sep- 
tember, October ,  November,  Dezember;  ingleichen:  de  Däi,  der 
Tag,  de  Mjärn,  der  Morgen,  de  Enn ,  der  Abend,  de  Mäddäi, 
Faarnmddäi,  Eftermaddäi;  ausgenommen:  jö  Nagt,  jö  Managt, 
(richtiger  Mddnägt);  die  Jahreszeiten,  als:  de  U/irs,  de  Sdmmei', 
de  Hdrreivst  (auch  Hirrewt,)  de  Wonter;  die  Feste,  wenn  sie  in 
der  Einheit  stehen,  als:  de  Jüll,  die  Weihnachten,  dePaas/ie,  die 
Ostern;  dagegen  da  Päjngsdege,  da  Feste,  die  Fasten,  sind  coli, 
im  pl. 

§.  68.  Weiblich  sind  in  der  Regel  diejenigen  Hauptwörter, 
Avelche  das  natürliche  weibliche  Geschlecht  der  Menschen  und 
Thiere  bezeichnen,  als:  jö  Wöff,  jö  Fömmen,  jö  Kinninginn,  jö 
Ko ,  jö  Söhg ,  jö  Kätt,  jö  TäJnv,  jö  Hänn,  Gaus,  ^nert,  Ttveg , 
u.  s.  w.  Dät  Aik  und  dät  Shäip  machen  allein  hiervon  eine  Aus- 
nahme. Weiblich  sind  ferner  die  Namen  der  Bäume,  wenn  sie  ohne 
den  Zusatz  buhmm  vorkommen,  als:  jö  Hill,  jö  Bäjck,  jö  Hik, 
jö  Birk,  jö  Fair,  jö  Aller,  jö  Lann,  jö  Iper,  u.  s.  w.  Die  Sub- 
stantive auf  häid  sind  weiblich,  als:  jö  Saaliglmd,  die  Seligkeit, 
jö  Säkerliäid,  jö  Fälshhäid,  jö  Möhglickhäid,  u.  s.  w. ,  werden  aber 


95 

auch  oft  sächlich  gebraucht  und  führen  dann  nicht  selten  einen 
verächtlichen  Nebenbegriff  mit  sich,  wie  dät  Däsighäid,  dät  Äupi- 
nethäid,  dät  Föhlfiäld,  u.  s.  w.  Weiblich  sind  ferner  alle  Haupt- 
wörter auf  ing  oder  ning ,  die  unmittelbar  oder  geradezu  aus 
der  Wandelform  des  Zeitwortes  gebildet  sind,  als  :  jö  Anne- 
ring,  jö  Aaning,  jö  Rddnifig,  jö  Bähsering,  jö  S hiesing ,  Liesing, 
u.  s.  w.  Desgleichen  die  auf  äi  ausgehenden ,  wenn  sie  Orts-  und 
Geschäftsbezeichnungen  sind,  wie  in:  jö  Lönshriwweräi ,  Lönfaa- 
gedäi,  Prdwstdi,  Slaaweräi,  als  Aufenthalt ;  jö  Türkäi,  jö  Ncgeräi; 
jö  Bränneräi,  jö  Suckerkögeräi ,  u.  s.  w.  Auch  die  Endung  ed  ist 
weiblich  in  jö  Döged,  Jöged,  Blöged,  Höged;  aber  de  Faaged,  dät 
Märked. 

Einzelne  Wörter  vom  männlichen  und  sächlichen  Geschlechte 
stehen  auch  für  das  weibliche  zugleich,  als:  de  Fähser  [Fä/isere] 
Gevatter  und  Gevatterinn;  de  VTäwe,  Freund  und  Freundinn;  dät 
Geck,  männlich  und  weiblich.  Bei  dem  W or le  Twännling,  Zwilling, 
kann  man  sogar  alle  drei  Geschlechter  nach  Belieben  gebrauchen, 
je  nachdem  man  auf  die  natürlichen  Geschlechter  Rücksicht 
nimmt  oder  nicht,  und  de  Twännling ,  jö  Tivdnnling  und  dät  Tivdnn- 
ling  sagen,  so  wie  ich  alle  drei  Geschlechter  bei  dem  Worte  Pflug- 
schaar  im  Deutschen  gefunden  habe,  wo  gar  nicht  einmal  ein  na- 
türliches Geschlecht  Statt  finden  kann.  —  Bei  einigen  von  Zeit- 
wörtern abgeleiteten  Hauptwörtern,  wo  jene  etwas  Fehlerhaftes 
anzeigen,  und  wo  man  das  männliche  Geschlecht  regelmässig 
durch  die  Nachsilbe  er  bildet,  behält  das  weibliche  bloss  die  Stamm- 
silbe des  Zeitwortes ,  was  besonders  bei  folgenden  und  ihnen  ähn- 
lichen Wörtern  der  Fall  ist,  als:  picsen  oder  piesern,  gasen,  tjä- 
sen,  twittwädden,  njäsen,  stjäwen,  u.  s.  w. ,  wo  das  männliche  Ge- 
schlecht dePieser,  de  Göser ,  de  Tjäser,  de  Tioitlivädder ,  deNjäser, 
de  Stjäwer,  und  das  weibliche  jö  Piehs,  jö  Göhs,  jö  Tjähs,  jö 
Twittwäd,  jö  Njähs  und  jö  Stjähw  heisst.  Piesern,  gösen,  tjäsen, 
und  Uvitlwädden  heissen  rappeln,  schwatzen,  waschen,  plappern, 
albern  in  den  Tag  hinein  schwatzen;  njäsen,  säumen,  zaudern, 
stjäwen,  mit  langen  Schritten  albern  einhertreten  oder  stolpern 
und  dabei  mit  Gleichgültigkeit  oder  Geringschätzung  urahergaffen 
und  auf  andre  herabsehen.  Auch  muss  das  männliche  Geschlecht 
nicht  selten  das  weibliche  vertreten,   als:  jö  as  en  gauhsen  Wmv- 


96 

ster,  Sfijärder,  Sliriwwer ,  ii.  s.  w. ,  indem  hier  die  Endung  inn 
nicht  wie  im  Deutschen  gebräuchlich  ist.  Die  übrigen  Einzeln- 
heiten in  Beziehung  auf  das  weibliche  Geschlecht  der  Hauptwör- 
ter sind  in  den  vorhergehenden  Wörtersammlungen  und  Zusam- 
menstellungen von  Wörtern  durch  das  vorgesetzte  Geschlechts- 
wort angezeigt. 

§.  69.  Sächlich  sind  die  Namen  der  Erdtheile,  der  Länder, 
Städte,  Flecken,  Dörfer,  Districte,  Landschaften  und  Inseln,  der 
Metalle ,  einzelner  Buchstaben ,  der  Himmelsgegenden ,  die  Namen 
verschiedener  Zahlenbcstimmungen ,  die  als  Maasse  dienen,  und 
die  aus  andern  Wörterklassen  zu  Substantiven  erhobenen  Wörter, 
als:  dät  töwägsend  Amerika,  das  anwachsende  Amerika;  dat  gäujl- 
rick  Australien,  das  goldreiche  Australien;  dat  üjll  an  grott  Asien, 
das  alte  und  grosse  Asien  ;  dat  ünrauig  Europa ,  das  unruhige 
Europa;  dät  hijt  Africa,  das  heisse  Africa.  Der  Länder:  dät 
läjtt  Dannemark;  dat  grott  Rusläujnn;  dät  wdnlick  Italien,  das 
freundliche  Italien ,  u.  s.  w. ;  aber  jö  Siveits.  Der  Städte:  dRl  sniuck 
Kupenliägen;  dät  üjll  Köln;  dät  gröttartig  Petersburg;  dat  Idjtt 
Arreskjöbing ,  u.  s.  w.  So  auch  der  Flecken  und  Dörfer  und  der  Land- 
schaften: dät  gjdrsrick  Ahserstähs,  das  grasreiche  Eiderstedt;  dät 
fätt  Holläujnn,  das  fette  Holland;  dät  üjll  Pollwäirem;  dät  kaum- 
rick  Ongeln,  das  kornreiche  Angeln.  Der  Weltgegenden:  dät  ^s- 
ten,  Westen,  Sühssen  und  Naurden.  Der  Zahlenmaasse,  als:  dat 
Hunnert,  dat  Dusend,  dat  Tdlt,  ein  Tult,  Zwölfter  von  Brettern, 
dät  Sniess,  das  Stieg,  dat  Shöck;  aber  jö  Daulisenn,  das  Dutzend, 
und  jö  Tralnv,  die  Stiege,  40  bis  GO  Garben  oder  Bunde  Lang- 
stroh. Der  Metalle,  als:  dät  Gävjll,  dät  Selwer,  dat  Kaawer,  dät 
Blie,  dat  Tann,  dat  Mesing,  dat  Tomhack,  dat  Metall,  dat  Stäjll, 
Eisen,  dat  Staat,  dat  Sink,  u.  s,  w.  Aus  andern  Wörterklassen, 
als:  dät  Ridden  an  Kdiren,  dat  Släipen  an  Waagen,  dät  Büen  an 
Welen,  u.  s.  w. ;  dat  Üjll  an  Näi,  dRtFaale  an  dat  Läiet;  dät  JUin 
an  Bin;  dat  Trinnammeruken ,  das  Rundumsprechen,  Salbadern; 
dat  Apijnucfi späten,  das  gegen  die  Wand  Spielen  mit  Schüssern; 
döLiBilling  an  Mjärne,  das  Heute  und  Morgen;  dat  Apdndähl,  das 
Auf  und  nieder;  dät  Jd7itanjurt,  das  Hin  und  her;  dat  Tomäjtteka- 
men,  das  Uebelanlaufen ;  dal  Tofullekamen,  das  in  Erfüllung  Gehen , 
u.  s.  w.    So  zieht  der  Nordfriese  die  Wörter  zusammen,  wie  sie 


97 

hier  im  Deutschen  nachgchiklet  sind.  Auch  viele  Vcikloineiuni^&- 
wörtcr  auf  en,  ken,  (jcn^jcn  sind  sächUch,  wie:  dat  Häitjen,  das 
Stuhlkissen,  dat  J^iken,  dat  ^Ikcn,  dat  llühskcn ,  dat  Kopken, 
dät  Börtjen ,  so  wie  die  auf  slidpp ,  als :  Lönshapp ,  Mönsliapp ,  Fninn- 
shapp  u.  s.  w.,  und  endlich  die  auf  äi,  wenn  sie  die  blosse  Handlung 
oder  das  Thun  anzeigen  und  dabei  den  Nebenbegriff  des  Kleinlichen 
und  Verächtlichen  enthalten,  als:  dät  NJäserdi,  dät  Smereräi,  dät 
Tjäseräi  u.  s.  w.  Mehrere  AVörter  auf  ling  sind  sächlich,  beson- 
ders Ja,  wo  sie  bloss  verkleinernd  stehen,  als:  dät  Tjaulhifi ,  der 
Zwirnknaul,  dät  ^nnerling,  dät  Tivamiling,  dät  SJöckliiiy ,  dät 
Gälisling,  Nimmt  man  aber  Rücksicht  auf  das  Geschlecht,  so  sagt 
man  auch  jö  GälisUng,  jö  Sjöckling,  de  und  jö  TwannUng.  End- 
lich kann  man  noch  die  männlichen  und  weiblichen  Hauptwör- 
ter ,  welche  wirkliche  Dinge  bezeichnen ,  durch  den  blossen  Vor- 
satz des  Geschlechtswortes  dät  alle  zu  Diminutiven  machen,  als: 
dat  Wöfl',  dät  Hünn,  dät  Hdjnst,  dät  Dring,  dät  Tünn,  dat  Kaar, 
u.  s.  w.  Dadurch  drückt  man  aber  immer  Geringschätzung  oder 
Verachtung  aus,  wie  in  dät  Mansli ,  das  Mensch,  und  dat  Mans/ic^ 
das  Menschlein,  was  bei  andern  Diminutiven  nicht  immer  der  Fall 
ist,  die  auch  als  Zärtlichkeitsäusserungen  dienen,  als:  Päike,  Füike, 
Baue,  Sösse,  Dojtte.  Auch  de  Höjtte,  Endscheibe  des  Brotes,  de 
Mäjnte,  das  Männchen,  de  Döjnte,  das  Döhnchen,  de  Röjnle,  ab- 
gestutztes Jäckchen,  de  Pöjntc,  Würfclhölzchen ,  de  llön'kc,  der 
Hahn  an  einer  Tonne,  de  Söpke,  ein  Schnäppschen ,  de  Bäjnte, 
das  Bündel,  und  dePrüjnte,  eine  Kaue  oder  Schrote Taback ,  sind 
lauter  Diminutiva,  die  alle  nichts  Verächtliches  bezeichnen. 

Die  nordfriesischen  Namen  der  Buchstaben  sind  der  Reihe  nach 
folgende,  als:  Aa-a,  Be-b,  Ce-c,  Dc-d,  E-e,  Eff  oder  Aff-f,  Gc-g, 
Haa-h,  I-i,  Jöt-j,  Kaa-k,  Ell  oder  A'11-1,  Emm  oder  A'mm-m,  Enn 
oder  Ann-n,  O-o,  Pe-p,  Ku-q,  Err  oder  A'rr-r,  Ess  oder  A'ss-s , 
Esszett  oder  A'sszätt-sz,  ss,  Esscehaa-sch,  Esste  oder  A'sste-st,  U-u, 
Fau-v,  We-w,  Iks-x ,  Ipsilon-ij,  Zett  oder  Zdtt-z,  Essess  oder  A'ssass-ss, 
EffclT  oder  A'fTäff-ff.  —  Von  diesen  sind  die  Vocale,  so  wie  dieje- 
nigen Consonanten ,  welche  den  Vocal  in  ihrem  Namen  nach  sich 
haben,  weiblich,  diejenigen,  welche  den  Vocal  zum  Anlaut  haben 
aber  sächlich,  daher:  jö  a,  b,  c,  d,  e,  g,  h,  i,  k,  o,  p,  q,  t,  u, 
V,  w,  aber:  dät  f,  1,  m,  n,  r,  s,  auch:  dät  j,  x,  z.  Soll  ein  Ge- 
is 


98 

schlecht  für  alle  gelten,  so  muss  es  das  sächliche  sein,  indem 
das  weibliche  nur  da  gelten  kann,  wo  der  Name  einen  Vocal 
zum  Auslaut,  aber  nicht,  wo  er  ihn  zum  Anlaut  mit  dem  Conso- 
nanten  zum  Endlaut  hat.  Es  würde  anslössig  sein,  wenn  man 
z.  B.  jö  A'mm,  jö  A'rr  u.  s.  w.  sagte,  und  dät  a,  b,  u.  s.  w.  sind 
dann  Diminutive. 

Auch  die  meisten  Stoff-  und  Mengenamen,  letztere,  wenn 
sie  nicht  ausschliesslich  allein  im  Pluralis  gebraucht  werden , 
sind  sächlich ,  wie  die  oben  ( S.  96 )  angeführten  Namen  der 
Metalle  u.  a.  als:  dät  Brüjd,  dät  Järd,  dät  Uli,  dät  Lijm, 
dät  Limm,  dät  Wägs,  dät  Pack,  dät  Kritt,  dät  Iss,  dät  Dauk, 
dät  Lauert,  dät  Glees,  dät  Haurn,  dät  Black  (Blech),  dät  Bläk 
(Dinte),  dät  Flash,  dät  Speck,  dät  Hjärt  (Harz),  dät  liatun,  dät 
Summet,  dät  Mälil,  dät  Lähser,  dät  Pappier,  dät  Baal  (Boi),  dät 
Allöhn,  dät  Sucker,  dät  Sliibb,  dät  Mjögs,  dät  Shjärn,  dät  Maur 
(Moor),  dät  Slömm,  dät  Glaimim  (der  Glumm,  das  Trübe  im  Was- 
ser), dät  Snote  (Rotz),  dät  Spütt,  dät  Sivijt,  dät  Blmjdd,  dät 
Waliser,  dät  Ö/ilc,  dät  Födder,  dät  Sträi,  dät  Täjk  (Tang),  dät 
Terrifj  (Torferde  auf  dem  Schlick),  dät  Sihssen,  dät  Spännräiel,  dät 
Häier,  dät  Maus  (Muss  z,  B.  von  Pflaumen),  dät  Salt,  dät  Färreio, 
dät  Smähr,  dät  S/cp,  dät  rt<%,  dät  Neet  (der  Harn,  altd.  der 
Netz),  dät  Söss  (die  Suppe),  dät  Ijd  (Torf),  dät  Kjärl,  dät  Wäl- 
ling,  dät  Späiling ,  dät  Sulew,  dät  Süwwel,  dät  M)os,  dät  SÄi^f, 
dät  Säujnn,  dät  Grüss,  dät  Hänep,  dät  Sänep,  dät  6'ä/d,  dät 
rrö/Vi  (Zwirn),  dät  l?/;/?«  (das  Band),  dät  T/öV;  (der  Zeug),  dät 
Saaken  (coli,  die  Sachen,  das  Vieh),  auch  T/%,  dät  Twee/  (Quiel), 
dät  Äjth  (Essig) ,  dät  Aelil  (Addel) ,  dät  Mudder  (der  Moder,  Schlamm) , 
dät  Jeest  (der  Gäscht),  dät  Shümm,  dät  Stvämp,  dät  Tänner  (Zun- 
der), dät  T/i-Mr/  (Lichldocht),  dät  Sierp,  dät  Märrlg ,  dät  //öw- 
«iwr/,  dät  Mä?(y7  (Millerde),  dät  Smull,  s,  o.,  dät  Swaawel,  dät 
Rötekrüdd  (Arsenik) ,  dät  Wäi  (die  Molken) ,  dat  Sfidmmel,  dat  Kaum, 
dät  Grö^  dat  TdYf,  dät  Sniehs,  dät  Ffmi//c  (Volk,  Leute),  dät 
€järs,  dät  Ünfjög ,  dat  Päft-er  (Pfeffer),  dat  Shürrcw,  dät  Graumm 
(Eingeweide),  dat  Aimmerc  (die  Emmern ,  Glühasche),  dat  S/irubb 
(die  Krätze) ,  dät  L»/'  (Laub) ,  dät  Tammer  (Bauholz) ,  dät  Ünkrndd. 
§.  70.  Mehrere  Wörter  von  gleichem  Geschlcchlc  haben  oft 
mehrfache   und  dobei    ganz  von  einander   abweichende  Bcdoutun- 


99 

gen.  Davon  hier  nur  folgende,  als:  dat  Ass,  l.das  Daus,  2.  Name 
des  Buchstabens  S;  dät  Bmird,  1.  das  Brett,  2.  die  Borte,  der 
Riegel,  in  Hillebaurd;  jö  Bäik,  1.  die  Buche,  2.  die  Beuche, 
auch  de  Bäjcke;  de  Brand,  der  Brand,  in  allen  Bedeutungen  des 
deutschen  Wortes;  jö  Brö,  1.  die  Brücke,  2,  jö  Stijnbrö,  das  Stein- 
pflaster; dät  Dijl,  \.  das  Ding,  2.  Dingelchen,  5.  der  und  das 
Theil;  jö  Dräft,  1.  der  Trieb,  2.  die  Auffahrt  nach  dem  Hause,  wo 
das  Vieh  getrieben  wird,  5.  die  Trift,  als:  en  Drdß  Swinn ,  4.  Kraft, 
Nachdruck,  Wucht;  jö  Driihg ,  1.  die  Traube,  2.  die  blecherne 
Milchseihe;  de  Fäiijtt,  1.  der  Fuss,  2.  der  Schuh  odcrFuss,  als 
Maass;  jö  Fährt,  1.  die  Fahrt,  Schnelligkeit,  2.  die  Fahrt  zur  See 
auf  einen  Ort;  jö  Fingt,  i.  der  Flug,  2.  die  Flucht;  dät  Gäujd, 
1.  das  Gut,  als  Landgut,  2.  das  Gut,  der  Schatz,  z.  B.  Sünnhäid 
asengrött  Gäujd,  Gesundheit  ist  ein  grosses  Gut;  iöllänjnn,  1.  die 
Hand ,  2.  Handschrift ,  5.  eigenhändiger ,  schriftlicher  Beweis,  Schein ; 
jö  Jagt,  \.  die  Jagd,  2.  die  Jacht;  jö  Karst,  1.  die  Kisle ,  2.  der  Sarg; 
de  Klömp,  4.  die  Klampe,  2.  grosse,  länglich  viereckige  Schober 
Heu  oder  Getreide  beim  Hause;  jö  Käst,  1.  die  Kost,  2.  Hochzeit; 
dat  Krüss,  1.  der  Krug,  z.  B.  Bierkrug,  2.  das  Kreuz  in  allen 
Bedeutungen;  jö  Lier,  1.  die  Lehre,  Lehrzeit,  2.  gute  Kenntnis- 
se; dat  Neet,  d.  das  Netz,  2.  der  gesammelte  Harn;  jö  Nähs, 
i.  die  Nuss,  2.  die  Niss,  Läuseei;  dät  Säjd,  1,  der  Same,  2.  die 
Rapsaat;  jö  S/iälil,  i.  die  Schale  als  Gefäss,  2.  der  Unterschied 
beim  Fordern  und  Bieten;  jö  Shälil,  \.  die  Schale,  z.  B.  von  Ae- 
pfeln,  Nüssen  und  Hülsenfrüchten ;  bei  Scholcngewächscn  das  dün- 
ne Oberhäutchen:  jö  Päld;  dat  Spdtt,  1.  ein  Spatenvoll,  die  Tiefe 
des  Spatenblattes,  2.  der  Spiess,  5.  der  Späth  der  Pferde;  jö 
Träw,  i.  der  Trab,  2.  eine  Stiege  Garben  oder  Langstrohbunde, 
40  bis  60;  de  Wjärt,  i.  der  Wirth,  2.  der  Wcrth;  de  Wjärd,  die 
Wahrheit;  dät  Uhr,  4.  das  Ohr,  2.  die  Taschenuhr,  auch  jö; 
dät  Ahk ,  4.  das  Scheuernthor,  2.  die  schräge  Auffahrt  an 
einem  Deiche;  dät  Brak,  4.  der  Mangel,  2.  die  Noth ,  als: 
dät  het  m'jn  Brak,  hat  keine  Noth,  nichts  zu  bedeuten;  de  Främ- 
de,  4.  die  Fremde,  als  Gegensatz  der  Hcimalh,  de  Hühs;  de 
Krage,  4.  die  Krähe,  2.  der  Kragen;  de  Paurle,  4.  die  Pforte,  das 
Thor,  2.  der  Kerker,  5.  der  Stachel  der  Bienen,  Wespen  u,  s.  w.; 
dät  Sihssen,   4.  die  Seide,   2.  das  Zischen;  jö  Hüjlling,  HijUing , 

13  • 


100 

von  hiijUcn,  liallcn,  die  Nachgeburt  einer  Kuh;  jö  Hylling  von 
hijllcn,  neigen,  dän.  at  häldc,  die  Neige,  als:  jö  Tann  läit  äw'e 
Hijlling ,  die  Tonne  liegt  auf  der  Neige;  da  FäjUlinge,  die  Füss- 
linge  an  Strümpfen  und  Stiefeln;  2.  das  Fussende  des  Bettes,  als 
Gegensatz  der  Raupten,  de  Haadlinge;  de  Drönk,  1.  ein  Trunk, 
2.  ein  Trank,  3.  der  Trunk,  als  Laster;  dät  Lüjdd,  l.dasLolh,  als 
Metall,  2.  als  Gewichtmaass,  5.  das  Gewicht  an  einer  Uhr;  de 
Tome,  \.  der  Daumen,  2.  das  Zoll;  de  Shöl,  \.  der  Schuss,  2. 
der  Schoss,  Schössling;^  da  Feste,  \.  die  Fäuste,  2.  die  Fasten;  de 
Hölle,  \.  die  Kiilte,  2.  das  Fieber;  dät  Sägt,  \.  von  seegt,  seicht, 
die  Seichte  in  einem  Acker;  2.  von  sagten,  zielen,  das  Zielkorn 
auf  der  Flinte  (das  Ziel  ist  aber  dät  Miilil),  5.  die  Richtung  nach 
dem  Ziele;  jö  Fähr,  \.  die  Fähre,  2.  die  Schaar,  o.  jeder  auf- 
fallende Anzug,  Aufzug,  und  dergl. ,  z.B.  ein  altmodisches  Kleid , 
eine  auffallende  Kopfbedeckung;  dät  Töch,  1.  der  Zug,  als  Lick- 
tüch;  2.  das  Mal  in  ein  Mal,  zwei  Mal  u.  s.w.;  jö  Sling^  1.  Schleu- 
der, 2.  eine  Schlucht  im  Wagcngcleise  an  der  einen  Seite;  jö 
Klamm,  1.  die  Klemme,  zum  Festhalten,  Klammer,  2.  Klemme, 
Verlegenheit,  Nolh;  dät  Sjö/in ,  1.  das  Gesicht,  als  Sehver^ 
mögen,  2.  Erscheinung,  5.  Anblick,  Wahrnehmung;  jö  Drägt, 
\.  die  Klcidcrlracht,  2.  das  Schulterjoch  zum  Tragen  der  Eimer 
u.  s.  w.,  5.  was  man  aufs  Mal  trägt,  z.  B.  eine  Tracht  Holz, 
Prügel  u.  s.w.,  4.  die  Wage  an  der  Deichsel;  de  Slieck,  1.  der 
Schlag,  Hieb,  2.  der  Schlag,  als  Art,  Gattung;  de  Släg ,  i.  der 
Schlag  ,  als  Krankheit ,  Lähmung  u.  s.  w. ,  2.  Schlag  ,  Art , 
Gattung,  Race;  'joBugt,  l.dic  Bucht,  Krümme,  2.  die  Oberhand, 
der  Obsieg;  dät  Tält ,  4.  das  Zelt,  2.  der  Zwölfter  Bretter;  de 
Glöme,  i.  Gluth,  2.  brennende  Hitze  in  den  Backen;  de  Bank, 
die  Bank ,  in  allen  Bedeutungendes  deutschen  Wortes;  dät  liedd, 
4.  Bett,  2.  Gartenbeet;  dät  Bleess,  das  Blatt;  de  Bldss,  der  Bläss, 
an  der  Stirnc  der  Pferde;  dät  Fäll,  1.  das  Füllen,  2.  das  Fell; 
jö  Tdnn,  die  Tonne;  de  Winn,  \.  der  Wein,  2.  der  Wind;  de 
Klump,  \.  der  Kloss,  2.  der  Klumpen;  de  Priss,  \.  Preis  der 
Waarcn,  2.  Lob,  Ruhm;  jö  Shäjl,  die  Schuld,  Ursache;  jö  Skull, 
die  Schuld,  die  man  zu  bezahlen  hat;  jö  Länk,  i.  die  Kette,  2. 
die  Ketlcl;  jö  Wägt,  \.  die  Wage  zum  Wägen,  2.  das  Gewicht, 
die  Schwere. 


101 

§.  71.    Andere  sind  verschiedenen  Geschlechts  und  demnach  von 
verschiedener  Bedeutung,  als:  dät  Bijn,  das  Bein,  dat  Bijnn,  das 
Band   als  Stoff-  oder  Mengename;  de  Bijnn,  das  Band,  ein  ein- 
zelnes,  wie  Holisbijnn,   Strumpfband,   2.  der  Band  eines  Buches; 
jö  Birk,   die  Birke,  dät  Birk,  Birkdistrickt,   Bezirk;  jö   ßjärst, 
die  Borste,   de  Bjärst,  der  Berst,  Riss;   dät  Dank,  das  Tuch  als 
Stoffnamc,  de  Dank,  gestaltetes  Tuch  als  Gattungsname,  wie  iVaas- 
(lauk,   Shrockenaasdaiik ,   Taschennasen tuch    u.  s.  w. ;    dät    Eesh, 
die  Asche,  jö  Eesh,  die  Esche,  de  Ecsh,  die  Schachtel;  de  Fäll, 
der  Fall,  jö  Fäll,  die  Falle;   de    Gast,   der   Gast,  jö   Gast,   die 
Geest,  als  Gegensatz  der  Marsch;  jö  Häi,  das  Erinnerungsvermö- 
gen, dät  Häl,  die  Lust,   das    Behagen   an   etwas,   als:  dät  kämt 
me  äujn  Häi,  es  fallt  mir  ein,  kommt  mir  in  den  Sinn,  Ick  Iiäivr 
m'jn  Häi  äjt,  ich  habe  keine  Lust  dazu;  de  Haurn,  das  Hörn  als 
Gattungsname,  dät  Haurn,   als  Stoffname;  jö  Hjärn,   die  Ecke, 
2.  der   Winkel ,    wie  Kächelaimenshjärn ,  der   Ofenwinkel ,    sonst 
de  Wdinkcl,   dät  Hjärn,   1.  wollenes  Garn,  2.  der  Geier,   wie  in 
Hännchjärn,  der    Hühnergeier,    Göselijärn ,    der  Gänseaar;    Keel, 
Name   der   Stadt  Kiel ,    de   Keel ,   der  Schiffskiei ;   de   Klädd ,   der 
Kleks  (Flecken),  jö  Klädd,   die   Kladde;   de   Kjärl,   der  Kerl,  jö 
Kjärl,  der  Kern,  dät  Kjärl,    der  Quark  beim   Käsemachcn;  de 
Krcefte,   der  Krebs,   als  Krankheit,    da  Krcefte  pl.   von  jö   Kraft; 
jö  Läujdd,  das  Rammeln  der  Hunde  und  Katzen,  dät  Lätijdd,  der 
Laich,   von  Fischen    und  Fröschen;   de   Wäjl,  der  Weiher,   die 
Wohle,  dät  Wäjl,  das  Wohl;  de  Mjurjs,  der  Mist,  dät  Mjörjs,  der 
Schmutz,   Unrath;    de  Müss,   der  Mund,  jö  Mass,  die  Maus;  dät 
Mark,  das  Merkzeichen,  jÖ  Mark,  die  Mark,  16  f;  dät  Mäsh,  der 
Maisch,  jö  Mäsh,  1,  die  Made,  2.  die  Masche   beim   Stricken;  jö 
Päiijnn,   die  Verpfändung,  dat  Päujnn,  Pfandgut;   de  Räjdd,  der 
Rath,  jö  Räjdd,  inWönräjdd  (Wahnralh),  verkehrte  Anschläge;  jö 
Rdst,  der  Bratrost,  de  Rast,  der  Rest,  2.  Nichts,  als:  dö  shäht  en 
Rasthewe,  du  sollst  nichts  haben,  5.  die  Rast;  da  Rinn,  der  Regen, 
iöRinn,  dicKmdc;  de  Ragt,  das  Gericht  Essen,  dät  Rögt,  das  Recht; 
de  Saal,  der  Saal,   jö  Saal,  die  Sohle;  jö  Sähiu ,  das  Mark  aus 
einer  Lampenbinse,   um  es  als  Docht  zu  gebrauchen,  dät   Sähw, 
das  Sieb;  de  Sann,  die  Sonne,  dät  Sdnn,  der  Sinn,  das  Gemüth, 
jö  Sann,  der  Sinn,  als  Organ;   de  Sahn,  der  Sohn,  jö  Sahn,  die 


102 

Sehne ,  Flechse ;  de  Sill ,  der  Kessel ,  dät  Sill ,  das  Siel ,  Wasser- 
rinne; de  Sliätt ,  der  Schatz,  jö  Sliätt,  die  Schätzung,  Abgabe; 
de  Sldjnk,  der  Schluck,  jö  Sldjnh ,  der  Schlund;  de  Smälts,  der 
Wurf,  jö  Smälis,  die  Schmiede;  de  Spot,  der  Fleck,  dät  Sj)öt, 
der  Spott;  de  Spaait,  der  Spritz,  Spritzstrahl,  jö  Spaait,  die 
Spritze;  de  Stämp,  der  Stampf  mit  dem  Fusse,  jö  Stämp,  i.  die 
Stampfe,  2.  der  Stempel;  deSträdd,  ein  weiter  Schritt,  i'öSlrädd, 
die  Grätsche,  so  weit  man  die  Schenkel  aus  einander  spreizen 
kann;  jö  Spar,  der  Sporn,  dät  Spar,  die  Spur;  jö  Spann,  die 
Spanne,  dät  Spann,  das  Gespann;  jö  Stälis,  die  Stadt,  dät  Stälis, 
die  Statt,  die  Stelle,  der  Ort;  jö  Tann,  die  Tanne,  dät  Tan7i, 
das  Zinn;  de  Tung ,  die  Zunge,  jö  Tung ,  die  Zange;  de  Träjd, 
ein  einzelner  Faden,  dät  Träjd,  der  Zwirn;  jö  Tur,  die  Thräne, 
dät  Tur,  ein  weinig,  ein  Tropfen  (jenes  ist  dän.  en  Taare,  dieses 
en  Taar);  dät  Twjdrn,  der  Zwirn,  jö  Tivjdrn,  die  Quem,  1.  eine 
llandmühle,  2.  der  Mahlgang  in  einer  Mühle;  AeWaaü,  der  Wink, 
jö  Waait,  die  Winke;  de  Winn,  4.  der  Wind,  2.  der  Wein,  jö 
Winn,  die  Winde;  de  Hagel,  i.  der  Hagel,  2.  die  Ferse,  5.  der 
Absatz  am  Schuh,  jö  Hügel,  die  Hechel;  de  Kräwel,  jö  Kräivel, 
dät  Kräivcl  s.o.;  de  Wä/iser,  der  Hammel,  dät  Wähser,  das  Wet- 
ter; jö  Bäigel,  die  Regel,  dät  Räigcl,  die  Ordnung;  de  Häch,  der 
Hack,  z.  B.  mit  dem  Schnabel,  jö  Häch,  die  Hacke;  dät  Bjdrn, 
das  Kind,  de  Bjärn,  der  Born,  veraltet,  aber  noch  in  bjdrncn 
(hörnen),  das  Vieh  tränken,  jö  Bjdrncköhl,  die  Tränke,  de  Bjär- 
netrög ,  Tränktrog,  u,  s.  w. 

§.  72.  Die  Eigennamen  der  Menschen ,  welche  die  Friesen 
oft  bis  zur  Unkenntlichkeit  verstümmeln ,  richten  sich  nach  dem 
natürlichen  Geschlecht.  Hier  einige  derselben  zur  Probe:  a.  männ^ 
liehe,  wo  der  deutsche  Namen  voransteht,  als:  Albert,  Albrecht, 
albert;  Andreas,  Andräis ,  dim.  Baisse;  Bahne,  Baanc ,  Baue; 
Bende ,  Benne ;  Bruder,  Broder,  und  Brörhe ;  Detlef,  Däjtleiv , 
Dietlew;  Düe  ,  Dü-e ;  Danklef,  Tungle  ;  Edlcf,  Illwe ;  Ehe,  Aibe  ; 
Fedder,  Fäddcr;  Nicolas,  Klaai;  Sibbern,  Sibberne ;  Sönke,  Sän- 
ke ;  Christian  ,  Kristjen  ,  dim.  Tisse  ,  liiche ;  Jens  ,  Jans ;  Martin  , 
Märten ;  Jakob  ,  Jaakeb ,  JcTpe ;  Boie ,  Böie ;  Karsten  ,  diminutiv 
Käcke ;  aus  JSiss  w  ird  Riss ,  Nie ,  Nickels ,  Nagels  und  Nashe ; 
Nane,  Naane;    Pai ,  Paaie;  Peter,    Päjler;   Hemme,  Häme ;   Laf- 


105 

rcnz  ,  Läwrans ;  Ilarkc  ,  ilärkc  ;  Lütjc,  Lüjtlc  ^  Lmjltc ;  Jcss , 
Jöshe ;  Ricklef ;  Kctcl,  Kille;  Lauritz  ,  Ldtvers ;  Numcle ;  Mumme; 
Sieivert ;  Urban ,  Urbaan ;  Jürgen ,  Juni ;  Michel ,  Michel  und  Megaal; 
Heine ,  Häjnne  ;  Bcndix  ,  BdntUx ;  Samuel ,  Saamel ,  u.  s.  w.  — 
hAveibliche,s\&:  Annclien,  ^jnte;  Abel,  Aahel  \mi}i  ^wcl ;  Agatha, 
Aajt ;  Botel,  Böjlt;  Dorothea,  Dortig,  Dortjen;  Nijlk;  Else,  Illsh; 
Katharine,  Getreen;  Christina,  Gestcen,  Stine;  Helena,  Lene,  Len- 
ken, Lin'k;  Sieke ,  (die  kleine  Sie);  Caecilie ,  Stile;  Mämk;  Am- 
mer; Sossei;  Mathilde,  Rldt ;  Non'k ;  Katharine,  Trin'k;  Elise, 
Lieke;  Agniete  ,  Angnäjt,  Netjen;  Beata  ,  Beaajt;  Herle ,  Helk , 
Hjärlig ;  Engel,  Ajng el ;  Ges'ina ,  Gecsh;  Susanna,  Süsh;  Laurette, 
Ldwräjl;  Magdalena,  Maläin  ;  Margare  tha  ,  Megräjt ;  Maria,  Mcrie , 
Merike,  Micken,  Miß;  ^n'k;  Pop;  Kie;  Hertha,  Birte ;  Hedwig, 
Hetjcn ;  Mäjnt ,  u.  s.  w.  *. 

Die  meisten  nordfriesischen  Ortsnamen  endigen  sich  auf  um  und 
hüll,  demnächst  auf  siä//s  und  törp  (Dorf),  rup ,  trup ,  strup ,  törp, 
xm6.holm;  andere  Endungen,  als  lialm  und /mm,  kommen  seltener 
vor ,  und  kög  (de  Kug)  bei  allen  Kögen  mit  den  dazu  gehörigen 
Vornamen.  Die  Endungen  um  und  hüll  {bäujl)  sind  bei  weitem 
überwiegend ,  sowohl  in  den  Ortsnamen  des  untergegangenen  Nord- 
frieslands ,  als  in  dem  noch  vorhandenen  Reste  desselben ,  wel- 
cher, einer  Propliczeihung  der  nordfriesischen  Sibylle  Hertje  zu- 
folge ,  im  Laufe  der  Zeiten ,  demselben  Schicksal  anheimfallen 
wird.  Auf  Helgoland  ,  das  im  Jahre  800  noch  über  40  Ortschaf- 
ten zählte,  waren  damals  folgende  auf  um,  als:  Baddum,  Haijen- 
sum,  Dunum,  Gunderum  ,  Sellum  und  Siekum.  Anno  1240  hatte 
Famgeholt    noch   12  Kirchspiele   und    Süderslrand   folgende   auf 


')  Unter  den  obenstehenden  Eigennamen  kommen  viele  Verkleine- 
rungen vor ,  welche  Mütter  und  Kindermädchen  den  kleinen  Kin- 
dern geben  ,  die  sie  dann  als  Erwachsene  oft  noch  beibehalten. 
Dahin  gehören  z.  B.  Baisse,  Tissc ,  Kicke,  Käcke ,  Klaai,  ßaai  (für 
Ingeburg) ,  Aait ,  ßoilt ,  Tine ,  Tijlte ,  Mie  ,  Tienken  ,  Mielijnkeu 
(Maria  Catharina)  und  ähnliche ,  die  alle  keine  Taufnamen ,  son- 
dern willkührlicbe  Verstümmelungen  derselben  sind.  Bei  denje- 
nigen, die  sich  auf  nk  endigen,  ist  n  kein  Nasen-,  sondern  ein 
reiner  Zahnlaut ,  und  muss  dem  gemäss  gelesen  werden.  Dahin 
gehören  z.  B.  Sänke  ,  Ank  ,  Nonk ,  Trink  ,  Link  ,  zusammengezo- 
gen aus  Sdnike  (Sönken),  Aitnike ,  Nonnikc ,  Trinekc  und  Linekc , 
lautrr  Diminutiva. 


104 

um,  als:  Winnum  (2  mal),  Milium,  Wotbekum ,  Bundum , 
Dcrtum  ,  Busum  und  Siegbcrtura  ;  Nordstrand  :  Hijntuin  ,  Eidum  , 
Langum  ,  Balum  ,  Rullum  ,  Gomorum  ,  Falum  ,  Hinnum  ,  Appe- 
lum  ,  Grodum  ,  Horstum  ,  Bellum  ,  Mocsum  ,  Arum  ,  Hindrum  , 
Bertum ,  Habekura ,  Hannum ,  Colum ;  in  Eiderstedt  (lüjttc  Ei- 
derstedt)  Alversura  ,  Walum ,  Tolum ,  Horstum ;  im  nördlicbcn 
Theilc  von  Nordfriesland  (1240):  Malberum,  Silingsum,  Rüslum , 
Hinnum,  Berlum ,  Roddum,  Birgum,  Lijstum,  SijUum ,  Blijdum  , 
Udura ,  Osterkijlura,  Panum,  Kieptrum,  Winnum,  Eitum  (2  mal), 
Braderum  ,  Wiserum  ,  Bartum  ,  Eidum  ,  Hünum  ,  Tinum  ,  Har- 
tum,  Hamm,  Steinum,  Flüdum  (2 mal),  Hornum,  Sledum,  Hel- 
ium ,  Katura  ,  Caapum  ,  Arcbsum  ,  Nijstum  ,  Rijllum  ,  Mijdum  , 
Gatum,  Lägum,  Hellidum,  Lickum ,  Nistum ,  Hattum,  Apperum, 
Jordum  (2  mal),  Larpum,  Knökum,  Kixtum,  Bundum,  Trindsum, 
Bummelum  ,  Upum  ,  Tewecum  ,  Wipperum  ,  Wilsum  ,  Bundum  , 
Wellum  ,  Bulum,  Toftum,  Gerdum  ,  Brinkum  ,  Harrum,  Hunnum, 
Bindum  ,  Strückum  ,  Krückum  ,  Frillura  ,  Oddum  ,  Klütum  ,  Ar- 
num  ,  Schallum  ,  Knijpum  ,  Mönrum  ,  Satrum  ,  x\ndura ,  Gnäpura  , 
Bilkum,  Dunsum,  Lukum,  Hanum,  Kliium,  Fludum.  —  In  West- 
friesland  (welche  davon  noch  vorhanden  oder  untergegangen  sind , 
weiss  ich  nicht ,  aber  die  aufgezählten  nordfriesischen  sind  schon 
vor  Jahrhunderten  vom  Meere  verschlungen) ,  em  und  um ,  als : 
Jeppem  ,  Beijem  ,  Merum  ,  Sixbirum  ,  Pietersbirum  ,  Osterbirum  , 
Lidlum  ,  Herbajum,  Abnenum,  Winaldum  ,  Landum  ,  Mailhum  , 
Nitzum  ,  Pingiura  .  Witmarsum  ,  Hiddem  ,  Engwierum  ,  Makum  , 
Sotterum,  Workum,  Hemelum,  Woengium,  Midum,  Ruygelallum, 
Jerum,  Hichtum ,  Wolsum,  Arkum,  Dedgura ,  Oldemardum,  Ru- 
gahuysum ,  Nijemardum  ,  Spannum ,  Winsum ,  Bairum  ,  Schalsum , 
Aengjum  ,  Beetgum  ,  Menadum  ,  Franjum,  Marssum  ,  Deinum  , 
Blcssum  ,  Hielum  ,  Wcidum  ,  Mantgum  ,  Bosum  ,  Deersum  ,  Mer- 
rum  ,  Hallum ,  Britzum  ,  Cornium  ,  Heinum  ,  Hijlsum  ,  Jelsum  , 
Techum,  Wirdum,  Irnsum,  Genum,  Hijanum,  Dockum,  Leckum, 
Gentum ,  Roltum,  Bergum,  Driesum,  Aclzum,  Ocstrum,  Rcysum, 
Collum,  Burum,  Doerum,  Midhallum,  Hallum,  Bcusum.  —  In  Ost- 
friesland:  Oldersum ,  Borcum  ,  Jemgum ,  Osterdum  .  Ackcrum, 
Vogum,  Gorcum,  Vorcum,  Franum,  Worrum  ,  Collum,  Winsum. 
Mackum ,   Engwicrura  ,  Noilum   auf  Amcland,    Lidlum  ,   Bdcum, 


105 

Dockuni ,  WaiTum,  Rottum  ,  Bicruin  ,  Farnisura,  Risum,  Bal- 
trum.  —  Die  nocli  vor/iandenen  in  Nordfriesland  auf  um,  Am- 
rum  (Insel)  l.  Auf  der  Insel  Sijlt:  Archsum,  Keiturn,  Rantum , 
Tinnum.  2.  Auf  der  Insel  Führ :  Boldixum ,  Wrixum ,  Oeve- 
nura,  Midlum,  Alkersum  ,  NieMum ,  Boigsum  ,  Winsum ,  Hedde- 
hiisura,  Dunzum,  Ucttcrsum,  Oldsura,  Klintum,  Toftum.  —  5.  In 
den  Aemtern  Tondern,  Bredsledt  und  Husum,  an  der  Westküste 
und  auf  der  Vorgeest :  Riesum  ,  Stadum  ,  Bargum  ,  Klintum ,  Bor- 
lum,  Husum,  Ophusum,  Breklum,  Bondelum,  Struckum,  Kar- 
lura,  Dörpura,  Rantrum,  Bodum  (im  Amte  Hadersleben),  und  Bo- 
dum  (im  Amte  Apenrade) ,  Bögelum;  in  Ditmarschen  Büsum,  und 
an  der  jütländischen  Küste,  südlich  ßorum,  Veirum,  Ballum,  Gu- 
lum,  Bijrura.  —  Die  Endung  Bull,  noch  jetzt  in  Nordfriesland  dal 
Bäujl  oder  Baul ,  die  Hütte ,  wird  im  Dänischen  zu  hol ,  bölle , 
halle,  und  im  Deutschen  zu  büUel,  woraus  auch  das  im  Herzog- 
thume  Schleswig  gebräuchliche  Bohl,  ein  Bauernhof  mit  einer 
Hufe  Landes,  hervorgegangen  ist.  Diese  Ortsendung,  die  auf  alten 
Landkarten  über  Ost-  und  Westfriesland  gar  nicht  vorkommt,  ist 
seit  undenklichen  Jahren  im  nördlichen  Friesland  heimisch.  So 
hatte  Helgoland  im  Jahre  800  unter  seinen  Ortschaften  folgende 
auf  hüll ,  als  :  Ottrebüll ,  Ticfkebüll ,  Farrcnbüll ,  Vestcbüll ,  Rod- 
büU  ,  LowesbüU  ,  Scheckenbüll ,  Holmbüll ,  Medenbüll ,  Leiebüll , 
Hijlgerbüll  und  Telligbüll.  Im  Jahre  1240  hatte  Rungeholt  in 
seinen  12  Kirchspielen  folgende  Oerter  mit  hüll,  als:  Ebensbüll, 
SockenbüU,  Gaikebüll  (2),  Odenbüll,  Akcnbüll,  Obbenbüll;  ISord- 
Strand:  Luenbüll ,  Stintebüll ,  Wittcnbüll ,  llcrsbüll,  Konigsbüll , 
Volgsbüll,  Esbüll,  Boienbüll,  ünkebüll ,  Spalebüll ,  RickelsbüU , 
SrapenbüU,  Stückbüll,  Hulkebüll,  Hulksbüll,  Offebüll ,  Ulvcsbüll, 
Rensbüll,  Iwensbüll,  Adebüll,  Haicnbüll;  in  lüjtle  Eiderstedl:  Fler- 
debüll,  Norderbüll,  Süderbüll.  Im  nördlichen  Theile  Nordfrieslands 
(1240):  KlüffsbüU,  Pebüll,KnipbüIl,  Brüderbüll,  Knockbüll,Frischbüll, 
Kirkbüll,  Lückbüll,  Borrenbüll,  Rcckclsbüll,  Keckelsbüll,  Ratzebüll, 
WüppenbüU  ,  Handingsbüll ,  Todingsbüll ,  Hatzerbüll ,  SpickcbüU , 
Juenbüll,  TinnebüU,  Wingbüll,  GrisbüU,  Maiensbüll,  Tocksbüll, — 
Noch  in  Nordfriesland  und  den  angränzenden  Dislriclcn  vorhan- 
dene Oerter  dieser  Namensendung,  die  man  auf  den  Inseln  nicht 
mehr   antrifft,    im   Amte    Tondern:    Kuxbüll,    Poppcnbüll ,    Rutte- 


106 

büil,  Bösbüll,  Ikilsbüll,  Böhsersbüll  (Buttcrsbüll),  Grellsbüll,  Kah- 
lebüll ,  Klixbüll ,  KrakebüU ,  Perebüll ,  Schardebüll ,  Schnate- 
büll ,  Spai'kebüll,  StrucksbüU,  WalsbüU,  WimmersbüU  ,  Törsbüll, 
Trasbüll ,  Niebüll ,  ülbüll ,  Deezbüll ,  Maasbüll ,  Dagebüll ,  Gahns- 
büll ,  Emraelsbüll ,  Horsbüll  ,  Klanksbüll ;  in  Eiderstedt :  Kot- 
zenbüll ,  Koldenbüttel  ,  Poppenbüll  ,  Tetenbüil ,  Ulvesbüll ;  im 
Amte  Husum:  ScbobüII ;  Bredstedt :  Mircbüll,  Ebüll  (A.  Tondern), 
Ebüll  (bei  Bredstedt),  Efkebüli  (A.  Tondern),  EfkebüU  (in  der 
Landschaft  Bredstedt),  Ellebüll,  Büttebüll,  Bremsbüll  (Tondern); 
im  Amte  Haderslehen :  Aabüll ,  Barsbüll ,  2  mal ,  Grödebüll ,  Ans- 
büll,  Slorsbüll,  WeibüU  ,  MoibüU,  Kjärbüll ,  Kagbüll ,  Spallebüll 
(Eiderstedt),  SprakebüU  (Tondern),  SpinkebüU  (Bredstedt),  Ster- 
debiill,  Todsbüll,  Tombüll,  Trasbüll,  u.v.a.  Das  Böl,  Bolle  und 
Balle  ist  auch  im  Dänischen  häufig.  —  Die  Endung  Slähs  (sted) 
kommt  seltener  vor,  wie  Ahserstähs ,  Eiderstedt;  Bräistähs , 
Bredstedt;  Buhmslähs  ,  Bohmstedt;  Tanningstähs  ,  Tinninsstedt ; 
Räfstähs,  Siewcrstähs,  Wittstähs,  Mildstähs,  Jerpstähs,  u.  s.  w. — 
Die  Endung /<o/w,  der  Holm,  Insel,  ist  im  Nordfriesischen  de  Hau- 
lem,  ^^ird  aber  auch  fiolm  und  lialm  gesprochen;  so  ist  z.  B.  Lind- 
holm Lunhälm ;  Ockhohn  dagegen  Okliaiilcm ,  und  Soholm  5«- 
hölm. 

Bemerkung. 

Die  Ortsendung  um  wird  von  den  jetzigen  Nordfriesen  häufig 
in  cm  verwandelt,  wie  in  Rihsem ,  Riesum ,  Hühssem ,  Husum, 
Ömrem ,  Amrum ,  u.  s.  av.  Dasselbe  ist  bei  den  Namen  Jeppem , 
Beijem  und  Hiddem  (nach  alten  Karten)  in  Westfriesland  der 
Fall,  welches  doch  unstreitig  dieselbe  Endung  ist.  Dicss  kann 
niemand  auffallend  sein ,  der  da  weiss ,  wie  sehr  der  Friese 
Zusammenziehungen ,  leichte  Lautverschraelzungen  und ,  gleich 
dem  Engländer ,  Verdrehungen  nach  seiner  eigenen  Mundart 
liebt.  Der  Dr.  Clement  von  Amrum,  also  ein  geborner  Frie- 
se ,  der  sich ,  wie  man  aus  seinen  milgetheilten  Bemerkungen 
schliesscn  kann ,  viel  mit  Wortforschungen  beschäftigt ,  und 
dazu  auch  seine  Kreuz-  und  Querzüge  in  England  trefflich 
benutzt  hat ,    behauptet    (im    Altonaer  Merkur)   die   Endung  vm 


107 

sei  dieselbe  ,  wie  das  englische  Iiam  in  Chatham ,  Buckingharn  , 
Chcltenliam  ,  Bimiingham  ,  Okcham  ,  Nolllngham  ,  Nolljcrliam  , 
Oldliam  ,  Durhani ,  u.  s.w.,  aus  dem  Alifriesischcn  staninicnd  , 
was  ieh  nicht  entscheiden  kann ;  aber  auffallend  ist  es ,  dass 
man   sie    schon  im  Jahre  800  überall  in  um  verwandelt  findet. 

Die  Zahl,  {Numerus),  Einheit  und  Mehrheit,  oder  Sitigidaris  und 
Pluralis. 

Bildung  der  Mehrheit. 

§.  73.  Die  Bildung  der  Mehrheit  aus  der  Einheit  ist  im  Nord- 
friesischen sehr  einfach  und  leicht,  wenn  man  sich  die  weiter  unten 
folgenden  Abweichungen ,  Unregelmässigkeiten  und  Ausnahmen 
nur  erst  eingeprägt  hat.  Alle  Hauptwörter,  die  in  der  Mehihcit 
vorkommen  können,  und  eine  hinzugefügte  Endung  erhalten, 
endigen  sich,  ohne  Ausnahme,  immer  nur  auf  e,  und  behalten 
diese  unverändert,  wenn  sie  dieselbe  schon  in  der  Einheit  haben. 
Die  regelmässige  Bildung  der  Mehrheit  derjenigen  Wörter,  wel- 
che mit  nacktem  Stamme ,  oder  ohne  Nachsilben ,  da  stehen ,  er- 
fordert bloss  den  Vorsatz  des  Geschlechtswortes  da  und  die 
Anhängung  des  Buchstabens  e,  als:  de  Dick,  da  Dicke  (Deich), 
jö  ^rt,  da  Arte  (Erbse),  dät  Bijn,  da  Biene  (Bein),  de  Grünn, 
da  Grümie  (Grund),  jö  Klöck,  da  Klöckc  (Glocke),  dat  BöJir,  da 
BöJtre  (das  Bauer),  de  Klump,  da  Klumpe  (der  Klump,  Kloss), 
jö  Pump,  da  Pumpe  (die  Pumpe),  dat  Ljägt,  da  Ljägte  (das  Licht), 
de  Säirk,  da  Säirke  (Mannshemd),  jö  Wähg,  da  Wähge  (Woche), 
dät  Slot,  da  Slöte  (Schloss). 

§.  74.  Da  alle  Hauptwörter  auf  e  dieselbe  Endung  im  Pluralis 
behalten,  so  gehören  dazu  auch  die  mit  den  Endungen  und  Nach- 
silben eise,  ense,  ere  und  crne,  als:  de  Dräge ,  da  Dräge  (Drache), 
de  Krögc,  da  Kröge  (Gräpen),  de  Käser e,  da  Käsere  (Kater),  de 
Wdnserne ,  da  Wanscrne  ( Besemer ) ;  de  Tachelse ,  da  Tachclse 
(Deichsel).  Einige  Wörter,  obgleich  sie  einen  Plural  haben,  be- 
halten dennoch,  wie  im  Deutschen,  die  Form  der  Einheit,  wenn 
sie  als  Gewicht  oder  Zahlenmaassc  stehen,  z.B.  fjauer  Mark,  tieu 
Pünn  Flash,  luhg  Lüjdd  Sihsscn,  twellew  Ihr  üjll,  u.  s.  w.  4  Mark, 
10 Pfund  Fleisch,  2Loth  Seide,  12 Jahr  alt. 

H  * 


108 

§.  75.  Bei  denjenigen  Wörlern,  die  sich  auf  el,  er,  en  und  cm 
endigen,  kann  man  nach  Belieben  das  c  vor  dem  Consonanten 
wegwerfen  oder  beibehalten,  als  de  Fögel,  da  Fögele  oder  Fügte, 
de  Färwcr ,  da  Farwere.  oder  Fänvre,  de  Kögen,  da  Kögene  oder 
Kögne ,  de  Bäisem ,  da  Bäiscme  oder  Bäisme ,  jö  Fäihsem ,  da 
Fäiliseme  oder  Fäilisnie  (Faden  als  Maass).  Dasselbe  gilt  von  der 
Endung  ew,  als:  dät  Wiereiv,  da  Wiereive  oder  Wienve  (Gewerbe), 
jö  ilärrew ,  da  Härive  (Egge),  de  Wäirew,  der  Warf  (nicht  die 
Werfte),    de  Kaurew  (Korb),  dat  Färretv  u.  s,  w. 

§.  76.  Alle  Wörter  mit  nacktem  Stamme,  mit  Nachsilben  oder 
andern  Endungen  ,  bekommen  das  e  nur  in  der  Mehiheit ,  wo- 
fern es  nicht  schon  in  der  Einheit  vorhanden  war,  von  Avelchem 
Geschlechte  sie  auch  immer  sein  mögen ,  als :  Dögede ,  Faagede , 
Lönshriwweräie ,  Kinninge ,  Kinninginne ,  LonsJtappe ,  Kronkliäide , 
Wänigte ,  Hannernisse ,  Häiringe ,  Bocklinge ,  Sjücklinge ,  Bäirige , 
Spärrige ,  Fiirrige ,  Gulige ,  Stjülte ,  u.  s.  w. 

So  wie  es  im  Deutschen  kein  einziges  weibliches  Hauptwort 
mit  der  Endung  en  giebt,  denn  die  Lehen,  Pfingsten,  Fasten 
und  ähnliche  sind  Collectiva  im  PI.  stehend ,  so  giebt  es  im 
Nordfriesischen  kein  weibliches  Hauptwort ,  das  sieh  auf  e  en- 
digt, denn  das  Diminulivum  Döjlle,  Töchterchen,  ist,  in  sprach- 
licher Rücksicht  betrachtet ,  eigentlich  sächlich  ,  wo  man  aber , 
wie  bei  Sühsse ,  Schwesterchen ,  auf  das  natürliche  Geschlecht 
sieht ,  so  wie  wir  im  Deutschen  nach  den  sächlichen  Wörtern  , 
Mädchen ,  Weib ,  Frauenzimmer  u.  s.  w. ,  das  weibliche  Fürwort 
sie  anstatt  es  gebrauchen.  Die  Friesische  Endung  e  entspricht 
oft  derselben  Endung  im  Deutschen  ,  bei  männlichen  Hauptwör- 
tern oft  auch  der  Endung  en. 

§.  77.  Mehrere  einsilbige  Hauptwörter  bleiben  in  der  Mehr- 
heit ganz  unverändert,  und  sind  dann  bloss  kenntlich  an  dem 
Geschlechts  Worte  da,  als:  dat  Swinn ,  da  Simm ,  dän.  et  Sviin 
pl.  Sviin,  nd.  Schwiin,  pl.  Schwiin,  engl,  swine,  pl.  swine;  dat 
Griss,  da  Griss ,  dän.  et  Griis ,  pl.  Griis  {Ferkel) ;  dät  Sliäip,  da 
Shäip,  dän.  et  Faar,  pl.  Faar ,  nd.  dat  Schaap ,  de  Schaap, 
engl,  a  sheep,  pl.  sheep;  jö  Müss ,  da  Müss,  dän.  en  Muus,  pl. 
Muus,  nd.  Muhs,  pl.  Mühs,  engl,  a  mouse,  pl.  mice;  jö  Lüss,  da 
lüss,  dän.  en   Luus,  pl.   Luus,   nd.  en  Luss ,   pl.  Lühs ,  engl,  a 


109 

lousc,  pl.  licc;  jö  Bi,  dii  Bi,  dän.  en  Bi,  pl.  Bier  (zweisilbig), 
engl,  a  bee ,  pl.  bees ;  de  Täis  ,  pl.  Täis ,  nd.  en  Täbn ,  pl.  Tälin , 
engl,  a  toolh ,  pl.  tceth  ;  dät  llir ,  da  Ihr ,  dän.  et  Aar ,  pl.  Aar , 
nd.  dat  Jaar,  pl.  Jaar,  engl,  a  year,  pl.  ycars;  dät  Paar,  da  Paar , 
dän.  etPar,  pl.  Par,  nd.  en  Paar,  pl.  Paar;  dät  Shdnn,  da  S/imm , 
dän.  et  Skind ,  pl.  Skind ,  engl,  skin ;  dät  Pünn ,  pl.  Pünn  und 
Panne  ^  dän.  et  Pund ,  pl.  Pund,  nd.  Pund,  pl.  Pund ,  engl, 
pound ;  jö  Mark,  pl.  Mark,  dän.  en  Mark,  pl.  Mark,  nd.  Mark, 
pl.  Mark,  engl.  mark.  —  Anwendung  in  einzelnen  Beispielen: 
Ick  Itäw  Stvinn ,  S/iäip ,  Griss ,  Bi  aji  Shdnn  haß ,  ich  habe 
Schweine,  Schafe,  Ferkel,  Bienen  und  Schinde  (Felle)  gekauft. 
De  Jönge  as  aagt  Ihr  iijll ,  der  Junge  ist  acht  Jahr  alt.  Fawr  en 
Trolling ,  dir  man  tien  Pünn  waug ,  häw  ick  thug  Mark  däjn ,  für 
ein  Brot  (Laib) ,  das  nur  zehn  Pfund  wog ,  habe  ich  zwei  Mark 
gegeben.  Man  holde  Täis  det  me  sier,  an  ick  häio  all  trä  Täis 
iittijn  lel ,  mein  hohler  Zahn  thut  mir  weh ,  und  ich  habe  schon 
drei  Zähne  ausziehen  lassen.  —  Das  Wort  Pünn  hat  auch  die 
Mehrheitsendung,  als:  dätwjän  Lüjdde  anPünne,  es  waren  Lothe 
und  Pfunde;  hehet  Pünne,  er  hat  Pfunde,  ist  schwer  an  Gewicht. 
Von  dem  Worte  Ihr,  Jahr,  hat  man  auch  die  alte  Mehrheitsform: 
da  Ihringe,  und  im  Dänischen :  Aaringer,  In  Lindholm  spricht  man 
de  Taus  in  der  Einheit ,  und  nur  Täis  in  der  Mehrheit ,  was  mir 
richtiger  zu  sein  scheint. 

§.  78.  Andere  einsilbige  Wörter  unterscheiden  sich  in  der  Mehr- 
heit durch  einen  Umlaut,  als:  jö  Gaus,  da  Gäis,  dän.  en  Gaas , 
pl.  Gjäs,  nd.  de  Gohs,  pl.  Göhs,  engl,  a  goose ,  pl.  geese ;  de 
Taus,  da  Täis  (s.  §.  77);  de  Fäujtt ,  da  Fäjtl,  nd.  de  Foht,  pl. 
de  Föht,  engl,  a  foot,  pl.  feet;  jö  Ko  ,  da  Ke,  nd.  de  Ko,  pl. 
Kö  und  Köi ,  engl,  cow,  pl,  kine;  de  Mann,  da  Mann,  dän.  en 
Mand,  pl,  Mänd,  engl,  a  man,  pl.  men;  dät  Leess,  da  Lähs ,  dän. 
et  Las,  pl.  Las;  de  Shauch,  pl.  da  Shur,  dän.  en  Sko,  pl.  Sko, 
nd.  Schob,  pl.  Schob  oder  Shöh.  —  Das  Wort  Mö/m  wird  auch,  wie 
im  Deutschen,  mit  der  Endung  des  zweiten  Falles  in  der  Re- 
densartgebraucht: Manns  für  etwas  sein,  als:  Ick  bdn'r  de  Mönns 
[aar,  ich  bin  dir  Manns  dafür,  u,  s.  w, 

§.  79,     Von  denjenigen  Hauptwörtern,    welche  das  j  unmit- 
telbar nach  dem  i  vor  den  Buchstaben  /  und  n  haben,  verlieren 


HO 

folgende  dasselbe  Avieder  in  der  Mehrheit,  als:  dät  Dijl,  <\ä  Diele; 
i.  Das  Ding,  2.  der  Theil,  5.  das  Theil;  dät  Fijl ,  da  Fiele,  das 
Rad;  dät  Maß,  da  Mäile,  das  Mal,  das  Mahl;  de  Äjl,  da  Äile , 
der  Aal;  dät  Päjl ,  da  Päilc ,  Pfütze,  Lache;  jö  Sprijn,  auch 
Sprien,  da  Spriene,  di&v  Staar  (Vogel);  dät  Bijn ,  da  Biene,  das 
Bein;  de  Stijn,  da  Slienc ,  der  Stein;  de  Wäjl,  da  VFäi/e,  der 
Weiher,  die  Wehle  oder  der  Wehl.  Alle  übrigen  Wörter,  wohin 
auch  Bestimmungs-  und  Zeitwörter  gehören,  behalten  das  j  auch 
in  der  Mehrheit  bei,  wenn  sie  es  in  der  Einheit  haben,  als:  dät 
oder  de  Bijnn ,  da  Bijiine ,  Bänder;  jö  Trijnn ,  da  Trijnne ,  die 
Weife;  glijnti ,  glüh,  glühend,  da  glijiine  Kohle;  xvijnnen ,  wen- 
den; sijnnen ,  senden;  hißunen ,  1.  mit  den  Händen  auffangen, 
2.  sich  ereignen ;  tijnnen ,  zünden  u.  s.  w.  Doch  macht  hiervon 
die  Silbe  äiijl  eine  Ausnahme ,  die  meistens  in  aule  übergeht , 
wie  in:  dät  Bäujl,  da  Bank;  de  Stäiijl,  da  Staule ,  Stuhl;  dät 
Sliäujl ,  da  Sfiaule,  Schule,  u.  s.  w. 

§.  80.  Einige  Beispiele  zu  den  Uebergängen  der  Yocale  und 
Diphthongen  in  andere,  als:  äi  in  ege,  ö  in  aa  und  ö,  e  in  ä,  äh, 
d  in  ä ,  ü  in  u ,  uh ,  äu  in  au,  d  in  e ,  i  in  e,  ä  und  äh  in  e,  o 
in  07/ ,  u.  s.  w. ,  als:  de  Däi ,  da  Dege  und  da  Daage;  dät  Blök, 
da  Blaage ;  dät  Stock,  da  Stöge ;  dät  Less,  da  Lä/ise;  de  Smdss , 
da  Smdhse;  de  Süss,  da  Su/ise;  gäujd ,  de  Gause ;  jö  Kraß,  da 
Krefte ;  jö  Stich,  da  5^e^e;  dät  Swinn,  Swenneßash;  jö  Stähs,  da 
Stehse;  dät  Shrön ,  da  Shröhninge. 

§.  81.  Uebcrgänge  der  Consonanten  in  andere  ergeben  sich  aus 
dem  Folgenden,  als:  /"in  ?«,  /l;  in//,  t  in  ss,  //s,  c/i  in  g,  pp  in  /t-, 
ff  in  w  ^  u.  s,  w.  Beispiele  sind  :  dät  Block ,  da  Blaage ;  dät 
Stock,  da  «S/öf/e;  de  i>äi,  da  Dege;  de  VFöt,  da  Vfe^e;  jö  Stich, 
da  Stege;  de  Krich ,  da  Krege;  dät  Bräif,  da  Bräiwe;  jö  Grauf , 
da  Gratiwe;  dät  ßi«/",  da  Buive ;  dät  S/ee/",  da  Slawe;  dät  Greef , 
da  Grawe;  dät  Fäi,  da  Fft//se;  dät  F^/,  da  Fähse ;  dät  iVeef,  da 
iYä//se  und  iVe/e;  dät  Sjxi^  da  Spühse;  de  T///>/',  da  Thiewe;  dät 
/Jee/",  da  iJäiüe;  dät  AS^ä/zs ,  da  Stehse;  jö  SMZ/s ,  da  Stehse;  de 
Swss,  da  Suhse;  dät  A7«<ss,  da  Kluhse;  de  Smdss,  da  Smdhse;  jö 
Shicss,  da  Shiehse ;  dät  Shdpp,  da  Shdwe;  dät  ^ärf,  da  Bähse, 
u.  s.  w.  Diese  sind,  der  Reihe  nach,  folgende,  als:  der  Block, 
das    Stück ,    der    Tag ,    Weg ,    Steig  ,     Krieg ,    Brief ,    Graben , 


111 

Garnslrähnc ,  Fassdaubc ,  Grab,  Schüssel,  Botlicli,  Netz,  Spicss, 
Dieb,  Fuchs,  Statt,  Stadt,  Brunnen,  Tuch,  Schmied,  Löffel, 
Schiff,  Bad.  —  Von  den  vorstehenden  dürfen  folgende  nicht 
mit  andern ,  ihnen  ähnlichen  Wörtern  verwechselt  werden ,  als : 
dät  Ruf,  da  Ruwe,  die  Strähne,  und  jö  Ruliw ,  da  Ruive ,  die 
Rulhe  oder  der  Arm  einer  Windmühle;  de  Smass ,  da  Smähse, 
der  Schmied ,  und  jö  Smähs ,  da  Smähse ,  die  Schmiede ,  so  wie 
de  Smähs,  da  Smähse,  der  Wurf;  jö  Shiess ,  da  Shiehse,  die 
Scheide;  dät  Shdp^) ,  da  Shäwe ,  das  Schiff,  jö  Shaw,  da  Shäwe, 
die  Schabe;  da  Rähse,  die  Bäder,  da  Bcihse,  die  Meister,  nd. 
Baas,  und  de  Bähse,  der  Nutzen;  dät  Sjultt ,  da  Spähse,  l.  ein 
Spicss,  wie:  Härespatt,  Ljägtspatt,  der  Dengelspiess ,  dän.  Iläre- 
spid,  Lichtspiess,  2.  ein  Spatenvoll,  3.  Späth  der  Pferde  am 
Knie,  auch  Spät  genannt. 

§.  82.  Folgende  einsilbige  Hauptwörter  mit  den  Endbuchsta- 
ben ss,  ff,  m,  n  und  r,  bekommen  in  der  Mehrheit  die  alte  En- 
dung inge ,  als:  dät  Hüss,  da  Hühssinge  (Haus);  dat  Krüss ,  da 
Krühssinge [Krug ,  als  Gefäss);  de  Mass,  da  Mühssinge  (Mund);  dat 
Shüff,  da  Shüwwinge  (Schubladen) ;  dat  Kniff,  da  Knmivmge  (Messer); 
dät  Liff .  da  Liivwinge  (Taillen);  dät  Rmim,  da  Röhminge  (Zim- 
mer); de  Tünn ,  da  Tühningc  (Gärten);  dät  Shrünn,  da  Shrüninge 
(Lade,  Kiste,  Schrein);  dät  Ihr,  da  Ihringe  (Jahre),  dän.  et  Aar 
und  Aaringer. 

§.  85.  Folgende  bckonmien  in  der  Mehrheit  die  Endung  cne , 
als :  dat  Uhg ,  da  Ugene  (das  Auge) ;  de  Mdnshe ,  da  Manshene 
(Mensch);  deHögse,  da  /fö^/sewe  (die  Kniebeuge,  Häckse);  de  Jönge, 
da  Jöngense ;  so  wie  die  nur  im  Pluralis  stehenden  Collectiva :  da 
^gene  (Spreu);  da  ^Uerne  (die  Eltern);  da  Süskene;  da  Axene, 
die  Ochsen.  Nachstehende ,  welche  sich  auf  ch  endigen ,  behal- 
ten diesen  Buchstaben  in  der  Mehrheit ,  als :  dat  Lach ,  da  Lache 
(die  Schicht);  dät  Twich,  da  Twiche  (der  Zweig);  jö  Blech,  da 
Bleche  (das  Laken);  de  Such,  da  Suche  (der  Zober);  de  Uch,  da 
Uche  (die  Wand);  jÖ  Stich,  da  Stiche  und  Stege,  s.  o. ,  der  Steig. 
Andere  verwandeln  ch  in  g,  wie  oben  unter  Krich,  pl.  Krege, 
blöch  (blöde)  in  Blöged ,  u.  s.  w. 

Die  Endung  cne,  erne ,  ist  die  bestimmte  Mehrheitsform  aller 
dänischen   Hauptwörter,  die  in  der  Mehrheit  gebraucht  werden 


112 

können,  als:  Mand,  Mann,  en  Mand ,  ein  Mann,  Mäiid ,  Männer; 
Manden ,  dei'  Mann ,  Mändene ,  die  Männer ;  ebenso :  Axene  ,  die 
Aehren ;  Aagene ,  die  Joche  ;  Bordene ,  die  Tische  ;  Husene  ,  die 
Häuser ;  Stuerne ,  die  Stuben ,  u.  s,  w.  Diese  Endung  ist  aber 
auch  angelsächsisch,  wie  in  Edge ,  Auge,  Genitivus  Pluralis :  ea- 
gena ;  Steorra ,  steorrena ;  Tunge ,  tungena ;  Eare ,  earena ,  der  Ohren ; 
Cliwe ,  cliwena ,  der  Knäule ;  Nama  ,  namena ,  der  Namen  ;  Cuma  , 
cumena ,  der  Gäste ;  Lichoma ,  lic/iomena ,  der  Leichname  ;  Wuce , 
wucena ,  der  Wochen.  Diese  haben  auch  im  Genitivus  Singularis 
undimDativus  a7j,  als:  Tungan,  der  Zungen,  Sunan,  der  Sonnen, 
Wucan ,  der  Wochen,  Eordan ,  der  Erden,  woraus  man  zugleich 
die  Herstammung  dieser  Formen  im  Deutschen  erklären  kann. 

§.  84.  Die  Namen  abstracter  Gegenstände  können  nur  dann 
eine  Mehrheitsform  haben ,  wenn  man  sich  dieselben  vervielfäl- 
tigt denken  kann,  als:  da  Krönkltäide,  Licknisse ,  Dögede ,  Lägene 
(Lügen),  Tijnste ,  Wanshe,  Wönräjdde,  Dönse ,  Uttßügte ,  u.  s.  w. 
Auch  manche  Mengenamen  können  keine  Mehrheitsform  anneh- 
men ,  als :  dät  Saaken ,  dät  Tjück ,  dät  Fäujlh ,  dät  Säjdd ,  dät 
Untjöch;  wogegen  andere  nur  allein  in  der  Mchrbeitsform  stehen 
können ,  und  einige ,  die  zwar  auch  als  Gattungsnamen  stehen  , 
doch  gewöhnlich  nur  als  Mengenamen  mit  der  Mehrheitsform 
gebraucht  werden;  wie  z.  B.  dät  Haler,  das  Haupthaar,  2.  dät 
Haler,  ein  einzelnes  Haar,  pl.  die  Haare;  dät  Slräl  coli,  jö  Strül, 
pl.  da  Slräie ,   die  Halmen;   dät   Hulem  coli,  ohne  Mchrbeitsform. 

§.  8S.  Folgende  Collectiva  kommen  nur  in  der  Mehrheit  vor , 
als:  da  Feste,  die  Fasten;  da  Pajngsdege,  die  Pfingsten;  da  Wleh- 
dege ,  die  Schmerzen,  Wehtage;  da  Mlddle ,  Vermögen,  Reich  thü- 
mer;  da  Mälhslmge,  die  Masern;  da  Bögslinge ,  die  Beinkleider; 
da  Anne,  die  Buttermilch ;  dä^gene,  die  Spreu;  däTwäge,  die  He- 
fen; da  Häjdde ,  die  Hede;  da  Axene,  die  Ochsen;  da  Beere,  die 
Gebehrden ;  da  Söshene ,  die  Geschwister ;  da  ^llerne ,  die  El- 
tern; da  Frünne,  Verwandte;  da  Träme,  der  Lädel  oder  Drumm; 
da  Lalise,  die  Gliedmassen;  da  KluJise,  die  Kleider;  da  Rönte,  die 
Renten;  da  Häckelse,  der  Häckerling;  da  SUechc,  die  Prügel;  da 
Stiirre,  aufwärtsstehende  Spitzenfalten  als  Kopfputz  der  Frauen- 
zimmer; da  Flame,  die  Flaumen  der  fetten  Schweine;  da  Rainke , 
die  Ränke;  da  Sporlle,  die  Sportein;   da  Fcrle ,   die  Ferien;  da 


113 

Wätvle ,  der  Webstuhl ;  da  Tontle ,  die  Klöppel  zum  Band-  und 
Spitzenklöppeln;  da  Nucke,  nd.  Nucken,  dän,  Nykker;  da  Träh- 
se,  Trethölzer  am  Webstuhle;  da  Nocke,  der  Schlucken;  da  Ock- 
linge,  die  Räume  unter  dem  Dache  zwischen  den  Sparren,  wo 
Dach  und  Boden  zusammenstossen ;  da  Grille,  die  Grillen;  da 
Kndppelse,  die  Spitzen.  —  Die  nachstehenden  kommen  auch  meistens 
nur  in  der  Mehrheit  vor,  können  aber  auch  in  der  Einheit  ste- 
hen, und  haben  dann  die  Mehrheit  neben  sich,  wenn  sie  als  Ap- 
pellativa  gebraucht  werden,  als:  da  Nöcke ,  die  Häkchen  an  der 
Spindel;  da  Säle,  die  Kumpten;  da  Pocke,  die  Blattern;  da  Tonte, 
die  Finnen  im  Speck;  da  Shäive,  die  Schaben;  da  Frönne,  die 
Gefreundten;  da  Nöstringc,  die  Nüstern,  auch  von  Menschen,  die 
Nasenlöcher;  da  Slägge,  die  Schlacken;  da  Snijdde,  die  Grieben; 
da  Flecke,  die  Arme  der  Spindel;  da  Grottemänns ,  coli,  ohne  Sin- 
gul.,  die  "Vornehmen  und  Reichen;  da  Ldjtlemänns ,  das  Gegentheil 
davon;  da  Haadlinge  und  FäjUlinge ,  zu  Raupten  und  Füssen 
des  Bettes.  Von  diesen  können  auch  folgende,  wie  die  im  vori- 
geng zuletzt  angeführten,  als  Gattungsnamen  stehen,  und  ihre  Ein- 
heit ist  dann:  de  Pocke,  die  Pocke;  jö  S/iäw,  de  Frünn,  jö  Nö- 
string,  de  Slägge,  de  Snijdde,  de  Nöcke  und  de  Flecke. 

Anmerk.  i.  Die  einsilbigen  Wörter,  welche  nur  aus  zwei  bis 
drei  Buchstaben  bestehen,  und  sich  auf  einen  Vocal  endigen,  ha- 
ben diesen  immer  stark  betont,  als:  jö  Bi,  die  Biene;  jö  L6,  die 
Tenne;  jö  La,  die  Sense;  jö  Brö,  die  Brücke;  jö  Ko,  pl.  Ke,  die 
Kuh,  Kühe;  dät  Bd,  die  Reihe,  Zeile;  jö  Bö,  die  Ruhe;  dat  Klie, 
die  Kleie;  de  Die,  der  Teig;  jö  Lie,  die  Miethc  und  die  Heuer; 
dat  Pie,  ein  Untcrröckchcn  der  Frauenzimmer,  und  ähnliehe. 
Die  Mehrheit  ist  hier  regelmässig,  und  ist:  da  Löe,  da  Lde,  da 
Bröe,  da  Bde,  da  Pie-e.    Jö  Bi  und  jö  Ko,  siehe  oben. 

Anmerk.  2.  Die  Mehrheit  der  menschlichen  Eigennamen  ist 
regelmässig,  als:  Benne,  Jdnse,  Düe,  Nickelse,  Nägelse,  Jauncsse, 
Tahse,  Siewerte,  Karstene,  Släjnne,  Hagle,  Tungle,  Kie-e,  Geshe, 
Böjlte,  Sössle,  Getreue,  Maläine,  Ammere,  Megräjtte ,  Poppe,  Heike 
und  Linke,  oder:  Benden,  Jense,  Düen,  Nickkelse,  Jonasse,  T/taden, 
Siewerte  (Siegwarle),  Karsten ,  Stene ,  Högel,  Dankle/fe,  Kie-en ,  Gesehen, 
u.  s.  w.  Die  Stammnamen  endigen  sich  gewöhnlieh  auf  sen  (abge- 
kürzt aus  söhn),  wo  man  aber  bei  der  Bildung  derselben  oft  ziem- 

15 


ii4 

iieh  willkührlich  vcrrahrl;  so  wird  aus  Benne  Bansen,  aus  Jeiu 
(fries.  Jans)  Jansen,  aus  Düe  Dühssen,  aus  Sfflyw  Stäjnsen,  aus 
Gödber  Gödbersen  u.  s.  w.  Im  täglichen  Leben  giebt  man  so- 
wohl weiblichen  als  männlichen  Vornamen  ein  t,  wo  es  sich  nur 
immer  zwanglos  anfügen  lässt,  und  dem  Stamranamen  das  Zei- 
chen des  Genitivs,  nämlich  ein  s,  und  spricht:  Bennet  Jansens, 
Bönet  Gesliens,  Mummet  Andräisens,  Andräist  Megräjttens,  Getrent 
Gödbcrs,  Sieket  Sankens.  Klaait  Päjtters,  Jüskct  Sankens,  u.  s.  w. 
Diess  ist  eine  Zusammenzichung  aus  äjtt  (das  englische  at,  zu, 
in),  und  ist  soviel  als  in  dem  Hause  des  Vaters  oder  der  Mutter, 
dazu  gehörend,  und  löst  sich  so  auf:  Benne  äjtt  Jansens,  Bonc  äjtt 
Gexlietis,  Andräis  äjtt  Megräjttens  (nämlich  Hause  oder  Familie). 
Man  [fragt  z.  B,  jemand:  HuJim  ging  dirr  faarbäiF  Wer  ging  da 
vorbei?  und  die  Antwort  ist:  dät  was  Klaait  Päjtters,  das  war  Ni- 
colas zu  Peters.  Fragt  man  dagegen  nach  dem  eigentlichen  Na- 
men einer  Person,  als:  hörr  hätthe?  Wie  heisst  er?  hörr  IiättjöF 
hörr  Iiätst  döF  so  wird  der  wirkliehe  Name  genannt,  als:  he  hat 
Carsten  Paulscn,jö  hat  Sossei  Hansen,  ick  liijlt  Uwe  Dühssen  u.s.  w. 
Ist  man  bei  irgend  jemand  im  Hause,  zum  Besuche,  in  Geschäften 
U.S.W,  gewesen,  so  wird  diess,  wie  im  Dänischen,  durch  äjtt  mh 
dem  zeichen  des  Zweiten  Falles  ausgedrückt,  als:  Ick  hähiv  äjtt 
Melln-s,  Faageds,  Geshens ,  Andräisens  tvähn,  ich  bin  beim  Mül- 
ler, beim  Vogte,  bei  Gesche,  bei  Andreas  gewesen;  dän.  Jeg  har 
väret  hos  Prestens,  Möllers,  Doctcrens,  Hansens  u.  s.  w. ,  leb  bin 
beim  Prediger,  bei  Herrn  Möller,  dem  Doctor,  Herrn  Hansen  gewesen. 


Abänderung   des  IJauplwortes  (Declinalio). 

§.  8C.  Die  Abänderung  des  Hauptwortes  ist  einfach  und  leicht, 
denn  nur  im  zweiten  Falle  beider  Zahlen,  der  Einheil  und  Mehrlieit, 
wird  demselben  ein  *  angehängt.  Da  wir  die  Bildung  der  Mehrheit 
bereits  kennen  gelernt  haben,  so  brauchen  wir  hier  keine  beson- 
dere Abänderungsarien  zu  machen,  indem  sie  sich  im  Wesentlichen 
alle  gleichen.  Zuerst  wollen  wir  einige  der  einsilbigen  und  dann 
einige  mehrsilbige  Hauptwörter  als  Beispiele  nehmen,  wie:  de 
Bijnn,  der  und  das  Band;  dät  Bijn,  das  Bein;  jö  Bai,  die  Beere, 


Uli 

Einheit.  £^  in  heil. 

männl.      welbl.      sächl.  mäiinl.        wcibt.  säcliL 

N.  de  Bijnn,  ']ö  Bai,  dal  Bijn.      N.  de  Kr  ö(jc,']ö  Säg  el,  dal  Kr  äivel. 
G.  de  Bijnns,  }ö  Bäis,  dal  Bijns.     G.  de  Kruges, ']ö  Sägeis,  dal  Kräwels. 
Dat.  und  Accus,  wie  der  Nominativ. 

Mehrheit.  Mehr  heil. 

N.  da  Bijnne,  da  Bäie,  da  Biene.      N.  da  Kröge,  da  Sägle,  da  Kräwle. 
G.  da  Bijnnes,  da  £äie*,  da  Bienes.    G.  da  Kröges,  da  Sägles,  da  Kräwles. 
Dat.  und  Accus,  wie  der  Nominativ. 

Eben  so:  de  ^pel,  de  ^pels,  da  y4|j/e,  da  Aples;  de  Auwen,  de 
Autoens,  da  Amw^hc,  da  ^Miü'we*;  jö  Meilen,  jö  Mellens,  da  Mell'ne, 
da  MelVnes;  dät  Häigen,  da  Häigene,  da  Häig'nes;  auf  er,  de  Fid- 
der,  de  Fidders,  da  Fiddre,  da  Fiddres ;  jö  Mudder,  jö  Mudders, 
da  Muddre,  da  Muddres;  dät  Jücker,  dät  Jückers,  da  Jückre,  da 
Mckeres  (die  Gerte);  auf  em,  de  Bäisem,  de  Bäisems,  da  Bäis'me, 
da  Bäismes;  jö  Blossem,  jö  Blössems,  da  Blössme,  da  Biossines;  dät 
Hulem,  dät  Hulems,  ohne  PI.;  auf  e;e  und  er«e,  de  Kahsere,  de 
Kahseres,  da  Kahsere,  da  Kahseres;  de  Wadderne,  de  Vfadrfeme*, 
da  Wadderne,  da  Waddernes;  auf  e<,  crf  und  erf,  als:  dät  ^w^ef 
oder  Huged,  dät  Hügels,  da  Hugede,  da  Hugedes;  jö  Döged,  jö  i)ö- 
yerf*,  da  Dögede,  da  Dögedes;  de  Faaged,  de  Faageds,  da  Faagede, 
da  Faagedes;  jö  ^nerl,  jö  ^nerls,  da  inerte,  da  inertes;  dät 
Läiget  oder  Läiged,  dät  Läigets,  da  Läigede,  da  Läigedes,  u.  s.  w. 
Die  hier  angeführten  Wörter  sind  der  Reihe  nach:  Grapen,  Sichel, 
Krüppel,  Apfel,  Ofen,  Mühle,  Kissen  (Stuhlpolster),  Vater,  Mutter, 
Gerte,  Besen,  Blüthe,  Langstroh,  Kater,  Wittwer,  Anhöhe,  Tugend, 
Vogt,  Ente,  Seichte  oder  Niederung.  Auf  igi,  %,  ic/i<,als:  de  5ät- 
ri^,  de  Bäirigs,  da  Bäirige,  da  Bäiriges  (der  Berg);  de  Bieligs ,  da 
Bieliges  (Blasebalg);  de  Berigls  (der  Ernte),  da  Berigtes  (der  Ern- 
ten); dät  Märrigs  (des  Markes),  jö  Merrigls  (der  Motze),  da  #tr- 
rigi/es  (der  Menscher).  Aufmw,  ingf  und  /iw«/,  als:  jö  Kinninginns,  da 
Kinninginnes;  dät  Wannings,  da  W««/M>?^e*;  da  Pännings,  da  Pä«- 
ninges;  de  Knäihlings,  da  Knäihlinges  (Königinn,  Fenster,  Pfennig, 
Knie).  Auf  duhm,  shapp  und  ä«,  als:  dät  Kaiserduhms ,  da  Äa«- 
Äerrf«ÄmM;|dät  Lönshapps,  da  L5nshaj>])es ;  jö  Vrdwstäis ,  da  Pmw- 


116 

stäies.  Aui  eise,  häid  und  Vocale,  als:  de  Tacitelses,  da  Tacfielscs 
(Deichsel);  jö  Krönkliäids ,  da  Krönkimdes  u.  s.  w.;  jö  Las ,  da  La  es, 
s.  o.,  jö  Brö's,  da  Bröes;  jö  Bl's,  da  Bi-es;  dät  Pie's,  däPie-es; 
dat  (/Äö*,  dät  Ufigs,  da  Ugenes;  de  Högses ,  da  Högsenes,  u.  s.  w. 

Anmerk.  Das  unbestimmte  oder  nichtbestimmende  Geschlechts- 
wort ist  im  männlichen  Geschlechte  (in,  im  weiblichen  und  säch- 
lichen en,  wird  aber  gewöhnlich  in  allen  Geschlechtern  nur  'n 
ausgesprochen,  wie  'n  Mann,  'n  Wöff,  'n  Bjärn,  pl.  Mann,  Wöffe 
und  Bjärne.  Auch  hier  steht  bloss  das  s  im  Genitiv,  als:  en  Mönns 
Wöff,  eines  Mannes  Weib;  en  Wöffs  Mönn;  'n  Bjärns  ^llei'ne; 
Manns  Wöffe,  Wöff  es  Mann,  Bjärties  ^llerne. 


Zusammenselzung  der  Hauptwörter. 

§.  87.  a.  mit  Hauptwörtern.  Hauptwörter  werden  mit  andern 
zusammengesetzt ,  ohne  irgend  eine  Veränderung  zu  erleiden , 
als:  dät  ^mthüss ,  de  u^mtmönn,  de  Bikaurew  ,  de  Beddselme, 
die  vordere  Bettwand  ;  dät  Brüjdkrüdd ,  der  ^Kümmel  (wörtlich 
Brotkraut)  ;  jö  DÖhrkläink ,  die  Thürklinke ;  de  Fdllberehser , 
der  Fellbereiter ,  d.  i.  der  Gerber ;  de  Feestpose ,  Fausthand- 
schuh; jö  Fläiijddtidd,  die  Flulhzeit;  de  Frägtwäien;  de  Gicht- 
u'ärk ,  der  Gichtschmerz  ;  de  Hälsdauk  ,  das  Halstuch  ;  de 
Hecfkaube,  die  weisse  Möve;  jö  Hüsstugt,  die  Hauszucht;  jö  Holt- 
mäujnn,  der  Holzkasten;  dät  Jjllfät,  das  Feuerfass;  de  Kaardspä- 
ler ,  der  Karlenspieler;  dät  Keclwäfiser,  das  Kielwasser;  de  Kläi- 
pracker,  der  Kleipicker,  Zwergstrandläufer  (Tringa  rainula);  de 
Krüddstup,  der  Blumenstauf;  dat  Kraugshild,  das  Krugschild;  dät 
Kumttüäirk;  jö  Ljägtshäier ;  de  Lötete,  die  Tennendiele;  jö  Lodpott, 
der  Glückstopf;  de  Mästbuhmm;  de  Plaugstjärt,  der  Pflugsterz; 
dät  Rinnwahser ,  Regenwasser;  jö  Saaldöhr ,  Saalthür;  dat  Sältfät; 
dät  Siddstock,  Seitenstuck;  dät  Killstiatick,  der  Kesselhaken  über 
dem  Heerde;  dät  Simllbauck,  das  Schuldbuch;  dät  Sniewahser, 
Schneewasser;  de  Ställbraiihser ,  der  Stallbruder;  de  Täiswärk, 
Zahnschmerz;  jö  Theedaulis,  die  Theedose;  de  Wäiwihsser ,  Weg- 
weiser; Sdmmilisser ,  Sonnen  weiser;  dät  Würmkrüdd ,  der  Wurm- 
saainen;  dät  Wägsljägt;  dät  Snöträfiser,  das  Rotzniaul ,  Rotznase; 


117 

de  Pdcklräjdd,  der  Pechdraht;  de  Diekfaaged,   der  Deichvogt;  de 
Dickgraaw ,  der  Deichgraf;  dät  Blmjdsluhggerjörn,  das  Lasseisen; 
de   Stößwäst,  der  Spinnsläuber;  dät  Päujnngäujd,  das  Pfandgut; 
de  Mjögsställe ,    der   Misthaufen;   de    Gjärsglüpper ,   die  Eidechse 
(Grasschliefer);   de   Gjarshöpper ;   de  Fänjttseck;   de  Stijnwäll;   jö 
Staalkniep ,    die   Stahlschnalle  ;    de   Aasknaake ,    der   Aasknochen 
(Schimpfwort);   de   Tjüdderwjarlse ,   Spannstrickwirtel ;   de  Liffrögl, 
das  Leibgericht;  jö  Issspör,   der  Eissporn;   de  Naasdauck,  INasen- 
tuch;  de  Gitshäls,  der  Geizhals;  de   Töllforwalter ,   Zollverwalter; 
de  Krüsswäi,  der  Kreuzweg;  dät  Köhlwaser,  Grubenwasser;  dät 
Lüjnärbed,   Lohnarbeit;  jö  Bliekugel,  Bleikugel;   de  Köstgainger, 
der   Kostgänger;    de  Kanntjäwse ,   der   Kiefer,    Kinnbacken;    dät 
Bjärdsiep,  die  Bartseife;  dät  Bierglees;  jö  Fliegklapp,  Fliegenklat- 
sche;   de   Mältpöse ,    Malzsäckchen;    de    Gijlpung ,  Geldbeutel;  jö 
Möhrshiess,  die  Mauerkelle;  jö  Lickkärst,  der  Sarg;  de  Sällrieme, 
der  Sattelriemen;  de  Küjlstijtter,   der  Kohlstösser;   dät  Beddstähs, 
die  Bettstelle;  de  Släipdrdnk,  der  Schlaftrunk;   dät  Mislivähser, 
Nebelwetter;  de  Ailebitter,  der  Blutegel;   de   Trästgrünn ,   Trost- 
grund; dät  Lußtiecken,  Luftzeiehen;  dät  Bräifät,  die  Grützschüs- 
sel; jö  Nägtmäh\  der  Alp;  jö  Uchlüss,  die  Wanze;  de  Säjdlupper, 
der  Säekorb;  dät  Hdrtbleess,  das  Herzblatt;   dät  Möhrswinn,   der 
Kelleresel ;   de  Ufigäpel ,   der   Augapfel ;   de  Küjlstrück ,  der  Kohl- 
strunk ;  jö  Brüjdrinn ,  die  Brotrinde ;  de  Bistöck ,  der  Bienenstock ; 
de  Faurmönn,  der  Fuhrmann;  de  Bauckbinner ,  der  Buchbinder;  de 
Ljägtgijtter ,  der  Lichtgiesser;  de  Ißägtstiejier ,  der  Lichtzieher;  de 
Järdhupp,  der  Erdhaufe;    jö  Nüjdlägen,  die  Nothlüge;  de  Gjärs- 
tole,  der  Grasbusch;  de  Koßujtt,  der  Kuhfuss  (ein  Brecheisen);  de 
Pickstöck ;  de  Pulsedder ,  die  Pulsader ;  jö  Rinn fläg ,  der  Regenschau- 
er; de  Sannenne,  der  Sonnabend;  dät  ShäMJlhüss,  das  Sehulhaus; 
jö  Fäjllslägt,  die  Feldschlacht;   dät  Shüjttshann,   das  Schurzfell; 
de   Sniemönn,   der  Schneemann;    de    Springstöck;   de    Slahkpule, 
der  Staketpfahl;  de  Stammbuhmm ,  der  Stammbaum;   dät  Stünn- 
glees,  das  Stundenglas;  dät  Struhmmivahser ,  das  Flusswasser;  de 
Sweessbüjlke ,   der   Schwadenbaiken  beim   Mähen;  dät    Stäpstähs, 
der  Siegel ;   de   Winnbottel ,   die  Weinflasche  ;  jö  Wönräjdd ,   der 
Wahnrath,  s.  o.;  de  Kalktwäst,  der  Tüncherpinsel;  de  Fläshkhmp , 
der  Fleisthkloss ;   de  Hmmujedd,   der  Hornhecht;  dät  Mähhlöf, 


118 

der  Mchlstaub;  de  Winnljaalcv ,  der  Weinkeller,  u.  s.  w. 

Wörter,  welche  sich  auf  e,  el,  en,  er,  ein,  ere,  crne,  ehe  und 
ig  endigen ,  Averden ,  in  der  Regel ,  mit  andern  unverändert  ver- 
bunden, als  auf  c:  dät  Aiinewällmg ,  Buttermilchssuppe;  de  Bur- 
retöle, der  Klettenbusch ;  deBullepäse,  der  Ochsenziemer;  da  Foh- 
lefäilt,  die  Fohlenfüsse,  d.  i.  der  Huflattich  ;  de  Gremetögel,  der 
Ilalfterstrick ;  de  Uöckel/ijnn,  das  Garbenband;  de  Hömestöck,  der 
Haraenstah,  Reusenstab;  dät  Jöhseshäujl ,  die  Judenschule;  dät 
Kragenest,  das  Krähennest;  de  Mägesndps,  der  Magenschnaps;  dät 
Örnespek ,  der  Eberspeck;  de  Tömetiägel,  der  Daumennagel;  de 
Sälering,  der  Kumptenring;  dät  Klobbelddd,  der  Koberdeckel;  de 
Lönhepose,  das  Hüftpolster;  dät  Mönehäier,  das  Mähnenhaar;  dät 
Näujttehauch ,  das  Notenbuch;  de  Plünnemönn,  der  Lumpensamm- 
ler (Plundermann);  jö  Röggewopp,  die  Roggenähre;  dät  Wijttesträi, 
das  Weizenstroh;  jö  Slängehüdd,  die  Schlangenhaut;  de  Tome- 
stock,  der  Zollstab;  jö  Thranekrnck,  die  Thrankrucke,  u.  s.  w. 
Auf  el:  de  Bibellescr ;  de  Kräwelstäujl ;  jö  Kägelbaan;  de  Pndel- 
hünn;  jö  Prägelholis,  der  Strickstrumpf;  de  Gichelboge,  der  Gei- 
genbogen; de  Sägels7ndss,  der  Sichelschmied;  jö  Ddgelpott ,  der 
Tiegeltopf;  de  ^Iiseldriwwer ,  der  Eseltreiber;  jö  Pieseldöhr,  die 
Pieselthür;  jö  Fläielkäpp,  die  Flegelkappe;  dät  Shauwelbleess ,  das 
Schaufelblatt;  de  Stanppelijntie ,  das  Stoppelende;  de  Ungelhäge , 
der  Angelhaken.  Auf  en:  jö  Auwenshäivel ,  der  Ofenschieber;  de 
Wäienkaurew,  der  Wagenkorb;  jö  Kögetidöhr,  die  Küchenthür;  jö 
Mellenruhw,  die  Mühlenruthe,  Arm;  dät  Tiekenbauck,  das  Zeichen- 
buch. Auf  er;  de  ^nkerr'mg ;  dät  Ekerfäjll,  Ackerfeld;  de  Fdjn- 
gerhäujdd,  der  Fingerhut;  de  Hämmerstele,  der  Hammerstiel;  de 
Thaserbrdi,  Buchweizengrütze;  de  Lädderbüjlke ,  der  Leiterbalken; 
jö  Räkkerköhl,  die  Schindergrube;  de  Tjaalerhäls,  der  Kellerhals; 
de  Klöiuiverstöck ;  de  Mudderivlts,  der  Mutterwitz;  dät  Fauserhdjn- 
ten,  das  Futterhemd;  de  Öferdäi,  der  Opfertag;  de  Wähscrgälle , 
die  Wettergalle;  dät  Tännerkrück  (jö),  Zunderbüchse;  dät  Mäi- 
slerstock,  das  Meisterstück;  de  Böhserbüsh ,  die  Butterbüchse;  jö 
Süsterkäg,  der  Schwesterkuchen;  dät  Shullerbleess ,  das  Schulter- 
blatt, u.  s.  w.  Auf  em:  dät  Akennläss,  das  Armgelenk;  jö  Bau- 
semdöhr,  die  Stallthür;  de  Blössemstele ,  der  Blüthenstiel;  dät  Hu- 
lembünn,  das  Halmband;  de  Bäisembinner ,  der  Besenbinder,  u.s.  w. 


119 

Aui  cre  und  erne:  dät  Wähserefläs/i ,  das  Hammelfleisch;  dät  Kä- 
sereshatin,  das  Katerfell;  de  Wadderneständ ,  der  Wittwerstand ; 
dät  Ponternehaad,  der  Wiesbaumkopf;  dät  Hijnscrnctjöch ,  der  Brun- 
nen seh  Avengel ,  u.  s.  w.  Auf  eise:  de  Tdclielsehäge ,  der  Deichsel- 
haken; de  Rückelsebush,  Riechstrauss  von  Blumen;  dät  Räjddelse- 
bauck,  dasRäthselbuch;  de  Läpelseluper ,  ein  Pferd,  das  durchläuft, 
dän.  löbsk ,  läufisch  ;  de  Häckelsekämmer ,  die  Häckselkammer ; 
Häckelsekdrst ,  Häcksellade  ;  Häckelsehiiff' ,  Häckselmesser  ;  dät 
Spaiickelsetähl ,  das  Gespenslermährchen.  Anf  ig-,  de  Bäiriglöj)p, 
Bergspitze;  dät  Hälligläujnn ,  das  Halligland;  dät  Tnligljägt,  das 
Talglicht;  de  Fiüigeker ,  der  Brachacker;  de  ßieligtölt,  die  Liese 
am  Blasebalg;  de  Märrigknaake ,  der  Markknochen. 

Die  Endungen  ing ,  ling  und  inn  erfordern  bei  der  Zusammen- 
setzung mit  andern  durchgängig  den  Buchstaben  e,  Avie  in:  jö 
Ämingeshäier ,  die  Osenschere,  welche  gar  nicht  exislirt  und  viel- 
leicht nie  existirt  hat ,  womit  die  Strohdachdecker  das  untere  Ende 
des  Daches  an  der  Traufe  abputzen  sollen.  Zum  Scherz  schickt  man 
einen  Knaben  zum  Nachbar  um  die  Traufenschere,  wo  er  dann  im- 
mer weiter  zum  nächsten  gewiesen  wird ,  bis  er  das  Dorf  entlang 
ist  und  als  Geäffter  zurückkommt;  dät  Wdnningeshurew  oder  -shiu- 
wing,  die  Fensterkerbung ,  eine  eigene  Bauart  altfriesischer  Häu- 
ser, die  man  nur  noch  selten  und  nur  in  alten  Häusern  antrifft. 
wo  vom  obern  Ende  des  Fensterfutters  breite,  schräge  Bretter 
bis  an  die  Decke  zusammengefügt  sind,  vormals  gegen  ücber- 
schwemmungen ,  um  sich  auf  den  Boden  zu  flüchten ,  der  sonst 
zugleich  mit  der  Mauer  stürzen  würde;  de  Shäivringehäge ,  der 
Haken  an  der  Brunnenstange;  dät  Hijllingeshjärn ,  Nachgeburtsun- 
rath;  Kinningeforsömling ,  Königsversammlung;  jö  Knäiblingetrel, 
die  Kniescheibe;  de  Replingeplöck,  die  Wurstprickel ;  dät  ^nncr- 
lingeshann ,  das  Lammfell  von  einem  ein-  bis  zweijährigen  Mutter- 
lamm; de  Spillingebuhmm ,  der  Spillingbaum  (gelbe  Pflaume);  dät 
Twdnnlingepär ,  das  Zwillingspaar,  u.  s.  w. 

Die  Endungen  du/im,  shapp  und  liäid  erfordern  ein  eingescho- 
benes s,  als:  de  Allerduhmskänner ,  der  Allerthumskenner;  jö 
Hiesenduhmstidd ,  die  Heidenthumszeil;  de  Selsliappsbrauser ,  dev 
Gesellschaftsbruder;  de  Lönshappstiekner ,  der  Landschaftszeiehner; 
dät  Aienshappsiihrd ,    Eigenschaftswort;   Näibershappsbrück ,  Nach- 


120 

barschaftssitte ;  Krönkhäidstieken  ,  Krankheitszeichen  ;    Sünnhäids- 
tösländ,  Gesundheitszustand,  u.  s,  w. 

§.  88.  Diess  sind  die  allgemeinen  Regeln,  welche  sich  über 
die  Zusammensetzung  der  Hauptwörter  mit  ihresgleichen  geben 
lassen.    Wir  wollen  nun  auf  die  Ausnahmen  aufmerksam  machen. 

Von  den  einsilbigen  Wörtern,  ohne  bestimmte  Endungen,  be- 
kommen mehrere,  wenn  sie  als  Bezeichnungswort  stehen,  den 
Buchstaben  e.  Diess  gilt  besonders  da ,  wo  das  Bezeichnungswort 
sich  dem  Grundworte  ohne  Sprachhärte  nicht  anschliessen  kann, 
und  allemal,  wenn  der  Gegenstand  des  Bezeichnungswortes  in 
der  Mehrheit  gedacht  wird.  Zu  der  ersten  Art  gehören  folgende, 
als:  de  Alk,  dat  Älkeshann,  das  Iltisfell  (auch  Alringeshann) ;  de 
Bläisehäls,  der  Blasenhals;  dät  Bosseslöt,  das  Büchsenschloss;  de 
Driigesaß,  der  Traubensaft;  dat  Hänneäi,  das  Hühnerei;  de  Hä- 
gepule,  der  Heckpfahl;  de  Hdjnstestjärt ,  der  Pferdeschweif;  de 
Hingespicker,  der  Angelnagel;  dät  Hünnehüss,  das  Hundehaus; 
de  Hillebuhmm ,  der  Fliederbaum;  de  Klöckestring ,  der  Glocken- 
strang; dät  Lämpesnaiick ,  die  Lampenkette;  dat  Pöppeliütt,  der 
Pfeifendeckel;  dät  Pönneladd,  der  Pfannendeckel;  de  Pungetwäst, 
die  Beutelquaste;  de  Römmclmurn ,  das  Bockshorn;  dät  Ringelap- 
pen, das  Ringeltappen  (ein  Abendspiel  im  Freien  für  junge  Leute 
beiderlei  Geschlechts);  dät  Rötekrüdd,  das  Rattenkraut  (Arsenik); 
iö  Säirkeslieiv ,  der  Hemdärmel,  an  Mannshemden;  p  Smdckespung , 
die  Hemdenspange,  an  Weiberhemden;  dät  Siepeivahser ,  das  Sei- 
fenwasser; da  Nüjltefläsh,  dät  Bäistcßäsh  (dasselbe);  dät  Sliruwe- 
haad,  der  Schraubenkopf;  dät  Sndggehüss ,  das  Schneckengehäuse; 
Söhgemolke  ,  Saumilch;  S/iäipetuUg ,  Schaftalg;  dät  Rauckenebb, 
der  Rabenschnabel;  dät  Staurkenebb,  der  Storchschnabel;  ']ö  Strüc- 
keräujtt;  dät  Suhsewahser ,  das  Brunnenwasser;  de  Sivunehals,  der 
Schwanenhals ;  dät  Swinn ,  dät  Swenneßäsh ,  Schweinefleisch ;  de 
Tannehaupp ,  das  Tonnenband;  de  Tunenägel,  der  Zehennagel;  de 
Stjüttebüsshe,  das  Weizenbutterbrot  ;  dät  Wäilewaliser ,  Weiher- 
wasser; de  Kättestjärt,  i.  der  Katzenschwanz,  2.  die  Blutähre  (Ly- 
thrum  Salicaria);  de  Stiere/taurn ,  das  Ochsenhorn;  de  Faanesmass, 
der  Fahnenschmied;  dät  Haadefläsh,  das  Kopflfleisch ;  dät  Liepeäi, 
das  Kiebitzei;  dät  Nillebleess ,  das  Nesselblatt;  dät  Rmvekriidd,  das 


121 

Kübenkraut;  dät  Tweijcßäsh ,  das  Quäncn-  oder  Färsenfleisch;  jö 
Wuppesting ,  die  Aehrengranne ,  u.  s.w. 

§.  89.  Bei  folgenden  ist  die  Mehrheit  des  Bezeichnungwortes 
deutlich  angezeigt,  als:  de  Baanetale,  der  Rainfarrenbusch;  de 
Billekriemer ,  der  Bilderkrämer;  de  Blöchedräier ,  der  Block-  oder 
Scheibendrechsler;  de  ßossesmass,  der  Büchsenschmied;  dät  Hdjn- 
sle-  Bäiste-  Swenne-  Shäipe-  an  Göscmärked ,  der  Pferde-  Vieh- 
Schweine-  Schaf-  und  Gänsemarkt;  de  Buhmmeiünn,  der  Baum- 
garten; jö  Grauwedieling ,  die  Grabenvertheüung;  de  Kniepcmäger , 
der  Schnallenmacher,  Spängier;  de  Glauwesmass,  der  Spaten- 
schmied; de  Knöppemäger ,  der  Knopfmacher;  de  KrebbeMtter, 
der  Krippenbeisser;  jö  Pörnewöff,  die  Pornfrau;  dät  Bdbbeßäsh, 
das  Rippenfleisch;  dät  Rausewahser ,  das  Rosenwasser;  dät  Säihse- 
fet,  der  Käsehottich;  dat  Sliieliserdck,  der  Löffelriechel ;  de  Stäi- 
rekieker ,  der  Sternguker ;  jö  Täweläujdd  ,  das  Petzenrammeln; 
dät  Thieivepäck ,  das  Diebspack;  dät  Thiegewärk ,  der  Lenden- 
schmerz; dät  HünneAäivent ,  das  Hundeleben;  jö  Wöffesömmling , 
die  Weiberversaramlung  bei  einer  Gebährenden  ;  de  Röshetale, 
der  Binsenbusch ;  de  ^plebuhmm  ,  der  Apfelbaum  ;  de  Peere- 
Plöme-  Nähse-  Kassebäiebuhmm ,  der  Birn-  Pflaumen-  Nuss-  und 
Kirschenbaum;  deDdsheklüß,  der  Küchenhader;  de  Wuppesömmler , 
der  Aehrenleser;  Tanrnebusli ,  Dornstrauch;  en  Baatvlesemc ,  die 
Binsen-  oder  Simsenseime;  Lähsewärk,  Gliederschmerz;  Wäwle- 
kaumm,  der  Kamm  zum  Webstuhl;  de  Stickelsbdiebush ,  Stachel- 
beerstrauch; dät  Räujttemäiis ,  das  Möhrenmuss,  u.  s.  w. 

§.  90.  Einige  männliche  Rezeichnungswörter  auf  er  bekom- 
men, bei  der  Zusammensetzung  mit  andern,  noch  eine  angehängt, 
was  sehr  richtig  ist,  wenn  man  den  rechten  Begriff  mit  diesen 
Wörtern  verbindet,  die  dann  meistens  im  PI.  stehen,  oder  doch 
als  in  demselben  stehend  betrachtet  werden  müssen,  z.  B.  dät 
Shöterehüjtt ,  das  Schützenboot,  ein  Boot,  wie  es  die  Schützen 
gewöhnlich  gebrauchen;  jö  Dikkerekaar,  der  Deicherkarren;  jö 
Täterepönn,  die  Zigeunerpfanne,  dän,  en  Jydepande;  de  Söttere- 
prijnn,  die  Schusterpfrieme;  dät  Gönnerenebb,  der  Gänserichschna- 
bel; jöFcts/jereÄ;ärs^,  der  Fischbehälter;  dU  Kriemmerehüss ,  die  Krä- 
raerdüte;,  dän.  et  Krämmerhuus;  jö  Kraugerewöff ,  die  Krügerfrau; 
dät  Shjärderelüjn ,  der  Schnitterlohn;  dät  Rn/isereshann ,  das  Kalb- 


122 

l'cll  von  einem  cin-bis  zweijährigen  Kalbe;  jö  Sndjlterelierberg , 
die  Tischlei'berbcrge ;  de  Sltrüjderesulimm ,  die  Schneidernath;  dät 
Prcslereliüss ,  das  Pfarrhaus,  und  einige  andre. 

§.  91.  Nachstehende  Composita  bekommen  bei  der  Zusammen- 
setzung ein  eingeschobenes  s,  als:  de  Lönsmönn,  der  Landsmann; 
de  Ujllingsmöiin ,  der  Oldingsmann  ,  Odelsmann,  (dagegen  aber: 
de  Lönmönn,  der  Landmann;  de  Bdddmönn,  der  Betlehiiann;  de 
Jungmönn,  der  Jüngling);  de  Kric/ismönn,  der  Kriegsmann;  dät 
Bäisljägt ,  das  Tageslicht;  de  Wälsldjngde ,  die  Wegeslänge;  de 
Wrällsijnne,  das  Wellende  ;  de  Märkedsdäi  ,  der  Markttag;  de 
lYäüIirsjewe ,  die  Neujahrsgabe  (Geschenk) ,  aber  dät  Ihrmärked 
ist  nicht  der  Jahrmarkt,  sondern  das  Marklgeschenk;  de  Wrälls- 
liipp,  der  Weitlauf;  de  Läiventskipp ;  de  Hdmmelshipp ,  der  Him- 
melslauf; ]ö  Krichstidd ,  die  Kriegszeit;  de  Mönnslwgde,  die  Manns- 
höhe; jö  Forsländsöwing ,  die  Verstandesübung;  jö  Hdrtensängst , 
die  Herzensangst;  de  Haurdstväll ,  der  Kirchhofswall;  jö  Ijlsnüjd, 
die  Feuersnolh;  jö  Walisersnüjd,  die  Wassersnoth  (aber  dat  Wah- 
serbräh,  der  Wassermangel);  dät  Staatskldid,  das  Staatskleid;  de 
Staatswäien ,  der  Staatswagen;  de  Staalstiener ,  der  Staalsdiener; 
dät  ^rbcdslüjn,  der  Arbeitslohn;  jö  Bjdrnmnjd,  die  Kindesnöthen; 
jö  Tvbacksdaufis,  die  Tabacksdose;  Töbacksrick  (Rauch);  Töbacks- 
pose;  Töbackspimg ;  de  Knpmönnssditn ,  der  Kaufmannssohn;  de 
Fidderläiijnsliewde,  die  Vaterlandsliebe;  jö  Gödds/iätin,  die  Golles- 
henne,  Gotteslämmchen  (Goccinella);  jö  Dicksläst,  die  Deichsla- 
sten; de  Graufsiväll;  jö  Ihrstidd,  die  Jahreszeit;  de  Hierdsfaaged, 
der  Hardesvogt;  jö  Fresensnnner/iöndling,  die  Friedensunterhand- 
lung; de  Kniffsödd,  die  Messerspilze;  de  ^mtsforwäller,  Amtsvei"- 
walter;  dät  Drillingsljägt ,  das  Dreilingslicht;  de  Shdllingsstjütt , 
die  Schillingssemmel ,  u.  s.  w. 

Anmerk.  Nur  wenn  das  Wort  »Herz"  uneigentlich  für  Gefühl, 
Gesinnung  steht,  heisst  es  Härtens  in  Zusammensetzungen,  sonst 
bloss  Hart,  als:  Hartklöppen,  Hartklämmen ,  Herzgespann;  Hart- 
kühl,  Herzgrube,  aber  Hartensfräude ,  Hartcnsmiening ,  Hartenslicw- 
de,  U.S.W.  Auch  mehrere  andere,  mit  den  Bezeichnungswörtern 
in  §.  91,  bekommen  das  s  des  zweiten  Falles  nicht,  als:  de  Däi- 
driwwer,  Tagetreiber;  de  Degewä/iler,  der  Tagewähler;  dät  Hani- 
nipJrick ,  Himiuelreich;   dät   oder  jö   MönntäU ,  die  Mannszahl;   de 


125 

Waliseiiüpe,  die  Wasserhose  (Wasserzapfen);  de  Dickfimgcd,  Deicli- 
vogt;  Dickgraaw,  der  Deichgraf;  dät  ^ml/iüss,  u.  s.  w.  Vieles 
ist  hier  ganz  so,  wie  im  Deutschen.  Oft  lassen  Grund-  und  15e- 
zeichnungswort  sich  mit  einander  vertauschen,  und  gehen  dem- 
nach einen  verschiedenen  Sinn,  als:  jo Ilüimelänk  und  Lankc/iünn, 
Hundkeltc,  u.  s.  w. ;  de  Wa/iscrstrulnnm,  dat  Struhmmwahser ,  Was- 
serstrom, u.  s.  w.;  dät  Öferfest  und  dät  Festöfcr,  Opferfest;  de 
Läncstäujl  und  SläujUane,  Lehnstuhl;  jö  Fäjlslilägt  und  dät  Slägl- 
fäjl,  die  Feldschlacht;  dät  ßoltelbur  und  de  Bicrbotlcl,  das  Fla- 
schenbier und  die  Bierflasche,  u.  s,  w. 

§.  92.  Wenn  folgende  Substantiva  als  Bezeichnungswörter  ge- 
braucht werden,  so  stehen  statt  derselben  die  jetzt  nicht  melir 
nackt  oder  einfach  vorhandenen  altfriesischen  Namen  dieser  Dinge, 
als:  dät  Klüss,  altfr.  Kluss,  pl.  lüulise,  Tücher  und  Kleider;  de 
Süss,  Suhs,  pl.  Sufisc ,  der  Brunnen,  nd.  de  Soot;  de  Ekcr ,  de 
Ager,  der  Acker;  dät  Läujnn,  dät  Lön,  das  Land;  de  Sträujnn, 
de  Strön,  der  Strand;  jö  Bräujnn,  jö  Brön,  die  Feuersbrunst; 
jö  Häujnn,  jö  Höh,  die  Hand;  jö  Sliäujim,  jö  S/iön,  die  Schand- 
that;  de  Shauch,  pl.  da  SImr ,  der  Schuh;  jö  Gaus,  jö  Gös;  dät 
Sivinn,  Swenn;  dät  Gäiijl,  dät  Göll,  das  Gold;  dät  Kaum,  dät 
Körn,  das  Korn,  u.  s.  w.  Die  Lautübergänge  sind  hier:  ü  in  u, 
e  in  ä,  k  in  g,  äiij  und  äu  in  o,  i  in  e,  au  in  uh,  äj  in  e.  Beispiele: 
de  Räjdd,  der  Rath;  de  Redmonn,  der  Rathsherr;  de  Sönmönn, 
der  Sandmann;  Soneker,  Sandacker ,  Name  zweier  Dörfer,  von 
denen  eins  im  Kirchspiel  Leck,  das  andere  im  Kirchspiel  Rinke- 
nis  liegt;  de  Sönkraug ,  der  Sandkrug;  de  Sönbänk,  die  Sand- 
bank; dät  Sönskjarl,  das  Sandkörnchen;  dät  Su/iseiva/iser ,  das 
Brunnenwasser;  jö  Sönköhl  und  jö  Säujnköhl,  Sandgrube,  nd,  de 
Sandkuhl,  dän.  en  Sandkule;  jö  Agerhänn,  das  Rebhuhn,  Ackcr- 
huha,  dän.  en  Agerhöne;  de  Lönmonn,  der  Landmann;  de  Lön- 
faaged,  der  Landvogt;  dät  Lönrogt,  das  Landrecht;  de  Lönstricker, 
der  Landstreicher;  Löngraaw,  der  Landgraf;  dät  Lönßulk ,  das 
Landvolk;  de  Lönmäjller,  der  Landmesser;  de  Strön  faaged,  der 
Strandvogt;  Strönrögt ,  Strandrecht;  Strönsäujn ,  Strandsand; 
Strönfögel,  Strandvogel,  u.s.w.;  de  Brön/iage,  Brandhuken;  Brön- 
fäidk ,  Brandleute;  Brönshätt  ,  Brandschatzung;  Brönkasse;  jö 
Brönwägt,  U.S.W.;  de  Hönstöck,  der   Ilandslock;  d^t  II önljim  odev 


124 

-tjärn,  die  Handquehle;  de  Hönlänger,  der  Handlanger;  dät  Hön- 
wäirk,  das  Handwerk;  de  Hö7islieck,  der  Handschlag;  jö  Hön- 
klicss,  der  Handschuh;  diit  ShönJdütten,  Schandflecken,  Schirapfen; 
jö  Sliurkuiep,  die  Schuhschnalle;  de  SImrbjärsel,  die  Schuhbürste; 
de  S/nirrieme;  de  Shurfldcker ,  u.  s.  w.;  de  Gösejürder,  Gänsehirt; 
GöseJJash ,  Gänsefleisch;  Göseiving ,  Gänseflügel;  Gösebraahs,  Gän- 
sebraten; Göseäi ,  Gänseei;  Gösekrölle,  Gänseblümchen;  Gösefäjtt, 
Gänzefüsse  ;  Gösekräse  ,  Gänzekropf ;  Gösesmähr ,  Gänzeschmalz  ; 
GösesuH,  Gänsestall;  Gösehjän,  Gänseaar;  Swenneliaad,  Schweins- 
kopf; -ßäsh,  -regg,  -bjärst,  -ägel,  -slagter,  -jürder,  -fäjtt,  -stjärt, 
-kaum ,  -snütte,  -gröjnten ,  -fleisch ,  -rücke,  -horste ,  -igel ,  -schlächter , 
-hirte,  -füsse,  -schwänz,  -körn,  -schnauze,  -grunzen;  de  Körnjür- 
der,  Fcldhirte,  Flurschütz;  de  Körnqiiänker ,  der  Kornquinkler, 
d.  i.  die  Wachtel,  aber  auch  de  Kaurnkug ,  Kornkog ;  de  Kaurn- 
eker,  der  Kornacker;  de  Kaurnli öndler ;  de  Göllsmass,  1.  der  Gold- 
schmied, 2.  die  gemeine  Libelle,  Wasserjungfer  (Libellula  vulgata) 
und  überhaupt  alle  Libbelenarten ;  de  Göllring ,  dät  Göllshümm , 
de  Gölhtimge,  die  Goldstange;  de  Göllklump,  aber  de  Gäiijledder, 
de  Gäujlmäger ,  u.  s.  w.  Die  drei  Wörter:  de  Stäujl,  dät  Shäujl 
und  dat  Bäujl  gestatten  eine  zweifache  Zusammensetzung  ,  je 
nachdem  sie  in  der  Einheit  oder  Mehrheit  stehen,  als:  dät  Stäujl- 
liäigen,  das  Stuhlkissen;  de  Staulemäger,  der  Stuhlmacher;  dät 
Shmjlgijl,  das  Schulgeld;  jö  Shauleforbä/iseiing ,  die  Schulverbes- 
serung;  jö  Bäujldöhr ,  die  Hüttenthür;  da  Baulewamiinge ,  die 
Fenster  der  Hütten.  Das  Wort  Mäujl,  altfries.  Maul,  Mill,  Millerde, 
dän.  Muld,  engl,  mould,  bleibt  unverändert  in  Mäujlwjärpel ,  wo- 
für man  ganz  unrichtig  Mäujnwjärpel  spricht.  Vergleichen  wir 
hier  die  Namen:  Mäujhvjärpel ,  dän.  Muldivarp,  engl,  mouldwarp , 
deutsch  Maulwurf,  so  stellt  es  sich  deutlich  heraus,  dass  das  Wort 
Maul  in  Maulwurf  nicht  Maul  (Mund,  Schnauze,)  sondern  Millerde , 
das  altfriesische  Maul,  bedeutet;  und  wirklich  wühlt  der  Maul- 
wurf immer  nur  Millerde  auf,  denn  in  der  Thon-  oder  Kleierde 
findet  man  ihn  nicht,  (Beiläufig  bemerkt,  hat  man  auf  der  Insel 
Arröe  keine  Maulwürfe,  obgleich  man  sie  auf  allen  benachbarten 
Inseln,  sowohl  im  Herzogthume  Schleswig  als  auf  den  dänischen 
Inseln,  findet), 

§.  93,    Diejenigen  Wörter,   welche  sich  auf  Z' endigen ,   und  in 


121i 

der  Mehrheit  die  Endung  ive  bekommen,  behalten  diese  in  der 
Zusammensetzung  bei,  wenn  die  Mehrheit  angedeutet  ist,  als: 
dät  Bräif,  dät  Bräiwebauck,  das  Briefbuch,  der  Briefsteller;  de 
Bräiwepose ,  der  Briefsack;  dat  Rcef,  jö  Räivejägt,  die  Fuchsjagd; 
jö  Grauf,  jö  Gramvedieling ,  die  Grabenvertheilung;  dät  Ruf,  dät 
Ruwebünn,  das  Strähnenbund;  dät  Gref,  da  Greweliuppe ,  die  Grä- 
berhaufen, Gräberhügel;  dät  Steef,  die  Fassdaube,  jö  Steivehäiücl, 
der  Daubenhobel;  StcweliöU;  de  Thief,  dät  Tliiewepäck,  das  Diebs- 
pack, u.  s.  w, 

§.  94.  Die  einsilbigen  Wörter,  welche  in  der  Mehrheit  die 
Endung  inge  bekommen,  erleiden  auch  verschiedene  Zusammen- 
setzungen ,  je  nachdem  sie  in  der  einen  oder  andern  Zahl  stehen , 
als:  de  Hüssmönn,  der  Häusler,  dät  Hühssingerd ,  die  Häuserreihe; 
de  Krüssgräwe,  der  Krughenkel,  da  Krühssingeladde ,  die  Deckel 
der  Krüge;  de  Kniffsödd,  die  Messerspitze,  da  Kniwwingeblefise, 
die  Messerblätter;  dat  Tünnstäk,  das  Gartengeslänge,  da  Töhn- 
ingethiewe,  die  Gartendiebe;  dät  Rümm ,  Zimmer,  de  Röhminge- 
mäler,  der  Zimmer-  oder  Stubenmahler ;  de  Shrönnborke ,  die 
Beilade  in  einer  Truhe,  da  S/iröningeladde ,  die  Deckel  derselben; 
dit  Ihrbauck,  das  Jahrbuch,  de  Ihrgöng,  der  Jahrgang,  de  1/irsdäi, 
der  Jahrestag,  jö  Ihrslidd,  die  Jahreszeit,  jö  Ihrläll,  die  Jahres- 
zahl, aber  jö  Ihringetäll,  die  Anzahl  einer  Reihe  von  Jahren,  de 
Ihringeteller ,  der  Jahrenzähler;  dät  Sliöff,  de  Shöffsgräwe,  der 
Schubladengriff,  da  Shöwwingefeke ,  oder  -fäge  ,  die  Schubladen- 
fächer.—  Man  spricht:  dät's  manning  Ihr  sunt,  und  dat  ds  manning 
Ihringe  sunt,  »viele  Jahre  her",  beides  richtig  und  gleichbedeutend. 

§.  95.  Die  Wörter,  welche  sich  in  der  Mehrheit  auf  ene  en- 
digen, kommen  auch  mit  dieser  Endung  in  Zusammensetzungen 
vor,  als:  de  Ugenewärk,  der  Augenschmerz;  dät  Ugenewahser ;  dät 
Mdnshen£ßash  ,  Menschenfleisch;  MdnsheneUetvde  ,  Menschenliebe; 
de  Mdnslienefrünn ;  de  Högsenewärk,  Kniebeugenschmerzen  ;  da 
Jöngensesträge ,  die  Knabenstreiche;  dagegen  aber  wieder:  de 
Uhgäpel,  de  Uhgcntiencr ,  dät  Vhgenbldck,  dät  Uhgenldss,  Augen- 
lied; deUfigenshinn;  däit  Uligimmäjtt,  Augenmaass;  dAtUhgetimärk, 
das  Augenmerk;  dät  Ufigen/täter,  die  Wimpern  und  Brauen  oder 
Braunen  (Uberhäier?);  de  Uhgenedocter;  dät  Mans/ieäller ,  Menschen- 
alter; de  If/anshelaurte ,  dci-  Mcnschenkoth;  jö  Mansfiefiäujnn,  die 


126 

.Mciiyclienliand;  de  Axenedriwwer  (s.  Axenc  unter  den  Collectivcn) 
aber  auch  Ögsedriwivcr.  Dät  IJhrjcnhläck,  der  Augenblick,  ist  nur 
dann  sächlich,  wenn  es  den  kürzesten  Zeitlhcil  bezeichnet,  dage- 
gen männlich,  wenn  ein  wirklicher  Blick  darunter  verslanden 
werden  soll,  wie:  de  Liewdeblack ,  der  Liebesblick.  Jö  Maßt,  das 
Maass,  ist  nur  in  dem  Worte  dät  UJigcnmäjU,  sächlich,  sonst 
überall  weiblich. 


Gemischte  Beispiele  als  Nachtrag  zu  dem  Vorigen. 

%  96.  De  Tömestöch,  der  Zollstab;  dat  Wunnertiekcn ,  das  VVun- 
derzeichen;  de  Möhrstijn,  der  Mauerstein;  jö  Sli-jnmöhr,  die  Stein- 
mauer; de  Ohlhuhmm,  dät  Biihmmöhle,  der  Ölbaum,  u.  s.  w. ; 
dät  Fögclböhr,  das  Vogelbauer;  jö  Mölkko,  die  Milchkuh;  de  Pose- 
klump,  der  Mehlbeutel,  Budding;  jö  Bühserhdx ,  die  Butterhexe; 
jö  Hdxeböhser ,  die  Hexenbutter;  de  Slägbuhmm,  Schlagbaum;  de 
Bläiijdhünn,  der  Bluthund;  dät  Bläujdshöm,  die  Blutschande;  jö 
Löftslrepp,  die  Bodentreppe;  de  FlUsböge,  der  Flitzbogen,  kleine 
Armbrust;  jö  Brüjdkröhm,  die  Brotkrume;  jö  Hilleboss,  die  Ho- 
lunderbüchsc,  aus  der  die  Knaben  mit  zusammengekauten  Werg- 
plVöpfen  schiessen;  dät  und  jö  Höntrau,  die  sogenannte  Handtreue 
der  Verlobten ;  dat  ^iebier ,  Eierbier;  dat  ^irebier ,  das  Ehrenbier, 
Begräbnissmahl ;  dät  Bröräck  ,  das  Brückengeländer  ;  de  Dägen- 
kndpp,  Degenknopf;  de  Järdbäll,  der  Erdball;  de  Uhreivärk,  der 
Ohrenschmerz;  jö  Kräbbeshäicr ,  die  Krebsschere;  jö  Pmvertwjärn, 
die  Pfefferquerne ;  de  Ricksdäi ,  der  Reichstag;  de  Ricksdaaler; 
de  Räidetäge,  das  Rohrdach;  dät  Säjdkaurn,  Saatkorn;  dät  Shüll- 
bräif,  Schuldbrief;  de  Siemönn,  1,  der  Seemann,  2.  der  Sämann; 
jö  Hefiüöff,  das  Meerweib;  dät  Siddstück ,  das  Seitenslück  ;  de 
Sdmmihsser ,  der  Sonnenweiser;  de  Spräiklicre,  die  Sprachlehre; 
dat  Tobacksstaawling ,  das  Ausräumsei  aus  dem  Pfeifenkopfe;  de 
Döhrdrempel,  die  Thürschwelle;  de  Slöhsedrempel,  der  Schleusen- 
drempel;  jö  Düssstünn,  die  Todesstunde;  dät  Fidderläujnn ,  das 
Vaterland ;  dät  Mudderläujnn ,  das  Mutterland ;  de  Waaldäi ,  der  Wahl- 
tag; dat  Wähsergless,  das  Wetterglas;  de  Wajnkclhäge,  der  Win- 
kelhaken;  de  Wonterbähr,  die   Wintergerste;   de   Ullkaumm,   der 


127 

Wollkamm;  dät  Urdebaiick,  das  Wörleibucli ;  da  Balsaamhic/isc, 
die  Balsamblättcr  vom  Balsamrainlarrcn  ;  dat  RäiijUebedd  ,  das 
Möhrenbeet  ;  dät  Tiddsäller  ,  das  Zeitalter ;  jö  Krogeshiess ,  der 
Grapenlöilel  (nd.  Sleef);  de  Siickerliiwjdd ,  der  Zuckerhut;  de  ^r- 
bedsmönn,  Arbeitsmann;  dat  Däilüjn,  Tagelohn;  dat  KlöckeJiüss, 
4.  das  Uhrgehäuse  einer  Wanduhr,  2.  das  Glockengestühle  der 
Kirchenglocken,  anstatt  eines  Thurmes;  de  Döbstijn,  der  Taufslein; 
de  ^Iterdauck,  das  Altartuch;  de  Föddcrivjärsing ,  der  eingestri- 
chene Hauptschwaden  beim  Heuen  (Swälen);  de  Härwclünne,  die 
Eggenzinke;  de  Lühssekaumm,  der  Läusekamm;  dät  Bjärdsiep,  die 
Bartseife;  jö  Winnmellen,  die  Windmühle;  de  Wimiljaalcr ,  der 
Weinkeller;  de  Sillefldcker ,  der  Kesselflicker;  de  Mäjdli/isse,  die 
Mähzeit;  de  Födderberigl,  die  Heuernte;  de  Fäujtstäpe,  der  Fuss- 
stapfen;  de  Maclielsdäi,  der  Michaelistag;  dät  Hdjnsterdck,  die 
Heuraufe  der  Pferde  ;  dät  Hämierdck  ,  die  Hühnerweimc;  dät 
Biergijl,  das  Bicrgeld,  Trinkgeld;  dät  Sollembkld,  das  Wochen- 
bett; jö  SoUenmöff,  die  Wöchnerinn;  dat  Ailäujnn,  das  Eiland; 
dat  AUaiimm,  nd.  Aulamm,  d.  i.  Mutterlamm;  dät  Shältlwahser, 
Scheidewasser  ;  dät  oder  jö  Potteslijärd ,  die  Topfscherbe  ;  dät 
Nilkenpäwer ,  der  Nelkenpfeffer;  dät  Gräjddeblöck ,  kurzer  Rasen- 
acker am  Dorfe;  dät  Wjärtshüss ,  das  Wirthshaus;  de  Plömetünn , 
der  Pflaumengarten;  de  Swmiowäjl,  der  Schwanenweiher  (Name 
einer  Wehle  im  kleinen  Kohldammerkoge,  sonst  jö  Swulm  statt 
Swän);  de  Hiehslupper,  der  Heideläufer,  d.  i.  der  Brachvogel;  de 
Ellemaiise,  dän.  Ellemose,  das  Erlenbruch,  Erlenmoor,  jetzt  ge- 
meinschaftliche Dorfarbeiten;  de  Bankerütt ,  der  Bankerot;  da 
Hjürtetäcke,  die  Zacken  am  Hirschgeweihe;  dät  Wäirktjöch,  das 
Werkzeug;  dät  Bäirigiväirk,  das  Bergwerk;  dät  Höniväirkstjöcfi , 
das  Handwerkszeug  ;  de  Lägenkriemmer  ,  der  Lügenkrämer;  de 
Sivöwestele,  nd.  de  Swäbstähl,  Peitschenstiel;  de  Swöiveseme,  die 
Peilschenseime;  dät  Wätvlebmird  ,  das  Wirkbrett  zum  Band\\ir- 
ken  ;  jö  Knäppelkäg,  der  Lebkuchen;  jö  Kndppelsefömmen  ,  die 
Spitzenklöplerinn ;  jö  Hiehsbäi,  die  Heidelbeere;  dät  Jillljöch,  das 
Feuerzeug ;  dät  Tännerholt ,  das  Zunderholz  ;  de  Swaawelplöck , 
das  Schwefelhölzchen;  de  Wägsboltcr ,  gewundene  Wachskerze. 


128 


Zusammensetzung  mit  Bestimmungswörtern  (Ädjecliven). 

§.  97.  Diese  werden  ohne  alle  Veränderung  mit  dem  Haupt- 
worte verbunden,  wie  in  Ldgtsänn,  der  Leichtsinn;  Diepsdnnig- 
häicl,  Tiefsinn;  jö  Fristünn  ,  die  Freistunde;  jö  Kaurlswill,  die 
Kurzweil;  jö  Gr ottli artig fiäid,  die  Hoffahrt;  de  Hucfm.äujd,  der 
Hochrauth;  dat  Lungjörn,  Langeisen,  Sech,  am  Pfluge;  dät  Trinn- 
Jörn,  das  Rundeisen,  eine  runde  Scheibe  mit  scharfer  Schneide 
im  Sech  auf  einer  Axe;  de  Aiensann,  Aicnsannigliäicl ,  der  Eigen- 
sinn; de  Äienliewde,  die  Eigenliebe;  jö  Kaurtsegtigliäid ,  die  Kurz- 
sichtigkeit; de  Lungbuhmm,  der  Langbaum;  de  Limgwäien,  der 
Langwagen;  dät  Lungsträi,  Limghulem,  Langstroh;  de  Blinnemö' 
me,  die  blinde  Mumme  (»vermummen"),  d.  i.  Blindekuh  spielen; 
dät  Näiihr,  de  Näii/irsdäi,  de  Näii/irsjewe,  das  Neujahr,  u.  s.  w.; 
Wittbier,  Brünnbier,  Weissbier,  Braunbier;  de  Wittbdcker,  4.  der 
Weissbäcker,  2.  die  weisse  Meerschwalbe  (Sterna  hirundo);  de 
Wennbdcker,  die  blaue  Mecrschwalbe  (Sterna  nigra);  de  Göfil- 
bdcker ,  die  gelbe  Bachstelze  (Molacilla  flava);  jö  Göhlsegt,  die  Gelb- 
sucht; deFrihiere,  der  Frexherv;  ]&  Sljogthäwel,  der  Schlichthobel; 
dät  Rdlähser,  das  Rohleder,  nicht  genug  gegerbtes;  de  Gröfstnass, 
der  Grobschmied;  de  Kliensmass ,  der  Kleinschmied,  der  Schlosser; 
de  Twdrrdriivwer ,  der  Quertreiber,  ein  quersinniger  Mensch;  de 
Twdrrbiijlke ,  der  Querbalken;  dät  Krümmliölt,  das  Krummholz; 
jö  Grdgäus,  die  Graugans;  jö  Ermmjd,  die  Armuth;  de  Plätßiijlt, 
der  Plattfuss;  da  Gröttemänns  ,  die  Grossen,  Vornehmen,  nom. 
coli.;  d'd Rickedege ,  wörtl.  die  reichen  Tage,  der  Reichthum,  auch 
ein  CoUectivum ;  Ä>wsse/wMn/, Krausemünze ;  Bdttei'kliewer,  Bitterklee. 


Zusammensetzung  mit  Zeitwörtern. 

§.  98.  Diese  behalten  in  der  Regel  nur  die  Stammsilbe ,  wenn 
sie  als  Bezeichnungswörter  stehen,  wie  in  jö  Riddbaan,  Reitbahn; 
dät  Shriwbatick,  Schreibebuch;  de  Bdddmönn,  der  Bettelmann;  jö 
Bdddivöff,  das  Bettel  weih;  de  Släipkämmer ,  die  Schlaf  kammer; 
de  Kupmönn,   der   Kaufmann;  de  Spring ftdjn st ,   der  Zuchthengst; 


129 

de  Sjunyfögel;  dat  Drdinkkrüsa ,  der  Trinkkrug;  de  Fällhäujdd, 
der  Fallhut;  jö  Fällsegt,  die  Fallsucht;  jö  Mäjtsnaur,  die  Mess- 
schnür;  de  Striddhämmer ;  da  Söirigkluhse ,  die  Trauerkleider;  de 
Dönsmäister ,  der  Tanzmeister;  dät  Strickjörn,  das  Plätteisen,  Bü- 
geleisen; de  Bägmäister,  der  Baumeister;  de  Flähspose,  der  Flips- 
beutel, d.  i.  der  Ausplauderer;  dät  Shräwjörn,  das  Schabeisen, 
Scharreisen,  die  Scharre;  deBdddpose,  der  Bettelsack;  da.1  Braah- 
spdtt,  der  Bratspiess;  jö  Brännnill,  die  Brennnessel;  dät  Bränn- 
hölt ,  das  Brennholz ;  dät  Känntieken ;  jö  Swummbläihs ,  die 
Schwimmblase;  dät  Bregjörn,  das  Brecheisen;  de  Tekstäujl,  der 
Deckstuhl  der  Dachdecker;  dät  Wälkbaurd,  das  Walkbrett;  jö 
Kläihskätt,  die  Kratzkatze,  von  balgenden  Knaben,  die  mit  den 
Nägeln  kratzen,  kläihsen;  dät  Hielmiddel,  das  Heilmittel;  de 
Spärbüsh,  die  Sparbüchse;  jö  Bärmudder ,  die  Wehmutter,  Heb- 
amme; dat  Bregmiddel,  "das  Brechmittel;  de  Brausill,  der  Brau- 
kessel; dät  Göngtjöch,  Räderwerk  in  Uhren,  Mühlen,  u.  s.  w. ;  de 
Fellhaurn,  das  Füllhorn;  de  Slippstijn,  der  Schleifstein;  de  Sic- 
mönn,  der  Sämann;  dät  Spann fijl,  das  Spinnrad;  de  Dräibänk, 
die  Drechselbank;  de  IhlbSse,  der  Eilbote;  de  Faurmönn  ,  der 
Fuhrmann;  de  Süppbrauser ,  der  Saufbruder;  de  Slijärdlihsse ,  die 
Schnitterzeit;  de  Spötfögel,  der  Spottvogel;  Päckhüss.  Dagegen 
aber  auch:  dät  Lesebauck,  Lesebuch;  jö  Fölgetidd,  die  Folgezeit; 
dät  Räisegijl,  das  Reisegeld;  jö  ßjarneköhl,  die  Tränkgrube;  dät 
Fragetieken,  das  Fragezeichen;  de  Plegcfidder,  der  Pflegevater; 
dät  Gögelspdl,  das  Gaukelspiel;  de  Tänkesträg,  der  Gedanken- 
strich; de  Babsegäst,  der  Badegast.  Aber  diese  Fälle  sind  seltener 
als  die  mit  der  blossen  Stammsilbe,  wie:  Blaasbielig ,  Blasebalg; 
de  Brännwinn,  der  Branntwein;  de  Helstijn,  der  Heizstein,  d.  i. 
der  Feuerheerd. 

Diejenigen  Zeitwörter,  welche  sich  auf  ein  und  ern  endigen, 
verlieren  bloss  ihren  Endbuchstaben  n,  als:  de  Wallerbuhmm,  die 
Mühlenwelle ;  de  Tdmmermönn ,  der  Zimmermann ;  dät  Wddder- 
wähser,  Wetter  zum  Wittern  des  Heues,  der  Kleider  und  Wä- 
sche ;  jö  Släsertäsh ,  die  Plaudertasche  ;  jö  Wjdrpelshauwel ,  die 
Worfschaufel;  de  Tontelstöck,  der  Klöppelstock;  dat  Neslelwierew , 
unnütze  Nebengewerbe;  jö  Prdgelhohs ,  der  Strickstrumpf;  jö 
Shrdjngelboss  oder  Bajngelboss,  von  shrdjngeln,  rajngeln,  schellen, 


3  50 

klappern ,  die  Kinderklapper ,  Schellenbüchse ;  de  Gögelmömi ,  wört- 
lich: Gaukelmann,  die  Gliederpuppe,  Dralhpuppe,  Hampelmann, 
u.  s.  w.  Einzelne  verwandeln  die  Endung  ern  in  ere,  als:  dat 
Grdsterebaurd ,  das  Gässelbrett,  Brot-  oder  Ofenschieber,  auch  de 
Gljärder  genannt.  Wenn  sie  sich  auf  nen  endigen,  bleibt  ihnen 
nur  die  Endung  en,  als:  dat  Rägenhauck,  das  Rechenbuch;  dät 
Tieketibauck ,  das  Zeichenbuch,  u.  s.  w.  Auch  zusammengesetzte 
Zeitwörter  werden,  wie  jedes  Zeitwort,  durch  Vorsetzung  des 
sächlichen  Geschlechts,  ganz  wie  im  Deutschen,  zu  Substantiven 
erhoben,  als:  dät  Trinnämmeruken ,  das  Rundumsprechen,  und  de 
Trinnammeruk,  wörtlich:  der  Runduradenschober;  dat  Mäjddeiväl- 
lern,  das  Mathwälzen;  da  Toläjtsluliggen ,  das  Lamentiren;  dät 
Tokiersguti{ien ,  das  Zukehrgehen,  u.  s.  yv. 


Mit  Zahl-  und  Fürwör/er/t. 

§.  99.  Jö  Ijtibdgg ,  der  Einbau,  ein  einzeln  liegendes  Haus, 
fern  von  andern,  eine  Einsiedelei,  dän.  enEnebolig;  dät  Ijnhauni, 
das  Einhorn;  de  Tristäpe ,  von  stäpen,  stapfen,  der  Dreistapf, 
ein  grosser  hölzerner  Dreifuss  oder  Tonnenbock ,  der  besonders 
beim  Brauen  gebraucht  wird  ;  de  Trifäujtt ,  der  Dreifuss ;  dät 
Fierdingkär,  dän.  et  Fjärdingkär,  das]  Viertelfass  d.  i.  ^  Shipp; 
jö  Saawenstäir,  das  Siebengestirn;  dät  ^gendijl,  das  Achtel,  als 
Buttermaass;  de  Saawensläiper ,  der  Siebenschläfer;  dat  Fierkänt, 
das  Viereck;  dät  Tlmgmarksstock ,  das  Zweimarkstück;  dät  Fjauer- 
Fiew-  Aagt'  Tim-  Twellew-  Segstäin-  Twonlig-  Fcertigshallingsstock , 
das  4-  5-  8-  10-  42-  IG-  20-  und  Vierzigschillingsstück;  de  Dusend- 
kunstler,  der  Tausendkünstler;  jö  ^llmägt,  die  Allmacht;  de  ^11- 
ienehöndler ,  der  Alleinhändler;  da  Twdnlingsbrauliscre ,  die  Zwil- 
lingsbrüder; dat  Twdnliiigepär ,  das  Zwillingspaar;  dät  Triebleess, 
das  Dreiblatt;  de  SellewHewde,  die  Selbstliebe;  de  Sellewmaurder , 
der  Selbstmörder. 


131 


Leiste  Zugabe  vermischten  Inhalts. 

%  100.  De  Shörstijn,  der  Schornslein;  jö  Mtong  statt  Jillong, 
die  Feuerzange;  de  Faurtele ,  die  Vordiele;  dät  Tunner  wäh  ser , 
Donnerwetter  (dät  ßir  Wähser,  Gewitter);  dät  Naurdljägt,  das 
Nordlicht;  de  Faarbäirig ,  das  Vorgebirge;  dät  Ihkhölting ,  die 
Eichenholzung;  jö  Stijnkldpp,  die  Klippe,  Fels;  dat  Sämmetkldpj) , 
eine  sammetne  Kopf-  oder  Stirnbinde  alter  Weiber;  dät  Bögslinge- 
klapp,  der  Hosenlatz;  de  Rinboge,  der  Regenbogen;  de  Mählddwwe^ 
der  Mehlthau;  de  Hönningddwwe ,  der  Honigthau;  de  Födderruk, 
der  Heudieraen,  Schober;  de  Ultvefihss,  wörll,  der  Wolfsfist,  d.  i. 
der  Bovistkugelschwamm  (Lycoperdon  Bovista  L.);  jö  Bai,  die 
Beere;  Taurnebäie,  Brombeeren;  Himbäie,  Johannisbäie  oder  Hans- 
bdie;  Saalbäie,  schwarze  Johannisbeeren;  Stickelsbäie ,  Stachelbee- 
ren; Järdbäie,  Hiehsbäie;  dat  Qudckselwer,  das  Quecksilber;  de 
Adelstijn,  Wetstijn,  Slippstijn,  Jilstijn,  Flintstijn,  Mellenstißn,  Mag- 
netsiijn ,  Möhrstijn,  u.  s.  w. ;  jö  Wällndhs ,  die  Wallnuss  ;  de 
Magdndelbuhmm ,  der  Wachholder;  de  Gälläpel;  jö  Ridderspör , 
der  Ritlersporn;  da  udpelkrölle,  Kamillen;  jö  MijH,  die  Melde 
(Atriplex);  jö  Pdwerräujtt,  der  Meerrettig;  de  Dünnhämmer,  der 
Rohr-  oder  Teichkolben  (Typha  latifolia);  dät  ^iswitt,  Ei  weiss; 
de  ^isdaaler,  der  Eidotter;  dät  Shaasenest,  das  Elsternest;  jö 
Fögleköi,  das  Vogelkäfig;  de  Küjlwürm,  der  Kohlwurm;  jö  Shäi- 
petahg,  Schaafzecfce;  de  Wällfdsh,  der  Wallfisch;  de  Siehünn,  der 
Seehund;  de  Ellemboge  statt  JEllenboge,  der  Ellbogen;  de  Lönke- 
pose ,  das  Hüftpolster;  jö  KnäibUngetrcel ,  die  Kniescheibe;  de 
Bekläirem,  der  After;  jö  Gijtlkönn,  die  Giesskanne;  de  Rollstöck, 
die  Pflugreute;  jö  Wönnüjlling ,  die  Schwingwanne,  von  wönnen, 
das  Korn  in  einer  flachen  Mulde  schwingen;  de  Bäckauiven,  der 
Backofen;  de  Backtrog;  dät  WällerhoU,  das  Wellerholz;  jö  Setun- 
gel,  die  Setzangel  nach  Hechten;  de  Winnhünn,  der  Windhund; 
de  Winntäper,  der  Weinzapfer;  dät  Ögsehaad,  i.  der  Ochsenkopf, 
2.  das  Oxhoft;  dät  Kdmmesaul ,  das  Kamisol  ;  jö  Möhrsliiess,  die 
Mauerkelle;  da  Wanningepöste ,  die  Fensterpfosten;  dät  Bielaaken, 
der  Bettvorhang ;  dat  Bläujdsluhggerjörn ,  das  Lasseisen  ,  der 
Schnäpper  ;   dät  Hdjnstedäken  ,   die   Pferdedecke  ;  jö    Thiewestich , 

17  * 


132 

der  Diebssteig  (im  Riesummoor);  de  Stichbögel,  der  Steigbügel; 
de  Drägtstring ,  der  Zugstrang;  de  Rägenstijn,  der  Rechenstein, 
Schieferstein,  sonst  auch  bloss:  dät  Brätt ;  de  Shäujlmäister ,  der 
Schulmeister ;  de  Shantpule ,  der  Schandpfah! ;  dät  Brännmärk , 
das  Brandmal;  dät  Tugt/iüss,  das  Zuchthaus ;  de  Lickbäre,  die 
Leichenbahre;  de  Täshenspäler ,  der  Taschenspieler;  de  Shurrelup- 
per,  der  Schlittschuhläufer;  de  Addelmönn,  der  Edelmann;  de 
Ställmäister ,  der  Stallmeister;  jö  Kättöhl,  die  Eule,  nd.  de  Kat- 
uhl  (Katzeule);  dät  Nellehäigen,  das  Nadelkissen;  de  Ljägtsnöwe , 
die  Lichtschnuppe;  de  Wahserömmer ,  der  Wassereimer;  de  Wält- 
kaum ,  das  Waldhorn  ;  da  Gichelstringe  ,  die  Geigensaiten  ;  dät 
Minggäujd,  das  Mengelgut;  de  Jßnnhör ringe ,  die  Abenddämmerung, 
das  Zwielicht;  de  Wdrkeldäi,  der  Werkeltag;  de  Hälligdäi,  der 
Feiertag;  Hälligenn,  Feierabend,  aber  Hilligenne,  die  heiligen 
Abende ;  dät  Wonterkaurn ,  das  Winterkorn  ;  de  Sdmmerrögge  , 
der  Sommerroggen;  de  Hänepeker,  der  Hanfacker;  jö  Sdneptwjarn, 
die  Senfquern  (Handmühle);  de  Sällgortel,  der  Sattelgurt;  de 
Wirkpule,  der  Zaunpfahl ;  de  Kantöffeläpel ,  die  Samenäpfelchen  oder 
Beeren  der  Kartoffeln;  de  Poppierboge ,  der  Papierbogen ;  jö  Fdshere- 
wähs,  die  Wathe,  grosses  Zugnetz;  de  Präckerfaaged  oder  Pracke- 
refaaged,  der  Bettelvogt;  de  Stjörmönn ,  der  Steuermann;  de 
Repsläger,  der  Reifschläger,  müsste  heissen:  de  Tdwsluhgger ,  Tau- 
schläger, jenes  ist  nd, 

Anmerk.  Die  Benennungen  der  Himmelsgegenden  erleiden , 
wenn  sie  bestimmungswörtlich  mit  andern  Hauptwörtern  verbun- 
den werden,  folgende  Veränderungen,  als:  Sössrihssem,  Sösslon- 
halm,  statt:  Sühsserrihssem  und  Süksserlonhalm ,  Südriesum  und 
Südlindholm.  Aus  Sühssen,  Süden,  macht  man  gleichfalls  söhser,  statt 
sühsser.  Ferner:  Nordrihssem,  Nordionhalm,  statt:  Naurd  oder  Naur- 
der.  Weiter  heisst  es:  de  udstemaure,  de  Westemaure,  Oster-  und 
Westermoor;  dagegen  sagt  man  aber:  .Astersnötebüll  und  Wester- 
snötebüll.  Oster-  und  Westerschnatebüll ;  de  ^sterhällig,  Wester- 
hälHg,  Söhserhällig,  Naurderhällig,  Naurderläujnn  und  Söhserläujnn ; 
Naurderhjärn,  Norderhörn,  Söhserlijärn,  Süderhörn;  Naurderuch, 
Norderoog;  aber  wieder  Nordsträujn,  Nordstrand;  Noi'dhackstähs , 
Nordhackstedt;  ^sterdick,  Osterdeich;  Söhserdick;  Söhseruch,  Sü- 
deroog;  dät  jfsierlmjnn  und  Westerlmjnn  z.  B.  auf  Föhr;   uister- 


155 

häwer,  Wester/iäwer ,  in  Eiderstedt;  ^sterhühssem ,  Osterliusum; 
^steriünn  ,  Osterlund  ;  Westergärde ;  ^sterijnne  ,  Osterende  ;  de 
Nordijnne  und  Naurderijnne. 


Einige  Laut-  oder  Klangsynonymen. 

§.  101.  Jö  ßäi,  die  Beere,  bäi,  Praep.  bei ;  dät  Bauck,  das  Buch, 
ick  bauk,  ich  buk;  jö  BläJis,  die  Flamme,  von  hlähsen ,  intr. , 
dät  Bleess,  das  Blatt;  de  Bröhk,  der  Zahlenbruch,  de  Brock  oder 
Brück,  der  Brauch,  Gebrauch;  de  Dick,  der  Deich,  jö  Diek,  das 
Grübchen;  jö  Döhr,  die  Thüre,  döhr ,  Praep.  durch,  hindurch; 
jö  Drdft,  die  Trift,  he  dräft,  er  treibt;  de  Fäll,  der  Fall,  dät 
Fä//,  1.  das  Füllen,  2.  Fell;  jö  Feesl,  die  Faust,  dät'Feesf,  das 
Fest;  dät  Faß,  das  Feld,  jö  Fäil,  das  Gefühl;  jö  Feel,  die  Feile, 
icA;  feil,  ich  fiel;  dät  Fjärsh,  der  Vers,  fjärsh,  frisch,  ungesalzen, 
fjärsh  Wähser,  süsses  Wasser;  de  Galt,  der  Borg,  verschnittener 
Eber,  he  gällt,  er  weint;  de  Gedd,  der  Hecht,  ja  t?ö  ged!  ja,  du 
solltest  wohl!;  de  Grünn,  der  Grund,  ic/c  grünn,  l.ich  mahle,  auf 
der  Mühle,  2.  gründen;  de  GäiAs,  der  Dünger,  da  Gäis,  die  Gänse; 
jö  Hänn,  die  Henne,  jö  Hdnn,  das  dünne  Häutchen;  dät  Hart, 
das  Herz,  //ärcü,  hart;  dät  Hierd,  die  Harde,  ick  hierd,  ich  hörte; 
de  Hupp,  der  Haufe,  de  Iföpp,  der  Hüpf,  von  höppen,  hüpfen; 
jö  Hüll,  die  Mütze,  dät  Hall,  der  Hintere,  das  Gesäss;  jö  oder 
de  Hill,  der  Holunder,  jö  Hijll,  die  Heide,  Fussfessel;  ^dat  Ihr, 
das  Jahr,  ihr,  eher,  früher;  de  Jüll,  die  Weihnachten,  ick  jüll, 
1.  ich  wimmere,  2.  ich  gelte;  dät  Klapp,  eine  Kopfbinde,  dät 
Klapp,  der  Hosenlatz;  de  Klömp,  1,  die  Klampe,  2.  Schober,  de 
Klump,  der  Kloss,  Klump  und  Klumpen;  de  Knapp,  der  Knopf, 
de  Knapp,  1.  die  Schwammdose,  2.  kleine  harte  Erhöhung;  da 
Kreße,  die  Kräfte,  de  Krefte,  der  Krebs,  Krebsfrass,  (das  Thier 
ist  de  Krabbe);  dät  jLäcA;,  der  Lack,  de  Ldck,  der  Leck;  jö  Last, 
die  Last,  jö  Last,  der  Leisten;  dät  Lick,  die  Leiche;  dät  ZieÄ. 
ein  Knabenspiel  mit  Schüssern;  jö  Luft,  die  Luft,  jö  Löß,  die 
Zimmerdecke  und  der  Boden,  dän.  et  Löft;  dät  Malt,  das  Malz 
jö  Malt,  die  Milz;  dät  Mäujt,  die  Begegnung  aus  entgegengesetZ' 
tcn  Richtungen,  dät  Mäujd,  der  Muth;  jö  Meel,  die  Meile,  dät 


154 

Mäld,  das  Mehl;  jö  Muis,  ein  weiblicher  Kopiputz,  dät  Muss, 
das  Müssen,  der  Zwang;  jö  Möhr ,  die  Mauer,  mörr ,  mehr;  de 
Mass,  die  Messe  in  der  Kirche,  mass,  miss,  fehl;  jö  Neil,  die 
Nadel,  jö  Nill,  die  Nessel;  dat  Pack,  der  und  das  Pack,  dät 
PAckf  das  Pech;  dät  Päss,  der  Pass,  dät  Pass,  der  Harn;  dePms, 
der  Preis,  jö  Priehs,  die  Priese;  de  Räjdd,  der  Rath,  jö  Räihd, 
das  Rohr;  de  Rang,  der  Rang,  jö  Rank,  die  Ranke;  dät  Ref,  der 
Fuchs,  jö  Reiü,  der  Rechen,  die  Harke;  de  Riek,  der  Rauch,  dät 
Rick,  das  Reich;  de  Rock,  der  Spinnrocken,  de  Rock,  der  Rock; 
jö  Snär ,  i.  die  Schleife,  2.  die  Schlinge,  jö  Snaar,  die  Schnur, 
Schwiegertochter,  (jö  Snaur,  die  Schnur  zum  Schnüren);  de  Stall, 
der  Stall,  dät  Stdlling ,  das  Gestell,  auch  in  Swdckstdlling ,  um 
eine  Graupenmühle,  stall,  stille,  stallen,  i.  stillen,  2.  stellen, 
daher  Stdlling,  Gestell;  de  Slähg ,  der  Stich,  jö  Steeg ,  der  Steig; 
de  Stock,  der  Stock,  dät  Stock,  das  Stück;  de  String,  i.  der 
Strang,  2.  die  Saite,  string,  strenge;  dät  Tdw,  das  Tau,  jö  Thdw, 
die  Tiffe,  Petze;  jö  Wägt,  die  Wache,  jö  Wdgt,  i.  die  Wage, 
2.  das  Gewicht,  die  Schwere;  jö  Waag ,  4.  die  Woge,  2.  die  Wage, 
von  waagen,  wachen  und  wagen,  äiijn'e  Waag  sette7i,  in  die  Wage 
setzen  z.  B.  das  Leben,  jö  Wag,  die  Woche;  de  Rolle,  die  Beule, 
de  Rulle,  der  Zuchtstier;  de  Jönge,  der  Junge,  da  Junge,  die 
Jungen  eines  Thieres;  de  Läpe,  der  Lappen,  de  Ldppe,  die  Lippe, 
Lefze;  jö  Kuppel,  die  Koppel  im  Felde,  de  Kopjjel,  der  Rücken, 
wenn  man  jemand  huckepack  darauf  trägt,  daher  koppeln,  jemand 
auf  dem  Rücken  tragen:  eine  Koppel  Pferde  (eine  Schnur)  ist:  jö 
Käwel  Hdjnste;  de  Shämmel,  der  Schemel,  de  Shdmmel ,  i.  der 
Schimmel  als  Gewächs,  2.  ein  Pferd;  de  Racker,  der  Schinder, 
de  Rdcker,  der  Rekel,  Bengel;  dät  Wäsen,  das  Wesen,  dät  Weesen, 
das  Sein;  jö  Däged,  das  Gedeihen,  jö  Döged,  die  Tugend;  dät 
Fällig ,  die  Brache ,  fällig ,  ordentlich  ,  recht ,  fdliig ,  fällig  von 
Geld  und  Zinsen,  Schulden;  dät  S/idp,  das  Schiff,  dit  Shäp,  der 
Schrank;  de  Shoot,  der  Schuss  und  der  Schoss,  dät  Shott,  das 
Schutzbrett;  de  A'lk,  (Albering)  der  Iltis,  jö  A'lk,  der  Alk,  ein 
Wasservogel  (Alca  torda),  jö  u/lk,  die  Dohle  (Corvus monedula  L.) ; 
jö  Shröck,  die  Tasche  in  Kleidern,  shröck,  Adj.  keine  Eier  mehr 
legend;  dät  Spdtt,  1.  der  Spiess,  2.  ein  Spatenvoll,  dät  Spätt,  der 
Späth  der  Pferde;  dät  Jill,  das  Feuer,  jö  Jhl,  die  Eile;  jö  Shiess, 


1  ou 


der  Löffel,  jö  Skie/is,  die  Scheide;  de  Bälise,  der  Nutzen,  Vor- 
theil,  da  Balise,  1.  die  Bäder,  2.  die  es  andern  zuvorihun;  jö 
Hieling,  die  Heilung,  }öHijlling,  die  Neige,  jö  Hüjlling  (Hijlling?), 
die  Nachgebuit;  jö  ßestdlling,  \.  die  Bestellung,  2.  Bestallung 
eines  Beamten,  ]ö  Beställhig ,  Bestallung  der  Viehstände;  dät  Ldss, 
pl.  Lasse,  Glieder,  ääLähse,  Gliedmaassen ,  ]öLähs,  die  Scheune, 
Scheuer,  pl,  da  Lähse. 


Sinnverwandte  Wörter  (Synonymen)  aus  dem  bisherigen. 

%  i02.  i.  Jö  -Bdgg,  jö  Bdgning.  Jö  Bdgg  ist  der  Bau,  be- 
sonders in  Jjnbdgg ,  wörtlich;  der  Einbau,  mit  dem  Zahlworte  ein 
zusammengesetzt,  dän.  en  EneboHg ,  ein  einzeln  liegendes  Haus, 
z.  B.  auf  einer  Heide  oder  in  einem  Walde;  jö  Bdgning  ist  der 
Bau  und  das  Gebäude. 

2.  Dät  Baurd  und  jö  Plänk,  das  Brett  und  die  Planke. 

3.  Bdiigen,  bijlken  und  teilen.  Bäligen  und  bijlken  ist  beides: 
jemand  sehr  laut  zu-  oder  nachrufen,  damit  er  herkommen  soll. 
Uebrigens  scheinen  beide  Wörter  in  dieser  Beziehung  nur  ihrer 
Abstammung  nach  verschieden,  da  bdiigen  von  bdlen,  bellen,  abge- 
leitetist. Teilen  führt  den  Begriff  des  lauten  Rufens  nicht  mit  sich, 
und  schliesst  ihn  sogar  aus,  wie  in  intellen,  1. jemand  einrufen,  2. 
bei  jemand  vorsprechen,  5.  mit  dem  Nebenbegriffe  ihn  mitzuneh- 
men ,  wenn  beide  nach  einem  und  demselben  Orte ,  z.  B.  zur 
Kirche,  zu  Markte,  zur  Schule,  u.  s.  w.  wollen;  tötellen,  1.  jemand 
anreden,  2.  einem  derben  Bescheid  sagen,  5.  ihn  aus  dem  Schlafe 
wecken,  wieknen.  Teilen  ist  auch  zählen,  und  tötellen,  zuzählen, 
als  z.  B,  he  telld  harn  dät  Giß  tö,  er  zählte  ihm  das  Geld  zu, 
daher  nun:  dmtellen,  umzählen,  eflerteUcn,  nachzählen,  aufteilen, 
abzählen,  faartellen,  vorzählen,  forteilen,  erzählen. 

4.  Dät  Bdtt,  dät  Mündstöck.  Beide  werden  für  Pfeifenspitze 
gebraucht:  dat  Mündstuck  (Mundstück)  ist  dem  deutschen  Worte 
nachgemodelt,  und  findet  sich  auch  an  Blasinstrumenten;  dät  Bdtt 
ist  von  bitten,  beissen,  abgeleitet. 

D.  Dät  ^mt,  dät  Hierd,  dät  Birk.  Dät  ^~mt,  das  Amt,  ist 
unter  diesen   dreien   vom   weitesten   Umfange   und    schliesst  die 


136 

Harden  und  Birke  in  sich.  Dem  Amte  sieht  ein  Amlraann ,  der 
Harde  ein  Hardesvogt  und  dem  Birk  ein  Birkvogt  vor.  So  hat 
z.  B.  das  Amt  Tondern  gegen  50  Kirchspiele,  40  Harden  und  nur 
einzelne  Birke  in  den  dänischen  Streugründen. 

6.  Bijlken  ,  tijtten  ,  shräien ,  shrulen.  Daraus'  entstehen  :  de 
Bijlk,  ein  Ruf,  Nothruf;  dät  Toot,  der  Lärm,  das  Getöse;  de 
Shräi,  der  Schrei;  dät  Shrulen,  ungezogenes,  lautes  Weinen. 

7.  Jö  Blech,  dät  Laaken.  Jö  Blech  ist  überall  das  Laken,  pl, 
Bleche;  dät  Laaken  kommt  nur  in  Rielaaken  (Bettvorhang)  vor. 
Von  einigen  wird  auch  Laaken  statt  Dauck  (Tuch)  als  Stoffname 
gebraucht. 

8.  Jö  Boss,  jö  Flint,  dät  Gewähr,  die  Büchse ,  Flinte  und 
das  Gewehr. 

9.  De  Bräi,  dät  Wälling.  De  Bräi,  der  Brei,  die  gekochte 
Grütze,  ist  dicker  und  fester  als  dät  Wälling,  z.  B.  Mählbräi, 
Tahserbräi,  Buchweizengrütze,  Rihssebräi ,  Reisbrei;  dät  Wälling 
ist  dünner  und  kommt  von  wällen,  wallen,  aufwallen,  kochen, 
im  Dan.  und  nd.  Välling  und  Welling,  eine  Milchsuppe. 

40.  Dat  Brak,  de  Mängel.  Dät  Irak,  von  bregen,  gebrechen, 
mangeln,  wird  so  gebraucht,  z.  B. :  Ick  häiv  Brak  faar  Gijl,  ich 
bin  des  Geldes  bedürftig,  weil  ich  es  gebrauchen  muss;  ick  häw 
Mängel  sagt  man  auch  ,  wenn  man  überhaupt  nur  wenig  hat. 
Ick  häw  wäjl  Mängel  äiijn  Gijl,  aurs  ick  liäw'r  ock  nijn  Brak  faar, 
ich  habe  zwar  Mangel  an  Gelde,  aber  ich  bin  desselben  auch 
nicht  bedürftig;  Gijlbräk,  Wähserbräk,  Gjärsbräk.  He  het  nijn 
Brak,  er  leidet  keinen  Mangel;  dät  het  nijn  Brak,  das  hat  keine 
Nolh,  hat  nichts  zu  bedeuten. 

\\.  De  Brück,  de  Wänigt,  de  Wihsse,  de  Shdcke.  De  Brück, 
der  Gebrauch,  die  Sitte;  de  Wänigt,  die  Gewohnheit;  de  Wihsse, 
die  Weise;  de  Shdcke  (Sitte),  nd.  de  Shick,  dän.  en  Skik,  Sitte; 
de  Shdcke  ist  auch  die  Form,  das  Passende,  als:  dät  het  jd  nän 
Shdcke,  nd.  dät  het  jaa  keen  Shick. 

12.  Dät  Brüjd,  de  Trölling,  de  oder  dät  Lief.  Dät  Brüjd  ist 
Brot,  als  nomen  materiale;  de  Trölling,  ein  geformtes  Schwarz- 
brot, nom.  appellativum ;  dät  Lief,  der  Laib,  also  gleichbedeutend 
mit  Trölling.    Dät  Wittbrüjd,   de   Stjött,  jö  Käg,   das  Weissbrot, 


157 

die  Semmel  (nd.  en  Slulen),  jö  käij,  der  Kuchen,  dät  Witlbriljdi 
das  Weissbrot. 

15.  Jö  Braahs,  der  Braten ;  jö  Smurepotm ,  die  Schmorpfanne ,  zur 
Zeit  des  Schweineschlaehtens,  allerlei  Geschmortes  vom  Schweine^ 

44.  De  Brand,  jö  Bräupin,  beides  von  bränncn,  brennen,  der 
Brand  und  die  Feuersbrunst;  auch  sagt  man:  Dirrs  Ijll  lüsSy  Sa 
ist  Feuer  los  (ausgebrochen),  woraus  man  im  Dan.  das  sonderbare 
Substantivum:   en  Ildlös  (ein  Feuerlos)  gebildet  hat. 

45.  De  ßrödd,  ein  kurzer,  spitzer  Stift  oder  Stachel,  dän.  en 
Bröd,  Bräad,  daher  das  Verbum  hröddcn,  damit  beschlagen,  auch 
der  Insectenstachel,  der  aber  auch  de  Paiirtc  genannt  wird,  Hufim 
bröddet  sin  Hdltshur,  wdn't  issläget  het,  man  stachelt  seine  Holz- 
schuhe, wenn  es  geglatteist  hat. 

46.  Dät  Loch,  de  Pmirte,  das  Gefängniss  und  der  Kerker. 

47.  De  Bück,  dät  Liff,  jö  Wumm,  der  Bauch,  der  Unlerleib, 
der  Wanst,  u.  s.  w. 

48.  BälBünn,  dal  Pack,  dät  Päckcnilken,  de  Bäjnlc,  das  Bund, 
der  Pack,  das  Päckchen  mit  den  Siebensachen,  und  das  Bündel. 

49.  De  Bush,  de  Töle;  de  Bush,  der  Busch,  wie  Bauscbiish, 
Rosenbusch,  u.  s.  w.,  de  Töle  wird  nur  von  kleineren  und  kürzern 
Pflanzen  gebraucht,  als:  de  Röshelöle,  Rinsenbusch,  Gjärstöle^ 
Grasbusch,  Baanetöle,  Rainfarrenbusch,  Klicvertölc,  Kleebusch,  aber 
nur  wie  sie   auf  dem  Felde  stehen,  nicht  abcerissen. 

20.  De  Bunk,  de  Ihrpp,  de  Flöse,  dän.  en  ßunke,  en  Höh,  en 
Flock,  engl,  a  hcap  und  a  flock.  Im  Deutschen  heisscn  alle  drei 
Wörter  der  Haufen,  aber  jedes  derselben  in  verschiedener  Be- 
ziehung. De  Bunk  braucht  man  z.  B.  von  Heu-  Stroh-  Erd-  und 
Sandhaufen ,  die  unordentlich  zusammengeworfen  sind.  De  Hupp 
ist  das  deutsche  Haufe  und  das  nd.  Hup,  daher  huppen,  häufeln, 
häufen,  z.  B-  die  Kartoffeln,  dphnppcn,  aufhäufen;  de  Flöse  ist 
nur  auf  Menschen  und  Thiere  anwendbar,  nicht  auf  leblose  Din- 
ge, wie:  en  Flöse  Shälp,  Jnngense,  ÜJanshene,  Gäis,  Hanne  u. s.  w. 
Wird  Huj)p  auf  Gattungsnamen  bezogen,  so  ist  es  en  Hupen,  als: 
derivjärn'n Hupen Manshene,  he  liet'n  Hupen  Gijl,  'n Hupen  Bjärne. 
De  Mdingde,  Menge,  ist  mit  Flöse  sinnverwandt. 

24.    Jö  Brö,  jö    Slöhs,  die  Brücke  und  die  Schleuse,  jö  Stijn^ 
brö  ist  aber  das  Steinpflaster. 


lös 

22.  Jö  Daiilis,  de  Ees/i ,  de  Bösli ,  de  Kluhbe,  die  Dose,  die 
Schaclitel,  die  Büchse  und  der  Kober.  De  Kluhbe  ist  aber  auch 
der  hölzerne  Klotz  an  der  Fusskette  der  Pferde,  die  man  ihnen 
anbindet,  damit  sie  nicht  über  die  Gräben  der  Fennen  springen; 
auch  das  dicke  Ende  einer  Keule,  und  dergl. 

23.  De  Dauli ,  du  Klüss.  De  Dauk  ist  das  Tuch  als  Gattungs- 
name, dät  Davh  als  Stoffname,  wie  in:  de  Naasdauk,  JNasentuch; 
de  Sliröchoiaasdauk ,  das  Taschennasen tuch,  de  Bördauk  [Sliew- 
daiik),  de  Zickdauck,  das  Leichentuch;  dat  Kh'iss  dient  zum  Um- 
schlagen oder  um  etwas  darein  zu  schlagen,  als:  /le  dregt  't  äujn 
'n  Klüss,  er  trägt's  in  einem  Tuche. 

24.  Jö  Kohl,  die  Grube,  jöD/eÄ,  das  Grübchen,  z.B.  im  Kinne; 
jö  Köld,  dät  Grcef,  die  Gruft  und  das  Grab. 

25.  Dät  ^r ,  die  Narbe,  jö  Shrämm,  die  Schramme,  de  Rähw, 
der  Riss,  de  Häw,  der  Hieb,  die  Schmarre. 

26.  De  Dick,  der  Deich,  wie:  de  Heefdick,  de  Käiedick,  de 
Sdmmerdick ,  de  Dämm,  der  Damm,  nur  über  Graben,  wo  das 
Heck  steht,  de  TdUdömm,  ein  aus  Brettern  über  den  Graben  ge- 
legter Damm. 

27.  Dat  D5f,  dat  Däppelse,  die  Tunke;  dät  Döf  ist  eine  dickere 
mit  Mehl  oder  dergl.  versetzte  Tunke,  daher  döivwen,  eintunken. 

28.  De  Dring,  de  Jöngc,  de  Twitlcr,  der  Knabe,  der  Junge,  der 
flinke  Bursche,  im  Uebcrgange  vom  Knaben-  zum  Jünglingsalter. 

29.  De  Drönk,  der  Trunk,  z.  B.  en  Drönk  Bier,  de  Drdiiik, 
der  Trank,  wie  Kräuterlrank,  Arzneitrank;  de  Drönk  ist  auch  der 
Trunk  als  Laster,  als:  Iic  as  äujn  'e  Drönk  forfellen,  er  ist  dem 
Trünke  verfallen, 

30.  De  Dröpp,  dat  Driipp,  dät  Tur,  dän.  cn  Draabe,  en  Taar, 
engl,  a  drop.  Man  gebraucht  alle  drei  Wörter  ohne  Unterschied 
um  etwas  Weniges  an  Flüssigem  zu  bezeichnen,  als:  dng/i  mc  en 
Dröpp  Wa/iser,  en  Drüpp  Winn,  en  Tnr  Mölke,  gicb  mir  einen 
Tropfen  Wasser,  einen  Tropfen  Wein,  einen  Tropfen  Milch. 

31.  Jö  Düjns,  dät  Wäaen,  dät  Läwent ;  jö  Düjns  von  dufiggen, 
bezeichnet  das  Thun,  und  hier  ein  übermässiges  Zuvielthun,  wo- 
von das  Halbe  genug  wäre;  insofern  ist  es  auch  mit  Läwont  und 
Wäsen  verwandt.  Man  sagt:  dirr  was  en  groll  Düjns,  en  groll  Wei- 
sen und  en  mal  Lmvent,  ein  grosses  Thun   (viele  Umstände),  en 


1o9 

grolt  Wäseu,  viel  Auriicbcns,  Wichtigmacliens  ii.  s.  w. ;  cii  aicrom 
Läivent,  en  mal  Lüwcnt,  ein  lollcs  Leben,  und:  dirr  läit  cn  mal 
Hüss,  da  liegt  ein  böses  Haus,  da  setzt  es  was  ab!  Y on  Düjus  hi 
de  Döjnte,  ein  Dönchen,  abgeleitet,  welches  auch  für  Anecdölchcn 
gelten  kann. 

52.  Dät  Fdck,  jö  Shröch,  jö  Täsh\;  dät  Fach,  die  Ficke,  eine 
Hosentasche;  jö  Shröch,  eine  Rocktasche,  Westenlasche;  jö  Täsh, 
eine  lose  Tasche,  die  angebunden  und  abgelöst  werden  kann,  als: 
jö  Knipptäsh,  jö  Jag  (täsh,  aber  da  Rockshrocke. 

55.  De  Fäll,  de  Tu  fäll,  jö  ßegäwenhäid ,  jö  Hißnning ,  de  Sliimp, 
der  Fall,  der  Zufall,  die  Begebenheit,  das  Ereigniss,  der  Schlump. 
De  Slump  ist  auch  eine  gute  Menge,  als:  cn  Slump  Gijl,  eine 
Menge  Geldes. 

54.  Dät  Fat,  de  Setter ,  jö  Shähl,  de  Ddsh,  dät  Näps.  Dät  Fat 
ist  das  deutsche  Fass,  das  dän.  Fad  und  das  engl,  fat  und  vat, 
wird  aber  meistens  nur  für  Schüssel  gebraucht,  obgleich  man 
auch  grössere  Fässer  Fähse  nennt;  de  Setter,  eine  irdene  Milch- 
schüssel theils  mit  Füssen,  theils  ohne  diese,  zur  Absonderung 
der  Sahne;  jö  Shähl,  eine  Schale  mit  einem  oder  zwei  horizon- 
talen Ohren  oder  Henkeln  am  obern  Rande ;  de  Ddsh  ,  eine  klei- 
nere Schale  von  derselben  Form  zum  Auffüllen,  daher  das  Ver- 
bum  dpddshen,  damit  auffüllen;  dät  Näps,  der  Napf,  ein  Schälchcn 
mit  einem  Henkel  und  Guss;  jö  Pott,  ein  Topf  mit  Füssen  und 
einem  Griff,  oder  Sterz;  jö  Rdjfigel,  ein  grosser  Topf  ohne  Füssc 
mit  einem  oder  zwei  Henkeln. 

55.  Jö  Fäihs  von  fäjdden,  dän.  at  föde,  engl,  to  feed,  ernäh- 
ren, unterhalten,  ist  das  engl,  food  und  feed,  das  dän.  cn  Föde, 
der  Unterhalt;  jö  Käst,  die  Kost,  in  anderer  Beziehung  auch  die 
Hochzeit. 

56.  Dät  Fäujlk,  da  ß/ans/tene;  dät  Fäujlk  ist  1.  das  Volk,  2. 
die  Leute,  da  Mdnshene,  die  Menschen,  als:  dirr  was  faale  Fäujlk 
tö  Märked,  es  waren  viel  Leute  zu  Markt,  dir  wjaru  manning 
Manshene,  viel  Menschen. 

37.  Dät  Fijl,  jö  Treel;  dät  Fijl,  pl.  Fiele,  ist  jedes  Rad;  jö 
Treel,  die  Triele,  eine  runde  Scheibe,  die  man  auf  der  Kante  fort- 
rollt oder  trielet,  daher  trelen;  jö  Knäiblingetreel,  die  Kniescheibe. 

38.  De  Fihss  ,    der   Fist ,    dän.  en   Fiis ,   engl,  a  lizz ,    lizzle , 

Vi  ' 


140 

foist,  der  Ilosenjuclizer;  de  Fjärt,  der  Furz,  dän.  en  Fjärt,  engl, 
a  fart.  Die  frics.  Verba  heissen:  fi/tssen  und  fjärten,  die  deutschen 
listen,  ficsten  und  furzen,  die  dän.  at  fise  und  at  fjärte,  die  engl, 
to  fizz,  lo  fizzle  und  to  fart. 

59.  De  Frünn,  de  Werne;  de  Frünn  ist  i.  der  Freund,  2.  der 
Gefreundte  oder  Verwandte,  als:  Wal  sän  Frünne,  wir  zwei  sind 
Verwandte.  De  Wane  bezeichnet  jeden,  mit  dem  man  sich  gut  steht, 
als:  wdt  sdti  gaiilis  Wane,  wir  sind  gute  Freunde.  De  Frünn  ent- 
spricht dem  deutschen  Freund,  und  de  Wane  dem  dän.  Ven. 

40.  Dat  Geck,  de  Narr,  der  Geck  und  der  Narr,  ganz  wie  im 
Deutschen,  daher  die  Zeitwörter  gechcn  und  narren,  so  wie  die 
Redensart:  huhm  faar'n  Geck  hewen,  jemand  absichtlich  mit  etwas 
täuschen, 

41.  Jö  GJäjcl,  de  Glöme,  de  Loge,  dät  Aimmere.  Jö  Gläjd,  die 
Gluth,  Kohlengluth,  de  Glöme,  ein  geringerer  Grad  der  Hitze,  de 
Loge,  die  Lohe,  Flamme;  dät  Aimmere,  die  Emmern  oder  Am- 
mern, Glühasche. 

42.  Dat  Gröt,  da  Grubene;  dät  Gröt  ist  überhaupt  geschelftes 
Korn,  als:  Bärgröt,  Gerstengrütze,  Tähsergröl,  Buchweizengrütze 
im  rohen  Zustande ;  da  Grubene  sind  feiner  geschelfte  Graupen , 
wie  Pälgrubene \on pälcn,  schelfen,  oder  Pdrlgriibeiie,  Perlgraupen, 
wegen  ihrer  Aehnlichkeit  mit  Perlen.  Beide  Wörter  sind  Men- 
genamen, Gröt  ohne  Mehrheitsform  und  da  Grubene  ohne  Ein- 
heitsform. 

43.  De  Gäilis,  de  Mjögs;  de  Gäilis  ist  der  Dünger,  wozu  vieles 
benutzt  werden  kann;  de  Mjögs  ist  der  Mist. 

44.  Dät  Mjögs,  dät  Slubb,  dät  Shjdrn,  dat  Sndws,  dat  Slömm, 
dät  Glaumm;  dat  Mjögs  ist  überhaupt  Schmutz,  dät  Slubb  ist  dün- 
ner Strassenkoth  und  Aehnliches,  dat  Shjdrn,  der  Unrath,  wie 
Kehricht  und  dergl.  ,  dät  Sndws  ist  Schmutz  jeder  Art,  dät 
Slömm,  der  Schlamm,  dat  Miidder,  der  Moder,  morastiger  Boden, 
in  welchen  man  tief  einsinkt,  dät  Glaumm,  der  Glumm,  das 
Dicke  und  Trübe  im  Wasser. 

45.  Jö  Grauf,  jö  Gräiving,  jö  Greß,  dät  Gref ,  de  Slüjtf.  Die 
vier  ersten  Wörter  sind  alle  von  grewen,  graben,  abgeleitet,  de 
Slüjlt  von  slijUen,  schliessen,  einschliessen.  Jö  Grauf,  ein  trock- 
jier  Graben   zwischen  Aeckern;  de  Slüjlt,   der  Wassergraben  um 


141 

eine  Fenne;  jö  Gräwing,  ein  breiter  und  tiefer  Wasseigraben  um 
den  Warf;  jö  Grcft,  ein  etwas  kleinerer,  der  niciit  rings  herum 
zu  gehen  braucht;  dat  Gref,  die  Gruft,  das  Grab;  jö  Gräwing 
ist  auch  der  Bach  im  Riesummoor,  der  zur  Ableitung  des  Was- 
sers und  zur  Landscheide  zwischen  dem  Oster-  und  Westcrmoor 
dient ,  wesshalb  man  ihn  in  Lindholm  auch  jö  Lönshiehsing  nennt. 
Aus  dem  Worte  jö  Gra«/' bildet  man  das  Zeitwort  grauwen,  solche 
Graben  ziehen;  es  ist  ein  Intransitivum. 

46.  De  Graupp,  de  Grüppel,  dat  Sill.  De  Grmipp,  die  Mist- 
rinne im  Vieh-  und  Pferdestalle;  de  Grüppel,  ein  schmaler,  nicht 
tiefer  Abzugsgraben  auf  Aeckern  und  in  Fennen;  dat  Sill,  eine 
Wasserrinne  durch  einen  Weg  gelegt,  auch  de  Wähserlöfte  von 
Töß,  oder  Wähsertögte  von  tieen,  ziehen,  abgeleitet. 

47.  Jö  Häg ,  dät  Leess.  Das  Heck  vor  einer  Fenne,  in  andern 
fries.  Ortschaften  dät  Leess  genannt ,  welches  sonst  auch  das  Fu- 
der heisst. 

48.  De  Hdw,  de  Slieck,  von  hdwwen  und  sluliggcn,  hauen  und 
schlagen,  der  Hieb  und  der  Schlag. 

49.  Dät  Flägs,  de  Hjärl,  da  Häjddc;  dät  Flägs,  der  Flachs, 
de  Hjärl,  gehechelter  Flachs,  da  Häjdde,  die  Hede,  ist  im  Frie- 
sischen ein  Collectivum  und  ebenso  im  Dänischen,  wo  es  Blaar 
heisst. 

50.  Dät  Heef,  de  Siee;  dät  Heef,  das  Half,  das  Meer,  dän.  et 
Hav;  de  Siee,  i.  die  See,  2.  der  See,  dän.  So,  engl,  a  sea. 

51.  Dät  Kniß',  pl.  Kniwwinge,  der  Kneif,  engl,  a  knife,  dän. 
Kniv,  das  Messer;  de  Ämledder,  das  Einlegeraesser  *. 

52.  Jö  Hüdd,  jö  Hmn;  jö  Hüdd,  die  Haut,  dän,  en  Hud,  engl, 
a  hide,  nd.  de  Hut;  jö  Hdnn,  das  dünne  Häutchen,  z.  B.  im  Eie 
auf  einer  vernarbenden  Wunde  u.  s,  w. ,  dän.  en  Hinde. 


1  De  Ämledder,  von  dmledden,  umlegen,  ist  wörtlich,  der  Um- 
leger, welcher  der  Form  nach  nur  als  Activ  gedacht  werden 
kann,  aber  nicht  das  Umgelegte.  Das  üebertragen  der  activen 
Form  auf  den  leidenden  Gegenstand  finden  wir  aber  sonderbar 
genug  in  mehreren  Fällen,  wie  nun  hier  in  de  Ämledder,  de 
Hidder  (Reiter  act.,  und  Reitpferd  pass.)  für  beides;  de  Säter, 
s.  N.  34;  de  Sortier,  als:  ds  Slumer  as  en  gaiihsen  Sägkr;  »Eilende 
Wolken,  Segler  der  Lüfte",  Schiller. 


142 

OD.  Jö  Hüdil,  dat  S/tann,  jö  Sii/ird,  dat  Fäll,  de  Puls.  Jö 
Hüdd  gilt  hier  nur  von  dickeren  Thierbekleidungen ,  wie  .von 
Rindern  und  Pferden,  als  Köhüdd ;  dat  S/tänn ,  von  dünnern 
Fleischüberzügen,  wie  Laummeshänn ,  Sliäipeslidini,  A'lleringeslidnn ; 
jö  Sn/ird,  die  Schwarte,  von  Schweinen,  und  dat  Fäll,  Fell, 
kann  sie  alle  umfassen,  denn  der  Gerber  ist  de  Fällberehser.  De 
Päls  ist  ein  mit  zottigen  Haaren  bewachsenes  Fell,  zur  Umhül- 
lung des  Körpers.  Von  Fäll,  Fell,  kommt  das  Zeitwort  fällen, 
fillen,  schinden,  abdecken. 

54.  De  Jewe,  de  Gaaive,  dat  Jeß.  De  Jewe  und  dät  Jeft  stam- 
men beide  von  jewen,  geben,  ab.  De  Jewe  ist  zwar  die  Gabe, 
aber  nur  in  einer  ziemlich  eingeschränkten  Bedeutung  ,  wie  in 
Näührsjewe ,  Neujahrsgeschenk,  Märkedsjewe,  Marktgeschenk.  Dat 
Jeß  ist  ein  Futter  fürs  Vieh,  als:  dii/ig  da  Häjnste  en  Jeß,  gieb 
den  Pferden  ein  Futter.  De  Gamve  ist  aus  dem  Niederdeutschen 
und  hat  keine  Wurzel  im  Nordfriesischen,  wird  übrigens  für  Gabe 
gebraucht,  als:  dö  kö/tst  de  erme  Mann  nög  en  Gaaive  düjn,  du 
könnlest  wohl  dem  armen  Manne  eine  Gabe  thun,  d.  h.  geben 
oder  reichen,  Gaawe  steht  sonst  immer  für  Naturgaben,  als:  he  liel 
gaulis  Gaawe,  he  hei  'r  nijn  Gaawe  tö,  er  hat  keine  Gaben  dazu. 
Wenn  geben  so  viel  ist  als  darreichen,  herlangen,  so  gebraucht 
man  immer  duhggen,  thun,  als:  duhgmemin  Bauch,  gieb  mir  mein 
Buch.  Das  Geschenk,  die  Gabe,  heisst  sonst  allgemein:  jö  Förih- 
ring,  von  forihren,  schenken. 

55.  Dät  Jjd' ,  de  Töriv,  dät  JjlUnge,  dät  Brännhöli.  Jjd  oder 
Jhdd  ist  der  Torf  als  Stoffname,  dät  Jhllinge,  Nom.  collect,  die 
Feuerung,  de  Törio  {Törrew)  die  Flagge,  ein  abgestochener  Hei- 
derasen, Brännhöli,  das  Brennholz,  de  Siijdde,  der  Torfsode, 
auch  die  Sode. 

56.  Dät  Stäjll,  dat  Jörn,  dät  Staal.  Dät  Släjll,  das  Eisen, 
der  Stoffname  dieses  Metalles,  dät  Jörn,  pl.  Jörne,  ist  das  Eisen 
als  Werkzeug,  wie  Wirhjörn,  Plaiigjörn,  Slr'ichjörn  u,  s.  w. ;  dät 
Staal  ist  Stoff-  und  Gattungsname  des  Stahles,  letzteres  wenn 
es  Werkzeuge  oder  Gerälhc  bezeichnet  ,  wie  Wctstaal  ,  Fürstaal 
u.  s.  w. 

57.  Dät  Jäck ,  die  Jacke,  dät  Wams,  das  Wamms;  de  Röjnle 
ist  eine  kurze,    unten  rund    abgcschnitlene  Jacke;   de  Jäckcr, 


145 

das   DiminiUivum    von    Jäch ,    mit    etwas    verändertem    Schnitt  ; 
dclt  Fauscr/iajtiten ,  das  Fullcrhcnul ,  de  liump,  das  Brusttuch. 

58.  De  Kant,  die  Kante  ,  de  liänt,  der  Rand,  de  Egge,  die 
Tuehseite. 

b9.  Jö  Karst,  dät  Slirünn,  pl  Shrünne  und  Shröninge,  de 
Küsse,  de  Knfj'er;  jö  Karst,  die  Kiste,  Truhe,  dat  Shrünn,  das 
deutsehe  Schrein,  dän.  Skrin,  engl,  shrine,  die  Lade,  de  Äasse, 
der  Kasten,  de  Knjfcr ,  der  Koffer,  de  Borke,  die  Beilade  in  La- 
den, Kisten  und  Koffern. 

()0.  De  Kähr,  de  Wdllhä/ir,  jö  Kiev,  de  IFa/^e,  jö  VTaa/.  De 
Kä/ir  und  jö  A'«>r  bezeichnen  beide  ein  freies  Wollen:  dö  hä/ist 
dän  Kähr  oder  din  Kier,  kannst  thun,  wie  du  willst;  de  Wdll- 
kähr  entspricht  in  sprachlicher  Rücksicht  dem  deutschen  Will- 
kühr,  aber  noch  mehr,  dem  Sinn  nach,  dem  dänischen  Vilkaar; 
de  Walle,  der  Wille,  jö  Waal,  die  Wahl». 

61.  De  Klädd,  de  Pläck ,  de  Spot;  de  Klädd,  der  Klecks, 
und  klädden,  klecksen,  auch  klittern,  verklittern;  de  Pläck,  der 
Fleck,  und  placken,  flecken;  de  Spot,  ein  Spritzfleck,  Stimmer spöte , 
Sommerflecke  im  Angesichte  ,  Sommersprossen  ,  sdmmcrspötig  , 
sommersprossig. 

ö2.  Jö  Kiöck,  jö  U/ir.  Wie  im  Deutschen  Glocke  und  Uhr; 
doch  kommt  der  letzte  Name  nur  in  dem  Worte  Täshemihr  vor. 
Man  fragt  kurzweg:  wäl's  e  Klöck?  Was  ist  die  Glocke?  Ist  aber 
vom  Innern  einer  Uhr  die  Rede,  sagt  man  dat  U/mvälrk,  nicht 
Klöckeiväirk.  Dät  U/ir,  das  Ohr,  ist  nicht  mit  jö  U/ir  zu  ver- 
wechseln. 

03.  De  Knähp,  de  Töhg ,  de  Slräg ,  da  Rdjnke.  Der  Kniff,  der 
Zug,  der  Streich  und  die  Ränke.  Sie  werden  alle  meistens  nur 
in  der  Mehrheit  gebraucht,  kommen  aber  auch  in  der  Einheit 
vor,  mit  Ausnahme  des  Wortes  da  Rdjnke,  ein  Collectivum  ohne 
Singularis. 


^  Ein  altes  Documcnt,  das  in  meinem  Jugendalter  noch  gültig 
war,  und  die  Gerechtsame,  Freiheiten  und  Einschränkungen  der 
Interessenten  des  Ricsummer  Kornkoges  bestimmt ,  führt  auch 
den  JNamen  »de  Wallkäfir,"  obgleich  dadurch  die  Willkühr  ge- 
rade eingeschränkt  wird,  und  bat  hier  den  Sinn  einer  Ueber- 
cinkunft. 


144 

64.  De  Knä/ip,  der  Kniff,  die  Taille;  dät  Lijf,  der  Unterleib, 
hier  in  Beziehung  auf  seine  Form,  wenn  das  Wort  mit  Knähp 
sinnverwandt  ist,  Jö  as  smeel,  untUj  ienn  äujn  'e  Knähp,  sie  ist 
schmal  oder  dünn  in  der  Taille;  tjockUivtvet ,  dickleibig,  siddliwivet, 
hangbäuchig. 

65.  De  Kläi,  dät  Liemm;  deKläi,  der  Klei,  die  angeschwemm- 
te Marscherde,  dät  Liemm,  der  Lehm,  den  man  auch  auf  der 
Geest  findet.  Beide  Thonarten  braucht  man  zum  Ziegelbrennen; 
der  Klei  giebt  lauter  rothe  Backsteine,  der  Lehm  auch  gelbe. 
Aus  Kläi  bildet  man  das  Zeitwort  kläien,  kleien,  im  Klei  arbei- 
ten, graben,  und  daraus  wieder  de  Kläier,  der  Kleier. 

66.  Jö  Kniep,  jö  Spung ;  jö  Kniep  entspricht  4.  der  Schnalle, 
und  2.  in  einzelnen  Fällen,  der  Spange.  Jö  Spung,  die  Spange, 
dient  bloss  zum  Zusammenhalten,  wie  Kragen-  Hemd-  und  Arra- 
spangcn;  die  silbernen  Hemdspangen  der  Frauenzimmer  sind  herz- 
förmig und  haben  nur  einen  Stift.  In  Riesum  heisst  das  Flügelthor 
des  Kirchhofes,  das  oben  von  einem  Mauerbogen  bedeckt  und 
von  innen  vermittelst  eines  eisernen  Ueberschlages  an  einen  in 
den  Mauerlöchein  ruhenden  Querbalken  befestigt  ist,  da  Spungc, 
wird  aber,  in  dieser  Bedeutung,  nie  in  der  Einheit  gebraucht. 
Shurkniepe,  Bienehiiepe,  Schuh-  und  Knieschnallen. 

67.  De  Knapp,  de  Knosl;  de  Knapp,  i.  die  Knospe,  2.  die 
Schwammdose,  5.  jede  harte,  knotenförmige  Erhöhung,  z.  B.  ein 
Ueberbein,  ein  Auswuchs  an  Baumstämmen  und  dergl.  De  Knöst, 
der  Knast,  im  Holze,  auch  de  Knäst,  der  Knorren,  der  Knorz, 
so  auch  das  dicke  Ende  einer  Keule  mit  dem  Stiel  in  eins  ver- 
wachsen, wofür  man  auch  de  Knuhhe  sagt.  Ein  sehr  schmack- 
hafter Käse  aus  Klunkermilch,  jö  Hamvcl,    heisst  de  Haawelknust. 

68.  De  Kup,  de  Händel,  jö  Prung  ,  der  Kauf,  Handel  und 
Tausch,  von  ktipen,  handeln  und  prungen. 

69.  Dät  Lilck,  jö  Döhr,  dat  Shoü,  dät  Shöf.  Dät  Lück,  die 
Luke,  jö  Dölir ,  dicThür,  dat  SJwlt,  \.  ein  Brett  zum  Vorschieben, 
2.  Schutzbrclt  an  Schleusen  und  Wasserwehren;  dat  SJiöf,  ein 
grösseres  oder  kleineres  Brett  zum  Vorschieben,  auch  ein  Deckel, 
der  in  Seitenfugen  oder  Gängen  eingeschoben  wird;  dat  Wän- 
ningesliöf,  der  Fensterschieber,  Fensterladen,  der  von  innen  vor- 
geschoben,   nicht   vorgesetzt    wird.     Aus  dät   Liick    wird   lückcn, 


145 

zumachen,  belücken,  einsperren.    Dät  Sliöf  von  sliüwwen^  schieben. 

70.  De  Balis,  dän.  en  Bas,  nd.  en  Baas,  de  Mäisler;  de  Bälis^ 
vom  alten  Adjectivum  bass  ,  der  Positivus  von  besser  (bässer), 
bezeichnet  einen,  der  es  andern  in  einer  Sache  zuvorthut.  Von 
derselben  Wurzel  stammt  de  Bältsc,  der  Nutzen,  Vorlheil,  und 
das  Verbum  ba/isen,  nützen,  Nutzen  gewähren;  de  Mäisler,  der 
Meister. 

71.  Dät  Lddd,  de  Dackel;  dät  Lädd  ist  ein  Deckel,  der  bloss 
aufliegt ,  ohne  anzuschliessen ,  die  Stürze  ,  Dackel  jeder  andere 
Deckel. 

72.  Jö  Läujdd,  deFlolise,  de  Sldjtigde ;  jö  Läiijdd  von  läiijddeHi 
laichen,  rammeln,  sind  zusammengelaufene  Thiere  in  der  Brunst- 
zeit, wie  Hunde,  Hasen,  Katzen  und  dergl. ,  de  Flolise,  s.  oben 
unter  N.  20.  De  Mdjngde,  die  Menge.  En  Flöse  Gäis,  u/nertet 
Agerlmn7ie,  SImip,  Swinn,  Spärrige,  Mdnslie?ie ,  Fäiijlk  {Leute)  u.s.Wi 

75.  Dät  LifJ\  dät  Läwent,  Leib  und  Leben,  wie  im  Deutschen, 
als:  he  waaget  Liff'  au  Läwent  dir  äujii ,  er  Avagt  Leib  und  Leben 
daran,  lie  as'r  faar  md  Liff  an  Läwent,  md  Liff  an  Siel,  mit  Leib 
und  Seele.  Dät  gongt  /tarn  intö  't  Läwent,  es  geht  ihm  bis  ans 
Leben.  De  Läwentslup ,  der  Lebenslauf,  en  mal  Hüss  häjllen,  eii 
mal  Läwent  hüjllen. 

74.  Jö  Mähr ,  jö  Merrigt ,  grobe  Schimpfnamen  für  gemeine 
Weibsbilder;  jö  Mähr  ist  wörtlich  die  Mähre,  dän.  en  Mär;  jö 
Merrigt,  die  Metze,  das  Mensch;  jö  Nachtmahr,  Nägtmähr,  der 
Nachtmahr  oder  Alp. 

75.  De  Pack,  de  Körne.  Beide  sind  sogenannte  Hausgeister. 
Pück,  oder  gewöhnlich  Ndshe  Pück,  ist  guten  Herrschaften  und 
treuen  Dienstboten  gewogen,  spielt  aber  den  schlechten  manchen 
Possen.  De  Körne,  ein  spottender  Hausgeist.  Hulim  häi'e  Käme 
fiijn,  ist'jm  Scherz  jemand  an  der  Nase  zupfen. 

76.  Dät  Maß,  pl.  Mäile,  jö  Mäjltidd,  das  Mahl  und  die  Mahl- 
zeit. En  Maß  Mölke,  so  viel  Milch,  als  eine  Kuh  durch  einmaliges 
Melken  giebt,  en  Mäjl  Wahser,  so  viel  Harn,  als  man  auf  einmal 
lässt,  en  Mäjl  Ahse,  eine  Portion  Essen. 

77.  iö  Krönkhäid,  jö  Segt,  jö  Krängd;  jö  Krönkhäid,  dieKrank-- 
heit,  jö  Segt,  die  Sucht  und  die  Seuche,  jö  Krängd,  die  Vieh^ 
Seuche. 

19 


146 

78.  Jü  Miiujnii,  dat  Shrünn,  de  Kaurcw.  Jü  Mäiijnn  bezeichnet 
sowohl  einen  grossen  Korb  mit  zwei  Seitengriffen,  als  eiöen  Ka- 
sten ohne  Deckel  zum  Aufbewahren  gewisser  Dinge,  wie  Holz, 
Torf,  Kohlen,  Knäule  u.  s.  w.  So  heisst  der  hölzerne,  unter  den 
dortigen  Garnwinden  angebrachte  Kasten,  jö  Mäujnn ,  und  das 
Wickelholz,  auf  welches  die  Knäule  abgewunden  werden,  heisst: 
de  Mävjnneplöck ,  weil  es  seinen  Platz  in  diesem  Kasten  hat.  — 
Shrünn,  s.  o. 

79.  De  Mönu,  de  Kjärl,  der  Mann,  der  Kerl,  en  dügtigen  Kjärl, 
ein  tüchtiger  Kerl,  cn  braawen  Mann.  Ick  bän'r  de  ß/önns  faar, 
ich  bin  dir  Manns  dafür. 

80.  Dnt  ß/uhl,  dat  Sägt;  dat  ß/ultl,  das  Ziel  oder  Ende  einer 
Rennbahn,  eines  Wettlaufes,  das  man  zu  erreichen  strebt;  beim 
Spielen  mit  Schüssern  eine  bestimmte  Gränze ,  die  man  nicht 
überschreiten  darf;  dat  Sägt,  das  Ziel  oder  die  Richtung,  die 
man  beim  Schiessen  nimmt ,  daher  sägten,  zielen  nach  oder  auf  etwas. 

81.  Dat  Mark,  dat  Känntieken,  das  Merk,  ein  eingeschnittenes 
Zeichen,  z.  B.  in  den  Füssen  der  Gänse,  den  Ohren  der  Schafe 
und  dergl.,  eingelegtes  Merkmal  bei  einem  Vogelneste,  ein  Zeichen 
in  einem  Buche  bei  irgend  einer  Stelle,  daher:  marken,  merken; 
dät  Känntieken,  das  Kennzeichen. 

82.  Dät  Ncet ,  dät  Pdss;  dät  Neet,  alter,  gesammelter  Harn 
zum  Färben,  altdeutsch:  der  Netz,  vergleiche:  netzen;  dät  Pdss, 
der  Piss,  der  Urin  von  Menschen  und  Thieren;  passen,  pissen. 

85.  Dat  Nüjtt,  dat  Bäist;  dät  Nüjtt,  dän.  et  Nöd  (1.  Nöhss), 
engl,  a  neat,  das  Rind,  pl.  Nüjtte,  Rinder;  dät  Bäist,  dän.  et 
Beest  oder  et  Bast  ,  engl,  a  beast  (Bestie)  ,  wird  auch  als 
grober  Schimpfname  gebraucht  und  bezeichnet  ebenfalls  Horn- 
vieh. Man  sagt  Bäisteßäsh  und  Nüjttejläsli ,  und  beides  ist  Rind- 
fleisch. 

84-.  Dät  Thier,  dät  Diert,  dät  Hiesendijl;  dat  Tliier,  wie  im 
Deutschen,  dät  Diert,  nd.  dät  Deert,  dän.  et  Dyr;  dät  Hiesendijl 
ist  buchstäblich  das  Heidending,  und  bezeichnet  jedes  Thier, 
aber  besonders  die  Hauslhiere  von  Seiten  ihrer  Vernunftlosigkeit , 
so  wie  das  dänische  et  Umälende  sie  als  die  Sprachlosen  bezeichnet. 

85.  Jö  Nohst,  de  Bjärnelrög;  de  Bjärnetrög ,  ist  der  Born-  oder 
Tränklrog,  von  hjdnien,   hörnen,  tränken.     Beide  sind  länglicht 


147 

viereckige  Wasscrhchiillcr  in  Ställen,  aus  welchen  das  Vieh  ge- 
tränkt wird,  und  in  welche  man  das  Wasser  aus  der  sogenann- 
ten Schöpfgosse,  jö  Ufisgaa/is,  von  nhsen ,  schöpfen,  einlaufen 
lässt.  De  ßjdrnctrög ,  auf  welchen  auch  wohl  der  Name  No/ist 
übertragen  wird,  ist  immer  aus  Bieltern  gemacht,  wogegen  jö 
No/ist  nur  aus  einem  einzigen  Stein  ausgehaucn  ist.  Der  Sage 
nach  sind  die  meisten  derselben,  zur  Zeit  der  Ebbe,  auf  dem 
Schlick  gefunden  worden,  und  Uebcrresle  der  untergegangenen 
Ortschaften  Nordfrieslands;  man  soll  sie  ehemals  als  Särge  ge- 
braucht haben.  Im  Golhischen  heisst  eine  Leiche  Naiis,  wor- 
aus sich  das  Wort  Naust,  jö  Nolist,  der  Sarg,  als  Lcichenbehält- 
niss  bildet. 

86.  Jö  Haurd,  de  Sjürkhaaw.  Jö  Hanrd,  der  Kirchhof  oder 
Gottesacker,  ist  mit  Hürde  und  Hort,  Umzäunung,  Schutz,  ver- 
wandt. In  der  Rewaldungszeit  des  alten  Frieslandes  waren  sicher 
die  ersten  Einfriedigungen  der  Begräbnissplätze  nur  Hürden.  De 
Sjürkhaaw  hört  man  zwar  seltener,  als  jö  Haurd,  aber  im  Oster- 
moor  sagt  man  noch  überall:  Ick  ivdll  tö  Haaw,  anstatt  tö  Sjürk. 

87.  De  Häge,  dat  Släi.  De  Häge,  der  Hag,  ist  eine  starke 
und  hohe  Einzäunung  aus  Planken  und  Pfählen,  in  welchen  das 
Hörn-  und  Wollenvieh  von  dem  Flurhirten,  de  Körnjürder,  einge- 
pfercht wird,  wenn  es  sich  vom  Spannstrick,  dem  Tjüdder,  losge- 
rissen hat,  wofür  dann  eine  kleine  Brüche,  oder  ein  Löseschilling 
an  den  Hirten,  und  wenn  der  angerichtete  Schaden  bedeutender 
ist,  nach  unpartheiischer  Schätzung,  an  den  Beschädigten  bezahlt 
wird.  De  Häge  wird  dort  der  ScJtüUkoben ,  Schütkafen  genannt, 
wenn  man  das  Wort  verdeutscht.  Dät  Stäi  ist  jeder  Koben,  als: 
Swennestäi,  Shäipestäi,  Gösestäi,  Sehweine-  Schaf-  und  Gänsekoben, 
dän.  en  Stie  (einsilbig),  engl,  a  sty. 

88.  Dät  Pläss,  dat  Rümm,  dät  Stähs.  Der  Platz,  der  Raum, 
die  Stelle  und  der  Ort.  Da  hast  in  Kjdrl  äiv  din  Pläss!  ein  Kerl 
auf  dem  Platze. 

89.  Jö  Penn,  dät  Shoot,  jö  Sltaalis,  jö  Länk.  Jö  Penn,  ein 
hölzerner,  nur  mit  einem  Nagel  befestigter  Wirbel,  mit  dem  man 
Thüren  und  Läden  von  innen  oder  aussen  verschliesst;  dät  Shö^ 
wird  vorgesteckt,  und  hangt  gewöhnlich  an  einem  Bande  neben- 
an; jö  Sliaalis  ist  der  Riegel,   und  jö  Länk  die   Kettel   und   die 

13  ^ 


148 

iläspe;  jö  Penn  ist  das  engl,  pen,  der  Pferch,  to  pen  tlie  s/iecp, 
dd  Sliäip  inpenneii ;  Jiähst  'e  Döltr  ^jenwe/  ?  hast  du  den  Wirhel 
vorgedreht?  Die  Yerba  pennen,  sliöten,  shaaJisen  und  länken  er- 
klären sich  aus  ihren  Hauptwörtern. 

90.  De  Kopjjel,  de  Regg ,  de  Puckel.  Alle  drei  Wörter  sind 
Benennungen  des  menschlichen  Rückens,  und  de  Regg  der  eigent- 
liche Name  desselben.  De  Puckel  entspricht  dem  deutschen  Bu- 
ckel, und  ist  dasselbe  aus  dem  Nd.  entlehnte  Wort:  denn  es  hat 
keine  W^urzel  im  Nordfriesischen.  De  Koppel  ist  der  Rücken  nur 
dann,  wenn  man  jemand  huckepack  auf  demselben  trägt,  und 
das  Zeitwort  ist  koppeln.  'Aw  'e  Koppel  satten,  dregen  u.  s.  w. , 
auwer  koppeln,  auf  dem  Rücken  hinübertragen. 

91.  Jö  Prauss,  de  Böller.  Jö  Prauhs,  ein  elendes,  dünnes 
Licht,  das  wenig  leuchtet,  und  oft  nur  aus  einem  Fetldochte 
besteht,  weshalb  man  immer  am  Schnuppen  oder  der  Schnuppe 
stochern ,  purren  oder  prausen  muss.  De  Böller  eine  aus  Talg  oder 
Wachs  gewundene  Kerze  in  runder  Form,  zu  welchem  das  alte 
Adjectivum  boll  (rund)  die  Wurzel  ist.  Das  Zeitwort  prausen,  verb. 
intr. ,  hat  eine  so  allgemeine  Anwendung  erhalten,  dass  man  es 
von  jedem  gebraucht,  der  mit  einer  Handarbeit  oder  dergleichen 
nicht  fortkommen  kann;  Iie  stönt  dirr  tö  prausen,  ick  liäiv  'r  md 
prauset ,  habe  aber  nicht  damit  zurechtkommen  können  ,  liegt 
dann  als  Neben-  oder  Folgebegriff  darin.  Dö  hast  en  Prauser,  jö  äs 
en  Prauhs.  Prausen  ist  dann  auch  mit  mingen,  njäsen  und  sömen 
verwandt,  d.  i.  mit  zaudern,  zögern,  säumen,  davon  die  Haupt- 
wörter: Prauserdi,  ßlingerdi,  Njaseräi.  Nö  maust  di  söme,  nun 
darfst  du  nicht  säumen. 

92.  Jö  Rau,  jö  Rö,  jö  Weel.  Jö  Rau  und  jö  R6  heissen  beide 
die  Ruhe;  jö  Rau  bezieht  sich  aber  nur  auf  körperliche  Ruhe, 
jö  Rö  mehr  auf  innere,  auf  Gemüthsruhe,  inneren  Frieden.  Sin 
Geivdten  /et  Jidm  nijn  Rö,  sein  Gewissen  lässt  ihm  keine  Ruhe. 
Das  Adjcclivum  ünrauig  bezieht  sich  sowohl  auf  innere,  als  äus- 
sere Zustände.  Die  Unruhe,  jö  Unramv,  ist  auch  die  Unruhe  an 
einer  Uhr.  Weelen  ist  ein  wenig  ausruhen,  und  ist  das  deutsche 
weilen,  dän.  at  livile,  daher  jö  Wecl.  Uttrauen ,  ausruhen,  be- 
?ei^hnet  eine  längere  und  gemächlichere  Ruhe  als  weelen,  das  oft 


149 

nur  einige  Minuten  dauert,   und  besonders  von   ermüdeten  Fuss- 
gängern  und  Lastträgern  gebraucht  wird. 

95.  Dät  Reess,  jö  Steem.  Dat  Reess,  dän.  en  Rost,  die  jedem 
Einzelnen  eigenthümliche  Stimme  ,  an  der  man  ihn  erkennen 
kann;  cn  gröw,  en  fün  Reess,  grobe,  feine  Stimme.  Da  das  deut- 
sche d  am  Ende  einer  Silbe  im  Friesischen  so  häufig  in  hs  und 
SS  übergeht,  so  ist  es  nicht  unwahrscheinlich,  dass  Reess  und  die 
Rede,  so  wie  das  dänische  Rede,  at  rede,  dasselbe  Wort  sind. 
Jö  Steem,  die  Stimme. 

94.  Dät  Jücker,  dät  Twich.  Dät  Jücker  ist  eine  Gerte,  ein  ab- 
geschnittenes Reis,  eine  Ruthe,  als  dät  Hillejücke7\  vom  Holun- 
der, dät  Mäijückcr  von  einem  Weidenbaume,  u.  s.  w.  Dät  Twich 
ist  sowohl  der  Zweig,  als  der  Ast. 

9§.  Dät  Röhn,  dät  Läpelse.  DäI  Rölm,  das  Rinnsal,  Rinnsei, 
dät  Läpelse,  das  Lab.  Reides  gebraucht  man,  um  damit  die  süsse 
Milch  gerinnen  zu  machen,  besonders  beim  Käsen. 

96.  Dät  Sdnn,  dat  Hart,  dat  Haad,  Sinn,  Herz  und  Kopf, 
sind  nur  von  Seiten  ihrer  Schlechtigkeit  mit  einander  verwandt, 
als:  he  het  en  äirig  Sdww,  en  hijnn  Hart,  an  en  mal  Haad,  er  hat 
einen  argen  Sinn,  ein  schlechtes  Herz  und  einen  tollen  Kopf; 
mäl/iaadet,  tollköpfig,  ldgtsa7inig ,  leichtsinnig. 

97.  De  Seck,  de  Pose,  de  Pung ;  de  Seck,  der  Sack,  de  Pose, 
nd.  de  Paas,  dän.  en  Pose,  ein  kleiner  Sack,  ein  Jäckchen;  de 
Pung,  1.  der  Reutel,  2.  der  Hodensack. 

98.  Jö  Shätt,  da  Uttjefle.  Die  Schätzung,  die  Steuer  und  die 
Abgaben,  wie  in  Lönshält,  Landsteuer,  Brönshätt,  Rrandschat- 
zung;  jö  Köpshätt  statt  Haadshätt,  die  Kopfsteuer.  Da  Üttjefte 
sind  1.  überhaupt  Abgaben,  die  auf  etwas  haften,  2.  Ausgaben 
oder  Auslagen  im  Allgemeinen. 

99.  Jö  Shäl,  jö  Pal.  Jö  Shäl  entspricht  überall  der  Schale  als 
Umhüllung,  jö  Pal  dagegen  der  Hülse,  der  Schote  und  der  Schelfe. 
Die  Zeitwörter  heissen  s/iälen  und  palen. 

iOO.  Jö  Shäujn,  jö  Höndling  und  jö  Daahs.  Alle  drei  Wörter 
sind  zeitwörtlicher  Abstammung,  jö  S/iäiijn  von  shäien,  gesche- 
lien,  im  zweiten  Mittelworte  (Parlicipium)  sliäjn,  und  bezeichnet 
eine  schädliche  Handlung  ;  jö  Daahs ,  von  dtihggen  ,  däi ,  däjn , 
ist  die  Thal;  jö  Hondlimj ,  von  hdmleln,  handeln. 


löO 

401.  üät  Shjärn,  dät  Sndws,  dät  Grilss.  Üai  Shjärn  ist  über- 
haupt der  Unralh,  wie  z.  ß.  Kehricht  und  dergl.,  dät  Sndivs, 
Schmutz,  Unreinigkeiten  und  alles,  was  nichts  taugt,  dat  Grüss, 
der  Schutt,  Gries  und  Kies. 

102.  En  Shjärn,  en  fölcn  ßldnshe.  Dät  Shjärn  ist  ein  Mensch 
von  schlechter  Gesinnung,  der  andern  Unrecht  thut  und  Schaden 
zufügt ,  doch  bezeichnet  en  (ölen  Manshe  hier  noch  stärker. 

103.  De  Präcker ,  dän.  en  Prakker,  nd.  de  Pracher,  de  £iller, 
de  Kiltring.  Präcker  und  Biller  siehe  im  Vorhergehenden ,  KU' 
tring  soll  von  den  alten  Gelten,  Kelten,  herstammen,  und  bedeutet 
jetzt  ganz  gemeine  Leute ,  die  sich  zanken ,  schimpfen  und  raufen. 

104.  Dät  Sliörn,  de  Shämmcl,  die  Hitsche  und  der  Schemel. 
Oft  gebraucht  man  das  eine  für  das  andre ,  was  indessen  nicht 
immer  geschehen  kann.  So  nennt  man  die  an  den  altmodischen 
Tischen  angebrachten  Bretter  zwischen  den  Füssen  derselben,  da 
Fäujttshämle ,  Fussschemel,  wo  Shörn  durchaus  unpassend  wäre, 
und  dagegen  den  Bläuel tisch  ,  zum  Bläucln  oder  Klopfen  der 
Wäsche,  dät  Böhgshörn,  wo  de  Shämmel  eben  so  verkehrt  stehen 
würde.     Bögen  oder  böligen  ist  klopfen,  pochen. 

105.  Dät  Shöm',  jö  Blöged.  Dät  S/iöm,  dän.  en  Skäm ,  engl, 
shame,  die  Schande.  5ö  Blöged,  von  dem  Adjeclivum  blöcli ,  blöde, 
gebraucht  man,  wenn  man  sich  in  der  Seele  eines  andern,  oder 
einer  unanständigen  Handlung  schämen  muss;  auch  bedeutet 
Blöged,  die  Blosse,  die  Schaam.  Die  Zeitwörter  heissen:  liüm  sltaa- 
men  und  hüm  blögen,  sich  schämen  und  sich  erblöden,  beide  sind 
verba  reciproea.  Wenn  Shöm  für  die  menschliche  Schaam  ge- 
braucht wird,  ist  es  weiblich,  sonst  gebraucht  man  es  sächlich, 
für  Schande. 

106.  Dät  Shöhr,  de  2njnfäll.  Dät  Shöhr  ist  der  Schauer, 
als:  he  häi  en  swär  Shöhr,  er  hatte  einen  schweren  Schauer,  z.  B. 
vom  Fieber:  he  het  sin  male  an  gauhse  Shöhre,  er  hat  seine  tollen 
und  seine  guten  Schauer.  De  Aujnfäll  ist  der  Anfall,  als:  en 
Äujnßll  fon'e  Gigt,  fon  Lifjwärk  u.  s.  w.  und  bedeutet  noch  be- 
sonders die  Schwerenolh  oder  Epilepsie. 

107.  Dät  Shöhr,  jö  Tiddlong,  jö  Tidd.  Dät  Shöhr  ist  hier  die 
Weile ,  und  dieser  Zeitbegriff  ist  auch  schon  in  der  Bedeutung  des 
Wortes  mit  eingeschlossen,  wenn  es  Scbauer  heisst;  die  Zeitlang 


151 

ist  jö  Tiddlo7ig,  und  jö  T'uld,  die  Zeit,     Ick  hww  liirr  all  en  gauhs 
Shühr  tüä/in,  ich  bin  hier  schon  eine  gute  Weile  gewesen. 

108.  Dat  Shrübb ,  von  shrubben ,  scheuern ,  reiben ,  ist  die  Krätze , 
dät  Shürrew,  die  Räude  der  Schafe. 

109.  De  Kug,  de  Hämmc,  jö  Fenn,  jö  Koppel,  jö  Toft.  De 
Kug ,  der  Kog,  ist  ein  grösseres,  dem  Meere  durch  Eindeichung 
abgewonnenes  Stück  Land;  jö  Fenn,  ist  die  kleinste  Abtheilung 
darin,  und  entspricht  in  so  fern  einer  Koppel  auf  der  Geest,  nur 
dass  die  Fenne  mit  einem  Wassergraben,  de  Slüjtt,  die  Koppel 
dagegen  mit  einem  Walle  oder  Zaun,  oder  mit  beiden  umgeben 
ist.  De  Hämmc,  der  Hamm,  die  Hamme,  Hemme,  richtiger  die 
Hänime,  heisst  eine  Reihe  neben  einander  liegender  Fennen  im 
Hcrrenkoge ,  die  durch  einen  breiteren  Graben  von  dem  übrigen 
Lande  getrennt  oder  abgehemmt  sind.  Der  Hauptbegriff  ist:  Ab- 
trennung durch  Zäune,  Gräben,  Einfriedigung,  Gehäge.  Mehrere 
Ortsnamen  werden  durch  Ham ,  Ilem  und  Hemme  bezeichnet , 
wie  Hamdorf,  Hammelef,  Hamburg,  Hem,  Hemme  in  Eiderstedt, 
Hemme  an  der  Trene,  Hemmelmark  bei  Eckernförde,  Hemming- 
hörn,  zweimal  in  Eiderstedt,  Hamberge  an  der  Trawe,  Hamdorf, 
Hamfeld,  Hammoor,  Hamwcdel,  Hemme  in  Norderditmarschen, 
Hemdingen,  Hemmeisdorf,  Hemmerwurth,  Hemmingstedt.  Jö 
Toft,  ist  ein  kleines  eingefriedigtes  Stück  Land  am  Hause,  das 
oft  noch  mit  dem  Warf,  de  Wäircw ,   in  Verbindung  steht. 

410.  Jö  Sliep,  de  Sliep,  de  Sndpp.  Jö  Sliep  ist  der  Aufschlag 
an  Aermeln  ,  de  Sliep  ,  der  Zipfel ,  de  Sndpp  ,  der  Schnippel , 
Schnipp, 

ill.  Dät  Tweel,  de  Frolise,  dat  Spütt,  dät  Späüing.  Tweel, 
der  Quiel,  der  dünne  Speichel,  welcher  kleinen  Kindern  und 
alten  Leuten  aus  den  Mundwinkeln,  da  Njäslie,  lliesst,  davon 
dat  Tweelbörtjen ,  Sabbertuch;  de  Frohse,  der  Geifer,  dän.  Fraad, 
Fraade;  dät  Spütl,  der  Speichel,  altd.  die  Spütze;  dät  Späiling, 
das  Gespiene.  Die  Zeitwörter  heissen:  twelen,  quielen,  fro/isen, 
geifern,  spülten,  spützen,  Marc.  7,  v.  55,  Marc.  8,  v.  25.  Johan. 
9,  V.  G,  und  späien,  speien. 

H2.  De  Säirk,  das  Mannshemd,  de  Smöck,  das  Frauenzimmer- 
hemd; im  dän.  heisst  letzteres  en  Särk,  und  das  Mannshemd  cn 
Skjörle. 


152 

Hd.  De  Sndpps,  von  snappen,  de  «yö/JÄe  von  snppen,  nd.  supen, 
bedeuten  beide  ein  Glas  Branntwein,  Rum,  Genever,  Cognae  und 
dergl.  die  nicht  über  einen  Schluck  betragen.  Das  Wort  Söpke 
ist  in  der  verkleinernden  Form  gebildet  und  also  ein  Diminutivura. 

114,  Jö  Snäi\  dän,  en  Snäre,  engl,  a  snare,  ist  die  Schleife, 
dän.  en  Slöife;  jö  Sling ,  engl,  a  sling,  dän.  en  Slynge ,  die 
Schleuder;  die  Zeitwörter  sind  snärcn  und  slingen. 

115.  Jö  Sliär,  die  Schnarre,  Rattel,  engl,  a  rattle;  jö  Rdjngle- 
boss  oder  Shrdjiigleboss ,  von  rdjngeln,  sliräjngeln,  dän.  en  Rängle- 
bösse,  von  en  Rdngle,  die  Schelle,  die  Kinderklapper,  Schellen- 
büchse ;  jö  Snürr  ,  von  smtrren ,  schnurren ,  die  Schnurre ,  eine 
bleierne,  am  Rande  ausgezackte,  runde  Scheibe,  mit  mehreren 
Löchern  in  der  Mitte,  durch  welche  man  wollene  Fäden  zieht, 
die  an  den  Enden  mit  einander  verbunden  werden,  worauf  man 
das  bleierne  Rädchen  so  lange  um  seine  Achse  schwingt,  bis  die 
Fäden  sich  fest  zusammengedreht  haben  ,  und  diese  dann  mit 
aller  Kraft  wieder  zurückzieht ,  wobei  das  Rad  wieder  stark 
schnurrend  zurückläuft.  Jö  RummcJpott ,  der  Rumpeltopf ,  ein 
Topf  mit  einer  straffgespannten  Blase  überzogen,  in  deren  Mitte 
ein  Stück  Schilfrohr  befestigt  ist ,  an  welchem  man  mit  etwas 
angefeuchteten  Fingern  auf  und  nieder  reibt,  wodurch  der  hohle 
Rumpelton  oder  das  Rummeln  hervorgebracht  wird'. 


1  Alle  diese  Dinge  sind  keine  Synonymen,  und  nur  als  Spiel- 
sachen der  Kinder  hier  zusammengestellt.  Mit  den  sogenannten 
Löpern,  Schüssern,  Knickern,  Marmeln  und  Schnellkugeln,  Rnll- 
Jiiigle,  werden  mancherlei  Spiele  getrieben.  Diese  mögen  hier 
zugleich  einen  Platz  finden:  1.  'Aw'c  Ring  spülen,  auf  dem  Ringe 
spielen,  hier  macht  man  eine  kreisförmige  Rinne  auf  ebener  Erde, 
de  Ring,  innerhalb  welcher  die  thönernen  Schüsser  gesetzt,  und 
mit  Marmelkugeln  u.  s.  w. ,  vermittelst  des  Daumens  und  Zeigefin- 
gers ausgeschossen  (geschnellt)  werden,  wobei  viele  Regeln  zu 
beobachten  sind;  2.  äiijn't  Longliek  spdlcn,  im  langen  Leik ;  hier 
werden  die  Scbüsser  in  eine  lange  Reihe  gelegt,  etwa  in  der 
Entfernung  einer  Elle  von  einander,  und  mit  Marmeln  eben  so 
geschossen  ;  5.  dpijnspälen  oder  jipijmich  ,  ^pljnsmittcn  ,  gegen 
die  Wand  werfen.  Wer  einem  andern  auf  eine  Spanne  nahe 
kommt,  der  gewinnt  einen  Schüsser;  4.  äiijn'c  Gröttkölil  späten, 
hier  macht  man  ein  grosses  rundes  Loch  in  der  Form  eines  bau- 
'.higen  Topfes,    und  wirft  aus  einer  jedes   Mal  genau  bcstinuntcn 


155 

146.  Jö  Spirr,  de  Shöt.  Jö  Spirr  von  spirren,  dän.  at  spirc, 
en  Spire,  ist  der  eben  hervoikomraende  Keim,  de  Shöt,  von  sliijl- 
ten,  schiessen,  der  Schoss,  Schössling. 

117.  Jö  Stjörr,  jö  Själl,  jö  Rälgel,  jö  Ordning.  Die  Verba  sind: 
stjürren,  själlen,  räigeln  und  ordnen.  Hüjll  Sljürr  äw  da,  wille  Jon- 
gense,  steure  den  wilden  Knaben;  ick  kön  'r  nijn  Räigel  äujnJiüjlle, 
ich  kann  keine  Regel  (Ordnung)  darin  halten;  dirr  as  nijn  Själl 
äujn,  dät  sjället  ja  gaar  nint,  das  hat  ja  gar  keine  Art;  dät 
lickent  ja  nint,  es  gleicht  ja  nichts.  Licknen  und  själlen  sind 
sinnverwandt. 

118.  De  Spärk,  deStijtt,  de  Puff.  Verba:  spärken,  dän.  at  spar- 
ke,  siijtlen,  stossen,  puffen.  De  Spärk,  ein  Stoss  mit  dem  Fusse, 
de  Stijtt,  der  Stoss  überhaupt. 

119.  De  Bausem,  de  Stall.  De  Bausem  ist  diejenige  Abihei- 
lung eines  Bauernhauses,  in  welcher  die  Ställe  oder  Viehstände 
sich  befinden;  de  Stall,  ein  einzelner  Stand  für  Rinder  oder  Pfer- 
de, auch  für  zwei  Stück.  De  Bausem  ist  sonst  auch  der  Boden 
eines  Fasses. 

120.  De  Splälis,  von  splitten,  spleissen,  spalten,  also  die  Spleisse, 
Spalte,  der  Spliss;  de  Rälrw,  von  r'iwwen,  reissen,  der  Riss. 

121.  De  Stier,  de  Ögse,  de  Bulle.  De  Stier  und  de  Ögse  sind 
beide  verschnittene  Stiere,  de  Bulle,  der  Zuchtstier,  engl,  a  bull 
und  a  sleer. 

122.  De  Taus  [Täis),  de  Käise.  De  Taus,  der  Zahn,  de  Käise, 
nd.  Kuhs,  der  Backenzahn,  Malmzahn. 

125.  De  Struhmm,  dat  Silllog,  jö  Wäfiserliesing,  der  Strom, 
der  Fluss,  die  Au,  wörtlich  der  Sielzug,  jö  Wäfiserliesing ,  die 
Wasserleitung  oder  Lösung,  um  das  Wasser  los  zu  werden; 
struhmmen ,  strömen ,  sillen ,  üiessen ,  treiben.  Dät  5t//,  das  Siel,  s.o. 

124.  Dät  Sivijt,  dät  Bläujd;  ersteres  ist  das  warme  Blut  ge- 
schlachteter Thiere,  letzteres  ist  Blut  überhaupt;  5'M'y7,  der  Seh  weiss. 


Entfernung  (dät  ßluhl  genannt)  die  Schüsser  da  hinein;  5.  äujn  'e 
Lockpott,  äiijn'e  Idjtt  KöIil  unlig  äw  Tunnringe,  d.i.  nach  der  ton- 
derschen  Weise,  spulen.  Hier  dreht  man  mit  dem  Absatz  des 
Stiefels  eine  kleine  Höhlung  in  Form  einer  Halbkugel  aus,  und 
spielt   darin   Gerade   oder   Ungerade,  Pär  nntig  (Jnpär. 


154 

125.  Dät  Swär,  jö  Onturd,  die  Antwort,  von  swären  und  ßnt- 
urden.  Stvärcn  und  dät  Swär  kann  überall  für  antworten  und 
Antwort  stehen ;  öntiirden  und  jö  Önlurd  findet  besonders  beim 
Exarainiren  und  Abfragen  Statt. 

■126.  Jö  Leen,  de  Faarriip,  dät  Reep,  dät  Tdiv.  Jö  Zeen,  die 
Leine,  besonders  die  Hinlerleine  am  Wagen,  mit  Avelcher  der 
Wiesbaura  auf  Heu-  und  Getreidefuhren  gebunden  wird;  de  Faar- 
riip, die  Vor-  oder  Vorderleine,  welche  über  den  Kopf  des  Bin- 
debaumes geht;  dät  Tdw,  das  Tau;  dät  Reep  kommt  nur  noch 
in  dem  Worte  Reepsläger ,  Reifschläger  vor.  Der  Binde-  oder 
Wiesbaum  ist  de  Ponternc,  und  die  Tritze  oder  Blockscheibe  (His- 
seblock) heisst  de  Hauck. 

127.  De  Täms,  dät  Sälnv.  De  Tätns,  ein  Haarsieb,  zum  Seihen 
der  Milch  und  zum  Sichten  des  Mehles;  dät  Sä/m,  das  Sieb,  engl, 
a  sieve.  Ein  älteres  Wort  für  Sä/nv  hiess  dät  Säil,  wovon  noch 
das  jetzt  gebräuchliche  säilen,  sichten;  aus  Täms  wird  auch  tätn- 
S€7i,  wofür  aber  sällen  gebräuchlicher  ist. 

128.  Jö  Tiern ,  de  Bässe/,  de  Trans.  Jö  Tlem,  der  Fahrzaura 
bei  Wagenpferden;  de  Hassel,  der  Reitzaum;  de  Trans,  ein  ein- 
lacher Kapzaum,  die  Trense.  Aus  Tiem  wird  tiemen,  diemen,  das 
Heu  zum  Diemen  (Schober)  vermittelst  langer  Leinen  und  eines 
schmalen  Breites  zusammenfahren. 

429.  Dal  Tjöc/i ,  Tjög,  dät  Sanken,  das  Zeug  und  die  Sachen, 
Beide  Wörter  sind  Collecliva  ohne  Mehrheilsform,  und  wei'den 
für  Vieh  und  Sachen  gebraucht.  Beispiele:  Wirr  äs  min  Tjög' F 
nd.  Wo  is  mien  Tüg?  dän,  Hvor  er  mit  Töi?  meine  Kleider  und 
sonstige  Sachen.  IjUjög' ,  Feuerzeug,  Wäirktjög',  Räisetjög',  u.  s.  w. 
Jag  't  Tjöc/t  inn!  Treibe  das  Vieh  ein;  Iiä/ist  't  Saaken  infüngenF 
Hier  umfasst  Saaken  alle  Hausthiere  mit  einander,  so  wie  alle 
drausscn  liegenden  Sachen,  die  herein  sollen,  wie  Hühner,  Enten, 
Tauben,  Gänse,  Schafe,  Schweine,  Rinder,  Pferde,  Pferdege- 
schirr, u.  m.  a.  Läjtl  min  Tjög  oder  Saaken  ladde ,  lass  mein 
Zeug  oder  meine  Sachen  liegen.  Ick  Iiä/iw  min  Tjög'  äujn  't  S/irönn, 
ich  habe  mein  Zeug  in  der  Lade.  Bin  Saalcen  dräft  alt  ämbäi, 
deine  Sachen  treiben  immer  herum. 

130.  De  Tö/i/e,  de  Sniitle,  de  Fläbbe,  de  Müss.  De  Müss,  der 
Mund ,  de  Fläbbe,  die  Fläbbe,  Hängemaul ,  de  Sniitle ,  die  Schnauze, 


de  Töhle,  das  Maul;  de  Frä/tle,  die  Fresse,  Gosche.  Ganz  grobe 
Ausdrücke  sind:  Hüjll  dun  Töhle,  hüjll  'c  Snülle,  de  Fläbbe  an  'e 
Frälite.  De  Frähte  von  freJiscn,  fressen.  Aus  Fläbbe  wird  ßäbben, 
das  Maul  hangen  lassen,  aus  Snütle,  snäjttcn,  schnauzen. 

131.  De  Tütt,  de  Göth,  die  Schnauze,  an  einer  Kanne  und 
dergl.;  de  Göth,  der  Guss,  von  gijlten,  giesscn. 

152.  Dät  Träjd,  der  Zwirn,  de  Träjdd,  der  Faden,  dat  Gjdrn, 
wollenes  Garn;  de  Träjdd  ist  auch  ein  einzelner  Draht,  de  Pdck- 
träjdd,  Pechdraht. 

i35.  De  Tröch,  jö  Ujlling,  der  Trog  und  die  Mulde;  beide  heis- 
sen  im  dän.  Trug  (1.  Truhg). 

434.  De  Thräs,  von  treesen,  treten,  der  Tritt;  de  Stäp,  von 
stäpen,  stapfen,  der  Stapf,  langer  Schritt;  de  Stäpe,  die  Stapfe, 
eingedrückte  Spur  vom  Fusse;  dat  Släpslähs,  der  Siegel,  zum 
Uebersteigen ;  de  Tristape  s.  o. 

433.  Jö  Trepp,  jö  Lädder,  die  Treppe  und  die  Leiter;  de  Lad- 
dei'büjlke,  der  Leiterbalken,  da  Sprdjnke,  die  Sprossen,  Singul. 
de  Sprdjnke. 

436.  De  Wäll,  de  Dick,  de  Dämm,  de  Shänse,  der  Wall,  der 
Deich,  der  Damm  und  die  Schanze. 

437.  Dät  Wäirk,  dät  ^rbed,  das  Werk,  die  Arbeit;  arbeiten 
ist  aber  büen,  daher  de  Büer,  der  Arbeiter,  de  ^rbedsmönn,  der 
Arbeitsmann. 

438.  Jö  Wäig ,  von  wäigen,  auf  und  nieder  wiegen;  jö  Wipp, 
von  wippen;  jö  Stjöi,  daher  stjöien;  jö  Wägg,  daher  iväggen.  Jö 
Wäig,  ein  langes  Brett,  in  der  Mitte  auf  einer  hohen  Unterlage 
ruhend,  auf  welchem  sich  zwei  Personen,  eine  an  jedem  Ende 
derselben,  abwechselnd  zum  Vergnügen  auf  und  nieder  wiegen. 
Jö  Wipf,  die  Wippe,  besonders  eine  Falle  mit  einer  Wippe,  zum 
Fangen  der  Mäuse  und  Ratten,  die  durch  ein  Stückchen  gebra- 
tenen Speckes  angelockt,  in  ein  darunter  stehendes,  zur  Hälfte 
mit  Wasser  gefülltes  Gefäss  fallen.  Jö  Sljöi,  die  Schaukel,  jö 
Wägg,  die  Wiege. 

439.  Jö  Drägt,  dät  Jock.  Jö  Drägt  ist  die  Tracht  oder  das 
Schulterjoch,  an  welchem  Wassereimer,  Milcheimer,  Körbe  und 
dergl.  getragen  werden;  dät  Jock  jedes  andere  Joch.  Jö  Drägt, 
von  dregen,  tragen,  hat  übrigens  alle  Bedeutungen  des  deutschen 

20* 


Iü6 

Wortes  Tracht ,  und  licisst  noch  besonders  die  Wage  an  der  Deich- 
sel mit  ihren  Schwengeln,  da  Sivdjngle. 

140.  De  y/tte,  de  ^Uähte,  zwei  verschiedene  Benennungen  für 
Grossvater. 

ii\.  De  Ba/ise,  de  Njütte,  dät  Gagen,  de  Fordijl.  De  Bahse, 
dän.  en  Baade,  Verb,  at  baade,  hatte;  deutsch:  baten,  hatten, 
Nutzen  bringen;  de  Njütte,  der  Nutzen;  dat  Gagen,  dän.  Gavn, 
engl,  gain ,  das  Frommen  ,  der  Nutzen ,  Verb,  at  gavne  ,  fries. 
gägnen;  de  Fordijl,  der  Vortheil.  De  Läjtte  kön  all  Gagen  düjn, 
der  Kleine  kann  schon  nützliche  Geschäfte  verrichten;  wdt  tö  Gä- 
gens  düjn,  etwas  recht  machen,  so  wie  es  sein  rauss.  Dät  wall 
de  äi  faale  baltse,  das  wird  dir  nicht  viel  baten. 

142.  De  Egge,  jö  Sidd,  de  Kant.  De  Egge  kann  nur  durch 
Seite  übersetzt  werden,  wobei  aber  der  Begriff  sehr  unvollstän- 
dig bleibt.  Diess  Wort,  welches  auch  noch  im  Dänischen,  aber 
in  einer  weit  eingeschränkteren  Bedeutung,  vorhanden  ist,  hat 
einen  sehr  umfassenden  und  vieldeutigen  Sinn,  der  nur  durch 
Beispiele  klar  gemacht  werden  kann.  'Aw  'e  söliser  Egge't  Hüss, 
auf  der  Südseite  des  Hauses;  äw  'e  Nörderegge ,  auf  der  Nord- 
seite; mü  'e  u^steregge,  zu  Osten,  de  Westeregge,  die  Westseite; 
äw  'e  Leeßegge,  zur  Linken;  äw  'e  rögte  Egge,  auf  der  rechten 
Seite;  äw  'e  Hugeregge  satten,  über  jemand  sitzen,  einen  höhern 
Platz  einnehmen,  äiv'e  Läigeregge,  niedriger  sitzen;  de  hirr  Egge, 
oder  umstandswörtlich:  de  hirregge,  diesseit,  de  jänneregge,  jen- 
seit.  "J[w  huhmsen  Egge  hast  do  ?  Auf  wessen  Seite  bist  du?  mit 
wem  hältst  du  es?  Dät  Kniff  as  hlänk  äw  biese  Egge,  das  Messer 
ist  blank  auf  beiden  Seiten;  dät  slijärt  mä  biese  Egge,  es  schnei- 
det mit  beiden  Kanten,  mit  der  Schneide  und  dem  Rücken,  oder 
es  ist  zweischneidig  geschliffen.  De  bütter  Egge,  de  bänner  Egge, 
oder:  äw  'e  bütteregge,  äw  'e  bdnneregge,  ausserhalb  und  inner- 
halb; de  rögte  Egge,  de  forkierde  Egge,  die  rechte  Seite  und  die 
Kehrseite  von  gewebten  Stoffen.  Das  Zeitwort  davon  ist  eggen,  16- 
eggcn,  und  bedeutet  verlocken,  anreizen  zu  etwas.  Im  Dän.  heisst 
de  Egge,  en  Egg',  und  wird  nur  auf  die  Schneide  und  die  Tuch- 
kante angewandt;  at  egge  nogen,  ist  einen  aufbringen,  zum  Zorn 
reizen;  engl,  an  rage,  Verb,  lo  cdge. 


157 

145.  De  Främde,  dät  {JttlOujnn ,  die  Fremde,  das  Ausland; 
främd  an  üUläitjnsh. 

144.  Gäujd  äujn  Stände  wesen,  gut  im  Stande  sein;  en  gaulis 
Däged  heven,  gutes  Gedeihen  ,  gute  Gedeihlicbkeit  haben,  von 
däien,  woraus  jö  Däged  sich  bildet,  welches  Wort  man  aber  nicht 
mit  Döged  von  daagen  (laugen),  die  Tugend,  verwechseln  darf. 

145.  De  Kempe,  de  Riese.  De  Kempe,  der  Kämpe,  bezeichnet 
den  Riesen  von  Seiten  seiner  Stärke,  seiner  Tapferkeit  und  des 
kräftigen  Körperbaues ;  de  Riese  von  Seiten  seiner  ungewöhnli- 
chen Länge;  riesen  heisst  in  die  Höhe  richten. 

146.  DeKlönne,  deKlöts,  de  Knolle,  de  Kldivwer.  BeKlönne,  der 
Klonz,  bezeichnet  den  Menschen  in  Rücksicht  auf  seine  Plumpheit 
Derbheit  und  Schwerfälligkeit;  de  Klöts,  in  Bezug  auf  seine  Grob 
heit;  de  Knolle,  ein  vierschrötiger,  derber  und  gedrungener  Kerl 
de  Kldivtver,  von  iöKldiv,  die  Klaue  (Hand),  einer,  der  tüchtig  an 
fassen  und  arbeiten ,  oder  mit  den  Klauen  etwas  los  machen  kann 

147.  De  Läpe,  de  Fldck,  de  Klütt,  de  Plünne.  De  Läpe,  der 
Lappen,  de  Klütt,  ein  Lappen  zum  Flicken  und  Ausbessern,  de 
Fldck,  der  Fleck,  z.  B.  aus  Leder,  ein  Absatzfleck,  de  ^'gter- 
fldck ,  de  Plünne ,  der  Lumpen  ;  die  Verba  sind  läpen ,  fldcken 
und  klütten. 

148.  Jö  Fortelling ,  die  Erzählung,  dät  Tähl,  das  Mährchen, 
jö  Faabel,  die  Fabel,  de  Döjnte,  das  Döhnchen  oder  Anecdötchen. 

149.  Jö  Regäivenliaid  ,  die  Begebenheit ,  dät  ^ivertürr ,  das 
Abentheuer,  äiventürrlick ,  abentheuerlich,  auch  gefährlich,  gewagt. 

150.  De  Mänte  ,  die  Mühe ,  dät  Unmeek  ,  dän.  Umäge  ,  recht 
viel  Mühe. 

151.  De  Paurte,  die  Pforte,  dät  Dohr,  das  Thor,  dät  ^hk, 
das  Scheunenthor.  De  Paurte  ist  auch  der  Kerker  und  der  Sta- 
chel ,  s.  0. 

152.  De  Stünner,  der  Ständer,  de  Piller,  der  Pfeiler,  de  Stip- 
pe, die  Stütze. 

153.  Jö  Tivöng  von  twingen,  jö  Tücht  von  tie-en,  ziehen,  jö 
Kush ,  von  kushc,n.  Der  Zwang  ,  die  Zucht ,  die  Kusche  ,  Ein- 
schüchterun«?. 

154.  De  Grünn,  de  Vrsäge,  der  Grund  und  die  Ursache, 

lüü.    De  Slörrc,  dal  Mingen,  dät  Njäscn.     De  SWrre,  von  slör- 


lo8 

ren,  hinstehen  lassen,  ist  die  Fahrlässigkeit,  slörriy ,  fahrlässig; 
de  Minger  zaudert ,  weil  er  mit  der  Arbeit  nicht  recht  fort- 
kommen kann,  deNjäser,  weil  er  nicht  will;  daher  nun  Mingetm 
und  Njäseräi,  von  mingen  und  njäsen. 

ioC.  De  Spahse,  jö  Glauiv;  diese  ist  ein  gewöhnlicher  Spa- 
ten, dagegen  de  Spahse  ein  Spaten  zum  Abstechen  der  Ileide- 
flaggen  oder  des  Heidetorfes,  dessen  Blatt  von  der  Mitte  an  ein 
schräg  aufwärts  stehendes  Dreieck  bildet.  Selbst  der  Torfspaten, 
welcher  an  der  rechten  Seile  des  Blattes  eine  aufstehende,  schar- 
fe, drei  bis  vier  Zoll  hohe,  eiserne  Kante  hat,  heisst  jö  Ijdglaim. 

157.  Da  Twäge,  dät  Jest,  da  Gäre.  Da  Tiväge  (Colleclivum) 
sind  die  Unterhefen,  dät  Jest,  der  Gäscht,  und  da  Gäre,  jedes 
Gährmittel. 

458.  De  Brück,  de  Maude,  de  Wänigt,  Gebrauch,  Mode  und 
Gewohnheit. 

159.  De  Wale,  de  Wällering,  de  Wjärsing.  De  Wale  ist  4,  die 
Strieme,  z.  B.  nach  einem  Peitschenhiebe,  2.  etwas  zusammenge- 
rolltes, wie  Heu,  Grummet,  Krummstroh,  etwa  von  der  Dicke 
eines  groben  Ankertaues,  oder  eines  derben  Oberschenkels;  de 
Wällering,  von  wällcrn,  wälzen  und  wällern,  z.  B,  eine  gekrem- 
pelte Flocke  Wolle  und  dergl. ;  de  Wjärsing,  der  eingestrichene 
Hauptschwaden  beim  Heuen.  De  Tingwäle  (verdreht  zu  Täjng- 
wale),  ein  kurzer,  eiserner,  walzenförmiger  Stab,  oben  mit  einem 
Ringe  versehen,  der  von  Haus  zu  Haus  geschickt  wird,  um  die 
Dörfler  an  einem  bestimmten  Ort  zu  gemeinschaftlichen  Berathun- 
gen  zusammenkommen  zu  lassen,  hat  seinen  Namen  von  der  wal- 
zenförmigen Form,  obgleich  man  ihn  auch  viereckig  hat, 

460.  ^irig  äujnluppen ,  to  Mäjtte  kämen,  äujnkämen  [hijnn). 
Airig  äujnluppen,  übel  anlaufen;  hijnn  äujnkämen,  übel  ankom- 
men u.  s.  w.  To  /fJäjlle  kämen,  braucht  man,  wenn  z.  B.  jemand 
auf  der  Strasse  fällt  und  ein  Bein  bricht,  oder  beim  Aufhängen 
eines  kostbaren  Spiegels  denselben  entzwei  fallen  lässt  u.  s.  w. ; 
so  sagt  man:  dirr  kaumm  ick  elandlg  to  Mäjtte.  En  Ohling  fuhg- 
gen,  sagt  man,  wenn  jemand,  der  es  wohl  verdient  hat  und 
dem  man  es  gönnt,  um  bedeutende  Summen  betrogen  wird,  oder 
wenn  ihm  sonst  irgend  ein  empfindlicher  Streich  gespielt  wird. 
Dann  heisst  es:   Dirr  hcl'r   en  gauhs  Ohling  füiigen!    En  gauhs 


159 

Lorring,  von  lörren  oder  lören,  lauern,  auch  jö  Z/öVi«// ,  bezeichnet 
dasselbe;  im  Worte  selbst  liegt  aber  der  Begriff  des  Absichtli- 
chen, des  Lauerns,  und  das  Wahrnehmen  der  Gelegenheit,  jemand 
einen  Streich  zu  spielen.  H^dtm  en  Slräg  späten,  jemand  einen 
Streich  spielen. 

461.  De  Spicker,  de  Nägel,  de  Brödd.  De  Spicker,  ein  Nagel, 
dän.  et  Speger,  Spiger,  von  einiger  Grösse;  de  Nägel,  ein  klei- 
ner Nagel,  wie  Wdnningenägel ,  Fensternagel,  auch  der  Nagel  an 
Finger  und  Zehen ;  de  Jirödd ,  dän.  en  Brod ,  ein  kleiner  spitzer 
Stift.  En  Nägel,  engl,  a  nail,  verb.  to  nail.  Spickern,  mit  grös- 
seren Nägeln  befestigen,  nägebi,  mit  kleinem,  brödden,  mit  noch 
kleinern ,  ohne  Köpfe. 

-162.  De  Slimgel,  der  Schlingel,  de  Bäjngel,  der  Bengel,  de 
Slef,  nd.  de  Slef,  de  Sliibber,  de  Köter,  Schimpf-  und  Scheltwör- 
ter. De  Slnhher,  von  Slubb,  dünner  Strassenkoth,  slubbei^n,  den 
Koth  einschlürfen,  wie  die  Enten;  de  Köter,  der  Köter,  als 
Schimpfname,  und  ein  Köterhund. 

463.  En  läjtt  ivälsh  Dijl,  en  Idjtt  mjögsig  Krät,  en  läßt  däsig 
Dijl,  en  Idjtt  däsig  Krät,  sind  alle  in  der  Bedeutung  so  ziemlich 
eins;  wdlsh  Dijl,  quersinniges  Ding,  mjögsig  Krät ,  schmutziges 
Gethier;  Idjtt  däsig  Dijl,  kleines  albernes  Ding;  läjtt  däsig  Krät, 
kleines  albernes  Geschöpf  oder  alberne  Kröte ;  lauter  Schimpf- 
wörter. 

404.  Jö  Bössei,  jö  Kugel.  Jö  Bössei,  eine  Kugel  zum  Werfen 
bestimmt,  als:  jö  Kägelbössel,  jö  Issbössel,  Kegelbossel,  Eisbos- 
sel;  jö  Kugel,  jede  Kugel  und  die  Bossel  mit;  bosseln,  mit  der 
Bossel  werfen. 

465.  Jö  Käwel,  jö  Koppel,  jö  Snaur.  En  Käwel  Hdjnsle ,  en 
Koppel  Hünne,  und  en  Snaur  Hdjnste.  Käwel  und  Koppel  scheinen 
hier  einsdeutig,  doch  wird  Käwel  nur  von  Pferden,  Koppel  von 
Hunden  gebraucht.  Bei  der  Schnur  gehen  die  Pferde  hinter  ein- 
ander, was  eben  bei  einer  Kawel  und  Koppel  nicht  noth wendig 
ist.     Da  Hälskäwle  sind  die  Halssiele  der  Wagenpferde. 

466.  Jö  Pott,  jö  Räjngel.  Beide  sind  Töpfe,  aber  der  eine, 
jö  Pott,  hat  immer  drei  Füsse  und  einen  Sterz;  jö  Räjngel  ist 
ohne  Füsse  und  hat  einen  bis  zwei  Henkel.  Rdjngle  heissen  auch 
die  Schellen   am  Schlittengeschirr    und    an  der  Schellenbüchsc, 


160 

daher  rdjngeln,  schellen,  verwandt  mit  shrdjngeln ,  dän,  at  rangle, 
und  en  Rangle,  en  Rangleslange,  die  Klapperschlange, 

467.  Dat  Wunner,  dät  Wunnertieken ,  däl  Miraakel.  Das  Wun- 
der, das  Wunderzeichen,  das  Mirakel;  letzteres  wird  aber  mei- 
stens für  verwirrten  Lärm,  Getümmel  gebraucht,  wie  in  den 
Ausdrücken:  en  grott  Miraakel,  faale  ßliraakel  mögen. 

d68.  Jö  Tihssing  ,  Zeitung,  Nachricht,  jö  Naarögt ,  dasselbe; 
dieses  Wort  ist  dem  Niederdeutschen  nachgebildet. 

4  69.  En  Kink ,  en  Kjirl ,  en  Bdjtie ,  en  Bröckling  ,  en  Läiet 
und  en  Lurlierläiet.  En  Kink  und  en  Lurlierläiet  bezeichnen  den 
kleinsten  oder  unbedeutendsten  Theil  von  etwas;  en  lijdrl,  ein 
Körnchen,  en  Bdjtte,  ein  Bissen,  en  Läiet,  ein  wenig.  Weniges, 
en  Bröckling,  ein  Brocken;  daraus  wird  bröckeln,  bröckeln. 

470.  Dät  Öfer,  das  Opfer,  de  Gaawe,  die  Gabe,  jö  Forihring , 
das  Geschenk. 

471.  Verwünschungen  und  Flüche.  Däi  de  de  Segt,  de  Ramven^ 
de  Däunei\  de  Banker,  deDäu/sher,  deDäuwel,  deBilivel,  de  Mäßi- 
ger, de  Wünnen,  da  Fiewwünnen,  de  Kränked,  de  Rdcker!  Dass 
dich  die  Sucht  (Fallsucht)  ergreife!  de  Hdjnger,  der  Henker,  da 
Fiewwünnen,  dass  dich  die  fünf  Wunden  (Christi)  brennen  oder 
schmerzen  mögen !  de  Kränked ,  die  Schwerenoth ;  de  Bdcker 
(sonst  Racker),  der  Scliinder.  Die  übrigen  Wörter  sind  lauter 
Namen  des  Teufels. 

472.  B&t  Päckliüss ,  de  Kaurnspicker ,  der  Kornspeicher  und  das 
Packhaus. 

473.  Jö  Formaak,  ']ö  Höhg.  Jö  Formaak,  von  formagen  (wie  das 
Lat.  recreare,  reficere),  das  Wohlgefallen:  He  het  'r  sin  Formaak 
iitt ,  wann  'r  'e  Jöngense  to  wräseln  füjn  kön ,  er  hat  sein  Wohlge- 
fallen daran,  wenn  er  die  Jungen  zum  Ringen  oder  Balgen  brin- 
gen kann.  )ö  Hö/ig ,  von  bögen,  erfreuen,  wird  mit  äiijn  (in,  an) 
verbunden,  und  so  gebraucht:  Birr  het 'r  sin  Höhg  äujn,  daran 
hat  er   sein  Behagen,   seine  Freude. 

474.  Jö  Währ,  da  Krefte,  jö  Formogt.  Jö  Währ,  von  weren, 
sich  wehren,  verlheidigen ,  braucht  man  besonders  von  Kindern, 
die  einer  Arbeit  noch  nicht  recht  gewachsen  sind,  daher  nun: 
währig,  en  währigen  Jönge,  ein  kräftiger  Junge,  he  het  tiijn  Währ, 
keine  Kräfte;  jö  Formogt,  das  Vermögen,  aber  nur  in  Beziehung 


161 

auf  Körperkräftc ,  als:  Höll  an  Haad  nög ,  aurs  läict  Formögt^  Gc- 
säss  und  Kopf  sind  gross  genug,  aber  wenig  Kraft.  Von  einem 
stark  gebauten  Menschen,  der  dennocli  nur  wenig  Kräfte  hat. 
Da  Krefte,  die  Kräfte,  de  Krefie,  der  Krebs,  Krebsschaden. 

175.  Dät  Spalt,  pl.  Spähsc  und  Spalte,  der  Spiess;  de  Pick, 
die  Pieke. 

176.  De  Eme,  dän.  en  Eem,  der  Brodem,  heisser  Wasserdarapf; 
de  Dämp,  der  Dampf  überhaupt,  daher  emen  und  dänipen,  brod- 
men  und  dampfen.  Dämpen  ist  sowohl  ein  Verbum  intransitivura, 
als  ein  transitivum,  und  heisst  also  auch  dämpfen.  Brodeln  ist 
babbeln. 

177.  De  Wjärd,  von  wäir,  wahr,  die  Wahrheit;  de  Wjärt,  von 
wjärt,  werth,  der  Werth;  de  Wjärth,  der  Wirth. 

178.  De  Gong,  jö  Träw,  von  gungen  und  träwen,  der  Gang  im 
Schritt,  und  der  Trab;  jö  Hünneträw,  der  Hundstrab. 

179.  De  Hdjt,  von  hißt,  heiss,  nd.  hitt,  daher  die  Hitze;  de 
Wärmde,  die  Wärme,  von  wärm;  hißten  und  wärmen,  heizen  und 
wärmen.  Wärmen  ist  Wärme  von  sich  geben;  wiermen,  erwär- 
men und  sich  erwärmen. 

180.  Dät  Färrew,  dät  Bläi,  jö  Kolör.  Dät  Färrew  wird  nur 
von  gefärbten  und  gemalten  Gegenständen,  so  wie  von  Farbe- 
stoffen gebraucht;  dät  £läi  sowohl  von  natürlichen,  als  aufgetra- 
genen Farben,  und  Kolör  besonders  von  starken,  lebhaften  Far- 
ben. Dö  hähsl  en  gauhs  Bläi,  du  hast  eine  gute ,  gesunde  Ge- 
sichtsfarbe ;  hocken  Bläi  het  ddn  näie  Rock,  ddn  Riddhajnst  an  ddn 
junge  HünnF  was  für  eine  Farbe  hat  dein  neuer  Rock,  dein 
Reitpferd  und  dein  junger  Hund? 

181.  3öHäiw,  jö  Gdssing,  jö  Formausing.  Jö  Häiw,  von  häiwen, 
erwarten,  dass  etwas  eintreffen  oder  geschehen  werde,  also  die 
Erwartung  in  dieser  Bedeutung;  jö  Gdssing,  von  gassen,  dän.  at 
gisse,  aus  gewissen  Merkmalen  oder  Anzeichen  schliessen;  jö  For- 
mausing,  die  Vermuthung. 

182.  De  Stuhpp,  dät  Stöp,  de  Ömmcr.  De  Stuhpp,  der  Stauf. 
kommt  vor  in  Tjärestuhpp,  die  Tlieermeste,  de  Krüdstuhpp,  Blu- 
menstauf,  Sivennestuhpp ,  die  Schweinsgelte;  de  Ömmcr,  der  Eimer; 
dät  Slö]p,  siehe  Stuhpp. 

183.  Jö  Elms,  de  Gaawe,  s.  oben;  jö  Elms,  das  Almosen. 


162 

184.  De  Wifisse,  de  Mau/isc,  die  Weise,  die  Art,  dän.  en 
Maade;  dät  ds  nö  so  sdn  Wifisse,  seine  Weise,  sdn  Mause,  seine 
Art;  de  Brück,  de  Wdnigt,  siehe  oben. 

iSo.  De  Tw'Uler,  de  Fäger.  Beide  Wörter  bezeichnen  einen 
jungen,  flinken  Burschen.  Man  sagt:  dät  ds  en  flinken  Tivilter, 
und  en  dugtigen  Fäger,  von  dem  Adj.  fäge,  schnell,  rasch,  ge- 
schwind, welches  noch  im  Dänischen  vorhanden  ist. 

iSG.  Jö  oder  dät  Molke,  die  Milch;  dät  Bjäst,  die  Biest,  Bienst, 
die  erste  Milch  nach  dem  Kalben,  Neurailch;  da  Anne,  Collect, 
die  Buttermilch. 

i87.    De  Stele,  de  Stajngel,  de  Struck,  Stiel ,  Stengel  und  Strunk. 

488.  Jö  Gäseni ,  die  Gäspe;  jö  Häujnfoll,  eine  Handvoll. 

489.  De  Ä'mgöng,  jö  Segt.  De  ^'mgöng  ist  eine  umgehende, 
grassirende  Krankheit,  jö  Segt,  die  Sucht  und  die  Seuche. 

190.  De  Rock,  de  Mämlel,  dät  IFäms,  A&i  Kdmmesaul ,  de  Kittel, 
Rock,  Wamms,  Mantel,  Kamisol  und  Kittel. 

191.  Jö  Hüll,  jö  Kapp,  jö  Kabuls,  dät  Hitt.  Jö  Hüll,  die 
Mütze,  jö  Kapp,  die  Kappe,  jö  Kabuls,  die  Caputze,  dät  Hitt, 
die  Kutte. 

192.  De  Ställbrauhser ,  de  Kammeraat ,  de  Mäcker ,  der  Stall- 
bruder, der  Kammerad,  der  Genosse. 

195.  Namen  einujer  Fisc/ie.  De  Gedd,  der  Hecht;  de  Sötler,  die 
Schleihe;  de  Piepfösh,  der  Schlammpitscher ;  jö  Kariiish,  die  Ka- 
raulsche;  de  Brässem  oder  Bräsmer,  der  Brachse;  jö  Ailemudder , 
die  Aalmutter;  de  ^jl,  pl.  ^i/e,  der  Aal;  de  Baars,  der  Barseh; 
de  Stöhr ,  der  Stör;  de  Snäpel ,  der  Schnäpcl;  de  Dorsh  ,  der 
Dorsch;  de  Shdlfdsh,  der  Schellfisch;  de  Häiring ,  der  Häring; 
jö  S/io//,  wozu  alle  Seitensehwimmer  gehören;  de  Bldjnker,  das 
Rothauge  (Cyprinus  Erylhrophthalmus);  de  Lax,  der  Lachs;  de 
Sönbaars,  der  Sandbarsch;  de  jflandeVy  der  Alander;  de  Stint, 
der  Stint,  u.  s.  w. 

194.  Namen  einiger  Insecten.  Jö  Pödd,  der  Käfer;  jö  Flieg,  die 
Fliege;  jö  iVöpjs,  der  Floh;  jö  Lüss,  die  Laus;  jö  Uchlüss,  die 
Wanze;  jö  Tälig,  die  Zecke,  die  Schaflaus;  jö  Bi,  die  Biene; 
jö  Brdims,  die  Bremse;  jö  Mdgg ,  die  Mücke;  jö  M;«,  die 
Milbe;  de  Gölsmass,  die  Libelle;  jö  Hdjnstepödd,  der  Mistkäfer;  jö 
Gödshänn,  das  Gottcslämmchen,  u.  s.  w. 


165 

195.  Namen  ciniyer  Feldfrüclitc.  De  Wijtte ,  der  Weizen;  de 
Rögge,  der  Roggen;  de  Bahr,  die  Gerste;  jö  Häwer,  der  Hafer; 
de  Thaser,  der  Buchweizen;  Sdmmerkaurn  und  Wonterkaurn ,  Som- 
mer- und  Winterkorn;  dä^rle,  die  Erbsen;  da  Buhne,  die  Bohnen; 
da  Wicke,  die  Wicken;  diBaane,  l.der  Rainfarren,  2.  der  Beifuss , 
jene  heissen  göhl  (gelbe)  Baane  (Tanacelum  vulgare),  diese  grä 
jßaane  (Ärtemisia  vulgaris);  dät  Mälkrüdd,  der  männliche  Tüpfel- 
farrne  (Polypodium  felix  mas);  da  Gösekrülle,  Kamillen,  ^pe/krüllc, 
die  wohlriechenden  Kamillen;  dat  Lawdndel,  der  Lavendel;  jö 
Nilken,  die  Nelke,  u.  s.  w. 


VIERTES  CAPITEL. 

DAS  BESTIMMUNGSWORT  (Aujectivum) 


§.  105,  Die  Bestimmungswörter  sind  theils  Wurzelwörter , 
iheils  abgeleitete  und  theils  zusammengesetzte.  Die  Stammwörter 
sind  durchgängig  sehr  einfach ,  als : 


krönk,  krank. 
sünn,  gesund. 
fälsh,  falsch. 
trinn,  rund. 
surt,  schwarz- 
witt,  weiss. 
brünn,  braun. 
gräin,  grün. 
rüjdd,  roth. 
göhl,  gelb. 
wenn,  blau. 
grd,  grau. 
brauket,  bunt. 
spaawelt,  s.  o. 
swäjtt,  na  SS. 
sörr,  sauer. 


Salt,  salz. 
bdtter,  bitter. 
tenn,  dünn. 
tjöck,  dick. 
blinn,  blind. 
duf,  taub. 
löm,  lahm. 
häli,  hinkend. 
stärk,  stark. 
grott,  gross. 
Idjtt,  klein. 
wärm,  warm. 
hijtt,  heiss. 
käujl,  kalt. 
läi,  lau. 
bärsh,  barsch. 


hdrd,  hart. 
uhk,  weich. 
ßer,  fern. 
widd,  weit. 
long,  lang, 
/lawr/,  kurz. 
wieÄ,  übel. 
bliek,  bleich. 
munter,  munter. 
sauber  ^  sauber. 
junk,  dunkel. 
hall,  hell. 
klär,  klar. 
Ijägt,  licht. 
hädder,  heiter. 
wieker,  wacker. 

21  ^ 


164 


näi\  eng. 
spdss,  spitz. 
idgt,  leicht. 
swär,  schwer. 
amen,  offen. 
tagt,  dicht. 
stiff,  steif. 
länig ,  geschmeidig. 

smiesig, . 

gäujd,  gut. 
hijnn,  schlecht. 
gr5f,  grob. 
fien,  fein. 
düjdd,  todt. 
läbben,  lebend. 
fätt,  fett. 
mager,  mager. 
äirig,  arg. 
äiwen,  eben. 
äiwen,  leise. 
s//d^/,  schlicht, 
wi//,  wild. 
iömm,  zahm. 
sÄM,  scheu. 
shdrp,  scharf, 
feo//,  stumpf. 
&M^/,  stumpf. 
segt,  seicht. 
fläck,  flach. 
läig ,  niedrig. 
huch,  hoch, 
t/iep,  lief. 
shör,  schroff. 
sle'U,  steil. 
blank,  blank. 
rien,  rein. 
fy/äi,  froh. 


shrädd,  schräge. 
ndll,  stössig. 
seeß,  sanft. 
mill,  mild, 
erm,  arm. 
rick,  reich. 
WöcA,  blöde. 
roch,  rauch. 
drögh,  trocken. 
iväjtt,  nass. 
fast,  fest. 
/u$s,  los. 
fri,  frei. 
Ttdi,  neu. 
wj//,  alt. 
jung,  jung, 
rög'^,  recht. 
stall,  stille. 
s%/,  sacht, 
/aa^,  faul. 
lick,  gerade. 
krümm,  krumm. 
shief,  schief. 
trat,  müde. 
füll,  voll. 
lähsig,  leer. 
wäir,  wahr. 
rippf  reif, 
wa/ef,  welk. 
jä/^,  satt. 
bär,  bar. 
ftaor,  bar. 
ewig,  ewig. 
swäck,  schwach. 
strömm,  stramm. 
slruf,  straff. 
säker ,  sicher. 


nägel,  nackt. 
twdrr,  quer. 
mürrig,  mürbe. 
wdss,  gewiss. 
trong,  bange. 
frdck,  frech. 
dien,  eigen, 
nä^^,  nett. 
tapper,  tapfer. 
hastig,  hastig. 
Idck,  leck. 
Idcker ,  lecker. 
hüss,  heiser. 
däsig,  albern. 
edder,  frühe. 
lähs,  spät. 
aagtern,  nüchtern. 
ähsrig ,  nüchtern. 
grottem,  laut. 
sierem,  sehr  heftig. 
stolt,  stolz. 
string,  streng. 
ndg,  gar,  genug, 
ras/i,  rasch. 
trau,  treu. 
jöÄr,  theuer. 
ftnj'rf,  breit. 
smel,  schmal. 
rd,  roh. 
ndw,  genau. 
gdw,  geschwind. 
slSpp,  schlaff. 
däik,  alltäglich. 
meek,  sehr  zahm. 
hohl,  hohl. 
sier,  weh,  wund. 
njöl,  plump. 


It  -i^ 


:!«V 


165 

käim,  spröde.  fäg ,  feige.  kicr,  kürisch. 

ylijnn,  glüh.  fair,  stark.  Hess,  leid. 

kriess,  keck.  klomm,  klamm.  plump,  plump. 

Ferner  : 
bücket,  bauchig,  dick  von  Leibe;  wälig ,  stark;  skld,  weit  herab 
hangend,  von  Kleidern;  stumpet,  kurz,  zu  kurz,  von  Kleidern 
örkel ,  stürmisch ,  unruhig ,  vom  Wetter ;  gremet ,  schmutzig  schwarz 
gestreift  im  Angesichte,  auch  von  Kühen;  fohl,  boshaft;  füll 
schmutzig;  hällig ,  feier,  heilig,  hillg,  heilig;  fug  {fuch),  bange 
nögen,  genügsam;  sälig,  nur  halbklug,  albern;  fldw,  flau;  träwel 
nd.'hild,  viel  zu  thun  habend,  dän.  travel;  liimsh,  tückisch;  klieti 
dünn  und  schwach ;  mal ,  toll ;  wriess ,  böse ,  zornig ;  ägt ,  echt 
snüss,  nett,  sauber;  snaud,  schnöde;  rank,  schlank,  schlank;  säig 
zähe ;  shäier ,  spröde ;  härsh ,  ranzig ,  dän.  härsk ;  glöbsh ,  nd.  glubsch 
dän.  glubsk;  shirr,  schier;  sdlten,  selten;  s/dmm,  1.  schlimm,  2 
gescheidt;  stäsig,  stätig,  slettisch,  von  Pferden,  die  nicht  vom 
Fleck  wollen;  stähsig,  stetig,  anhaltend;  knäp,  knapp,  geizig 
glatt,  glatt;  hämper,  hart  in  der  Rede;  neesh,  zart  von  Haut 
spie,  neulich  geboren,  en  spie  Bjärn;  fähs,  unartig;  äujmiet,  un 
gehorsam;  bäish,  dän.  beesk,  unangenehm  bitter,  wie  z.  B.  Wer 
muth;  ßink,  flink;  swä//,  schnell ,  schlau;  fraam,  fromm;  tronglick 
ängstlich  im  Geben,  geizig;  önglick,  ängstlich  im  Blick;  könnig 
kundig;  snäwsh,  rotzig,  von  Pferden;  shäll,  schmutzig,  von  Scha 
fen  und  Rindern,  die  den  Durchfall  haben;  dinkeit,  i.  einfach,  2, 
einzeln,  nd.  und  dän.  enkelt;  döiveli,  doppelt;  iröwelt,  dreifach 
gemien,  gemein;  sndhsig,  schlau;  bleehs,  mild,  freundlich;  wdnlick 
freundlich;  swäjit,  süss;  shrubbet,  rubblig,  rauh;  lief,  lieb;  glaumig 
glumm,  trübe,  vom  Wasser;  Aöc^der,  heiter;  s/öwigf ,  schleunig ; /)är 
dkj,  fertig;  freuHck ,  fröhlich;  drunken,  trunken;  grötsh,  hoffär 
tig;  grotthdrtig,  stolz,  aufgeblasen;  hijl,  ganz;  meklick,  bequem 
wiekne,  wach;  fägel,  fehl;  klauk,  klug;  fjdrsh,  l.süss,  vom  Was 
ser,  2.  ungesalzen,  vom  Fleische;  plät,  platt;  trinn,  rund;  krühs 
set,  kraus;  swänger,  schwanger;  swdnlick,  schwindlicht;  klöftig 
spasshaft,  drollig;  spötsh,  spöttisch;  möhglick,  möglich;  kndpsh 
/cwips/i ,  schnippisch ;  radlick,  icdiich;  faarndmen,  yornehm;  swdhsen 
gesengt,  sengerig;  söngeriy,  von  angebrannten  Speisen;  tünnen 
geschwollen;    forkierd ,   verkehrt;    sdnnig ,    4.  sinnig,    2.  sonnig 


166 

sahnig,  sehnig;  gräulich,  gräulich;  kläivig ,  kleherig;  röset ,  ver- 
fault; lieflick,  lieblich;  drdflick,  weidhch,  trefflich;  ricklick,  reich- 
lich; fälHg ,  ordentlich,  recht  wie  es  sein  muss;  iäwentig ,  leben- 
dig ;  mjögsig ,  schmutzig ;  rostig  ,  ruslig ;  näilick  und  näishirrig , 
neugierig  ;  üjllklauk ,  altklug ;  shrmv/ick  ,  kränklich  und  verküm- 
mert; geest,  nd.  güst,  d.  i.  sieg,  keine  Milch  gebend;  mäjlk,  melk, 
d.  i.  Milch  gebend;  ivägsen,  evv/achsen;  wüksen,  ivügsen,  gewachsen; 
shräjnkel,  sehr  dünn  von  Beinen ;  shrädd,  schräge;  näi,  nahe;  wiss, 
weise,  ünwiss,  un weise,  aber  de  wihsse  Mann,  der  weise  Mann; 
lihssig ,  reinlich,  in  Beziehung  auf  sich  selbst,  auf  Kleider  und 
Ungeziefer;  ünlihssig,  das  Gegentheil  davon;  aagsen,  aus  de  Ögse, 
ochsig,  von  Kühen  in  der  Brunst;  wru,  von  Säuen;  wräwel,  von 
Schafen;  wällig,  willig,  von  Stuten;  länjdsh,  von  Katzen  und  Pel- 
zen; trüjf,  recht  gesund,  wohl  auf;  täss,  ziemlich  gesund;  kill, 
kitzlich,  ein  Primitivum ,  aus  dem  das  Verbum  killen,  kitzeln, 
gebildet  ist;  bisier,  aufgebracht,  zornig;  päll,  platt  auf  einer  Stelle 
festliegend;  kief,  dän.  kjed,  überdrüssig;  stüjnsh,  spröde,  kokett, 
zurückstossend;  tarnen,  wer  etwas  nicht  übers  Herz  bringen  kann, 
he  äs  'r  so  tarnen  am ,  er  kann  sich  nicht  bezähmen  es  zu  thun ; 
lämplick,  von  lämpen,  glimpflich  zu  Werke  gehen,  heisst  wörtlich: 
glimpflich ,  sonst  schwach,  besonders  vom  Befinden  eines  Menschen ; 
stu/f,  dicht  vor  der  Linie,  ohne  dieselbe  zu  berühren. 

Anmerkungen. 

Unter  den  Adjektiven  mit  bestimmten  Endungen,  deren  Ab- 
stammung sich  schwerlich  nachweisen  lässt,  finden  wir,  wie  im 
Hoch-  und  Niederdeutschen,  im  Dänischen  und  zum  Theil  im 
Angelsächsischen,  nur  die  Nachsilben  el,  eh,  en,  er,  em  und  ig, 
wie  in  träivel  (vielleicht  von  träwen  ,  traben) ,  wo  alles  geschwind 
oder  im  Trabe  gehen  muss,  was  den  richtigen  Grundbegriff  giebt ; 
nägel,  spaawelt,  döivelt,  sälten,  aagtern,  hädder,  edder  (früh),  säm- 
per,  hämper,  shäier,  walig,  länig,  sälig,  stjüllig,  geputzt,  geschmückt, 
wiellig ,  ausgeschmückt,  geziert  mit  Kleidern,  u.  s.  w. 

Bei  andern  lässt  sich  die  Wurzel  nachweisen,  wie  in:  sierem, 
von  sier,  weh,  wehe;  bätter,  von  bitten,  beissen,  wie  bitter  vom 
nd.  hielten,  bitt,  was  auf  der  Zunge  beisst;  gröttcm,  von  grott; 


1G7 

wieker,  von  tvieken,  wiekne,  wach;  smiesig ,  von  smUteu,  was  sicli 
leicht  wirft. 

Das  Wort  wieh,  übel  zum  Erbrechen,  auch  weh,  in  Wiehdege, 
Wehtage,  wird  gedehnt  ausgesprochen,  nicht  wie  das  deutsche 
wie,  daher  hier  das  h  als  Dehnungszeichen,  das  aber  wieder 
in  der  Mehrheit  wegfällt,  als:  dd  wie-e  Dringe  häwe  ältefaale 
Winn  drunken,  an  nö  shdn  's  jdm  brege,  utitig  spdie,  die  Knaben, 
denen  so  übel  ist,  haben  zu  viel  Wein  getrunken  und  nun  sollen 
sie  sich  erbrechen  oder  speien.  Ick  bdn  'r  so  wieh  efier,  mir 
Avässert  das  Maul  so  daiHiach. 


Die  Ableitungssilben  des  Bestimmungswortes. 

§.  404.  Diese  sind;  ägtig ,  baar,  en,  ern,  et,  ig,  lick,  ish,  sh, 
saani. 

4.  ^gtig,  bezeichnet  eine  Aehnlichkeit,  eine  Annäherung  zu 
etwas,  und  entspricht  den  deutschen  Nachsilben  haß,  lieh  und 
ischf  als:  fägelägüg,  fehlerhaft,  äiveägtig,  äffisch,  dringeägtig,  jön- 
genseägtig,  knabenhaft,  surtägtig ,  schwärzVich ,  rüjddägtig,  rölhlich, 
höltägtig,  holzicht;  auch  entspricht  es  dem  deutschen  artig,  wie 
slaurkügtig,  storchartig,  fäshägtig ,  fischartig,  jörtägtig,  hirschar- 
tig, u.  s.  w\ 

2.  baar,  entspricht  der  Silbe  bar,  als:  frugtbaar,  tönkbaar,  ihr' 
baar,  u.  s.  w. 

3.  en  oder  ern,  wie  im  Deutschen,  nur  bei  Ableitungen  von 
Stoffnamen,  den  Stoff  eines  Dinges  bezeichnend,  wie  lärmen ,  lei- 
nen, häjdden,  heden,  aus  Hede,  selwcrn,  silbern. 

4.  et,  entspricht  bald  dem  dänischen  et,  und  bald  dem  deut- 
schen ig,  wie  in  bücket,  dickbäuchig,  bärbienet,  barbeinig,  dän. 
bärbenet,  kaurthälsei,  kurzhalsig,   krümmregget ,  krumrarückig. 

5.  ig,  deutsch  und  dän.  ig,  wie  bläiijddig ,  mävjddig ,  gitsig, 
mjogsig,  u.  s.  w. 

6.  lick,  deutsch  lieh,  dän.  Hg,  wie  ricklick,  wdnlick ,  örntlick, 
ordentlich,  auch  ordentlick,  mdnshlick,  u.  s.  w. 

7.  ish,  sh,  deutsch  isc/i ,  di\s :  stüjnsh ,  stolz  zurückstossend ,  russ- 
ish,  sachsish,  spänsh,  spanisch,  steif,  gezwungen,  wdlsh,  welsch, 


168 

quersinnig,  holläujnsh,  holländisch,  stätsh,  stettisch,  von  Pferden. 
8.    saam,  deutsch  sam,  dän.  som ,  wie  frügisaam ,  furchtsam ,  u.s.w. 

Bildung  des  Bestimmungswortes. 
a.     Aus  Bestimmungswörtern  selbst. 

§.  105.  Hier  finden  wir  nur  die  Nachsilben  lick  und  ägtig,  als: 
kränk,  krönklick,  fälsh ,  fälshlick ,  trinn,  trinnlick,  suriliek,  sur (ägtig, 
wittlick,  wittägtig  ,rüjddlick,  rüjddägtig,  hrünn,  brünnlick,  brünnägiig^ 
gräin,  gräinlick  ,  gräinägiig ,  grdlick  ,  grdägtig  ,  swäjtt ,  siväjttlick, 
siväjttägtig ,  sörr,  sörrlick,  hdtter ,  bdtteräck,  härd,  härdlick,  näi^ 
näilick,  üjll,  üjUägiig ,  von  Menschen:  älleräglig ,  long,  lönglick, 
long  ägtig ,  kaurt,  kaurtlick,  när ,  närlick,  när  ägtig,  swär,  sivärlick, 
düjdd,  düjddlick,  i.  tödlich,  2.  sterblich,  lick,  gleich,  licklick, 
ähnlich  ,  tväir  ,  wjärlick  ,  wahrlich  ,  wädderück ,  widerlich  ,  von 
towädderne  Avisen,  zuwider  sein;  rienlick,  ermlick,  ricklick,rögtlick, 
swäcklick,  säkcrlick,  traulick,  tronglick ,  onglick,  u.  s,  w,;  ferner: 
brijddägtig ,  smelägtig ,  orkelägtig ,  däikägtig ,  von  däik,  1.  alltags, 
2.  schlicht  und  recht,  geradezu,  fägelägtig. 

b.    Aus  Hauptwörtern. 
1.  Mittelst  en  oder  ern. 

§.  106.  Dät  Gäujll,  gälfjUen,  golden;  dät  Dauck,  daucken,  tu- 
chen;  dät  Järd,  järden,  irden,  u.  s.  w.  Folgenden  Substantiven 
wird  bloss  e7i  angehängt,  als:  dät  Liemm,  der  Lehm,  jö  Birk, 
die  Birke,  jö  Ihk,  die  Eiche,  jö  Bäik,  die  Buche,  jö  Fair,  die 
Föhre,  jö  Ldnn,  die  Linde,  de  Zdnn,  der  Lein,  dät  Flägs,  der 
Flachs,  da  Häjdde  ,  die  Hede,  de  Drall,  der  Drillich,  de  Fief- 
kamm,  der  Fünfkaram  (ein  Zeug),  dät  Uli,  die  Wolle,  dät  Biirk, 
die  Borke,  Baumrinde,  dät  Hjärt,  das  Harz,  dit  Wägs,  das  Wachs, 
dat  Silissen,  die  Seide,  de  Hänep,  der  Hanf,  dät  Pack,  das 
Pech,  de  Stijn,  der  Stein,  dät  Tdnn,  das  Zinn,  de  Kalk,  — , 
dät  Holt,  das  Holz,  dal  Black,  das  Blech,  de  Knaake,  der 
Knochen,  dät  Haurn,  das  Hörn,  jö  Hill,  der  Holunder,  dät  Kat- 
tun, — ,  dät  Papier,  — ,  jö  Esh,  die  Esche,  dät  Kripp,  der 
Krepp,  de  Kläi,  der  Klei,  dät  Hielis ,  die  Heide,  u.  s.  w.  Fol- 
gende bekommen  nur;^  als:  däi Häier,  häiern,  hären,  dMSehoer, 


169 

das  Silber;  d&tKaawcr,  das  Kupfer;  iö  [per ,  die  Ulme ;  ]ö  A' llar ,  die 
Eller,  Erle;  dat  Lä/iser,  das  Leder;  dät  Jücker,  das  Reis.  Nach- 
stehende bekommen  ern:  dät  Sträi,  das  Slroh;  duBlie,  das  Blei; 
de  Snie,  der  Schnee. 

2.     Mil  der  Ableitungssilbe  ig. 

§.  107.  Wir  wollen  hier  zuerst  die  wenigen  unregelmässigen 
Bildungen  hersetzen,  da  man  dann  den  übrigen  Wörtern  nur  die 
Silbe  ig  anzuhängen  braucht,  um  das  Adjectivum  zu  bilden.  Un- 
regelmässig sind  deR'mn,  der  Regen,  renig;  dät  Stöf,  der  Staub j 
stowig;  däl Bleess,  das  Blatt,  hiehsig ;  jö  Gaus,  die  Gans,  gasig;  dat 
Smälir,  dasSchmeer,  smirrig.  'Folgende  sind  regelmässig,  als:  dät 
Blävjcld;  bläiijddig ,  blutig;  dät  Uli,  de  Käut,  dät  Säitjn,  dät  Järd,  dat 
Licmm,  dät  Klai,  deKläi,  de  Turst,  de  Hunger,  de  Dunst,  deDämp, 
de  Riek,  de  Qualm,  deWdinkcl,  dät  Sndivs,  de  Mjögs,  dÄtWahser, 
de  Wale,  dät  Edder,  der  Eiter,  de  Edder,  die  Ader;  de  ^adcl, 
der  Adel;  dät  Ahl,  Misijauche,  altdeutsch  auch  A'ddel;  de  Walle, 
de  Gits,  jö  ßlüss,  miilissig,  die  Maus,  de  Müss,  der  Mund,  eben- 
so: mülissig ,  wie  in  grottmühssig ,  grossmäulig;  de  Gnä/ise,  de  Geist, 
dät  Gjärs,  dät  Sträi,  dät  Födder,  de  Saft,  dät  ßlähl,  dät  Kaa- 
wer,  dät  Hält,  de  String  (hier  die  Faser,  sonst  Strang,  Saite);  jö 
Sahn,  die  Sehne;  de  Rolle,  dat  Flash,  SHnim,  jöHüdd,  i'öHänn, 
dät  Mudder,  dät  Shibb ,  dät  *V/;t7i,  de  Fähser,  dät  Dann,  Daunen, 
Flaumfedern;  dät  Shruhh,  jö  Burst ,  dat  ^r,  die  Narbe;  de  i?M5^, 
deBrödd,  dät  Grass,  grühssig ,  griesig;  dVii  Selwer ,  dälEsh,  Asche; 
da  ^gene  oder  "^gne,  coli.  Spreu;  da  Shätve,  coli.  Shäben,  jö 
Sting,  die  Granne;  jöIFwpp,  die  Aehre;  de  W/w??,  Wind;  i'öLuft, 
de  Dw/if,  de  Ddwwe,  de  J/^is/,  Nebel;  jö  Lisf,  jö  Böhser ,  dät 
Puhser,  de  Sann,  die  Sonne;  dät  Sümi,  der  Sinn;  de  Sjäme, 
Schatten;  de  Plünnc,  de  Lffjje,  dät  Forgdfi,  de  Träne,  de  Tjäre, 
dat  ÄicÄ,  dät  Hjärt,  dat  /ss,  ihssig ,  de  Locke,  de  Knote,  de 
Slägge,  dät  Kitt,  dät  Sie p ,  jö  Prägt,  de^lrom,  ]ö  Häujnn ,  Jiäujnnig 
(auch  hantig,  hijnnig),  händig;  de  Fdinger ;  ]öRäujtt,  Wurzel;  dät 
Seem,  der  Seim;  dät  Mos;  de  ßlaure ,  das  Moor;  jö  Piinn,  die 
Rinde;  dät  Bjdrd,  der  Bart;  jö  Kldwer,  die  Kralle;  jö  Kldw,  die 
Klaue;  de  Ohme,  der  Odem;  dat  //«?/;  de  ^«s/,-  de  Bunk ;  jÖ 
r«//;  datPrtJDer,  der  Pfeifer;  dat  Sucker;  de  Rnhmme,  der  Rahm; 

22 


170 

dät  Sliiimm;  dät  Smjll;  de  Galle;  dät  Uhr,  das  Ohr;  jö  Pal;  jö 
ShüU;  jö  S/iäjl;  de  Frohse;  de  Pocke,  da  Pocke;  jö  Pdr^  (Perle); 
dät  Jädder,  das  Euler;  de  Bäirig ;  dat  ///r;  de  Spläfis;  de  Shdm- 
mel;  üc  Klump;  }öTkld;  dät  Twich ;  jö  J7äg'^,  mdgtig ;  deiiSwämp; 
dät  Pünn;  da  Räide,  das  Rohr,  Schilfrohr;  de  Puckel;  jö  (/rf,  die 
Warze;  dät  VFür^,  die  Würze  beim  Brauen;  jö  -S//d/;  jö  F%f, 
Pürftig;  jö  ^?/^f;  jö  r«^'/;  de  Stand,  ständig;  jö  Kraft;  de  Borre, 
die  Klette;  de  i)/e//,  diVzV/,  teigig;  jö  A'öä^,  die  Grube;  jö  Diek, 
dickig,  grübig;  de  Senne,  die  Sünde;  jö  Daahs,  die  That;  de 
Bäjdd,  der  Rath;  de  Kläls;  jö  Gunst;  de  Forständ,  for ständig ;  jö 
Gewäld,  gewdldig ;  dät  Mäiijdd;  de  .S'/i/w;  jö  Bläifts;  dät  Black; 
jö  ^rtrf,  aardig;  jö  Bränjn,  hrmjnnig ,  brandig;  jö  Bjärst,  die 
Borste;  jö  F/ö;/,  der  Regenschauer;  dät  GecÄ;  dat  Kalk,  der  Kalk; 
de  Klädd,  der  Klacks;  de  Kiwst;  dät  /iTräf,  das  Gethier,  ein 
Schimpfwort;  dät  Mäiijll ,  das  Mill;  dät  Hiehs;  jö  iVä//s,  die  Niss 
(Läuseei) ;  jö  /?aw;  dät  VFäi;  da  j4«7?e;  dät  iS"»«-;;;  jö  Sling ,  kleine 
Schlucht  im  Wagengeleise;  de  SnäJis,  der  Schnitt,  Pfiff;  de  Sjjöt, 
der  Fleck,  die  Sommersprosse;  jö  Spirr,  der  ausbrechende  Keim; 
dät  Speck;  de  Spann,  der  Spann;  de  Splinn,  der  Splitter;  jö 
Dräfi,  drdflig,  betriebsam;  dät  Tivel;  da  Finne,  die  Flossen;  de 
Grause,  die  Gruse;  de  Klüse,  der  Büschel,  die  Traube;  dat  Mölke; 
de  Pose;  de  Slauppel ;  da  Sliirrc,  slnrrig ,  in  aus-  und  aufwärts 
gehende  Falten  hervorstehend;  dät  Graum ,  Eingeweide. 

Mehrcrc  der  vorigen  Adjcctive  auf  ig  kommen  nur  mit  andern 
verbunden  vor,  wie  kaurtösmig ,  kurzathmig;  tuhghmtjnnig,  zwei- 
händig; li'fihijnnig ,  statt  hiwjnnig ,  links,  linkshändig;  tjücksemig, 
dickseimig;  tienilirig,  zehnjährig;  sliffbjärstig ,  steifborslig;  jiöck- 
ärig ,  pockennarbig;  wönräjddig ,  wahnräthig;  grötlhartig ,  grossher- 
zig, d.  i.  stolz, 

Z.   Durch  die  Endung  ägtig ,  dän,  äglig.  Sie  entspricht  abwech- 
selnd den  deutschen  Nachsill.en  artig,  hafl ,  icht ,  isch  , 
förmig  und  lieh.  Vergl.  §.  1015. 

§.  408.  Sie  kommt  meistens  bei  Bestimmungs-  und  Hauptwörtern 
vor,  drückt  immer  eine  Vergleichung,  Aehnlichkeit  oder  Annä- 
herung zu  dem  im  Stammworte  Bezeichneten  aus,  als:  wennäg- 
tig ,  bläulich;   tjöckägtig,  dicklich;   bliekägtig ,  blässlich;  gröfägtig , 


171 

gröblich;  fienäglig ,  fein,  i'cinlicli;  lUiihäijliij ,  alllagsmässig;  mäl- 
ägtig ,  einem  Tollen  ähnlich;  strimjäfjtig,  etwas  scharf  von  Ge- 
schmack; wäjttägtig ,  nässlich,  u.  s.  vv.  —  Mönägiig,  mannhaft; 
wö/fcäglig ,  weibisch;  bjärnägtig ,  kindisch;  t/iicwäglig  und  Ifiiewe- 
äglig ,  diebisch;  fordijläglig ,  vortheilhaft ;  mählägtig  ,  mehliclit; 
A-aawerä(/%,  kupfericht;  lähseräglig  ,  ledericht;  ulläglig ,  wollichl; 
pereägtig,  birnförraig;  plömeägtig ,  pflaumenförmig;  ruküglig ,  scho- 
berförmig;  höckeagtig,  garbcnförmig ;  ijd  [i/td) ,  ijdäglig ,  torfarlig; 
krittägtig ;  stäjlägtig ,  eisenarl'ig;  födderaglig ,  heuarlig,  hcuichl;  7-isc- 
ägtig,  riesenartig,  riesenförmig;  gjärsägtig  ,  grasartig;  Uemmagtig^ 
lehraicht,  ihonartig;  kläiägtig ,  kleiicht;  6«//mwjäj/%,  baumartig;  ai- 
ägtig,  eiförmig;  stäiijnneräglig ,  leuchterförmig;  bösselagiig,  bossel- 
oder  kugelförmig;  kugelägtig;  ^re/ao^t^,  scheibenförmig  rund; /y/ä^- 
tig,  radförmig;  stäiräglig ,  sternförmig;  häierägtig ,  haricht;  swjärdäg- 
tig ,  schwevtiörmig;  snd ggägtig,  sclmeckenKrmig;  ivürmagtig,  wurm- 
förmig;  sUjnagttg,  steinicht ;  mölkcüglig ,  milchartig;  gäujlägtig, 
goldicht;  sekverägtig,  silberartig;  winnäglig,  weinartig,  u.  s.  w. 

Da  man  diese  Ableitungsilbc  mit  allen  Hauptwörtern,  die 
wirkliche  Dinge  bezeichnen ,  und  zum  Thcil  auch  mit  andern 
verbinden  kann,  wenn  eine  Vergleichung  Statt  findet,  so  ist  es 
einleuchtend,  dass  sie  sehr  fruchtbar  zur  Bildung  neuer  Adjec- 
tive  sein  muss.  Sie  wird  zwar  auch  mit  einigen  Zeitwörtern, 
aber  nur  mit  einzelnen,  die  etwas  Fehlerhaftes  oder  Verächt- 
liches anzeigen,  verbunden.  So  wird  aus  släsern  (schwatzen, 
plaudern,  klatschen),  släserägtig ;  aus  tjäscn ,  tjäsagtig,  rappelig; 
aus  njäsen,  njäsägtig  und  njäsig,  zauderhaft;  aus  slörren,  slörrig 
und  slörrägtig;  aus  späten,  spotten,  spötägtig,  spötig  und  spötsh. 

4.    Durch  die  Silbe  et,  dän.  et,  deutsch  ig. 

§.  109.  Sie  kommt  meistens  nur  in  Zusammensetzungen  vor, 
so  wie  einzeln  in  einfachen  Bestimmungswörtern,  die  von  Haupt- 
wörtern abstammen,  als:  haurnet,  gehörnt;  placket,  fleckig;  nöu- 
pel,  flockig;  kröppet,  beleibt;  rültet,  gewürfelt;  töppet,  mit  einem 
Federbüschel  auf  dem  Kopfe,  wie  en  töppet  Laash,  die  Hauben- 
lerche ,  en  töppet  Hänn ,  eine  Henne  mit  einer  Hülle ,  Holle ; 
bücket,  bauchig,  dickbäuchig;  strippelt,  gestreift,  streifig;  rauhsct, 
geblümt,  vo&\g\  jälmet ,  gchelmt,  von  Kühen,  mit  einer  weissen, 

22* 


172 

helmförmigen  Zeichnung  am  Vorderkopfe;  blehsei,  von  de  Bldss, 
mit  einer  Blässe  an  der  Stirn,  von  Pferden;  piggei,  gestachelt, 
stachlig,  u.  s.  w.  —  Composita :  siddlkmet,  lang  in  der  Taille;  sällreg- 
<jel,  hohl-  oder  sattelrückig;  haurlhöAset ,  wenmtget,  kurzhalsig  und 
blauäugig;  hdrdneket,  hartnäckig;  mälhaadet,  tollköpfig,  jähzornig  ; 
spüssnaaset ,  spitznasig;  sägelblenet ,  sichelbeinig;  plätfäujdet  oder 
plä/fäjitct ,  im  pl. ,  plattfüssig;  bärfäujttei ,  barfuss  ;  rüjddsiechet , 
rothbackig ;  hrijdsliul/eri ,  breitschultrig;  lönghienet ,  langbeinig; 
spdsstölet,  spitzschnauzig;  ijikkknöUet ,  dickknöchlich ;  sluirphiaa- 
kct,  scharf  knochig;  löngkdnnet,  langkinnig;  tjöcklappel,  dicklefzig; 
brijdßähbet,  breitmäulig;  gröttölel,  grossmäulig;  /jocM/sse^,  dick- 
gliedrig  ;  lönguhret ,  langohrig;  stumpstjdrtet ,  stumpfschwänzig; 
buHwingei ,  slLirapfflügelig,  wie  der  Kiebitz  im  Fluge;  fjaueregget, 
vierseitig;  ßerkantet ,  vierkantig;  scgsiunet,  sechszehig;  ijöckhüddet ^ 
dickhäutig;  witfsndppetf  weissschnippig;  tjöckkäiset,  dicke  Malmzähne 
habend;  shdrptünnet ,  scharfzinkig;  smelbleset,  schmalblätterig;  shdrp- 
iäisel,  scharfzahnig;  gröfkjdrlet,  grobkernig;  löngstinget,  langgrannig; 
spdssöddet ,  mit  einer  spitzen  Spitze  versehen ;  biiUöddct  oder 
stumpöddet ,  das  Gegen  theil  davon;  kaurtsliewet ,  kurzärmelig; 
rüjddnöppel ,  rothflockig  ;  stiffbjdrstet  ,  steifborstig  ;  blänkshdlet , 
blankschuppig;  tennrdbbet ,  dünnrippig;  trinnliwwet ,  rundleibig  ; 
ijöckthiegct ,  dickschenkelig;  kUcnbienet,  shrdinkelbienet ,  dünnbei- 
nig; Imchivrdstet ,  hoch  von  Risten,  dän.  und  nd.  Wrist,  fries.  de 
Wräst;  lönghägelct ,\angf er sig;  Ikkstdmmet ,  geradstämmig;  krümm- 
rcgget,  krummrückig;  gröfburket,  grobrindig  von  Bäumen,  grob- 
borkig; kaldstrükket ,  kahlstrunkig;  spdsslönket,  spitzhüftig;  grött- 
kläset,  grossbüschelig;  tjöcklölet,  dickbüschelig,  vom  Grase  und  dergl.; 
Ijöekspaulel ,  dickspuhlig;  surtuget,  schwarzäugig;  fienhüddet ,  fein- 
häutig; sharpreggel,  scharfrückig ;  häddernget,  Idbbenuget,  heiter- 
äugig;  iihkpäpet ,  weichbrüstig  von  stillenden  Müttern,  deren 
Milch  sich  leicht  aussaugen  lässt,  lidrdpäpct,  das  Gegentheil  davon; 
fäslfläshet,  festfleischig;  tennspeckct,  dünnspeckig,  u.  s,  w. 

Anmerkungen. 

Vergleichen  wir  die  beiden  Ableitungssilben  ig  und  el  mit 
einander,  so  ergiebt  sich  der  Unterschied  zwischen  beiden  am 
leichtesten   aus  einigen   Beispielen,   wie:   de  Rock  as  /  ah  serig ,  en 


175 

ß/iserigen  liöck,  ein  Rock,  an  welchem  Federn  hangen,  an  witt- 
ßfiscret  Gaus,  eine  weissgefiedcrte  Gans;  smig  Flash,  sehniges 
Fleisch,  tjöcksänet  LdÄse, dicksehnige  Gliedniassen;  shäwig  Häjdde, 
schähige  Hede,  gröfshäwet,  groh  von  Schaben;  stingig,  was  Gran- 
nen enthält,  löngstinget,  lang  von  Grannen.  Alle  zusammenge- 
setzte Adjcctive  auf  et,  die  durch  ein  einfaches  Merkmalswort  im 
Worte  selbst  näher  bestimmt  werden,  lassen  sich  hier  durch  von 
mit  dem  im  Worte  genannten  Gegenstand  auflösen,  als:  rüjddsie- 
het,  roth  von  Backen,  lönghälset,  lang  von  Halse,  u.  s.  w.  Wer- 
den aber  zwei  Hauptwörter  auf  diese  Weise  mit  einander  zu 
einem  Bestimmmungsworte  verbunden,  so  steht  das  erste  der- 
selben vergleichend ,  z.  B.  in  sägelbienet,  sichelbeinig,  gekrümmt  wie 
eine  Sichel,  sällregget,  mit  einem  Sattelrücken,  gäujlshälct,  gold- 
schuppig, selwcrfänvet ,  silberfarbig,  u.  s.  w. 

Wird  das  im  Adjectiv  enthaltene  Hauptwort  durch  ein  Zahl- 
wort näher  bestimmt,  so  muss  man  bei  den  Zahlwörtern  von  eins 
bis  drei  auf  das  Geschlecht  des  im  Bestimmungsworte  enthalte- 
nen Hauptwortes,  so  wie  auf  das  Geschlecht  desjenigen  Gegen- 
standes, dem  man  das  Merkmal  beilegt,  Rücksicht  nehmen.  Diese 
drei  Zahlwörter  heissen  ijn,  tulig ,  trie  im  weiblichen  und  säch- 
lichen Gesehlechtc,  dagegen  im  männlichen  an,  hväier,  trd,  daher: 
m,  änstdmmet,  t wäier stammet ,  trdstammet,  ein-  zwei-  dreistämmig; 
w,  ijnwingei  ,  tuhgwinget ,  iriewinget  ,  ein-  zwei-  dreiflügelig ; 
s.  ijnblehset,  tuhgble/iset ,  trieblehset,  ein-  zwei-  dreiblättrig.  En 
trdstdmmeten  Buhmm,  en  tuligtvinget  Gaus  u.  s.  w.  (Vergl,  §.  d25}. 
Die  Wörter  Fäujtt,  Fuss,  und  Stäpc,  die  Stapfe,  sind  beide 
männlich,  und  da  Fäujtt  und  Stäpe  hier  beide  in  der  Einheit 
stehen,  so  müsste  es  de  Trdfäiijtt  und  de  Trdstäjje,  der  Dreifuss, 
heissen,  obgleich  man  auch  Trifimjtt  und  Tristäpe  sagt,  was  aber 
aus  dem  Altfriesischen  stammen  muss,  wo  trie  auch  ire  heisst. 
Man  sagt  richtig:  en  an-  iwäier-  trdtünneten  Kauhmm ,  ein  ein- 
zwei-  dreizahniger  Kamm;  en  ijn-  tuhg-  trietünnet  Faurk,  eine  ein- 
zwei-  dreizinkige  Gabel;  en  ijn-  tuhg-  irieblehset  Kliewerblehss ,  ein 
ein-  zwei-  dreiblättriges  Kleeblatt,  und  so  in  allen  ähnlichen 
Fällen. 

Die  Bestimmungswörter  auf  et  darf  man  nicht  mit  dem  zweiten 
Mittelwerte  des  regelmässigen  Zeitwortes  verwechseln,  das  zwar 


174 

auch  beslimmungswörllich  steht,  aber  dabei  immer  den  Begriff 
von  einer  vorausgegangenen  Veränderung  in  der  Zeit  voraussetzt, 
was  bei  jenen  nie  der  Fall  ist,  z.  B.  wdlet,  von  ivälen,  welken, 
dröget,  getrocknet,  shräwel ,  geschabt,  thieset,  gezupft,  böget, 
geklopft,  u.  s.  w.  Jene  Adjective  führen  nie  diesen  Zeitbegriff 
mit  sich,  z.  B.  haurnet,  gehörnt,  regget,  rückig,  voller  Rücken, 
kröppet,  beleibt,  öddct,  mit  einer  Spitze  versehen. 

c.    Aus  Haupt-  und  Zeitwörtern. 
1.  Mit  der  Silbe  baar,  bar,  diiii.  bär. 

§.  HO.  Sie  kommt  nur  als  Ableitungssilbe  bei  Haupt-  und  Zeit- 
wörtern vor,  und  hat  die  Bedeutung  von  tragen,  alldeutsch  baren, 
dän.  at  bare,  fries.  beeren,  engl,  to  bear.  —  a.  von  Hauptwörtern: 
jö  Frugt,  frugtbaar,  de  Tönk,  tönkbaar ,  dät  Wunner,  wunner  baar , 
de  Ihre,  ihrbaar,  ehrbar,  de  S/iin ,  s/iinbaar,  scheinbar,  dcßJöiin, 
mönnbaar,  de  Gong,  göngbaar,  de  Stridd,  striddbaar ,  de  Fägcl, 
ünfägelbaar,  unfehlbar,  de  Toll,  töllbaar,  zollbar,  deTijnsl,  tijnst- 
baar,  dienstbar,  jö  ^clit,  ächtbaar,  dät  Middel,  middelbaar ,  jö 
Sigt,  sigtbaar  {sjöltnlick,  tosjölins),  sichtbar,  u.  s.  w. ;  b.  aus  Zeit- 
wörtern: kielen,  hielbaar ,  heilbar,  teilen,  tellbaar,  zählbar,  kosten, 
küslbaar ,  brännen  ,  brännbaa?- ,  brennbar  ,  brücken ,  brückbaar  , 
brauchbar,  sonnern,  sonnerbaar,  sonderbar,  forilmen,  forihnbaar , 
vereinbar,  strafen,  sträfbaar,  drdjnken,  drdjnkbaar,  hieren,  hier- 
baar,  hörbar,  fäilen,  fäilbaar,  fühlbar,  u. s.w. 

2.     Mit  der  Silbe  Uck,  lieh,  dän.  lig,  engl.  ly. 

§.  111.  Sie  steht  bei  Bestimmungs-  Haupt-  und  Zeitwörtern, 
und  ist,  nächst  ig,  die  fruchtbarste  Ableitungssilbe.  Beim  Be- 
stimmungsworte vergleiche  §.  105.  Beim  Hauptworte  hat  sie  die 
Bedeutung  von  gleich ,  so  ivie ,  eben  so  wie  oder  als.  Beispiele : 
de  Frünn,  frünntlick,  freundlich,  de  Wäne,  wdnlick,  auch  freund- 
lich, deKrdst,  krdsllick,  christlich,  deMdnshe,  mdnshlick,  mensch- 
lich, de  Brauhser ,  braiihserlick,  brüderlich,  fidderlick  ,  väter- 
lich ,  mudderlick ,  mütterlich  ,  bjdrnlick  ,  kindlich  ,  ridderlick  , 
fürstlick,  jümferlick,  jüngferlich ,  jungfräulich,  presterlick,  graaiv- 
Uck,  gräflich,  kdiserlick,  dntlick,  entlich,  lönlick,  ländlich,  däg- 
Uck,    von  Däi,   täglich,   nägtlick,   nächtlich,  järlick,   1.  jährlich. 


17i; 

2.  ehrlich ,  ilirliek ,  ehilich ,  sliü/islick ,  schädlich ,  ugenbläcklick , 
augenblicklieh,  sliömlick,  schimpflich,  s/mm//icA;,  schändlich,  shrdft- 
lick,  schriftlich,  liüsslick,  häuslich,  kunsllick,  römmlick,  geräumig, 
iifirslick,  i.  frühlingsmässig  ,  2,  jedes  Frühjahr,  sdmmerlick,  som- 
merlich, harrewstlick ,  herbstlich,  ivönterlick,  winterlich,  punctlick, 
pünktlich,  bauckstävHck ,  buchstäblich,  nalürrlick,  persönlick ,  angst- 
lick,  hürgerlick ,  ämtlick,  amtlich,  nömentlick,  namentlich,  wräls- 
lick,  weltlich,  sdnnlick,  sinnlich,  mündlick,  mündlich,  stündlick, 
wäglick,  wöchentlich,  fiendlick,  feindlich,  hdrtlick,  herzlich,  nijd- 
lick,  von  jö  Nüjd,  die  Noth,  mdnierlick. 

Aus  Zeitwörtern,  als:  marken,  märklick,  merklich,  leserlick, 
leserlich,  bewäglick  ,  kuplick ,  käuflich,  sl ir deklick  ,  schrecklich, 
hähsen,  hdssliek,  hässlich,  däien,  dailiek ,  gedeihlich,  kännen, 
kännlick,  kenntlich,  klagen,  kläglick,  kläglich,  fordregen,  fordreg- 
lick,  verträglich,  was  man  vertragen  kann,  forlicken,  sich  ver- 
gleichen ,  forlicknen  ,  vergleichen ,  das  eine  mit  dem  andern  , 
davon:  ünforlickentlick  oder  ünforlickentHg ,  unvergleichbar,  fähsen, 
fähselick,  fasslich,  prihssen ,  prihslick ,  preislich,  trösten,  träst- 
lick,  tröstlich,  hefinnen,  hefmtlick,  forbinnen,  forbintück,  räjdden, 
räjdlick,  rathlich,  dräwen,  drd flick,  trelTlich,  shdcken,  slidcklick, 
schicklich,  liewen,  glauben,  davon  Heivlick,  glaublich,  liewen, 
lieben,  davon  lie flick  ,  lieblich,  oder  vom  Adjectiv  lief,  lieb; 
forlrijtten,  fortrijtlick  ,  verdriesslich ,  formiesen,  formieslick,  ver- 
meidlich  ,  bewihssen  ,  bewilislick ,  beweislich,  döhssen  ,  döhslick, 
deutbar,  zu  deuten,  dötlick,  deutlich,  bregen,  gebrdcklick,  gebrech- 
lich, fölligen,  fölliglick,  folglich,  sörrigen,  4.  sorgen,  2.  trauern, 
srnriglick,  begrippen ,  begriplick,  begreiflich,  tienen,  tienlick,  dien- 
lich, wnnnern,  wunnerlick,  wunderlich,  fräuen,  fräulick,  fröhlich, 
forswären,  forswärlick ,  verantwortlich,  sieren,  sierlick,  zierlich, 
maagen,  möglick,  möglich,  betanken,  betänklick,  bedenklich,  for- 
dmoen,  fordäwlick,  verdaulich,  behagen,  behäglick,  üttdrücken,  ütt- 
drücklick,  grihssen ,  grausen,  grihslick ,  grässlich,  gruen,  grulick, 
gräulich,  ärgern,  drgerlick,  ärgerlich,  forgöngen,  forgäinglick ,  hö- 
wen,  Jiöwentlick,  hoffentlich,  fordnnem,  fordnnerlick ,  veränderlich, 
grämen,  grämlich,  grämlich,  belielpen,  behelplick,  besiegen,  besteg- 
lick ,  i.  bestechlich,  2.  besteiglich ,  ersteigbar,  bebögen,  beböglick, 
bewohnbar. 


176 


5.     Mit  der  Silbe  ig.  (Vergl.  $.  107). 

§.  112,  Sie  steht  nur  bei  Haupt-  und  Zeitwörtern  und  etwa, 
vier  Bestimmungswörtern,  als:  kirnjU,  kalt,  daher  häilig ,  kühl; 
rögt,  recht,  davon  rigtig;  äir,  altfr.  ämg ,  arg,  Comparativus  erre, 
Superl.  irrigst;  ijn  (ilmn)  ein,  ihnig ,  einig.  —  'Mit  Zeitwörtern: 
wären,  wärig,  dauerhaft;  cliirig ,  dauerhaft  zum  Gebrauche ;  kilnnig , 
kundig;  Jiäppeu,  gierig  mit  dem  Munde  oder  Maule  nach  etwas 
schnappen,  daher  happig,  auf  Erwerb  erpicht,  an  sich  raffend; 
neren,  närig,  nähren,  nährig,  übertrieben  erwerbsam,  besonders 
im  Kleinen;  tjäsen,  tjäsig ,  rappelig,  albern  geschwätzig;  vjäsen, 
tyäsig,  säumig,  rauderig;  slörren,  slörrig ,  nachlässig,  saumselig, 
fahrlässig;  prausen,  praiisig ,  humpeln,  hümplerisch,  der  mit  der 
Arbeit  nicht  fortkommen  kann;  mingen,  1.  zaudern,  2.  mischen, 
mingig,  zauderhaft;  piescrn,  albernes  Zeug  sprechen,  picscrig ;  ga- 
sen, gänseln.wie  eine  Gans  sprechen,  (/ösi^,  gänsig,  albern;  stieren, 
slierig ,  schmeichlerisch,  kosig;  räiren,  räirig ,  rührig;  räjdden, 
räjddig,  räthig,  wer  sich  in  Verlegenheiten  immer  zu  rathen  und 
zu  helfen  weiss;  snäken,  snähig ,  gesprächig,  auch  snüksaam;  hieren, 
i.  hören,  2.  gehorchen,  hier  ig ,  gehorsam,  auiverhierig ,  das  Gegen- 
theil  davon;  iiercn,  sich  gcbchrden,  Untier  ig ,  ungebehrdig; ////sscm, 
leiden  mögen,  U/issig ,  reinlich  in  Kleidern,  u.  s.  w. ,  iinU/issig, 
unreinlich;  grihssen ,  grausen,  gr'ihssig;  läsen,  necken,  foppen, 
täsig ,  gricklich,  von  sich  beissend;  fläscn ,  ausplaudern,  fläsig , 
ausplauderisch,  klatschhaft;  fällen,  fällig,  recht  ordentlich,  ganz 
wie  es  nur  sein  muss,  dass  es  gut  fällt;  jewen,  geben,  joftig , 
ergiebig;  tjäweln,  tjdivlig,  ränkisch;  sprdweln,  strampeln,  sp^'divlig, 
stramplig,  zappelig;  stjürren,  steuern  (wehren),  stjürrig ,  wie  in 
bällsljürrig ,  dän.  balstyrig,  unbändig;  dregen,  dreglig ,  trächtig; 
händig,  bändig,  unbändig,  unbändig;  fällen,  fällig,  fällig,  von 
Schulden;  lätven,  leben,  läwentig ,  lebendig;  belieiven,  beliewig,  be- 
liebig; daagen,  taugen,  dügtig,  tüchtig;  rddden,  räddig,  wer  sich 
selbst  retten  kann,  en  rdddigen,  wärigen  Dring;  strädden,  gräten, 
grätschen,  slräddig;  slämmern,  stottern,  stämmerig,  stotterig;  spä- 
ten, spälig,  von  jungen  Hunden  und  Katzen,  die  gerne  spielen; 
sträwen  ,  i.  streben,  2.  streiten,  sträw'ig ,  \.  strebsam,  2.  streit- 
süchtig; Idivwen,  keifen,  kiwwig ,   keifisch;  löwern,  schwülen,   vor 


177 

einem  Gewitter,  löwerig ,  gewitterschwül;  Heren,  4. lernen,  2. Ichren, 
lierig,  ldgflieri(j ,  leichtlernig,  bildsam;  lörcn,  lörren,  lauern,  lör- 
rig,  laurig,  listig;  sömjern,  anbrennen,  von  Speisen,  söiujerüj,  an- 
gebrannt; huppen,  häufen,  fnipig,  häufig;  bjdwsen,  bellen,  bjdw- 
sig,  von  Menschen,  die  in  einem  bellenden  Tone  um  sieh  beissen; 
plummcrn,  plummerig,  Irübe,  vom  Wasser,  durch  starkes  umrüh- 
ren; krdwiveln,  kriechen,  krdwUg ,  kriecherig;  fdmmeln,  tappen, 
fämmelig,  läppisch;  sjdmmern,  schimmern,  sjdmmerig,  schimmerig, 
dämmerig,  hervordämmernd. 

4.     Mit  der  Endung  ish  oder  sh  (und  er,  inge). 

§.  'H5.  a.  Aus  Hauptwörtern.  Dät  Swinn,  swinsh,  schweinisch; 
hünnsh ,  hündisch;  gecksfi ,  geckisch;  kinsh,  kindisch,  von  alten 
Leuten,  die  wieder  kindisch  werden;  slidhnsh,  schelmisch;  hdm- 
melsh,  himmlisch;  jdrdish,  irdisch;  bibelsh,  biblisch;  üUläujnsh,  aus- 
ländisch; djngelsh,  englisch;  holläujns/i,  holländisch;  swedish,  nissish, 
preusish ,  isläujnsh,  sieläujnsh,  seeländisch;  f'mläujnsh,  ionnersli , 
tonderiseh;  kelsh,  kieliseh,  pommersh ,  arabish,  holstensh,  persish, 
indis/i ,  ungersh,  römis/i,  loiins/i,  grie-isli ,  säksish,  bdirish,  bömisli , 
slamvish  ,  sklavisch;  tjüsh ,  deutsch;  fränsJi,  französisch;  dänsli , 
dänisch;  frdsh,  friesisch;  polsfi ,  polnisch;  wdlsft ,  in  käserwdlsli , 
kauderwelsch. 

Die  Silbe  er  kommt  nur  bei  Ortsnamen  vor,  als:  Hamburger 
Wäre ,  Waaren ;  Altonäer  Bier ;  Longhaurner  Märked;  Kcler  ^mslieck , 
Kieler  Umschlag;  SInedammer  Genewer;  dät  Hühssemer  Märked; 
jö  Arröer  Böliser ,  die  Arröer  Butter;  dät  Glückstähser  Tugt/iüss, 
das  Glückstädter  Zuchthaus;  Hälliglävjnner  Slidlfds/i ,  Helgoländer 
Schellfisch;  Lübecker  Krdjngle,  Lübecker  Kringeln,  u.  s.  w.  Aus- 
serdem hat  man  auch  noch  die  alte  Endung  inge  bei  Ortsnamen, 
wie:  LönJialm,  de  LönhalUnge;  Fair,  de  Fäiringe;  S^ll  (Silt),  de 
Sdllringe,  der  Silter;  Ömrem,  de  Ömringe,  der  Amerumer;  de 
Näibüllinge ,  der  Niebüller;  de  Maure,  de  Mauringe,  der  Moringer; 
ßlaasbüllinge  Bleuen,  Maasbüllcr  Mühle.  Man  sagt  daher  sowohl 
Rihssinge  als  Rihssemer,  ick  bau  en  lühssinge  und  ick  bdn  en 
Rihssemer. 

b.  Aus  Zeitwörtern.  Bitten,  biltsJi ,  beissig;  knipsh ,  schnip- 
pisch;   späten,    spötsfi ,  spötliscli;   gUibs/i ,    dän.    und.   nd.   glubsk, 


178 

glubsch;  snöxtnven,  hier  schnauben,  snäws/i ,  rotzig,  von  Pferden; 
sprecjen,  spräksh,  1.  gesprächig,  2.  gul  oder  schlechi  zu  sprechen; 
jämen,  sich  recken  und  gähnen ,  jäms/i ,  das  Befinden  nach  einer 
verschwelgtcn  ]Nacht,  dän.  janisk;  w/ijnslien,  wiehern,  ivriensh , 
\.  von  geilen  llengslen,  2.  von  einem  einhodigen  Hengst;  lumsJi , 
liickisch,   liinlcrlislig,  dän.   luinsk,  nd.  lumsch. 

r».     Mit  der  Nachsilbe  saam. 

§.  114.  a.  Aus  Hauptwörtern,  wie  frär/isaam,  furchtsam;  ihr- 
saam,  ehrsam;  gewdllsaam ;  mäutsaam ,  mühsam;  b,  aus  Zeit- 
wörtern: belänksaam,  belög/saam ,  bedachtsam;  wirken,  wirkmam; 
sparen,  spärsaam;  snäken,  snäksaam,  gesprächig;  ägten,  ägtsaam; 
(jrausaam;  naujen,  näigsaam,  genügsam;  c.  aus  Adjecliven:  Idng- 
saam,  langsam;  i/insaam,  einsam;  sdlfcn,  sdlisaam,  seltsam;  ge- 
iincnsaam ,   gemeinsam. 


Zusammensetzung  des  Bcstimmungsivorles. 

§.  115.  Das  Bestimmungswort  wird  auf  mancherlei  Weise  mit 
andern  Wörterklasscn  zusamniengcsetzt,  wie  in:  Gödfrügtig ,  got- 
tesfürchlig;  wrällkünnig ,  wellkundig;  wrällbekännd ,  weltbekannt; 
lönshierlick,  landesherrlich;  mönnshucli,  mannshoch;  bicligjunk,  so 
finster,  wie  in  einem  Blasebalge;  fräudcdrnnkcn ,  freudetrunken; 
haucklierd,  buehgelchrl;  liüsswdne ,  hausgewohnt;  lüjddrögi ,  loth- 
rechl;  ifirgilsig ,  ehrgeizig;  fäulkrick,  volkreich;  sännbränd  ,  son- 
nengebräunt; wäliscrldgt,  wasserdicht;  prlsswjdrdig ,  preiswürdig; 
liaadlüss,  kopflos;  fägelfri,  fehlerfrei;  gjärsgräin,  grasgrün;  hdm- 
melwenn,  himmelblau;  liönii'mgswäjll ,  honigsüss;  isskävjl,  eiskalt; 
slijnhdrd,  steinhart;  fähserldgt,  federleicht;  hdr/ensgänjd ,  herzens- 
gut; müssdüjdd,  mausetodt;  stöckmäyer ,  stockmager;  spägelblänk ; 
hläujdrick ,  blutreich,  fägelfri,  vogelfrei;  snaiirlick,  schnurgerade; 
aadelsloU,  adelstolz;  sliölfjärdig ,  schussfertig;  Iielprick,  hülfreich, 
Iiiilplüss ,  hülflos. 

§  .110.  Besonders  gehören  hieher  noch  die  vergleichenden  und 
verstärkenden  Zusammensetzungen ,  bei  denen  die  Betonung  sich 
nach  dem  zu  vergleichenden  oder  zu  verstärkenden  Gegenstande 
richtet,    \\ie  in:    biifimmsiark ,    baumstark;    bläujdrüjdd ,   blulroth; 


179 

blmjdjuiuj,  blutjung;  blävjihürr,  blutsauer;  hlimjdenn,  blutann; 
itaal/idrd,  stahlbart;  äjt/isürr,  essigsauer;  slijnrick,  stcinreicb; 
siijnüjll,  steinalt;  safrängöhl,  safrangelb;  pdcksurt^  pechschwarz; 
feesttjöck,  faustdick;  specktjöck,  s^teckdick ;  pdckjunk,  pcchdunkcl; 
snieivitt ,  schnceweiss  ;  stämvenskrönk  ,  sterbenskrank;  slöckduf, 
stöckblmn,  stöckdumm;  speck fätt,  Speckfett;  bäirig/nich,  berghoch; 
pläsliwäjU,  platschnass;  düssbhek,  todtenblass;  iss(jlatt,  eisglatt; 
splinternägel ,  splitternackt,  nagelnackt;  splmtcmäi,  sp/in/cr/mkel- 
näi,  nagelneu;  lierldjtl,  lurlierhijlt,  winzigklein;  ijllrüjdd,  fcucr- 
roth  ,   u.  s.  w. 

Anmerkung. 

Viele  zusammengesetzte  Bestimmungswörter  sind  nur  als  abge- 
leitete (derivata)  zu  betrachten,  wie  z.  B.  gölilseglig  von  jö  Gölil- 
segt,  Gelbsucht;  lönshierlick  von  Lönshiere,  Landesherr;  s/jäpmud- 
derlick ,  von  Stjäpmiidder ,  Stiefmutter;  pöckärig ,  von  Pöckär, 
die  Pockennarbe;  sdmmerspötig ,  von  Sdmmerspöte,  Sommerspros- 
sen; lönshdplick,  von  Lönshdpp,  Landschaft,  u.  s.  w. 

§.  H7.  Mit  einem  Bestimmungsworte  voran ,  wie  in  brünnrüjdd, 
hraunrolh;  willfrämd,  wildfremd;  iijllklauck,  altklug;  hdllgrdin, 
hellgrün;  Ijägtwenn ,  lichtblau,  hellblau;  bdtterwriess ,  bitterböse; 
bdtteriäiet,  bitterwenig;  äienk/anck,  eigenklug;  äienmäget,  eigenge- 
macht, selbstgemacht;  bUekrüjdd,  blassroth;  dufstumm;  dummdris- 
iig  ;  gräingöhl ,  grüngelb  ;  lidrdneket ,  hartnäckig  ;  surtpläcket  , 
schwarzfleckig;  löngmönet,  langmähnig;  sljögtneked ,  schlichtnackig 
von  kolbigen  Rindern,  die  keine  Hörner  haben;  wissiiäsig,  nase- 
v/eis;  tmnhännet ,  dünnhäutig;  tennshdnnel,  dünnfellig;  tjöckshdlet , 
dickschalig;  iäigsidmmet,  niedrigstämmig;  krümmhätsct ,  krumm- 
halsig;  shiefhälset,  schlefhalsig,  u.  s.  w. 

§.  118,  Ferner  gehört  hieher  das  zweite  Mittelwort  (Partici- 
pium)  des  Zeitwortes  mit  einem  bestimmenden  Substantiv  oder 
Adjectiv  voran ,  wie  in  sträitiggd ,  strohgedeckt ;  surtswäsen , 
schwarzgesengt;  wäjlläsen,  wohlgclitten;  släipdrunken ,  schlaftrun- 
ken ;  stijnbeläid  ,  steinbelegt ;  krümmwrälisen  ,  krummgedreht ; 
hnlldmwügsen  ,  holzumwachsen;  wütbetägen ,  weissbezogen;  täglbe- 
bäggd ,  dichtbebaut;  löngtägen,  langgezogen;  tennbesläien ,  dünn- 
beschlagen ;    grdklähss  ,    graugekleidet  ;     hdllbestraalet ,     hellbc- 

23  * 


180 

strahlt;  fläujdämwaaget ,  flulhumwogt ;  rickheläsen ,  reichbeladen ; 
frisltälim ,  freigeschaffen;  rippbetägen,  reifbezogen;  ängslbenümmen, 
angslbenommen;  ijUämlöget ,  feueruniflamnit;  gldttsträgcn ,  glattge- 
strichen; Iidrcl fräsen ,  hartgefroren;  siersläien  ,  wundgeschlagen; 
fävgrünnen ,  feingemahlen;  iä^thegräjn,  dichtbewachsen;  hucJislä- 
gen,  hochgestiegen;  diepspldn,  tiefgesplissen;  riensliräwen ,  reinge- 
schrieben; fästhünnen,  festgebunden;  wäjWürgen ,  wohlgeborgen; 
fictispünnen ,  feingesponnen;  äjmmgnälisen,  wundgerieben;  s/idrp- 
släfim,  scharfgeschliffen;  wäjlgunnd ,  wohlgegonnt;  wäjlbekünnd, 
wohlbekannt;  Idgtwiinnen,  leichtgewonnen,  u.  s,  w.  Auch  das 
erste  Mittelwort  gehört  hieher,  welches  sich,  wie  im  Deutschen, 
auf  e7id  endigt,  als:  de  ijlhpäiende  JSäirig  ,  der  feuerspeiende 
Berg;  de  ihreliewende  Mann,  der  ehrliebende  Mann;  da  äieleddende 
Hanne,  die  eierlegenden  Hühner;  huchträivend  Urde,  hochtrabende 
Worte ;  de  fläsfiälisende  Hünn ,  der  fleischfressende  Hund  ;  da 
iwitliväddende  Wilsscde,   die  salbadernden  Frauenzimmer,  u.  s.  w. 

§.  419.  Zusammensetzungen  mit  lüss,  rick ,  fri,  wjdrdig,  füll, 
fast,  girrig,  wallig,  klaiick,  hdrtig ,  fjärdig ,  mäujddig,  segtig ,  erm, 
faurmig ,  sdnnig ,  ragt,  ivihsse,  gleichen  sehr  den  deutschen  der- 
selben Art,  als:  kraftlüss,  helplttss;  Idhselüss,  los  in  den  Gliedern 
und  Fugen;  tranlüss,  treulos;  sdftlüss , gewätenlüss ;  ärwlüss,  erblos; 
sältlüss,  salzlos;  liälslüss,  von  Handlungen,  die  den  Hals  kosten; 
liflüss,  leblos;  i/irelüss  ,  ehrlos;  brüjdliiss ,  brotlos;  brägenlüss, 
hirnlos;  frugtlüss;  fäillüss ,  fühllos;  iäislüss;  shömlüss,  schaamlos; 
siellüss ,  seelenlos;  mäujdlüss ,  täl/üss ;  hdrtlüss,  herzlos;  urdlüss, 
wortlos;  sdnnlüss,  sinnlos;  shäselüss,  schadlos;  tögtlüss,  gedan- 
kenlos; gödlüss],  gottlos;  fidderlüss,  mudderlüss ;  twönglüss,  zwang- 
los; raucklüss,  ruchlos;  tijnstlüss ,  dienstlos;  bjärdlüss ,  bartlos; 
grüjinlüss,  grundlos;  smäylüss,  geschmacklos:  släiplüss,  schlaflos; 
hüddlüss,  hautlos;  häierlüss,  haarlos;  hanrnlüss,  hornlos;  wärklüss, 
schmerzlos;  ömclüss,  athemlos;  nömclüss,  namenlos,  u.  s.  w.  — 
rick,  reich:  urdrick,  wortreich;  dögedrick ,  tugendreich;  frugtrick, 
fdshrick ,  fäiilkrick  ;  ücrrick  ,  lehrreich  :  kjdrlrick  ,  kernreich  ; 
Iiöltrick;  tvinnrick,  weinreich;  sdflrick,  sältrick,  gjärsrick ,  bläujd- 
rick  ,  wäliserrick  ,  lällrick  ;  töglerick  ,  gedankenreich  ;  sdnnrick , 
tiinnreich;  ijdrick,  torfreich,  u.  s.  v,'.  —  fri:  {all fri,  zollfrei;  sliällfn; 
s/iölfri,  schussfrei;  fögelfri ,   vogclfrei;   gewätensfri ,   gewissensfrei; 


181 

t'ijnslfri,  dienstirei;  postfri;  lavmjfri,  zwangfrei,  u.s.  w.  —  ivjänlig: 
prisswjärdig ,  preiswürdig ,  lobcnswcrlli ;  ägt ivjänlig ,  achtungswiirdig ; 
ihrwjärdig,  ehrwürdig;  sträßvjärduj ;  bewunmrnswjärdüj ,  u.  s.  w. — 
füll:  shdmfull,  schaamvoll;  saß  füll,  kraft  füll,  m^/ce/«// ,  ranke  voll ; 
mäuiefull,  mühevoll;  forMjnstfull ;  mmjddfull ,  muthvoll;  kummcr- 
fiill,  u.s.y/.  — fast:  sali  fast,  sattelfest;  kapüclfäst;  hönfäst,  hand- 
fest; sliötfäst,  schussfest;  ijllfäst,  feuerfest;  änkerfä^t,  grünnfäsi; 
bausemfäst,  bodenfest,  u,  s.  w.  —  girrig :  (jijhßrrig,  geldgierig ;  hlmjd- 
girrig,  maurdgirrig ,  mordgierig;  ruivgirrig ,  raubgierig,  u.s. w.  — 
wdllig:  tißnstwdUig,  dienstwillig;  frlwdllig,  gäujdwdllig,  äienwdllig, 
mäujdwdlUg  ,  u.s.w.  —  klauck:  äicnklauck,  eigenklug;  sellewklauck , 
üjllklauck,  dummklauck ,  u.  s.  w.  —  Itdrtig :  grotthdrtig ,  stolz ;  traulidr- 
tig,  äJimenhdrlig ,  bärm/idrtig ,  ünbärmhdrtig ;  fdghdrlig ,  feigherzig, 
u.s.w. — fjärdlg:  tijmtfjärdig ,  Idgtfjärdig ,  räisefjärdig ,  shötfjärdlg, 
sägelfjärdig ,  kiinstfjärdig ;  spräickfjärdig ,  sprachfertig;  müssfjärdig, 
maulfertig;  huchfjärdig,  holfährtig,  u.s.w.  —  mävjddig:  Imchmäujd- 
dig,  hochmüthig;  ijnmäujddig ,  einmüthig;  /rtmäjyVMig',  freimüthig; 
auwermäujddig ,  übermüthig;  wielimäujddig ,  wehmüthig;  wftsmäiyrf- 
dig ,  missmüthig,  u.  s.  w\  —  segtig,  von  Sogt,  die  Sucht,  wie: 
swinnsegtig  ,  göhlsegtig,  tvälisersegtig  ,  fällsegtig ;  iwer segtig ,  eifer- 
süchtig; blieksegtig ,  striddsegiig ,  u.  s.  w.  *.  —  erm:  fäulkerm; 
blävjderm ,  i.  blutarm,  arm  bis  aufs  Blut,  2.  arm  an  Blut;  kaum- 
erm,  kornarm;  urderm,  wortarm;  frugterm,  u.s.w.  —  faurmig: 
ijnfaiirmig ,  einförmig;  ijns faurmig ,  einsförmig;  bog e faurmig ,  ku- 
g  el  faurmig ,  ring  faurmig;  sn  dg  ge  faurmig ,  schneckenförmig;  stongc- 
faurmig,  stangenförmig;  fäpe faurmig,  zapfenförmig,  u.  s.  w.  • — 
sännig:  Idgtsdnnig,  shdrpsdnnig ,  slifsdnnig ,  starrsinnig;  käujlsdn- 
nig,  kaltsinnig;  äiensännig ,  eigensinnig,  u.  s.  w.  —  rögt:  lüjdd- 
TÖgt,  lothrecht;  iväjnkelrögt,  winkelrecht;  räigelrögt ,  regelrecht, 
u.  s.  w.  —  wihsse:  krüsswihsse ,  kreuzweise;  lägivilisse,  schicht- 
weise; dröppwihsse ,  tropfenweise,  u.  s.  w. 


*  Es  gibt  auch  Zusammensetzungen  mit  segtig,  welche  herzu- 
leiten sind  vom  Vcrbum  sie-en,  sehen,  wovon  jö  Slgt  und  dät 
Sägt,  Verb,  sägten,  zielen;  z.  B.  kaurt segtig ,  w/ddsegtig,  klarsegtig, 
wonchen  aber  auch  kaurtsigtig  u.  s.  w.  bestehen.  Von  dät  Sägt 
gibt  CS  auch  Zusammensetzungen  mit  sdgtig ,  wie:  faarsdglig  und 
faarsigtig,  u.  s.  w. 


182 


Anmerkungen. 

Die  Zusammensetzungen  mit  Umstands-  Zahl-  und  Verhältniss- 
wortern  kommen  zwar  häufig  vor,  aber  die  meisten  derselben 
sind  von  Haupt-  oder  Zeitwörtern  abgeleitet.  Die  Silbe  iin  (un) 
steht  überall,  wie  im  Deutschen,  aufhebend  oder  das  Gegcnlheil 
anzeigend,  wie:  ünklauck,  unklug;  Unnjüttig,  unnütz;  üniöfrehse, 
unzufrieden;  ünrögt;  unmänshlick ,  unmenschlich;  ünnemöijlick  , 
unmöglich;  ün&iwcn ,  uneben;  ünkrdstlick ,  unchristlich;  ünpär, 
unpaar;  ünlick,  ungleich,  u,  s.  w.  Mit  Zahlwörtern,  wie  in  yn- 
fi'ijlUg,  einfältig;  twifärig ,  1.  zwiefertig,  vom  reifenden  Getreide, 
2.  misslich,  zweifelhaft,  bunt  verwickelt;  twißauget  ,  zweifügig, 
von  einem  gewebten  Zeuge  ;  ijnfänvet ,  einfarbig  ;  tuligbienet , 
zweibeinig;  en  segsfdjngerien  Mdnshe,  ein  sechsfingriger  Mensch, 
/räs/rm^-ef,  dreisaitig,  en  tienihrigen  Dring ,  ein  zehnjähriger  Knabe, 
m  fieivihrs  Ko,  eine  fünfjährige  Kuh,  u.  s.  w. 

Mehrere  bekommen  bei  der  Zusammensetzung  ein  eingescho- 
benes s,  wie:  gödsforjä/in,  goltesvergesscn ;  läwentsträt ,  lebens- 
müde ;  läwentssätt ,  lebenssatt ;  stäirwenskrönk ,  sterbenskrank  ; 
wänslienswjärt,  wünschenswerth;  äujnddgtsfull,  andachtsvoll,  u.s.w. 
Besonders  gehören  hieher  die  von  solchen  Substantiven  abge- 
leiteten Adjective,  wo  die  Hauptwörter  sich  auf  ing,  sliapp  und 
Itäid  endigen,  als:  erfäringsrick ,  erfahrungsreich;  Iiiershappsmäsig , 
hcrrschaftsmässig ;  frihäidsliewend ,  freiheitsliebend. 

Das  Adjectivum  frdien,  nd.  friens,  von  frdien,  steht  als  reines 
Bestimmungswort,  ohne  Zeitbegriff,  und  bedeutet:  heirathssüchtig. 


Abänderung  des  Bestimmungswortes. 

§.  120,  Nur  wenn  es  vor  dem  Hauptworte  steht,  leidet  es  im 
männlichen  Geschlechte  und  in  der  Mehrheit  eine  unbedeutende 
Abänderung,  die  bloss  darin  besteht,  dass  man  demselben  bei 
dem  bestimmten  Geschlechtsworte  ein  e  anhängt,  und  mit  dem 
unbestimmten  ihm  die  Endung  en  giebt,  z.  B.  de  grötte  Mann, 
en  grötten  Mann,  da  grötte  Mann;  weiblich  und  sächlich:  jö  grölt 
Gävs,  dät  grött  Hüss,  pl.  da  grötte  Gäis,  da  grötte  Hülissinge,  en 
grölt  Gaus,  en  grött  Hüss,  pl.  grölt  Gäis,  grött  Hülissinge. 


183 

Abänderung:  Einheit,  männlich,  i  Fall,  de  grötte,  2.  Fall,  de 
gröltes,  wenn  es  absolut  steht;  weiblich,  I.Fall,  jö  grött ,  2.  jö 
grötts;  sächlich,  dat  grdtt,  dat  gratis;  pl.  da  grolle,  Genitiv,  da 
gröttes.  Weder  mit  dem  bestimmten,  noch  mit  dem  unbestimmten 
Geschlechtsworte  wird  das  Adjecliv  je  abgeändert,  wenn  es  bei 
dem  Hauptworte  steht,  und  dieses  bekommt  dann  in  beiden  Zah- 
len das  Zeichen  des  zweiten  Falles,  nämlich  ein  s,  angehängt, 
als:  de  ricke  Mönns  Sahn,  des  reichen  Mannes  Sohn;  jö  hijlt 
Fömmens  Süsler ,  des  kleinen  Mädchens  Schwester;  dät  snhrt 
Sliätps  Laumme;  da  Idjlle  Dringcs  Fiddcre,  der  kleinen  Knaben 
Väter.  Auf  diese  Weise  wird  jedes  regelmässige  Adjectivum  ab- 
geändert. 

Diejenigen,  welche  sich  auf  el  endigen,  bekommen  im  männ- 
lichen Geschlechte  und  in  der  Mehrheit  die  Endung  de,  wenn 
sie  das  bestimmte  Geschlechtswort  vor  sich  haben ,  wie  z.  B. 
brauche l :  jö  brauchet  Köwel,  der  bunte  Weiberrock;  dät  brauchet 
Bläi ,  die  bunte  Farbe;  de  brauchede  Rock,  da  brauchede  Kluhsc, 
die  bunten  Kleider.  Ohne  Geschlechtswort:  brauchet  Kluhse;  mit 
dem  unbestimmten  Artikel:  en  brauchet  Twehg ,  eine  bunte  Färse; 
en  brauchet  Kulcto,  ein  buntes  Kalb.  Dagegen  beim  männlichen 
Geschlecht:  en  braucheten  Rock,  en  braucheten  Hdjnst ,  ein  buntes 
Pferd.  Dasselbe  gilt  von  dem  zweiten  Mittelworte  auf  et,  wenn 
es  beslimmungswörtlich  steht,  wie  z.  B.  plaget:  en  plägelen  Mdnshe, 
de  plägede  Mänshe,  da  plägede  Mdnshene. 

Folgende,  die  sich  auf /'endigen,  verwandeln  diesen  Buchstaben 
\n  w,  als:  duf,  gröf,  stiff,  shief,  kief,  lief-,  struf,  taub,  grob, 
steif,  schief,  überdrüssig,  lieb,  straff,  als:  de  duwe  Mann,  jö 
duw  Wöff,  dat  duw  Bjarn,  pl.  da  dmve  Rjame,  dät  stiw  Bijn, 
das  steife  Bein;  de  shiewe  Slrüg ,  der  schiefe  Strich;  de  liewe 
Göd,  der  liebe  Gott;  da  hiewe  Stnnne,  die  langweiligen  Stunden; 
dät  gröw  Lauert,  die  grobe  Leinewand;  da  groive  Kluhse,  die 
groben  Kleider;  de  sliiewe  Hals;  de  struive  Tögel ,  der  straffe 
Zügel,  u.  s.  w. 

Die  beiden  Wörter  gäujd  (gut)  und  häujl  (kalt)  verlieren  den 
Umlaut  und  das  j,  wenn  sie  vor  dem  Hauptworte  stehen,  und  bei 
gäujd  geht  das  d  in  das  sanfte  hs  über,  als:  de  Mann  as  gäujd, 
de  gauhse  Mann ,  en  gauhsen  Mann;  gaiihs Mdnshene,  da  gauhse Man- 


184 

sitene;  dat  gaulis  Bauck,  da  gauhse  ßaucke;  de  Wontcr  as  kiiujl , 
de  kauh  Wonler,  en  kaulen  Wonter;  jö  kaul  Hmjnn,  da  kaule 
Hänjiine. 

Nachstehende,  die  sich  auf  ss  (sz)  endigen,  vei^Ueren  den  Um- 
laut, und  lassen  das  ss  in  das  weiche  Iis  übergehen;  es  sind: 
lüss,  snilss,  wriess,  hüss,  Hess,  los,  nett,  zornig,  heiser,  leid, 
als:  de  hl  Ilse  Pule,  de  snuhse  Mdnslie,  de  ivrehse  Fidder,  en  wreh- 
seil  Mönn,  de  liuhse  Dring ,  u.  s.  w. 

Die  Wörter  hucli,  roch,  blöch,  fuch,  driec/i,  hoch,  rauch  (be- 
haart), blöde,  bange,  verschlagsara ,  lassen  ihr  ch  in  g  übergehen, 
wenn  sie  dem  Hauptworte  vorgesetzt  werden,  als:  de  huge  Bäirig , 
jö  liiilig  Türm,  dät  Iiti/ig  Hüss,  pl.  da  Imgc  Bäirlge,  u.  s.  w.;  de 
röge  Rönim,  der  rauche  Widder;  de  Möge  Jönge,  de  fnge  Ticner; 
de  driege  Trölling,  das  verschlagsame  Brot. 

Adjective  mit  der  Endung  elt  behalten  ihr  t,  auch  in  der  Mehr- 
heit, wie  döivelt,  als:  de  döivelte  Sömc;  de  tröwelte  Träjdd,  der 
dreifach  gezwirnte  Faden;  de  spaaweHc  Urder ,  der  weiss  und 
gelb  gesprenkelte  Enterich ;  da  prägelle  Hösc  ,  die  gestrickten 
Strümpfe,  u.  s.  w. 

Adjective  auf  en  gehen  nach  der  Regel,  z.  B.  tiimen,  wer  sich 
nicht  zu  etwas  bezähmen  kann,  als:  de  tämene  Fidder,  jö  tarnen 
Miidder;  de  släjllene  Häge,  en  stäjllenen  Häge,  eiserner  Haken;  jö 
stäjllen  Faurk,  die  eiserne  Gabel;  en  stäjllcn  Faurk;  da  släjllene 
Faurke,  stäjllen  Faurke,  eiserne  Gabeln.  Ebenso  beim  zweiten 
Mittclworte  auf  en,  wie  de  grünncnc  Rogge,  der  gemahlene  Rog- 
gen ;  jö  brägcn  ^gs,  die  gebrochene  Axt,  u,  s.  w. 

Diejenigen  Adjective,  welche  sich  auf  einen  Vocal  endigen, 
werden  regelmässig  abgeändert,  nur  muss  derselbe  scharf  betont 
werden,  als:  fri,  frei,  rä,  roh,  grä,  grau,  wie,  übel,  spie,  zart, 
läi,  lau,  laai,  faul,  näi,  neu,  näi,  nah,  shu,  scheu,  wru,  brün- 
stig, von  Säuen.  De  fri-e  Mönn,  en  f'r'ien  Mönn,  da  frie  lUänn; 
so  auch  de  rae  Slidjnkel,  der  rohe  Schinken,  en  rden  Slidjnkel, 
und  ebenso  bei  den  übrigen:  degrde,  engrden,  de  iviee,  cn  iviecn, 
de  spiei!,  en  spieen,  de  läie,  en  läien,  de  laaie,  en  laaien,  de  näie, 
en  näien,  de  näie,  en  näien,  de  shiie,  en  sliuen,  da  wrue  Söge, 
die  brünstigen  Säue. 

Das  einzige  Adjeclivum  stäkels,   arm,   bedauernswürdig,    von 


185 

de  Släkel,  eiicidet  nie  eine  Abänderung,  in  welchem  Geschlechlc 
und  welcher  Zahl  es  auch  stehen  mag ,  als :  de  släkeh  Dring , 
da  stäkeis  Dringe,  en  stäkeis  ermen  Mdnshe;  jö  stükels  Wüssed, 
das  arme  Frauenzimmer,  u.  s.  w. 

Hinter  den  Hauptwörtern  oder  nach  denselben  stehend,  be- 
halten alle  Bestimmungswörter  ihre  unveränderte  Form ,  und  eben- 
so im  weiblichen  und  sächlichen  Geschlecht  in  der  Einheit,  wenn 
sie  denselben  vorgesetzt  werden. 

Die  Abänderung  ohne  Geschlechtswort  kommt  meistens  nur  in 
der  Anrede  vor,  als:  gauhse  Frünn,  wät  wäht?  guter  Freund,  was 
willst  du?  üjlle  Stäkel,  kam  md,  alter  Armer,  komm  mit!  Lieive 
Braiihser,  pl.  liewe  ßrauhsere,  lieben  Brüder;  lieiv  Süster,  wehs 
äi  ivriess,  liebe  Schwester,  sei  nicht  böse.  —  Unverändert  steht 
das  Adjecliv,  ohne  Geschlechtswort,  in  der  Mehrheit,  wenn  man 
allgemein  spricht,  wie  z.  B.  huhg  Mellene  häwe  de  mäste  Winn- 
fang,  hohe  Mühlen  haben  den  meisten  Windfang;  üjll  Fäulk  kou 
harn  äi  sellew  helpe;  ahmen  ßlöhre  läjtte  Win7t  in,  offne  Mauern 
lassen  Wind  ein. 

Steht  ein  bestimmtes  Zahlwort  vor  dem  Bestimmungsworte, 
so  wird  das  letztere  nicht  abgeändert,  als:  twäier  grott  Hanne, 
zwei  grosse  Hunde;  tulig  jung  Kälte,  zwei  junge  Katzen;  trdbrünn 
Häjnsle,  drei  braune  Pferde;  fieiv  üjll  Secke,  fünf  alte  Säcke; 
trd  riijdd  ^plc,  drei  rothe  Aepfel;  twäier  ^nkre  Bier,  zwei  An- 
ker Bier ;  trd  blank  Daalere ,  drei  blanke  Thaler ;  hunnert  näi 
ßaucke,  hundert  neue  Bücher.  Nur  das  Zahlwort  an  macht  hier- 
von eine  Ausnahme,  als:  an  Idjtten  Fögel ,  ein  kleiner  Vogel; 
an  gauhsen  Mdnshe  liäw  ick  dog  fünnen,  einen  guten  Menschen 
habe  ich  doch  gefunden;  an  J/önn  as  nög  faar  ijn  Wo  ff,  ein 
Mann  ist  genug  für  eine  Frau.  Der  zweite  Fall  hat  auch  hier 
sein  s,  wie  z.  B.  an  gauhsen  Manshcs  Help  as  bähsere,  as  tien 
Slüngeles,  eines  guten  Menschen  Hülfeist  besser,  als  die  von  zehn 
Schlingeln.  Dasselbe  gilt  von  dem  allgemeinen  Zahlwortc  nän 
(kein),  als:  dät  as  nän  üjllen  Mann,  das  ist  kein  alter  Mann;  nän 
grotten  Shäse,  kein  grosser  Schade;  ebenso:  jö  Kö  hct  nän  lan- 
gen Stjärt,  die  Kuh  hat  keinen  langen  Schwanz;  de  Hilnn  hei 
nän  spassen   Töle,   der   Hund    hat  kein   spitzes  Maul;    hähsl  nän 

24 


186 

näicn  Bögger'    hast  du  keinen  neuen  Roggen?   nän  näien  Bahr? 
tiän  üjllcn  SäihsF  u.  s.  w. 

Die  zueignenden  Fürwörter:  man,  mein,  dein,  dein,  sän,  sein, 
harren,  ihr,  im  männlichen,  und  min,  din,  sin,  harr,  im  weibli- 
ehen und  sächlichen  Geschlechte  und  in  der  Mehrheit,  so  wie 
unken  und  junken  im  männlichen ,  imk  und  junk  im  weiblichen 
Geschlechte  der  Zweiheit  (im  Dualis),  und  ühsen  (unser)  im  männ- 
liclien,  so  wie  ühs,  jdrringe  und  jßre  im  weiblichen  und  sächlichen 
Geschlechte  und  in  der  Mehrheit,  bewirken  dieselbe  Abänderuns: 
des  Bestimmungswortes,  wie  das  Geschlechtswort,  was  ebenso 
in  der  Apposition  beim  persönlichen  Fürworte:  ick,  do,  härdät, 
hat,  jo,  pl.  ICC,  jdm,  ja,  wdt  und  jdi  gilt,  nur  dass  bei  den  letz- 
tem der  zweite  Fall  fehlt.  Einige  Beispiele  mögen  diess  erläu- 
tern, als:  man  erme  ßrauhser,  ddn  witle  lläujdd,  sdn  Idjtte  Nor- 
hdcker,  harren  kränke.  Sahn,  mein  armer  Bruder,  dein  weisser  Hut, 
sein  kleiner  Norbacker  (Pony),  ihr  kranker  Sohn;  im  Pluralis: 
min,  din,  sin,  harr  für  alle.  Weiblich  und  sächlich:  min  braaio 
Dögter,  din  iijll  Hilss,  sin  jung  Wöff',  hdrr  näi  Kapp,  pl.  minbraaive 
Dögiere,  din  iijlle  Hühssinge,  u.  s.  w.  Dualis:  unken  7iäie  Wäien, 
unser  (beiden)  Wagen;  junken  ricke  Fidder,  euer  (beiden)  reicher 
Vater;  weiblich  und  sächlich:  unk  kränk  Süster ,  junk  witt  Äjck, 
unsre  kranke  Schwester,  eure  weisse  Stute;  pl.  unk  näie  Släiwle, 
unsre  neuen  Stiefeln ;  junk  gräine  Rocke,  eure  grünen  Röcke,  u.  s,  w.; 
ühsen  grotte  Tiinn ,  unser  grosser  Garten;  weiblich  und  sächlich:  iUis 
grd  Gaus,  unsre  graue  Gans;  ühs  fätt  Sivhin,  unser  fettes  Schwein, 
pl.  ühs  gräii  Gäis,  ühs  fälle  Swinn;  jdrringe  grolle  Klämp,  euer 
grosser  Schober;  jdre  gräin  Hüss,  ihr  grünes  Haus;  jdrringe  suhrt 
Shäip,  euer  schwarzes  Schaf;  jdrringe  düjdde  Shäip,  eure  todten 
Schafe,  u.  s.  w.  Ich  erme  ßlänn,  ich  armer  Mann;  me  erme 
ßlänn,  mir  armen  Manne,  und:  mich  armen  Mann;  do  erme  Stäkel , 
du  armer  Wicht;  üss  erme  Mann,  uns  armen  Männern,  und:  uns 
arme  Männer;  de  erme  Mann,  dir  und  dich  armen  Mann;  de 
crem  Fämmcn,  dir  armen  und  dich  armes  Mädchen;  we  erme 
Mdnshene,  üss  erme  JIdnshene,  ja  erme  S takle,  sie  armen  Wichte, 
U.S.W.  Dualis:  wdi  erme  Dringe,  wir  zwei  arme  Knaben;  jdt 
erme  Jängens,  ihr  zwei  arme  Jungen;  unk  erme  StäkJe,  uns  zwei 


187 

armen  Wichten;  jnnh  ermo.  Mdns/tcne,  euch  zwei  armen  Menschen, 
und:  euch  zwei  arme  Mensciten. 

Die  allgemeinen  Zahlwörter:  alle,  faalc,  mdnning ,  liaaiv,  nun, 
nijn ,  läiet ,  alle,  viel  und  viele,  einige,  keinen,  keine,  wenig 
und  Avenige,  wohin  auch  sdm,  etliche,  gehört,  werden  so  ge- 
braucht: all  min  rüjdde  ivinn  ds  dninhen,  all  mein  rother  Wein 
ist  getrunken;  all  min  göhl  Bö/iser  ds  dp,  alle  meine  gelbe  Butter 
ist  auf,  nämlich  verzehrt;  alle  gauhse  ßldnshenc  bälisige  an  büß, 
alle  gute  Menschen  beten  und  arbeiten;  Jiälist  dö-  {aale  suhrt 
Staurke  säjnF  hast  du  viele  schwarze  Störche  gesehen?  he  liet 
manning  sulirt  Hdjnste  käft,  er  hat  viele  schwarze  Pferde  gekauft; 
ick  häw  haaw  will  Spärrige  säjn,  ich  habe  einige  weisse  Sperlinge 
gesehen;  ick  häw  all  haaw  jung  Laumme  säjn,  ich  habe  schon 
einige  junge  Lämmer  gesehen;  he  het  nän  grollen  Tünn  hdi  't 
Hüss,  er  hat  keinen  grossen  Garten  am  Haus;  jö  het  nijn  näi 
Säirke  an  Smöcke  sdid,  sie  hat  keine  neue  Manns-  und  Weiber- 
hemden genäht;  he  het  man  läiet  rüjdd  Ke,  aurs  faale  grd,  er  hat 
nur  wenig  rothe  Kühe,  aber  viele  graue;  sdm  üjll  Mdnshene  sice 
bähsere  as  manning  'n  jungen  Twiller  ,  einige  alte  Leute  sehen 
besser,  als  mancher  junge  Bursche;  hähst  noch  mörr  üjllen  Win7iF 
hast  du  noch  mehr  alten  Wein? 

Anmerkungen. 

i.  Eine  Eigenheit  der  nordfriesischen  Sprache  ist  es,  dass  sie 
auch  dem  zueignenden  Fürworte  das  Geschlechtswort  dann  vor- 
setzt, wenn  nach  jenem  ein  Adjectivum  folgt,  als:  de  man  Idjlte 
Dring,  mein  kleiner  Knabe;  jö  diu  groll  Dögter,  deine  grosse 
Tochter;  de  sän  grolle  äujnnete  Jönge,  sein  grosser  unartiger  Jun- 
ge; de  ddn  grde  Rock,  dein  grauer  Rock;  de  hdrren  kränke  Brauh- 
ser,  ihr  kranker  Bruder;  jö  min  Idjtt  Getreu,  meine  kleine  Catha- 
rine;  de  ddn  rüjdde  Kräjdder,  dein  rother  Hahn.  Sogar  wenn 
das  Pronomen  possessivum  allein  vor  dem  Hauptworte  steht , 
setzt  man  oft  demselben  auch  noch  das  Geschlechtswort  vor, 
z.  B,  de  man  Dring,  jö  min  Dögter,  u.  s.  w. ,  was  aber  nicht  zu 
billigen  sein  dürfte.  Man  sagt  aber  auch  ohne  Geschlechtswort: 
man  Shauch,  min  Döiviv,  harren  Häujd,  hdr  Short,  unken  Wäien, 
junk  Gijl,  ühsen  Hünn,  jdrringe  Bjdrne,  ühs  Jöngense. 

24* 


188 

2.  Stehen  mehrere  Adjective  vor  einem  Hauptworlc,  welche 
dasselbe  näher  bestimmen,  so  werden  sie  immer  wie  das  erste 
abgeändert,  je  nachdem  Geschlecht  und  Zahl  es  erfordern,  z.  B, 
de  tyilc,  däsige  Mann,  der  alte  alberne  Mann;  de  Idjtte,  mhrte, 
wdnlicke  Hünn,  der  kleine,  schwarze,  freundliche  Hund;  enldjUen, 
sukrten ,  ivdnlicketi  Hünn,  dät  Idjtt  mjögsig ,  fordünven  Krät,  das 
kleine,  schmutzige,  verdorbene  Ding. 


Die  Steigerimg   (Comparalio). 

§.  121.  Der  gewöhnliche  Stand  des  Bestimmungswortes  (Posi- 
tivus) wird  dadurch  in  den  vergleichenden  (Comparativus)  erho- 
ben, dass  man  jenem  die  Silbe  ere  anhängt,  und  der  höchste 
Stand  (Superlativus)  wird  durch  ein  angehängtes  st  gebildet  , 
wie:  läig ,  läigere  ,  läigst ,  niedrig;  fast,  fästcre  ,  fastest,  fest; 
slring ,  stringere,  stringst,  strenge;  diep,  diepere,  diepst,  tief,  u- s. w. 

Folgende  sind  mehr  oder  weniger  unregelmässig. 

driech ,  driegere,  driechst ,  verschlagsam ,  lange  vorhaltend,  dän. 
dröi ;  hlöch.  Magere ,  blöclist ,  blöde;  7'öcli ,  rögere,  röchst,  rauch; 
huch,  Imgere,  huckst,  hoch;  fuch,  fugcre,  fuchst,  bange;  gäiijd, 
bähserc,  beest,  gut;  käiijl,  kaulere,  käujlst  und  kauist,  kalt;  duf, 
duwere,  dufst,  taub;  stiff,  stiwwere,  stifst ,  steif;  gröf,  gröwcre, 
gröfst,  grob;  shief,  shiewerc,  shiefst,  schief;  struf,  slrmvere,  strufst, 
straff;  lüss,  lusere,  lusest,  los;  snüss,  snuserc,  snusest,  nett;  fier, 
fdrre,  fdrrest,  fern,  auch  fierere,  ferst  (im  Räume,  jenes  in  der 
Zeit);  wriess,  ivresere,  tvresest,  böse,  zornig;  äirig ,  erre,  irrigst, 
arg;  näi,  nirre,  näist,  nahe;  üjll,  allere,  älst,  alt;  lö7ig,  längere, 
längst,  lang;  lähs,  lähsere,  lest,  spät;  faale,  murr,  mäst,  viel; 
läiet,  mdnnere,  mdnnst,  wenig;  mdnning ,  mörr ,  mäst,  viel,  man- 
che; edder,  ihr,jdrst,  früh;  öfting ,  5 fingere,  öftingst,  oft;  bück- 
ket,  bückedere,  bücketst,  dick,  und  so  bei  allen,  die  sich  auf  ef 
endigen,  wie  braucket,  braiickcdere ,  braucketst,  bunt;  und  eben- 
so beim  zweiten  Mittelworte  des  regelmässigen  Zeitwortes  auf 
et ,  wie  bedrvwwet,  bedrüivwedere  ,  bedröivwetst ,  betrübt;  huppet, 
huppedcre,  huppetst,  gehäuft.  Alle  übrigen  sind  regelmässig  und 
bekommen  nie  den  Umlaut. 


189 


Einige  Klang  synonymen . 

§.  422,  Witt,  weiss,  widd,  weit;  läi,  lau,  laai,  faul,  träge; 
junk,  dunkel ,  JM«/;; ,  euch  beide,  euch  beiden;  hall,  hell,  Jiäll^ 
gerne;  swär ,  schwer,  swär!  antworte;  läbben,  lebendig,  lebhaft, 
läbben,  släbben,  aullecken;  fätt,  fett,  dat  Fat,  das  Fass,  die 
Schüssel;  segt,  seicht,  segt,  gesucht,  jö  Segt,  die  Sucht;  gläi, 
froh,  glaai!  schlüpfe;  rick,  reich,  rieck!  räuchere;  satt,  satt, 
satt,  sitze;  bär,  cnlblösst,  baar,  haar  vom  Gelde;  ivdss,  gewiss, 
was,  war;  Idck,  leck,  dat  Lack,  der  Lack;  edder,  früh,  de  Ed- 
der, die  Ader;  lähs,  spät,  leefis!  lies;  string ,  strenge,  de  String , 
der  Strang;  noch,  noch,  wö(/ ,  4.  genug,  2.  gar,  o.  wohl,  als: 
ick  bdn  kirr  noch,  ich  bin  noch  hier;  dät  as  nög ,  das  ist 
genug;  dät  Flash  as  nög,  das  Fleisch  ist  gar;  trau,  treu,  trau 
hdm  äi!  traue  ihm  nicht;  sidd,  zu  lang,  von  Kleidern,  jö  Sidd, 
die  Seite;  sdnnig ,  sinnig,  sahnig,  sehnig;  hüss,  heiser,  de  Hühs, 
die  Heimalh;  stijnnen,  steinern,  ja  stijnnen,  sie  standen,  ick  häw 
stijnnen,  ich  habe  gestanden;  dllern,  ellern,  aus  Ellernholz,  al- 
lem, altern,  Verb,;  kief,  überdrüssig,  dat  Kiff ,  die  Keife,  von 
keiien ;  fällig ,  ordentlich,  gebührlich,  fdllig,  fällig,  von  Schulden; 
saalig,  selig,  sdlig ,  nur  halb  klug;  ivägsen,  wächsern,  ivägsen, 
erwachsen,  {ivüchsen,  gewachsen);  tvriess  ,  böse,  ick  wriess ,  ich 
drehete,  von  wrihssen;  rüjdd,  roth,  dä.1  Rüjt,  eine  Krankheit  des 
Rindviehes,  die  vom  Blute  herrührt;  trüff,  recht  gesund,  trötviv! 
drohe;  bdtter,  bitter,  bdlt  'r?  beisst  er;  dät  Lähser,  das  Leder, 
lähsere,  später;  deJönge,  der  Junge,  Knabe,  de  Junge,  der  Junge, 
Jüngere;  stäjllen,   eisern,  7a  stäjllen,  sie  stahlen. 


Sinnverwandte  fVörter  aus  den  Adjectiven. 

§.425.  4.  Vom  Befinden:  maai,  so  ziemlich,  erträglich;  äselick, 
nur  sehr  mittelmässig;  fdmplick,  nur  so  so!  hijnn,  schlecht, 

2,  Siitm,  gesund,  tähss,  ziemlich  gesund,  trüß',  kerngesund. 

3.  Snurrig^  körtswillig ,  klöftig ,  drollig.  Körtswillig,  von  jö  Körts- 
will,  die  Kurzweil,  beisst  auch  überhaupt  spasshaft,  scherzhaft; 
klößig  ist  am   nächsten  mit  drollig  verwandt,   enthält  aber  zu- 


190 

gleich  den  Nebenbegriff  des  Sinnreichen ,  Unerwarteten  und  Uc- 
berraschenden  in  sich,  wie  jö  Klöfl,  aus  welchem  Worte  es 
gebildet  ist,  dän.  klögtig,  von  klög  (klug),  en  Klögt,  wörtlich  die 
Klugt;  snurrig  und  drollig,  wie  im  Deutschen. 

4.  Sörr,  bäish ,  bdtter,  struf,  liärsh.  Surr  oder  surr,  sauer; 
bäish,  widerlich  sauer  und  bitter,  wie  z.  B.  der  Wermuth,  zu 
alt  gewordner  Rahm  und  die  daraus  bereitete  Butter;  bditer,  bit- 
ter; struf,  stramm,  herbe;  liärsh,  ranzig. 

5.  Trung ,  önglick,  angst,  fiich  ,  sim  ,  fäg,  mäiijdlüss.  Trung 
(tröng)  bezeichnet  besonders  die  Beengung  der  Brust,  welche  die 
Furcht  mit  sich  führt,  daher  auch  noch  trungburslig  für  engbrü- 
stig; anglich,  die  innere  Angst,  und  ein  unheimliches  Furchtge- 
fühl, das  sich  im  Blicke  zeigt,  daher:  helaucket  so  anglich,  er 
sieht  so  angstvoll;  angst,  wie  im  Deutschen;  fiicli,  das  plötzliche 
Erbangen,  so  auch  forslirdcket ,  erschrocken;  situ,  scheu;  mäujd- 
lüss,  muthlos. 

6.  Sharp,  string ,  scharf,  strenge;  Shdrphäid,  Stringhäid. 

7.  Klien,  Ihm,  shrdjnhel.  Klien  ist  dünn  und  schwacli,  auch 
klein;  sonst  ist  klein  aber  Idjit ,  ud.  lüjtt,  als:  en  Idjtten  Hünn, 
en  Idjtt  Stock;  tenn,  dünn;  shrdjnhel,  dünn  und  schwach  von 
Beinen;  shräjnkelbienet ,  dünnbeinig;  wdt  kaurt  an  klien  mägen,  et- 
was kurz  und  klein  machen. 

8.  Gäitjd,  ordentlick,  trau,  fällig,  von  Arbeiten,  die  man  thut 
und  macht.  Ordentlick,  trau  und  gäujd  entsprechen  den  deutschen 
Wörtern:  ordenthch,  treu  und  gut;  fällig  und  tö  Gägens,  so, 
dass  nichts  daran  auszusetzen  gefunden  werden  kann. 

9.  Lüjddrögt,  sdjnkrögt,  lick  dp  an  dähl,  lothrecht,  senkrecht, 
gerade  auf  und  nieder. 

40.     Strömtn,  stramm,  struf,  straff,  när,  enge,  knäp,  knapp. 

^\.     Trästlüss,  trostlos,  ünträstlick ,  untröstlich. 

12.  Mal,  wriess,  bister,  dpbrögt,  ümvdllig,  tdsig ,  hdftig,  will, 
forbdttert.  Mal,  toll,  mälhaadet,  mal  äiijn  V  Haad,  tollköplig, 
jähzornig;  en  mal  Läivent,  ein  tolles  Leben;  en  malen  Jönge, 
ein  wilder  Junge ;  ivriess ,  zornig ;  bister ,  ganz  in  Harnisch ; 
dpbrögt ,  aufgebracht ;  ünwdllig  ,  unwillig ;  tdsig  ,  gricklich ,  von 
tdscn,  necken;   hdftig,  heftig,  ?üi//,  wild,  forbdttert,  erbittert. 

15.    Hijnn,  schlecht,  eldndig ,  elend,  grämlick,  grämlich,  klag- 


191 

lick,  kläglich,  von  hlätjcn ;  dät sjögt  man/iijnn,  elümlifj ,  grämlich, 
kläglich  illt. 

U:    Länig ,  biegsam,  gelenkig;  smiesig,  geschmeidig. 

4a.  Plump,  plump;  tijöl,  limven fällig.  Njöl  bezeichnet  den 
höchsten  Grad  der  Plumpheit,  Derbheit  und  Schwerfälligkeit; 
liäwcn fällig  bezieht  sich  mehr  auf  das  Ungeschlachte  und  Töl- 
pelhafte im  Benehmen, 

dC.  Däsig ,  albern,  ijnßijllig ,  einfältig,  Imlewbägen ,  halbge- 
backen, nur  halb  klug;  wdlsh,  welsch,  quersinnig;  auwerlänsh, 
wörtlich:  oberländisch,  womit  man  einen  Menschen  bezeichnet, 
der  sich  albern  und  übermüthig,  kurz,  Avie  ein  Narr  geberdet, 
und  Nichtachtung  oder  gar  Geringschätzung  gegen  Andere  dabei 
zeigt. 

17.  Bedeget,  üjll,  aller ägüg ,  töihrs,  ütüäivet.  Bedeget,  belagt, 
iijll,  alt,  ällerägtig,  ältlich,  töihrs,  bei  Jahren,  üülmvct,  abgelebt. 

48.  Nätt ,  nett,  snüss ,  geschniegelt,  propre,  sauber,  fläid, 
geputzt,  ivijllig,  stjüllig,  staatlich,  stattlich;  äpßäid,  in  Bezug  auf 
die  Kleidung ,  wijllig  und  stjüllig  beziehen  sich  besonders  auf 
den  bunten  Farben  Wechsel  im  Schmucke  oder  Anzüge ,  staatlich 
auf  Pracht  und  Kostbarkeit;  dp/läid,  aufgeputzt,  herausgeputzt, 
von  fläien,  1.  ausbessern,  2,  aufputzen;  smnch,  hübsch. 

19.  Brauchet,  bunt,  spräjnhelt,  gesprenkelt,  spaatvelt,  gelbge- 
sprenkelt auf  Aveissem  Grunde,  spötet,  scheckig,  plächct,  fleckig. 

20.  Göddlüss,  gottlos,  gödsforjähn,  gottesvergessen,  raiichlüss, 
ruchlos,  fohl,  boshaft. 

24.  Grihsslich ,  grässlich ,  hdsslich,  hässlich ,  ahshäulick  ^  abscheu- 
lich. 

22.  Grötlsh,  wörtlich:  grössisch,  grotlhdrtig ,  hnchfjdrdig ,  Ituch- 
mänjddig,  lauter  Bezeichnungen  für  die  verschiedenen  Arten  und 
Grade  des  Stolzes,  die  sich  leicht  übersetzen  lassen. 

25.  Stüjnsh ,  zurückstossend  stolz  und  kalt ,  dän.  sprynsk ; 
knähpsh  oder  knipsh,  schnippisch. 

24.  Käim ,  geziert  blöde ;  sdmper ,  geziert ,  zimperlich ,  spar- 
sam im  Zulangen,  wenn  etwas  zum  Genüsse  dargeboten  wird; 
käim  ist  auch  empfindlich. 

29.  Sdnnig,  sinnig,  faarsdgtig ,  vorsichtig,  hetögtsaam,  bedacht- 
sam. 


192 

26.  Mäujddic) ,  mutliig,  tdppcr,  tapfer,  forwaagen,  verwegen, 
dristig ,  dreist,  kriess,  keck,  kühn. 

27.  Ünaardig,  unartig,  ünliö/flick ,  unhöflich,  ünforsliaamel , 
unverschämt. 

28.  Drimhen,  trunken,  besälim,  besoffen,  berühsset,  berauscht, 
beshängd,  wörtlich:  beschenkt. 

29.  Gäiijd,  gut,  iväjl,  wohl,  braaw,  brav. 

50.  Dägtig ,   tüchtig,  drd flick,  trefflich,  von  dräwen,   ti^effen. 

51.  Käserwdlsh ,  kauderwelsch,  ündötlick,  undeutlich. 

32.  Tivdrr,  quer,  wrdhsen,  verdreht,  krümm,  krumm,  shief, 
schief. 

55.    Käiijl,  kalt,  kjölig ,  käilig,  kühl,  Idi  ,  lau. 

54.  Tömm,  zahm,  meek,  überaus  zahm,  khre,  von  Hausthie- 
ren,  als:  cn  meken  Hdjnst,  ein  Pferd,  das  sich  jede  Behandlung 
gefallen  lässt,  wenn  sie  nicht  in  Grausamkeit  ausartet. 

ob.  Klüm,  klamm,  fug  Hg ,  feucht,  wäjll,  nass;  de  Wäjt,  die 
Nässe. 

50.  Klomm,  stlff ,  forköUigl.  Klomm,  steif,  vor  Kälte,  stiff,  steif, 
forkölligt,  fast  vor  Kälte  umgekommen;  forkülligen  ,  vor  Kälte 
umkommen ;  forklaamen ,  von  klomm. 

57.  Kränk,  krank,  krönklick,  siväck,  schwach,  swäcklick,  ün- 
sünn,  ungesund,  shrdwlick,  nichts  vertragen  könnend,  ohne  zu 
kränkeln. 

58.  Wärm,  warm,  liijtt,  heiss,  Idi,  lau;  de  Wärmd,  de  Laie, 
ein  lauer,  schützender  Ort;  de  Hdjtt,  die  Hitze. 

0^.  Ldbben,  1.  lebendig,  2.  lebhaft;  häddcr ,  heiter,  läwentig, 
lebendig,  noch  am  Leben. 

40.  Hastig,  hastig,  slönig ,  schleunig,  wiecker,  wacker,  gdiv, 
"eschwind. 

41.  ß/örrig ,  mürbe,  nög  oder  nöcli ,  1.  genug,  2.  gar,  von  ge- 
kochten Speisen;  mörrig  Flash,  mürbes  Fleisch,  dät  Flash  as  noch, 
das  Fleisch  ist  gar;  das  Gegentheil  von  rd ,  roh. 

42.  Mörrig,  s.  o.;  raset,  faul,  verfault,  bröglick,  brüchlich; 
röset,  vom  Holze,  morsch. 

45.  Nägel,  bär,  bär,  amen.  Nägel  ist  nackt;  bar,  bär  und 
amen,  bloss,  bar,  unbedeckt;  amen  ist  übrigens:  offen,  und  ist 
das  Gegenlhcil  von   dicht,   und   von  zu   oder  geschlossen.     Man 


195 

sagt :   bärbienet   und    härfäujltet ,    so  wie  ämenfiaadet    statt    bür- 
oder  iiägelliaadet. 

44.  Läig,  niedrig,  diep,  tief,  s/iör,  schroff,  steil,  steil.  Die 
jähe  Tiefe  eines  Sees  oder  irgend  eines  Gewässers  ist  dat 
Shör,  und  diess  ist  auch  der  ursprüngliche  Hauptbegriff  in  dem 
englischen  Worte  a  shore,  nämlich  ein  schroffes  oder  jähes  Ufer. 
Dät  (jöiitjt  shör  dp  an  däJd,  jähe  auf  und  nieder. 

45.  Jähr,  theuer,  kostbaar,  kostbar.  Aus  jöhr  wird  de  Jöhrke, 
der  tlieure  oder  zu  hohe  Preis,  welches  Wort  auch  für  Theurung 
gebraucht  werden  kann,  sonst  jähr  Tidde,  theure  Zeiten,  genannt. 

46.  Dö^/icÄ;,  deutlich,  klär,  klar,  begripplick,  begreiflich,  fähse- 
lick,  fasslich. 

47.  Klär,  fjärdig.  Klär,  fertig  mit  etwas,  fjärdig,  fertig  in 
etwas,  als:  Ick  bdn  klär  md  min  ^rbed,  ich  bin  mit  meiner  Ar- 
beit fertig;  he  ds  fjdrdig  äujn't  Rägnen,  er  ist  fertig,  geübt  im 
Rechnen;  tö  't  Jhnne  oder  (6  't  Ijnne,  zu  Ende. 

48.  Äiwen,  sljögt,  fläck.  ^iwen,  eben,  von  Flächen;  sljögt, 
schlicht;  fläck,  flach,  seicht,  vom  Wasser:  dw  äiwen  Slj6(/tc,  ist 
ohne  alle  Veranlassung,  ohne  eine  erkennbare  Ursache,  wie  z.B. 
he  slaug  me  dw  äiwen  SIjögte,  er  schlug  mich  ohne  alle  Veranlas- 
sung dazu;  he  feil  div  äiivcn  Sljögle  ,  er  fiel  ohne  Ansloss;  dät 
kaum  dw  äiiven  SIjögte,  es  kam  von  selbst,  u.  s.  w.  Sljögt  und 
läig  steht  auch  für  schlecht,  niedrig,  als:  en  sljögten,  en  läigen 
Strdg ,  ein  schlechter,  niedriger  Streich. 

49.  Äiwen,  sägt,  sdnnig ,  md  Lampe,  älläiwen.  Aiwen ,  leise 
im  Sprechen  und  Gehen ;  beim  Sprechen  das  Gegen theil  von 
gröllem,  laut,  beim  Gehen  von  gdw,  hastig,  geschwind;  sdnnig, 
sinnig,  ohne  Geräusch;  allähven,  allmählig;  efler  'e  Häujnn,  nach 
und  nach;  md  Ldmpe,  mit  Glimpf,  gelinde;  huhm  md  wdt  Idmpen, 
gelinde  mit  etwas  verfahren,  huhm  eftcr  en  Ausern  lämpen,  sich 
nach  einem  fügen.  Aiwen,  als  Adverbium,  ist  eben,  neulich,  als: 
he  het  hirr  äiwen  wähn,  er  ist  eben  hier  gewesen. 

50.  Sierem,  swär,  lidrd.  Sierem,  stark,  nachdrücklich  beim 
Schlagen,  en  siermen  Slieck,  ein  heftiger,  schmerzhafter  Schlag; 
umstandswörtlich  ist  es:  sehr,  als:  he  ds  sierem  rick ,  sierem 
kränk,  sierem  mal,  er  ist  sehr  reich,  krank,  entrüstet;  swär, 
schwer;  hdrd,   hart. 

26 


194 

M.  Aiensännig,  eigensinnig,  äicnwällig ,  eigenwillig,  äienräjd- 
iUg ,  eigenräthig,  wähserwamiig  statt  wä/iserwijnnig ,  ■wetterwen- 
disch. Ferner:  tivim-,  quer,  twär sinnig ,  quersinnig,  härdneket, 
hartnäckig,  starrköpfig. 

52.  Jeftiy ,  von  jeiven  ,  geben  ,  abwerfen  ,  ist  ergiebig  ,  vom 
Getreide  und  von  Feldfrüchten;  frugthaar,  fruchtbar,  vom  Boden. 

53.  Tivifärig  [tivißdrdig) ,  zwieferlig ,  ünlick ,  ungleich ,  brauchet , 
bunt.  Twifjdrdig  sagt  man  vom  Getreide,  das  gleichzeitig  gesäet 
worden  ist,  aber  nicht  gleichzeitig  reift,  z.  B,  Hafer  auf  einem 
und  demselben  Acker,  Auch  gebraucht  man  twifärig  von  Sachen, 
deren  Ausgang  noch  zweifelhaft  ist,  und  sagt  dann:  dät  sjögt 
noch  twifärig  ütt!  dät  sjögt  brauchet  ütt!  es  sieht  bunt  aus. 

54.  Laai ,  trang ,  löngsaam.  Laai ,  faul ,  traug ,  träge ,  beson- 
ders von  demjenigen,  der  schwer  an  die  Arbeit  zu  bringen  ist; 
löngsaam,  langsam. 

55.  Twidö/issig ,  zweideutig,  forblömet,  verblümt,  nnäientlick, 
uneigenllich. 

56.  ISäw ,  genau,  gitsig ,  geizig,  tt^önglick,  fdzig,  knauserig, 
knäp,  karg. 

57.  Graf,  grob,  ünforshaamet ,  unverschämt,  sJiömlüss,  schaam- 
los. 

58.  Främd,  fremd,  üttiävjnsh ,  ausländisch,  auwerlänsh ,  s.  o. 

59.  Jung,  jung,  frisli ,  frisch,  näi,  neu. 

00.  Edder,  früh,  tiddig ,  zeitig,  tisnög  [tidsnög],  früh  genug; 
das  Gegenlheil  ist  lälis,  spät. 

Gl.  Bloch,  blöde,  trung,  bange,  forlägen,  verlegen,  befangen; 
Gegentheil:  dristig ,  dreist,  frmäujddig ,  freimüthig. 

02.  llijl,  ganz,  fuUständig,  vollständig;  hijl  cn  all,  ganz  und 
gar. 

05.  Tjöglick,  von  Ijöck,  dick,  etwas  beleibt,  kröppet,  beleibt, 
bücket,  dick,  däilick  ,  von  däien,  gedeihlich,  Subst.  jö  Däged; 
nnnersdtsig,  untersetzt,  vierschrötig,  Ijöck,  dick,  nur  von  Sachen 
und  Schwangern ,  bücket ,  von  Menschen  und  Thieren  ,  aus  de 
Bück,  der  Bauch. 

64.     Bequähm,  bequem,  meklici,  gemächlich,  töpäss,  zupass. 

03.  Magiern,  nüchtern,  wenn  man  des  Morgens  noch  nichts 
genossen   hat,  ähserig.  nüchtern,    wenn  man  nicht  besoffen  ist. 


1915 

06.    Hall,  gerne,  wdlliy ,  willig,  (jäiijdwdlliij ,  gutwillig. 

67.  Nijdlick  {nüjdlicli) ,  Icmnmerlick,  när ,  inknälim ,  sind  besonders 
sinnverwandt,  wenn  von  einem  kümmerlichen  Sitze  die  Rede  ist; 
nijdlick,  von  Niijd  (Nolh),  wenn  man  sich  nur  mit  genauer  Noth 
hallen  und  bewegen  kann;  iiär,  eng,  inhnähm,  eingeknilTcn. 

68.  Löm,  lahm,  hält,  hinkend,  daher:  laamcn,  lahm  gehen, 
forlaamen,  erlahmen  und  iähmjn;  liäjnkcn,  auf  einem  Beine  hüpfen; 

hallen,  hinken. 

69.  Wieh,  übel  zum  Erbrechen,  weh,  owel,  übel  ,  hijnn  16- 
mmßs,  schlecht  zu  Muthe.  Wärk-  an  Wiehdege,  Schmerz-  und 
Wehtage. 

70.  Ljägl,  licht,  hdll ,  hell,  klär,  klar;  daher  Ijöglen,  leuchten, 
de  Ljügter,  die  Leuchte;  der  Leuchter  ist  de  SUiujnner ,  d.i.  der 
Steher. 

71.  Fälis,  äiijnnet  {ünnjöU),  üngelaagen,  will,  ilUlel,  forlägen, 
imaardig.  Lauter  Unarten  der  Kinder  bezeichnend.  Fähs,  kin- 
disch albern  aus  Verzogenheit,  äujnnel,  ungehorsam  und  unnütz, 
üngelaagen,  ungezogen,  ivi'/,  wild,  üUlet,  ausgelassen,  forlägen, 
verzogen,  ütiaardig ,  unartig. 

72.  JSärsh,  barsch,  string ,  strenge,  wriess,  böse,  unwillig. 

73.  £oll,  stumpf  an  der  Schneide;  stump  oder  stiimpel  be- 
zeichnet den  Mangel  der  Spitze  an  einem  Dinge.  Das  Gegenthcil 
von  bo/l  ist  shdrp,  von  slumpet  und  biUt,  spdss,  spitz. 

74.  Gröf,  grob,  bull,  grob  und  bärbeissig;  he  siväret  ällidd 
so  butt,  ds  so  bull;  bull,  ist  auch  kurz  und  dick. 

75.  Gläi,  froh,  dän.  und  engl,  glad;  fräulick,  fi'öhlich,  liäd- 
der,  heiter,  fornäigd ,  vergnügt,  dprömd ,  aufgeräumt,  dpläid , 
aufgelegt,  töfrese,  zufrieden,  löcklick,  glücklich. 

76.  Rien,  rein,  rienlick,  reinlich,  lihssig ,  von  Wissen,  leiden 
mögen.  Rien  und  rienlick  kann  überall  angewendet  werden,  wo 
es  im  Deutschen  steht;  lihssig  wird  aber  vorzugsweise  nur  von 
Menschen  (bisweilen  von  Hausthieren)  gebraucht.  Wer  sich  rein 
und  sauber,  und  von  Ungeziefer  frei  hält,  der  ist  lihssig;  das 
Gegentheil  ist  ünlihssig. 

77.  Aien,  eigen,  tvdlsh,  quer,  wunnerlick,  wunderlich, 

78.  Wäir,  wahr,  xvdss,  gewiss,  säker,  sicher,   löforlajlUg ,  zu- 

25^ 


196 

verlässig,  üntwlwelbaar ,   unzweifelhaft.    Von  ivdss  ist  de  Wasse, 
die  Gewissheit. 

79.  Plünnig,  lumpig,  forräiven,  zerrissen,  slörrig  äujn  e  Kluhse, 
nachlässig  in  den  Kleidern. 

80.  ^gnig ,  spreuig,  siingig ,  grannig,  sliäwig ,  schäbig. 

8d.  Eäjddig,  räthig,  wer  sich  immer  zu  ralhen  und  zu  helfen 
weiss;  äiijnshlägig ,  anschlägig. 

82.     Sivär,  schwer,  pännig ,  pfundig,  wdgtig ,  gewichtig. 

85.  Pidgtig,  verpflichtet,  forbünnen,  verbunden,  shüllig ,  shäjl- 
lig ,  schuldig. 

84'.  Strippelt,  gestreift,  rüttet,  gewürfelt,  gerautet,  rauset, 
geblümt,  von  Geweben. 

85.  Bällstjürrig,  üntierig,  ungebehrdig,  unbändig,  unbändig. 

86.  Slämm,  äirig ,  hijnn,  sljogt,  schlimm,  arg  und  schlecht. 

87.  Sldmm,  klauck,  sndll,  wiss.  Stamm  ist  hier  so  viel  als 
verständig,  lie  as  sldmme  nög,  er  ist  gescheidt  genug;  en  stam- 
men Mdns/ie,  kann  daher  heissen  ein  schlimmer  und  auch  ein 
gescheidter  Mensch,  nach  der  jedesmaligen  Geltung  des  Wortes; 
klaucti,  klug;  sndlt ,  dän.  snild,  pfiffig;  wiss,  1.  weise,  2.  bei 
Verstände,  Iiedsdi  fällig  wiss,  er  ist  nicht  recht  klug;  forstdndig , 
verständig,  fornuftig  und  fornünftig ,  vernünftig,  klöftig,  snäsig , 
schlau,  verschmitzt. 

88.  Secß,  sanft,  tielis,  gelinde,  leise,  sähgt ,  sachte. 

89.  Forsläien,  verschlagen,  d.  i.  schaal,  von  Bier  und  Wein, 
u.  s.  w.;  ßdw,  flau,  matt,  von  gleichen  Getränken. 

90.  Fldw,  flau,  trat,  müde,  ütthälet,  wörtlich:  ausgeholt,  d.  i. 
ganz  erschöpft. 

91.  Hößick  ,  höflich,  äujnstdndig  ,  anständig,  aardig  ,  artig, 
wäjldpdrägcn ,  wohlerzogen. 

92.  Hltsig,  hitzig,  iwrig,  eifrig,  happig,  forliäppet  dw,  erpicht 
auf,  glöbsh  öfter;  happig,  von  häppcn,  gierig  mit  dem  Munde 
oder  Maule  nach  etwas  schnappen,  daher  erwerbgierig,  an  sich 
raffend,  verwandt  mit  närig. 

95.     ^'prigtig,  aufrichtig,   ämenhdrtig,  offenherzig,   trauhdrtig, 
treuherzig,  licktö,  gerade  zu,  aane  ^'mstandc,  ohne  Umstände. 
94.    Ihrlick,  ehrlich,  rddlick,  redlich,  trau,  treu. 


197 

95.  JSdll,  bald,  strägs,  stracks,  gelick,  gleich,  slävjnnen  FäjUs, 
stehendes  Fusses,  dm  en  läiet,  über  ein  Kleines. 

96.  Dristig ,  dreist ,  ünforsügt ,  unverzagt ,  ünforfjdrdel ,  uner- 
schrocken. 

97.  Durig,  wärig,  driech.  Durig  und  wärig  sind  beide  dauer- 
haft, wobei  diirig  zugleich  auf  die  Stärke  und  Festigkeit  des 
Dinges  Bezug  hat;  driech,  ist  verschlagsam ,  dän.  dröi,  was  lange 
vorhält,  ohne  Rücksicht  auf  die  Masse;  das  Gegentheil  von  dröi 
ist  slöi,  also  unverschlagsam,  fries.  ündriech. 

98.  Jfjmm,  neesh,  spie,  ^jmni,  ist  wund,  schmerzhaft,  ohne 
Verletzung  der  Haut;  neesh,  zart,  von  der  Haut;  spie,  zart,  von 
neugebornen  Kindern,  dän.  späd  (1.  spähs);  äimkräjm,  empfindlich 
gegen  körperliche  Berührung  und  Eindrücke ,  z.  B.  beim  Ver- 
binden einer  Wunde,  u.  s.  w. 

99.  Unihrlick ,  unehrlich  ,  ihrlüss  ,  ehrlos ,  bedregersh  ,  be- 
trügerisch. 

dOO.     Snaud,  schnöde,  hunish,  höhnisch,  sloH,  stolz. 

101.  Unrögt,  unrecht,  ilnrigtig,  unrichtig,  forkierd,  verkehrt, 
fälsh,  falsch,  cn  fachen  Mdnshe,  ein  falscher  Mensch. 

102.  Sörrigfüjllig ,  ist  wörtlich:  sorgfältig,  aber  der  Sinn  ist: 
traurig,  sorgenvoll,  wo  die  Sorge  oder  Trauer  das  Angesicht  in 
Falten  wirft;  hedröwivet ,  betrübt,  forsläien ,  rauthlos  ,  verzagt, 
dähhläien,  niedergeschlagen. 

103.  Mingig,  njäsig ,  sömig,  slörrig,  säumig,  zauderig,  fahr- 
lässig. 

104.  Wddderlick,  widerlich,  töivddderne,  zuwider. 

105.  Bürgen,  geborgen,  säker,  sicher,  hülpen,  geholfen. 

106.  Genäigd,  geneigt,  günstig,  günstig,   tö  Walle,   zu  Willen. 

107.  Hillig,  heilig,  hällig ,  heilig,  feier;  en  hillig  Läivent,  ein 
heiliges  Leben,  en  hilligen  Mann,  ein  heiliger  Mann,  Göd  ds  hil- 
lig, Gott  ist  heilig;  dagegen  cn  hälligen  Däi,  ein  Feiertag,  häl- 
lighüjllen,  feiern,  Hälligenne,  Feierabend;  aber  Hälligläujnn ,  Hel- 
goland, heisst  dem  Sinne  nach:  das  Halligland,  von  Hällig,  de 
Hällig,  wie  noch  alle  kleinern  Inseln  der  Westsee  heissen.  Da 
Hällig  friesisch  und  vom  männlichen  Geschlechtc  ist,  so  muss 
es  auch  der  Hallig  und  nicht  die  Hallige  heissen,  welches  der 
Plural  von  Hallig  ist. 


198 

108.     Twjtirj,  züchlig,  ihrbaar ,  ehrbar,  äujnsldndiij ,  anständig. 

40Ü,     Listirj ,  fiffig ,  snäskj ,  listig,  schlau,  verschlagen. 

diO.  Ldgtsännig ,  leichtsinnig,  Idgtfjärdig ,  leichtfertig,  ünbe- 
tögtsaam,  unbedachtsam. 

dll.  Wiss7iaasig  ,  naseweis,  näishirrig ,  neugierig.  Man  spricht 
näi-shirrig ,  als  ob  es  neuschierig  wäre ,  d.  h.  der  sich  um  alles 
Neue  schiert;  eine  Erklärung,  die  wirklich  dem  Sinne  des  Wortes 
genau  entspricht.  Die  richtige  Abtheilung  ist  aber  näis-girrig , 
d.  h.  neugierig. 

H2.  Shömlick,  schimpflich,  shdndlkk,  schändlich;  dal  ds  ja  cn 
Bluged,  was  Beschämendes. 

H5.  Gä/isHck,  von  de  Gäsing ,  was  einem  gerade  passt,  dät 
's  man  Gäsing  oder  dät  ds  me  gähslick,  das  ist  mir  eben  recht; 
döglick,  von  daagen,  taugen;  hrücklick,  1.  zum  Gebrauche  be- 
quem, 2.  gebräuchlich. 

414.  KöUig,  frostig,  von  Menschen,  von  de  Köllc,  die  Kälte; 
käujl,  kalt,  forkäild,  erkältet,  forkolligt,  erfroren,  s.  o. 

il5.  Sörrigläss ,  sorglos,  ünbesörrigt ,  unbesorgt,  glickgüldig, 
gleichgültig. 

116.  Glatt,  glatt,  glähserig ,  glitschig,  schlüpferig. 

117.  Kldivig,  kleberig,  iwdgig ,  zusammenklebend  wie  liefen, 
kldstrig ,  kleisterig,  von  de  Kläster,  der  Kleister. 

118.  Tilnnen,  geschwollen,  böllcn ,  böllent  oder  böUnet ,  ge- 
schworen, von  de  Bälle,  Eiterbeule,  Schwäre;  iUtsläien,  ausge- 
schlagen. 

119.  Robbelig ,  rauh,  uneben,  shrübbet  und  shrübbelig,  kratzig, 
krätzig,  rauh,  ünäiwen,  uneben. 

120.  Brösig,  nd.  brösig,  wohl  eigentlich  brähssig ,  das  Gefie- 
der sträubend,  ivä/iserivdllig ,  widerwillig,  wdlsh,  twdvr,  s.  o. 

121.  Duf,  taub,  von  Nüssen;  sioöng ,  leer,  von  Aehren;  duhw 
Nähse  an  swöng  Wöppe,  taube  Nüsse  und  leere  Aehren, 

122.  Widdluflig  ,  weitläuftig  ,  dmstdndlick  ,  umständlich ,  üll- 
fjärlick,  ausführlich  (aber  üttfäirlick,  ausführbar). 

125.  Ünräjddig  ,  unschlüssig,  tivitvlräjddig ,  zweifelräthig,  nicht 
wissend  was  man  thun.  soll,  ünwdss,  ungewiss. 

124.  Käujlbläujddig ,  kaltblütig,  mlijärd,  ungerührt,  glickgül- 
dig, s.  0. 


199 

120.     Barmhdrliij ,  barmherzig,  mdlihssUj ,  mitleidig,  tarnen^  s.o. 

•12G,  Jijärnägtig ,  kindisch,  kins/i  ,  kindisch,  nur  von  alten 
Leuten,  die  wieder  kindisch  werden. 

127.  HdniUig ,  geschickt  zu  mechanischen  Arbeiten;  liäujnnig, 
händig,  wie  ijnhiwjnnig ,  tnlig/iävjnnig ,  ein-,  zweihändig,  u.  s.  w. ; 
lecßhijnnig ,  links  .  linkshändig  ,  von  hijnnen ,  mit  den  Händen 
aufTangen. 

428.  Ldcker,  lecker,  wer  immer  nur  Leckereien  haben  will; 
hier,  kür,  kfirisch,  kürig,  wer  jeden  Bissen  kehrt,  um  sich  den 
besten  auszuküren. 

129.     BeltelpHch,  behülflich,  befordcrlick,  förderlich. 

150.     Fälirlick,  gefährlich ,  7«fm/ic/^ ,  misslich,  waagllcl; ,  waglich. 

134.     Unsägt,  entzweit,  üiiijns,  uneins,  ünihnig,   uneinig. 

452.  Fläch,  flach,  i^Iäl,  platt,  brijikl,   breit. 

435.  Issgrd,  eisgrau,  sh'jnüjll,  steinalt;  on  issgräen,  stijmljllcn 
Mönn. 

454.  Widdluftig ,  weitläuftig,  hier  verwandt  mit  ivill ,  wild,  lie- 
derlich, liederlich,  ültswäiüend ,  ausschweifend. 

453.  Forgdiinjlich  ,  vergänglich,  forkrdinhUck  ,  verkränklieh , 
verweslich,  ünjbrg dinglich  und  ünforkräinklick. 

456.  Bloch,  blöde,  befangen,  befangen,  shüglern,  schüchtei'n, 
früglsaam,  furchtsam,  forshaamet,  verschämt. 

457.  Eftcrlä/isen,  nachlässig,  iinordenlHck ,  liederlich. 

4  58.  Billig ,  billig ,  röglfjdrdig ,  gerecht ,  rddlich ,  redlich ,  ihrlick , 
du  lieh. 

439.     Fälsh,  falsch,  ilndgt ,  unecht,  forfälsliet,  verfälscht. 
4  40.     Miiddenvilsig ,  mutter witzig,  sldmm,  sndll,  klanck,  s.  o. 

444.  Behaglich,  gefällig,  lief,  lieb,  lieflich,  lieblich. 

442.     Njüllig ,  nützlich ,  fordielägtig ,  vortheilhaft;  lo  Iiuhms  Gagen. 

445.  Hurtig,  hurtig,  hastig,  hastig,  gdw,  geschwind,  rash , 
rasch,  ivieher,  wacker. 

444.  Unnalörlich,  unnatürlich,  auwernatörlich  ,  übernatürlich, 
wähsernatörlich ,  widernatürlich. 

445.  Däih,  i.  alltags,  2.  schlicht  im  Umgange,  nicht  vornehm, 
min  däihc  Kluhse,  meine  Alltagskleider,  cn  däihen  Mdnshe,  ein 
alltäglicher  Mensch,  einfach  im  Beiragen,  5.  einfällig,  als:  he  ds 
man  däik,  en  liriot  däih,  ein  wenig  einfältig. 


200 

446.  Wä/ilig ,  slarl; ;  wählig,  sagt  man  nur  von  Menschen  und 
Thieren,  nicht  von  Sachen;  stark,  nur  von  den  letztern,  eher  nie 
wählig,  so  wie  man  auch  nie  stark  von  Thieren  und  Menschen 
gebraucht,  um  ihre  Kräfte  zu  bezeichnen:  en  wähligen  Kjärl  fon 
stark  Knaakc  an  Lähsc,  ein  tüchtiger  Kerl  von  starken  Knochen 
und  Gliedmassen. 


FÜNFTES    CAPITEL 

DAS  ZAHLWORT   (iNumerale) 


1.    Allgemeine  Zahlwörter. 

§.  424.  Durch  die  allgemeinen  Zahlwörter  fasst  man  nur  eine 
kleinere  oder  grössere  Menge  gleichartiger  Gegenstände  zusam- 
men, ohne  die  Anzahl  der  Einheiten  zu  bestimmen.  Diese  all- 
gemeinen oder  unbestimmten  Zahlwörter  sind  folgende: 

^11,  alle,  alles,  all,  aller,  e,  es,  pl.  alle;  haaivcn,  haaw,  einiger, 
e,  es,  pl.  einige;  säm,  etlicher,  e,  es,  pl.  e;  ärken,  ärk,  jeder, 
e,  es,  pl.  jede;  faale^  viel,  vieler,  e,  es,  pl.  e;  männing ,  viel  und 
viele;  läiet,  wenig,  er,  e,  es,  pl.  e;  tiäiin,  kein,  er,  e,  es,  pl.  e, 
weiblich  und  sächlich,  wie  im  pl.  nijnn ;  ^n'»^,  nichts;  wdt,  etwas; 
mörr ,  mehr;  ällemäle,  allzumal,  alle  mit  einander. 

^11,  alle,  alles.  ^11  steht  im  Singul.  und  Plural  von  Stoff- 
Menge-  und  Gattungsnamen  unverändert,  immer  mit  dem  eigent- 
lichen Fürworte  oder  dem  Geschlechtsworte  unmittelbar  nach 
sich,  wie  z.  B.  all  man  gauhsc  Winn  äs  spüllen,  all  mein  guter 
Wein  ist  verschüttet,  oder  gespillt;  all  sin  Fäiijlk  was  ntträihsd, 
alle  seine  Leute  v/aren  ausgereist;  all  hdr  Shäip  sän  tlrüngd, 
alle  ihre  Schafe  sind  ertrunken;  all  min  Böhscr  äs  dp,  alle  meine 
Butter  ist  auf;  jö  het  all  harren  Hjärl  spünnen  ,  sie  hat  allen 
ihren  gehechelten  Flachs  gesponnen.  Das  Geschlechtswort  steht 
dann,  wenn  von  einem  bestimmten,  eben  erwähnten  oder  gegen- 


201 

Märtigcn  Gegenstände  die  Rede  ist,  z.  B,  all  de  hijnnc  Rüf/ge  hH 
'r  forkäß ,  an  all  de  gaulisc  lobälig  behüUen,  all  den  schleehlen 
Roggen  hat  er  verkauft,  und  all  den  guten  zurückbehalten;  all 
da  grotle  Dringe  sliäujn  ült  to  tiencn,  alle  die  grossen  Jungen  sollten 
aus  zu  dienen ;  ick  däi  harn  (wonlig  Daalere ,  an  all  dät  Gijl  hei  V 
forspälct,  ich  gab  ihm  20  Thaler,  und  all  das  Geld  hat  er  verspielt. 
^lle  kommt  allein  in  der  Mehrheit  ohne  Zusatz  vor,  als:  alle 
Mdnshene  mäujn  släirwe,  alle  Menschen  müssen  sterben;  alle  Swäl- 
hene  sdn  ivägtägen,  alle  Schwalben  sind  weggezogen;  alle  Slaurke 
sd7i  noch  äi  kiemen,  alle  Störche  sind  noch  nicht  gekommen;  he 
gongt  alle  Dege  ütt,  er  geht  alle  Tage  aus;  alle  ^gcne  smätt  'r 
wäg.  alle  Acheln  (Spreu)  wirft  er  weg.  Dass  hier  auch  Bestim- 
mungswörter vor  dem  Hauptworte  stehen  können,  versteht  sich 
von  selbst ,  wie :  alle  ßijitige  Dringe  ,  alle  fleissige  Knaben ;  de 
A'llring  hei  alle  junge  Döwwe  ahn,  der  Iltis  hat  alle  junge  Tauben 
gefressen;  alle  Mdnshene  sedde  so,  alle  Menschen  sagen  so;  aber 
in  dem  Ausdrucke  ^llcmdnshe  säil  so  heisst  ^llemänshc  so  viel 
wie  jedermann ,  und  steht  daher  auch  in  der  Einheit. 

^lles  steht  allgemein,  wie  in  folgenden  Sätzen:  däl  ds  alles 
tvät  ick  häw ,  das  ist  alles ,  was  ich  habe ;  alles  untig  nint ,  alles 
oder  nichts;  Gödd  wißt  alles,  Gott  weiss  alles;  ick  häw  alles  däjn, 
wdt  ick  köhs,  ich  habe  alles  gelhan,  was  ich  konnte;  he  het  alles 
forlähsen,  wdt  'r  äiijn  'e  Shrock  häi,  er  hat  alles  verloren,  was 
er  in  der  Tasche  hatte,  nämlich  im  Spiele;  he  het  alles  sldn, 
wdt  'r  änjn  'e  Shrock  häi,  er  hat  alles  aus  der  Tasche  verloren, 
was  er  darin  hatte;  he  forkäft  alles,  ivdt  'r  het,  er  verkauft 
alles,  was  er  hat;  jö  säit  alles,  wdt  "s  wijt ,  sie  sagt  alles,  was 
sie  weiss. 

Haawen,  haaw.  Haaivcn,  im  männlichen  Geschlecht  vor  Stoff- 
und  Mengenamen,  so  wie  in  der  Einheit  vor  männlichen  Gat- 
tungsnamen, für  irgend  einen,  jemand,  irgend  welchen;  haaw  im 
weiblichen  und  sächlichen  Geschlechte  und  in  der  Mehrheit.  Bei- 
spiele: yi's  'r  haawen  Säihs  ,  haawen  Winn  äujn  'e  Tjaaler?  Ist 
einiger  Käse,  einiger  Wein  im  Keller?  Hähst  haaiven  Rögge  tür- 
shen?  hast  du  einigen  Roggen  gedroschen?  hähst  haawen  Mdnshe 
äujn  'e  Fenn  säjn?  hast  du  irgend  jemand  in  der  Fenne  gesehen? 
Haaw  Böhscr  het  's  forkäft,  jö  auhser  hol  's  insläien,    einige  Butter 


202 

hat  sie  verkauft ,  die  andre  eingeschlagen ,  nämhch  in  Fässer. 
Ich  häw  all  haaw  Licppe  säjn,  ich  habe  schon  einige  Kiebitze  ge- 
sehen; dirr  sdn  all  haaw  Spriene  kiemen,  es  sind  schon  einige 
Staare  gekommen;  ick  Itäw  haaio  Laumme  slägtigt,  ich  habe  einige 
Lämmer  geschlachtet,  '^w  haaw  Imnnert  Daalere  kämt  't  häm  äi 
äujn,  auf  einige  hundert  Thaler  kommt  es  ihm  nicht  an. 

Sdni,  dän.  som,  somt,  pl.  somme,  steht  durchaus  unverändert 
in  allen  Geschlechtern,  und  hebt  aus  der  Menge,  so  wie  aus 
einigen  oder  etlichen,  noch  einzelne  besonders  hervor,  als:  ick 
Itäw  hamv  Spärrige  shähn,  aurs  säm  dirrauf  wjärn  noch  äi  diijd, 
äs  ick  's  dpsämmolt,  ich  habe  einige  Sperlinge  geschossen,  aber 
einige  davon  waren  noch  nicht  todt,  als  icli  sie  aufsammelte. 
^iijn  jü  ForsömmUng  wjärn  liaaw,  dirr  nän  Winn  drunken,  auhsere, 
dirr  nun  Säilts  äjttcn,  an  säm  mahn  tvihsser  Böhser  unfig  Brüjd, 
in  der  Versammlung  waren  einige,  die  keinen  Wein  tranken, 
andre,  die  keinen  Käse  assen,  und  etliche  mochten  weder  Butter 
noch  Brot.  He  hei  faale  Biihmmc  äujn  sdn  Tünn,  haaw  sdn  üjll, 
aurs  sdm  dirrauf  drege  noch  gäujd,  er  hat  viele  Bäume  in  seinem 
Garten,  einige  derselben  sind  alt,  aber  etliche  davon  tragen  noch 
gut.  Säm  Biihmmc  wägse  hastig,  sdm  äi  so  bdll ,  einige  Bäume 
wachsen  geschwind ,  einige  nicht  so  bald.  Ick  häiv  haaw  Bauche 
Jungen  ,  aurs  sdm  dirrauf  liäw  ick  äi  bestdlld,  ich  habe  einige 
Bücher  bekommen,  aber  etliche  habe  ich  nicht  davon  bestellt. 
Sdm  kann  auch  fürwörtlich  stehen,  als:  sdm  sedde  so,  da  auhsere 
so;  sdm  häwc  segs  Tune  äw  drken  Fäujt  an  segs  Füjngre  äw  drk 
Iläujnn,  einige  (Menschen)  haben  sechs  Zehen  an  jedem  Fusse 
und  sechs  Finger  an  jeder  Hand  ;  sdm  Winn  äs  äi  to  drdjnken , 
einiger  Wein  ist  nicht  zu  trinken. 

yJ'rken,  drh.  ^rhen  im  männlichen,  und  drk  im  weiblichen 
und  sächlichen  Geschlecht.  Anwendung :  alle  Mdnshene  liäwe  en 
Tung,  aurs  drhen  het  sdn  äiene  Smäge,  alle  Menschen  haben  eine 
Zunge,  aber  jeder  hat  seinen  eigenen  Geschmack;  auf  min  tien 
Häjnsle  ds  drhen  man  fjauwer  Ihr,  von  meinen  zehn  Pferden  ist 
jedes  nur  vier  Jahr;  he  was  äujn  drh  Hüss,  an  het  md  ürh  Föm- 
mcn  snähet,  er  war  in  jedem  Hause,  und  hat  mit  jedem  Mädchen 
gesprochen;  dirr  äs  en  Ritig  äujn  drhen  Ijnne,  es  ist  ein  Ring  an 
jedem  Ende;   dät  Slot  hei  en  Turn  äw  drh  Hjarn,  das  Schloss  hat 


203 

einen  Thurm  auf  jeder  Ecke;  däl  du/ig  ick  drk  Töcli,  das  ihue 
ich  jedes  Mal.  Fürwörtlicli:  Arkcn  säit  so,  jeder  sagt  so;  däl 
wijt  drkenän,  das  weiss  ein  jeder,  oder  jedermann;  drk  ijUy  eine 
jede,  ein  jedes'. 

Faale ,  viel,  aber  auch  vieler,  e,  es,  pl.  e,  steht  vor  Stoff- 
und  Mengenaraen  in  der  Einheit  und  vor  Gattungsnamen  in  der 
Mehrheit,  als:  Ick  häw  faale  Giß  ütldäjn,  ich  habe  viel  Geld  aus- 
gegeben; he  drdjnkt  faale  Winn,  er  trinkt  viel  Wein;  wäs'r  faale 
Fäivjlk  äiv't  ^'phöd?  waren  viel  Leute  auf  der  Versteigerung? 
he  rockt  faale  Tobäck  dp ,  er  raucht  viel  Taback  auf;  faale  Wiim 
üs  di  to  drdjnken  an  faale  Böhser  di  to  ähsen ,  vieler  Wein  ist 
nicht  zu  trinken  und  viele  Butter  nicht  zu  essen  ;  he  Iiel  faale 
Kantöffle  bürgen,  er  hat  viele  Kartoffeln  geerntet;  de,  dirr  di 
faale  het,  kun  ock  di  faale  üttdäjn,  wer  nicht  viel  hat,  kann  auch 
nicht  viel  ausgeben  -. 

Mdnning ,  dän.  mange,  engl,  many,  viel,  viele,  kommt  nur  in 
der  Mehrheit  vor  Gattungsnamen,  so  wie  mit  an  und  ijn  verbun- 
den in  der  Bedeutung  von  mancher,  e,  vor,  als:  Jie  het  mdnning 
Baucke  läsen,  er  hat  viele  Bücher  gelesen;  lie  hei  mdnning  Daa- 
lere  forspdlel,  er  hat  viele  Thaler  verspielt;  hörr  mdnning  ^ie 
ladde  dirr  äujn't  NestF  wie  viel  Eier  liegen  da  im  Neste?  änjn 
en  Armee  sdn  mdnning  Sdldaate,  in  einer  Armee  sind  viele  Solda- 
ten; hörr  mdnning  Bjürne  hähslF  wie  viel  Kinder  hast  du?  mijm 
mdnning 'en  Ermen  däl  man  häi,  wdl  mdnning' en  Ricken  ivdgsmdtt! 
wenn  mancher  Arme  das  nur  hätte,  was  mancher  Reiche  weg- 
wirft !  mdnningijn  mijnt  Wunner  wdl  's  ds ,  manche  meint  Wun- 
der, was  sie  sei;  mdnning  'en  braawen  Mann  ds  dirr  feilen,  man- 
cher brave  Mann  ist  da  gefallen. 


'  A'rken  hat  im  zweiten  Falle  drkens  ,  wenn  es  jeder,  jeder- 
mann bedeutet,  als:  däl  häi  drhen  däjn,  das  hätte  jedermann 
gethan;  he  ds  drkens  Geck,  er  ist  jedermanns  Narr. 

Biese,  beide,  kann  immer  nur  mit  dem  Dualis  wdl  und  jdt, 
und  mit  alle  voran  oder  ohne  dasselbe  gebraucht  werden;  wdl 
wjarn  r  btese;  ja  kaummen  ällebiese;  jdl  sdn  jd  biese  kränk,  ihr 
seid  ja  beide  krank. 

-  Hörr  faale F  wie  viel?  und  sü  faale,  so  viel,  werden  auch  zu- 
sammengezogen, hörr  faale  in  hüllivc  und  so  faale  in  süllwe. 

26* 


204 

Läiet,  wenig,  ist  das  Gegenlheil  von  faale  und  mann  in  g ,  und 
steht  unverändert  vor  Stoff-  und  Mengenamen,  so  wie  vor  Gat- 
tungsnamen in  der  Mehrheit,  als:  dirr  was  man  läiet  Fävjlk  to 
Haaw,  es  waren  nur  wenig  Leute  zur  Kirche;  läiet  Mänshcne, 
wenig  Menschen;  ick  kön  man  läiet  Bränmvinn  fordrege,  ich  kann 
nur  wenig  Branntwein  vertragen  ;  dö  hältst  man  läiet  Bu/imme 
plantet,  wenig  Bäume  gepflanzt ;  ick  Itäw  alte  läiet  Ljägte  to  de 
grölte  Saal ,  ich  habe  zu  wenig  Lichte  für  den  grossen  Saal ; 
läiet  Gijl,  wenig  Geld;  dät  läiet,  wät  ick  Iiäw,  äs  ball  fortjärd], 
das  Wenige,  Avas  ich  habe,  ist  bald  verzehrt;  de  ihne  Jiet  faale, 
de  auliscre  man  läiet,  der  eine  hat  viel,  der  andre  nur  wenig. 

Nänn  ,  nun,  im  männlichen  Geschlechte  vor  Gattungs-  Stoff-  und 
Mengenamen,  im  sächlichen  Geschlechle  und  in  der  Mehrheit 
nijnn,  nijn,  keiner,  e,  es,  pl.  e.  Es  ist  aus  dem  bestimmten  Zahl- 
worte an  und  ijn ,  durch  Vorsetzung  des  Buchstabens  n  ent- 
standen, und  heisst  so  viel  als  nicht  ein.  Beispiele:  Jö  Fömmen 
het  noch  nänn  Bredgome,  das  Mädchen  hat  noch  keinen  Bräuti- 
gam; ick  häw  nänn  Winn  drnnken,  ich  habe  keinen  Wein  ge- 
trunken; he  häi  nän  Häujd  äw  an  nän  Rock  äiijn,  er  hatte  keinen 
Hut  auf  und  keinen  Rock  an;  dirr  was  nijn  Böhser,  nijn  Brüjd, 
nijn  Mahl,  nijn  Speck  an  Flash,  an  nijn  Mölke  äiyn't  Hüss,  es 
war  keine  Butter,  kein  Brot,  kein  Mehl,  kein  Speck  und  Fleisch 
und  keine  Milch  im  Hause;  hältst  nijn  Ijllinge?  hast  du  keine 
Feurung?  de  Säldaat  häi  nijn  Boss  an  nän  Saabel,  der  Soldat 
hatte  keine  Büchse  und  keinen  Säbel,  Von  nän  oder  nänn  ist 
nähn,  nein,  zu  unterscheiden,  welches  weit  gedehnter  ausgespro- 
chen wird. 

Wät,  was,  etwas,  ist  unabänderlich  und  sieht  unbestimmt, 
als:  hähst  wät  äiijn'e  Shrock?  hast  du  etwas  in  der  Tasche?  wät 
wäht  hewc?  was  willst  du  haben?  Mt'r  de  tvät  säid?  hat  er  dir 
was  gesagt?  he  hei  wät  market,  er  hat  etwas  gemerkt;  wät  untig 
nint!  etwas  oder  nichts;  dät  äs  wäjl  wät,  aurs  dät  's  äi  nög ,  das 
ist  zwar  etwas,  aber  nicht  genug. 

Mörr ,  mehr  ,  steht  im  vergleichenden  Stande  ,  und  ist  der 
Comparativ  von  haaw,  faale  und  männin g ,  wo  der  höchste  Stand 
mäst  heisst,  als:  ick  häw  haaw  Baare  säjn ,  he  het  mörr  säjn,  an 
man  Brauhscr  het  da  mäste  säjti,  ich  habe  einige  Bären  gesehen. 


205 

er  hat  mehr  u.  s.  w. ;  he  het  [aale  Gijl,  aurs  säii  Näiber  het  murr, 
an  de  rickc  Jö/ise  het  mäst,  er  hat  viel  Geld,  aber  sein  Nachbar 
hat  mehr,  und  der  reiche  Jude  hat  am  meisten;  we  häive  man- 
ning  Shäip,  jäm  häive  murr,  aurs  jd  häwe  da  mäste,  wir  haben 
viele  Schafe,  ihr  habt  mehr,  aber  sie  haben  die  meisten. 

Auch  läiet,  wenig,  ist  steigerungsfähig,  und  hat  folgende  Stu- 
fenformen: läiet,  männere ,  mannst ,  weniger,  wenigst,  oder  minder, 
mindest. 

^Itemäle,  alle,  allzumal,  alle  mit  einander,  alles.  Beispiele; 
San  alle  Shaidere  klemmen?  Ja,  jd  sän  kirr  ältemäle,  sind  alle 
Schüler  gekommen?  Ja,  sie  sind  alle  hier;  he  häi's  ältemäle  ütt- 
jaget,  er  hatte  sie  alle  mit  einander  hinausgejagt;  wähl  's  ältemäle 
hewe?  willst  du  sie  alle  haben?  tväht't  ältemäle  hewc?  willst  du 
es  alles  haben?  wirr  ds  dät  Hält  bläwenF  ick  häiu't  ältemäle  for- 
käft,  wo  ist  das  Holz  geblieben?  ich  habe  es  alles  verkauft. 

Die  Wörter  kijl,  ganz,  hulew,  halb,  djnkelt,  einfach,  döwelt, 
doppelt,  und  tröwelt,  dreifach,  bestimmen  zwar  auch  die  Grösse 
der  Dinge,  werden  aber  abgeändert,  wie  das  Bestimmungswort. 

Anmerkung 671  über  die  Synonymen  in  den  allgemeinen 
Zahlwörtern. 

i.  ^lles ,  ältemäle.  ^lles  fasst  auch  das  Verschiedenartigste 
zusammen,  z.  B.  alles,  wdt  ick  häio  ,  ds  Göds  Gaawe;  ältemäle 
nimmt  bei  Stoff-  und  Mengenamen  auch  den  kleinsten  Rest,  und 
bei  Gattungsnamen  die  letzte  Einheit  mit,  als:  dirr  hähst't  älte- 
mäle, da  hast  du  es  alles  mit  einander;  we  san  ältemäle  Senilere, 
wir  sind  allzumal  Sünder. 

2.  Haaw,  sdm.  Haaiv,  einige,  etliche,  umfasst  bloss  eine  un- 
bestimmte Anzahl  von  Dingen,  von  denen  s«w  wieder  einzelne 
aushebt,  z.  B.  he  häi  haaw  S/iäip  tö  forkirpen,  aurs  sdm  dirrauf 
wjdrn  shürrewt,  er  hatte  einige  Schafe  zu  verkaufen,  aber  etliche 
derselben  waren  räudig. 

3.  Faale,  mdnning.  Faale  ist  das  deutsche  viel,  und  umfasst, 
wie  dieses,  nur  die  Masse  und  die  Menge;  mdnning,  das  deut- 
sche manch,  dän.  mange,  engl,  many,  entspricht  dem  deutschen 
vieler,  e,  es,  pl.  e,  so  wie  mancher,  e,  es,  pl.  e,  mit  an  und 
ijn  verbunden,  als:  mdnning 'cn  an,  mancher,  Jndnningijn ,  manche , 


206 

pU  männiiiy.  z.B.  Dösäist,  dö  hähst  faaie Dowwe ,  hört' mdnning  hälist 
dann?  du  sagst,  du  habest  viel  Tauben,  wie  viele  hast  du  denn? 
Mdnning  Mänshene  kaane  nijn  Böhser  ähse ,  aurs  faale  kaane  mdt- 
ijns  en  kiel  Tdnn  fortere ,  viele  Menschen  können  keine  Butter 
essen ,  aber  viele  (Menschen)  können  auf  einmal  eine  ganze  Tonne 
verzehren. 

4.  Nänn,  nijn,  niemmen,  nänne  mänshe.  Niermnen  und  nänne 
mdnshe  sind  gleichbedeutend,  niemand,  kein  Mensch;  nänn,  kei- 
ner, ist  männlich;  nijn  weiblich  und  sächlich,  und  steht  auch  in 
der  Mehrheit. 

2.     Bestimmte  Zahlwörter. 

§.  125.  Diese  sind  theils  Grundzahlen,  theils  Ordnungszahlen; 
jene  geben  genau  die  Anzahl,  diese  die  Ordnung  und  Aufeinan- 
derfolge gleichartiger  Dinge  an.   Die  Grundzahlen  sind  folgende: 

an  \.    twäier   2.  irä  5.  )   .  ...        /^      ,  ,    , 

un  männlichen  Geschlecht. 
an  \.    twdnne  2.  trdnne  o.       \ 

.     .         ,      ^  .    „  )   im  weiblichen  und  sächlichen  Ge- 

rm 1.    tu/iq  2.       Ine  ö.  )  , ,    , 

■^  -^  )       schlecht. 

fjauwer,  4,  fieiv,  5,  segs,  6,  saawen,  7,  aagt,  8,  njögen,  9,  üen, 
40,  dllwen,  41,  twellew,  twelweji ,  42,  trdtäin,  45,  fjauwertäin ,  44, 
füftäin,  45,  segstäin,  46,  saaiventäin,  47,  aagttäin,  48,  njögentäin , 
49,  tivontig ,  20,  dortig,  50,  fertig,  fäirtig ,  fjärtig ,  40,  füßig,  50, 
söstig,  60,  söwentig,  70,  tdc/i entig ,  80,  nägentig,  90,  hunnert,  400, 
dusend,  4000,  tiendusend,  40,000,  hunnertdnsend ,  400,000,  dusend 
Töche  dusend  oder  en  Million,  4,000,000. 

Die  daraus  hervorgehenden  Ordnungszahlen  werden  folgender- 
raassen  gebildet,  als:  de  järste,  der  erste,  de  lähsere  oder  de 
ausere,  der  zweite,  de  tredde,  de  fierde,  de  fäfte,  de  segste,  de 
saawente,  de  aagte,  de  njögente,  de  i/ew^e  oder  de  tijnde,  de  äZ/ejü- 
fc,  de  twellewte,  de  trdtäinste,  de  fjatiwertäinste ,  de  füftäinste,  de 
segstäinste,  de  saawentäinste ,  de  aagttäinste,  de  njögentäinste ,  tivon- 
tigste,  dortigste,  fertigste,  füftigste,  söstigste,  söiv entig ste ,  tdchentig- 
ste,  nägentigste,  hunnertste,  dusendsle,  u.  s.  w.  Diese  Ordnungs- 
zahlen ,  die  sich  alle  auf  e  endigen ,  gelten  nur  allein  für  das 
männliche  Geschlecht;  beim  weiblichen  und  sächlichen  Geschlecht 
verlieren  sie  das  e  am  Ende:  jö  jdrst,  die  erste,   dat  järsl ,   das 


^207 

erste;  jö  ired,  die  dritte,  dat  trcd,  das  dritte;  jö  fierd,  dät  ficrd, 
füft,  segst ,  saawent ,  aagt,  njögent,  u.  s.  w.  Bloss  de  läfisere, 
der  zweite,  bleibt  unverändert  in  allen  Geschlecbtern,  als:  de 
lähsere  Mönn ,  jö  lähsere  Wöff,  dät  lältsere  Bjärn ,  der  zweite 
Mann,  die  zweite  Frau,  das  zweite  Kind.  Statt  lähsere  gebraucht 
man  auch  de  ausere,  der  andere,  als:  de  ausere,  jö  auser,  dät 
auser.  De  läJisere  und  de  ausere  werden  nur  aus  Mangel  eines 
andern  passenden  Wortes  als  Ordnungszahlwörler  gebraucht,  weil 
man  aus  tiihg  (zwei)  nicht  de  tiihgde ,  wie  im  Deutschen  (der 
zweite)  machen  kann ;  auch  im  Dänischen  muss  man  hier  der 
andre,  den  anden,  gebrauchen,  nd.  de  toe/e,  altfries.  the  other  und 
i/ie  twede.  De  lähsere  ist  der  vergleichende  Stand  von  lähs,  spät, 
und  heisst  der  spätere,  letztere,  im  Superlativ  lest,  de  leste,  jö 
lest,  dat  lest,  da  lesie,  der,  die,  das  letzte,  die  letzten.  De  ausere, 
von  aiirs,  anders,  ist  der  andre,  als:  dug  me  de  ausere  Häiijdd, 
jö  auser  Urdll,  dät  auser  Bauch  und  da  ausere  Stäiivle,  gieb  mir 
den  andern  Hut,  die  andre  Brille,  das  andre  Buch,  und  die  an- 
dern Stiefel  •. 

Die  drei  ersten  Zahlwörter,  dän.  een,  io,  Ire,  nd.  en,  tive, 
drc,  engl,  07ie,  iwo,  three,  altfrics.  eti,  twa,  thrju  oder  en,  twenc, 
thre,  oder  en ,  twa,  thrid  (nach  Rask),  haben  im  Nord  friesischen 
folgende  abweichende  Formen:  a.  im  männlichen  Geschlecht:  an, 
tiväier,  trd,  und  an,  twdnne,  trdnne,  b.  im  weiblichen  und  säch- 
lichen Geschlechte  :  ijn ,  luhg ,  trie.  Twdnne  ist  im  Dänischen 
tvendc ,  das  ältere  deutsche  zween ,  und  trdnne  ist  irende.  Zählt 
man  Gegenstände  vom  weiblichen  oder  sächlichen  Geschlechte , 
oder  in  unbenannten  Zahlen,  so  gebraucht  man  immer  ijn,  tuhg , 
trie,  auch  mit  den  Zahlen  von  zwanzig  bis  neunzig,  oder  wo  sie 
nur  immer  vorkommen  mögen.  Sind  aber  die  zu  zählenden 
Dinge  männlich,  so  muss  man  überall,  wo  sie  nur  immer  stehen, 
an,  twäier,  trd,  gebrauchen.  Beispiele,  weiblich  und  sächlich: 
ijn,  tuhg,  trie  Gäis;  ijn-  tuhg-  trieantwontig  Hühssinge;  he  het  ijn- 


*  En  Ausern  steht  auch  für  unser  einer,  unser  eins,  als:  so  wdt 
fäit  en  Ausern  jd  aller  to  sieen,  so  was  bekommt  unser  eins  ja  nie 
zu  sehen  ;  dirr  wijl  en  Ausern  jd  nint  auf,  davon  weiss  ja  unser 
einer  nichts. 


208 

an/wontig  ,  lu/igmitwontifi ,  trieantwonlig  Puppe  faar  üiiantwontig , 
twäierantwontig  an  trdantwontig  Daalere  käj'i,  er  hat  21,  22,  25 
Pfeifen  für  21 ,  22  und  25  Thaler  gekauft ;  he  däi  nie  änanfer- 
iig  Jple  faar  ijnanfüftig  Plöme,  an  trie  Plöme  faar  twäier  Jple ; 
ick  iväll  de  iräansöstig  ^yle  faar  iuhganfüfdg  Plöme  düjn. 

Tivänne  und  iränne  wird  immer  nur  von  Personen  ,  nie  von  Sachen 
gebraucht,  als:  Iiörr  münning  wjdrn's  am  IiamF  Ja  wjdrn  twänne 
untig  iränne  am  harn,  wie  viele  waren  sie  um  ihn  ?  zwei  oder 
drei.  Jd  sän  jd  man  tivdnne,  sie  sind  ja  nur  ihrer  zwei.  Dirr 
wjärn  man  en  tivdnne,  irdnne  kiemen,  wdt  wäjn  jd  wäjl  ütirögieF 
was  wollten  die  wohl  ausrichten  '?  (Vergleiche  die  Anmerkung 
nach  §.  409). 

Auch  die  Male  werden  bis  drei  aus  den  drei  ersten  Zahlen 
gebildet,  wie  im  Englischen,  als:  ijnsen,  iwäie,  träie,  engl,  once, 
Iwice,  ihricc,  d.  i.  ein-  zwei-  dreimal.  Ijnsen  ist  hier  das  deut- 
sche eins,  in  der  Bedeutung  von  einmal,  und  iwäie,  das  deutsche 
zivi-er,  Lucas  18:  v.  12;  im  Alldänischen:  iösscr,  von  iö,  zwei. 
Zwischen  dem  Friesischen  und  Englischen  ist  hier  die  Aehnlich- 
keit  am  wenigsten  zu  verkennen.  Träie  mag  vielleicht  das  alt- 
fries.  tltria  sein.  Was  über  drei  hinausgeht,  bekommt  Töc/ie,  Male, 
zugesetzt,  als:  fjamver  Töc/ie,  iivoniig  Töc/ie ,  mdnning  Tdc/ie. 

Die  deutschen  Wörter:  erstens,  zweitens,  drittens,  viertens, 
u.  s.  w. ,  kann  der  Nordfriese  nicht  nachbilden,  sondern  muss  sich 
der  Form:  fürs  erste,  fürs  zweite  u.  s.  w.  bedienen,  als:  faar't 
järsi ,  faar'i  lähscre,  faar't  auser,  faar't  tred,  fierd,  füft,  segst, 
u.  s.  w. 

Die  Namen  der  Zahlzeichen  sind  weiblich ,  und  nehmen  im 
Plural  ein  e  an.  Sic  heissen:  jö  Ijn,  jö  Tulig ,  jö  Trie,  jö  Fjauwer , 
jö  Fiew,  jö  Segs,  jö  Saawen,  jö  y/agt,  jö  Njögen,  jö  Tien,  jö  Null  K 


'  Substantivische  Zahlwörter ,  die  als  Grössen-  oder  Theilbe- 
stimmungcn  dienen,  sind  folgende,  als:  en  Dätijiien,  5  Schillinge; 
enDansenn,  12Stück,  ein  Dutzend;  enSnielis,  das  Stieg ;  jö  Träw, 
eine  Stiege  Garben,  40  Stück;  en  Slwck,  60  Stück;  dat  Tdlt,  12 
Stück  Bretter,  der  Zwölfter,  Tult;  dät  Wdll,  80  Häringe;  dät 
Hunnert,  dat  Dusend;  ebenso:  de  Drilling,  der  Dreiling;  de  Segs- 
ling,  der  Sechsling;  de  Träsing ,  der  dritte  Theil  eines  Demaths; 
(\c  Ficrding ,  ein  Viertel  desselben,  so  wie  ein  Viertel  überhaupt; 


SECHSTES     CAPITEL 

DAS  FÜRWORT  (Pronomen). 


§.  126.  Das  Fürwort  vertritt  die  Stelle  eines  Hauptwortes. 
Aber  nur  das  Pronomen  personale  steht  allemal  anstatt  eines  Haupt* 
Wortes,  andere  werden  demselben  auch  vorgesetzt.  Dieses  per* 
sönliche  oder  eigentliche  Fürwort  ist  im  Nordfriesischen  folgendes: 
Ick,  dö,  he,  jö,  hat,  dät,  im  PI.  ive,  jdin,jä,  im  Dualis  wdt  und  jdL 

Abänderung    desselben. 

Einheit. 
|ste  Person.       2'e  Pers.  5'"  Pers.  männl 
IFall.  ick  dö  4  he 

2  —    min  din  2  sin 

3  u.  4  me  de  3  u.  4  hdm 

Mehrheit. 
Iste  Pers.        2'e  Pers.        3"=  Pers 

1  Fall.         ivc  jdm  ja 

2  —  ühs  jdringe  järe 

3  u.  4  üss  jdm  jdm 


weibl.        sächl. 

sächl. 

jö            dät 

hdt 

hdr          sin 

sin 

hdr          hdm 

hdm. 

Dualis. 

s.       l«iePers. 

2tePers 

wdt 

jdt 

t            unk 

junk 

\            unk 

junk. 

dät  Jtgendijl,  ein  Achtel  als  Buttermass  ;  da  Tivännlwge ,  die 
Zwillinge,  Trdnnlinge,  Drillinge.  Dahin  gehören  ferner  die  Namen 
verschiedener  Silbermünzen,  als:  cii  Tredhäliven,  ein  Drittehalb- 
schillingsstück ;  en  Fjatiwer-  Fiew-  Jagt-  Tien-  Twellew-  Twontig- 
Fertig shdlling stock ,  ein  Vierschillingsslück,  u.  s.  w. 

Die  deutsche  Endung  tel  (theil)  zur  Bezeichnung  der  Bruch- 
theile,  als:  das  Drittel,  Viertel,  Fünftel,  wird  durch  Dijl  oder 
Part  gegeben,  wie:  en  hulwcn,  männlich,  ein  halber;  weiblich 
und  sächlich  en  huleiv,  de  hulewe,  jö  Imlew ,  dät  huleiv,  pl.  da  huhve; 
en  Tredendijl  oder  en  Treddepärt,  en  Fierdendijl,  en  Fierdejjärt, 
en  Jagtendijl,  en  Jagtepärt.  Mit  Dijl  (Theil)  zusammengesetzt 
bekommen  die  Ordnungszahlwörter  ein  n  angehängt.  Bei  den 
Benennungen  mit  halb  gilt  die  deutsche  Weise,  als:  auserhältven , 
anderthalb,  Iredhäbven,  fierdhdlwcn,  u.  s.  w. ,  d.  i.  die  nächstvor- 
hergehende Zahl  ganz,  und  von  der  nächstfolgenden  das  Halbe. 
Der  Däne  kehrt  es  um  und  spricht:  halvanden,  halvtredie,  halv- 
fjerde ,  u.  s.  w. 


210 

Die  Gleichheit  mancher  Fälle,  so  wie  der  gänzliche  Mangel  des 
zurückkehrenden  Fürwortes  sich  fPron,  reciprocum) ,  kann  oft  Un- 
bcslimmlheit    und    Zweideutigkeiten   verursachen ,   besonders  in 
nackten  Sätzen.     Sage  ich  z.  B.  He  het  kam  stät,  so  kann  diess 
heissen:  er  hat  sich  gcstossen,  und:  er  hat  ihn  gestossen;  jö  het 
här  shjärn,   sie   hat   sich  oder   sie   geschnitten;   ick  häiv  jdm  nög 
säjn,  kann  heissen:   ich  habe  euch   oder  ich   habe  sie   wohl  ge- 
sehen.    Diess  ist  indessen  keine  wirkliche  Zweideutigkeit,  denn 
der  richtige  Sinn  geht  immer  aus  dem  Zusammenhange  der  Rede 
hervor.     Spreche   ich   zu  denen,   die   ich   gesehen  habe:  ick  häw 
jiim  nög  säjn,  so  heisst  es:  ich  habe  euch  wohl  gesehen;  spreche 
ich   von  andern,  so  heisst  es:   ich  habe   sie   wohl  gesehen.     Weit 
shäset  dät  BjärnF  hat  het  häm't  Haad  äujnstöhg  feilen,  was  fehlt 
dem   Kinde?  es  hat  sich  den  Kopf  entzwei  gefallen.     Wirr  auwer 
gällt  cldn  Brauhser?  ho  het  hdm  mä  en  Fawk  äujn  't  Uhg  stägen, 
worüber  weint  dein  Bruder?  er  hat  sich  mit  einer  Gabel  ins  Auge 
gestochen.     Wir  wollen  hier  kurz  bemerken ,  dass  der  dritte  und 
vierte  Fall  bei  allen  Personen  und  in  den  drei  Zahlen  das  zurück- 
kehrende Fürwort  sich  vertreten,  wie  in  folgenden  Sätzen  durch 
alle   Personen  in  der  Einheit,   Zweiheit   und  Mehrheit,    als:   Ick 
häw  nie  forkäjld,   dö  hähst  de  — ,  he  het  hdm  — ,  jö  het  här  — . 
dät  het  häm  — ,  hat  het  hdm  — ,  zodt  häwe  unk  — ,  jdt  häwe  junk 
— ^,  ive  häwe  üss  — ,  jäw  häwe  jdm  — ,  jd  häwe  jdm  — ,   ich  habe 
mich,   du  hast  dich,    er  hat  sich,    sie  hat  sich,   es  hat  sich,  wir 
zwei   haben   uns,  ihr  zwei   habt   euch,   wir   uns,   ihr  euch,   sie 
sich  erkältet.     Dasselbe   gilt  für  den  Dativ  der   Person,  als:   ick 
häw  me,    dö  hähst  de,   he  het  hdm,  jö  het  här,   hdt  het  häm,  wdt 
häwe  unk,  jdt  häwe  junk,  wc  häwe  üss,  jdm  häwe  jdm,  jd  häwe 
jdm  en  Hüss  käft,  ich  habe  mir,   du  hast  dir,   u.  s.  w.  ein  Haus 
gekauft.     Dät  forstönt  hdm,  das  versteht  sich! 

§.  427.  Beispiele  zur  richtigen  Anwendung  dieses  Fürwortes: 
Ick  häw  min  Shäip  all  slägtigt ,  dö  hähst  din  jd  noch  dw  't  Gjärs 
gongen,  ich  habe  meine  Schafe  schon  geschlachtet,  du  hast  deine 
ja  noch  auf  der  Weide  (dem  Grase)  gehen;  he  het  sin  Bjärd  auf- 
nümmen,  jö  het  harr  Häier  breset,  dfi  dät  Bjdrn  het  sin  Häiijnne 
twäien,  er  hat  seinen  (eigenen)  Bart  abgenommen,  sie  hat  ihre 
Ilaare  geflochten  und  das  Kind  hat  seine  Hände  gewaschen  ;    ich 


211 

wäll  me  wat  togause  düjn,  ich  will  mir  gütlich  ihun ;  dö  Ivlslel 
de  surr  wurde,  du  lassest 's  dir  sauer  werden;  he  del  liüm  Mäute,_ 
er  giebt  (ihut)  sich  Mühe;  jö  hon  lidr  sellew  lielpe,  sie  kann  sich 
selber  helfen;  wirrfaar  gällt  dät  ßjärn?  weshalb  weint  das  Kiwd? 
Swär:  de  Fäjnger  del  lidni  sier,  Antwort:  der  Finger  thut  ihm 
weh;  de  Hünn  liä  me  äujn't  Bijn  bdn,  der  Hund  hat  mich  ins 
Bein  gebissen;  jö  Kätt  het  de  Idäiset,  die  Katze  hat  dich  gekratzt; 
de  Hdjnst  hat  hdm  släien,  das  Pferd  hatte  ihn  geschlagen;  he  he- 
handelt  hdr  man  hijnn,  er  behandelt  sie  nur  schlecht;  dät  Bjärn 
het  häm  forähn,  hat  mäujt  nö  hungrc,  wdn't  hdm  käme  shäl,  das 
Kind  hat  sich  verfressen,  es  muss  nun  hungern,  wenn  es  sich 
erholen  soll;  däi  Swinn  wall  äi  ddie,  hdl  het  hdm'e  Täis  üttbdn, 
das  Schwein  will  nicht  gedeihen,  es  hat  sich  die  Zähne  ausge- 
bissen; we  häwe  ühsen  Winn  drunken,  wir  haben  unsern  Wein 
getrunken;  jdm  häive  jdrringe  Gijl  fortjärd,  ihr  habt  euer  Geld 
verzehrt ;  ja  häive  jdre  Swinn  dilling  slägtigt ,  sie  haben  ihre 
Schweine  heute  geschlachtet;  we  mäge  üss  nint  dirrütt,  wir  ma- 
chen uns  nichts  daraus;  jdm  häwe  jdm  forsäjn,  ihr  habt  euch 
versehen;  jd  häive  jdm  sellew  äujn  'e  Ljägle stijnnen ,  sie  haben  sich 
selber  im  Lichte  gestanden ;  ick  häw  jdm  dät  Gijl  däjn ,  ich  habe 
euch  oder  ihnen  das  Geld  gegeben ,  je  nachdem  es  auf  die  zweite 
oder  dritte  Person  in  der  Mehrheit  sich  beziehen  soll;  tvät  kaane 
junk  äi  helpe ,  aurs  jdi  köhn  unk  nög  helpe  ,  wir  beide  können 
euch  beiden  nicht  helfen,  aber  ihr  beide  könntet  uns  beiden  wohl 
helfen ;  läwe  junk  uillerne  noch  ?  leben  eure  Eltern  noch  ?  unk  sdn 
all  löngens  diijd,  unsre  sind  schon  längst  todt,  im  Dualis;  ick 
wall  junk  tvdt  sedde,  ich  will  euch  beiden  was  sagen;  jdi  kaane. 
man  gonge,  ihr  zwei  könnt  nur  gehen. 

§.  128.  Die  Fürwörter  der  dritten  Person  stehen  nur  dann 
unverändert,  wenn  unmittelbar  nach  denselben  ein  Zeitwort  folgt, 
als:  Man  ßrauhser  ds  tö  Bedd  gingen,  he  wvrt  tväjl  krönk  ivesen, 
mein  Bruder  ist  zu  Bette  gegangen,  er  wird  wohl  krank  sein; 
jö  Hänn  kägelt,  jö  het  wdss  en  Ai  läid,  die  Henne  gackert,  sie 
hat  gewiss  ein  Ei  gelegt;  dät  Läujnn  ds  so  drökg ,  dann  dät  het 
all  löngens  nän  Rinn  fangen,  das  Land  ist  so  trocken,  denn  es 
hat  schon  längst  keinen  Regen  bekommen ;  dd  Hdjnste  sdn  so 
hungrig,  jd  häwe  dilling  noch  nint  lo  ähsen  fangen,  die  Pferde 


212 

sind  so  hungrig,  sie  haben  heute  noch  nichts  zu  fressen  bekom- 
men. Eben  so  nach  einer  Frage  ,  wenn  das  Fürwort  in  der 
Antwort  voran  steht,  als:  ivirr  ds  man  Häujdd?  he  läit  äw 'e 
Slieiv,  wo  ist  mein  Hut?  er  liegt  auf  dem  Tische;  wdt  mäget  din 
SüsterF  jö  köget  Utmerne,  was  macht  deine  Schwester?  sie  kocht 
das  Mittagessen;  wirr  häwe  jdt  da  Fdsh  füngen?  wdt  häwe's 
ungelt ,  wo  habt  ihr  beide  die  Fische  her  ?  wir  haben  sie 
geangelt. 

§.  129.  Stehen  aber  die  Fürwörter  der  dritten  Person  selbst 
unmittelbar  nach  dem  Zeitworte,  so  nehmen  sie  eine  durchaus 
veränderte,  nicht  mehr  kenntliche  Gestalt  an,  und  ihre  ursprüng- 
liche Form  geht  gänzlich  verloren.  Dann  werden  die  männlichen 
Fürworter  he  und  hdm  durch  die  angehängten  Buchstaben  r 
und  n,  das  weibliche  Geschlecht  durch  s,  das  sächliche  durch  t, 
und  der  Plural  wieder  durch  s  vertreten.  Hier  ein  Beispiel  zum 
vorigen  und  zu  diesem  §.  De  Fögel  ds  üttflägenf  he  mäiijl  nö  for- 
hiingre,  der  Vogel  ist  ausgeflogen,  er  muss  nun  verhungern,  de 
Fögel  ds  üti flögen f  nö  mäiijt  'r  forhungre;  min  Wöff  ds  kränk,  dirr- 
faar  kön  's  äi  mdkäme ,  meine  Frau  ist  krank ,  daher  kann  sie 
nicht  mitkommen;  he  kön  sin  Hüss  äi  längere  beböge,  auwer  dät't 
so  ahmen  ds,  dn  dirrfaar  shdl'r  nö  mjdrne  ütttijn,  er  kann  sein 
Haus  nicht  länger  bewohnen,  weil  es  so  offen  ist,  und  deswegen 
soll  er  nun  morgen  ausziehen  ;  min  Ugene  sdn  nö  bähsere ,  ick 
häio  's  drken  Mjdrn  md  läi  Wäkser  iwäien,  meine  Augen  sind  nun 
besser,  ich  habe  sie  jeden  Morgen  mit  lauem  Wasser  gewaschen; 
hähst  dö  de  male  Hünn  säjnF  ja,  ick  säch  'n  faar  en  läiet,  hast 
du  den  tollen  Hund  gesehen?  ja,  ich  sah  ihn  so  eben;  wdt  shä- 
set  ddn  Hünn?  kön'r  äi  gonge F  was  fehlt  deinem  Hunde?  kann 
er  nicht  gehen?  däi  Bjdrn  gällt,  hei  't  hdm  forligt  bränndF  das 
Kind  weint,  hat  es  sich  vielleicht  gebrannt?  dirr  stönt  en  Mönn 
faar'e  Döhr,  frag  hdm,  wdt'r  wdll,  es  steht  ein  Mann  vor  der 
Thür,  frage  ihn,  was  er  will;  dd  Dringe  siävjnne  dirr  dn  iäiwe, 
tvdn's  äi  md?  die  Knaben  stehen  da  und  warten,  wollen  sie 
nicht  mit?  —  Bisweilen  stossen  auf  diese  Weise  zwei  Fürworter 
zusammen  und  werden  dann  so  ausgesprochen  ,  als  ob  sie  nur 
ein  Wort  ausmachten,  als:  he  säit  dät'rt  (datiert)  äi  diijn  kön,  er 
sagt,  dass  er  's  nicht  thun  kann  ;  jö  sähs,  däls  t  nög  hewe  wäjl, 


213 

sie  sagte ,  dass  sie  's  wohl  haben  wollte ;  dö  hakst  min  Bjärne 
Spaltjüch  löwet,  häwesH  ällfüngen?  du  hast  meinen  Kindern  Spiel- 
zeug versprochen ,  haben  sie  's  schon  bekommen  ?  dii  Jöiigcns  nüru- 
men  man  Släse,  häwes'n  all  w'ihsser  hrögt  ?  die  Jungen  nahmen 
meinen  Schlitten,  haben  sie  ihn  schon  wiedergebracht?  hi  der 
Frage:  ^vät  wähl?  was  willst  du?  wird  dö  (du)  immer  ausgelassen, 
wenn  man  jemand  geradezu  nach  einem  Begehren  fragt,  ohne 
Befremden  oder  Trotz  ausdrücken  zu  wollen;  ist  letzteres  der 
Fall,  dann  wird  das  Fürwort  nicht  im  Zeitworte  verschluckt, 
sondern  mitgenommen  und  stark  betont,  wie:  wät  wähl  dö  F  wdt 
wäht  dö  me  iväjl  düjn?  was  willst  du?  was  willst  du  mir  wohl 
anhaben?  Ist  eben  die  Rede  von  einem  männlichen,  weiblichen 
oder  sächlichen  Gegenstande,  so  fragt  man:  tvät  ivüll'r,ivdt  wdll's, 
ivdt  ivdirtF  PI,  ivdt  ivdn'm  {ivännem},  wdt  wän'sF  und  so  mit  allen 
Zeitwörtern,  die  damit  in  Verbindung  gebracht  werden  können, 
als:  dät  kön'r  nög ,  das  kann  er  wohl,  däi  kön's,  das  kann 
sie ,  dät  haanes  ,  das  können  sie  ,  dät  kön  't ,  das  kann  es , 
dät  kaancm,  das  könnt  ihr.  Soll  aber  Befremden  dabei  ausge- 
drückt werden,  oder  Zweifel,  Erstaunen  u.  s.  w. ,  so  sagt  man: 
wdt  ivdll  he,  — jö,  — hat,  — jüm,  — jd?  kön  he,  — jö,  — hdt, 
—  jäm,  — jd  dät  düjn?  —  Auf  dieselbe  Weise  werden  diese 
stellvertretenden  Zeichen  des  Fürwortes  in  allen  ähnlichen 
Fällen  mit  Zeit-  Binde-  und  Umstandswörtern  verbunden.  So 
heisst  z.B.  ob  er,  sie,  es,  PI.  sie,  mit  dem  Fürworte,  wirr  he^ 
wirr  jö,  wirr  hdt,  wirr  dät  hall  käme  shäiijl,  und  im  PI.  wirr  jd 
ball  käme  shäujn?  bald  kommen  sollten;  mit  den  Zeichen,  wenn 
vorbei"  die  Rede  von  ihnen  war,  aber:  ivirr'r  (wirrer],  wirr 's, 
wirr'l,  Pl.ivirr's  ball  käme?  Unpersönlich:  wirr't  äi  gonge  shäujl? 
ob  's  nicht  gehen  sollte?  tvirr 's  wäjl  wese  maage,  wo  sie 
wohl  sein  mögen;  wirr  maages  wäjl  wese?  wo  mögen  sie  wohl 
sein?  ickshdljdm  frage,  wirrem  häne  wdn,  ich  soll  euch  fragen, 
wo  ihr  hin  wollt;  ick  shdl  jdm  frage,  wirr 's  häne  wdn,  ich  soll 
sie  fragen,  wo  sie  hin  wollen.  Wirrem  (statt  wirr  jdm)  zeigt  hier 
die  zweite ,  und  wirr  's  (statt  wirr  jd)  die  dritte  Person  der 
Mehrheit  an. 

Spreche  ich  zu  einem:  wäht  md,  so  kaast  käme,  dann  wird  das 
Fürwort    du  von   den   Zeitwörtern  wäht   und   kaasl    (könst)  ver- 


214 

schlungen.  Sage  ich:  wälit  dömü,  so  kaast  käme,  dann  darf  das 
Fürwort  im  Nachsatze  nicht  wiederholt  werden;  wenn  ich  aber 
das  dö  gleichsam  hindeutend  gebrauche  und  sage:  wä/it  dö  md, 
so  kaast  dö  öck  käme,  dann  muss  es  im  Nachsalze  wiederholt 
werden.  Sogar  mit  Fürwörtern  werden  diese  stellvertretenden 
Zeichen  verbunden,  wie  in  folgenden  Sätzen:  da  ^ie  ivjdrn  älte- 
mäle  raset,  an  dirrfaar  häiv  ick's  ültsmän ,  die  Eier  waren  alle 
faul,  und  deswegen  habe  ich  sie  ausgeworfen;  he  liet  sän  beste 
Hdjnst  forkäfi,  er  hat  sein  bestes  Pferd  verkauft;  hetern  forkäftP 
hat  er 's  verkauft?  In  dem  Worte  hetern,  in  welchem  zugleich 
der  Accusativ  des  männlichen  Geschlechts  bezeichnet  ist,  liegen 
die  Wörter:  hat  er  ihn,  oder  die  friesischen:  het  he  häm,  einge- 
schlossen. Ick  häw  häm  en  Dualer  bahn,  aurs  he  wäjl'cn  äi  hewe, 
ich  habe  ihm  einen  Thaler  geboten,  aber  er  wollte  ihn  nicht 
haben;  iväjlerti  äi  hewe?  wollte  er  ihn  nicht  haben?  wirr  äs  kdrr 
DögterP  jü  het's  üll  tö  tienen  sänd;  hetscs  üttsänd?  hetses,  hat  sie 
sie,  oder  dieselbe?  he/er'n  ,  hat  er  ihn?  heler's,  hat  er  sie?  im 
Sing,  und  Plur. ,  heter't,  hat  er  es?  kels'en,  hat  sie  ihn  ?  hets'es, 
hat  sie  sie?  Sing,  und  Plur.,  hets't,  hat  sie  es?  hetet'en,  hat  es  ihn? 
hetet  här,  hat  es  sie?  im  Sing.,  hetetet,  hat  es  es**  hetet's,  hat  es 
sie?  und  so  mit  allen  Zeitwörtern,  die  nur  in  solche  Verbindun- 
gen treten  können. 

§.  130.  Die  beiden  sächlichen  Fürwörter  dät  und  hat  heissen 
beide  es;  jenes  steht  aber  nur  unpersönlich  und  stellvertretend  , 
für  leblose  Gegenstände  oder  Sachen,  dieses  hingegen  bloss  für 
lebende  Wesen  vom  sächlichen  Sprachgeschlechte,  als:  dät  fröst, 
es  friert,  dät  töit,  es  thaut,  ist  Thauwetter,  dät  ddwet,  es  thaut, 
es  fällt  Thau,  dät  rippet,  es  reift,  dätlunnert,  läidet,  rinnt,  snäiht, 
hagelt,  tväit,  staurmt,  es  donnert,  blitzt,  regnet,  schneit,  ha- 
gelt, weht,  stürmt;  dät  händ  häm,  es  begab  sich;  dät  gomjt, 
es  geht,  u.  s.  w.  Dät  Bill  äs  klär,  aurs  dät  lickent  nint,  das  Bild 
ist  fertig,  aber  es  ist  nicht  ähnlich;  dät  Bijn  äs  tünnen,  aurs 
dät  det  me  äi  sier,  das  Bein  ist  geschwollen,  aber  es  thut  mir 
nicht  weh,  u.  s.  w.  Wäl  shäset  dät  Shäip?  hat  läppt  ja  alt  trinn- 
üm,  was  fehlt  dem  Schafe?  es  lauft  ja  ^immer  rund  um;  dät 
Bjärn  het  sän  Äirem  brägen,  hat  mäujt  tö  de  Lähsesettcr ,  das  Kind 
hat  seinen  iVrni  gebrochen ,   es  muss  nach  dem   Gliedsetzer  (Ein- 


21g 

renker);  ivirrauiver  gällt  däl  Bjärnl  hat  het  häm  äw  m  Spicker 
räiven,  worüber  weint  das  Kind  ?  es  hat  sich  an  einem  Nagel 
gerissen. 

Die  Sätze:  es  war  einst  ein  Mann,  es  wird  erzählt,  es  brach 
Feuer  aus,  es  giebt  Menschen,  u,  s.  w.,  werden  aber  nicht  durch 
dät,  sondern  durch  dirr  (da)  ausgedrückt,  als:  dirr  was  ijnsm 
en  Mann,  dirr  wärt  forlelld,  dirr  bräik  Ij'll  ült,  dirr  sän  ßldnshe- 
ne,  dirr  nijn  Böhser  älise ,  die  keine  Butter  essen.  Dieses  dirr 
entspricht  dem  dänischen  der,  z.B.  der  fortälles,  dirr  wärt  for- 
telld;  der  siges,  dirr  ivört  säid ;  der  var  ingen  hjemme,  dirr  was 
niemmen  inne;  der  döer  mangen  ung  Mand ,  dirr  sterrewt  mdnniu' 
gen  jungen  Münshe. 

Aber  in  den  friesischen  Ausdrücken:  dirr  sjönge's,  dirr  snäke's, 
dirr  dänse's,  dirr  slu/igge's,  dirr  späle's  u.  s.  w.  ist  das  s  am  Ende 
des  Zeitwortes  das  Zeichen  der  Mehrheit  in  der  dritten  Person 
für:  ja,  sie,  und  dirr  sjönge's  heisst:  da  singen  sie.  Diese  darf 
man  nicht  mit  den  dänischen  Ausdrücken :  der  synges ,  der 
snakkes,  der  dandses,  u.  s.w.  verwechseln,  so  ähnlich  sie  einan- 
der auch  in  den  Formen  zu  sein  scheinen.  Die  dänischen  lassen 
sich  nur  durch  ivcrden  ,  die  friesischen  nur  durch  ja,  sie,  in 
Verbindung  mit  dem  Zeitworte  auflösen.  Der  dandses,  es  wird 
da  getanzt,  oder  da  wird  getanzt,  dirr  dänse's,  da  tanzen  sie 
(nämlich  die  Leute).  Ein  paar  Beispiele  mögen  diessklar  machen, 
als:  wät  mägel  dät  Fiiujlk  dirr?  dirr  riese's  en  Hüss,  was  machen 
die  Leute  da?  da  richten  sie  ein  Haus;  dirr  släwe's  en  Stijn, 
da  schleppen  sie  einen  Stein;  dirr  luppe's  to  wedds,  da  laufen  sie 
in  die  Wette. 

§.  151.  Wenn  die  Fürwörter  zurückkehrend  gebraucht  werden, 
so  stehen  die  gewöhnlichen  Fälle  unverändert ,  das  Fürwort  mag  sich 
nun  auf  Personen  oder  Sachen  beziehen  und  in  der  Einheit  oder 
Mehrheit  vorkommen,  als:  ick  me,  da  de,  he  häm,  jö  här ,  hat 
hdm,  däl  häm,  pl.  we  üss,  jäm  jdm,  jd  jdm,  im  Dualis:  ivdt  unk, 
jdtjunk,  d.  i.  ich  mich,  mir,  du  dich,  dir,  er  sich,  sie  sich,  es 
sich,  wir  uns,  ihr  euch,  sie  sich.  Dual,  wir  (zwei)  uns,  ihr  (zwei) 
euch  (Vergl.  §.  426).  Beispiele:  De  Dring  het  sin  Bijn  stäl,  däl  det 
hdm  sier,  an  nö  ivdll'r  hdm  äi  tofrehse  jewe,  der  Knabe  hat  sein 
Bein  gestossen,   es  thut   ihm   weh,   und   nun  will   er   sich  nicht 


216 

zufrieden  geben;  de  Buhmm  Itet  liäm  Med,  der  Baum  hat  sich 
gebogen;  dät  Hüss  het  lidm  gäujd  hüllen,  das  Haus  hat  sich  gut 
gehalten ;  jö  het  hdr  forsäjn ,  sie  hat  sich  versehen ;  da  Jöngens 
häive  jcim  bähset,  die  Jungen  haben  sich  gebadet;  dät  iväll  hdm 
nög  finne,  es  wird  sich  schon  finden;  dät  jeft  hdm  nög ,  das  giebt 
sich  wohl.  —  Stehen  sie  nicht  zurückkehrend,  so  kommen  die 
Fälle  nach  Geschlechtern  und  Zahlen  vor,  als:  hähst  dö  de 
drunhne  ßlönn  säjn?  hast  du  den  trunknen  Mann  gesehen?  ja, 
ick  säch  hdm  nög,  aurs  ick  wäjl  nint  md  hdm  iö  duhggcn  heive,  ja, 
ich  sah  ihn  wohl ,  aber  ich  wollte  nichts  mit  ihm  zu  schaffen 
haben;  hähst  ddn  näicWäien  all  füngenr  Ja,  ick  häw'en  tö  de  Smdss 
sänd ,  am' 671  beslüjn  tö  läjtten,  an  ivdner'en  besläien  het,  shdUer'n  tö 
de  Maler  bringe,  hast  du  deinen  neuen  Wagen  schon  bekommen? 
Ja,  ich  habe  ihn  zum  Schmied  geschickt,  um  ihn  beschlagen  zu 
lassen,  und  wenn  er  ihn  beschlagen  hat,  soll  er  ihn  zum  Maler 
bringen.  Sächlich:  ick  häw  dät  Kulew  gäujd  fausert,  hdt  äs  nü  fätt, 
an  dirrfaar  wdll  ick't  ock  mjärne  slägtige,  ich  habe  das  Kalb  gut 
gefüttert,  es  ist  nun  fett,  und  deswegen  will  ich 's  auch  mor- 
gen schlachten;  dät  Hüss  ds  iljll  an  for feilen,  an  dirrfaar  ivdller'i 
dählbregc,  das  Haus  ist  alt  und  verfallen,  und  deshalb  will  er 's 
abbrechen.  Pluralis:  wirr  sdn  din  Dötvive?  Mdn  Näiber  sähs,  de 
Allring  häVs  nümmcn,  oder:  dät  de  Ällring's  nümnien  Mi,  mein 
Nachbar  sagte,  der  Iltis  hätte  sie  genommen,  oder:  dass  der 
Htis  sie  genommen  hätte. 

§.  132.  Der  Dualis  wird  im  Nordfriesischen  nur  von  Personen, 
seltener  von  Thieren  und  nie  von  Sachen  gebraucht,  es  sei  denn, 
dass  man  sich  dieselben  persönlich  denkt  und  sie  redend  einführt, 
wie  im  Mährchen  und  in  der  Fabel.  Sind  zwei  Menschen  bei 
einander,  so  nennen  sie  sich  nicht  we ,  wir,  sondern  wdt,  d.  i. 
wir  zwei  oder  wir  beide;  und  redet  man  zwei  zugleich  an,  so 
nennt  man  diese  nicht  j«m ,  ihr,  sondern  j«/,  d.  i.  ihr  zwei  oder 
beide,  wobei  weder  in  dem  einen,  noch  in  dem  andern  Falle  das 
Geschlecht  berücksichtigt  wird,  als:  wdt  sdn  hirr  man  älliene, 
wir  beide;  ^lirr  häive  jdt  wähn?  wo  seid  ihr  gewesen?  jdt  kaane 
älliene  gonge,  wdt  wän  äi  md,  ihr  beide  könnt  allein  gehen,  wir 
beide  wollen  nicht  mit.  Treibe  ich  zwei  Lämmer,  Schafe,  Rinder 
u.  s.  w.  vor  mir  her,  so  kann  ich  sagen:   wän  jdt  gonge!  ick  wdll 


217 

junk  nög  stjörrc.  So  z.  B.  E71  läjuen  Dring  säks  to  sin  twäier  Perc' 
buhmmc:  jät  hinge  sä  füll  auf  Pere,  ick  wäll  junk  ijnscn  shüdde , 
dät  jät's  fälle  läjttc,  ein  kleiner  Knabe  sagte  zu  seinen  zwei  Birn- 
bäumen: ihr  hanget  so  voll  Birnen,  ich  will  euch  einmal  schüt- 
teln, dass  ihr  sie  fallen  lasset. 

Der  zweite,  dritte  und  vierte  Fall  heissen  immer  unk  wn&junk, 
als:  dö  dä/tsi  unk  Unrogt,  du  thust  uns  Unrecht;  het  de  Bädd- 
mann  junk  bestellen  F  hat  der  Bettler  euch  bestohlen?  wdt  kaane 
unk  äi  ijn  junk  stäujmie;  jdt  kaane  junk  äi  md  unk  mäjtte;  huhm 
li et  junk  wdt  däjnF  wer  hat  euch  was  gethan'!*  wdt  wdn  unk  nög 
forswäre  (verantworten) ,   an  junk  nint  eflerjewe  (nachgeben). 

§.433.  Zu  bemerken  ist  hier  noch  das  persönliche  Fürwort  se/tet;, 
selbst  oder  selber ,  welches  den  bezeichneten  Gegenstand  in 
seiner  ganzen  Eigenlhümlichkeit  darstellt,  und  die  Verwechslung 
desselben  mit  andern  unmöglich  macht,  als:  icksellew,  dö  sellew, 
he,  jö,  dät,  hat,  we,jdm,jd,  wdl,jdl  sellew.  Es  ist  unabänderlich 
und  hat  den  Redeton,  als:  ick  häw't  selleiv  hierd  (gehört);  wdt 
^vjärn  sellew  töslese  (zugegen) ;  he  het  me  dät  Bauck  sellew  for- 
ihrcl  (geschenkt);  jö  het  hdr  selleiv  ambrögt,  sie  hat  sich  selbst 
umgebracht  oder  entleibt;  he  spregt  alt  auf  hdm  sellew,  er  lobt 
sich  immer  selbst;  dirr  hähst  de  sellew  äujn'e  Ljägte  stijnncn  (im 
Lichte  gestanden);  dö  bäst'r  sellew  Shäjl  äujn  (Schuld  daran).  Mit 
dem  Geschlechtsworte  zusammengesetzt,  entspricht  es  den  deut- 
schen Fürwörtern:  derselbe,  dieselbe,  dasselbe,  dieselben,  als: 
männlich  desell'we,  weiblich  jösellew ,  sächlich  dätseüew,  pl.  dd- 
seU'ive.  —  Dät  äs  deselVive  Mann,  jösellew  Wöff,  dätseüew  Bjdrn, 
dirr  ick  enjörsnc  säch  (gestern  sah),  dat  sdn  däselVwe  Manshene. 

Wo  das  Wort  selbst  im  Deutschen  umstandswörtlicli  steht, 
braucht  man  im  Nordfriesischen  sögaar,  sogar. 

Anmerkung. 

§.  434.  Die  Nordfriesische  Sprache  hat  das  mit  der  dänischen  ge- 
mein, dass  sie  auf  die  Frage:  huhm  ds  dirr?  wer  ist  da?  weit  öfter 
den  vierten,  als  den  ersten  Fall  der  Person  setzt,  und  spricht: 
dat  ds  me,  das  ist  mich,  statt:  das  bin  ich;  was  aber  nicht  angeht, 
wenn  das  Fürwort  in  der  Antwort  voran  steht,  wo  man  antwor- 
ten muss:   ick  bän't,  ich  bin  's;    he  äs't,   er  ist's,  u.  s.w..    Die 

28 


218 

gewöhnliche  Antwort  durch  alle  Personen  beider  Zahlen  ist  daher 
folgende:  cläl  ds  nie,  de,  Itdm,  lidr,  üss,  jdm,  unk,  junk.  Doeh 
kann  man  auch  sagen:  dät  bdn  ick,  dät  ds  he,  jö,  dät  sdn  we, 
jdm,  jd,  ivdt,  jdt.  Auf  die  Frage:  hast  dö  dirr?  ds  he,  jö,  dirr? 
antwortet  man:  ja,  ick  bdn  hirr ,  lie  ds  dirr,  u.  s.  w.  Aber  die 
Ausdrücke:  dät  was  hdm  selleiv ,  lidr  seile  tu ,  üss,  jdm  sellew,  sind 
weit  gebräuchlicher,  und  scheinen  gewissermassen  der  Sprache 
cigenthümlicher  zu  sein  als:  Jie  wäs'l  sellew ,  er  war  es  selbst; 
ick  wusst  di  däl't  de  was  (dass  es  dich  war),  aber  auch:  dät  dö't 
wjdrst,  dass  du  es  warst, 

§.  155.  Die  deutschen  Personwörter:  jemand,  einer,  man, 
niemand,  keiner,  werden  durch  //?///m,  jemand,  einer,  man,  und 
iiiemmen,  niemand,  keiner,  vertreten,  als:  liälist  liultni  säjnP  hast 
du  jemand  gesehen?  fiulim  mäujtet  doch  däjn  liewe ,  jemand  (irgend 
einer)  muss  es  doch  gethan  haben;  dirr  ds  niemmen  inne,  da  ist 
niemand  zu  Hause;  dät  kön jd  niemmen  lese,  das  kann  ja  niemand 
lesen;  Inihm  säit  so,  man  sagt  so;  huhm  kön  't  di  wdlise,  man  kann's 
nicht  wissen;  kön  nie  dät  huhm  sedde^  kann  mir  das  jemand  sa- 
gen? huhm  köfis't  nög  'länke ,  man  konnte  es  wohl  denken.  Huhm 
hat  im  männlichen  Geschlechte  des  Genilivs  huhmsen,  im  weibli- 
chen, sächlichen  und  der  Mehrheit  hiihms,  als:  dät  ds  huftmsen 
diene  Fordijl,  wdn'm  flijliig  ds ,  es  is  eines  (unser)  eigner  Vortheil, 
wenn  man  llcissig  ist;  de  Jühse  sähs:  liuJnn  mäiijl  Jnilimscn  diene 
Fordijl  äiijn  ^fjt  ndnie,  der  Jude  sagte:  man  muss  seinen  eigenen 
Vortheil  in  Acht  nehmen;  huhins  dien  Gagen,  jemands  eigener 
Nutzen;  wdn'm  {huhm)  di  sünig  äs,  so  äs  huhms  Gijl  ball  forljdrd, 
wenn  man  nicht  sparsam  ist,  so  ist  eines  Geld  bald  verzehrt; 
huhms  Läwent  wäret  man  kaurl,  eines  Leben  dauert  nur  kurz; 
huhms  Däsigliäid  mäujt  'm  (1.  mävjUem)  öfting  jöhr  beläle ,  seine 
Thorheit  muss  man  oft  theuer  bezahlen  ;  huhms  Bjdrne  Iddde 
huhm  jd  doch  div't  Hdrt,  unsere  Kinder  liegen  uns  ja  doch  am 
Herzen;  wörtlich:  eines  Kinder  liegen  einem  ja  doch  u.  s.  w. ; 
huhms  Tagte  kön  jd  niemmen  räjdde,  eines  Gedanken  kann  ja  nie- 
mand errathen;  huhm  wdll  hiihms  dien  jd  doch  nög  tokuppe  hüjlle, 
man  will  ja  doch  gerne  das  Seinige  zusammenhalten. 

Niemmen  hat  im   zweiten   Falle   niemmens,   niemands,   als:   Ae 
wdll  niemmens  Tiener  wese,  er  will  niemands   Diener  sein;   he  ds 


219 

niemmcns  Frünn,  er  ist  nicinands  Freund;  dö  sliälit  niemmens 
gauhscn  Nöme  krdjnke,  du  sollst  niemands  guten  Namen  kränken 
(lästern). 

Das  zueignende  oder  besitzanzeigende  Fürwort 
(Pronomen  possessiv  um). 

§.  156.  Die  zueignenden  Fürwörter  licissen  im  männlichen 
Gesclilechte:  tnän,  dein,  sdn,  harren,  sdn,  ühsen,  imhen ,  jiinken , 
jdrringe ,  jdre ,  im  weiblichen,  sächlichen  und  in  der  Mehrheit: 
min,  din,  sin,  liärr,  sin,  Ulis,  unk,  jimk,  jdrringe,  jdre.  Sie  stehen 
sowohl  vor,  als  hinter  dem  Hauptworte,  sind  aber  sämtlich  keiner 
Abänderung  fähig.  Anwendung:  MdnHänjd,  ddnRock,  sdnWäien, 
hdrrcn  Mann ,  de  Häiijd  äs  mdn ,  de  Rock  äs  ddn ,  de  Wäien  äs  sdn ,  de 
ß/önn  äs  harren.  Dät  Kulcw  hei  sdn  Hals  fordrdid;  we  hÖAve  ühsen 
WijUe  bürgen;  unken  Fidder  ds  slürwen;  junken  Wäien  äs  dmsmdn; 
jdrringe  Fäujlk  äs  tüfäjlle;  jd  häwe  jdre  Kälte  drangd;  junken  ndie 
Sldhse  äs  kiemmen,  u.  s.  w.  Ferner:  U/in  Wöff,  din  Fömmen,  sin 
Süster,  hdrr  Dögter,  ühs  Hüss,  jdrringe  Tünn,  u.  s.  w.  Dät  Bjdrn 
hSi  sin  Naas  räwen  (gerissen) ;  ühs  Brüjd  äs  dp ,  unser  Brot  ist 
auf;  xmt  häwe  unk  Gijl  üUdäjn  (ausgegeben);  jdt  kaane  junk  Krämtn 
behüjlle  (behalten) ;  jdre  Fäujlk  ging  md  jdrringe  to  Fäjlle  ,  ihre 
Leute  gingen  mit  den  eurigen  zu  Felde;  —  min  Hüss,  mdn  Hünn, 
din  Bjdrn,  ddn  Thäte,  sin  Bräif,  sdn  Plaug,  harren  y/irem ,  hdrr 
Fäjtt,  ühs  Läujnn,  ühsen  Eker ,  unken  Spring  stock,  junk  Wdnräjdde, 
eure  Thorheiten;  jdrringe  Süss,  jdre  Frünne.  De  Wäien  ds  mdn,  jö 
Swöhiv  ds  din,  an  dät  ^jk  ds  sin,  mdn  Rock  ds  ndi,  ddn  äs  üjll, 
din  Glees  ds  tenn,  min  ds  tjöck,  ühs  Tjöch  ds  fätt,  jdrringe  ds  man 
mager,  unser  Vieh  ist  fett,  eueres  ist  nur  mager.  —  Dät  Min  an 
din,  das  Mein  und  Dein,  wie  im  Deutschen. 

§.  137.  Im  zweiten  Falle  nimmt  das  Hauptwort  beim  zueignen- 
den Fürworte  das  Zeichen  dieses  Falles,  nämlich  ein  s  an;  diess 
gilt  für  alle  Geschlechter  und  beide  Zahlen,  als:  Mdn  Brauhsers 
Sahn,  min  Süsters  Dögter,  din  ß/udders  Wiehdege  (Weh tage),  ühs 
Bjdrnes  Spaltjöch,  unk  Sösshenes  ^rivepärt,  unserer  (zwei)  Geschwister 
Erblheil;  jdrringe  Döimves  Junge  kaane  all  üttßijn,  eurer  Tauben 
Junge  können  bereits  ausfliegen;  üksen  Kinnings  ß/ddder ds nwjlke 
slürwen,  unseres  Königs  Tante  ist  neulich  gestorben. 

28  * 


220 

§.  doS.  Die  drei  Fürwörter:  ühs ,  jarrirnje  undjdre,  sieben  auch 
substantivisch,  wie  im  Dänisclien,  für  Haus,  Familie,  z.B.  dän 
liranhscr  äs  äjtl  Uhs,  min  Süster  äs  äjtt  Järritige,  an  äjll  Jdre  hä- 
we's  Främde.  Wirr  was  düt?  oder  wirr  shäid  dat?  avo  geschah  es? 
Ajll  Ulis,  äjtt  Jdrringe,  äjtt  Jdre,  d.  i.  in  unserra,  euerem,  ihrem 
Hause,  oder  bei  uns,  euch,  ihnen. 

§.  159.  Es  ist  ferner  eine  Eigenheit  der  Nordfriesischen  Sprache, 
dass  man,  besonders  beim  Bedauern,  Schelten  und  Schimpfen, 
statt  des  ersten  Falles  der  zweiten  Person  den  zweiten,  nämlich 
das  zueignende  Fürwort  dein  und  deine  setzt,  je  nachdem  das 
Geschlecht  es  erheischt,  als:  ddn  läjtte  stäkeis  Dring ,  dein  kleiner, 
armer  Junge,  statt:  du  kleiner,  armer  Junge;  ddn  gr ölte  Slüngel, 
du  grosser  Schlingel;  din  stäkeis  Fömmen!  du  armes  Mädchen; 
diu  Idjlt  dasig  Krät,  du  kleines,  albernes  Ding;  ddn  erme  Stäket, 
du  armer  Wicht.  Diess  ist  ebenso  im  Dänischen  der  Fall,  als: 
din  stakkels  Dreng,  din  elendige  Karl,  u.  s.  w. 

§.  140.  Es  ist  schon  früher  bemerkt  worden,  dass  man  nicht 
selten  dem  zueignenden  Fürworte  das  Geschlechtswort  vorsetzt, 
was  noch  häufiger  geschieht,  wenn  das  Hauptwort  zugleich  ein 
Bestimmungswort  vor  sich  hat,  als:  de  man  Sahn,  jö  min  Dögter, 
de  hdrren  Jönge,  jö  hdrr  Fömmen,  de  man  üjllc  Hdjnsi,  jö  din 
jung  Söhg ,  dät  ühs  näi  Ahk ,  Scheunenthor  (Vergl.  die  erste 
Anmerkung  zu  §.  120). 

Das  hindeutende  Fürwort  (Pronomen  demonslralivum). 

§.  iii.  Dies  lautet  im  männlichen  Geschlechte:  de  hirre,  de 
dirre,  dejdmier,  d.  i.  dieser  hier,  dieser  da,  und  jener;  weiblich: 
jö  hirr,  jö  dirr,  jö  jdnncr ;  sächlich:  dät  kirr,  dät  dirr,  dät  jdn- 
ner;  pluralis:  dd  hirr,  dd  dirr,  da  jdnner  für  alle  Geschlechter. 
Anwendung :  de  hirre  Biihmm  ds  man ,  de  dirre  ddn ,  an  de  jdnnei^ 
sd7i,  dieser  Baum  ist  mein,  der  da  dein,  und  jener  sein;  de Ii irre 
Mönn  kaast  liewe,  de  dirre  äi  so  gäujd,  an  de  jdnner  ds  gaar  äi  to 
trauen,  diesem  Manne  kannst  du  glauben,  diesem  da  nicht  so 
gut,  und  jenem  ist  gar  nicht  zu  trauen;  jö  hirr  Rauhs  ds  snmck, 
jö  dirre  ds  smuckcre ,  aurs  jö  jdnner  ds  doch  jö  smnckst ,  diese  Rose 
hier,  diese  da,  aber  jene  u.  s.  w;  dät  hirr  Hüss  äs  üjll,  dät  dirre 
äs  allere  an  dät  jdnner  äs  älst.    Wät  faw  ird  Fögh  hähsl  dirr  gun- 


221 

gen.''  de  Iiirre  ds  en  Kiihuh,  de  dirre  en  yigerliäim,  an  de  jdnner  en 
Körnkwänher ,  dieser  hier  ist  ein  Kuckuk,  der  da  ein  Rebhuhn, 
und  jener  eine  Wachtel.  Plural:  da  hirr  Gäis  sdn  fätt,  dd  dirre 
sdn  {'altere,  aurs  dd  jdnncr  sdn  doch  fällst;  dd  hirr  Häujdde  sdn 
filiere  as  dd  dirre  an  dd  jämier,  diese  Hüte  sind  feiner,  als  diese 
da  und  als  jene.  —  Wenn  diese  nicht  als  hindeutende  Fürwörter 
stehen,  so  bedeuten  sie  auch:  der  hiesige,  der  dasige  und  dortige, 
als:  de  hirre  Presler,  der  hiesige  Prediger;  de  dirre  Melier,  der 
dasige  Müller;  jö  jänner  Sjürk,  die  dortige  Kirche.  Statt  de  jdn- 
ner,  jö  jänner,  dät  jdnner,  sagt  man  auch:  de  jdnte ,  jö  jdnte,  dät 
jdnte,  dd  jdnte,  welches  sowohl  die  dortigen,  als  die  jenseitigen, 
bezeichnet. 

§.'142.  Obgleich  die  hindeutenden  Fürwörter:  de  hirre,  de  dirre, 
de  jdnner,  u.  s.  w. ,  als  solche,  durchaus  unabänderlich  sind,  so  be- 
kommen sie  doch  das  Zeichen  des  zweiten  Falles,  wenn  sie  zu- 
gleich das  Hauptwort  selbst  mit  vertreten ,  z.  B.  huhmseti  Bibel  ds 
dät?  dät  ds  de  hirrs,  de  dirrs,  de  jdnners,  dd  jdnners,  wessen  Bi- 
bel ist  das?  dessen  hier,  dessen  da,  jenes  dort,  jener  dort;  huhms 
Köwel  ds  dät?  dät  ds  jö  hirrs,  jö  dirrs,  jöjd7i?iers,  wessen  Weiber- 
rock ist  diess  ?  deren  hier ,  deren  da,  jener  da ;  huhms  Bauche  sdn  dät? 
dät  San  da  hirrs,  dd  dirrs,  dd  jdnners  Baueke,  es  sind  die  Bücher 
dieser  hier,  da,  jener;  wdt  faaren  Bjdrns  Bälle  ds  dät?  dät  hirrs, 
dät  dirrs,  dät  jdnners;  eben  so  im  Pluralis:  dd  hirr  es,  dd  dirres, 
da  jdnners. 

§.  143.  Da  die  Nordfriesischc  Sprache  sich  nicht  zur  Schriftsprache 
erhoben  hat,  so  kommen  die  hindeutenden  Fürwörter  in  den 
Nachsätzen  nicht  so  vor,  wie  im  Deutschen,  wenn  man  nicht  die 
bezeichneten  Gegenstände  wirklich  vor  Augen  hat.  Wenn  daher 
drei  Dinge  mit  einander  vergleichend  zusammengestellt  werden, 
so  muss  man  sich  der  Wörter:  de  jdrste,  de  lähsere  an  de  teste, 
(der  erste,  der  zweite  oder  letztere  und  der  letzte)  bedienen, 
als:  Dät  Reef,  de  Hünn  an  de  Uleio  {Olw)  käwe  faale  md  enauser 
tofdlle,  aurs  dät  jdrst  äs  snäsig  (schlau),  de  lähsere  trau,  an  de 
leste  fjlühsh  (reissend).  Aber  hier,  avo  wir  die  Wörter  im  Satze 
vor  Augen  haben,  kann  man  die  hindeutenden  Fürwörter  alle 
drei  gut  und  bequem  anwenden,  als:  de  Hünn,  de  Olw  an't  Reef 
häwc  faale  md  enauser  (o falle,   aurs   dät  kirr  ds  listig,   de  dirre 


222 

glübsh  an  de  jänner  trau ,  der  Hund ,  der  Wolf  und  der  Fuchs 
haben  vieles  mit  einander  gemein,  aber  dieser  hier  ist  listig, 
dieser  da  grimmig,  und  jener  treu, 

i)as  vorwärtsdeutende  Fürwort  (Pronomen  delerniinalivuni). 

§.  444.  Dieses  Fürwort  ist,  der  Form  nach,  ganz  dem  Ge- 
schlechtsworte gleich,  nur  mit  dem  Unterschiede,  dass  es  immer 
den  Redeton  mit  besonderm  Nachdruck  hat ,  als :  De  Mdnshe  äs 
locklick,  dirr  en  rien  Gewäten  hei,  der  (derjenige)  Mensch  ist 
glücklich,  welcher  ein  reines  Gewissen  hat;  jö  Tidd,  dirr  ijnsen 
spüllen  äs,  kämt  äi  wilisser,  die  Zeit,  welche  einmal  verloren  ist, 
kommt  nicht  wieder;  dät  Swinn,  dirr  ive  enjö/stie  slägtigten,  käi 
faale  Tonte,  ivästontig,  das  Schwein,  welches  wir  gestern  schlach- 
teten, hatte  viele  Finnen,  war  finnig;  dd  Mdnskene,  dirr  nan  GSd 
liewe,  sdn  aane  Trust  äiijn't  Unlock,  die  Menschen,  welche  keinen 
Gott  glauben,  sind  ohne  Trost  im  Unglück;  oder:  dd,  dirr  äi 
äujn  Göd  liewe,  sdn  äujn't  Unlock  aane  Trust,  diejenigen,  welche 
nicht  an  Gott  glauben,  sind  im  Unglück  ohne  Trost;  de,  dirr  äi 
hieve  wäll,  mäujt  fäile ,  derjenige,  welcher  u.  s.w.  (Hier  kann 
auch  hikm  (wer)  stehen,  als:  kukm  äi  kiere  tväll,  mäujt  fäile, 
wer  nicht  hören  will,  muss  fühlen);  de,  dirr  gäiijd  smjärt,  kjärt 
gäujd,  wer  gut  schmiert,  fährt  gut;  dd  twäier  Hümie,  dirr  märling 
shäkn  würden,  wjärn  biese  mal,  die  zwei  Hunde,  welche  diesen 
Morgen  erschossen  wurden,  waren  beide  toll;  jö  Wöff,  dirr  faar 
Aagedege  haadigt  würden  äs,  käi  karren  Mann  forjäwen,  die  Frau, 
welche  vor  acht  Tagen  enthauptet  worden  ist,  hatte  ihren  Mann 
vergeben. 

Das  zurüchdeutende  Fürwort  (Pronomen  relativum). 

§.  145.  Die  zurückdeutenden  Fürwörter  sind;  dirr,  hufim  und 
wät.  Dirr  entspricht  den  relativen  Pronomen  der,  die,  das,  pl. 
die,  und  welcher,  e,  es,  pl.  e,  z.  B.  Nero  was  en  Mann,  dirr  du- 
send  Ünsküllige  pienige  let ,  am  häm  äujn  järe  Ktvaal  to  liögcn, 
Nero  war  ein  Mann,  der  tausend  Unschuldige  martern  Hess,  um 
sich  an  ihren  Qualen  zu  ergötzen ;  dät  äs  jö  Wöff,  dirr  harren 
Mönn,  harr  wägsen  Dögter  an  hdrr  läjtt  spie  Bjärn  forjätven  het, 
das  ist  die  Frau,  die  ihren  Mann,   ihre  erwachsene  Tochter  und 


225 

ihr  kleines  zartes  Kind  vergeben  liat;  jö  Släir ,  dirr  üntmii"  so 
klär  shind,  wäs'e  [jö]  Venus,  der  Stern,  welcher  gestern  Abend 
so  hell  schien,  war  die  Venus;  dät  Hüss,  dirr  he  dät  färre  Ihr 
böggd,  äs  märling  aufbrännd,  das  Haus,  welches  er  im  vorigen 
Jahre  baute,  ist  diesen  Morgen  abgebrannt;  dät  Björn,  dirr  faar 
en  läiet  dähl  äujn'e  Süss  feil,  häive's  noch  Idbben  wihsser  dptägen, 
das  Kind,  welches  vor  einer  kleinen  Weile  in  den  Brunnen  fiel, 
haben  sie  noch  lebendig  wieder  heraufgezogen;  da  wille  inerte, 
dirr  mädde  ühs  tömme  gingen,  sän  nägtling  wäg  (lägen,  die  wilden 
Enten,  die  unter  unsern  zahmen  gingen,  sind  diese  Nacht  weg- 
geflogen. —  Huhm  (vergl.  §.  loa),  heisst  wer,  hat  im  zweiten 
Falle  huhmsen  und  hiihms,  wessen  und  dessen,  deren:  huhmsen 
beim  männlichen ,  und  huhms  beim  weiblichen  und  sächlichen  Ge- 
schlechle,  so  wie  auch  in  der  Mehrheit,  De  Mann,  huhmsen  Airem 
aufshähn  äs,  kaum  hirr  näilke  faarbäi,  der  Mann,  dessen  Arm 
abgeschossen  ist,  kam  hier  neulich  vorbei;  jö  Wähs,  huhms 
Dögter  stüriven  äs,  wäll  hdr  nö  wihsser  befräie,  die  Wittwe,  deren 
Tochter  gestorben  ist,  will  sich  nun  wieder  verheirathen;  dät 
Björn,  huhms  ^llerne  siürwen  sän,  käw  ich  to  me  nümmen,  das 
Kind,  dessen  Eltern  gestorben  sind,  habe  ich  zu  mir  genommen; 
da  Fögle,  huhms  Fäjlt  ahmen  sän,  kaane  äi  swnmme,  die  Vögel, 
deren  Füsse  offen  sind,  können  nicht  schwimmen.  Auch  in  all- 
gemeinen Sätzen,  wo  ein  Hauptwort  die  ganze  Gattung  vertritt, 
steht  huhmsen  und  huhms  im  Nachsatze,  als:  De  Wällfüsh,  huhm- 
sen Töle  so  grolt ,  an  huhms  Swällig  so  när  äs,  kön  man  Häiringe 
släjnke,  der  Wallfisch,  dessen  Maul  so  gross  und  dessen  Schlund 
(Schvvalch)  so  eng  ist,  kann  nur  Häringe  verschlucken;  jö  Gaus, 
mä  huhms  Dummhäid  so  öfiing  spötet  tvort,  äs  üss  äi  so  {aale  män- 
nere  to  grott  Gagen  mä.  harr  Fähsere  an  harr  Flash,  die  Gans, 
mit  deren  Dummheit  so  oft  gespottet  wird  ,  ist  uns  nichtsdesto- 
weniger von  grossem  Nutzen  mit  (durch)  ihren  Federn  und 
ihrem  Fleische;  dd  Ricke,  huhms  gause  Dege  huhm  j dm  ößing  mds- 
gönnt,  sän  sälten  so  löcklick,  äs  we  miene,  die  Reichen,  deren 
gute  Tage  man  ihnen  oft  missgönnt,  sind  selten  so  glücklich,  als 
wir  wähnen.  —  Wät,  was,  steht  nur  im  sächhchen  Geschlechte, 
aber  nie  nach  einem  eigentlichen  Hauptworte,  als:  dät  äs  alles, 
ivdt  ick  häiv,  das  ist  alles,  was  ich  habe;  dukg,  wdt'r  säit,  thue , 


224 

was  er  sagt;  dät  us  däl  Best,  ivät  du  düjn  haast,  das  ist  das  Beste, 
was  du  lliiin  kannst;  all  dät  Gävjd  an  u4iri() ,  wU  tve  däjn  Jiäive , 
kämt  äw  iihs  iiien  Rainung,  alles  Gute  und  Böse,  was  wir  getlian 
haben,  kommt  auf  unsere  eigene  Rcclinung;  Iiidmi  tört  lU  ältidd 
düjn,  ivdt'em  wäll,  man  darf  nicht  immer  thun ,  was  man  will; 
alles,  wät's  Iiet,  äs  Göds  Gaawe,  alles,  was  sie  hat,  ist  Gottes  Gabe; 
alles,  wät  Ohme  het,  low  ülisen  liiere!  alles,  was  Odem  hat,  lobe 
unsern  Herrn  ! 

Amnerkiingen. 

i.  Hnhmsen  richtet  sich  nicht  nach  dem  Geschlechte  und  der 
Zahl  des  Grundwortes  ,  wie  im  Deutschen  dessen  und  deren, 
sondern  allein  nach  dem  Worte,  vor  welchem  es  steht,  als:  dät 
Kameel ,  Im/imsen  Hals  so  läng  äs,  das  Karaeel,  dessen  Hals  so 
lang  ist;  Jö  Law,  huhmsen  Stjart  en  Töle  long  Haler  äujn't  Ijnne 
het,  der  Löwe,  dessen  Schwanz  einen  Büschel  Haar  am  Ende  hat; 
im  weibl,  und  sächl.  Geschlechte  und  im  pl.  immer  nur  huhms. 

2.  Dirr  heisst  auch  da,  was  aber  nicht  leicht  mit  dem  zu- 
rückdeutenden dirr  verwechselt  werden  kann,  wie  im  dem  Satze: 
dirr  äs  de  Mönn,  dirr  me  släien  het,  da  ist  der  Mann,  der  mich 
geschlagen  hat;  dirr  äs  dät  Giß,  dirr  ick  de  löivel  häw ,  da  ist 
das  Geld ,  welches  ich  dir  versprochen  habe.  Ebenso  heisst  wdt 
nicht  allein  was,  ettvas ,  sondern  auch  wir  zwei,  als  persönliches 
Fürwort  der  ersten  Person  im  Dualis,  als:  wät  häwe  wät  Spältjöck 
mäbrögt  to  da  Läjtte ,  wir  (zwei)  haben  etwas  Spielzeug  mitgebracht 
für  die  Kleinen.  Beide  diese  wät  stossen  beim  weiblichen  Ge- 
schlechte und  in  der  Mehrheit  oft  mit  dem  Buchstaben  s  zusam- 
men, als:  läj'lt's  düjn,  wät's  wäll,  lass  sie  thun,  was  sie  will; 
lüjlfs  mäge,  wät's  wän,  lass  sie  machen,  was  sie  wollen;  ja  frä- 
geten  nnh,  wirr  wät's  fiewe  wjän,  sie  fragten  uns  beide,  ob  wir 
sie  haben  wollten;  dirr  sän  haaw  Röte  äujn'c  Kämmer,  wirr  wät's 
wäjl  fange  kaane?  es  sind  einige  Ratzen  in  der  Kammer,  ob  wir 
(zwei)  sie  wohl  fangen  können?  Der  Satz:  lüjtt's  düjn,  wät's  tväll, 
heisst  ohne  Zusammenziehung,  vollständig  ausgeschrieben:  läjtt 
hdr  düjn,  tvät  jö  wäll,  und  läjtt' s  düjn,  wät's  tvän:  läjtt  jäm  düjn, 
wät  jd  Wän.  Dieser  Fall  tritt  auch  wirklich  dann  ein,  wenn  man 
zwei  Parteien  gegen  einander  stellt,   als:  ich  dufig,  wät  ich  wäll, 


225 

läßt  fiär  nö  düjn,  wät  jö  tväll;  we  duhgge,  ivdt  we  wän,  läjtt  Jäm 
nö  düjn,  wät  ja  wän,  wobei  dann  die  Fürwörter  allemal  stark  be- 
tont werden. 


§.  146.  Noch  ist  hier  das  Fürwort:  solcher,  e,  es,  pl.  e,  zu 
bemerken.  Es  hcisst  in  allen  Geschlechtern  der  Einheit  vor  Gat- 
tungsnamen, so  wie  vor  männlichen  Stoff-  und  Mengenamen:  socken, 
vor  weiblichen  und  sächlichen  Stoff-  und  Mengenamen  und  in  der 
Mehrheit  söck,  als:  söckcn  grotten  Bulmim  Iiäw  ick  noch  oller  säjn, 
einen  solchen  grossen  Baum  habe  ich  noch  nie  gesehen;  socken 
üjll  Meilen  kaast  ja  äi  mör  brücke,  eine  solche  alte  Mühle  kannst 
du  ja  nicht  mehr  gebrauchen;  socken  Hüss  mähs  ick  nög  hewe,  ein 
solches  Haus  möchte  ich  wohl  haben;  s(>ch  Tähle  mäi'r  liäll  hiere, 
solche  Mährchen  mag  er  gern  hören ;  socken  Winn  häi  he  noch  ol- 
ler smägei;  socken  ßär,  socken  Wijtte,  socken  Rögge,  solche  Gerste, 
solcher  Weizen,  solcher  Roggen;  socken  ivitten  Snie,  solcher  weis- 
ser Schnee.  Dagegen:  söck  Tjöch,  solches  Vieh;  söck  Fäujlk,  solche 
Leute,  solches  Volk;  söck  Gjärs,  söck  Födder,  söck  Sträi,  solches  Gras, 
Heu,  Stroh,  u.  s.w.  PI.  söck  hijn  Klulise,  solche  schlechte  Kleider; 
söck  grott  Plöme,  solche  grosse  Pflaumen;  söck  läjtt  däsig  Krätc, 
solche  kleine  alberne  Dinger;  söck  läjtt  mjögsig  Diele,  solche  schmut- 
zige Dingerchen.  —  Statt  socken  gebraucht  man  auch  sann  für  alle 
Geschlechter  der  Einheit,  aber  dann  in  der  Mehrheit  wieder  söck, 
als:  süfinMönn,  sünn  Wo  ff,  sünnBjärn,  pl.  söck  Mann,  söck  Waffe, 
söck  Bjarne.  Ein  solcher,  eine  solche,  ein  solches,  pl.  solche, 
heisst  söckenän,  söckenijn,  pl.  söck,  oder  sünnän,  sünnijn,  pl.  söck. 
Söck  Speck,  söck  Flash,  söck  JSrüjd,  söck  Järd,  söck  Gröt,  söck 
Häier,  söck  Häwer,  söck  Böhser,  söck  Liem,  socken  Kläi,  solcher 
Speck,  solches  Fleisch,  solches  Brot,  solche  Erde,  solche  Grütze, 
solches  Haar  ,  solcher  Hafer ,  solche  Butler ,  solcher  Lehm  , 
solcher  Rlei. 

Das  Fragende  Fürwort  (Pronomen  inlerrogaliviun). 

§.  147.  Die  fragenden  Fürwörter  sind:  hukm,  wer?  huhmscn, 
huhms,  wessen?  und  tvät,  was?  Beispiele:  Huhm  äs  dirrF  wer 
ist  da?  hiihm  hei  dät  säidF  wer  hat  das  gesagt?  hvhm  hähst  sprä- 
gen?  wen  hast  du  gesprochen?  huhm  häi  dät  lögt?  wer  hätte  das 


226 

gedacht?  hnlims  IIüss  ds  üüt?  Imlimscn  Hilnn  het  de  hän?  wessen 
Jlund  hat  dich  gebissen?  huhms  Bjarne  sdn  dät?  wessen  Kinder 
sind  das?  ick  fünn  hirr  en  Pung  ma  Gijl,  hulimsen  äs'tF  ich 
fand  hier  einen  Beutel  mit  Geld,  wessen  ist's?  Wät  wird  so 
gebraucht:  wät  mägestF  was  machst  du?  wdt  wähl?  was  willst  du? 
wdt  sähs'rF  was  sagte  er?  ivdt  ds  dätF  was  ist  das?  wdt  faar'en 
Fdsh  ds  dät?  was  für  ein  Fisch  ist  das?  ivdt  faar'en  Tot  mägest 
dö  dirr?  was  für  einen  Lärm  machst  du  da? 

Die  deutschen  Ausdrücke  mit  welcher,  bei  Ausrufungen  und 
beim  Verwundern ,  als :  welcher  Glanz !  welch  ein  Held !  und  der- 
gleichen werden  durch  hacken  und  hock  ausgedrückt,  als:  hocken 
Tot!  welch  ein  Lärm!  hocken  äujimeten  Dring!  welch  ein  ungezo- 
gener Knabe!  hock  gauhs  Dege  hähst  dö,  welche  gute  Tage  hast 
du!  hock  göhl  Böhser!  welche  gelbe  Butter!  hocken  Hält  hast  dö! 
welch  ein  Held  bist  du!  Wenn  aber  hock,  hocken  nicht  in  Aus- 
rufungen vorkommt,  so  wird  es  fragend  gebraucht,  wenn  man 
die  Beschaffenheit  eines  Dinges  Avissen  will,  z.  B.  hocken  Hdjnst 
hähst  dö  käft?  en  trklihrigen  Brünnen,  md  fjauwer  witt  Fäjtt ,  en 
St  dir  faar't  Haad,  an  en  willen  Sndpp  äw'e  Naahs,  was  für  ein 
Pferd  hast  du  gekauft?  einen  dreijährigen  Braunen  ,  mit  vier 
weissen  Füssen,  einem  Stern  an  der  Stirn  und  einem  weissen 
Strich  auf  der  Nase;  hock  Böhser  hähst  to  forkupenP  näi  Stäup- 
pelböhser,  neue  Stoppelbutler.  So  wie  hocken,  hock  nach  der  Be- 
schaffenheit eines  Dinges  fragt,  so  giebt  socken  und  söck  die 
Antwort  darauf,  als:  hocken  Pupp  wähl  hewe?  söckenijn,  dsjö  dirr, 
•was  für  eine,  oder  welch  eine  Pfeife  willst  du  haben?  eine  solche, 
wie  diese  da.  Man  fragt  auch  mit  höckenän,  höckenijn,  pl.  hock, 
hünnän,  hünnijn,  pl.  hock,  und  die  Antwort  darauf  ist  söckenän, 
söckemjn,  söck,  siinnän,  sünnijn,  söck,  als:  höckenän  mähst  liefst 
Uhsse?  was  für  einen  magst  du  am  liebsten  leiden?  söckenän,  ds 
de  hirre,  solch  einen,  wie  diesen  hier;  hock  äst  md  de?  ist  wört- 
lich:  wie  ist's  mit  dir,  d,  i.  wie  befindest  du  dich? 

Das  deutsche  tvie  heisst  höir,  als:  hörr  wällt?  wie  wills?  hörr 
qongt't  de,  wie  gehts  dir?  hörr  hähst 'el?  wie  hast  du 's? 


227 


Anmerkung  über  die  Zusaminenziehungen  in  der 
Nord  friesischen   Sprache. 

§.  448.  Sic  hat  deren  eine  ungeheuere  Menge,  die  man  auf  den 
ersten  Anblick  leicht  für  Zusammensetzungen  halten  könnte,  was 
sie  jedoch  kcinesweges  sind.  Ohne  dieselben  wäre  die  Sprache  im 
Umgänge  weniger  fliessend,  und  würde,  an  Kürze  dabei  verlie- 
rend, sehr  abgebrochen  und  holperig  sein,  weshalb  sie  nothwen- 
dig  sind.  Dahin  gehören  nun  besonders  die  Geschlechtswörter 
und  Fürwörter  in  Verbindung  mit  Umstands-  und  Zeitwörtern. 
Ich  will  hier  einige  dahin  gehörige  Beispiele  auf  eine  dreifache 
Art  niederschreiben,  erstens  so,  wie  die  Sätze  gesprochen  würden 
und  werden  müssten ,  wenn  man  jedes  Wort  vollständig  mitnähme ; 
zweitens  so  zusammengezogen,  wie  sie  im  täglichen  Leben  lauten, 
und  drittens  mit  der  Andeutung  der  Zusammenziehungen,  als: 
i.wdnn  he  äi  mä  wäll,  so  kön  he  dät  läjtle,  ^.wänner  äl  md  ivdll, 
sä  könnert  läjlte,  5.  wänu'r  äi  md  wdll,  sökön'r't  läjUe;  i.  kön 
jö  käme,  so  mäujt  jö  dät,  2.  kons  käme,  so  mätijts,  5.  kön's  käme, 
so  mäujt' s;  1.  wd7in  huhm  äi  waaget,  so  wdnt  huhm  nint,  2.  tvdn- 
ncm  äi  waaget,  so  wdntem  nint,  3.  tvdnn'm  äi  ivaaget,  so  wänt'm 
nint.  Die  Sätze  heissen:  l.  wenn  er  nicht  mit  will,  so  kann  er's 
lassen,  2.  kann  sie  kommen,  so  rauss  sie 's,  o.  wenn  man  nicht 
wagt,  so  gewinnt  man  nichts.  —  1.  Dirr  he  äi  köhs,  dirr  ja  äi 
köhn,  2.  dirrer  äi  köhs,  dirrs  äi  köhn,  3,  dirr'r  äi  köhs,  dirr's  äi 
köhn,  da  er  nicht  konnte,  da  sie  nicht  konnten.  1.  häwe  ja  dirr 
wähn?  2.  häiveser  wähn?  3.  häwe's'r  wähn?  sind  sie  da  gewesen? 
i.wirr  he  dät  wusst,  dät  he  dät  hewe  shäujlF  ^.  ivirrert  iviisst, 
dättert  hewe  shäujlF  3.  wirr'r't  wusst,  dät'r't  hewe  shäujl?  ob  er's 
wusste,  dass  er's  haben  sollte?  i.tvirr  huhm  dät  waage  dort?  2. 
wirremt  waage  dort?  3.  wirr'm't  waage  dort? oh 'man 's  wagen  darf? 
4.  wirr  slept  he?  2.  wirr  slepter,  3.  ivirr  slept'r?  wo  schläft  er? 
4.  wirr  slept  jö?  2.  ivirr  slepts?  3.  wirr  slept' s?  wo  schläft  sie? 
4.  wirr  slept  hat?  2.  wirr  sleptet?  3.  wirr  slept 't?  wo  schläft  es? 
4.  wirr  släipe  ja?  2.  wirrsläipes,  3.  ivirr  släipe's?  wo  schlafen  sie. 
Die  Buchstaben  r,  s,  und  t,  sind  die  Abkürzungszeichen  für  die 
verschiedenen  Geschlechter  ,  r  für 's  männliche,  s  für's  weibliche 
und  die  Mehrheit,  und  t  für's  sächliche  Geschlecht;  r  steht  für 

29  * 


de  und  he,  s  für  jö,  ja  und  cid,  t  für  däl  und  hat,  m  für  hulmi 
(vergl.  §.  129). 

Da  s  das  weibliche  Geschlechtszeichen  bei  den  Zusammenziehun- 
gen ist,  so  können  die  beiden  Wörtchen  äs,  als  und  wie,  und 
äs,  ist,  bei  weiblichen  Hauptwörtern  kein  ferneres  Geschlechts- 
zeichen bekommen,  und  eben  so  wenig  in  der  Mehrheit,  z.  B. 
äs  kaum,  stöhs'e  Wäien  all  faar'e  Dökr,  als  sie  kam,  stand  der 
Wagen  schon  vor  der  Thüre;  äs  inne?  ist  sie  zu  Hause?  äs  kaiim- 
men,  läi  ick  mvebed,  als  sie  kamen,  lag  ich  im  Bette;  äs  gonge 
wäjl,  als  sie  gehen  wollte;  äs  smuck?  ist  sie  hübsch?  Im  männ- 
lichen und  sächlichen  Geschlechte  dürfen  die  Zeichen  nicht  fehlen, 
z.  B.  ös'r  kaum,  als  er  kam;  wirr  äs'rP  wo  ist  er?  In  fol- 
genden Fällen  steht  das  t  hinter  äs  beim  weiblichen  Geschlechte 
anstatt  dät  (es),  als:  äs't  här?  ist  sie  es?  oder  auch:  ist  es  ihr? 
(gehört's  ihr?)  äs't  här  sellew?  ist  sie  es  selbst? 

Auch  bei  den  Verhältnisswörtern  richten  sich  diese  Zeichen 
nach  dem  Geschlechte  der  Hauptwörter,  als:  äiv't  Hüss,  auf  dem 
Hause;  äp  äw't  Hüss,  auf's  Haus;  äio'e  Tele,  auf  der  Diele,  dem 
Fussboden;  äw'e  Hau7'd,  auf  dem  Kirchhofe;  unner'e  Shew ,  un- 
term Tische;  vnner't  Bkld,  unterm  Bette,  unter's  Bett;  auwer't 
Wäkscr,  über  dem  oder  das  Wasser;  äujn'e  Süss,  in  dem  oder 
den  Brunnen;  äjt'e  Hüks,  in  der  Heimath;  auf't  Läss  ,  aus  dem 
Gelenke;  eßer't  Märked,  nach  dem  Markte;  häi'e  Wäi^  am  Wege; 
dör'e  Waage,  durch  die  Wogen;  dör'l  Wänning,  durch's  Fenster; 
jjn't  Uck,  gegen  die  Wand;  ijn'e  Wäll^  gegen  den  Wall;  fon'e 
Jiühs,  von  der  Heimath;  fon't  Li  ff,  um 's  Leben;  äm'e  JSaiirdc, 
äm'e  Süksse,  gen  Norden,  gen  Süden;  äm't  Asten ,  äm't  Westen; 
faar'e  Wäieii,  vor  dem  Wagen,   u.  s.  w. 


SIEBENTES     CAPITEL. 

DAS  ZEITWORT  (Verbum). 


§.  149.  Das  Zeitwort  ist  iheils  ein  Stammwort,  tlieils  ein  ab- 
geleitetes. Die  Wörlerklassen,  aus  denen  es  vorzugsweise  als 
derivatum  gebildet  wird,  sind  Haupt-,  Bestimmungs-  und  Zeitwör- 
ter selbst,  wodurch  jedoch  die  übrigen  Wörlerklassen,  als  Wur- 
zeln desselben,  keinesweges  gänzlich  ausgeschlossen  sind.  Die 
einfachste  und  ursprüngliche  Form  desselben  ist  das  Wandelwort, 
das  sich,  wie  im  Deutschen,  allemal  auf  en  oder  n  endigt,  und 
auch  die  Endungen  ein  und  erii  mit  dem  deutschen  Zeitworte 
gemein  hat,  als:  läwen,  leben;  sträiven,  i.  streben,  2.  streiten; 
shaamen,  sich  schämen;  sägein,  hintaumeln,  in  Ohnmacht  fallen; 
prägein,  stricken;  ivjärpeln,  worfeln;  gräpeln,  grapsen;  läwem, 
liefern;  bäwern,  zittern;  knabbern,  klappern,  u.  s.  w. 

Bildung    des   Zeitwortes. 
a.    Aus  Hauptwörtern. 

§.  ioO.  Da  die  deutschen  Stammwörter  sich  hier  leicht  aus 
dem  Zeitworle  erkennen  lassen,  so  soll  dieses,  mit  Uebergehung 
der  deutschen  Substantive,  bloss  erklärend  beigefügt  werden,  als: 

jö  Aart,  aarten,  arten.  de  Bäirig ,  bäirigen,  bergen, 

dät  u/ller,  allem,  altern.  dät  Bedd,  bedden,  betten, 

de  uinker,  ankern,  ankern.  de  Bjärsel,  bjärseln,  bürsten, 

dät  u/r,  ären,  narben.  dät  Bläujd,  bläjdden,  bluten, 

jö  u^rw,  ärwen,  erben.  dät  Bjärn,  bjärnen,  kindein. 

de  ^we ,  äwen ,  nachäffen ,  efter-  de  Bjärn ,  bjärnen ,  börnen. 

äwen.  de  Bunk,  bunken,  aufhäufen. 

']ö  Baan,  baanen,  bahnen.  dät  Bill,  billern,  bildern. 

de  Bälle,  ballen,   den  Ball  auf-  dät  Bijn,  bijnseln,  abstiefeln. 

fangen.  jö  Blähs,  blähsen  ,  flammen  , 
jö  Bäik,  bäiken,  beuchen.  lohen, 

de  Bäjtlel,  bäjttcln,  meisseln.  '\o  Bläihs ,  bläi&en ,  Blasen  werfen. 


250 


dat  Bloss,  blehscn ,  blätlcrn. 

dat  Block,  blocken,  blocken. 

jö  Blossem,  hlossmen ,  blühen. 

de  Bolle,  böllnen,  schwären. 

de  Bössei,  bösein,  bosseln. 

dat  Buhrk,  biihrken,  borken. 

de  Brödd,  brödden,  stacheln. 

de  Dämp,  dänipen,  dampfen. 

de  Ddsh,  ddsfien,  auf-  oder  ein- 
füllen. 

de  Ddwwe,  ddtvwen,  thauen. 

de  Dick,  dicken,  deichen. 

de  Dämm,  dömmen,  dämmen. 

de  Dröpp,  dröppen,  tröpfeln. 

jö  Drulig,  driigen,  seihen,  sei- 
gen. 

de  Driihm,  driemen,  träumen. 

de  Drüpp,  driippen,  träufeln. 

de  Ebbe,  ebben,  ebben, 

dat  Edder,  eddern,  eitern. 

de  Egge,  eggen,  anreizen. 

de  Enn,  ernten.  Abend  werden. 

de  Eme,  emen,  brödmen. 

dät  Färrew,  färwen,  färben. 

dät  Fäll,  fällen,  fiUen. 

dät  Fäll,  fällen,  nachlaufen. 

de  Fäsh,  fäshen,  fischen. 

jö  Fäig,  fäigen,  fügen. 

jö  Fäifis,  fäjdden,   unterhalten. 

de  Fähser,  fähsern,  mausern. 

dät  Fäujlk ,  befäujlken,  bevölkern. 

jö  Feel,  feien,  feilen. 

']ö  Fistel,  fisteln ,  ützen ,  abfitzen. 

dät  Fauser,  fmsern,  i.  futtern, 
2.  füttern. 

dat  Feck,  fecken,  fachen. 

de  Fläbbe,  ßäbben,  s,  §,  \M. 


]öFläg,  /lägen,  rcgcnschaucrn. 

de  Flagge,  flüggen,  flaggen. 

]ö  Flaait ,  ßaailen,  flöten. 

jö  Fläujdd,  Fläujdden  ,  fluthen. 

deFüJlle,  füjllen,  falten. 

füjlligen,  die  Hände  falten. 

jö  Fragt,  fragten,  frachten. 

duForgäft,  forgäften,  vergiften. 

jö  Fragt,  frugten,  fruchten. 

jö  Furrig,  furrigeu,  furchen. 

de  Fläck,  fläcken,  flecken,  flicken. 

jö  Faurk,  fälrken,  aufgabeln. 

deFäujtt,  fäjtteln,  anfüsseln. 

deFäjnger,  fäjngem,  fingern. 

de  Frünn,   befrünnen,  befreun- 
den (sich). 

deFaurme,  faurmen,  foi'men. 

jö  Fäihsem,  fäihsmen,  fadmen. 

de  Gaaive,  begaawen,  begaben. 

de  Gäihs,  gäihsen,  düngen. 

dät  Gäujl,  forgellen,  vergolden. 

jö  Gaus  (Gas),  gasen,  gänseln. 

de  Grünn,  grünnen,  gründen. 

de  Gjärd,  gjärden,  gürten. 

dät  Graiim ,  gräimen ,  ausweiden. 

dät    Grüss  ,   grühssen ,   griesen  , 
gröhsen,  knirschen. 

de  Gränse,  gränsen,  gränzen. 

de  Gnähse,  begnähsigen,  begna- 
digen. 

dät  Gjärs  ,   gjärsen ,   1 .  grasen  , 
2.  grasen. 

jö  Gunst,  begünstigen,  begünsti- 
gen. 

de  Gläns,  glänsen,  glänzen. 

jö  Grauf,  grauwcn,  graben. 

de  Grüppel,  grüppeln,  s.  §.  4ol. 


231 


de  Gils,  gitsen,  geizen. 

jö  Härrew,  Iiärrcwen,  eggen. 

de  Hämmer ,  hämmern,  hämmern. 

jö  Häivcl,  häweln,  hobeln, 

dät  Häier,   liäiren,  hären. 

de  Haupp,  hanppen,  reifen. 

de  Häge,  hägen,  haken. 

de  Hagel,  hageln,  hageln. 

jü  Hagel,  hageln,  hecheln. 

jö  Hesp,  hespen,  haspeln. 

jö  Hüdd,  hüdden,  häuten. 

de  Hupp,  huppen,  häufen. 

de  Hocke,  hocken,  garben. 

de  Hunger,  hungern,  hungern. 

dät  Haad  ,  haadigeti  ,  köpfen , 
enthaupten. 

jö  Hähg  ,  hägen ,  das  Heck 
sehllessen. 

dät  Hüss,  hühssen,  behausen. 

jö  Häujnn  [Hön) ,  handeln,  han- 
deln. 

jö  Häujnn,  hijnnen,  auffangen, 
hijnnigen,  inhijnnigen,  einhän- 
digen. 

jö  Hijll,  hijllen,  beiden. 

jö  Hjärn,  hjärnen,  s.  §.451. 

de  His,  be-ihsigen,  beeidigen. 

dät  Iss,  Hissen,  eisen. 

de  Ipine,  ijnnen,  enden. 

dät  Jädder,  jäddern,  entern. 

dat  Jöck,  jögen,  Jochen. 

de  Jörder,  jördern,  (Hirte),  hüten. 

jö  Kaar,  haaren,  karren. 

jö  Kaard,  kaarden,  karten  (spie- 
len). 

de  Kalk,  kalken,  kalken. 

dät  Mann  ,  kdnnen ,  kinnen. 


de  Kant,  känlen,  kanten. 

de  Kägel,  hageln,  kegeln. 

jö  Käivcl,  käweln,  koppeln. 

de  Kele,  kelen,  keilen. 

jö  KiJhl,  Wölken,  s.  §.  d51. 

dat  Kitt,  kitten,  kitten. 

dät  Kldster,  kldslern,  kleistern. 

de  Kläi,  kläien,  kleien. 

jö  Kldink,  kldinken,  klinken. 

de  Klömp,  klömpen,  klampen. 

de  Khimp ,  klumpen,  klumpen. 

de  Klütt ,  klütten,  flicken. 

de  Kohle,  forkohlen  ,  verkohlen. 

de    Kurde  ,     kurden  ,     karden  , 

krämpeln. 
da  Kluhse,  kluhsen,  kleiden, 
de  Knepel,  knepeln,  knüppeln, 
jö  Kniep,  kniepen,  schnallen, 
de  Knopp,  knoppen,  knospen, 
de  Knapp,  knöppen,  knöpfen, 
de  Knote,  kneten,  knoten, 
jö  Krdck,  kracken,  krücken. 
de  Kräns,  krausen,  kränzen, 
dät  Krümm,  kramen,  kramen, 
dät  Kräivel,  kräweln,  krüppeln. 
dät  Kritl,  kritten,  kreiden, 
dät  A'rMSS,  krühssigen,  kreuzigen, 
dät  Kuletv,  kulwen,  kalben. 
de  Kläck,  klacken,  kläcksen. 
dät  Kaum,  kjarnen,  körnen, 
jö  Kjärl,  kjdrlen,  gerinnen, 
jö  Kldw,  kldivern,  klauern, 
de  Klönke,  klöuken,  werfen, 
de  Kaumni,  kiemmen,  kämmen, 
de  Koppel,  koppeln,  tragen. 
de  Krapp,  kröppen,  sich  bekör- 

pern,  bcleibcn. 


232 


jü  Kugel,  kugeln,  kugeln. 

de  Kunst,  kunstein,  künsteln. 

dät  Laager ,  laagern,  lagern. 

dät  Lack,  lacken,  lacken. 

jö  Länk,  länken,  ketten. 

dät  Läth,  läthen,  latten. 

de  Lä'pe,  läpen,  ausbessern. 

dät  Laumm,  laummen,  lammen, 

dät  Läujnn,  läujnnen  oder  läujn- 
nigen,  landen. 

dät  Lees,  lesen,  laden. 

dät  Lös,  lösen,  losen. 

dät  Limm,  limmen,  leimen. 

dät  Lüjdd,  lüjclden,  löthen. 

dät  Lüjn,  Innen,  lohnen. 

jö  Last,  lasten,  leisten. 

dät  Lock,  locken,  glücken, 

de  Locke,  locken,  löckeln. 

jö  Luft,  lüften,  lüften. 

jö  Lüss,  lülisscn,  lausen. 

de  Löper,  löpern,  schüssern. 

jö  Lierk,  lierken,  s.  §.  151. 

dät  Lück  ,  nicken ,  schliessen  , 
belücken ,  einschliessen. 

dät  Malt,  malten,  malzen, 

de  Mäister,   mäistem,   meistern, 

jö  Mäßd,  mäjdden,  mähen,  ma- 
then. 

de  ß/ist,  misten,  nebeln. 

de  Mjögs,  mjögsen,  ausmisten. 

jö  31  Öhr,  möhrcn,  mauern. 

jö  Müss,  mühssen,  mausen. 

dät  Mudder,  muddern,  aufschläm- 
men. 

dät  Münster,  münstem,  muslern. 

jö  Munt,  münten,  münzen. 

jö  Mölke,  mölken,  melken. 


de  Näujtte,  näujtten,  raelodicln. 

dät  Nebb,  nebben,  schnäbeln. 

jö  Nill,  nillen,  nesseln,  sich 
daran  brennen. 

deitNest,  nesteln,  nisten,  nistein. 

de  JSjütte,  njütten,  nützen. 

jö  Nüjdd,  nijddigen  {nijdsägen), 
durch  Zwang  nöthigen. 

de  Narr,  narren,  narren. 

dät  Öfcr,  3 fern,  opfern. 

jö  Öngel,  ongeln,  angeln. 

de  Ohme,  ohmen ,  athmen. 

dät  Pack,  iKigen,  pichen. 

jö  Pal,  peilen,  schelfen. 

de  Päpe,  jiäpen,  an  der  Brust 
saugen. 

jö  Pari,  pdrlen,  perlen, 

dät  Päwer,  päwern,  pfeffern. 

dät  Päss,  passen,  pissen. 

jö  Päujn,  päujnnigen,  pfänden. 

jö  Penn,  pennen,  mit  dem  höl- 
zernen Wirbel ,  der  Penne , 
verschliessen, 

de  Pick, picken,  picken,  stacheln. 

jö  Pietsh,  pielshen,  peitschen. 

dat  Pär,  pären,  paren  (sich). 

de  Pläck,  placken,  flecken. 

dät  Piaaster ,  plaastem ,  pflastern, 

de  Plang ,  plaugen,  pflügen. 

jö  Plönt,  planten,  pflanzen. 

jö  Prauhs ,  prauscn  ,  trödeln  , 
lüntcln,  iaseln. 

jö  Pvchns,  prdmsen,  premsen, 

de  Plöck,  plöckcn,  pflöcken. 

de  Pöjnte,  pöjnlen,  würfeln. 

de  Pose,  pösen,  bauschen. 

de  Pung,  üttpungcn,  ausbeuteln. 


!D0 


de  Prägel,  prägobi,  stricken. 
de  Pule,  aufpulon,  abpfählen, 
jö    Pump,  pumpen,  pumpen. 
de  Präck,  prächen,  prickcn, 
de  Prijnn,  prijnnen,  pfriemen. 
dät  Puser,  pusern,  pudern, 
dät    Qualster,    quälstern,    quäl- 

Stern, 
jö  Rank,  ranken,  ranken, 
dät  Rauser,  nmsern,  rudern, 
de    Räjdd,    räjdden,    i.  ralhen, 

2.  errathen. 
jöRäigel,  räigeln,  regeln, 
jö  Räsp,  räspen,  raspeln, 
jö  Reew,  reiven,  harken,  rechen, 
de    Riech  ,    riechen  ,    räuchern , 

röchen,  rauchen, 
de  Rinn,  renen,  regnen, 
de  Ripp,  rippen,  reifen, 
de  Ruk,  ruhen,  schobern, 
de  Rulimme,  ruhmmeu,  rahmen, 

abrahmen, 
dät  Rümm ,    rünimen ,    räumen , 

röhmen,  Gelass  haben. 
de  Rup,   rupeln,    ein  Tau   auf- 
reifen, 
de  Rüss ,  berühssen ,  berauschen. 
deRimm,  rimmen,  reimen, 
jö  Saal,  forsaalen,  versohlen, 
de  Saabel,  saabein,  säbeln, 
jö  Sähg ,  sägen,  sägen, 
jö  Sali,  sällen,  satteln, 
dät  Säil  (jetzt  dät  Sähtv),  säilen, 

sichten, 
dät  Salt,  sälten,  salzen, 
dät  Sann,  besännen,  besinnen, 
dät  Sägel,  sägein,  segeln. 


dat  Sägel,  forsägeln,  versiegeln. 

de  Senne,  sennigen,  sündigen. 

iVai  Siep ,  sicpen,  seifen. 

dat  Selwer,  forselwern,  versilbern. 

dät  Shäp,  shäwen,  schiffen. 

jö  Sliaalts,  sliaasen,  verriegeln. 

de  Shauch  (SIio),  shöien,  schuhen , 
die  Pferde ;  ihnen  Hufeisen 
unterlegen. 

jö  Shauwel,  sliauwcln,  schaufeln» 

]6  Shäl,  shälen,  schälen. 

dät  Shämmel,  shämmeln,  schini" 
mein. 

de  Shänse,  shänsen,  schanzen. 

de  Shäse,  beshäsigcn,  beschädig 
gen. 

de  Shäne,  sJiänen,  beschienen. 

jö  Shruw,  shruiuen,  schrauben. 

de  Shöche,  shochcn,  hocken. 

AcSeck,  Sechen,  sächen,  sacken. 

de  Särhel,  särheln,  zirkeln. 

de  Sämmer,  sämmcrn,  sommern. 

jö  Själl,  själlen,  s.  §.  151. 

dät  Shümm,  shümmen,  schäu- 
men. 

jö  Shüll,  beshülligcn,  beschul" 
digcn. 

jö  Shäjl,  bcsfiä/jlligen ,  beschul- 
digen, richtiger  als  beshüU 
ligen- 

dät  Smähr ,  smeren,  schmieren. 

dat  Slubb,  slubbern,  schlürfen. 

de  Snic ,  snäien,  schneien. 

jö  Sling,  slingen,  schleudern. 

jö  Snär ,  snären,  schnüren. 

jö  Sjärn,  sjärnen,  buttern, 

de  Säihs,  säifisen ,  käsen, 

30 


234 


de  Slump,  slumpen,  schlumpen. 

jö  Spar,  sparen,  spornen. 

dät«9pör,  sparen,  spüren. 

de  SUmm,  slimmen,   schleimen. 

de  SJäme,  sjdmmern,  schimmern. 

de  Slälise,  slälisen,  (der  Schlit- 
ten). 

de  Spicher,  Spielern,  nageln. 

dät  S2)ägel,  spägeln,  spiegeln. 

de  Shuller,  shuUern,  schultern, 

jö  Spann,  spännen,  spannen. 

dät  Slöf,  slöwivcn,  stieben. 

de  String ,  bestringen,  besaiten. 

dat  Spät,  spälisen,  spiessen. 

de  Siijn,  stienigen,  steinigen. 

de  Slrüvjn,  slränjnnigen,  stran- 
den. 

de  Slaurni,   stnnrmen,  stürmen. 

de  Stamm,  stammen,   stammen. 

jö  Stjöi,  stjöion,  schaukeln. 

dät  Sulew,  sulwen,  salben. 

de  Stall,  Ställen,  stallen. 

jö  Spung,  spungen,  spangcn,  mit 
der  Spange  befestigen. 

dät  Staat,  forstaalen,  verstählen. 

de  Späse,  späsen,  abspatcn. 

de  Staapel,  staapeln,  stapeln. 

jö    Shält,  beshätten,  beschatzen. 

dM  Slönim,  slömmen,  aufschläm- 
men. 

de  Snäjtter,  snäjttern,  tischlern. 

de  Sötter,  söltern,  schustern. 

de  Slirnjdder,  slirnjddern.,  schnei- 
dern. 

dät  Swaatvel,  swaaweln,  schwefeln, 
jö  Spirr,  spirren,  keimen  ,  spros- 
sen. 


de  Straal,  siraalen,  stralilen. 

de  Stümper,  stümpern,  stümpern, 

dal  Smink,  sminkcn,  schminken. 

dät  Smull,  smullern,  krümmein 
(to  crumble). 

de  Stäiivel,  stäiweln,  stiefeln, 
jö  Spaul,  Spanien,  spulen. 

dät  Spünn,  spünnen,  spunden. 

dat  Spütt,  spülten,  spützen. 

jö  Stjörr,  stjörren,  steuern. 

de    Swierm,  swiermen,    schwär- 
men, 
dat  Stälik,  stäken,  stakzäunen, 
jö  Strädd,  strädden,  grätschen, 
jö  Statirk ,  staurken,  storchen, 
de  Stelle,  sielten,  stelzen, 
dät  Slräi,  sträieln,  streuen, 
de  Suhmm,  sulimmen,  säumen, 
jö  Swiep,  swiepen,  einwindeln, 
dat  Siviert,  swierten,  schwärzen, 
de  Stücke,  stücken,  aufstauchen, 
de  Stippe,  stippen,  stülzen. 
dät  Steef,  stewen,  daubcn. 
dät  Sucker,  snckern,  zuckern, 
de  Swdck,  swdcken,  zwicken, 
dät  Swinn,  swennen,  Schweinen, 
dat  Swijtt,  swdtten,  schwitzen, 
de  Täms,  tämsen,  sieben, 
dat  Tann,  forldnncn,  verzinnen, 
dät  Tiecken,  tiecknen,  zeichnen, 
jö    Tieni,  tiemen,  diemen. 
de  Tögel,  lögein,   zügeln, 
de  Toll,  tollen,  zollen, 
de  Topp,  läppen,  s.  §.  \Vy\. 
jö    Trel,  treten,  rollen, 
de  Täpc,  täpen,  zapfen, 
de  Tjäre,  tjären ,  iheeren. 


255 


dät  Tjüdder,  tjüddeni,  töddern , 

tüdcrn. 
de  Tjäwse,  tjdiveln,  zanken, 
da  Tontle ,  tonteln,  klöppeln. 
de  Trust,  trästen,  trösten, 
jö    Träw,  träwen,  stiegen. 
de  Träivel,  träiveln,  auftriescln. 
dclt  Twel,  twelen,  sabbern, 
da  Twäge,  Iwäyen,  ankleben, 
jö  Trommel,  trommeln,  trommeln, 
de  Trägter,  trägtigen,  trichtern, 
jö  Trits,  trüsen,  tritzen. 
jö  Twjdrn ,  tivjärnen,  quernen. 
de  Tiinne,  tünnen,  zinken, 
dät  Ulig ,  ugen,  äjtugen ,  slr eben , 


anlialten  mit  der  Arbeit. 

de  U/irs,  uJirsen,  lenzen,  Früh- 
ling werden. 

jö  Wägg,  iväggcn,  wiegen  in  der 
Wiege. 

dät  Wägs,  ivägsen,  wichsen. 

dät  Wältscr,  iväsern,  wässern. 

de  Walle,  beivälllgen,  bewilligen. 

de  Wärk,  wärrigen,  schmerzen. 

de  Wjärt,  bewjärten,  bewirthen. 

dät  Wirk  ,  wirken ,  ein  Wirk 
setzen. 

jö  Wöß\  wöivwen,  weihen, 

de  Wonler,  wontern,  wintern. 


Bemerkungen    über  diejenigen  der  vorsiehenden  Zeitwörter, 

welche  nicht    genau  den  deutschen  entsprechen  oder  in 

der  Bildung  abweichend  sind. 

§.  151.  Bjärnen,vevh.  pass.,  geboren  werden,  als:  wirr bäst bjär- 
net?  ivtinne  bäst  bjärnel?  wo,  wann  bist  du  geboren?  hähst't  Tjüch 
bjärnetF  hast  du  das  Vieh  getränkt?  Buhrken ,  ist  nicht  allein 
abborken,  sondern  auch  gerben,  als:  dät  Lähser  ds  äi  nög  buhrket, 
das  Leder  ist  nicht  gar  gegerbt.  Brödden,  mit  kleinen  scharfen 
Stiften  beschlagen,  um  auf  dem  Eise  stehen  zu  können.  Dämpcn, 
ist  sowohl  dampfen,  als  dämpfen.  Ddshcn,  mit  einer  kleinen  geöhr- 
tcn  Sehale  auf-,  ein-  oder  umfüllen,  diese  heisst  rfe  jDäsÄ.  Emen,  be- 
zeichnet das  Aufsteigen  heisser  Wasserdämpfc  oder  des  Brodems. 
Fällen,  von  dät  Fäll,  das  Füllen,  ist  einem  nachlaufen,  wie  ein 
Füllen  der  Mutterstute.  Die  Wörter /t'cA"e?i,  sacken,  hocken,  shöcken, 
werden  nur  vom  Getreide  gebraucht,  und  heissen  fachen,  sacken, 
garben  und  hocken,  als  beim  Einfahren,  dät  Kaum  (ecket  gänjd, 
fällt  gut  im  Fach  oder  füllt  die  Fächer  gut;  dät  hocket  gänjd, 
garbet  gut;  shocket  gäujd,  hocket  gut;  secket  gänjd ,  träwet  gänjd, 
schlägt  gut  in  die  Stiegen.  De  Fläbbc,  fläbben,  die  Flabbe,  dän. 
cn   Flab,   at   flähc,   das   Maul   herabhängen  lassen.    Fäjtteln,  ist 

30' 


256 

vorschuhen,  FüssHngc  an  Strümpfe  stricken,  dpfüjltcln.  Grünnen, 
gründen,  darf  nicht  mit  fjrünneu  (to  grind),  auf  der  Mühle  mahlen, 
verwechselt  werden.  Grälissen,  ist  1.  zu  Gries  malmen,  2.  mit 
Gries  belegen,  z.B.  die  Gänge  im  Garten.  Gröhsen,  bezeichnet  den 
knirschenden  Laut  und  die  damit  verbundene  unangenehme  Em- 
pfindung, den  z.  B.  Sandkörner  und  kleine  Steinbrocken  zwischen 
den  Zähnen  verursachen.  Grauwen,  ist  trockne  Graben  reinigen 
oder  aufwerfen ;  grüppeln,  kleine  Abzuchten  graben.  Hauppen,  v.  tr., 
ein  Fass  reifen.  Hägen,  das  Heck  zuschliessen.  Hijllen,  die  Heide 
oder  Fussfessel  anlegen.  Hjärnen,  von  jö  Hjäm,  die  Ecke,  der 
Winkel,  ist  Kranke  besuchen,  um  sich  nach  ihrem  Befinden  zu  er- 
kundigen ,  wo  man  dann  gewöhnlich  zu  Häupten  des  Bettes  im 
Alkovenwinkel  (jö  Hjäm)  sitzt.  Ijnnen,  ist  d.  beendigen,  voll- 
enden, 2.  enden,  5.  dem  Ende  sich  sichtlich  nähern,  als:  tvdnne 
kaasl'et  ijnne?  wann  kannst  du  es  vollenden?  Jiörr  wäll  dät  ijnne? 
wie  wird  das  enden?  dät  ^rhed  ätit  nint,  die  Arbeit  schreitet 
nicht  vorwärts,  dem  Ende  zu.  Dai  Jädder ,  jäddern ,  entern,  gegen 
die  Zeil  des  Kalbens,  von  Kühen:  jü  Kö  jäddert  nö  gäiijd,  die  Kuh 
entert  nun  gut.  Kolken,  mit  Schüssern  oder  Knickern  (Löpere)  in 
einem  Grübchen  spielen,  iö  Kldjtik,  die  Klinke,  kldjnken,  1.  die 
Thürklinke  in  die  eiserne  Falze  fallen  lassen  oder  drücken ,  2.  etwas 
zusammennieten.  Klömpen,  i.  klampen,  2.  die  grossen  Heu-  und 
Getreideschober  aufsetzen.  Kldwcrn,  klettern,  aber  mittelst  der 
Klauen ,  d.i.  der  Hände ,  bei  Menschen.  Koppeln,  jemand  huckepack 
tragen.  Jö  Lierk ,  eine  kleine ,  Hache ,  krause  Brannteweinflasche , 
die  man  in  der  Tasche  tragen  kann,  wovon  die  Liebhaber  fleissig 
ein  Schlückchen  zu  nehmen  pflegen,  was  man  licrken  nennt:  nü 
het'r  all  ütllierkct,  wdt  dirräiijn  was.  Dät  Lück,  lücken,  die  Luke 
zumachen,  und  überhaupt  zuschliessen.  Räjdden,  l.rathen,  einem, 
2.  errathen,  5.  zu  befehlen,  gebieten  haben.  BePiup,  s.  oben,  engl, 
a  roop,  davon  dbrupeln,  das  Tau  in  einen  Kranz  zusammenreifeln. 
Berülissen,  i.  berauschen,  2.  verschüttet  werden,  z.B.  vom  Gerolle, 
einem  Bergsturz  und  dergl.  Sdcken,  ist  sich  mehr  nach  unten 
ziehen.  Själlen,  nach  etwas  aussehen,  etwas  gleichen  oder  ähnlich 
sein,  Jö  SliüH,  ist  die  Geldschuld;  jö  SIiöjl,  die  Schuld  an  einem 
Uebel,  Ursache,  und  doch  heisst  beschuldigen  immer  hcshüllujen 
Statt  besIiäJlHycn.    Snären,  ist  auch  in  der  Schlinge  fangen.   Sjdm- 


257 

mern,  von  Sjüme ,  wie  im  Deutschen  sc/timmern,  von  Sche.ncn. 
Slähsen,  ScliliUcnfahren.  Spännen  ist  auch  äiijnspännen ,  [aar spän- 
nen, aufspannen,  an-  vor-  und  ahspannen.  Ställen,  \.  auf  den 
Stall  setzen,  2.  von  Pferden:  pissen,  Späsen,  mit  dem  Spaten  ab- 
stechen; späsen,  dasselbe.  Släiweln,  stiefeln,  nö stäiwett'r  auf,  nun 
stiefelt  er  ab;  hijnseln,  nun  beinelt  er  ab,  d.h.  er  läuft.  Stjörren, 
steuern,  wehren,  hemmen.  Stäken,  ein  Stak  oder  Staket  setzen. 
Sträieln,  von  S/mi (Stroh,  Streu),  ist  überall  streuen,  Stücken,  ist 
Torf  aufstauchen.  Stewen,  ein  Fass  mit  Dauben  versehen.  Tiemcn, 
Heu  zum  Diemen  oder  Schober  zusamraenschleifen ,  von  jö  Tiem, 
der  Fahrzaum,  Toppen,  l.das  Maass  häufen;  2.  mit  einem  Büschel 
auf  dem  Kopfe  versehen,  Dät  Tjüdder,  tjüddern,  toddern,  tüdern, 
d.  i.  an  den  Spannstrick  mittelst  eines  kleinen  Pfahles  (de  TJüd- 
derpule)  aufs  Gras  setzen.  Twägen,  zusammenkleben,  und  zwar 
mit  dickem  Hefen,  oder  wie  mit  demselben  gekleistert,  Tünnen, 
von  de  Tünne  (Zinke),  etwas  mit  Zinken  versehen,  z.B.  en  Härreiv 
tünnen,  eine  Egge  bezinken;  sonst  ist  tünnen  auch  als  verb.  pass. 
anschwellen,  aufschwellen.  Wirken,  ein  Wirk,  das  ist,  einen  brel- 
ternen  Zaun  aus  wagrechten  Brettern  machen,  Jö  Wöjf,  wöwwen, 
wörtlich:  weihen,  d,  i.  dem  Weibe  beiliegen. 

Anmerkung. 

Ausser  den  unregelmässigen  Bildungen  des  Zeitwortes  aus 
dem  Hauptworte,  wie  forgellen  von  Gäujl,  bläjdden  von  Bläujd, 
kiemmen  von  Kaumm ,  u.  s.  w, ,  finden  wir  unter  denselben  nicht 
wenige,  die  auch  sogar  in  der  Zeitabwandlung  (Conjugation)  un- 
regelmässig sind,  was  bei  den  Zeitwörtern  dieser  Art  im  Deut- 
schen und  Dänischen  fast  nie  der  Fall  ist.  Dahin  gehören  z.  B. 
forgellen,  fäirken,  bläjdden,  stöwwen,  kiemmen,  römen,  teilen,  von 
jö  Täll,  die  Zahl;  hijnnen,  nämen,  von  de  Ndme;  kneten,  beman- 
nen, von  de  Mönn,  pl.  Mann;  gräimen,  spännen,  snäien,  bäirigcn, 
fällen  (fdlen),  grünnen,  shenen,  ynnen,  kolken,  kluhsen.  Wissen, 
reuen,  smeren,  slingen,  stjöien ,  siviermen,  fäjdden,  räjdden,  drie- 
mPAi,  shöien. 


238 


§.  1d2.     b.     Aus  Bestimmungswörtern. 
krönk,  Ar öwÄe«,  kranken,  hräjn-     stump,  sfumpen,  stumpCcn. 


ken,  kränken. 

fälsh,  forfälshen,  verfälschen. 

gräin,  gräinen,  grünen. 

härd,  fidrden,  härten. 

grott,  forgrottern,  vergrössern. 

wärm ,   wiermen ,  wärmen  ,   wär- 
men. 


billig,  billigen,  bilHgen. 
stiff,  stiivwern,  gerinnen. 
Itält,  halten,  hinken. 
löin,  laamen,  lahmen. 
röset,  rasen,  faulen. 
krüssed,  krültssen,  kräuseln. 
tagt,  tagten,  dichten. 


käujl,  käilen,  kälten,  forkäilen,     will,  forwillern,  verwildern. 


erkälten. 
blieck,  bliecken,  bleichen,  Verb. 

tr.  und  inlr. 
hijtt,  hijtten,  heizen. 
ivitt,  Witten^  weissen. 
blank,  blanken,  blanken. 
kanrt,  kaurten,  kürzen, 
r/pp ,  rippcn,  reifen. 
klär,  klären,  klären. 
surr,  surren,  säuern. 
swäck,  swäcken,  schwächen. 
iihk,  uken,  weichen. 
sljögt,  sljögten,  schlichten. 
tick,  licknen,  gleichen. 
dröhg  ,  drögen ,  trocknen. 
struf,  strmven,  straffen. 
stramm,  strammen,  strammen. 
widd,  widden,  erweitern. 
brijdd,  brijden,  ausbreiten. 
tjöck,  tjöcken,  verdicken. 
wäjtt,  iväjlten,  nässen. 
fugtig ,  fugtigen,  feuchten. 
trau,  trauen,  trauen, 
üjll,  üjlleti,  älteln. 
tenn,  fortcnnen,  verdünnen. 
junk,  junken,  dunkeln. 
ftpäss,  spdssen,  spitzen. 


tvill,  forwilligen,  verirren. 
lief,  liewen,  lieben. 
bätter,  forbättern,  verbittern. 
shdrp ,  shdrpen,  schärfen. 
hohl,  ütthohlen,  aushöhlen. 
krümm,  krömen,  krümmen. 
smel,  smelen,  lächeln. 
äiwen,  äiivnen,  ebnen. 
diep,  fordiepen,  vertiefen. 
Idck,  Idcken,  lecken. 
steil,  steilen,  sich  bäumen. 
fiin,  forfienen,  verfeinern. 
shrädd,  shrädden,  schrägen. 
hillig,  hilligen,  heiligen. 
fjdrdig ,  forfjdrdigen ,  verfertigen. 
erm,  forermen,  verarmen. 
blöch,  blögen,  sich  erblöden. 
dien,  äinen,  eignen. 
lüss,  liesen,  lösen. 
fri ,  befrien ,  befreien. 
frish,  dpfrishen,  erfrischen. 
Idgt,  forldgtern,  erleichtern. 
hiich ,  hie-en,  erhöhen. 
ndl,  fornäiern,  erneuen. 
rick,  berickern,  bereichern. 
rigtig,  berichtigen,  berichtigen. 
rögt,  rögten,  rechten. 


259 

sldll,  Ställen,  slillcn.  ßgel,  fägeln,  fehlen. 

saalig,  besaaligcn,  beseligen.  swär,  besiveren ,  beschweren, 

fiill,  feilen,  füllen.  säker,  säkern ,  sichern ,  forsäkern , 

sätl,  sä/tsigen,  sättigen.  versichern. 

mörr,  formeren,  mehren.  siumm,  forstummen ,  verslummcn, 

eivig,  forewigen,  verewigen.  männere,   mdnnern  und  formdn- 

swänger,besivängern,  schwängern-  nern,  mindern. 

jung ,  jungen ,  Junge  werfen.  ijn,  Urnen,  fori/men ,  einen. 

riin,  rienigen,  reinigen.  sliirr,  shirren,  s.  §.  155. 

händig,  bändigen,  bändigen.  glatt,  glätten,  glätten. 

hing,  forläjngern,  verlängern.  mill,  miliern,  mildern, 

hijl,  hielen,  heilen.  nög,  näigen,     genügen. 

Bemerkungen. 

§.  155,  Auch  bei  der  Bildung  des  Zeitwortes  aus  dem  Adjec- 
tiv,  finden  wir  nicht  allein  mehrere  unregelmässige  Bildungen, 
sondern  auch  wieder  irregulaire  Zeitwörter  vor.  Die  Verba:  for- 
grottern,  männern,  formännern,  fonvillern,  berickern,  forläjngern, 
stiwwern,  sind  aus  dem  vergleichenden  Stande  des  Bestimmungs- 
wortes (dem  Comparativ)  gebildet,  wie  auch  forbäsern  aus  bäscre, 
besser.  Die  Wörter  härden,  bliecken,  uken ,  surren,  klären,  drögen, 
hielen,  fiieen,  können  sowohl  transitiv  als  intr.  gebraucht  werden, 
je  nachdem  der  jedesmalige  Sinn  es  erheischt,  als:  he  härdet  dät 
Stäjll,  er  härtet  das  Eisen,  dät  Staal  härdet,  der  Stahl  härtet, 
härtet  sich;  jö  bliecket  harr  Länert ,  dat  Länert  bliecket,  sie  bleicht 
ihre  Leinewand,  die  Leinewand  bleicht;  ick  uhk  da  ^rtc,  da 
Arte  uke,  ich  weiche  die  Erbsen,  die  Erbsen  weichen;  jö  surret 
de  Dieh,  de  Dich  surret,  sie  säuert  den  Teig,  dieser  säuert;  he 
kläret  Brännwinn,  er  klärt  Branntewein,  dät  Wähser  kläret,  das 
Wetter  wird  klar;  ick  dröhg  min  Kluhsc,  ich  trockne  meine  Klei- 
der, min  Kluhse  dröge  (trocknen);  dät  Piaaster  hielet  min  Häiijnn, 
das  Pflaster  heilt  meine  Hand,  jö  Wünnen  kielet  nö,  die  Wunde 
heilt  jetzt;  ick  wäll  jö  Shew  en  läiet  hied  hewe,  ich  will  den  Tisch 
ein  wenig  erhöht  haben,  dät  Wä/iser  hiet,  das  Wasser  steigt  oder 
schwillt  an.  Shör  (steil),  shören,  steil  werden,  steil  machen. 
Klär  ist  auch  fertig,  und  das  davon  gebildete  Wort  klären  giebt 
einen   ganz  andern   Sinn,    und   gestattet  eine  vielfachere  Anwen- 


240 

düng,  als:  haast'r  älliene  klär  7nä  wordeF  kannst  du  allein  damit 
fertig  werden?  Hörr  ging't  hdm  äiv't  ^mlhüss?  Oft,  he  kläret 
hdm  gäiijd;  ick  iväll  nie  nög  kläre,  ich  will  mir  schon  helfen;  will 
mich  schon  verantworten;  he  kläret  lidm  gäujd,  er  half  sich  gut 
aus  der  Klemme,  u.  s.  av.  Die  mehr  oder  weniger  unregelmässi- 
gen Zeitwörter  sind  hier:  iviermen ,  käilen,  hijiten,  brijddcn, 
wäjtten,  licwen,  krörnen,  hieen,  stallen,  meren,  formeren,  u.  s.  w. 

Käilen,  ist  1.  kalten,  2,  kälten,  3.  kühlen;  hijiten,  heizen,  ist 
nicht  mit  hijtten,  heissen,  einen  Namen  haben,  zu  verwechseln; 
rippen  ist  hier  reif  werden;  das  andere  rippen  ist  auch  reifen,  als 
Verb.  Impersonale ,  und  ein  Fass  reifen  ist  haiippen ;  stiwwern 
(steifern)  ist  gerinnen,  vom  Blute,  als:  stiwwrel  Btäujdd;  will  ist 
4.  wild,  2.  irre,  daher:  /bnüi/Zer«,  verwildern,  und  h  ii  hm  forwilligen , 
sich  verirren;  kicken  ist  hier  einen  Leck  haben;  hiümi  blögen, 
sich  schämen,  erblöden;  stallen  ist  hier  stillen,  sonst  auch  stellen; 
aus  long  oder  hmg  wird  auch:  lingen,  1.  langen,  und  2.  sich 
sehnen,  forlingen,  dät  Forlingen,  das  Verlangen;  shirren,  ist  Eier 
schieren,  um  zu  sehen,  ob  sie  frisch  oder  faul  sind,  und  zum  Be- 
brüten taugen  oder  nicht. 

c.     Aus  andern  Zeitwörtern. 

§.  154.  Die  eigentliclicn  Vorsilben  des  nordfriesischen  Zeil- 
wortes sind  folgende: 

4.  änjnt{eni),  in  einzelnen  Fällen  vor  dem  Zeitwortc  önt,  wie 
in  öntnrden,  antworten  ,  dät  Önlass,  das  Antlitz.  Goth.  and, 
althochd.  ant,  int,  in,  angels.  ant  und  an,  dän.  und,  in:  äujntkä- 
men,  entkommen,  äujntgongen ,  entgehen,  u.s.  w, 

2.  he  (be),  goth.  hi,  allhd.  bi,  pi,  ba,  pa,  angels.  eng.  und 
dän.  be,  wie  in  begrippen,  begreifen,  beläwen,  erleben,  betälen, 
bezahlen. 

3.  er  (er) ,  nur  in  einzelnen ,  dem  Deutschen  entnommenen  oder 
nachgebildeten  Wörtern,  wie  in  erklären,  erfären,  erkünnigen, 
erkundigen. 

4.  for  (ver),  althd.  far,  fir ,  [er,  angcis.  und  dän.  for,  wie  in 
forjehsen,  vergessen,  forgongen,  vergehen,  forlingen,  verlangen. 

Die  vorzüglichsten  Umstands-  und  Verhältnisswörtcr,  welche 
zur  Umbilduns  des  Zeitwortes  gebraucht  werden,  sind  diese: 


241 

4,  Af  (auf,  herauf),  mit  dw  verbunden ,  hinauf ,  engl,  wp ,  wpon, 
dän.  und  nd.  op,  als:  dpslmijnncn ,  aufstehen,  äpgongen,  aufgehen, 
äptoien,  aufthauen,  dpslüten,   aufschleissen. 

2.  Auf  {ah),  engl,  off,  of,  dän.  af^  heisst  sowohl  ab  als  von, 
wie  in  außieen,  abziehen,  auf/iälen,  abholen,  aufbregen,  abbrechen, 
aufmägen,  abmachen. 

5.  "Aw  (auf),  engl,  upon,  dän.  paa,  als:  äwsluhggen,  aufschla- 
gen, darauf  losschlagen;  in  einem  Buche  heisst  es:  dpsluhggen; 
äwgimgen,  anfechten,  äwselten,  aufsetzen  z.  B.  den  Hut;  dpsetlen, 
i.  in  die  Höhe  richten,  2.  hinaufsetzen,  5.  aufschieben. 

4.  Bai  (bei),  goth.  angels.  dän,  und  nd.  bi,  engl,  by ,  als:  bäi- 
gongen,  beigehen,  sich  etwas  lassen,  bäiblmwen,  beibleiben,  fort- 
fahren. 

5.  Bohr  oder  dör  (durch),  angels.  tlmrh,  engl,  througli .  nd.dör, 
als:  dörstegen,  durchstechen. 

6.  In  (ein,  hinein,  herein),  goth.  althd.  angels.  und  engl,  in, 
dän.  ind,  als:  ingongen,  eingehen,  inndmen,  einnehmen,  infriescn, 
einfrieren,  inselten,  einsetzen. 

7.  Paar  (vor  und  für),  goth.  faur,  faura,  angels.  fore,  dän. /br, 
engl,  fore,  nd.  för  oder  vor,  als:  faarmägen,  vormachen,  faarbie- 
en,  vorbeugen. 

8.  Hdne  (hin),  angels.  hin,  dän.  und  nd.  hen,  als:  hdnehüjllen, 
hänegongen,  hingehen,  hdnesldwen,  hinschleppen. 

9.  Juri,  jurte  (her,  zu,  herbei),  angels.  hüler ,  engl,  hither,  zu 
einem  heran,  als:  jurlhämen,  herkommen. 

10.  Bäht  (nieder,  herab,  hinab),  nd.  daal,  engl,  down,  als: 
dählsluhggen ,  erschlagen,  dähl fällen,  niederfallen,  dählshriwwen, 
niederschreiben  *. 

\i.  Aujn  (in,  an),  angels.  ojj,  dän.  i  und  paa,  engl,  o«,  als:  äiijn- 
kämen,  ankommen,  äujnlieen  ,  anziehen  sich,  äujnsluhggen ,  an- 
schlagen, äßjjnsmitten ,  hineinwerfen. 


•  Bähl  steht  auch  in  Verbindung  mit  äujn  (hinein)  ,  äw  (auf) 
und  dm  (um):  dähl  äujnt  Greef,  ins  Grab,  dähl  äw'e  Teele,  auf 
den  Fussboden,  dähl  dm't  Törp,  unten  ums  Dorf,  Wenn  dähl 
bloss  den  Ort  des  Befindens  bezeicbnet,  so  heisst  es  dele,  als:  gong 
dähl!  geh  hinunter!  ick  bdn  all  dele,  ich  bin  schon  unten. 


242 

■12.  Mass  (raiss,  fehl),  in  den  alten  verwandten  Sprachen  miss; 
daher  mässen,  fehlschlagen,  und  mästen,  missen,  entbehren:  wie 
in  mässlöcken ,  misslingen,  missglücken. 

io.  Md  (mit),  golh.  mitli,  angels.  mid,  dän.  mcd,s\%:  mähämen, 
mitkommen,  mdspälen,  mitspielen, 

14.  Efter  (after,  nach),  goth.  aflra,  angels.  äßer,  engl,  after, 
als:  eflerläwen,  nachleben,  efter  fülligen ,  nachfolgen. 

■15.  Auxver  (über),  angels.  ofer  und  ufer,  dän.  over,  engl,  over, 
nd.  över,  als:  huhni aiiiverilen ,  sich  übereilen,  auwerledden,  überle- 
gen. 

46.  Am  (um),  altfries.  umbe,  dän.  orn,  omme,  nd.  um,  als:  am- 
fällen,  umfallen,  dmledden,  umleiten,  daher:  de  A'mledder,  das 
Einlegemesser;  dnibringen,  1.  umbringen,  tödlen ,  2.  etwas  zum 
Machbar  bringen,  es  ihm  umbringen,  sonst  aniv erbringen. 

47.  Wdg  {\\eg),ti'äg kippen,  y>eg\auicn,  ivdgbliivwen,  wegbleiben. 

48.  Wihsser  (wider  und  wieder),  xvähser  (wider),  goth.  vithra, 
althd.  wider,  tuidar,  angels.  vidhcr,  dän.  vcder,  nd.  w edder ,  als: 
wihsserledden ,  widerlegen,  iviJ isser  kamen,  wiederkommen,  u.  s.  w. 
Wähser  nur  bei  Hauptwörtern,  als:  de  Wä/iserwälle,  wä/iserwällig , 
der  Widerwille;  16  ivädderne,  zuwider,  %väddcrlich ,  widerlich. 

49.  Jjn  oder  ijnn  (gegen),  äpijn  (gegenan),  äujntijn,  entgegen, 
angels.  gegn,  geän ,  dän.  gjen,  engl,  against,  als:  dpijngongen,  ge- 
genangehen; äiijntijngongen ,  4.  entgegengehen,  2.  zuwidergehen. 

20.  Tö  (zu),  goth.  du,  althd.  za,  ze,  zi,  zuo,  altfries.  te,  engl. 
to,  nd.  to,  als:  tüüngon,  4.  zulangen,  2.  hinreichen;  töstäujnnen, 
de  Töständ,  der  Zustand. 

24.     Faurt  (fort),  angels.  fortli ,  als:  faitrliigen ,  fortarbeiten. 

22.  Unner  (unter),  goth.  nndar,  a\ihd.  iintar ,  altfries,  dän.  und 
engl,  nnder,  nd.  unner,  als:  unnergongen,  untergehen  ;  unner- 
säjcken ,  untersuchen. 

23.  Äjti,  engl.  «/,  dän.  ad,  als:  äjttdregen ,  sich  gebehrden,  be- 
iragen, djttmägen,  fortmachen,  äjltugen,  forlarbeiten. 

24.  f/ii  (aus),  golh.  und  nd.  xd ,  angels.  ut,  dän.  ud,  engl,  om/, 
als:  üttsluhggen,  ausschlagen,  ültledden,  auslegen,  auch  deuten. 


243 


Beispiele   zur  Anwendung. 

§.  455.    liäggen,  bauen,  he-  for-  dp-ült-  [aar-  auwer-  dmb-  und 
dmbdggen. 

Bddden,  bitten  und  betteln,  auf-  iill-  f'orbädden. 

Bijdden,  bieten  und  gebieten,  for-  dp-  ütl-  in-  md-  äujn-  amver- 
tobijdden. 

Bicen,  biegen,  for-  faar-  dmbieen. 

Binnen,  binden,    be-  for-  äw-  dp-   bäi-   in-  auwer-   dm-  unner- 
töbinncn. 

Blaasen,  blasen,  auf-  ätv-  dp-  ütt-  inblaasen. 

Biiivwen,  bleiben,  for-  auf-  bäi-  auwer-  efter-  wäg-  innnebliwwen. 

Bringen,  bringen,  for-  faar- auf- dp-  bäi-  ütt-  in-  jurt- häne-  dähl- 
äujn-  md-  efter-  auwer-  dm-  wäg-  toi  f isser-  tö-  faurt-  unner  bringen, 

Bregen ,  brechen ,  for-  auf-  dp-  ütt-  döltr-  inbregcn. 

Brünnen,  brennen,  /br-  auf-  dp-  ütt-  in-  dählbrännen. 

Brücken,  brauchen,  for-  auf-  dpbrüchen. 

Daawen ,  toben ,  aufdaawen. 

Dielen,  theilen,  for-  auf-  ült-  in-  mä-  dm-  tödielen. 

Dregen,  tragen,  be-   for-  auf-  äw-  dp-  ütt-  bäi-  äujn-  md-   efter- 
autver-  dm-  tö-  äjlt-  faardregen. 

Drdjnken ,  trinken ,  be-  for-  auf-  dp-  ütt-  mddrdjnken. 

Dräwen,  treffen,  be-  äujndräiven. 

Dräien ,  drehen ,  for-  auf-  dp-  ütt-  faar-  in-  dmdräien. 

Dühssen,  deuten,  be-  üttdühssen. 

Drogen,  trocknen,  auf-  dp-  ütt-  indrögen. 

Drücken,   drucken,   be-  for-   äiv-  ütt-   efter-   dmdrücken.  —  Das 
deutsche  drücken  ist  im  Nordfries,  krögen. 

Driivwen,  treiben,  be-  for-  faar-  auf-  äw-  dp-  häne-   dähl-  äujn- 
md-  efter-  auwer-  dm-  wäg-  faurt-  tödriwwen. 

Drillen,  \.  drillen,  2.  prellen,  necken,  dör-  indrillen. 

Ennen,  Abend  werden,  töennen,  ganz  Abend  werden. 

Ahsen,  essen,  for-  auf-  dp-  üttähsen. 

Aiwnen,  ebnen,  üttäiwnen. 

Annern,  ändern,  for-  auf-  dmdnnern. 

Ainen,  eignen,  töäinen. 

Füren,  fahren,  4.  einherfahren,  2.  schiffen  (auf  dem  Wagen  fah- 

31* 


244 

ren  heisst  häiren),  he-  er-  for-  auf-  dp-  dähl-  ütt-  dör-  in-  äujn- 
viä-  efter-  amver-  dm-  wäg-  tö-  wihsserfären. 

Fairen,  führen,  for-  auf-  dp-  ütt-  in-  faar-  jurt-  häne-  dähl-  äujn- 
aiiwer-  wag-  wihsser-  töfäiren. 

Fäirken,  mit  der  Heugabel  auflangen,  dpfäirken. 

Fällen,  fühlen,  be-  faar-  äujn  fallen. 

Fällen,  fallen,  be-  for-  auf-  dp-  ütt-  bdl-  dör- faar-  dähl  fällen,  l. 
herunterfallen,  2.  sich  todtfallen;  äujn-  ivdg-  töfällen. 

Fähsen ,  fassen ,  besonders  mit  dem  Verstände  ,  be-  äujn-  dp- 
infähsen. 

Flleen,  fliegen,  be-  for-  auf-  ütt-  in-  dör-  auwer-  dm-  wdg-  tö- 
flleen  und  tößijn. 

Fölllgen,  folgen,  be-  for-  efterfölllgen. 

Finnen,  finden,  be-  auf-  dpßnnen,  erfinden, 

Fialen,  i.  aufputzen,  2.  ausbessern,  5.  zurichten,  dp-  ütt-  tö- 
fläien,  sich  beschmutzen. 

Felle7i,  füllen,  for-  auf-  äw-  dp-  ütt-  äujn-  tö  feilen. 

Flijtten,  fliessen,  beßjtten,  i.  befliessen,  2.  befleissen,  for-  auf- 
ütt-  dör-  in-  auwer-  dm-  töflijtten. 

Fresen,  fressen,  for-  auf-  dp-  üttfresen. 

Fausern,  füttern  und  futtern,  auf-  dp-  ütt-  nnnerfausern. 

Gäwen,  gaflfeii,  be-  for-  auf-  dp-  in-  ütt-  dmgäiven. 

Gijtten,  giessen,  be-  for-  auf-  äw-  dp-  ütt-  in-  äujn-  dm-  tö- 
wdggijtten. 

Gongen f  gehen,  be-  for-  auf-  äw-  dp-  ütt-  bäi-  dör-  in-  md-  eßer- 
auwer-  dm-  häne-  jurt-  apijn-  äujnt-  faurt-  tö-  unner-  äjttgongen, 
anfechten. 

Grewcn,  graben,  be-  for-  auf-  dp-  ütt-  dmgrewen. 

Grippen,  greifen,  be-  for-  dp-  ütt-  in-  faar-  auwer-  dm-  efter- 
unner-  tögrlppen. 

Glldden,  gleiten,  auf-  ütt-  inglidden. 

§.  456.  Um  die  Beispiele  nicht  ferner  unnöthigerweise  zu  ver- 
mehren ,  da  die  vorstehenden  hinreichen  werden ,  die  Anwendung 
der  Vorsilben  und  der  vorzusetzenden  ümstands-  und  Verhältniss- 
wörter  zu  zeigen,  wollen  wir  nur  die  einfachen  Zeilwörter  her- 
setzen ,  und  bei  einzelnen  der  bildungsfähigsten  uns  eine  etwas 
ausführlichere  Behandlung  erlauben,  als:  hälen ,   i.  holen,  2.  ein 


24S 

Seil  oder  Tau  straffer  anziehen;  harken,  4.  horchen,  2. gehorchen; 
liieren,  1.  hören,  2.  gehorchen;  häwiven,  1.  hauen,  2.  mähen;  hel- 
fen, helfen;  hüjllen,  halten;  häxen,  hexen;  hielen,  heilen;  hingen, 
hängen;  hieen,  1.  steigen,  anschwellen,  vom  Wasser,  2.  erhöhen; 
höwen,  hoffen;  hijnnen,  1.  mit  den  Händen  auffangen,  2.  sich  er- 
eignen, sich  begeben;  hijnnigen,  händigen,  mit  in-  einhändigen, 
auf-  abhändigen;  ijunen,  Lenden,  beendigen,  2.  gut  fortschrei- 
ten mit  der  Arbeit;  jagen,  jagen;  jäbben,  jappen;  jeu>ew,  geben, 
wie  z.  B.  Karten  geben,  2.  dem  Vieh  ein  Futter  geben,  o.ickjeivr 
nint  dm,  ich  gebe  nichts  darum,  mag  es  nicht;  da  Uttjeße,  die 
Ausgaben;  jüdclen,  gälen ;  jögen,  jochen ;  jüllen,  1.  gelten,  2.  wim- 
mern; käiren^  fahren,  mit  dem  Wagen;  kämen,  kommen,  de  A'p- 
kämst,  das  Emporkommen;  de  Äujnkdmst,  Ankunft;  kieren,  keh- 
ren; künnigen,  kündigen  z.B.  ein  Kapital;  kaanen,  können;  kiem- 
men,  kämmen;  kanten,  kanten,  mit  dm;  kapern;  kringen,  drän- 
gen; kaaren,  karren;  kaarden ,  kartenspielen ;  kupen ,  kaufen; 
käwwen,  kauen;  kägeln,  kegeln;  kiwwen,  keifen;  knippen,  kneifen; 
kieken,  gucken;  killen,  kitzeln;  kldiven,  kleben;  klädden,  kladden, 
klittern;  kloppen,  klopfen;  kluhsen,  kleiden;  knöppen,  knüpfen; 
knäsen,  krachen;  kriepen,  kriechen;  käilen,  kühlen;  kögen,  ko- 
chen; krdwweln,  krauein,  kriechen,  besonders  von  ungeflügelten 
Insccten;  klammern,  klettern;  kliwwen,  klimmen,  auch  überstei- 
gen; kräweti,  mahnen;  läivern,  mit  dp-  auftrieseln,  z.  B.  einen 
Strumpf;  Idwen,  leben;  läjtten,  lassen;  läken,  lachen;  lacken,  la- 
cken; löwern,  verb.  neutr.,  schwülen,  schwül  werden;  läntern,  l.das 
Steigen  der  Beete  in  einem  gewissen  Kartenspiel,  2.  so  hinschlen- 
dern, als:  dät  läntert  so  auf!;  länen,  lehnen;  Iddden,  liegen;  led- 
den,  legen;  laukken,  lugen,  sehen,  gucken;  läujnnen,  landen; 
lesen,  4.  lesen,  2.  laden,  beladen;  Uesen,  lösen;  lienen,  leihen; 
Heren,  lernen  und  lehren;  jo  Lier,  i.  Kenntnisse,  2.  die  Lehre; 
lunnern,  das  Hullern  oder  Lodern  des  Feuers  im  Stubenofen;  lingen, 
1.  langen,  reichen,  2.  mit  efler ,  sich  sehnen;  Ijägten,  hellen,  er- 
hellen; Ijögten,  leuchten,  deLjögter,  die  Leuchte,  Laterne;  liewen, 
1.  lieben,  de  Lieivde,  die  Liebe,  2.  glauben,  de  Luwe,  der  Glaube; 
Ijaagen,  lügen,  jö  Lägen,  die  Lüge,  dät  Lägenier,  der  Lügner, 
verächtlich  stall  Lägner;  luhnen,  lohnen ^  dat  iLü/w,  der  Lohn; 
lupen,  laufen,  de  Lup,  der  Lauf ,  de  Löper,  däl  Läpelse,  das  Laab 


246 

oder  Rinsel  beim  Käsen;  lören,  oder  lörrm,  lauern,  jö  Lu/ir  und 
jö  Lörr ,  die  Lauer;  lücken,  zuschlicssen ;  läwern,  liefern;  läjn- 
km,  leicht  einherhüpfen ;  mägen,  machen;  maagen,  mögen;  mah- 
len, mit  Farben;  marken,  merken;  maßten,  1.  messen,  2.  begeg- 
nen; mäujtlen,  müssen;  miesen,  meiden;  mienen,  meinen,  jö  Mie- 
tling; meren,  mehren;  mitigen,  d.  mengen,  2.  zaudern;  mjdrncn, 
morgnen,  Morgen  werden  (wie  degen,  tagen);  mören,  mauern,  jö 
Mölir ;  mölken,  melken;  mjögsen,  misten;  münstern,  mustern;  mi- 
sten, nebeln;  muddern,  aufschlämmen,  baggern;  nämen,  nennen; 
nämen,  nehmen;  neren,  nähren;  ndcken,  nicken;  öfern,  opfern; 
Ohmen,  athmen,  de  Ohme,  der  Odem;  ordnen,  ordnen;  ördielen, 
urlheilen ;  öwen ,  üben  ;  pären ,  sich  paren ,  galten ;  packen ,  1 .  pa- 
cken ,  2.  sich  packen,  dät  Pack,  i.der  Pack,  2.  das  Pack;  passen, 
passen;  pägen,  pichen;  palen,  schelfen;  päiijnnigen,  pfänden;  piet- 
sheti,  peitschen ;  piesern ,  albernes  Zeug  schwatzen ;  picken ,  l.  picken , 

2.  pieken  z.  B.  den  Schlitten  mit  der  Pieke  oder  dem  Piekstabe 
vorwärts  treiben;  plagen,  jö  Plag,  die  Plage;  plaugen,  pflügen; 
plirren,  blinzeln;  pläsern,  plätschern;  planten,  pflanzen;  plöcken, 
pflöcken;  plucken,  pflücken;  plummern,  trüben;  pochen,  auf  sei- 
nen Reichlhum,  (pochen  v.  a.,  schlagen,  klopfen,  ist  kloppen  und 
bögen);  prälen,  4. sehr  laut  rufen,  schreien,  2,  mit  etwas  prahlen, 

3.  glänzen,  scheinen;  präjten,  predigen;  präiwen,  prüfen,  probi- 
ren;  prausen,  mit  einer  Arbeit  stümpern,  humpeln;  im  Dochte 
stochern;  prihssen,  preisen,  rühmen,  de  Priss,  d.  der  Preis  einer 
Waare,  2. Lob,  Ruhm;  pumpen,  pumpen;  pulsen,  putzen;  ^mc&m,. 
pricken;  prägein,  d.  prickeln,  2.  stricken;  räjdden,  d.  ralhen,  2. 
errathen,  5.  über  etwas  zu  gebieten  haben;  ragen,  d.  den  Bart 
scheeren,  2.  hervorragen,  3. raken:  töhupperägen ,  dählrägen;  raasen, 
rasen;  räbben,  rupfen ;  r«new ,  rennen,  AcRänster,  der  Renner;  rau- 
en,  ruhen;  raaieln,  taumeln;  räieln,  riegeln,  bei  den  Schneidern 
mit  Riegelfäden  heften,  die  wieder  ausgezogen  werden,  davon 
nun:  dat  Spännräiel,  Spinnewebe;  räiren,  rühren;  ranken,  sich 
ranken;  räisen,  reisen;  rägnen,  rechnen;  reken,  recken,  daher 
dä.iRdck,  nd.  dät  Rick,  als:  Hännerdck,  die  Hühnerweime,  Fähse- 
rdck,  das  Schüsselbrett,  dät  Häßisteräck ,  die  Heuraufe,  u.  s.  w; 
rasten,  i.  das  ausgedroschene  Stroh  mit  der  hölzernen,  zwieseli- 
gen  Gabel  aufschütten,   damit  das  Korn   aus  den  Halmen  fällt. 


247 

:2,  rasten,  5.  ick  ivdll  de  ivdt  raste!  ja,  ich  will  dir  was  anderes! 
4.  auf  dem  Rost  braten,  als:  Alle  rasten,  Aale  rösten;  resen,  ur- 
sprünglich 4.  reden,  daher  dat  Reess,  die  Stimme,  als:  en  fien,  en 
gröw  Reess,  dän.  en  Rost,  2. die  Haare  auskämmen,  o.  (mit  ütt)  sich 
aus  einer  verwickelten  Sache  herausfinden  oder  herausreden;  be- 
resen,  bereiten,  töresen  ,  zubereiten;  riehen,  räuchern;  rücken, 
rauchen;  ridden,  reiten;  riesen ,  sich  in  die  Höhe  richten,  erhe- 
ben, aufstehen,  en  Hüss  riesen,  ein  Haus  richten,  davon:  de  Riese, 
der  Riese;  riwiven,  reissen;  rummeln,  rumpeln;  rösten,  rüsten; 
ringen,  läuten,  de  Rimjster;  ragten,  rechten  und  richten,  de  Rög- 
ter ,  der  Richter;  rudden,  wild  im  Belte  sich  hin-  und  herwerfen, 
von  ungezogenen  Kindern;  aus  Muthwillen  einen  Gang  über  einen 
Wall  oder  ein  Schlupfloch  in  einen  Zaun  machen ,  da  Kluhse  fon  't 
Liff  rudden;  rasen,  faulen;  sägen,  sägen;  sällen,  satteln;  sälten, 
salzen;  säjnken,  sinken;  sänken,  senken;  satten,  sitzen;  setten,  set- 
zen; sännen,  l.  sinnen,  2.  sonnen;  sägnen,  vermissen;  säicknen, 
auch  vermissen,  nicht  finden  können;  säjcken,  suchen;  smjnnen, 
sanden;  sägein,  l.hinlaumcln,  2.  sabbern;  sliaamen,  verb.  rec. ,  sich 
schämen;  sliäfen,  schaffen,  in  beiden  Bedeutungen ;  shänke7i,  schen- 
ken; sliälen,  schälen;  s/ielwen,  zittern;  s/iäwen,  1.  schiffen,  2.  von 
Schaben  reinigen  ;  sftdivwen,  den  weiblichen  Hausvögeln  unterm 
Steiss  fühlen,  um  zu  erfahren,  ob  sie  bald  ein  Ei  legen  werden; 
shdckcn,  i.Iiuhm  — ,  sich  schicken,  2.  schicken ,  senden;  shijtten, 
schicssen;  s/nese?»,  scheiden;  s/ieren,  schneiden;  sliijmien,  schänden; 
shenen,  scheinen;  shellen,  schelten;  shempen,  schimpfen;  shräien, 
schreien;  shräwen,  schaben;  shriwwen,  schreiben,  jö  S/iräft,  die 
Schrift;  shuddcn,  d.  schütteln  ,  2.  schütten,  3.  schüttern;  shruwen, 
schrauben;  sennigen ,  sündigen;  süppen,  saufen;  shöiviven,  schieben, 
dat  Shöff ,  dät  SItöf,  dat  S/iuf,  da  Shäive;  sluhggen,  schlagen, 
de  Slleck,  de  Släg ;  släipen,  schlafen;  släsern,  plaudern,  schwat- 
zen; släiven ,  schleppen;  stieren,  schmeicheln;  stippen,  schleifen; 
säien,  nähen;  slitten,  i.  aus  der  Tasche  verlieren,  2.  schleissen , 
3.  jemand  auf  die  rechte  Art  zu  behandeln  wissen,  jö  kön  häm 
nög  slitte,  forstönt  kam  gäujd  tö  slitten;  slingen,  I.  schleudern, 
2.  schlingen;  smöken,  schmauchen;  smickeln,  schmeicheln;  smeren, 
schmieren;  siecn ,  sehen;  sieen ,  säen;  smolten,  schmelzen;  sungern, 
gellen;  söngern^  anbrennen,  von  Speisen,  sengern;  sömen,  i.  sich 


248 

ziemen  ,   2,  säumen ,    zaudern  ,   5.  aufsummen ,  als :  dät  sömet  dp ; 
sögen,    saugen;    smwre»,  schmoren;    shriddeti ,  schreiten;  shrielen, 
schrillen;  sillen,  treiben,   auf  dem  Wasser;  sühssen,  sausen;  süp- 
pen ,  saufen ;  sihssen ,  zischen ;    stiaucken ,  stöbern ;  snägen ,   schlei- 
chen ;  sleken ,  löschen ;  siegen ,  i .  stechen ,  de  Stälig ,  2.  stecken ;  stellen , 
stehlen;    späten,    speien;    shunigen,    schonen;    sonnern,   sondern; 
snäjtten,  schnauzen,   die  Nase;  sören,  siechen,  kränkeln;  shräien, 
schreien;   sijnnen,   senden;   snäppen,   schnappen;   spälen,   spielen; 
spijllen,  1.  spalten,  '2.  üUspijllen ,  speilern,   de  Spijlle,  der  Speiler; 
spännen,  spinnen;  sparen,  sparen;  späilen,  spühlen ;  slürren,  schlü- 
ren,   schlören;  stammen,   4.  stimmen,  2.  herstammen;  spregen,  \. 
sprechen,  jemand,  2.  auf  wdt  spregen,  es   herausstreichen,  rüh- 
men,   davon    de  Spräike,   die   Sprache;   stäujnnen,   de  Stand;  be- 
stäiijnnen,  de  Bestand,  hesländig ,  Bestdndigliäid ,  Unbeständig,    Un- 
beständig häid;  for stäujnnen ,  de  Forständ,  forstdndig ,  ünfor ständig ; 
äpsläujnnen ,  de  Apständ;  bäistäiijnnen ,  de  Bdiständ;   üttstäujnnen ; 
faar stäujnnen ,   de  Faarständer ;  ävjnstäiijnnen ,  de  Änjnständ,  äujn- 
ständig,  ünänjnstdndig ,   Aujnstdndigliäid,   Unäiijnstdndighäid ;  äiijnt- 
stäujnnen  ,   auwerstävjnnen  ,    wifisser stäujnnen  ,   unner stäujnnen  ,    tö- 
stäujnnen,    de   Töständ,   de   A'mständ ,   pl.   Amstände;   forstijnnig , 
ünfor stijnnig  ,    huhm   forstijnigen ,    sich    verständigen,    forstöntlick , 
verständlich,  ün forstöntlick ;  de  Stäujnner,  der  Leuchter;  de  Stön- 
ner,  der  Ständer.     Diess  als  Beispiel  für  die  Behandlung  der  übri- 
gen hier  vorkommenden   Zeitwörter.  —  Sprijdden,  spreiten;  spä- 
ten, spotten;   springen,   springen;   splähsen,   splissen,  ein  Tau  ins 
andre;  siväwen,  schweben;  swiermen,  schwärmen;  swälken,  schwal- 
ken,  sich  herumtreiben,  sowohl  zu  Wasser  als  zu  Lande,  u.  s. w,, 
daher  de  Swälker;    sivätlen,    schwitzen;    sivummen,    schwimmen; 
sivennen,    Schweinen;    swäjngeln,    schwindeln,   taumeln;   spännen, 
spannen;    spifissen,    speisen;    stöÄriven,    sterben;    stijtten,    stossen; 
swegen,  schweigen;   sjöngen,    de  Song,   singen;    stoppen,    stopfen; 
staurken,   storchen  ,   mit  ämbäi,   herumslorchen,   wie    ein  Storch 
auf  langen  Beinen;  straalen,  strahlen;  snubbeln,  stolpern;  stjärten, 
stürzen;   stricken,  streichen;  strägen,  die  Sense  streichen,  um  sie 
zu  schärfen;   staurmen,  stürmen;  stjäwen,  gaffend  unherstorchen ; 
sträwen,   1.  streben,  2.  streiten;  strulen,  struUen;    läsen,  foppen; 
täiwen,  warten;  leren,  zehren;  teilen,   zählen;  läpen,   zapfen;  tie- 


249 

seil,  aus  einander  zupfen;  tienen,  dienen;  tie-en,  ziehen;  tier?n, 
sich  gebehrden;  tjögcn,  i.  sich  anschalTen,  nd.  lügen,  2.  zeugen, 
vor  Gericht;  tijnnen,  zünden;  trdcken,  am  Stricke  ziehen,  z.  B. 
ein  Rind;  twingen,  zwingen;  tiviivweln,  zweifeln;  tjäsen,  rappeln; 
tjäddern,  trampen,  trampeln;  träwen,  traben;  trögein,  abbetteln; 
tröwwen,  drohen;  tappen,  häufen,  das  Mass;  waagen,  l.  wachen, 
2.  wagen;  wegen ,  wiegen  und  wägen;  wirken,  wirken;  wannen,  gewin- 
nen; wjärpeln,  worfeln;  wällern ,  walzen ;  ivippen,  wippen;  wiirigen, 
erwürgen;  wijnnen,  wenden;  ivierwen,  werben;  wdddern,  wittern 
an  der  Luft  und  der  Sonne;  wichen,  weichen;  winnen,  winden; 
wähsen,  wissen;  wällen,  wollen;  wählen,  welken;  wällen,  wallen; 
wunnern,  wundern;  wänshen,  wünschen;  wjärdigen,  würdigen; 
wräseln,  ringen  mit  einander;  ivringen,  Wäsche  ausringen;  wrihs- 
sen,  reiben,  drehen;  wrölen,  wühlen,  u.  s.  w. 

§.  i57.  Noch  ein  durchgeführtes  Beispiel  der  vorstehenden 
Wortbildungsweise,  als:  gongen,  de  Gong,  hegongen;  dät  Begäing- 
niss;  äjttgongen,  anfechten;  äujngongen,  de  Anjngöng ;  äujntgongen; 
forgongen,  forgdinglick,  jö  Forgäinglickhäid ,  ünforgäinglick,  jö  Ün- 
f'orgdinglickhäid ;  de  Gdinger,  de  Gangster ;  aufgongen,  de  Aufgang ; 
dpgongcn,  de  Äpgöng ;  üttgongen,  bdigongen,  ingongen,  de  Jngöng ; 
de  Üttgöng ;  dörgongen,  [de  Dörgöng,  i.  Durchgang,  2,  Durchfall; 
faargongen,  jurtgongen,  hdnegongen,  dählgongen,  de  Faargöng,  de 
Dälilgöng ;  dmgongen,  de  A'mgöng,  i.  Umgang,  2.  grassirende  Krank- 
heit; ijngongen,  tögongen,  de  Tögöng ,  de  Ajltgöng ;  faurtgongen, 
de  Fa^lrtgöng ;  unnergongen,  de  Unnergöng ;  gängs  tvesen;  gdjngig, 
gäng  und  gebe;  tögöngs,  zu  Gange  sein;  dmgdlnglick,  umgänglich; 
t^gdinglick,  üntögdinglick ,  Tögdinglickhäid,  Untügdinglickfiäid. 

Thierlaute  und  JSalurlöne. 

§.  \ 38.  Kdgeln ,  gackern ;  krdien ,  krähen ;  bjdwsen ,  belfern ;  bäten , 
bellen;  knurren,  knurren;  brummen,  brummen;  holen,  heulen; 
bldsern,  blocken;  gröjnten ,  grunzen;  riijtten,  muhen;  mjdwwen, 
miauen;  shrielen,  schrillen  und  quieken;  brulen,  brüllen;  nögern, 
wiehern;  knabbern,  klappern,  aber  nur  mit  den  Zähnen  und  dem 
Schnabel ;  äw  cn  Stock  Sucker ,  cn  Pdwertralling  knabbern ,  an  einem 
Stückchen  Zucker,  einer  Pfeffernuss  knabbern;  dd  Staurkc  kndb- 
Ire,   die  Störche  klappern;   dd   Täis   knabberten   hdm  äujn'e  Rolle, 

32 


2üO 

die  Zähne  klapperten  ihm  im  Fieber,  oder  in  der  Kälte;  auch 
hnurpen  und  hnorj)en,  vom  Zerbeissen  harter  Speisen,  knarpeln 
und  knorpeln  ;  jö  Meilen  klappert ;  silissen  ,  zischen ;  snäsern , 
schnattern;  sühssen,  sausen;  brühssen,  \  brausen,  2.  das  Gefieder 
sträuben,  daher  de  Brüsskräjdder ,  der  Kampfhahn  (Braushahn),  und 
das  Adj.  brösig.  Brösig h äid ;  rummeln,  rumpeln;  knäsen,  krachen; 
tnnncrn,  donnern;  tijtten,  laut  schreien,  daher  dät  Tot,  Lärm, 
Getöse;  jüllen,  wimmern;  stähnen,  si'öhxxcn;  pläsern,  plätschern; 
shrögen,  das  dumpfe  Klingen  irdener  oder  ihönerner  Gefässe,  die 
einen  Riss  oder  Sprung  haben;  gröhsen,  knirschen,  wie  z.  B.  Sand 
zwischen  den  Zähnen  malmen;  shrajngeln,  rdjngeln,  Schellenge- 
klingel und  dem  Aehnliches  bezeichnend,  daher  jö  Shrdjngelboss 
und  Rdjngleboss,  die  Schellenbüchse,  nd,  de  Klöterbüss  oder  Klö- 
terbücks,  von  jö  Rdjngle,  die  Schelle  (dän.  en  Rdngle),  2.  ein  Hen- 
keltopf; kldjngern,  hell  klingen;  ringen,  läuten;  baiern,  beiern; 
shräien,  schreien;  näiijUen,  sich  eine  Melodie  (de  Näujtte,  Noten) 
einüben;  nöcken,  schlucken,  den  Schlucken  haben;  sichten,  i. 
seufzen,  2.  schluchzen,  beim  heftigen  Weinen,  dät  Sicken,  der 
Seufzer;  stämmern,  stottern  und  stammeln;  läken,  lachen;  fniesen, 
niesen;  hosten,  husten;  sjungen,  singen;  flaaiten,  1.  flöten,  2. 
pfeifen;  snöiviven,  schnauben,  schnaufen,  auch  schnupfen,  daher 
dät  Snöf,  der  Schnupfen,  und  S7täwsh,  rotzig,  von  Pferden;  Itär- 
ken,  räuspern,  dphärkcn,  ausräuspern,  den  Qualster;  snärken, 
schnarchen;  snurren,  schnurren;  kndppen,  knipsen;  bögen  und 
klöj}pen,  klopfen;  Kiulise  bögen,  Wäsche  klopfen  oder  bläucln, 
daher  de  Klii/iseböger ,  der  Bläuel,  und  dat  Böhgsliörn,  der  Bläuel- 
lisch;  knallen,  knallen;  kldtslien,  mit  der  Peitsche  knallen;  daa- 
wen,  toben;  bummern,  bezeichnet  den  Ton,  der  entsteht,  wenn 
man  auf  dem  Hohleise  gehl  oder  sclilittert;  daher  dat  Bummeriss, 
Ilohlcis ;  de  Bummcrfjdrt,  der  Bummeifurz;  hinnern,  hullcrn,  lo- 
dern, vom  Feuer  im  \\ mdofcn ;  sjn'ägcln ,  prasseln,  knistern,  vom 
Feuer;  pölshen,  mit  der  Störstange  ins  Wasser  plumpen  und  stö- 
ren, luii  die  Hechte  ins  Netz  zu  treiben,  daher  de  Pölsher  und 
de  Plumpstöck;  sjäppen,  sappen;  s/iurwcn,  nagen,  von  Mäusen,  mit 
knisperndem  Ton;  liären,  dengeln,  die  Sense;  sUppen,  schleifen; 
picken,  wie  die  Taschenuhr;  s/nilpen,  Flüssigkeiten  umschütteln; 
pöslen,  pausten;  hdchcn,  bauchen;  blaa^sen,  blasen;   slubbern  und 


2ol 

lubbern,  schlüifen,  von  Enten  im  glunimen  Wasser;  knöwern,  Ino- 
pern ,  das  kurze  Gras  ganz  knapp  an  der  Erde  abbeissen ,  von 
Pferden  besonders ,  wovon  ein  Rasenslricli  im  Ilerrenkogc  de 
Knöwrincie  heissi;  bubheln,  von  Sumpf  blasen,  die  mit  Geräuscb  auf 
die  Oberfläche  des  Wassers  steigen;  sunrjcrn,  gellen,  in  die  Obren 
hinein,  und  nachgellcn;  knirkcn,  knirren,  wie  der  Schnee  im 
harten  Froste  unter  den  Füssen;  trämpcfi,  trampen,  trappeln, 
hart  aufireten;  sfnirrcn,  schurren,  auf  dem  Eise,  u.  s.  w, 

Endungen    des  Zcilivortes. 

§.  159.  Dass  die  Wandelform  desselben  sich,  wie  im  Deut- 
schen, allemal  auf  en  oder  n  endigt,  ist  schon  §.  449  bemerkt 
worden.  Ausser  dieser  Uebereinstimmung  finden  wir  aber  auch 
noch  die  Endungen  ncn,  igen,  ern  und  ehi  in  beiden  Sprachen 
wieder,  wie  z.  B.  rägnen,  rechnen;  renen,  regnen;  räiknen,  nach- 
suchen; sägnen,  säicknen,  lieknen,  Ucknen,  sägnen,  skknen,  twe- 
nen,  luhnen,  ränen,  kränen,  reckhalsen  (vergl.  das  deutsche  der 
Kralm  und  der  Kranich),  u.  s.  w. 

Viele  von  denen,  die  sich  auf  igen  endigen,  sind  nicht  allein  in 
beiden  Sprachen  von  ähnlicher  Bildung,  sondern  auch  oft  in  der 
Bedeutung  gleich ,  als :  begnäsigen ,  begnadigen ;  beshäsigen ,  beschädi- 
gen ;  bewdüigen ,  bewilligen ;  äujntlähsigen ,  entledigen ;  \sennigen,  sün- 
digen; künnigen ,]i^nn^\^en',inhißnnigen,  einhändigen;  sälisigen,  sät- 
tigen; u.  s.  w.  Oft  hat  aber  auch  das  fries,  Zeitwort  die  Endung 
[igen,  wo  das  deutsche  nur  gen  hat,  wie  in  bäirigen,  bergen,  fäl- 
ligen, folgen;  märrigen,  merken;  sörrigen,  sorgen;  baurigen,  bor- 
gen;  wirrigen,  würgen,  u.  s.  w. 

In  andern  Fällen  sind  die  friesischen  Zeitwörter  dieser  Endung 
von  den  deutschen  abweichend,  als:  bäligen,  jemand  sehr  laut 
rufen;  swieligen  und  swälligen,  i.  verschlingen,  2.  ersticken,  das 
deutsche  schwelgen,  dän.  at  svälge;  jö  Swielig  oder  Swällig , 
der  Schlund,  das  dän.  Svälg  und  das  deutsche  Schwalg;  fälligen, 
fidigen  oder  fieligen,  feigen,  einen  Acker  brachen;  Iitilnn  bedärri- 
gen,  sich  sammeln,  besonders  wenn  man  aus  dem  Schlafe  oder 
einer  Ohnmacht  erwacht;  fm/im  forwilligen,  sich  verirren;  H/issi- 
gen,  reinigen;  haadigcn,  köpfen,  enthaupten. 

Die  Silbe  ern  zeigt  eine  Steigerung,  Wiederholung,  Fortsetzung 

32* 


232 

oder  Andauer  der  im  Zeitworle  liegenden  Handlung  oder  Verän- 
derung an,  wie  in  hJdmmcrn,  klettern;  wällern,  wälzen;  shillern, 
nögcrn,  tögern,  snäsern,  pläsern ,  släsern ,  plaudern  und  ausplau- 
dern, piesern,  rappeln,  xvägern,  smäsern,  schmettern,  plummern, 
plempern,  löwern,  läwern,  auftrieseln,  hnöwern,  släjngern,  schlen- 
kern ,  baumeln,  kldjngern,  glUtern,  hlälisern,  jägtern,  hinnern, 
simgern ,  gellen ,  söngern ,  sengern ,  anbrennen ,  biUer?i ,  bildern , 
sjdmmern,  tdmmern,  läwern,  flönkern,  flackern,  süwwern,  gerin- 
nen, kndbbern,  knöwern,  dnncrn,  äntcrn ,  entern,  hänlern,  etwas 
über  die  Kanten  wälzen,  z.  B.  einen  Balken,  kentern,  umstülpen; 
ilät  Büjlt  häntert,  das  Boot  kentert;  hldwivern,  slubbern,  lubbern, 
blubbern,  Idnnern,  lindern. 

§.  160.  Bei  manchen  adjectivischen  Zeitwörtern  geht  die  Bil- 
dung desselben  aus  dem  Comparativ  des  Bestimmungswortes  her» 
vor,  wodurch  die  Endung  ern  hier  bewirkt  wird,  die  dann  den 
Steigerungsbegriff  dem  Zeitworte  selbst  mittheilt,  als:  formännern, 
männern,  mindern;  forgrottern,  berickern,  allem,  forwillern,  for- 
läjngern,  forbäsern ,  miliern,  u.  s.  w.  [Hiervon  unterscheide  man 
jedoch  diejenigen  Zeitwörter ,  welche  von  solchen  Adjectiven 
stammen,  denen  die  Silbe  er  schon  eigen  war,  wie:  bdtter,  säker, 
munter,  Idcker,  vmjer,  edder  u.  s.  w. ,  als:  Iiäddern,  heitern,  von 
hädder;  forldckern,  verleckern,  u.  s.  w.  In  den  von  Geschäftsna- 
raen  abgeleiteten  Zeitwörtern  rührt  die  Endung  ern  ebenfalls 
von  der  Endung  des  Hauptwortes  her,  wie  in  glaasern,  gläsern; 
shrüjddern ,  schneidern;  sndjttern,  tischlern;  süttern ,  schustern; 
kriemern,  krämern ;  kraugern,  krügern;  ebenso  in  forswaagern, 
forbrausern ,  forsöslern,  verschwägern,  verbrüdern,  verschwistern , 
von   Swaager,  Brauhser,  Sösler. 

§.  461.  Die  Endung  ein  steht  meistens  wiederholend  und  mit- 
unter auch  verkleinernd,  wie  in  sticheln,  ddjngeln,  baumeln;  rdj7i- 
gehl,  rasseln,  hellklingend;  nesteln,  nistein;  sdgeln ,  rummeln, 
grximmeln,  wimmeln;  ujdrpeln;  sjöhssehi,  pässeln;  shrummeln ,  wie 
z,  B.  eine  hohllönende  Trommel;  shulnpcln,  schultern,  z.  B.  ein 
Wagen  auf  einem  holprigen  Wege;  gräpeln,  grapsen;  tvrässcln , 
ringen;  shrdjngeln ,  humpeln;  fest  ein  ,  vorfausten,  von  Handschu- 
hen; fäjlteln,  vorschuhen,  von  Stiefeln;  ficheln,  höckeln,  heucheln; 
bijnseln  ,   abstiefcln  ,    davonlaufen;   swdjngcln,   schwindeln;   krdw' 


wein,  sprdwweln ,  sUampeln  mit  Händen  und  F'üssen;  säppeln, 
zappeln;  sträieln,  staaweln,  die  Tabackspfeife  ausräumen,  daher 
dät  Staawling,  das  Ausräumsei;  spaucl.eln,  spucken;  fämmeln, 
urahertappen;  rubbcln,  über  eine  rauhe  Fläche  mit  etwas  hinfah- 
ren; tjäwweln,  sich  zanken. 

§.  162.  Einige  Zeitwörter  verlieren  bei  der  Umbildung  in 
andre  ihren  Stammlaut,  und  diese  bekommen  dann  eine  ähnliche 
oder  abgeleitete  Bedeutung,  wie  in  Iiöiven,  jö  Höw,  hoffen,  häi- 
tve?i,  jö  Häiw,  vermuthen ;  fähren,  jö  Faur,  jö  Färt,  fairen, 
jö  Fähr,  führen;  rocken,  rauchen,  riechen,  räuchern;  säicken, 
suchen,  sägnen,  vermissen;  hungen ,  hangen,  hingen,  hängen; 
drdjnken ,  trinken,  dränken,  ertrinken  und  ertränken;  sdjnken, 
sinken,  sänken,  senken;  tanken,  denken,  täjnken,  däuchten;  lad- 
den,  liegen,  dät  Lädd,  der  Deckel,  ledden,  legen;  satten,  sitzen, 
Seiten,  setzen;  winnen,  winden,  wijnnen,  wenden;  üjllen,  älteln, 
allem,  altern;  siegen,  stechen,  sticheln,  slicheln;  springen,  springen, 
spränken,  sprengen,  besprengen;  grewen,  gramven;  klingen,  kläjn- 
gern;  grippen,  grdwwen;  slingen,  sldjngern,  d.wenn  der  Wagen  von 
vielen  kleinen  Höhlungen  und  Unebenheiten  in  den  Geleisen  immer 
von  einer  Seite  nach  der  andern  geworfen  wird ,  2.  schlenkern  z.  B. 
mit  den  Händen  und  Armen;  smilten,  schmeissen,  werfen,  smdt- 
ten ,  beim  Weben  der  Leinewand  den  Kleister  auf  die  Kette  wer- 
fen, um  ihn  einzubürsten,  davon  dät  Smdlting,  der  Weberklei- 
ster; kränken,  kräjnken,  kränken;  iv  armen  ,  wiermen  ,  wärmen; 
fällen,  feilen,  fällen,  einfallend  machen. 

Zusammensetzung  des  Zeitwortes. 

§.  463.  Das  Zeitwort  wird  nicht  allein  durch  Vorsilben,  Verhält- 
niss  und  Umstandswörter  und  durch  die  Verwandlung  seines 
Slammlautes  umgebildet,  sondern  auch  mit  Haupt-  und  Bestim- 
mungswörtern aller  Arten  zusammengesetzt,  wie  z.  B.  hüsshüjllen , 
haushalten;  br önsli alten ,  brandschatzen;  bläujdsliihggen ,  Ader  lassen; 
räjdslägen,  rathschlagen;  mäjddetvällern ,  sich  mit  jemand  in  der 
Math  wälzen;  iss-slägen ,  glatteisen;  rönsägen,  bis  zum  Rande, 
d,  i.  bis  aufs  Aeussersle  nachsuchen;  efterräjknen ,  überall  naeh- 
kramen,  herumforschen;  killhalen,  kielholen;  bauckhüjllen ,  buch- 
halten; öhveläußden ,  wörtlich:  wolflaichen,  d.  i,  der  Reihe  nach, 


254 

wcchselswcise  über  einander  springen,  ein  Knabenspiel;  strücke- 
Stelen,  strunkenstehlen,  nämlich  Kohlstrünke,  gleichfalls  ein  Spiel 
der  Knaben;  hältspälen,  die  Katze  spielen,  auch  ein  Knabenspiel; 
päujnsetlen,  verpfänden;  lönsetten,  ans  Land  setzen;  lönmäjllen, 
landmessen;  shövklütten ,  Schandflecken;  äilebilten,  egelbeissen , 
von  Blutegeln,  de  AilebiUer,  der  Blutegel;  uhgwiltigen,  einem 
gerade  zu,  gleichsam  in  die  Augen  hinein,  die  bittersten  Vor- 
würfe machen;  sämmerbüen ,  wörtlich:  sommerbauen,  brachen,  ein 
Feld;  dickteken,  deichdecken  ,  den  Deich  mit  Stroh  besticken; 
ringetdppen,  aus  dem  Ringe  tappen,  ein  Vergnügungsspiel  unter 
jungen  Leuten  beiderlei  Geschlechts;  pönterneshijtlen ,  purzeln, 
Purzelbäume  machen;  grauwedielen ,  Gräsungsgraben  vertheilen, 
jö  Grainvedieling ,  die  Grabenverlheilung;  sliömbijdden,  schandbie- 
ten;  winndrögen,  windtrocknen;  kapselten,  schröpfen;  tiijdsägen, 
durch  Noth  dringen,  nijdsäget,  nothgedrungen;  spägelfägten ,  spie- 
gelfechten; hömesetlen,  Hamen  oder  Reusen  setzen;  kröhnspälen , 
kronspielen,  ein  Knabenspiel  mit  Sechslingen;  issbösseln,  eisbos- 
seln, eine  Winterbelustigung;  ringridden,  ringreiten;  räujtlsetlen , 
räujltsluhggen ,  wurzeln;  gnüslelbitlen ,  im  Schlafe  mit  den  Zähnen 
knirschen,  wörtlich:  knorpelbcissen.  Einige  dieser  Wörter  bilden 
echte  oder  untrennbare,  andre  unechte  oder  trennbare  Zusam- 
mensetzungen. 

§.  464.  Mit  Bestimmungswörtern  werden  unter  andern  zusam- 
mengesetzt: frikännen,  frispregen,  freisprechen;  hillighüjllen ,  hei- 
lighalten, feiern;  sljöglliäweln,  schlichthabeln ;  twdrrplaiigen,  quer- 
pflügen, quieren;  ställJiüjllen ;  gäujdsedden ,  gutsagen,  d.  i.  für 
etwas  borgen;  plätsluhggen ,  plattschlagen;  wäirsedden,  wahrsagen; 
grotlmägen,  tjöckmägen,  dickmachen,  schwängern;  wäjl füren,  wohl- 
fahren; Ir'mdmmeruken ,  rundum  sprechen,  salbadern,  eigentlich 
rund  um  den  Diemen  oder  Schober  laufen  ,  daher  nun  de 
Trindmmeruk,  ein  fader  Schwätzer;  grollspregen,  grosssprechen. 

§.  i6ö.  Ausser  den  bereits  angewandten  ümstands-  und  Ver- 
Lältnisswörtern  sind  noch  folgende  bei  der  Zusammensetzung  des 
Zeitwortes  zu  berücksichtigen,  als:  foll,  voll;  mdss,  miss;  banne, 
binnen,  inne;  dmbäi,  1.  vorbei,  vorüber,  2.  umher,  3.  zu  Ende; 
faarbdi,  vorbei;  töfaar,  zuvor;  lüss,  los;  töbähg ,  zurück;  töfolle, 
U.S.W.    Beispiele:  follbringen,  foll  fairen ,  folllie-en,  voflführen  und 


vollziehen;  mässgunnen ;  bdnnehüjllen ,  bei  sich  behalten;  banne' 
säien,  binnennähen,  beim  Dachdecken,  mit  Seimen  aus  Stroh  oder 
Simsen  und  Binsen*;  dmbäigongcn,  dmbäistjäwen ,  gaffend  umher- 
gehen; Iiulim  töfaarkämen,  jemand  zuvorkommen;  lüssgongen,  los- 
gehen; dät  Tjüch  gongt  lüss,  das  Vieh  geht  los;  7iö  gongt' t  gelick 
lüss,  nun  geht's  gleich  los;  töbäh g kamen ,  zurückkommen;  tö folie- 
kämen, in  Erfüllung  gehen;  dmkämen,  ist  l.  zu  seinem  Nach- 
bar umkommen,  weil  man  gewöhnlich  um  das  eine  Ende  des 
Hauses  herum  gehen  muss,  als:  dö  kaast  nög  elling  en  läiet  dm- 
käme;  liegen  die  Nachbarhäuser  aber  so  neben  einander,  dass  die 
Thüren  derselben  sich  auf  gleicher  Seite  befinden,  so  ist  es:  kam 
en  läiet  Itäne,  hin;  liegen  die  Hausthüren  einander  gegenüber, 
so  spricht  man:  kdm  en  läiet  auwcr ,  komm  ein  wenig  herüber;  2. 
umkommen,  ums  Leben  kommen,  als:  dirr  sdn  mdnning  dmkiem- 
men  äujn  dehirre  Kolle,  es  sind  viele  in  dieser  Kälte  umgekom- 
men. 

Das  Wort  dähl,  nd.  f/aa/,heisst  nieder,  aber  auch  todt,  in  dä/il- 
sluhggcn,  dältlsliijtten ,  sonst:  herab,  herunter,  wie  in  dählkämen, 
dählgongen,  däfil fällen,  de  Mist  släitdähl,  der  Nebel  schlägt  nieder. 

Echt  und  unecht  zusammengesetzte ,  oder  untrennbare  und 
trennbare   Zeilwörter. 

§.  466.  Unter  den  §.  163  und  464  vorkommenden  Wörtern 
bilden  folgende  echte  Zusammensetzungen,  als:  brönshätlen,  räjd- 
slägen,  mäjddewällern,  issslägen,  r ansägen,  öliveläujdden ,  lönsetten, 
päitjn selten ,  äilebitten,  sdmmerbüen,  dicideken,  ringetdppen,  winn- 
drögen,  kapselten ,  nijdsägen,  shömbijdden,  spägelfdgten ,  issbösseln, 
trinndmmcniken.  So  auch  tivittwädden ,  Gewäsch  machen;  tjisstjä- 
sen,  salbadern,  dummes  Zeug  schwatzen;  nijdiugtigen,  nothzüch- 
tigen;  kävjttebäujtten,  kaupeln,  u,  s.  w.  Unecht  oder  trennbar 
ist  die  Zusammensetzung  dann,  wenn  das  zugesetzte  Wort  den 
Hauptton  bekommt;  echt  oder  untrennbar,  wenn  die  Betonung 
auf  der  Stammsilbe  des  Zeitwortes  ruht,  wovon  bloss  die  beiden 


*  Eine  solche  Seime  heisst  jö  Täifig,  pl.  Täihge,  von  tie-en, 
ziehen;  dagegen  heisst  das  Band  an  der  Peitsche:  de  Seme,  die 
Seime,  und  ein  Slroliscil  im  Dänischen  en  Sime. 


256 

Wörter:  mdsslockcn,  misslingen,  und  dgterfläcken,  hinterflecken, 
eine  Ausnahme  machen,  indem  sie  echt  zusammengesetzt  sind, 
und  doch  den  Ton  auf  dem  zugesetzten  Worte  hahen.  Besonders 
bei  den  Zeitwörtern,  die  mit  dm,  um,  dö/tr,  durch,  amver,  über, 
tmner ,  unter,  und  wilisser ,  wider,  zusammengesetzt  sind,  ändert 
die  Betonung  alles  ab,  als:  dmbäggen,  umhanen,  kmbdggeti,  um- 
bauen: he  bdggd  sin  Hüss  dm,  er  baute  sein  Haus  um,  jö  kiel 
Haurd  ds  md  Hühssinge  ambdggd,  der  ganze  Kirchhof  (Hort)  ist  mit 
Häusern  umbaut;  he  jeße  Kaarde  dm,  er  giebt  die  Karten  um, 
dät  Äiläujnn  ds  md  Wähser  dmjäwcti,  das  Eiland  ist  mit  Wasser 
umgeben;  dö  shäht  amjewe,  du  sollst  umgeben,  noch  einmal, 
hähst  dmjäwen?  hast  du  dem  Vieh  im  Stalle  von  einem  Ende  zum 
andern  ein  Futter  gegeben?  ick  jew'r  ninnt  dm,  ich  gebe  nichts 
darum ,  mag  es  nicht ;  ämhacken ,  wwdiacken ,  dät  hiel  Bedd  dm- 
hacken,  das  ganze  Beet  umhacken,  he  dmhäcket  de  hiele  Töle, 
er  umhackt  den  ganzen  Busch;  dmwäien,  mwwchen,  jö  i'ijll  Meilen 
ivdit  dm,  die  alte  Mühle  weht  um,  kmwdicn,  de  Winn  dmwdit  me 
fon  arken  Egge,  der  Wind  umweht  mich  von  jeder  Seite;  so  auch: 
dmslegen,  «mstcchen,  ämslegen,  umstechen;  ämstruhmmen,  um- 
strömen,  kmslruhmmen,  umströmen;  ämtie-en,  mnziehen,  amtie-en, 
umziehen:  de  hiele  Hdmmel  ds  dmtägen;  dmplönten,  umpflanzen, 
ixmplönten,  dät  Hüss  md  Buhmme,  das  Haus  mit  Bäumen;  dm- 
shriwwen,  ttmschreiben  ,  kmshriwwen ,  umschreiben;  ämgongen, 
wmgehen ,  ämgongen ,  wdi  wdn't  Hölting  dmgonge ,  wir  wollen 
die  Holzung  umgehen.  —  Döhrh'iUcn,  durchhcisscn ,  döhrbitten, 
durchbeissen ;  döhrgongen,  de  Träjdd  gongt  di  döhr't  Nelluhg ,  der 
Faden  geht  nicht  durchs  Nadelöhr,  dohygongen ,  dmchgehen,  he 
wäjl't  Hölting  liewere  döhrgonge  ds  döhrkäire,  lieber  durchgehen 
als  durchfahren;  döhrhörcu,  durchbohren,  döhvbören,  durchbohren: 
dö  borest  döhr  dät  Baurd,  Brett,  he  döhrböret  hdm  md  an  Sfähg , 
mit  einem  Stich  u,  s.  w.  —  ^«M'erbijdden,  Anerbieten,  auwerbijd- 
den,  überbieten:  he  bjött  amvcr,  he  auwerbjött  me;  a?»i;erbringen 
und  auwcvhringen;  autverWen  und  auwerilcn ,  sich  übereilen:  he 
auwerilet  hum,  asr  amver't  Marked  ilet,  er  übereilte  sich,  als  er 
über  den  Markt  eilte;  auwer^äiren ,  überhhreu  mit  dem  Wagen, 
auwerAäire«,  überfahren;  «wt'erfahren ,  überiahrcn  (zu  Wasser), 
he  fauv  auwer ,   er  fuhr  über,   he  auwer fahrt  sin  Jrbed,   er  über- 


257 

fährt  seine  Arbeit;  au w er Mlcn ,  überhMcn:  he  feil  auwer  äw  me, 
er  fiel  auf  mich  über;  auwerf  allen,  überfallen:  ja  auwer  feilen 
lidm  äw'e  Lömlraalc  ;  auwer^xccn  ,  überü.\tgcn  :  jö  Staurk  fljögt 
auweft  Hüss,  der  Storch  fliegt  übcr's  Maus,  dät  Ilännefijärn  au- 
werßug  dät  Fögelnest,  die  Hühnerweihe  überflog  das  Vogelnest; 
aMwerfdiren ,  überKihrcn,  auwev fairen,  iihav führen ;  auwerjcwen, 
übergaben,  auwerjewen,  übergeben,  auch  sich  erbrechen;  anwer- 
fellen,  wterfüllen,  von  einem  Fass  ins  andre;  auwerfe//e/«,  über- 
füllen ;  a?««;ergongen  und  auwergow^e?»;  dirr  dshdnien  groll  Ünlock 
amvergingen,  es  ist  ein  grosses  Unglück  über  ihn  ergangen,  hat 
ihn  betrollen;  de  Ihne  auwergöngl  de  Ausere,  der  eine  überirilFt  den 
andern;  dö  hähsl  hdin  aiiwergingen,  übersprungen;  so  auch  auiver- 
gijtten  und  auwergijlten ;  awM^erhingen  und  aviwerhingen ;  auwer- 
jagcn  und  anwevjagen;  au^uerhieren  und  auwerhiercn;  amverkamen 
und  auwcvkdmeii;  au w eiiesen ,  und  anwerlescn,  überladen  und 
überladen;  auwerVäiiicn  und  anw er läj lle7i ,  MÖerlassen  und  übcr- 
lassen;  amverluppen  und  auw er liipp en ;  auwerlawen,  he  Idwet  de 
Wonter  äi  auwer,  er  lebt  den  Winter  nicht  über;  anwerläwcn,  de 
Ihne  amoerläwet  de  Ausere;  auwerledden  und  auwcrledden;  auiver- 
nämenundauwer/zdmen/amtJersijnnen  und  auwers/;nwen;  auwerdriw 
wen  und  auy^erdriwwen ;  auwerirescn  und  anwcrtresen ;  auwerdre- 
gen  und  auwerdregen ;  auwerswummen  und  auw  er  swummen,  über- 
schwimmen und  überschwemmen ;  auwersiecn  und  anwersieen ;  auwer- 
setten  und  anw  er  selten ;  auiverspannen  und  auwerspännen;  ainver- 
spännen ,  wierspinncn:  de  Könker  spannt  auwer  to  jö  auscr  Skid, 
der  Kanker  spinnt  über  nach  der  andern  Seite;  he  auwcrspdnnt 
dät  kiel  Rätt,er  überspinnt  die  ganze  Raute,  d.  h.  Fensterscheibe; 
ainverlieen  und  anwertieen;  «Mwersläujnnen  und  auwcrstdujn}ie7i , 
u.  s.  w.  Einige  mit  auwer  zusammengesetzte  Zeitwörter  sind 
durchaus  untrennbar,  als:  auwertjögen ,  überzeugen,  auwer wontcrn, 
überwintern,  auwerwdnnen,  überwinden,  amverönlurden ,  überant- 
worten, auwerähsen,  überfressen.  —  Unnerb'mncn  und  unncrblnnen ; 
unnergrcwen  und  unner^/rewew;  imwerhüjllen  und  nnncrhüjllen; 
tfMMershriwwen  und  unncrsZ/rfw^CM;  Mwnerstäujnncn  und  unner- 
stänjnnen;  Mwnertiecn  und  unncrlieen;  unner\up\)en  und  unnerluppen  : 
he  läppt  unner'e  Bnhmme;  de  Nägel  ds  md  Bläujdd  unnerlähin,  der 
Nagel  ist  mit  Blutunterlaufen,  u.  s.  w.  —  Alle  mit  wihsser  znsam- 

33 


258 

raengcselzlc  Zeitwörter  sind  untrennbar,  wenn  es  ivider  bedeu- 
tet, und  trennbar,  wenn  es  die  Bedeutung  von  ivieder  (nocb  ein- 
mal) hat,  wie  in;  v^ihsscv/ahren,  y> ihsser ledden,  legen,  wilisser- 
ledden,  wieder  hinlegen;  wihssermjVWen ,  ralhen;  wihsserseWe« , 
setzen,  wihsserstävjnncn ,  stehen;  wihssersjjre^cM,  sprechen;  — 
ivUisserkamen  ,  wiederkommen.  —  Wibsser/m/cM  ,  w  iederholen ,  ist 
untrennbar.  —  Bei  Subslaniiven  wird  ivilisser  zu  wäliser,  als:  de 
Wähserwdlle ,  der  Widerwille,  wähserwällig ,  widerwillig,  wäliser- 
sdnnig,  widersinnig,  dät  Wähserspdll,  das  Widerspiel ;  wäliserivdn- 
nig ,  wellerwendisch;  widerlich  dagegen  ist:  tvddderUck,  jö  Wdd- 
derlick/iäid ,   towddderne  wesen,  zuwider  sein. 

Klasseneinlheiluntj    des    Zeitwortes. 

§.  467.  Das  Zeitwort  zeigt  entweder  ein  Bestehen,  wie  in 
dem  Worte  seiti,  alllings  ivescn,  oder  ein  Geschehen  an,  was  die 
Erklärung  desselben  ziemlich  genau  erschöpl't.  Aus  dem  Geschehen 
gehen  nun  drei  verschiedene  Zustände  hervor,  nämlich  der  ihäiige, 
der  leidende  und  der  unlhälige  Zustand,  und  das  Zeitwort  zer- 
fällt demnach  in  das  thätige  (verbum  aeiivum) ,  in  das  leidende  (ver- 
bum  passivum)  und  in  das  unlhälige  Zeitwort  (verbum  neutrum). 
§.  168.  Das  thätige  Zeitwort  zeigt  an,  dass  irgend  ein  Gegen- 
stand selbslwirkend  ist,  wie  in  den  Wörtern:  gongen,  gehen;  büen, 
arbeiten;  luppen,  laufen;  stridden,  slveiien isliihggen,  sehlagen;  shriw- 
wen,  schreiben;  ivrässeln,  ringen;  fangen,  fangen;  Ueiven,  lieben; 
ringen,  läuten;  äjtiigen,  anhalten,  u.  s.  w\  Diesem  Zustande  ist  nun 
zunächst  der  unlhälige  entgegengesetzt,  wie  in:  Iddden,  liegen; 
satten,  sitzen;  rauen,  ruhen;  welen,  ausruhen,  u.  s.  w.  In  beide 
Zustände  kann  ich  mich  willkührlich  versetzen  und  sie  wieder 
aufheben,  sobald  es  mir  gefällt, 

§.  169,  Der  leidende  Zustand,  welcher  dem  thäligen  geradezu 
enlgegengesetzt  ist,  unterscheidet  sich  sowohl  von  diesem,  als 
auch  von  dem  unlhätigen  dadurch,  dass  er  von  meinem  Willen 
durchaus  unabhängig  ist,  z.  B,  in:  worden,  werden;  ivesen ,  sein; 
äujnlstäujnnen ,  entstehen;  forgongen ,  vergehen;  u-ä/e«  ,  welken; 
stäirwen,  sterben;  dränken,  ertrinken;  wägsen,  wachsen;  üjllen, 
allein;  sören,  siechen;  bjdrsten,  herslen ;  sdinken ,  s'mken;  ütlgongeuj 
ausgehen,  erlöschen;  aufsliiesen ,  \erscheiden  ,  u.  s.  w.  Hier  ist  über- 


259 

all  reines  Leiden,  durchaus  unabhängig  von  den  Gegenständen, 
die  demselben  unlerworfcn  sind,  wie  auch  in:  röchen,  rauchen; 
dämpcn,  dampfen;  högen,  kochen;  wärhen,  schmerzen;  wärrigen, 
dasselbe;  sivieligen,  crslicken;  driwweti,  treiben,  auf  dem  Wasser; 
sillen,  sielen,  treiben;  s/idmmebi,  schimmeln;  gären,  gären;  liäiren, 
haaren;  fähsern,  mausern;  Inkklen,  häuten;  böUnen,  schwären; 
iünnen,  schwellen;  bräunen,  brennen;  brausen,  braten;  forstienen, 
versteinern;  forliölten,  verholzen;  rösen,  faulen;  dprösen,  verfau- 
len; blieken,  bleichen;  bdwern,  beben;  sheliven,  zittern;  bläjdden, 
bluten;  forbläjdden,  verbluten;  friesen,  frieren;  töicn,  thauen; 
dptöien,  aufthauen;  fiungen,  hangen;  swdtten,  schwitzen;  rüsten, 
rüsten;  drögen,  trocknen;  forwälen,  verwelken;  gähsmcn,  gähnen; 
insläipen ,  einschlafen ;  äpivaagen ,  aufwachen ;  swöhmen ,  in  Ohnmacht 
fallen,  schweimen,  u.  s.  w.  Mehrere  Zeitwörter  mit  der  Vorsilbe 
for  (ver)  zeigen  auch  reines  Leiden  an,  wie:  forkämen,  vor  Kälte 
und  von  zu  starker  Anstrengung  fast  umkommen;  fo> kolligen,  \oi' 
Kälte  umkommen;  forernien,  verarmen;  forbliekcn,  verbleichen; 
for  stummen ,  forlwiwweln ,  forünlokken ,  forwdddern,  verwittern;  for- 
smägten  ;  forböUnen  ,  verschwären  ;  fordrögen  ;  forwillern  ,  ver- 
wildern. 

Viele  der  leidenden  Zeitwörter  haben  den  wirkenden  Zustand 
neben  sich,  so  wie  auch  manche  Activa  intransitiva  den  zielenden 
oder  transitiven  Zustand  zur  Seite  haben,  als:  dränkcn,  de  Mann 
dränkt,  ick  dränk  man  Hünn;  dät  Holt  drdft,  ick  driw  da  Axnc; 
dät  Hüssbrännt,  jö  brännt  Kaffebune;  dät  Wahser  köget,  ja  Fömmen 
köget  Soos ,  Suppe;  jö  Gaus  brauset,  ick  braas  en  Hase;  ddKluhse 
dröge,  ick  dröhg  min  Kluhse;  de  Shörstijn  rockt,  ick  rock  Tobäck; 
dät  Wahser  liie't,  he  hiet  sin  Shew  en  lätet;  dät  Länert  blicket,  jö 
blicket  hdr  Länert;  jÖ  Böhser  smolt,  ick  smolt  Blie;  da  Arte  uke, 
jö  uket  Kluhse  ,  Wäsche  ;  dät  Födder  wdddert  ,  jö  wdddert  hdr 
Khihse;  dät  Ljägt  gongt  ült,  de  Mann  ds  üttgingen;  dät  läiijn7i 
forgongt,  dö  hähst  de  forgingen;  jö  Wünnen  kielet,  die  Wunde  heilt, 
dät  Plaasler  hielet  jö  Wünnen.  —  Dass  diese  Zeitwörter,  welche 
reines  Leiden  anzeigen,  nicht  mit  der  Leidensforra  aus  dem  zie- 
lenden Zeitworte  zu  verwechseln  sind ,  bedarf  kaum  des  Er- 
wähnens,  indem  sie  nicht  den  wirkenden  Zustand  voraussetzen, 
der  jene  Form  bedingt,  z.  B,  släien   worden,  geschlagen  werden, 

33* 


-2G0 

und  forlammn,  erlaliraen;  sldppen,  los  im  Stifle  sitzen,  besonders 
von  Einlegemessern ,  und  fanget  worden. 

§.  170.     Das    thätige    Zeitwort   zerfallt  nun  wieder  in  das  zie- 
lende   (v.    Iransitivum),    und  in  das  tliätige,  ziellose  (verb.  aet.  in- 
transitivum).     Beim  zielenden  Zeitworte  gebt  nämlicb  die  Tbätig- 
keit,  welcbc  dasselbe  ausdrückt,  immer  als  Wirkung  unmittelbar 
auf  einen  andern  Gegenstand  über,  der  diese  Wirkung  leidet,  und 
das  Ziel  oder  das  Object  genannt  wird ,  das  ieb  daber  nennen  oder 
mir  wenigstens  denken  rauss,  wenn  der  Sinn  des  Zeit\\ortesricbtig 
aufgefasst  werden  soll,  wie  z.  B.  bäggen,  bauen;  rähben,  rupfen; 
slägtigen,    scblacbten;   drngen,    seihen;   mägen,    macben;  letalen, 
bezahlen;    duhggen,    ibun    und    geben;   als:  lie  häggfn  Häss;  jö 
räbbct    Iidr    Gäis;  jd    slägtigc  en  Ögse;  jö  Fömmen  dniget  ß/ölhe; 
de  Sütter  mäget  Stäiivle;  dö  belälest  dinSItüU;  Itedäi  nie  en  Bauch, 
er   gab    (tbat)    mir    ein    Buch.  —  Das    tbätige,    ziellose  Zeitwort 
(v.   act.  inlr.)  zeigt    ebensowohl    reine  Thätigkeit  an,  aber    diese 
geht  nicht,  wie  beim  zielenden  Zeitworte,  unmittelbar  auf  einen 
andern  Gegenstand  über,  der  die  Wirkung  dieser  Handlung  leidet, 
wie  z.  B.  in  gongen,  swummen,  sträiven,    stridden,  springen,  büen, 
U.S.W.      Hier  muss    ich   ein   Umstands-  oder  Verhältnisswort  zu 
Hülfe  nehmen,  wenn  diese  Zeitwörter  richtig  verstanden  werden 
sollen,  als:  ick  gong  lö  Hüss,  ich  gehe  nach  Hause;  he  gongt  äjtt'e 
Hülis,  er  geht  daheim;  ick  gong  ült  äiv' t  Fäjll ,  ich  gehe  aufs  Feld; 
he  gongt  äiv't  Fäjll,  auf  dem  Felde;  ick  gong  gätu,  lägt,löngsaam, 
flink    u.  s.  w. ;   ick  gong    dmbäi,  Iiänc,  dp  äjtt'e  Bäirig ,  den  Berg 
hinan;  dp  äiv'e  Bäirig,  auf  den  Berg;  äiv'e  Bäirig,  auf  dem  Berge. 
He  sivu7nmt  ütt  ävjn't  Heef,  aiiwer'e  Sie-e,  döhr'e Haaiven,  ins  Meer, 
über   den    See,  durch   den  Hafen.     Jö  sträwet  md  hdr  ^^rbed,  sie 
strebt    mit  ihrer  Arbeit;  he  sträwet  ijti'e  Wjärd,  er  streitet  wider 
die  Wahrheit;  jd.  stridde  am  Jllin  an  Bin,  sie  streiten  ums  Mein 
und  Dein;   he  sprdingt  ütt  ävjn't  Waliser,  ins  Wasser;  he  sivumrnt 
ävjn't    Wahscr,    im    Wasser;  auiver'e  Slüjtt,  über  den  Graben;  dp 
äiv'e  Wäien ,   auf  den  Wagen;  tösidde,  zur  Seite;  faärütt,  voraus; 
dähl,  nieder.  Ick  bü  dw  en  Shäp,   en  Pär  Stäiwle,  ich  arbeite  an 
einem  Schranke,  an  einem  Paar  Stiefel. 


261 


Anmerkunfjen. 

\.  Einige  thätige  ,  ziellose  Zeilwörter  nehmen  die  Art  des 
zielenden  Zeitwortes  an,  wenn  man  den  Gegenstand  der  Wirkung 
ausser  ihnen  setzt,  als:  en  Dons  dönscn,  einen  Tanz  tanzen;  en 
Kamp  kempcn,  einen  Kampf  kämpfen;  lie  slept  en  ünrauigen  Släip, 
er  schläft  einen  unruhigen  Schlaf;  dö  luilistcngauhscn  Stridd  slrdn, 
du  hast  einen  guten  Streit  gestritten.  Mehrere  zielende  Zeitwör- 
ter können,  umgekehrt,  ohne  den  bestimmten  Gegenstand  ihrer 
Wirkung  gebraucht  werden,  wenn  man  bloss  die  Art  der  Be- 
schäftigung ausdrücken  will,  als:  wdi  mägest?  ick  s/triiviv,  icklces, 
ick  ticken,  ick  mal,  ick  plant,  ick  spdl  u.  s.  w.  ich  schreibe,  lese, 
zeichne,  mahle,  pflanze,  spiele  u.  s.  w.  Dass  aber  auch  der  Gegen- 
stand der  Handlung  hinzugefügt  werden  kann,  versteht  sich  von 
selbst,  als:  ick  shriivw  en  Bräif;  ick  lees  dät  Wägebleess  (Wochen- 
blatt); he  tiekent  en  Rauhs  (eine  Rose);  jö  malet  en  Fögel;  ick  grew 
en  Kohl  (Grube);  %ve  plante  ßnhmme;  ich  bähsig  dät  Vaterunser' ; 
jö  spannt  Sihssen,  sie  spinnt  Seide,  u.  s.  w. 

2.  Oft  beruht  es  nur  auf  der  Anwendung  eines  Zeitwortes, 
ob  es  zielend  oder  ziellos  ist,  wornach  es  denn  bald  mit  hewen 
und  bald  mit  wesen  verbunden  wird,  als:  dirr  ijögt  Fäirwähser  dp, 
es  zieht  ein  Gewitter  auf,  ds  dptägen,  ist  aufgezogen ;  ,/ö  Wägt 
tjögt  dp,  ds  dptägen,  die  Wache  zieht  auf,  ist  aufgezogen;  ick 
tie  min  Klock  dp,  hähw  dptägen,  ich  ziehe  meine  Uhr  auf,  habe 
aufgezogen;  sin  Bjärne  dptieeti,  seine  Kinder  auferziehen,  hähw 
dptägen  u.  s.  w,;  ridden,  reiten,  he  rdtt  ütt,  äs  ültrdn,  ist  ausge- 
ritten; ic&nc?t?rfä/4//t,  ich  reite  die  Stute,  habe  geritten;  käiren, 
fahren,  he  kjdrt  änjnt  Fäjll,  äs  kjärd,  ist  gefahren ,  ick  käir  Gäihs, 
ich  fahre  Dünger,  häkiv  kjärd;  dät  Hännehjärn  shüjtt  dähl  äw  en 
Sjückling ,  die  Ilühnerweihe  schoss  auf  ein'  Küchlein  herab,  ds 
shähn>;  de  Jäger  shüjtt  en  Bef,  einen  Fuchs,  het  shähn;  bregen,de 
Stock  bregt,  der  Stock  bricht,  ds  brägen,  ist  gebrochen;  ick  breg 
man  Airem,  hähw  brägen;  riivwen,  reissen,  dät  Tjöch  rdfl,  der 
Zeug  zerreisst,  ds  räiven;  ick  riiviv  min  Kluhse,  hähw  räwen;  smöl- 
ten,  schmelzen,  de  Snie  smoltet,  ds  smolten;  he  smoltet  Blie,  het 
smolten;  blieken,  jö  Färrew  blieket,  ds  blicket;  jö  blicket  Lauert, 
het  blieket;  kögen,  dät  Wahser  köget,  ds  köget;  ick  kög  Soos  (Suppe), 


262 

tiähiv  köget;  brausen,  jö  Gäiis  braaset,  ds  braaset;  jö  brauset  Speck, 
het  braaset;  tresen,  de  Urder  Irel  jö  friert,  hei  trälin;  Iie  träjt  in, 
ds  inträ/m;  dät  Hüss  brännt,  ds  bränd;  jd  bränne  Sliene,  Iiäwe 
bränd;  ütUieen,  dät  Liefäulk  tjörjt  üit,  dsütttägen;  he  tuch  me  en 
Taus  ütt,  het  ütllägen;  anfslävjnnen,  he  stöhs  auf'e  Wäien,  ds 
aufstijnnen;  he  stont  me  sin  Ragt  auf,  het  aufstijnnen,  u.  s.  w. 

§.  171.  Unter  den  zielenden  Zeitwörtern  giebt  es  nun  wieder 
mehrere,  die  ihr  Ziel  allein  in  dem  Gegenstande  haben,  von 
welchem  die  Wirkung  ausgeht,  und  diese  heissen  zurückzielende 
Zeitivörter  (verba  reciproca),  als:  he  shaamel  hdm,  er  schämt  sich; 
dö  grämst  de,  du  grämst  dich;  ick  besdnnme,  ich  besinne  mich; 
ick  blöget  me,  ich  schämte  mich  dessen;  huhm  shäjnten,  sich  spu- 
ten; huhm  behelpen,  sich  behelfen ;  kuhm  weren,  sich  wehren; 
huhm  unnerslänjnnen,  sich  unterstehen;  huhm  div  ivdt  forläjtten, 
sich  auf  etwas  verlassen;  ke  forwunnert  hdm  dirrauwer,  er  ver- 
wundert sich  darüber;  huhm  forkäilen,  sich  erkälten;  huhm  kämen, 
sich  erholen;  he  kämt  kam,  er  geneset;  huhm  äjttdregen,  sich  ge- 
behrden;  huhm  tirren,  sich  wunderlich  gebehrden;  htihm  äujn  ^gt 
nämen,  sich  hüten,  in  Acht  nehmen;  huht»  ivären,  sich  hüten ',  dir r 
ivdll  ick  me  nög  (aar  wäre,  davor  will  ich  mich  schon  hüten;  dö 
maust  de  icäre,  aus  dem  Wege  gehen;  huhm  ütlnämen,  sich  her- 
ausnehmen. —  Dahin  gehören  besonders  alle  Zeitwörter  mit  der 
Vorsilbe  for,  wenn  sie  etwas  Fehlerhaftes  anzeigen,  wie  in:  huh7n 
forsieen,  forspregen,  forrägnen ,  forsläipen ,  forteilen  (sich  verzählen), 
u.  s.  w.  Diejenigen  Reciproca,  welche  im  Deutschen  das  unper- 
sönliche es  vor  sich  haben,  bekommen  im  Friesischen  häm,  als: 
sich  ziemen,  häm  sämcn,  es  ziemt  sich  nicht,  dät  sömet  hdm  di; 
sich  passen,  hd^n  passen;  es  giebt  sich  wohl,  dät  jefl  hdm  nög ;  es 
trifft  sich  so,  dät  dräivet  hdm  so;  sich  ereignen,  zutragen,  hdm 
tödregen;  u.  s.  w. 

§.  472.  Bei  den  bisher  angeführten  Zeitwörtern  gehen  die 
Veränderungen,  welche  durch  dieselben  ausgedrückt  werden, 
immer  von  einem  Gegenstande  aus  oder  an  demselben  vor,  den 
ich  daher  nennen  oder  durch  ein  Fürwort  ersetzen  muss,  z.  B. 
de  Fögel  läit  ^ie,  aurs  labben  Junge  fäit'r  äi,  der  Vogel  legt  Eier, 
aber  lebendige  Junge  bekommt  er  nicht;'  dät  Wahser  fröst,  aurs 
de   Wärmde  töit't   wihsser  dp.  —  Wird  aber  das  Geschehen  einem 


263 

unbekannten  Gegenstande  oder  einer  Ursache  zugeschrieben.,  die 
man  nicht  nennen  kann,  so  gebraucht  man  das  sächliche  Fürwort 
dät  (es)  als:  däl  rint,  es  regnet;  dät  snäit,  es  schneiet;  dät  iväil, 
es  weht;  hagelt,  hagelt;  friisl,  friert;  tunnerl,  donnert;  läidet,  blitzt; 
staurmt,  stürmt;  degel,  taget;  jimket,  dunkelt;  ddivwet,  thaut  (es 
fällt  Thau);  töü,  thaut  auf;  urset,  lenzet;  sämmert,  sommert,  und 
wonlert,  wintert.  Dieser  Einiheilung  nach  zerfällt  nun  das  Zeit- 
wort in  das  persönliche  (verbum  personale)  und  in  das  unpersön- 
liche (verbum  impersonale). 

Anmerkung. 

Die  unpersönlichen  Bildungen:  es  heisst,  es  verlautet,  es  wird 
gesagt,  es  wird  dort  getanzt,  gespielt,  geschwärmt,  geschlachtet 
u.  s.  w. ,  werden  im  Friesischen  durch  dät  und  bald  durch  dlrr 
ausgedrückt,  als:  dät  hält  so,  es  heisst  so;  dät  het  nint  tö  sedden, 
es  hat  nichts  zu  sagen;  dirr  slönt  shräwen,  es  stehet  geschrieben; 
dirr  wurt  nint  däjn,  es  wird  nichts  gclhan;  dirr  wort  dönset,  spa- 
let,  slägligt.     Vergl.  §.  150. 

§.  173.  Ausserdem  haben  wir  noch  die  drei  Hülfszeitwörter: 
wurden,  wesen  und  hewen,  werden,  sein  und  haben,  so  wie  die 
Zwitterhülfszeitwörter:  dürren,  dürfen,  den  Muth  haben;  tür- 
ren,  dürfen,  verpflichtet  sein,  die  Erlaubniss  haben;  ÄYrnwe«,  kön- 
nen; läjllen,  lassen,  niänjtten,  müssen;  maagen,  mögen;  shdllcn, 
sollen;  wällen,  wollen,  die  mit  den  übrigen  Zcitwöriern  eigene 
Verbindungen  eingehen.   Diess  sind  die  verba  auxiliaria. 

§.  174.  Es  giebt  ferner  unter  allen  bisherigen  Arten  von  Zeit- 
wörtern einige,  die  in  der  Abwandlung  nach  Personen,  Zahlen 
und  Zeiten  einer  genau  bestimmten  Regel  folgen ,  wobei  ihr  Stamm- 
laut  immer  unverändert  bleibt,  und  diese  bilden  das  regelmässige 
Zeitwort  (verbum  reguläre) ;  und  andere ,  die  in  Personen ,  Zahlen  und 
Zeilen  sowohl  mit  ihren  Stamm-,  als  Nebenlauten  abweichen, 
und  diese  bilden  das  unregelmässige  Zeiltvort  (verb.  irreguläre) , 
wovon  die  nordfriesische  Sprache  eine  bedeutende  Menge  und 
mehrere  Arten  hat. 

Bestimmung  des  Zeilwortes  durch  die  Ausdrucksweise  [Modus). 
§.  175.    Die  erste    und   ursprüngliche   Form  des  Verburas  ist 


264 

das  Wandelivort,  wie  in:  Urnen,  leben;  liewen,  lieben,  glauben; 
träwen,  traben;  sillen,  treiben,  schwimmen,  fliessen;  grdwwen, 
kläiscn ,  krauen  und  kratzen,  mit  den  Nägeln,  u.  s.  w.  Wenn  wir 
das  Wandehvort  bloss  als  Art  des  Ausdrucks  betrachten,  so  steht 
dasselbe  in  der  Unbeslimmtiteü  (Infinitivus),  als:  stäirwen  mä  Ihre 
äs  bähsere,  dann  Urnen  mä  Shöm,  sterben  mit  Ehre,  ist  besser, 
als  leben  mit  Schande.  Da  Urbebögere  äiijn  Ostindien,  da  Gcnloos 
sedde:  släujnnen  äs  bähsere  äs  gongen,  lädden  äs  bähsere  äs  satten, 
släipen  äs  bähsere  äs  luaagen ,  an  stäirwen  äs  däl  best  aufäUes  (stehen , 
gehen,  liegen,  sitzen,  schlafen,  wachen,  sterben)  u.  s  w,  Ahsen 
an  dräjnken,  planten  an  sieen,  sammeln  an  sprijdden,  alles  het  sin 
Tidd;  ähsen,  dräjnken  an  släipen,  äs  alles,  wät'r  det,  essen,  trin- 
ken und  schlafen  ist  alles,  was  er  thut.  Paar  bär  Huchmäujd 
huhm  sellew  äi  kännen;  sin  ^llernc  liewen  an  ihren,  äs  'e  Bjarnes 
Shüllighäid  (Pliicht). 

Andere  Formen  der  Unbestimmtheit  sind:  ick  bliw  satten;  he 
hlief  lädden;  ick  fänn  häm  släipen;  ick  fäil  man  Puls  sluhggen ;  dö 
hältst  ijäujd  snäken  (reden);  he  helpt  nie  dregen;  jö  liert  dönsen, 
lesen,  shriwwen;  hirr  äs't  äi  gäiijd  faiirt  tö  kämen;  he  gongt  töbäd- 
den,  er  geht  betlein,  u.  s.  w. 

Das  Wörtchen  tö  (zu)  vor  dem  Wandclworte  bildet  mit'  demsel- 
ben keine  streng  gerundische  Form,  sondern  steht  eigentlich  mehr 
als  Ergänzung  des  Sinnes  bei  Haupt-  Beslimmungs-  und  Zeitwör- 
tern, als:  he  pleget  edder  tö  Bedd  tö  gongen,  er  pflegt  zeitig  zu 
Bett  zu  gehen;  dat  äs  swär  tö  dregen,  das  ist  schwer  zu  tragen; 
ick  häw  nint  tö  ähsen,  ich  habe  nichts  zu  essen;  ick  fräu  me ,  de 
n'ihsser  tö  sieen,  ich  freue  mich,  dich  wieder  zu  sehen;  ick  bän  äi 
kiemen,  am  mä  de  tö  tjätvweln,  ich  bin  nicht  gekommen,  um  mit 
dir  zu  zanken;  he  het  noch  en  Bräif  tö  shriwwen ,  er  hat  noch  einen 
Brief  zu  schreiben;  jö  het  gaar  nint  tö  duhggen,  sie  hat  gar  nichts 
zu  ihun,  u.  s.  w. 

Zu  bemerken  ist  noch ,  dass  das  Wörtchen  tö  bei  echtzusam- 
mengesetzten Zeitwörtern,  wie  bei  einfachen,  immer  vor  densel- 
ben steht,  bei  unecht  zusammengesetzten  aber  so  eingeschoben 
wird,  dass  es  unmittelbar  vor  das  eigentliche  Zeitwort  zu  ste- 
hen kommt,  als:  dö  hähst  me  nint  tö  uhgwilligen,  nichts  vorzu- 
werfen; dät  fanget  änjn  tö  issslägen ,  es  beginnt  zu  glatteisen;  he  äs 


2Gi; 

äi  to  auwcrwännen,  zu  überwinden;  unecht:  de  T/iief  dsmtöfänyen, 
der  Dieb  ist  oinzufangen;  dät  ds  äi  ntUähüjUen;  so  auch:  wdgtö- 
dregcn,  dplobrcijen ,  häitöliämcn ,  u.  s.  w. 

§.  176.  Spricht  man  aber  von  einem  bestimmten  Gegenstande, 
so  muss  sic'i  auch  die  Form  des  Zeitwortes  darnach  richten,  als: 
ick  bdn  kränk;  de  Hünn  hjdwset;  man  Braultscr  sterrewt ;  de  Maune 
skint;  man  Näiber  ds  rick,  anrs  ick  bän  en  ermen  Mann;  de  Snie 
Idit  noch  tjöck  äivt  Fä,jll;  dät  Hüss  wort  bdygd.  Hier  ist  in  dem 
Ausdrucke  überall  Gewissheit  ,  weshalb  auch  diese  Form  die 
Gewisskeit  (Indicativus)  genannt  wird. 

§.  i  77.  Obgleich  die  nordfriesische  Sprache  für  die  Ungewisskeit 
(Dubitativus)  keine  eigene  Form  des  Ausdrucks  hat ,  so  liegt  es  doch 
in  der  Natur  der  Sache,  dass  man  die  Ungewissheit  nothwendig  da 
denken  muss,  wo  man  die  Gewissheit  einerAussage  nicht  verbür- 
gen kann,  z.B.  He  säks,ke  käi'r  ninte  /b?i//j<?rrf,  er  sagte  ,  er  hätte 
nichts  davon  gehört;  en  wikssen  Mönnsälts,  de Mdnske  käi dirrfaar 
man  an  Mass  an  tukg  Ulire,  däfr  manncre  snähe,  an  mörr  liiere  skäujl 
(hören  solle).  Daher  gebraucht  man ,  wo  es  angclit,  häufig  die  gewe- 
sene Gegenwart  (das  Imperfectum)  zur  Bezeichnutig  des  Dubitati- 
vus, als:  ick  käw  kierd ,  dät  dö  lägen  käkst,  ich  habe  gehört,  dass 
du  gelogen  hast,d.  h.  ich  bin  Zeuge  deiner  Lüge  gewesen;  ick  käw 
kierd,  dät  dö  lägen  käist ,  ich  habe  gehört  (von  Andern),  dass  du 
gelogen  hättest;  ke  säit,  dö  käkst  lägen,  er  sagt,  du  habest  gelo- 
gen; ja  serft/e,  «//sew  Pres/er  ds  kränk,  sie  sagen,  unser  Prediger  sei 
krank;  ke  skdll  kränk  wese,  er  soll  krank  sein. 

§.  178.  In  den  Sätzen:  körr  löcklick  kökn  'e  Mdnskene  wese, 
wdns  man  bäksere  wjärn!  wie  glücklich  könnten  die  Menschen 
sein,  wenn  sie  nur  besser  wären!  ke  köks  bäksere  Idwe,  wdn'r 
äi  so  faale  forspälet!  kommt  die  bedingende  Art  des  Ausdrucks 
(der  Conjunctivus)  vor.  Wird  aber  die  Bedingung  als  erfüllt 
betrachtet,  so  tritt  auch  die  Gewissheit  wieder  ein;  als:  Ick 
mäks  käll  en  Räiks  tö  man  Braukser  mäge,  tvdnn  iclir  man  Gijl 
tö  käi;  aurs  ick  räiks,  söbdll  ds  ick  Gijl  fangen  käw,  ich  möchte 
gerne  eine  Reise  zu  meinem  Bruder  machen ,  wenn  ich  nur  das 
Geld  dazu  hätte;  aber  ich  reise,  sobald  ich  Geld  empfangen  habe. 
§.  179.  Bei  der  befehlenden  Ausdrucksweise  (Imperativus) 
wird  das  Zeitwort  möglichst  abgekürzt,  und  die  einfachen  behal- 

34 


206 

len  nur  ihre  Slammsilbe,  als:  gong!  lup!  stäiijn!  ähs!  gripp!  füll 
üi!  dräjnk!  u.  s.  w.  Hierher  gehört  auch  die  wünschende  Art, 
als:  u-dnn'r  doch  häme  wäjll!  die  erlaubende  Art:  he  mäi  nög 
shriwwe ;  die  nölhigende  Art:  he  mäiijt  shriwwe ;  die  wagende 
Art:  he  türi't  düjn  ,  er  darf  es  zu  ihun  wagen;  die  verpflichtende 
Art:  he  shdll  shriwwe;  die  vermögende  Art:  hc  hön  shriwwe;  die 
vertretende  Art:  he  let  shriwwe. 

Beslimmung  des  Zeilwortes  durch  Zeiten  (Tempora). 

§.  180.  Die  drei  Hauptverhältnisse  der  Zeit  sind:  die  Gegenwart 
(Pvaesens) ,  jö  Nötidd  (Jetztzeit);  die  Vergangenheit  (Pcrfectum),  For- 
gingcnhäid;  und  die  Zithunft  {Futurum),  jö  tökämen  Tidd.  Darnach 
richtet  sich  das  Zeitwort  in  seiner  Abwandlung  (Conjugation),  als  : 
ick  rögt ,  ich  richte;  ickword  rögtet ,  ich  werde  gerichtet;  ick  häw 
ragtet,  ich  habe  gerichtet ;  ick  hdn  rögtet  ivorden;  ick  ivord  rügten ,  ich 
werde  richten;  fc/i;  ward  rögtet  worden ,  ich  werde  gerichtet  werden. 

Zeiten  ohne  Beziehung. 

§.  481.  Zeiten  oline  Beziehung  sind:  die  Gegenwart,  die  Ver- 
gangenheit ,  die  geschlossene  Vergangenheit  (Perfectum  praeteritum) 
und  die  Zukunft.  In  allen  diesen  Zeiten  drückt  das  Zeitwort  ein 
Geschehen  ohne  alle  weitere  Beziehung  auf  irgend  einen  Umstand 
aus ,  als :  ick  rögt ,  ick  häw  rögtet ,  ick  häw  rögtet  häjd ,  ick  tvord 
rögtcn. 

§.  d82.  Die  Gegemvart  sagt  aus,  dass  etwas  jetzt,  von  jeher 
oder  immer  geschieht,  als:  ick  law,  ich  \ehe;he  sATä/if,  er  schreibt; 
jö  säit,  sie  näht;  he  hdggt  en  Jlüss,  er  baut  ein  Haus;  de  Tieger 
äs  cn  giübsh  T/iier,  der  Tiger  ist  ein  reisscndes  Thicv;  da  Staurke 
tiee  tö  auhser  I.äujnnc ;  dirr  ds  tiint  Näis  unnefe  Sann ,  es  ist 
nichts  Neues  unter  der  Sonne.  —  Die  Bildungsform  dieser  Zeit 
ist  die  blosse  Stammsilbe  des  Wandelwortes  ohne  die  Endung 
en ,  und  bei  den  auf  ein  und  cm  ausgehenden  ,  ohne  den  Buch- 
staben n ,  als :  gongen ,  ick  gong ,  dö  gongst ,  he  gongt ,  pl.  we 
gonge;  kldwwern ,  ick  kldwwer ,  dö  kläwwerst,  he  kldwwert,  pl. 
WC  hldwre ;  ddjngeln ,  ick  däjngl ,  dö  ddjngeht ,  he  däjngelt,  pl. 
we  ddjngle. 

Für  den  Lcidcnssland  des  zielenden  Zeitwortes  sieht  das  zweite 


267 

Millclwort  mit  dem  Wandelworle  ivordcn  (werden),  v,\c:  slrien 
worden ,  geschlagen  werden ,  ick  word  släicn ;  drä'jen  worden , 
gelragen  werden;  dät  Lieh  worl  dräijeu,  die  Leiche  wird  gelragen. 
Für  den  daraus  hcrvorgelienden  Zustand  in  der  Gegenwart ,  als 
andauernd  und  bleibend  gedacht,  sieht  das  zweite  Mitlelwort 
mit  dem  Wandelworle  wesen ,  z.  B.  släien  wescn,  geschlagen 
sein ;  ick  bdn  släien ,  u.  s.  w. 

Anmerkuncj. 

Der  Leidensstand  der  zielenden  Zeitwörter  zerfällt  daher  in 
einen  doppellen  Zustand,  nämlich  a.  in  den  werdenden,  entste- 
henden ,  anhebenden  oder  beginnenden  ,  und  b.  in  den  bleiben- 
den ,  fort-  oder  andauernden  Zustand ,  wobei  die  Wandclwörter 
worden  und  wescn  mit  dem  zweiten  Mittclworlc  beslimmungswört- 
licli  zusammengcslcllt  werden ,  jedoch  immer  mit  Beibehaltung 
des  Nebenbegriffes  von  einer  vorausgegangenen  Veränderung  in 
der  Zeit,  wie  z.  B.  Ick  bdn  en  släienen  Mönn,  ich  bin  ein  ge- 
schlagener Mann ;  dö  bdst  C7i  liülleneu  Kjdrl !  du  bist  ein  gehal- 
tener Kerl,  d.  i.  einer  der  sich  gul  slchl;  lie  ds  enplägeten  Mdnshe. 

§.  185.  Die  Vergangenheil.  Hier  wird  der  Zustand  ohne  wei- 
tere Beziehung  geradezu  in  die  vorige  Zeit  gesetzt,  als:  Ick  häw 
ahn  ,  drunken ,  gräwen  ,  släipcn  ,  ich  habe  gegessen  ,  gelrunken  , 
gegraben,  geschlafen;  und  beim  leidenden  Zeilworic ,  so  wie 
beim  verb.  act.  inlransitivum,  wenn  eine  Richtung  dadurch  be- 
zeichnet wird  ,  mit  wesen  ,  als  :  ick  bdn  feilen  ,  ivügsen ,  drängd , 
sunken  ,  ich  bin  gefallen  ,  gewachsen  ,  ertrunken  ,  gesunken  ;  he 
ds  kjärd ,  gingen ,  fägcn  ,  wagtägcn  ,  er  ist  gefahren  ,  gegangen  , 
geflogen  ,  weggezogen  ;  jö  ds  dujn  'c  Süss  Sprüngen ,  sie  ist  in  den 
Brunnen  gesprungen. 

Anmerhunri . 

Die  Bildungsformen  dieser  Zeit  sind  ebenfalls  das  zweite  Mittel- 
wort mit  den  Hülfswortern  hcwen  und  wesen,  wie:  Idwet  hewen , 
gelebt  liabcn  ;  shrdtven  hewen ,  geschrieben  haben  ;  tuügscn ,  slür- 
iven,  drängd  wesen,  gewachsen,  gestorben,  ertrunken  sein.  Das 
zielende  Zeitwort  hat  hier  im  Leidensslande  doppelte  Bildungs- 
formen ,    eine  für  den  anhebenden  ,   und  eine  für  den  dauernden 


2G8 

Zustand;  für  jenen  das  zweite  Miüelwort  (Parlicipium)  mit  wwrfle« 
Wesen ,  als :  gram  würden  wesen ,  gegriffen  worden  sein ;  fanget 
würden  ivesen ,  gefangen  worden  sein  ,  als  :  lie  äs  fanget  würden , 
er  ist  gefangen  wd^den;  für  diesen  das  zweite  Mittelwort  mit 
tvähn  /lewen,  gewesen  haben,  statt  gewesen  sein,  als:  fanget  wähn 
hewen ,  gefangen  gewesen  sein ;  ick  häw  fanget  wähn ;  de  Fögcl 
het  all  twäie  fanget  wähn ,  anrs  Iie  äs  ärk  Tdch  wihsscr  icägßägen  , 
der  Vogel  ist  schon  zweimal  gefangen  gewesen ,  aber  er  ist  jedes 
Mal    wieder  weci^eflocren. 

§.  184.  Die  geschlossene  Yergangenheil.  Es  giebl  Handlungen 
und  Zustände ,  welche  die  Yergangenheil  schon  als  völlig  abge- 
schlossen darstellt ,  indem  keine  Fortdauer  derselben  mehr  denk- 
bar ist,  als:  ich  häiv  de  Gönner  slägtigt,  ich  habe  den  Gänserich 
geschlachtet ;  he  hei  en  Hase  shähn  (geschossen) ;  man  Fidder  äs 
stüriven,  mein  Vater  ist  gestorben;  dät  Bjärn  het  häm  düjdfellen, 
das  Kind  hat  sich  todi  gefallen.  Andere  Zeitwörter  setzen  nur 
den  Anfang  eines  dauernden  Zustandes  in  die  vorige  Zeit,  deuten 
aber  zugleich  eine  Forldauer  des  Ausgesagten  an  ,  als :  ick  häw 
min  Fähserhniff  slän  ,  ich  habe  mein  Federmesser  vejloren;  ick 
häw  me  faarset ,  ich  habe  mir  vorgesetzt ;  ick  bän  feilen ,  ich 
bin  gefallen  ;  das  Messer  ist  nun  verloren ,  der  Vorsatz  gcfasst , 
und  ich  liege  nun  da.  Noch  andere  zeigen  zwar  die  Vollendung 
der  Handlung  an  ,  bestimmen  aber  zugleich  das  Dasein  dessen  , 
was  durch  diese  Handlung  bewirkt  worden  ist,  als:  He  het  'n 
Bräif  shräwen  ,  en  Kaie  mäget ,  en  Büjll  tämmert ,  en  Kohl  gräwen, 
en  ShruiD  dräid ,  en  Meilen  bäggd ;  der  Brief,  der  Schlüssel,  das 
Boot,  die  Grube,  die  Sehraube  und  die  Mühle  sind  nun  vor- 
handen. Soll  aber  etwas  in  jeder  Rücksicht  beendigt  und  abge- 
schlossen gedacht  werden  ,  so  tritt  auch  eine  neue  Form  dieser 
Vergangenheit  ein ,  nämlich :  häjd  hewen  und  wähn  hewen  mit 
dem  zweiten  Mittelwortc ,  wohin  auch  die  letzten  Beispiele  der 
vorigen  Anmerkung  zu  §.  183  gehören,  als:  Ick  häw  man 
Gijlpung  slän  häjd,  ich  habe  meinen  Geldbeutel  verloren  gehabt; 
dät  Shäp  het  sunken  wähn ,  das  Schiff  ist  gesunken  gewesen ;  ick 
häw  miridden  ivähn ,  bin  ausgerilten  gewesen ;  der  Geldbeutel 
ist  nun  wieder  gefunden,  das  Schiff  aus  der  Tiefe  gehoben,  und 
ich  bin  wieder  nach  Hause  gekommen. 


269 

§.  185.  Die  Zukunft.  Die  beziehungslose  Zukunft  zeigt  gera- 
dezu an,  dass  künftig  etwas  geschehen  Averdc ,  als:  lie  xvorl 
mjdrne  räise ,  er  a\  iid  morgen  reisen  ;  lie  wort  äjt  Sävdäi  präjlc , 
er  wird  am  nächsten  Sonntage  predigen ;  jö  wart  dilllng  noch 
häme  ^  sie  vtird  heule  noch  kommen;  ick  ward  innebliwwe ,  ich 
werde  zu  Hause  bleiben.  Diese  Zeit  wird  aus  dem  Wnndehvorle 
des  Zeilwortes  und  worden  (werden)  gebildet,  als:  släirwen  wor- 
den ,  släicn  worden .  släipen  worden.  Diese  Bildungsform  gilt 
sowohl  für  den  Wirkungsstand,  als  bei  allen  ziellosen  Zeilwörtern. 
Beim  anhebenden  Zustand  des  Leidensslandes  setzt  man  das  zweite 
Mittelwort  zwischen  worden  ivorde7i  {v>cvdcn  weixleu):  worden  släien 
worden  ,  worden  fordräwen  worden  ,  worden  fängel  tvorden  ,  als  :  ick 
Word  släien  worden  ,  wc  worde  fanget  worden  ,  ja,  worde  fordräwen 
worden.  Beim  andauernden  Zustande  tritt  das  zweite  Mittelwort 
zwischen  worden  urui  when  ,  als:  ivorden  äiijnlägen  wesen  ,  ja  ivorde 
äujnlägcn  wescn,  he  ivorl  släien  tvesen  ,  däl  Hüss  wort  bdggd  wesen. — 
Auch  bei  Mulhmaassungen  wird  diese  Form  gebraucht,  als:  he 
wort  forligt  mägonge ,  he  wort  wäjl  faale  Gijl  fortiene ,  ick  liew , 
jö  wort  här  nög  hcfräie ,  sie  wird  sieh  wohl  vcrhcirathcn;  he  wort 
nög  äpkäme ,  er  wird  wohl  aufkommen  u.  s.  w.  Siatt  worden 
gebraucht  man  auch  wällen  (wollen),  wenn  der  Wille  des  Men- 
schen daran  Theil  nimmt ,  als :  ick  wäll  anrdemjärnc  ütträise 
(übermorgen  verreisen) ;  he  wäll  sin  Hüss  forkuppe ;  jö  wäll  har- 
ren Mann  forläjtte ,  sie  will  ihren  Mann  verlassen. 

Zeiten  in  Beziehung. 

§.  486.  Diese  sind:  1.  die  Gegenwart  in  der  Vergangenheit 
oder  die  gewesene  Gegenwart  (Imperfeelum) ;  2.  die  gewesene  Ver- 
gangenheit (Plusquamperfeclum);  5.  die  geschlossene ,  gewesene  Ver- 
gangenheit (Plusquamperfectum  finitum),  und  4,  die  Vergangenheit 
in  der  Zukunft  oder  die  gewesene  Zukunft  (Futurum  exactum). 

§.  487.  Die  gewesene  Gegenwart.  Dieser  Zeit  bedienen  wir 
uns,  um  anzuzeigen,  dass  wir  bei  etwas  Vergangenem  gegen- 
wärtig gewesen  sind  ,  oder  wenn  etwas  als  gleichzeitig  gesche- 
hend dargestellt  werden  soll,  wovon  das  eine  sich  auf  das  andre  be- 
zieht, weshalb  dann  auch  der  Salz  allemal  durch  einen  zweiten 
zu  ergänzen  isl ,    der  mit  als  anfängt ,    und    den   man  sich  auch 


270 

da  immer  hinzudenken  rauss ,  wo  er  nicht  angcgehen  ist ,  z.  B. 
Ick  was  tö  haaiv  ,  ds  'e  Prdwst  präjtet ,  ich  war  zur  Kirche  ,  als  der 
Probst  predigte  ;  ick  licwd  min  Süsler  {äs  noch  Idwei) ,  ich  lieble 
meine  Schwester  (als  sie  noch  lebte) ;  ich  släip  in  ,  ds  ick  Opium 
fangen  fiäi ,  ich  schlief  ein,  als  ich  Opium  erhalten  halle;  de 
Bürre  ging  jüst  faarbäi,  ds  jö  Mellenrultw  aufßng,  der  Bauer  ging 
gerade  vorbei ,  als  die  Mühlenruthe  herabflog.  Frage  ich  :  huhm 
sähs  däl?  wer  sagte  das?  so  setze  ich  voraus,  dass  der  Gefragte 
die  Aussage  des  Andern  geiiört  habe ,  sehr  verschieden  von : 
hulim  hei  dal  säidP  wer  hat  das  gesagt?  wo  bloss  nach  etwas 
Vergangenem  oline  alle  Beziehung  gefragt  wird.  Diese  Zeit  wird 
häufig  beim  Erzählen  längst  und  jüngstvergangener  Begebenheiten 
und  Ereignisse  gebraucht,  um  dieselben  lebhafter  darzustellen, 
z.  B.  »An  Jesus  slrigd  sin  Hmijnn  üll ,  hjärd  hdm  äiijn ,  an  sähs: 
ick  wdlit  düjn ,  wes  rien !"  Matih.  8  v.  5.  y>Än  Gödd  magel  en 
groll  Ljägl ,  diiVe  Däi  regiercl ,  an  cn  IdjU  Ljägl ,  dirr  'e  Nagt  regie- 
ret;  dirtö  og  Släire.     i  Mos.  4  v.   46. 

§.  488.  Die  gewesene  Vergangenheit.  Die  gewesene  Gegenwart 
setzt  uns  so  in  die  Vergangenheit  zurück,  dass  etwas  in  derselben 
gleichsam  vor  unsern  Augen  oder  in  Gegenwart  des  Erzählenden 
vorgegangen  ist,  wogegen  aber  die  gewesene  Vergangenheit  etwas 
angiebt ,  was  vor  der  Zeit  geschehen  ist,  in  welche  wir  versetzt 
werden  ,  wie  z.  B.  He  häi  däl  liräif  all  äw'e  Post  brögt,  äs  ick 
äujnkanm ,  er  halle  gebracht,  als  u.  s.  w.  He  häi  me  dät  all 
ihnsen  ihr  säid ,  er  hatte  mir  das  schon  einmal  früher  gesagt 
(als  eres  mir  zum  zweiten  Male  sagte).  —  A's  ick  ültkjärd,  häi  'lall 
ävjnfänget  lö  renen  ;  de  Thief  ivax  all  änjnihiemen  ,  ds  efter  hdm 
sägten ;  he  häi  ütlriddcn  wähn ,  äs  wäi  tö  Iidm  kaumen ;  de  Jäger 
häi  dät  Reef  all  shähn ,  äs  Paul  sin  Fängjörn  [aar  't  Haaling 
stdlld ,  der  Jäger  hatte  den  Fuchs  schon  geschossen ,  als  Paul 
sein  Fangeisen  vor  die  Oeffnung  der  Grube  stellte, 

§.  489.  Die  geschlossene,  gewesene  Vergangenheit.  Wenn  ich 
erzähle:  he  het  sän  A'mledder  sldn  häjd ,  er  hat  sein  Taschen- 
messer verloren  gehabt ,  so  unterscheidet  sich  diese  Form  nur 
dadurch  von  der  der  geschlossenen  Vergangenheit,  dass  het  in  häi, 
[hat  in  halle  und  hätte)  verwandelt  wird.  Z.  B.  He  häi  dilling  all 
ijnsen   üttridden   tvähn ,  ds   wdt  (er  und  ich)  md  enauser  iö  angeln 


271 

gingen ,  er  war  heute  schon  einmal  ausgerillen  gewesen ,  als  wir 
mit  einander  gingen,  um  zu  angeln;  sän sihssene  Gijlpiing ,  dirr'er 
all  träic  shin  Jiii'ul  Iiäi ,  was  nö  wilisser  wäg ,  sein  seidener  Geld- 
beutel, den  er  schon  dreimal  verloren  gehabt  hatte,  war  nun 
wieder  weg;  man  Sahn  fortelld,ds  Paul  äujnl  Sfiäujl  hiemen  was, 
häi  'r  sin  Bauche  forjähn  häjd ,  an  dirrfaar  wihsscr  tohüss  gonge 
möst,  am 's  tö  halcn ,  mein  Sohn  erzählte,  als  Paul  in  die  Schule 
gekommen  wäre ,  hätte  er  seine  Bücher  vergessen  gehabt  und 
deshalb  wieder  nach  Hause  gehen  müssen,  um  sie  zu  holen; 
he  häi  sän  Lachse  forjähn  häjd,  äs  'r  dpsedde  shäujlt  /mi,  er  hätte 
seine  Lection  vergessen  gehabt,  als  er  hätte  aufsagen  sollen. 

§.  i90.  Die  gewesene  Zuhnnft.  Wir  können  uns  eine  Vergan- 
genheit in  der  Zukunft  schon  als  beendigt  und  abgeschlossen 
denken,  wofür  die  nordfriesische  Sprache  sehr  bestimmte  und 
geläufige  Zeitformen  durch  ihre  drei  llülfszeitwörter  wesenjieiven 
und  worden  zu  bilden  vermag ,  die  sie  alle  drei  in  einigen  der- 
selben mit  einander  verbinden  kann ,  was  in  den  ihr  verwandten 
Sprachen  nicht  möglich  und  daher  auch  in  denselben  nicht  nach- 
zubilden ist.  Die  Formen  dafür  sind  folgende:  1.  worden  hewen; 
2.  worden  würden  wesen;  5.  worden  ivähn  hewen;  4.  worden  wähn 
würden  wesen;  5.  worden  wähn  häjd  hewen;  aber  nur  in  Verbin- 
dung mit  irgend  einer  andern  Vorstellung  können  wir  diese  For- 
men anwenden,  als:  he  wort  ahn  hewen,  ihr  du  wilisser  lobdhg 
kämst,  er  wird  gegessen  liabcn ,  ehe  du  wieder  zurückkommst; 
he  wort  ävjnset  würden  wesen,  wän  'e  Kinning  hirr  kämt,  er  wird 
angestellt  w  orden  sein ,  wenn  der  König  hier  kommt ;  ja  worde 
longens  ült  't  Rick  wähn  hewen  ,  ihr't  'e  Kaiser  äujnhäi  kämt ,  efter 
jäm  tö  säjcken ,  sie  werden  längst  aus  dem  Reiche  g('^^  esen  sein , 
ehe  es  dem  Kaiser  in  den  Sinn  kommt,  nach  ihnen  zu  suchen; 
we  ivorde  fanget  wähn  tvürden  wesen ,  wörtlich :  wir  werden  gefan- 
gen gewesen  worden  sein;  wc  worde  dirr  wähn  häjd  hewen,  ihr't 
Ihr  dm  äs,  wir  werden  da  gewesen  sein  (gehabt  haben),  ehe 
das  Jahr  um  ist.  —  Ferncrc  Beispiele :  Ick  ward  ültsläipen  hewen , 
ihr  dö  klär  tvorst ,  ich  werde  ausgeschlafen  haben  ,  ehe  du  fertig 
wirst ;  de  Slägicr  wort  dät  Laumm  fälld  hewen  ,  wän  'e  Klöck  licn 
släit ,  der  Schlächter  wird  das  Lamm  gefillt  haben,  wenn  die 
Glocke  zehn    schlägt;  he  wort  wälihl  würden  wesen,  ihr  't  Mdddäi 


luorl ,  er  wird  gewählt  w  orden  sein ,  ehe  es  Mittag  wird ;  däl 
Hüss  wort  häggd  würden  wescn,  wdn  'e  Amtmann  inlijn  sltall,  das 
Haus  wird  gebaut  worden  sein,  wenn  der  Amtmann  einziehen  soll. 

Annier/cung, 

In  dem  Satze :  dät  Hüss  ivorl  bdggd  wesen ,  wird  der  Zustand 
des  Hauses  als  andauernd  in  einer  Zeit  der  Zukunft,  die  wir 
uns  gleiclisam  gegenwärtig  denken  ,  oder  als  bleibend  in  der 
Gegenwart  der  Zukunft,  bezeiehnet,  entsprechend  der  Form  der 
Gegenwart:  dät  Hüss  äs  bdggd!  das  Haus  ist  gebaut.  Bat  Hüss 
wort  bdggd  würden  wesen,  drückt  nur  geradezu  die  Vollendung 
des  Bauens  in  einem  Zeilpuncte  der  Zukunft  aus,  wodurch  erst 
der  andauernde  Zustand  bedingt  wird,  entsprechend  der  Form: 
dät  Hüss  wort  häggd  worden  ,  wird  gebaut  werden.  —  Bat  Hüss 
lüort  häggd  ivälin  Itewen ,  bezeichnet  die  Vergangenheit  als  abge- 
schlossen in  der  Zukunft ,  entsprechend  der  Form  :  dät  Hüss  het 
häggd  iväfin ,  ist  (hat)  gebaut  gewesen.  Bat  Hüss  ivort  bdggd  wähn 
häjd  Itewen,  drückt  die  geschlossene,  verdrängte  Vergangenheit  in 
der  Zukunft  aus,  entsprechend  der  Form:  dät  Hüss  het  bäggd 
wähn  häjd,  wörtlich:  das  Haus  hat  gebaut  gewesen  gehabt, 
d.  i.  ist  gebaut  gewesen.  Der  nordfriesischen  Sprache  sind 
diese  Zeilformen  eigenlhümlicii  und  leicht ,  weil  sie  sowohl 
hewen  und  wesen ,  als  auch  in  vorkommenden  Fällen  alle  drei 
Hülfswörter  ,  ivorden ,  ivesen  und  hewen ,  mit  einander  verbinden 
kann. 

Personen  des  Zcilworfes  in  beiden  Zahlen. 

§.  191.  Das  Zeilwort  verändert  seine  Endungen,  je  nachdem  die 
ihm  vorgesetzten  Haupt-  und  Fürwörter  in  der  Einheit  oder  Mehrheit 
stehen,  als:  de  Kräjdder  hräit ,  der  Hahn  kräht,  de  Gönner  snascrt , 
der  Gänserich  schnattert ,  da  Hünne  bjäwse ,  die  Hunde  bellen  , 
da  inerte  swumme ,  die  Enten  schwimmen.  Nach  den  Personen 
bekommt  es  folgende  Abänderungen. 

Einheit. 

Erste    Person.    Hier    verliert    das    Zeitwort    die    Endung    seiner 
Wandelform    en ,    als:    ick  liew ,  ich  liebe,    glaube;  ick  law,    ich 


273 

lebe;  ick  gong,  gehe;  ick  rldd,  reite;  ick  ä/is,  esse;  ick  s/iriww , 
schreibe,  ii.  s.  w.  Die  Zeitwörter  mit  den  Endungen  ein  und  ern 
verlieren  bloss  ihren  Endbuchstaben  n,  als:  sprdiveln,  icksprdivel, 
ich  strample;  sjühsseln,  ick  sjültsscl,  ich  pässlc;  bäivcrn,  ickbäwer, 
ich  bebe ,  u.  s.  w. 

Zweite  Person.  Der  Stammsilbe  des  ganz  regelmässigen  Zeit- 
wortes wird  hier  die  Silbe  est  angehängt ;  die  mehr  oder  weniger 
unregelraässigen  ,  so  wie  auch  die  auf  ein  und  er«,  bekommen  nur 
den  Buchstaben  st  als  Zeichen  der  zweiten  Person,  als:  dö  borest, 
du  bohrest ;  dö  klagest,  du  klagst ;  dö  fragest ,  du  fragst ;  dö  dräivest , 
A\xiT\ü&i\döträivest,  du  trabest,  u.  s.  w.  Unregelraässig:  (ZöAämsf, 
du  kommst ;  c?ö  sjögst,  du  siehst;  Jö  bräjngst,  du  hringst;  dö  gongst, 
du  gehst, u.  s.  w.  Shellewen ,  dö  shellewst ;  kldjngern ,  dö  kldjngerst; 
rdjngeln ,  dö  rdjngelst ;  gräpeln ,  dö  gräpelst,  u.  s.  w. 

Dritte  Person.  Hier  bekommt  das  Zeitwort  die  Endung  et , 
oder  auch  nur  ein  /  am  Ende,  Die  ganz  regelmässigen  bekom- 
men et,  die  übrigen  bloss  t;  als:  he  Idivet,  er  lebt;  jö  kälct,  sie 
holt;  hdt  kröget,  es  drückt;  dät  rippet,  es  reift.  Unregelmässig: 
fie  gongt,  er  geht;  jö  sdtt,  sie  sitzt;  hdt  gällt,  es  weint;  dät 
rint ,  es  regnet ;  he  stämmert ,  er  stottert ;  jö  bjdrselt ,  sie  bürstet. 
Diejenigen  Zeitwörter,  welche  sich  auf  nien  endigen,  wie  gähs- 
men ,  gähnen;  brähsmen ,  sich  erhitzen,  vom  Heu;  fäiksmen , 
fadmen ;  shwiermen ,  schwärmen  ;  stiermen ,  riechen  ;  Hermen ,  här- 
men, und  ähnliche,  bekommen  das  e  vor  dem  m,  als:  he  gäsenit, 
dät  Födder  bräsemt,  he  fäisemt ,  he  shwieremt  dmbäi,  Jö  sHeretnt, 
he  hei^emt  ham ,  er  härmt  sich. 

Zweiheit  und  Mehrheit. 

Die  erste  und  zweite  Person  im  Dualis  sind  den  drei  Personen 
in  der  Mehrheit  gleich ;  das  Zeitwort  verliert  hier  seinen  End- 
buchstaben w,  und  behält  das  e  bei;  als:  ivdt ,  jät ,  we ,  jdm  ^ 
jd  spdle ,  greive ,  snäke ,  hdrke  ,  bdgge ,  stäujnne ,  gonge ,  u.  s.  w. 
Diess  gilt  ausnahmlos  für  alle  Zeitwörter  ohne  Unterschied  in 
der  Mehrheit  der  Gegenwart ;  wogegen  die  Mehrheit  der  gewe- 
senen Gegenwart ,  das  Imperfectum  ,  auch  ohne  Ausnahme ,  die 
Endung  en  bekommt,  als:  tvdt ,  jdt ,  we ,  jdm,  jd  spähten,  grau- 
fen,  snäketen,  hdrketen,  bdggden ,  sfijnnen ,  gingen,  gräpelton,  kl djn- 


274 

gfrten ,  ddjngerten  u.  s.  w. ,  wir  spielten ,  gruben  ,  sprachen  , 
horchten  ,  bauten  ,  standen ,  gingen  u.  s.  w. ,  für  alle  Personen 
der  Zweiheit  und  Mehrheit. 

Anmerkung. 

In  altern  Zeiten  fehlte  auch  das  End  -e  im  Hochdeutschen  bei 
der  ersten  Person  der  Gegenwart ,  wie  z.  B.  ich  geh ,  ich  bleib , 
ich  dien,  u.  s.  w. ,  wie  noch  jetzt  im  Oberdeutschen ,  wo  man  es 
hiäufig  wTglässt.  Im  Platt-  oder  iNiederdeutschen  findet  man  es 
so  wenig,  wie  im  Friesischen,  als:  ick  slaap ,  ick  ivaak ,  ick  schriew , 
iek  lato  u.  s.  w.  Dagegen  fügt  der  Däne  seinem  Wandelworte  hier 
in  allen  Personen  der  Einheit  den  Buchstaben  r  zu ,  wie  z.  B. : 
at  leve  (leben) :  jeg  lever ,  du  lever ,  han  lever ,  det  lever ,  welches 
bei  allen  drei  Personen  in  der  Mehrheit  wieder  wegfällt,  als: 
vi  leve ,  1  leve  ,  de  leve. 

Eigene  Bildungen  durch  die  fVandelform  des  Zeitwortes. 

§.  192.  Wie  im  Deutschen ,  geht  die  Wandelform  des  Zeit- 
wortes mit  den  Hülfswörtern  Äewjßw ,  wesen  und  u'on/e«,  vermittelst 
des  Wörtchens  tu  {zu),  neue  Verbindungen  ein,  als:  tö  lesest  heiven, 
zu  lesen  haben;  tö  lesen  ivesen,  zu  lesen  sein;  tö  fordäwwen  wor- 
den ,  zu  verdauen  werden  ;  tö  mäjlte  kämen  worden ,  übel  anlaufen 
werden.  —  Anwendung:  dö  bdst  tö  beklagen;  dät  ds  äi  ütttöspre- 
gen,  nicht  auszusprechen;  dirr  ds  äi  klaiick  Uli  tö  worden;  ick 
häw  faale  tö  sfiriwiven ;  ja  häwe  nint  tö  bitten  an  tö  brännen  ;  dät 
Holt  ds  äi  tö  brücken ;  dirr  äs  noch  klär  mä  tö  worden ;  dät  Rümm 
äs  äi  dptötviermen ,  das  Zimmer  ist  nicht  zu  erwärmen ;  dirr 
worl  wdt  tö  grcwen  worden ;  dirr  ds  nint  lö  hälen ;  dirr  ds  man 
läiet  tö  fortienen ;  dö  hähst  hirr  nint  tö  sedden;  de  Kolle  ds  äi 
ütttöhüjllen  ;  dirr  ds  en  Biese  tö  sieen  ,  u.  s.  w. 

Die  Mittelwörter. 

§.  195.  Die  Mittelwörter  entstehen  aus  dem  Zeitworle,  und 
machen  den  Uebergang  von  diesem  zu  dem  zeitwörtlichen  Bestim- 
munssworle ,  indem  sie  mit  beiden  ,  dem  Zeit-  und  dem  Bestim- 
mungsworte ,  etwas  gemein  haben  ,  weshalb  sie  eben  den  Namen 
Mittelwörter  führen;  z,  B.  de  liewende  Fidder ,  der  liebende  Vater; 


27Ö 

de  ihrekrönede  Mönn ,  der  elirengckrönle  Mann.  Das  erste  Aliüel- 
wort  wird  dadurch  gebildet ,  dass  man  dem  Wandelworte  ein 
d  anhängt,  wie  im  Deutschen,  als:  liewend,  sjöngcnd ,  dönsend , 
spälend ,  u,  s.  w,  Ihr  Gebrauch  ist  folgender:  de  jliecnde  Füget; 
de  dönsende  Dring ;  de  sivummende  Fäsh ;  jö  läkend  Fömmen ;  dät 
bräunend  Hüss ;  de  släir wende  ^U/iäte  (Grossvater) ;  en  flicemlcn 
Fögel ;  en  swiimmenden  Fäsh;  en  brännend  Hüss;  en  liewend  Mod- 
der; en  släirwenden  ^It/täle.  Hinter  dem  Haupt-  und  Fürworte 
stehen  sie  unverändert ,  als :  de  Fögel  äs  flieend ;  de  Fäs/i  ds 
swummend;  he  äs  släipend ,  dö  hast  häjnkend. 

§.  d9i.  Das  zweite  Mittelwort  endigt  sich  bei  ganz  regelmäs- 
sigen Zeitwörtern  allemal  auf  et ,  und  bei  denjenigen  ,  die  mit 
den  Endungen  men,  igen,  etn  und  ern  versehen  sind,  auf  t,  wo 
dann  die  Endung  men  in  enit  verwandelt  wird.  Beispiele:  läwel, 
gelebt;  släivet ,  geschleppt;  ägtet,  geachtet;  dröget,  getrocknet,- 
plaiiget,  gepflügt;  betätet,  bezahlt;  gässemt,  gegähnt;  slieremt, 
gerochen;  hunigt,  gehöhnt;  wänigt,  gewöhnt;  häwett,  gehobelt; 
kräivelt ,  gekrüppelt;  rupett ,  aufgewunden;  släsert,  geklatscht, 
geplaudert ;  hännert ,  gehindert ;  Idtinert ,  gelindert.  Das  halb 
regelmässige  endigt  sich  auf  rf,  als:  bekännd,  bekannt,  eingestan- 
den; brännd,  gebrannt;  dräid,  gedreht;  fetld,  gefüllt;  tetld,  ge- 
zählt; bühd,  gearbeitet;  töid,  gethaut,  u.  s.  w. 

Bei  dem  ganz  unregelmässigen  Zeitworte  finden  wir  eine  Menge 
abweichender  Formen  und  Endungen,  als:  slängd,  geschlungen; 
shäss,  geschieden;  ret,  gerathen  ,  errathen  ;  häjtten,  geheissen; 
bahn  f  gebeten;  gräm,  gegriffen;  stähm,  geschliffen;  säjn  ,  ge- 
sehen; täien,  gelegen;  gldn,  geglitten;  dräwen,  getrieben,  u.  s.w. 
(Siehe  das  unregelmässige  Zeitwort). 

§.  195.  Ein  besonderer  Ausdruck  ist  hier  zu  erwähnen,  wel- 
cher, ebenfalls  wie  im  Deutschen,  die  Bedeutung  eines  Participii 
Futuri  Passivi  hat.  Er  ist  der  Form  nach  dem  ersten  Mittel- 
worte ähnlich,  mit  vorgesetztem  tö,  als;  de  tö  liewende  Fidder, 
der  zu  liebende  Vater;  de  äi  tö  forbäsernde  Sahn,  der  nicht  zu 
bessernde  Sohn;  de  huchtöforihrende  Hiere,  der  hochzuverehrende 
Herr;  de  tö  bresende  Seme,  die  zu  flechtende  Seime;  de  tö  grün- 
nende  Wijtte,  der  zu  mahlende  Weizen;  de  tö  betälende  Söme ,  die 
zu  bezahlende  Summe;  da  tö  bdggende  Hühssingc ,  die  zu  bauenden 


276 

nauser;f/ft  tö  bctviinnernde  Wüssedc  ,Vrauenz'\mmcr ;  da  tö  forägtende 
Bcdregere,  ßetrieger.  Aber  nur  das  zielende  Zeitwort  gestattet 
diese  Form.  Bekanntlich  ist  sie  entstanden  aus  dem  alten  von 
tö  regierten  Dativ  des  Wandclwortes  [to  liewene),  mit  euphonisch 
eingeschobenem  d. 

Abwandlung  (Conjiigalio)  des  Zeitwortes. 

§.   196.     Das  Hülfszeilworl  weseii  [sein). 

Mittelwörter:  Istes:  wesend,  seiend;  2tes:  tvähn,  gewesen. 
Wandelivorl :  wesen  ,   sein.     Vergangenheit :  tväfin  heiven ,  gewesen 
haben,  statt  sein;   Zukunft:  wesen  worden,  sein  werden. 

1.  Zeiten  ohne  Beziehung.      Gewissheit  in  der 

Gegenwart  (Indicativus) : 

Einheit:     Ick  bän ,  dö  hast,  he,jö,  hat,  dät  äs;  bin,  bist,  ist. 
Mehrheit:  Wdt,  jät ,  ive,  jdm,  ja  sdn;  sind,  für  alle  Personen. 

Vergangenheil. 

Einh.    Ick  hähw  ivähn,  dö  hähst  wähn,  he,jö,  hat,  dät  het  ivähn. 
Mehrh-   Wdt,  jät,  we,  jäm,  ja  häwe  wähn. 

Geschlossene  Vergangenheit. 

Einh.  Ick  hähw  wähn  häjd,  dö  hähst  wähn  häjd,  he  het  ivähn  häjd. 
Mehrh.  Wdt,  jät,  we,  jäm,  ja   häwe  wähn  häjd.   Die  Bildungsform 

ist  hier:   ivähn  häjd  hewen   (gewesen    gehabt    haben),  die  man 

im  Deutschen  nicht  nachbilden  kann. 

'  Bedingung. 

Einh.  Ick  ivörd  weseti,  dö  wördst  wesen,  he,  jö  u.  s.  w.  ivörd  ivesen. 
Mehrh.  Wät ,  jät ,  we ,  jätn ,  ja  ivörden  ivesen. 

2.  Zeiten  in  Beziehung.     Gewesene  Gegenwart. 

Einh.  Ick  was,  dö  wjärst,  he,  jö,  hat,  dät  was. 

ßlchr.  Wät,  jät,  we,jdm,jä  wjärn;  waren,  für  alle  Personen. 

Gewesene  Vergangenheit. 

Einh.  Ick  häi  ivähn,  dö  häisl  wähn,  he,  jö,  hat,  dät  häi  wähn. 
Mehrh.  Wät,  jät,  we,jäm,jä  häjn  wähn;  (hatten,  statt  waren). 


277 


Geschlossene ,  gewesene  Vergangenheit. 

Einh.  Ick  häi  wähn  häjd,  dö  häist  wähn  häjd,  he  liäi  wähn  häjd. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  jdm,jä  häjn  wähn  häjd.     Die  Bildungsform: 

ivähn   häjd  Iicwen    (gewesen    gehabt    haben ,    gleichsam ;    waren 

gewesen  gewesen)   ist  nicht  nachzubilden. 

Bedingung. 

Einh.  Ick  ward  ivähn  hewen ,  dö  wardst  wähn  hewen ,  he  wörd  wähn  h. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,    we,jdm,jä   worden  wähn  hewen,   würden    ge- 
wesen haben,  statt:  würden  gewesen  sein. 

Bedingung. 

Einh.  Ick   wörd  wähn  häjd   hewen,   dö  wardst   wähn  häjd   hewen, 

he,  jö,  hdt,  dät  wörd  wähn  häjd  hewen. 
Mehrh.  Wät,  jdt,  tve,jdm,  jd  worden  ivähn  häjd  hewen,  wörtlich: 

würden  gewesen  gehabt  haben. 

Befehl. 

Einh.  Wehs!  sei!  ivehs  dö,  he,jö,  dät. 
Mehrh.  Wehs!  seid!  wehse  jdt ,  jdm ,  jd ! 

§.   197.     Das  Hidfszeitwort  worden  (werden). 

Mittelwort,  Istes:  ivordend,  werdend,  2.  worden,  worden. 
Wandelform :  ivorden  ,  werden.   Vergangenheit:  tvörden  ivesen,  wor- 
den sein;  Zukunft:  ivorden  ivorden,  werden  werden. 

1.     Zeiten  ohne  Beziehung.     Die  Gegenwart  (Praesens). 

Einh.  Ick  word,  dö  warst,  he,  jö,  hdt,  dät  wort. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  jäm,  ja  worde,  werden. 

Vergangenheit. 

Einh.  Ick  bdn  worden,  dö  bäst  worden,  he  ds  worden  u.  s.  w. 
Mehrh.  Wät,  jdt,  we,  jdm,  jd  sdn  worden. 

Zukunft. 

Einh.  Ick  word  worden,  dö  worst  worden,  he  wort  worden  u.  s.  w, 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  jdm,  jd  worde  ivorden. 


278 


Bedingung. 

Einli.  Ick  wörd  ivorden,  dö  tvördst  tvorden,  he  wörd  worden  u.  s.  w. 
Mehrli.  Wdt,jät,  ive ,  jäm ,  ja  worden  worden. 

2.     Zeiten  in  Beziehung.     Gewesene  Gegenwart. 

Einli.  Ick  wörd,  dö  wardst,  he,  jö,  hat,  dät  wörd. 
Mehrh.  Wdt,jät,  ive,jdm,jä  worden,  wurden. 

Gewesene  Vergangenheit. 

Einh.  Ick  was  ivörden ,  dö  wjärst  worden,  he,  jö,  hat,  dät  was  worden. 
Mehrh.  Wät ,  jdt ,  we ,  jdm ,  ja  wjärn  worden. 

Gewesene  Zukunft. 

Einh.  Ick    word   worden  wesen ,  dö  warst   worden  wesen ,    he   wort 

worden  wesen. 
Mehrh.  Wdt,  jät,    we ,  jdm,  jd   worden   worden    wesen,     werden 

worden  sein. 

Bedingunfj. 

Einh»  Ick   wörd  worden   wesen,  dö  tvördst  worden  wesen,  he,  jö, 

hat,  dät  wörd  worden  wesen,  würden  worden  sein. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  jdm,  jd  worden  worden  wesen. 

Befehl. 

Einh.  Word!  werde!  word  dö,  he,jö,  hat,  dät! 
Mehrh.  Worde  jdt,  jdm,  jd! 

§.  198.     Das  Hülfszeitwort  liewen  {haben). 

Wandelform:  hewen.     Vergangenheit :  häjd  hewen,  gehabt  haben. 
Zukunft:  hewen  ivorden,  haben  werden. 

1.     Zeilen  ohne  Beziehung.     Die  Gegenwart. 

Einh.  Ick  hähw,  dö  hähst,  he,  jö,  hat,  dät  het;  habe,  hast,  hat. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  jdm,  jd  häwe,  wir  u.  s.  w.  haben. 

Vergangenheit. 

Einh.  Ick  hähw  häjd,  dö  hähst  häjd,  he,  jö,  hat,  dät  het  häjd. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  jdm,  jd  häwe  häjd,  wir  u.  s.  w.  haben  gehabt. 


ild 


Zukunft. 

Einh.  Ick  word  hewen,  clö  ivorst  hewen,  he,  jö,  liät  wort  hewen. 
Mehrh.  Wät,  jdt,  we,  jäm,  ja  worde  hewen,  werden  haben. 

Bedi7igung. 

Einh.   Ick   wörd,   dö   wardst,   he  wörd  heiven. 
Mehrh.  Wät,  jdt,  we,  jäm,  ja  worden  hewen. 

2.     Zeilen  in  Beziehung.     Die  gewesene  Gegenwart. 

Einh.  Ick  häi,  dö  häist,he,  jö,  hat,  dät  häi,  hatte. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  jdm,  ja  häjn,  hatten. 

Gewesene  Vergangenheit. 

Einh.  Ick  häi  häjd,  dö  häist  häjd,  he  häi  häjd,  halle  gehabt. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  jdm,  jd  häjn  häjd,  halten  gehabt. 

Gewesene  Zukunft. 

Einh.  Ick  word  häjd  heiven,  dö  worst  häjd  heiven ,  he  wort  häjd  hewen. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  jdm,  jd  worde  häjd  hewen,  werden  gehabt 
haben. 

Bedingung. 

Einh.  Ick  wörd  häjd  heiven ,  dö  wardst  häjd  hewen ,  he  wörd  häjd  hewen. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  jdm,  jd  worden  häjd  hewen. 

Befehl. 

Einh.  Hew!  habe!  hew  dö,  he,  jö,  hdt,  u.  s.  w. 
Mehrh.  Heive  jdt,  jdm,  jd,  ii.  s.  w. 

Anmerkungen. 

i.  Die  Abwandlung  der  beiden  Hülfswörter  worden  und  hewen 
ist  mit  der  deutschen  Conjugation  dieser  beiden  Wörter,  werden, 
haben  ,  übereinstimmend;  nur  endigen  sie  sich  in  der  Mehrheit 
auch  häufig  auf  e,  und  werfen  das  n  ab,  und  nur  bei  Verrau- 
thungen  behalten  sie  allemal  die  Endung  en,  was  ebenso  von 
wesen   gilt,   als:   ick   wdll  dirr   di  tvese,  jd   wdn  dirr  diwese;  als 


280 

Vermuthiing  heisst  es  aber:  he  wort  dirr  wesen,  ja  worde  dirr 
wesen,  ja  worde  dirr  wälin  hewen,  u.  s.  w.  Das  Word  wesen  hat 
zwei  Zeitverhcältnisse  und  eine  bedingende  Form  mehr,  als  das 
deutsche  sein,  die  aus  der  Verbindung  desselben  mit  Itewen 
entstehen.  Altlings  hiess  diess  Wort  auch  wesen  im  Hochdeut- 
schen, wie  noch  jetzt  im  Niederdeutschen  und  Friesischen ;  daher 
das  Wesen,  die  Wesenheit,  wesentlich,  Verweser,  u.  s.  w. 

2.  Die  deutsche  Sprache  hat  darin  einen  Mangel,  dass  sie  die 
Vergangenheit  durch  die  Zeitformen  des  Hülfswortes  sein  nicht 
als  völlig  abgeschlossen  darstellen  kann.  Z.  B.  er  erzählte,  der 
Prediger  sei  schon  in  der  Kirche  gewesen,  als  der  Küster  ankam. 
Hier  bleibt  es  durchaus  unentschieden,  ob  der  Prediger  noch  hei 
der  Ankunft  des  Küsters  in  der  Kirche  verharrte,  oder  ob  er 
sich  vor  derselben  wieder  entfernt  hatte.  Nach  dem  Friesischen: 
he  fortelld,  de  Prester  häi  all  äiijn  'e  Sjürk  wähn,  äs  'e  Küster 
kaum ,  muss  er  noch  da  gewesen  sein ;  und  wenn  er  sich  vor 
des  Küsters  Ankunft  wieder  entfernt  hätte,  würde  es  heissen 
müssen:  de  Prester  häi  all  äujn  'e  Sjürk  wähn  häjd,  äs  'e  Küster 
kiemen  was,  wodurch  die  Vergangenheit  völlig  abgeschlossen  wird. 
So  auch  in  der  geschlossenen ,  gewesenen  Vergangenheit ,  als : 
he  häi  'r  all  twäie  wähn  häjd,  äs  'r  dät  tred  Töch  Bohse  kaum, 
er  war  schon  zwei  Mal  da  gewesen  (gewesen) ,  als  man  zum  drit- 
ten Male  nach  ihm  schickte;  in  der  Bedingung  der  geschlossenen 
Zukunft,  oder  richtiger  in  der  geschlossenen  Vergangenheit  der 
Zukunft,  als:  ick  wiyrd  V  all  longens  wälin  häjd  hewen,  wän  ick 
äi  kränk  wähn  häi,  wörtlich:  gewesen  gehabt  haben.  —  Ich 
würde  schon  längst  da  gewesen  sein,  ist  wieder  unbestimmt, 
weil  hier  die  Andauer,  so  wie  der  AbscJiluss  des  Seins  zweifel- 
haft bleibt.  Andere  Formen  entsprechen  wieder  einander  in  bei- 
den Sprachen,  wenn  auch  die  Hülfswörter  verschieden  sind,  als: 
wän  ick  dirr  wähn  häjd  hähw,  so  wäll  ick  tö  de  käme,  wenn  ich 
da  gewesen  sein  werde,  so  will  ich  zu  dir  kommen.  Der  Nord- 
friese kann  die  verwickeltsten  Zeitverhältnisse  in  seiner  Sprache 
mit  Leichtigkeit  anwenden.  As  'r  sin  Hüss  träie  tvihsser  djibäggd 
häjd  häi,  brännd  'et  Jiäm  dät  fierd  Töch  auf,  als  er  sein  Haus 
drei  Mal  wieder  aufgebaut  gehabt  hatte,  brannte  es  ihm  zum 
vierten  Male  ab. 


281 


§.   199.     Abwandlung  des  regelmässigen  zielenden 
Zeitwortes  vermittelst  der  IJülfswürter. 

Wandelform :   ragten ,   richten. 
Mittelwörter:  Istes:   rögtend,  2tes:  rögtct. 

A.  Wirkungsstand  (Äctivum). 

Abgeleitete  Bildung s formen.     Gegenwart:  rögten,  richten. 
Vergangenheit:  rögtet  hewen,  gerichtet  haben. 
Geschlossene  Vergangenheil:    rögtet  häjd  hewen,  ger.  gehabt  haben. 
Zukunft:  rögten  worden,  richten  werden. 

Geschlossene  Vergangenheit  in  der  Zukunft:    rögtet  häjd  hewen  ivor- 
den,  gerichtet  gehabt  haben  werden, 

1.  Zeiten  ohne  Beziehung.  Die  Gegenwart. 

Einh.  Ick  rögt,  dö  ragtest,  he,  jö,  hat,  dät  rögtet,  ich  richten,  s.w. 
Mehrh.  Wät,  jdt,  ive,  jdm,  ja  rögte ,  wir  richten  u.  s.  w. 

Vergangenheit. 

Einh.  Ick  hähiv  rögtet,  dö  hähst  rögtet,  he,  jö,  hat  hei  rögtet. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  jdm,  ja  häwe  rögtet,  haben  gerichtet. 

Geschlossene  Vergangenheit. 

Einh.  Ick  hähw  rögtet  häjd ,  dö  hähst  rögtet  häjd ,  he  het  rögtet  häjd. 
Mehrh.  Wät,  jdt,   we,  jdm,  ja   häwe  rögtet  häjd,  haben  gerichtet 
gehabt. 

Zukunft. 

Einh.  Ick  word  rögten,  dö  worst  rögten,  he  ivort  rögten. 
Mehrh.  Wät,  jdt,  we,  jdm,  ja  worde  rögten. 

f^ergangenheit  der  Zukunft. 

Einh.  Ick  word  rögtet   häjd   hewen,  dö  worst  rögtet  häjd  hewen,  he 

wort  rögtet  häjd  hewen. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  jdm,  ja  worde  rögtet  häjd  hewen, 

Bedingung. 

Einh.  Ick  tvörd  rögten,  dö  wördsl  rögten,  he  wörd  rögten. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  jdm,  ja  worden  rögten. 


282 

Einh.  Ick  ivörd  rügtet  Iiäjd  hewen,  dö  ivördst ,  he  wSrd  ragtet  häjd  hewen. 
Mehrfi.  Wdt,jdt,  we,  jäm,  ja  ivörden  rögtet  häjd  hewen. 

2.  Zeiten  in  Beziehung.     Gewesene  Gegenwart. 

Einh.  Ick  rögtet,  dö  rögtetst,  he,  jö,  hat  rögtet,  richtete. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  jäm,  jd  rögteten,  richteten. 

Gewesene  F'ergangenheit. 

Einh.  Ick  häi  rögtet,  dö  häist  rögtet,  he  häi  rögtet,  hatte  gerichtet, 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  ive,jdm,jd  häjn  rögtet,  hatten  gerichtet. 

Geschlossene,  gewesene  Vergangenheit. 

Einh.  Ick  häi  rögtet  häjd,  dö  häist  rögtet  häjd,  he  häi  rögtet  häjd. 
Mehrh.    Wdt,  jdt,   we,  jäm,  ja  häjn  rögtet  häjd,  hatten  gerichtet 
gehabt. 

Gewesene  Zukunft. 

Einh.  Ick  word  rögtet  hewen,  dö  worst  rögtet  hewen ,  he  wort  rögtet  h. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we,  u.  s.  w.  worde  rögtet  hewen, -werden  gerichtet 
haben. 

Bedingung. 

Einh.  Ick  ivörd  rögtet  hewen,  dö  wardst  rögtetheiven,  he  wördrögtcth. 
ßlehrh.   Wät,  jdt,   we  u.   s.    w.   worden  rögtet  hewen,  würden  ge- 
richtet haben. 

Befehl. 

Einh.  Bögt!  rögt  dö!  he,jö,  u,  s.w.  Mehrh.  Bögte  jdt,  jdm,  u.  s.  w, 

B.  Leidensstand  (Passivura). 

I.     Anhebender  Zustand.     Abgeleitete    Bildung s formen. 

Gegenwart:  rögtet  ivorden,  gerichtet  werden. 
Vergangenheit:  ri)gtet  tvörden  wesen,  gerichtet  worden  sein. 
Zukunft:  rögtet  worden  worden,  gerichtet  werden  werden. 

1.  Zeilen  ohne  Beziehung.     Gegenwart. 

Einh.  Ick  word  rögtet,  dö  ivorst  rögtet,  he  wort  rögtet,  u.  s.  w. 
Mehrh.  Wät,  jdt,  we  u.  s.  w,  worde  rögtet,  werden  gerichtet. 


Vergangeuheil, 

Ein/t.  Ick  bau  ragtet  worden,   dö   hast  rügtet  ivörden,  he  ds  rügtet 

worden. 
Mehrh.  Wdtjät,  tve  u.  s.  w.  sdn  rügtet  worden,  sind  gerichtet  worden. 

Zukunft, 

Einh.   Ich   Word   rügtet  worden,    dö  ivorst   rügtet   worden,  he  wort 

rügtet  ivorden. 
Mehrh.  Wät,  jdt,  ive  u,  s.  w.  worde  rügtet  loorden,  werden  gerichtet 

werden. 

Bedingung. 

Einh.  Ick   wörd   rügtet   worden,   dö   wardst  rügtet  ivorden,  he  wörd 

rügtet  worden. 
Mehrh.  Wät,jdt,  ive  worden  rügtet  worden,  würden  gerichtet  werden. 

2.     Zeilen  in  Beziehung.     Gewesene  Gegenwart. 

Einh.  Ick  ivörd  rügtet,  dö  wördst  rügtet,  he  wörd  rügtet,  wurde  ge- 
richtet. 
Mehrh.  Wdt,  jät,  we  u.  s.  w.  worden  rügtet,  wurden  gerichtet. 

Gewesene  Vergangenheit. 

Einh.  Ick  was  rügtet  worden,  dö  wjärst  rügtet  worden,  he  iväs rügtet 

worden. 
Mehrh.  Wdt,  jät,  we  u.  s.  w.  wjärn  rügtet  worden,  waren  gerichtet 

worden. 

Gewesene  Zukunft. 

Einh.  Ick  word  rügtet  worden  ivesen,  dÖ  ivorst  rügtet  worden  wesen, 

he  Wort  rügtet  worden  wesen. 
Mehrh.  Wdt  u.  s.  w.  woi'de  rügtet  worden  ivesen,   werden   gerichtet 

worden  sein. 

Bedingung. 

Einh.  Ick  wörd  rügtet  worden  wesen,  dö  wördst  rügtet  worden  wesen, 

he  wörd  rügtet  worden  ivesen. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  ive  u.  s.  w.  worden  rügtet  worden  wesen,  würden 

gerichtet  worden    sein. 

36* 


284 


Befehl. 

Einh.  Word  rögtetl  word  dö,  kc,jö,  hat  rögtet!  werde  gerichtet. 
Melirh.  Worde  rögtet,  worde  jät,  tvdt,  jäm,  ja  rögtet! 

IL     Andauernder  Zustand.     Abgeleitete  Bildungs formen. 

Gegenwart:  rögtet  wesen,  gerichtet  sein, 

Vergangenheit:  rögtet  ivähn  hewen,  gerichtet  gewesen  sein. 

Zukunft:  rögtet  wesen  ivorden,  gerichtet  sein  werden. 

1.     Zeiten  ohne  Beziehung.     Die  Gegenwart. 

Einh.  Ick   bdn  rögtet,  du  hast  rögtet,  he  äs  rögtet,  ich  hin,  u.  s,  w. 

gerichtet. 
Mehrh.  Wät,jät,  ive  u.  s.  w.  sdn  rögtet,  sind  gerichtet. 

Geschlossene  Vergangenheit. 

Einh.  Ick  hähiv  rögtet  wähn,  dö  hähst,  he  hei  rögtet  wähn. 
Mehrh.  Wät,  jät,   ive   u.   s.   w,  häwe  rögtet  ivähn,   sind  gerichtet 
gewesen. 

Geschlossene,  nochmalige  Vergangenheit. 

Einh.   Ick   hähiv  rögtet   wähn    häjd,  dö  hähst,  he  het  rögtet  ivähn 

häjd. 
Mehrh.  Wdt,jät,we  u.  s.  w.  häwe  rögtet  wähn  häjd,  sind  gerichtet 

gewesen   gewesen  ,    oder    wörtHch:   haben    gerichtet   gewesen 

gehabt. 

Zukunft. 

Einh.  Ick  ivord  rögtet  wesen,  dö  worst,  he  wort  rögtet  loesen. 
Mehrh.  Wät,  jät,  we  u.  s.  w.  worde  rögtet  wesen,  werden  gerichtet 
sein. 

Bedingung. 

Einh.  Ick  ward  rögtet  wesen,  dö  wardst  rögtet  wesen,  he  wörd  rögtet 
wesen. 

Mehrh.  Wdt,  jät,  we  u.  s.  w.  ivörden  rögtet  ivSscn,  würden  ge- 
richtet sein. 


285 


2.     Zeiten  in  Beziehung.     Gewesene  Gegenwart. 

Einh.  Ick  iväs,  dö  wjärst,  he,jö,  hat  was  rügtet,  war  gerichtet. 
Mehrh.  Wdt,jät,  we  u.  s.  w.  ivjärn  rögtel,  waren  gerichtet. 

Gewesene  Vergangenheit. 

Einh.  Ick  häl,  dö  häist,  he  häi  ragtet  ivähn ,  war  gevichlel  gewesen , 

und  wäre  gerichtet  gewesen. 
Mehrh.  Wdt,jdt,  we  häjn  ragtet  tvähn,  waren  und  wären  gerichtet 

gewesen. 

Geschlossene,  gewesene  Vergangenheit. 

Einh.  Ick  hat,  dö  häist,  he  häi  ragtet  wähn  häjd,  war  und  wäre 
gerichtet  gewesen  gewesen. 

Mehrh.  Wät,  jdt,  we  u.  s.  w.  häjn  rögiet  wähn  häjd,  wären  ge- 
richtet gewesen  gewesen. 

Gewesene  Zukunft. 

Einh.  Ick  word,  dö  ivorst,  he  wort  rügtet  wähn  hewen. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we   worde  rügtet    wähn   hewen,   wir  werden  ge- 
richtet gewesen  sein. 

Bedingunq. 

Einh*  Ick   wörd,    dö   tvördst,   he  wörd  rügtet  wähn  wesen,   w-ürden 

gerichtet  gewesen  sein. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  we  ivörden  rügtet  wähn  wesen. 
Einh.  Ick  wörd,  dö  wördst,  he  wörd  rügtet  wähn  hewen. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,  ive  ivörden  rügtet  ivähn  hewen. 
Einh.  Ick  wörd,  dö  wördst,  he  ivörd  rügtet  wähn  häjd  hewen. 
Mehrh.  Wdt,  jdt,    we    worden   rügtet    wähn   häjd  hewen,  wörtlich: 

wir  würden  gerichtet  gewesen  gehabt  haben. 

Befehl. 

Einh.  Wehs  rügtet!  sei  gerichtet!  ivehs  dö,  he,  jö  rügtet! 
Mehrh.  Wehse  jdt,  jdm,  jd  rügtet! 

Die  Formen:  rügtet  ivälm  häjd  wesen,  rügtet  wähn  häjd  hewen, 
worden  rügtet  wähn  häjd  wesen  ,  und  worden  rügtet  wähn  häjd 
hewen  ,   lassen    sich    im   Deutschen   nicht  nachbilden  ,    weil    das 


28G 

deutsche    Zeitwort    seine    drei    Hülfswörter  nicht  auf  einmal  ein- 
ereifen lassen  kann. 

Nur   das  reine,   vorwärtszielende   Zeitwort   gestattet  dieSe  Ab- 
wandlung   durch    alle    Zeiten  und  Hülfsformen ,  und  kann  daher 
auch  nur  allein  als  Musterwort  dienen.     Die   reinen  Passiva,  wie 
sterben,   verwesen,  ivelken  u.  s.  w. ,  die  Neutra,  wie  ruhen,  liegen, 
u.  s.  w. ,  die  Activa  Intransitiva,  wie  gehen,  arbeiten ,  kleUern ,  diG 
Reciproca   und  die  unpersönlichen    Zeitwörter   haben  alle  keinen 
Leidensstand.  Die  Anwendung  des  rein  zielenden  Zeitwortes  mag 
an  folgenden  Wörtern  nachgewiesen  werden,   als:  rögten;  bresen, 
flechten;  hielen,  heilen;  drögen,  trocknen;  plaugen,  i)üügen;grewen, 
graben,  und  ähnlichen,  wie:  Gö^Zrf  rd^fef  drA-ew,  Gott  richtet  jeden; 
dö   rögtest   nint  ütt ,    du    richtest  nichts    aus;   he  wörd  da  Hünne 
aufragte,  wän  'r  't  man  forstöhs,  er  würde  die  Hunde  abrichten, 
wenn  er's   nur  verstände;  he  wort's  aufrögtet   hewen,  wän  'e  Jagt 
mijngo?igt,  er  wird  sie  abgerichtet  haben,  wenn  die  Jagd  angeht; 
he  wwd's  all  aufrögtet  hewen,  wän  'r  's  man  ihr  fangen  häi,  er 
würde  sie   schon   abgerichtet   haben,  wenn  er  sie  früher  bekom- 
men hätte;  he  wörd's  all  longens  aufrögtet  häjd  hewen ,  wän'rmän 
äi  kränk  worden  was ,    er  würde  sie  schon  längst  abgerichtet  ge- 
habt   haben,    wenn   er    nur   nicht    krank    geworden    wäre;    rögt 
dö   da   Hünne   auf!   richte  du   die  Hunde  ab;  rögte  jäm  efter  me, 
richtet  euch   nach  mir;  de  Senner  wort  dilling  rögtet,  der  Sünder 
wird  heute  gerichtet;  he  xuort  mjarne  rögtet  worden,  er  wird  mor- 
gen gerichtet  werden;  he  äs  enjörsne  rögtet  worden,  er  ist  gestern 
gerichtet  worden;   he  wörd  dilling  rögtet  worden,  wän  "r  äi  kränk 
worden  was,   er   würde   heute   gerichtet    werden,   wenn  er  nicht 
krank    geworden   wäre;    he  was  all  rögtet  worden,    äs  ick  faarbäi 
rijdd,  er  war  schon  gerichtet  worden,  als  ich  vorbei  ritt;  he  wort 
rögtet   worden  wesen,    ihr  'e   Sann  unnergongt,   er  wird  gerichtet 
worden    sein,    ehe    die    Sonne    untergeht;   he  wörd  rögtet  worden 
wesen,   wän  'r  äi  wäglähm  was,   er  würde  gerichtet  worden  sein, 
wenn  er  nicht  entlaufen  wäre;  he  wörd  longens  rögtet  wähn  hewen, 
wän  's  häm  shüllig  fünnen  häjn,  er  würde  längst  gerichtet  gewe- 
sen sein,  wenn  sie  ihn  schuldig  gefunden  hätten;    he  wörd  rögtet 
wähn  hewen,    wän  'e  Shärprögler  äi  kränk  worden  was,  er  würde 
gerichtet   gewesen  sein,  wenn  der  Scharfrichter  nicht  krank  gc- 


287 

worden  wäre.  —  Ick  hähw  man  Seme  breset,  ick  habe  meine  Seime 
geflochten;  ick  hat  'cn  all  breset,  ds  Paul  tö  me  kaum;  ick  häi 
'en  all  ijnsen  breset  häjcl,  aurs  he  was  wihsser  dpläfim,  ich  hatte 
sie  schon  einmal  geflochten  gehabt,  aber  sie  war  wieder  aufge- 
laufen; he  häi  all  tiväie  breset  wähn  häjd,  äs  'er  en  wihsser  dplä- 
wert  häi,  er  hatte  sie  schon  zweimal  geflochten  gehabt,  als  er 
sie  wieder  aufgetrennt  hatte,  —  JöWünnen  dsläelet,  die  Wunde  ist 
geheilt;  jö  het  all  ijnsen  kielet  iväJin,  aurs  nö  äs  wihsser  dpbrägen, 
sie  ist  schon  einmal  geheilt  gewesen,  aber  nun  ist  sie  wieder 
aufgebrochen;  jö  wort  kielet  wescn,  ihr  dät  Piaaster  dpbrückt  ds, 
sie  wird  geheilt  sein,  bevor  das  Pflaster  verbraucht  ist;  jö  wörd 
kielet  ivesen,  häist  'r  man  ihr  wät  faar  brückt,  sie  würde  geheilt 
sein,  wenn  du  nur  früher  etwas  dafür  gebraucht  hättest;  jö  häi 
longens  kielet  ivähn  häjd,  ds  'e  Docter's  wihsser  dpshjärd,  sie  war 
längst  geheilt  gewesen,  als  der  Arzt  sie  wieder  aufschnitt;  jö 
häi  longens  kielet  wähn  häjd,  wdn  dö  man  Räjd  fölligt  häist,  sie 
wäre  längst  geheilt  gewesen,  wenn  du  meinem  Rathe  gefolgt 
wärest;  jö  was  all  hielet,  ds  ick  's  wihsser  dpstät,  sie  war  schon 
geheilt ,  als  ich  sie  wieder  aufstiess.  —  De  Rock  häi  all  twäie  dröget 
wähn  häjd,  ds  jö  fierd  Fläg  kaum,  der  Rock  war  schon  zweimal 
getrocknet  gewesen  gewesen,  als  der  vierte  Regenschauer  kam. — 
He  plauget  sdn  Eker ,  ds  ick  faarbäi  ging,  er  pflügte  seinen  Acker, 
als  ich  vorbei  ging;  de  Eker  häi  all  twäie  plauget  wähfi,  ds  'r 
auwerswumd  wörd,  er  war  schon  zweimal  gepflügt  gewesen,  als  er 
überschwemmt  ward.  —  En  Spöicr  sähs  faarült ,  de  Fijnd  tvörd  träie 
släien  wähn  ivesen,  ihr  de  KricJi  dphüll,  ein  Wahrsager  sagte  vor- 
aus, der  Feind  würde  dreimal  geschlagen  gewesen  sein,  ehe  der 
Krieg  aufhöre.  —  Wdn  dö  tagen  wähn  häist,  so  häist  ockävjn'e Krich 
möst,  wenn  du  gezogen  gewesen  wärest,  so  hättest  du  auch  in 
den  Krieg  müssen;  ivdn  dö  tagen  ivörden  wjärst,  so  häist  u.  s.  w. , 
wenn  du  gezogen  worden  wärest,  so  hättest  du  u.  s.  w.  —  Bei 
Vermuthungen:  he  wörd  wäjl  all  twäie  fanget  tvähn  hewen,  tvdn  'r 
äi  so  snäsig  wähn  häi,  er  würde  wohl  schon  zweimal  gefangen 
gewesen  sein,  wenn  er  nicht  so  verschmitzt  gewesen  wäre.  Statt 
der  Bedingung  setzt  man  auch ,  wie  im  Deutschen ,  sehr  häufig 
die  gewesene  Gegenwart,  als:  häi  'r  bähsere  präjtet,  so  was  > 
ock  wähld   worden;    was  V  di  tö  Market  gingen,  so  häie'r  sin  Gijl 


288 

äi  forspälet,  wäre  er  nicht  zu  Markte  gegangen,  so  hätte  er  sein 
Geld  nicht  verspielt;  liäi  's  't  hierd,  so  was  ivriess  worden,  hätte 
sie  es  gehört,  so  wäre  sie  böse  geworden. 

Verbindung  der  Zeilwörler  in  der  Fergangenheil 
mit  hewen  und  wesen. 

§.  200.     Mit   hewen  werden   verbunden:    a)   alle  zielende  Zeit- 
wörter,   sie    mögen    vorwärts-    oder  zurückzielend    sein;    b)  alle 
thätige  ziellose  Zeitwörter,  bei  denen  keine  bestimmte  Richtung 
angegeben  wird;  c)  diejenigen,  welche  einen  unthäiigen  Zustand 
anzeigen,    wie  liegen,   ruhen  u.  s,  w.  und  d)    alle  unpersönliche 
Zeitwörter.  Z.B.:  minern,  ändern;  bäggen,  bauen;  binnen,  hmdew, 
beren,    Geld  einnehmen  oder  heben;   bitten,    beifsen;  bädden,  bit- 
ten  und    betteln;    bräjdden,    brüten;    bringen;    bäirigen,   bergen; 
bägen,   backen;   bäicken,   beuchen;    bannen,  fluchen  (das  deutsche 
bannen  u.  das  dänische   at  bände);   dönsen,   tanzen;    dielen,  thei- 
len;   driwiven,   treiben;   duliggen  und  düjn,  ihun;  büeti,  arbeiten; 
fügten,   fechten;   brausen,   braten;  baanen,  bahnen;  slräwen,  stre- 
ben ,    streiten  ;    hempen  ,    kämpfen  ;   twjäweln ,    zanken  ;    wräseln , 
ringen;   stridden,   streiten;   tanken,   denken;  sännen,  sinnen;  grü- 
beln,  grübeln;    njäsen,   mingen,  sömen,  tögern,    säumen,   zögern, 
zaudern;  Iielpen,  helfen;  Iiämmern ,  hämmern;  tdmmern,  zimmern; 
bäwern,    beben;   bläjddcn,  bluten;  driemen,  träumen;  riehen,  räu- 
chern; rocken,  rauchen;  söttern,  schustern;  shrüjddern,  schneidern; 
glaasern,    gläsern;    sndjttern,   tischlern;    fdshen,   fischen;    shenen, 
seheinen ;  f/aaJt^ew  ,  tohcn;  bräshen,  i.  schreien,  sehr  laut  sprechen, 
2.  prahlen,  von  Farben;  spanckeln,  spucken;  läken,  lachen;    snie- 
len ,    lächeln;    gälten,    weinen;    fniesen,    niesen;    liöstcn ,   husten; 
harken,  räuspern;  ,/Vi//m,  \.  wimmern,  2.  gelten;  brulen,  brüllen; 
holen  ,    heulen  ;    tijtten  ,  sehr    laut    schreien ;    shräien  ,    schreien  ; 
twihssen,    zischeln,    flüstern;   sihssen,  zischen;  stiermen,  riechen; 
stjunken,  stinken;  brännen  v.  tr.,  brennen;  shellewen,  zillern,  dän. 
at    skjälve;  hulim   grämen,   sich  grämen;    auch    als    Impersonale: 
dät  grämt  me,  es  thut  mir  leid;  dät  grämt  nie  am  de,  esthutmir 
leid  um  dich,  du  dauerst  mich;  huhm  Mögen,  sich  schämen  einer 
unsittlichen  Handlung;  huhm  shaamen,  sich   überhaupt  schämen; 
reuen,  regnen;  hageln,  hageln;  tonnern,  donnern;  sndien,  schneien; 


289 

fjräwwen ,  krauen;  kläism,  mit  den  Nägeln  kratzen;  swäweu, 
schweben;  ivälgefi,  sich  auf  und  nieder  wiegen;  fläggcrn,  flat- 
tern; snuhbeln,  stolpern,  straucheln;  raaicln,  taumeln;  räieln, 
einen  Faden  einriegeln ;  wällen ,  wallen ,  brodeln  ;  däjngeln , 
baumeln;  sljöien,  schaukeln;  raucn,  ruhen;  lädden,  liegen;  sd//ew, 
sitzen ;  Illingen ,  hangen ;  Iiingon  v.  tr.  hängen  ;  stäiijnncn ,  ste- 
hen;  welen ,  ausruhen;  swegen,  schweigen;  kläwen,  v.  tr.  ankle- 
ben ;  släipen ,  schlafen ;  waagen ,  wachen ;  läwen ,  leben ;  sprätvivebi , 
strampeln ;  slämpen  ,  stampfen ;  trampen ,  trampeln ;  waaiten ,  win- 
ken; wdjnken,  winken;  häiwen,  wähnen,  vermuthen;  höwen^ 
hoiTen;  täjnten,  däuchten,-  micnen,  meinen;  gdssen,  dän.  at  gisse, 
aufs  Gerathewohl  schliessen,  oder  aus  gewissen  Merkmalen  ver- 
muthen; läjtten,  lassen;  sören,  siechen;  kernen,  nd.  hiemen, 
hieben,  keichen;  hächen,  hanchen;  jjösten,  pausten;  blaasen,  bla- 
sen; wäien,  \.  wehen,  2.  ein  Brautpaar  trauen,  das  deutsche 
weihen,  und  das  dän.  at  vie. 

§.  201,  Mit  wesen  werden  verbunden:  a)  alle  Zeitwörter,  wel- 
che reines  Leiden  anzeigen;  h)  diejenigen  ihätigen,  ziellosen  Zeit- 
wörter, bei  denen  eine  Richtung  auf  irgend  einen  Gegenstand 
oder  nach  einem  Orte  angedeutet  ist,  und  c)  diejenigen,  welche 
ein  Hervorgehen  aus  dem  bisherigen  Zustande  anzeigen,  als: 
stäirwen ,  sterben  ;  bregen  ,  brechen  ;  riwwen  ,  reissen  ;  smollen  , 
schmelzen;  bjärsten,  bersten;  lünnen,  schwellen;  sdjnhen,  sinken; 
dränken,  ertrinken;  gräien,  wachsen,  von  kurzem  Grase,  Haaren, 
Wolle  u.  dergl. ;  wägsen,  wachsen;  fallen,  fallen;  slitowern,  gerin- 
nen; rüsten,  rosten;  priesen,  1.  frieren,  2.  gefrieren;  üjllen,  älteln; 
allem,  altern,  u.  s.  w.  Besonders  gehören  hiezu  diejenigen  Zeitwör- 
ter mit  der  Vorsilbe  for ,  welche  reines  Leiden  anzeigen,  als:  for- 
gongen ,  vergehen;  forrösen ,  verfaulen;  forbläjdden,  verbluten; 
fortvälen,  verwelken;  forböllenen,  verschwären;  forsivinnen,  ver- 
schwinden; forkämen,  1.  wegkommen,  2.  verkommen;  foriölligen, 
vor  Kälte  umkommen;  forfriesen,  erfrieren;  forstijnnen,  verstei- 
nern; forsnäien,  verschneien;  forhölten,  verholzen;  forünlocken , 
verunglücken;  fordierwen,  verderben;  forßiee7i,'verüiegen;  forstüw- 
wen,  verstieben;  forermen,  verarmen;  fordrögen,  vertrocknen ; /br- 
smägten,  verschmachten;  for  fällen,  verfallen;  forbliecken,  verblei- 
chen ;    forwägsen ,    verwachsen.    Eine    Richtung    andeutend ,   als : 


290 

gongen,  lupen  ,  springen;  ränen ,  rennen;  klammem,  kleüern; 
hriopcn ,  kriechen;  fUeen,  fliegen;  swäwen,  schweben;  sillen,  trei- 
ben, fliessen;  driwwen,  treiben;  Iiöppen,  hüpfen;  räisen,  reisen; 
sljärlen,  stürzen;  tieen,  ziehen.  Das  Hervorgehen  aus  einem  Zu- 
stande andeutend,  als:  änjnlhämen,  entkommen;  äujntspringen , 
entspringen;  äujntßieen,  entfliehen;  änjntglaaien ,  entschlüpfen;  in- 
släipen,  einschlafen;  aptvaagen,  erwachen;  äujntslävjnnen ,  entste- 
hen; worden,  werden;  dpliämen,  aufkommen;  dpslmjnnen,  auf- 
stehen; iUtgongen,  ausgehen;  iittgliddeti,  ausgleiten;  dptöien,  auf- 
ibauen;  dpstegen,  aufsteigen;  dpsdtten,  aufsitzen;  üttbregen,  aus- 
brechen (der  Krieg  bricht  aus);  üttdämpen,  ausdampfen;  ütt fällen, 
ausfallen.  Dieser  Gegenstand  lässt  sich  hier  nicht  erschöpfen,  und 
man  wird  immer  noch  auf  Ausnahmen  stossen.  So  werden  sören, 
smägten  und  krönken  mit  Iiewen,  dagegen  rösen  und  shdmmeln 
mit  ii'esen  verbunden,  als,  he  het  long  söret,  smägtet  an  kränket; 
de  Säilts  ds  raset  an  de  Trolling  ds  shdmmell.  Nicht  selten  tritt 
auch  heu'cn  anstatt  ivese7i  beim  rein  leidenden  Zeitworte  ein, 
wenn  man  den  bezüglichen  Gegenstand  selbst  als  mitwirkend 
gedacht  wissen  will,  als:  dät  Födder  liet  dilling  man  läiet  dröget, 
das  Heu  hat  u.  s.  w. ;  dät  Sänep  het  da  leste  Dege  gäiijd  rippet, 
der  Senf  hat  die  letzten  Tage  gut  gereift. 

Diejenigen  Zeitwörter,  welche  sowohl  zielend  als  ziellos  ge- 
braucht werden,  bekommen  im  ersten  Falle  Iiewen,  im  letztern 
wesen,  als:  bregen,  brechen:  de  Stock  äs  brägen,  dö  liähst  de  Slöck 
hrägen;  riwwen,  reissen:  de  Dauck  i'dß'l,  ds  räwen;  ick  rief  de 
Dauck,  kä/nv  räwen;  blicken ,  bleichen:  jö  Rauhs  ds  blicket,  jö  het 
harr  Lä«er/ (Leinewand)  blicket;  shiesen,  scheiden:  he  ds  aufshäss, 
er  ist  verschieden;  de liögter  shäss  jdm  fon  cnanser,het  shäss,dev 
Richter  scheidctc  sie  von  einander;  fällen:  dät  Glees  äs  äujnstöhg 
feilen,  he  het  'e  Naas  äiijnslölig  feilen;  iicen,  ziehen:  dd  Staurke 
sän  wdglägen,  jö  Wägt  ds  dptägen;  dd  Hdjnsle  tiee  de  Wäicn,häwc 
tagen,  ick  häkw  'e  Klöck  dptägen;  mäjtten,  i.  begegnen  einem, 
2.  messen:  he  ds  me  meet,  ick  hähw  Kaum  met;  clrögen,  trocknen: 
dät  Födder  ds  dröget,  ick  hähiv  min  Kluhsc  dröget;  fordierwen, 
verderben:  de  Winn  ds  fordürwen,  dö  hähst  diu  Baiick  fordürwen; 
dpsdtten,  aufsitzen:  dd  Uüttere  sän  wihsscr  dpsähn,  die  Reiter  sind 
Avieder   aufgesessen,   ick   hähw  V   hicl  Nagt  dpsähn,  ich  habe  die 


291 

ganze  Nacht  auigcsc&scn;  au fstäujmien:  jd  sdn  all  wußUjnnen,  he 
hct  me  sin  Hüss  aufstijnnen;  üUlupen,  auslaufen:  dät  Säujn  äujnt 
Stünncglees  ds  üttlähm;  de  stürwene  Böse  fiel  ütllähm,  der  gestor- 
bene Bothe  hat  ausgelaufen,  läuft  nicht  mehr;  ütttresen,  austre- 
ten: de  Slru/im  ds  üUlrähn;  dö  hälist  d'in  Fofße  ütUrähn;  üUbrän- 
we»,  ausbrennen:  dät  Öhle  ds  iittbrännd;  ick  häliiv  man  Kachle- 
uwen  üUbrännd;  üttlieen,  ausziehen:  dät  Liefäulk  ds  üUlägen,  die 
Micthsleute  sind  ausgezogen,  he  hei  me  cnTäus  ütttägen ;  inbregen, 
einbrechen:  jö  Nagt  was  all  inbrägen;  dd  Thiewe  häjn  'e  Möhr 
inbrägen;  dählsluhggen ,  niederschlagen  und  todtschlagen:  de  Rieck 
släit  dähl,  ds  dählsläien;  he  släit  de  Ögse  dähl,  het  dählsläicn; 
ütlbregen ,  ausbrechen ,  u.  s.  w.  (Vergleiche  die  2te  Annierk.  zu 
§.  170). 

§.  202.  Die  Anwendung  der  Zahlen,  Personen,  Zeilen  und 
Arten  (Modi)  ist  übrigens,  mit  wenig  Ausnahmen,  wie  im  Deut- 
schen. Die  Formen  der  Einheit  und  Mehrheit  beim  Zeitworte 
richten  sich  nach  der  Zahl ,  in  welcher  die  Haupt-  und  Fürwörter 
stehen,  als:  de  Kukuk  bdiigt  sdn  diene  Nöme  ütt;  dd  Hanne  ledde 
^ie,  die  Hennen  legen  Eier;  dd  Laashe  sjonge,  jd  sdn  ältid 
edder  dp,  die  Lerchen  singen,  sie  sind  immer  früh  auf;  tvdt  wdn 
töbedd,  wir  beide  wollen  zu  Bette;  he  wdll  äi  md,  er  will  nicht 
mit;  läßt  jäm  gonge,  lass  sie  gehen;  ja  kaane  sägt,  sie  können 
leicht  auskommen  mit  ihrem  Vermögen,  stehen  sich  gut;  auch; 
jd  stäujnne  jdm  gäujd,  u.  s,  w. 

Antnerkungen. 

i.  Der  Nordfriese  redet  jeden  mit  dö  (du)  an,  weil  er  kein 
anderes  Fürwort  dazu  gebrauchen  kann.  Nur  zu  ganz  alten  Leu- 
ten sagt  man  J^,  Ihr,  welches  im  zweiten,  dritten  und  vierten 
Falle  jau  (englisch  you,  ye,  nd.  ji ,  ju,  dän.  jer  und  eder)  lautet. 
Diess  gilt  fürs  weibliche  und  sächliche  Geschlecht,  so  wie  für 
die  Mehrheit,  im  männlichen  Geschlecht  heisst  es  jauen,  als: 
hörr  üjll  sdn  E?  wie  alt  seid  Ihr?  ds  jau  Wöff  inne?  ist  Eure 
Frau  zu  Hause?  hirr  ds  jauen  Stock,  hier  ist  Euer  Stock;  jaw 
Dögler  lel  jau  faale  Gäujds  sedde,  Eure  Tochter  lässt  euch  viel 
Gutes  sagen ,  d.  h.  sie  lässt  euch  grüssen ;  de  Fdsher  het  jau  en 
liväsmcr    brögl ,   der  Fischer  hat  Euch   einen  Brachsen  gebracht; 

37  ' 


292 

ick  liä/iw  jaucn  Sahn  sprägen,  ich  habe  Euern  Sohn  gesprochen; 
sän  jau  Bjärne  ältemäle  befräid?  sind  Eure  Kinder  alle  verhei- 
ralhet  ?  jm.  Sjöhn  äs  noch  gäiijd,  an  E  brilche  noch  nijn  ßrall. 
Euer  Gesicht  ist  noch  gut,  und  Ihr  gebraucht  noch  keine  Brille; 
wirrmä  hön  ick  jau  tiene?  womit  kann  ich  Euch  dienen? 

2.  Bei  Grössen,  die  als  Masse  in  der  Mehrheit  stehen,  wenn  sie 
auch  die  einheitliche  Form  behalten,  setzt  man  das  Zeitwort  in  die 
Mehrheit,  als:  dirr  sän  twontig  Mann;  segs  Mark  sän  twäier  Daa- 
lere;  fjatiwer  Pilnn  Tohäck  kosteten  fieiv  Märk;nö  sän  'r  all  trie 
Ihr  forgingcn,  sunt  dö  hirr  lest  wjärst;  dirr  worden  twellew  Tämie 
Rögge  äiijnmeet ;  trie  Glase  Bier  sän  spüllen ;  dirr  feilen  twäier  Secke 
Häwer  auf  'e  Wäien;  tuhg  Sniese  ^ie  sän  'r  f orbrückt;  twontig 
Träwe  Longhiilem;  saatvcn  Füge  Kaum;  söstig  Jaurde  long;  tien 
Ellnc  hrijd;  hunnert  Fäjtt  huch;  twellew  Fäisme  diep;  trie  Lüjd 
Sihsscn;  ßeiv  Baucke  Papier,  u.  s.  w. 

§.  205.  Kommen  mehrere  Grundwörter  in  der  Einheit  vor, 
die  in  gleichem  Verhältnisse  zur  Aussage  stehen,  so  muss  das 
Zeitwort  die  Mehrheitsform  haben ,  z.  B.  De  Bäddmönn  an  'e 
Kinning  sän  biese  Mänshene;  de  Gedd  an  'e  Sillhünn  kaane  gäujd 
swomme,  der  Hecht  und  der  Seehund  können  gut  schwimmen; 
Mann  an  Wo  ff  wjärn  forräisd,  Mann  und  Frau  waren  verreist. 
Diess  gilt  jedoch  nur  von  Gattungsnamen  und  solchen  abstracten 
Gegenständen,  die  man  unter  eine  und  dieselbe  Aussage  zusam- 
menfasst,  als:  Gauhshäid,  Fraamhäid  an  Linve  sän  Dögede,  dirr 
'm  äi  ällerivägne  fänt,  Güte,  Frömmigkeit  und  Glaube  sind  Tu- 
genden, die  man  nicht  allerwegen  findet;  Gils,  Mäsgunst  an  Näi- 
gongenhäid  sän  Lästere,  dirr  arken  miese  mäujtt ,  Geiz ,  Missgunst 
und  Nahegängigkeit  sind  Lasier,  die  jeder  meiden  muss.  Bei 
Stolf-  und  Mengenamen,  so  wie  bei  abstracten  Gegenständen,  die 
sich  nicht  auf  die  vorstehende  Weise  zusammenfassen  lassen,  steht 
dagegen  das  Zeitwort  in  der  Einheit,  z.  B.  Salt  an  Brüjd  mäget 
'e  Sieche  rüjdd,  Salz  und  Brot  macht  die  Wangen  roth;  Liem , 
Kläi,  Kläster,  Limm,  Kalk  an  Twäge  bannt  gäujd,  Lehm,  Klei, 
Kleister,  Leim,  Kalk  und  liefen  bindet  gut.  Setzen  wir  aber 
diesen  Wörtern  das  Geschlechtswort  vor,  so  muss  das  Zeitwort 
in  der  Mehrheit  stehen,  als:  dät  Liem,  de  Kläi,  dät  Limm  an  da 
Twäge  hinnc  rjäujd,   weil    Twägc  ein  Collcctivum    ist,   das  in  der 


295 

Mehrheit  steht.  Fläs/i ,  Speck  an  Lrüjd  /et  (jäujil,  Fleisch,  Speck 
und  Brot  nährt  gut;  Slaal,  Släjll  an  Glces  ds  härd,  Stahl,  Eisen 
und  Glas  ist  hart;  Sicp  an  Tulüj  äs  smirrig,  Seife  und  Talg  ist 
schmierig;  Mahl  an  Gröl  äs  äp,  Mehl  und  Graupen  sind  auf ,  Mehl 
und  Grütze  ist  auf,  d.  i.  verzehrt;  Päwer  an  Salt  äs  äi  to  foväg- 
ten,  Pfeffer  und  Salz  ist  nicht  zu  verachten;  KrüJd  an  Lüjdd  äs 
forsltä/in,  Pulver  und  Lolh  ist  verschossen;  Pulwer  an  Blie  äs 
äp.  —  Dirr  äs  Maiird  an  Diljdsläij ,  da  ist  Mord  und  Todtschlag; 
dirr  äs  Tot  an  Slägeräi,  es  ist  Lärm  und  Schlägerei  da;  tulig  an 
trie  äs  fieiv,  zwei  und  drei  ist  fünf,  aher  nur  in  unangewandten 
Zahlen;  twänne  an  trätme  sän  fiew;  ßeiv  an  fiew  Shällinge  säntien, 
u.  s.  w,  Dät  Höppen  an  Springen  fällt  me  sivär,  das  Hüpfen  und 
Springen  fällt  mir  schwer  ,  u.  s.  w.  Wenn  zwei  Hauptwörter  in 
der  Einheit  durch  und  verbunden  werden,  und  die  Aussage  von 
jedem  einzelnen  gelten  soll,  als:  De  Üjlle  an  de  Junge  het  sinäien 
Wräll,  der  Alte  und  der  Junge  hat  seine  eigene  Welt,  aber  auch: 
de  Üjlle  an  de  Junge  Jiäwe  biese  järe  äien  Wräll ,  der  Alte  und 
der  Junge  haben  beide  ihre  eigene  Welt;  ägt  an  fälsh  Frünnshapp 
wort  öfling  mä  enauser  forivackselt ,  echte  und  falsche  Freundschaft 
wird  oft  mit  einander  verwechselt.  Ebenso,  wenn  das  Zeit- 
wort sieh  auf  mehrere  Grundwörter  im  Singularis  mit  verschiede- 
nen Aussagen  bezieht,  als:  Tongle  liiert  lö  da  hijnnere,  Andräis 
tu  da  hähserc,  an  Karl  tö  da  beste  Shaulere,  Danklef  gehört  zu 
den  schlechtem,  Andreas  zu  den  bessern  und  Carl  zu  den  besten 
Schülern.  —  Steht  das  erste  von  zwei  Subjecten  in  der  Einheit, 
das  zweite  in  der  Mehrheit,  oder  umgekehrt,  so  muss  das  Zeit- 
wort in  die  Mehrheit  gesetzt  werden,  als:  dät  Shäip  an  da  Laura- 
me  sän  wäg,  und:  da  Laumme  an  dät  Shäip  sän  wäg;  wihsser 
Gödd  noch  Mänshene  hiane  kam  helpe,  und:  ivihsser  Mänshene  noch 
Gödd  kaane  häm  helpe,  obgleich  diess,  streng  genommen,  keines- 
weges  sprachrichlig  ist. 

Anmerkung. 

Stehen  zwei  Personen  des  eigentlichen  Fürwortes  als  Subjecte, 
so  werden  diese  durch  den  Dualis  zusammengefasst,  wonach 
dann  das  Zeitwort  die  Mehrheitsform  bekommt,  als:  du  an  ick, 
wäl    häwe    biese  nög  füngen,  du  und  ich,  wir  haben  u.  s.  w;  ick 


294 

an  (lö,  will  sdn  biese  erm,  arm;  dö  an  hc,  jdt  maa(je  bicse  nän 
Küjl,  Kohl;  min  Wo  ff  an  ick,  wät  wdn  biese  tö  Märked;  luat  biese, 
wdt  twdnne,  jät  biese,  jdt  twdnne,  wir  beide,  wir  zwei,  ihr  beide, 
ihr  zwei;  aber  nicht:  ive  biese,  und  jdm  biese,  weil  we  (wir)  und 
jdm  (ihr)  immer  mehr  als  zwei  Personen  bezeichnen,  als:  ick,  dö 
an  he,  we  Iiätve  all  trdnne  de  Kolle,  ich,  du  und  er,  wir  haben 
alle  drei  das  Fieber;  dö,  he  an  jö,  jdm  häwe  ällemäle  nijn  Gijl, 
du,  er  und  sie,  ihr  habt  alle  drei  kein  Geld. 

§.  204.  Der  Gebrauch  der  Zeiten  ist  wie  im  Deutschen,  und 
die  gewesene  Gegenwart  vertritt  auch  im  Friesischen  häufig  die 
Bedingung  der  Zukunft,  als:  dät  däi  ick  äi  hall,  das  ihäte  ich 
nicht  gern,  statt:  dät  wörd  ick  äi  hall  düjn,  und  so  in  ähnlichen 
Fällen.  Ebenso  steht  die  gewesene  Vergangenheit  statt  der  Be- 
dingung der  gewesenen  Zukunft,  als:  ick  häi  hdm  bäsere  Be- 
shiess  säid,  ich  hätte  ihm  derber  Bescheid  gesagt ,  statt  :  ick 
ivörd  hdm  bäsere  Beshiess  säid  hewen.  Auf  eine  Zeit  ohne  Bezie- 
hung folgt  auch  im  Nachsatze  wieder  eine  beziehungslose  Zeit, 
als:  ick  help  de,  auwei'  dät  dö  nie  hülpen  hähst,  ich  helfe  dir, 
weil  du  mir  geholfen  hast;  ick  hülp  de,  auwer  dät  dö  me  hülpen 
häist,  ich  half  dir,  weil  du  mir  geholfen  hattest.  —  Oft  muss 
man  sich  aber  beim  Erzählen  und  Erklären  zu  einer  andern  Zeit 
wenden,  die  nicht  mehr  in  Beziehung  steht,  als:  ick  kännd  hdm 
jö  Tidd  äi  so  gäujd,  «'s  ick  hdm  nö  kann,  ich  kannte  ihn  damals 
nicht  so  gut,  als  ich  ihn  jetzt  kenne;  dilling  säch  ick  de  Mann, 
dirr  dö  fon  snäket  hähst;  —  märlinrj  was  'r  man  ijn  Bauhs  iütsprün- 
gen,  nö  sdn  'r  all  tien ;  —  ick  wijt,  dät  jdt  enauser  lief  häjn,  ds 
jdt  noch  läjtt  wjärn  ;  —  he' hei  't  dilling  äi  söträwel,ds'er'lenjörsne 
häi  (nd.  he  het  't  hüt  nich  so  hilt,  as  hc  't  güstern  had). 

§.  205.  lieber  den  Gebrauch  der  Arten  hier  noch  Folgendes. 
Die  Gewissheit  steht  überall  wie  im  Deutschen,  Da  man  aber  für 
die  Ungewissheit  keine  eigene  Form  hat,  so  wird  diese  durch  die 
gewesenen  Zeiten  oder  andre  Hülfsmittel  ausgedrückt,  wo  es  thun- 
lich  ist,  als:  he  fortelld,  he  häi  V  bäi  wähn,  ds  de  Manrder  haadigt 
wörd,  er  erzählte,  er  wäre  dabei  gewesen,  als  der  Mörder  ent- 
hauptet ward.  Bddd  hdm,  dät  'rme  äi  forjese  mäi,  bitte  ihn,dass 
er  mich  nicht  vergessen  möge.  Kaumst  dö  wäjl  tö  me,  wann  ick 
de  so  bchondclt  häi:-'     kämest  du  wohl  zu  mir,  wenn  ich  dich  so 


29!5 

beliandclt  Iiällc?  Dät  was,  ds  wann  wdt  cnaiiser  all  long  hännd 
häjn,  es  war,  als  ob  Avir  einander  schon  lange  gekannt  hätten. 
He  tankt,  ärken  wort  Jidm  sellcw  näist  wesen,  er  denkt,  jeder  wird 
sich  selbst  der  nächste  sein;  he  tankt  ältidd,  drken  äs  häm  sellcw 
näist,  er  denkt  immer,  jeder  ist  sich  selbst  der  nächste.  Kö/is 
man  Brauser  dög  käme!  könnte  mein  Bruder  doch  kommen!  Was 
ick  dög  man  ütt  'e  Nüjd!  wäre  ich  doch  nur  aus  der  Noth!  Häi 
ick  min  Gijl  dög  behilllen!  hätte  ich  doch  mein  Geld  behalten! 
Häi  ick  dög  de  Pung  häi  me  stägenhäjd!  hätte  ich  doch  den  Beutel 
zu  mir  gesteckt  gehabt!  Was  'r  dög  man  äi  kränk  worden!  wäre 
er  doch  nur  nicht  krank  geworden!  Wann  'r  dög  man  äi  kränk 
worden  was! 

Die  regelmässigen  Zeilwörter. 

§.  206.  Das  ganz  regelmässige  Zeitwort  endigt  sich  in  der  ge- 
wesenen Gegenwart  (Imperfectura)  und  in  der  Vergangenheit  (Perfec- 
lum)  allemal  auf  et,  und  diese  beiden  Zeilen  sind  sich  in  der 
Form  immer  gleich,  als:  rasen,  raset,  faulen,  faulte,  gefault; 
fügen,  füget,  fegen;  so  auch  plagen;  sägnen,  vermissen;  braasen, 
braten;  shaasen,  yervicgeln;  pennen,  denWirtel  vordrehen;  s/öppe», 
stopfen;  blieken,h\e\chen;riecken,  räuchern;  spirren,  keimen;  drö- 
gen,  plaugen,  mügcn;  Imhppen,  häufen;  mören,  mauern;  hürrewen, 
eggen;  hären,  bohren;  wälen,  welken;  lücken,  glücken;  kägen, 
kochen;  stäjcken,  in  der  Asche  braten;  rippen,  reifen,  von  Früch- 
ten, so  wie  vom  gefrornen  Thau;  hauppen,  reifen,  einFass;  /cj'ä- 
wen,  mahnen,  Bezahlung  fordern;  mölken,  melken;  sögen,  saugen; 
rögten,  richten;  feien,  feilen;  rddden,  retten;  plegen,  i.  v.  tr.  pfle- 
gen, 2.  die  Gewohnheit  haben;  hären,  baren  oder  dengeln,  Sen- 
sen und  Sicheln;  küntcn,  kanten  v.  tr. ;  suhmmen  v.  tr. ,  säumen, 
ein  Tuch;  sälten,  salzen;  fangen,  fangen;  hielen,  heilen;  häwen, 
hoffen;  hälen  \.  holen,  2.  ziehen,  in  der  Seemannssprache,  an 
einem  Tau;  hucken,  hacken;  sörren,  s'iuern;  jügen;  späten,  spie- 
len; spijllen  i.  spalten  v.  tr.  2.  speilern;  mülen,  mit  Farben;  jüd- 
den,  gäten;  drücken,  drucken;  krögen,  drücken ;  jihicken,  pflücken; 
placken,  pflöcken;  shrüwcn  ,  scharren,  kratzen;  fldcken,  flicken, 
flecken  v.  tr.;  smöken,  schmauchen;  kliwiven,  klimmen,  klettern; 
brescn,  flechten;  Innen,  lohnen;  shürren,  scheuern;  tjögen,  \.  sich 


290 

anschaffen,  2.  zeugen,  vor  Gericht;  spUissen ,  speisen;  pjärscn, 
pressen;  bäjcken,  beuchen;  säilen,  sichten;  drugen,  seihen;  ihren, 
ehren;  ivären,  \.  v.  rec.  sich  wahren,  ausweichen;  2.  währen, 
5.  verwahren,  aufheben;  stjärlen,  stürzen,  u.  s.  w.  Die  übrigen 
regelmässigen  Zeitwörter  mit  den  Endungen  ein,  ern,  igen,  men, 
und  einige  auf  nen,  werfen  das  n  weg  und  bekommen  bloss  den 
Buchstaben  t  statt  et,  und  die  aui  igen  verlieren  die  ganze  Endung 
en  und  bekommen  das  t  unmittelbar  nach  dem  g  (Vergleiche 
§.  191  über  die  Personen  beim  Zeitworte),  als:  gräpeln,  grapsen, 
ick  gräpel,  ick  gräpelt,  ick  hähwgräpelt,  ich  grapse,  ich  grapsete, 
ich  habe  gegrapset.  —  Ebenso :  träweln ,  iräwcU ;  spräivweln ,  spräw- 
weit;  rummeln,  rummelt  u.  s.  w.;  piesern,  piesert;  wällern,  ivällert; 
stämmern,  stämmert  u.  s.  w. ;  shunigen,  slmnigt;  hunigen,  hunigt; 
sträujnnigen ,  strmjnnigt  u.  s.  w.;  gähsmen ,  gäsemt ;  fäiltsmen,  fäi- 
semt;  bldssmen,  blössemt;  sägnen,  sägent;  rägnen,  rägenl;  sicknen, 
sikkent  (segnen,  rechnen,  seufzen);  u.  s.  w. 

Wenn  das  zweite  Mittelwort  dieser  Zeitwörter  bestimmungswört- 
lich gebraucht  wird,  so  werden  diejenigen  Participia ,  welche 
sich  auf  et  endigen,  so  abgeändert,  wie  die  Bestimmungswörter 
auf  et  (Vergleiche  §.  120  nebst  der  Anmerkung).  Im  weiblichen 
und  sächlichen  Geschlechte  behalten  sie  die  Endung  et  unverän- 
dert, und  bekommen  im  männlichen  Geschlecht,  so  wie  in  der 
Mehrheit,  die  Endung  ete  oder  cdc,  wo  das  t  sich  dem  e  nur  hart 
und  gezwungen  anschliesst,  als:  tappet,  gehaubt,  von  Vögeln:  jö 
töppet  Hänn,  die  gehaubte  Henne;  dät  tappet  Sjücklitig ,  das  ge- 
haubte  Küchlein;  de  töppedc  Kräjdder,  der  gehaubte  Hahn;  da 
töppede  Fögle;  jö  raset  Liwwer,  die  verfaulte  Leber;  ew  raset  Liw- 
iver ;  dät  raset  Speck ;  de  rösete  Sliäjnkel ,  der  verfaulte  Schinken;  en 
röseten  Shäjnkel,  da  rösete  Shdjnkle;  und  so  mit  allen  dahin  gehö- 
rigen Wörtern.  Die  übrigen  mit  den  vorerwähnten  Endungen  be- 
kommen im  Masc.  und  Flur,  bloss  tc,  als:  de  sträielte  Bär,  die 
gestreute  Gerste,  da  sträielte  Arte,  Erbsen;  de  grüppelte  Eker, 
da  grüppelte  Fenne;  de  sträujnnigle  Sliöner ,  da  sträujnnigte  Ma- 
trose, u.  s.  w. 

Die  unre.fjelmässigen  Zeitwörter. 
§.  207.     Die  am    wenigsten   unregelmässigcn    Zeitwörter    sind 


297 

diejenigen,  die  im  Impcifecluui  und  Perlectura,  stall  der  Silbe 
et  oder  t,  den  Buchslabcn  d  unmittelbar  nach  ihrer  Stammsilbe 
zugesetzt  bekommen,  als:  büggcn,  bägcjcl;  brauen,  braiid;  büen, 
bülid  u.  s.  \v. ,  wobei  der  Stannulaut  unverändert  bleibt,  —  begännen, 
beganud  u.  s.  \v.  Die  übrigen  unregelmässigen  Zeitwörter  sind  so 
irregulär,  dass  es  schwer  hält,  sie  auch  nur  einigermaasscn  nach 
einer  bequemen  üebersicht  zu  ordnen,  weshalb  ich  es  noth wendig 
finde,  hier  einige  Bemerkungen  vorauszuschicken.  Schon  bei  der 
Bildung  des  Zeitwortes  aus  dem  Haupt  Worte  finden  wir  über 
dreissig,  die  mehr  oder  weniger  unregelmässig  in  der  Abwandlung 
sind  (siehe  §.  451  Anm.),  wie  römen  oder  rümmen ,  l.  in  einen 
Raum  aufnehmen,  2.  denselben  verlassen,  frei  machen,  ick  römd, 
oder  rümd ,  hähw  rümd;  teilen,  l.  zählen,  2.  jemand  rufen,  ick 
telld;  nämen,  nennen,  ick  nämd;  bemannen,  bemannen,  ick  be- 
männcl;  spännen,  spannen,  ickspänd;  snäien,  schneien,  dät  snäilul, 
liel  snäilul  und  Iiel  snäjn,  geschnicen;  fällen,  fillen,  ich  fälld; 
grünnen,  i.  gründen,  2.  mahlen  auf  der  Mühle, ick grünnd ;  s/tenen, 
scheinen,  ick  .shiml;  kolken,  ick  kölked,  Uähio  kolket;  Wissen, 
lausen,  ick  lühssed,  Iiälnv  lühsset;  sijöien,  schaukeln,  ick  stjöihd; 
driemen,  träumen,  ick  driemd;  shöien,  Pferde  beschlagen,  behufei- 
sen ,  ick  sliöid;  forgänjllen  und  forgellen,  vergolden,  ick  forgelld; 
fäirken,  mit  der  Heugabel  nuüan gen ,  ick  für k ,  hähio  fürken ;  bläjd- 
den.  bluten,  ick  bleet;  bäirigen ,  bergen,  ick  bürg,  hähw  bürgen; 
ijnnen,  i.  enden,  2.  dem  Ende  näher  schreiten,  personale  und 
impers. ,  ick  änd.  dät  änd;  hijnnen,  \.  mit  den  Händen  auffan- 
gen, 2.  sieh  begeben,  ereignen;  pers.  und  impers.,  ick  händ,  dät 
händ  Iiäm,  es  traf  sich;  kneten,  einen  Knoten  schürzen,  ick  kneet, 
hähw  kneet;  kluhsen,  kleiden,  pers.  und  impers.,  ick  kläss,  hähw 
Mass,  dät  kläss  här  gänjd,  es  kleidete  sie  (stand  ihr)  gut;  renen, 
regnen,  dät  rind;  smeren,  schmieren,  ick  smjärd;  slingen,  milder 
Schleuder  werfen,  ick  slängd;  swiermen,  schwärmen,  swärmd; 
fäjdden  ,  ernäliren ,  unterhalten,  ick  fet;  räjdden,  i.  rathen, 
jemand  etwas,  2.  errathen,  5.  zu  gebieten  haben,  ick  ret;  gräimen, 
ausweiden,  gräimd.  —  Wo  hier  nur  allein  das  Imperfectum  steht, 
da  ist  die  Form  der  Vergangenheit  dieselbe.  Kolken,  lühssen  kön- 
nen auch  regelmässig  gehen;  bäirigen  hat  ausser  der  obigen  Ab- 
wandlung auch:  ickberrigt,  hähw  berrigt.    Das  Wort  fallen,  einem 

38 


298 

Avie  ein  Füllen  nachlaufen,  von  dät  Fall,  das  Füllen,  ist  nicht 
mit  fallen,  schinden,  von  ilät  Fall  (Fell),  zu  verwechseln;  jenes 
ist  regelmässig:  fie  fallet  me  efter ,  er  läuft  mir  nach. 

Da  die  einfachsten  Zeil\^örtcr  wenigstens  allemal  zweisilbig  sind, 
so  ist  es  ein  wenig  auffallend,  dass  folgende  Wandelwörter,  als: 
flieen,  fliegen,  siecn,  sehen  und  säen,  tiecn ,  ziehen,  sliicn  oder 
sliüicn,  geschahen,  duliggcn,  ihun,  fuhggen ,  enipfahen,  sluliggen, 
schlagen,  und  fif/zj/r/i-/»,  waschen  ,  ihre  ursprüngliche  Form  verlieren 
und  eine  ganz  fremdarlige  bekommen:  aus  flieen —  flijn,  aus 
sieen  —  sijn;  aus  ticen  —  tijn;  aus  sliien  oder  fJtäien  —  sin'jn;  aus 
dufiggcn  —  düjn ;  aus  fuhggen  —  fäjn ;  aus  slnhggen  —  slüjn;  aus  tuhg- 
gen  —  tüjn;  wenn  sie  mit  f/rörre«,  dürfen,  den  Muth  haben,  türren, 
die  Erlaubniss  oder  die  Verpflichtung  haben ,  haanen ,  können ,  lüjtten , 
lassen,  mäujüen,  müssen,  maagen,  mögen  ,  sli allen,  sollen,  wällen, 
wollen,  veibunden  werden.  Beispiele:  de  Fögel  wäll  ßijn;  he  darrt 
't  äi  sijn,  seilen;  haust  cd  sijn?  he  tvdll  sän  Rögge  sijn  (säen);  de 
ihne  Häjnst  hön  dal  swär  Leess  äi  tijn;  läjtt  't  shijn;  dät  shäll 
äi  shijn!  ick  hont  düjn;  du  mähst  't  nög  fiijn.  (bekommen); 
dö  wälJi  fiijn;  mäi  ick  't  fiijn?  wälh  ine  slüjn?  he  wäjl  mc 
diljd  slüjn;  jö  shäll  hur  tüjn,  u.  s.  w.  Wahrscheinlich  stam- 
men diese  abweichenden  Formen  aus  dem  Angelsächsischen,  von 
den  nächsten  Nachbaren  der  wailandigcn  Nordfriesen,  worauf 
auch  die  Aehnlichkeit  der  obigen  Wörter  hinzudeuten  scheint. 
Im  Angels,  ist  ftieen,  fleon  [flijn);  sieen,  seon  [sijn);  tieen ,  leon 
{tijn);  dahggen ,  dön  [düjn);  sluhggen ,  slean  {slüjn);  tuhggen, 
thvean  {tüjn).  —  Bemerkenswerlh  bleibt  es  immer,  dass  hier  die 
Zeitwörter  beider  Sprachen  einsilbig  sind,  was  sonst  im  Nordfrie- 
sisclien  nie,  und  im  Angelsächsischen  auch  wohl  nur  selten  vor- 
kommen mag. 

Ausser  den  obigen  Hülfswörtern ,  haanen,  maagen  u.  s.  w. . 
können  wir  audi  noch  andere  Zeitwörter  mit  einander  verbin- 
den, die  aber  keine  weitere  Veränderung  in  den  gewöhnliehen 
Formen  dadurch  erleiden,  als:  gongen  sieen;  lädden  bliwwen;  spü- 
len hieven;   dregcn  helpen  u.  dergl. 

Die  Mehrheit  der  gewesenen  Gegenwart  endigt  sich  immer  auf 
en,  als:  ick  ging,  pl.  we  gingen;  ickläkel,  we  lähcten ,  lachten;  ick 
sluHch ,  WC  sluuchcn ,  schlugen,  u.  s.  w.      Aber  bei  den  folijenden 


299 

Wurlern:  maagen ,  /lewcn,  du/iggcii ,  sedden  ,  wällen,  liaanen  ,stäujn- 
nen  und  shdllen,  wird  die  Mehrheit  des  Imperfectums  auf  folgende 
Weise  gebildet,  als:  maagen ,  ick  inähs ,  pl.  wc  mahn;  hewen, 
siehe  §.  198;  du/iggcn,  ick  däi,  pl.  däjn;  sedden,  ick  sälis,  pl.  we 
sahn,  sagten;  wällen,  ick  iviijl,  dö  wäisl,  du  wolltest,  pl.  wäjn; 
kaanen,  ick  köJis,  pl.  kühn,  konnten;  sUlujnnen,  stehen,  ick  stöhs, 
pl.  slijnnen,  standen  ');  shällcn,  ick  shäiijl ,  pl.  shäujn,  sollten;  dö 
shäust,  du  solltest,  vergl.  dö  tväist. 

Der  Befehl  (Imperativ)  wird  immer  nur  aus  den  Stammsilben 
der  Zeitwörter  gebildet,  als:  gongen,  gong!  stäiijnnen,stävjn! steh, 
u.  s.  w. ;  daher  wir  dessen  nicht  weiter  erwähnen. 

Unter  denjenigen  Zeitwörtern,  die  in  der  gewesenen  Gegenwart 
und  in  der  Vergangenheit  sich  gleich  bleiben ,  linden  wir  nun  1)  eine 
Menge  von  solchen,  die  sich  in  beiden  Zeiten  auf  elendigen,  und 
meistens  ein  a,  äi,  i,  äj,  ij  oder  jd  zum  Hauptlaule  haben; 
2)  solche,  die  in  beiden  Zeiten  ein  gedehntes  ä  oder  5  erhalten; 
5)  mit  dem  liefen  e  in  beiden  Zeiten;  4)  mit  ij  und  ie  im  I 
perf.  und  ein-  oder  zweisilbigem  Mittelwort,  das  sich  auf  en, 
oder  m  endigt;  5)  mit  üj,  ij,  und  äi,  äj  im  Imperf. ,  mit  zwei- 
oder  einsilbigem  Mittelworte  auf  n;  6)  mit  au,  an,  u  und  ü  in 
der  gewesenen  Gegenwart  und  meistens  zweisilbigem  Mittel- 
wort. —  Die  nachstehende  Tabelle  über  die  Abweichungen  macht 
diess  deutlicher. 

Tabelle  über  die  Abweichungen  der  unreijelmüssigen  ZeiU 

Wörter. 

§.  208.  Die  Striche  in  der  zweiten  Spalte  deuten  an ,  dass 
die  Personen  der  Gegenwart  regelmässig  sind;  die  Zahlen  zeigen 
an,  dass  ein  und  dasselbe  Wort  verschiedene    Bedeutungen   hat. 

Die  mit  einem  Sternchen  bezeichneten  Wörter  können  auch 
ohne  Ansloss  regelmässig  abgewandelt  werden. 


ra- 
n 


')  Der  Plural  müsste  heissen:  wo  stöhn,  stall  we  stijnnen.  Letzteres 
ist  aber  ganz  allgemein  ,  und  stöhn  hört  man  selten  oder  nie. 


3«* 


500 


Wandel- 

1^'«,  2'c  und  3'-^  Person 

1    Gewesene 

Zweites 

Uas   deutselie 

■wort. 

der   Gegeinvait. 

1  Gcgcnwai  L 

Mittelwoit. 

Wandelwort. 

hingen 

hing,  liängsl,  hängt 

hüngd 

hüngd 

hängen  v.  ir. 

Iiijnnen  2. 

—     Iiänst ,  liänt 

hnnd 

hünd 

auüangen. 

ißmicn  2. 

—    änst,  änt 

Und 

Und 

enden  ,  beenden 

kicmmen 

—     kämst,  kämt 

kamd 

kümd 

kämmen. 

hinrjcn 

—     krängst,  krängt 

krängd 

krängd 

drängen. 

lingcn  2. 

—     längst ,   längt 

lungd 

lüngd 

reiehen. 

mingen  2. 

—    mängst ,  mängt 

müngd 

müngd 

mengen. 

räncn 

—     rannst ,  rannt 

rund 

rmd 

rennen. 

nijnnen 

—     sännst ,  sännt 

sänd 

sänd 

senden. 

s/njnncn 

—     shännst,  shännt 

sJüvnd 

shdnd 

scliänden. 

sVingen  2. 

■ —     slängst ,  slängt 

slängd 

slängd 

schlciulein. 

lijnnen 

—     tännst,  tännt 

fand 

tänd 

zünden. 

trijnnen 

—     trännst ,  tränvt 

travd 

tränd 

scheren,  v,  eilen 

wijnncn 

—     wannst ,  wannst 

wand 

wand 

wenden. 

wrhigcm 

—     wrängst ,    wrängt 

ivrTvngd 

wrängd 

ausringen. 

ihrwcn 

—     ärrewst ,  ärrewl 

arrcwd 

ärrewd 

erben. 

[äiijn]  strin- 

—     strängst ,   strängt 

stvTwgd 

sirängd 

ansirengcn. 

gen 

dränkcn 

—     dränks! ,  dränkt 

dräng d 

drängd 

ertrinken. 

Uvenen  *■) 

—     twännst ,  twänt 

twänd 

twänd 

zwirnen. 

leddeii 

■ —     läist ,  läit 

läid 

läid 

legen. 

reken  *) 

— — 

riggd 

riggd 

recken. 

renen 

— däl  rinnt 

rind 

rind 

regnen. 

shenen 

—     shinst  .  shint 

shind 

shind 

scheinen. 

sleken  *) 

— 

sliggd 

sliggd 

löschen. 

slreken  *) 

— 

striggd 

striggd 

strecken. 

tcken  *) 

— 

liggil 

liggd 

ein  Dach  decken 

lienen 

—     lijnst ,  lijnt 

lijnd 

lijnd 

daclien. 
leihen. 

mienen 

—     mijnst,  mijnt 

mijud 

mijnd 

meinen. 

ringen 

—     rdjngst,  rdjngt 

räjngd 

rdjngd 

läuten. 

klingen 

—     klängst ,  klängt 

klünqd 

klängd 

klingen. 

dielen  *) 

— 

dijld 

dijld 

theilen. 

beren 

—     hjärsl ,  bjärl 

hjärd 

bjärd 

Geld  heben. 

legeren 

—     hegjärst,  begjärl 

bcgjärd 

begjärd 

begehren. 

fairen 

—     fjärst,   fjärl 

fjdrd 

fjärd 

führen. 

gräten 

—     gräist,  gräii 

gräid 

gräid,  gräjn 

Avachsen. 

käircn 

—     kjärsl,  kjärt 

'kjärd 

kjärd 

fahren. 

meren 

—     mjärst ,  mjärt 

mjärd 

mjärd 

mehren. 

veren 

—     njärst ,  njärl 

njärd 

njärd 

nähren. 

siccn 

—     iäist ,  säil 

säid 

säid,  säjn 

säen. 

sliäienMiiecn 

— dät  shäit 

shäid 

shäid,  shäjn 

geschehen. 

shercn 

—     shjärst ,  shjclrt 

shjärd 

shjärd 

scheren  ,   schnei- 
den. 

smercn 

—    smjärsf ,  smjdrl 

svijärd 

smjärd 

schmieren. 

oOl 


AVaiidcl- 
form. 

sweren 
teren  ') 
weren  2. 
sw'mgcn 


spränken  *) 


Personen   d(;r    Ge- 
genwart. 

—  swjärst ,  swjärt 

—  tjärst ,  tjäri 

—  nijärst ,  wjärt 

—  swängst,  swängt 

—  swjängst ,  sxvujnst 

—  spränkst,  spränkt 


Iiiipcilec-    ,     Perleuluiii. 
tum.        1 


SWjÜrd 

tjärä 

wjitrd 

swängd 

swdjngd 

sivüng 

sprüngd 


swjärd 
tjärd 
wjärd 
swängd     ) 
swdjngd    i 
swiingen  J 
sprUmjd 


Deutsclies 
Wandehvorl. 

scliwören. 

zehren. 

wehren. 

schwingen. 

sprengen ,  hespr. 


II. 


hrijdden 

—     brätst,  brät 

brät 

brat 

ausl.ireilen. 

kupen 
shiehscn 

—  käfst,  käft 

—  shäst ,  shälts 

käft 

shahs 

käft 
shahs 

kaufen, 
scheiden. 

sprijdden 
stijllen 

—  sprätst,  sprät 

—  slätst ,  stät 

sprät 
stät 

sprät 
stät 

spreilen. 
siossen. 

maagen 

mäi,  mähst ,  mäi 

mälis 

mäht 

mögen. 

bringen 
kaanen 

—     bräjngst,  brdjngt 
kön,  kaast ,  kön 

brögt 
kö/is 

brögt 
kühl 

bringen, 
können. 

mmjtlcn 

—    maust ,  mäiijl   pl. 

möst 

möst 

njüssen. 

säicken 
tanken  2. 

we  mäujn 

—  segsl ,  segt 

—  tankst,  tunkt 

sögt 
tögt 

sögt 
tögt 

suchen, 
(lenken. 

swöhmcn  *) 

swömd 

swömd 

sehweimen 

sieen 

—    sjögst ,  sjögt 

säch 

säjn 

sehen. 

III. 


berehsen  *) 

hläjdden 

bräjddcn 

hrijdden 

fällen 

fäjdden 

forgäujllen 

fielen  2. 

hijtten 

kneten 

täjtten 

mäjtten  2. 

räjdden  j. 

selten 

snäjtten 

wäjtten 

sprijdden  2. 


beret 

bietst,  biet 
bretst,  bret 
bretst ,  bret 

feist,  fct 
forgellst ,  forgellt 

helst,  het 

letsl,  IM 
meist,  met 
reist ,  ret 

sei 

snetst ,  snet 
weist,  wet 
sprcdst,  spret 


berrt 

biet 

bret 

bret 

feil 

fct 

forqeiiil 

fiel 

het 

knet 

Ict 

med 

ret 

sei 

sncl 

wel 

sprcl 


hercl 

biet 

bret 

bret 

feilen 

fei 

fon/elld 

fiel 

het 

knet 

Ict 

mcel 

ret 

sei 

snet 

wel 

spret 


ol)en. 


bereiten. 

bluten. 

bi'üten. 

breiten,  ; 

fallen. 

ernäliren. 

vergolden. 

s.  g210. 

heizen. 

knoten,  schürzen. 

lassen. 

messen. 

rathen. 

setzen. 

schnauzen. 

netzen. 

spreiten. 


7,02 
IV. 


Wandel-             Personen  der  Gegen-  Imper- 

form.                               wart.  fectuni. 

litten               —  beutst ,  hält  bijt 

cjUdden            —  glältsl ,  fjlätt  glijd 

grippen            —  grdppst .  gräppt  gricp 

riddcn              —  rdtsl ,  rät  rijdd 

shrkidcn           —  shrälsl,  shvät  shn'jdd 

slidden            —  sldddst ,  sldtt  slijd 

sUtlen  5.          —  sldltst ,  sldlt  slijt 

shilten  ;   —  slidltst,  s/idtt  s/iijti 

smitten  ]  —  smällst,  smäü  smijtt 

spUtten  ;  —  spUHtst ,  spldll  splijtt 

slriddeii  [  —  slrdltsl ,  strdtt  strijdd 

twilten  ;  —  tivdttst ,  twdtl  twijtt 

bliwwen  I  —  bldfst,  blaß  blief 

driwwen  j  —  drdfst,  dräfl  drief 

gnihssen  \  —  gndst,  gnäsl  gnicss 

lihssen  |   —  last,  last  Hess 

s/irmwen  \  —  s/irdfst,  slirdft  s/irlef 

r'rwwen  I  —  räfst,  rdß  rief 

slippcn  j  —  sldpplsl,  aläppl  sliep 

strichen  \  —  slralist,  slrdckt  strieh 

swifissen  |  —  swdst,  swdst  swicss 

prilissen  *)  j  —  präsl,  präst  pries 

wri/tssen  i  —  wräst ,  lirdst  !  wriess 


Ferfccliini. 


bann 

gldnn 

grdm 

rdnn 

slirdnn 

slänn 

shinn 

slidnn 

smdnn 

spldnn 

st  rdnn 

Iwdiin 

bläwen 

drdwen 

gnusen 

läJisen 

s/iräwcn 

räwcn 

sUiltni 

slrägen 

swdseit 

präsen 

wruhsen 


ichlit- 


üeutsclies   Wan- 
dehvort. 


beissen. 

i^lcilcii. 

greifen. 

reiten. 

schrciicn. 

gülselien, 

lern, 
verlieren, 
scheisscn. 
schincissen. 
spleisseii. 
slreilen. 
scliniizen. 
bleiben, 
treiben, 
reiben, 
leiden, 
selireiben. 
reissen. 
scbleii'en. 
sireichen, 
sengen. 


preisen, 
entwinden 


rin- 


bijdden 
beßijtten  2. 

flijttcn 

fovtrijüen 

gijllen 

mjtten 

shijtten 

slitten  5. 

tijllen 

bddden  2. 

bregen 

ä/isen 

dii/iggen 

l'rehsen 

/lijtteit 


bjötst ,  bjött 

büjd 

bahn 

bieten. 

befljöttst,  bc/ljött 

beßüjtt 

beflä/tn 

befleisscn  2.  be 
fliessen. 

ßjöttst,  jljiUt 

flüjtl 

{lähn 

fliessen. 

däl  forlrölt 

fortriijtt 

forträhn 

verdriessen. 

gütisl ,  galt 

giljlt 

gähn 

giessen. 

njöttsl ,  njött 

iiiljll 

nältn 

geniessen- 

s/iöllst ,  sliötl 

sfiüjtt 

shähn 

scliiessen. 

sijötlst ,  sljött 

slüjtt 

slähn 

scliliessen. 

tjütlst,  Ijött 

tüjtt 

lähn 

schreien. 

bdddst .  bddt 

bäid 

bahn 

bitten. 

bregst.   bregt 

bräik 

brägen 

brechen  ,  gebr. 

etst ,  et 

äjl 

ahn 

essen. 

dälist ,  det 

däl 

däjii 

thun- 

freist,  frei 

fiäjt 

fr  ahn 

IreSflCii. 

fiäflst,  hall 

hüjtt 

häjllen 

beissen 

rsonen  der  Gcgcn- 

Impei- 

Pcifectaiii. 

Deutsches   Wan- 

nart. 

fectum. 

delwort. 

— 

jälf 

knüjl 

jäwcn 
knähn 

geben, 
kneten. 



säjll 

sälin 

sitzen. 

siepsl ,  slept 

släip 

släipen 

schlafen. 

— 

spräik 
stäik 

sprägen 
slägen 

spieehcn. 
siechen  nnd  stee 
ken. 

— 

SllÜQ 

släjl 

stägen 
sleüen 

steigen, 
stehlen. 

tretst,  tret 

träjtt 

trähn 

treten. 

läist,  läit 

läi 

läien 

liegen. 

— 

siüäig 

s  wägen 

schweigen. 



wäif 

wäwen 

wehen. 

forjelst ,  forjet 

forjäjt 

forjälm 

vergessen. 

släist ,  släit 
twäist ,  tiväit 


fljögst,  fljögt 
dögst  ,  dögl 
kröpst  ,  krüpt 
Ijogst,  Ijögt 
lapsl ,  läppt 


snöfst ,  snöß 
stöfst ,  stuft 


—    Ißgsl,  ijögt 


Yl. 

bauk 

drauch 

faur 

grauf 

kaimm 

hau 

laus 

slanch 

tauch  , 

twäid 
wauch 

burst 

duhrst 

druiik 

fhich 

duck 

krnp 

lucli 

lüpp 

shuf 

shuf 

slunk 

smif 

stuf 

sup 

sunk 

tucli 

türsli 


bägen 
d ragen 
fären 

gräwen 

kiemmen 

hauen 

läsen 

släien 

Iwäien 

tvägen 

bürsten 

duhrst 

dvunken 

{lägen 

dägcn 

kr  ahm 

lägen 

lähm 

shäwen 

shähm 

slunken 

snäwen 

Slawen 

sähm 

sanken 

tagen 

türshen 


backen, 
tragen, 
fahren,  einher 

u.  s.  w. 
graben, 
kommen, 
hauen, 
lesen  ,  2. 
schlagen, 
waschen. 


laden. 


V.  iegen  und  wä- 
gen, 
bersten. 

dürfen  ,  w-agen. 
trinken, 
fliegen, 
taugen, 
kriechen, 
lügen, 
laufen, 
schieben. 
erschalTen. 
verschlingen, 
schnieben. 
stieben, 
saufen, 
sinken, 
ziehen, 
dreschen. 


Wandel- 
foim. 

türvcii 

wäfisen 

hinnen 

bäiriiien 

fordienven 

filDlPU 

fnicscn 

friesen 

forliesen 

fuhgqen 

heipen 

himfien 

hüjllen 

grünnen  2. 

sjuiifjon 

shcllewen 

Spillen 

spännen 

springen 

släirwen 

swimien 

stjnnhcn 

tünnen 

Iwenen  ") 

tvorden 

swingen 

twingen 

nämen 

leflcn 

fäirhen 

wlnnen 

ivdnnen 

ivierwen 

wiuhlen 

gungen 

smöllen 

krumpen 

slirumpen 


Personen  der  Gegen- 
wart. 


wijt,  wiest,  tvijl 

—  bannst,  bannt 

—  herigst ,  berigt 

—  forclercwst,  —  ewl 

—  fdnnst ,  fännt 

—  fröst ,  l'röst 

—  forljöst ,  forljöst 

—  fähsl .  fäit 


—     lullst ,  Iiält 


—  spätist ,  spällt 

—  spräjngst,spräjngt 

—  sterewst ,  sterewt 

—  swännst ,  sivänt 


Iwänsl ,  twänt 
rvorst ,  tvort 
swäjngst ,  swäjngt 
iwäjngst,  twäjngt 
nämmst ,  nämmt 


ivännst,  ivänt 


—    ivüddest ,  ivüddet 


504 

Iniper- 

ibctuni. 

rurst 

wiis!, 

bann 

bürg 

foriiiirw 

jiinn 

fnüss 

früss 

forlüss 

füng 

hülp 

hiutq 

hüll 

gründ 

süng 

sliülw 

spüll 

spüirn 

Sprung 

stürw 

swünn 

slünk 

tünd 

iwünn 

würd 

swüng 

twüng 

niUnm 

lüß 

fürh 

xcünn 

wann 

ivilrw 

ivüdd 

smölt 

krimp 

sbrump 


Pcrfectum. 


lurst 

ivust 

bünnen 

bürgen 

fordürwen 

fünnen 

fnäsen 

fräsen 

forläsen 

fangen 

hillpen 

hilngen 

bullen 

grünnen 

süngen 

shülwen 

spülten 

spünnen 

Sprüngen 

siünven 

siiiuinen 

stünkcn 

tünnen 

twünnen 

würden 

swüngen 

twüngen 

nünunen 

lüflen 

füricen 

wünnen 

wunnen 

tvürwen 

ivüdden 

gingen 

smolten 

krumpen 

slirumpen 


Deutsches  Wan- 
del wort. 

dürfen. 

wissen. 

binden. 

ern(en,  bergen. 

verderben. 

finden. 

niesen. 

frieren. 

verlieren. 

eiupfahen. 

helfen. 

bangen. 

halten. 

mahlen. 

singen. 

zillern. 

spilien. 

spinnen. 

springen. 

sterben. 

sehwinden. 

slinken. 

scliN^  eilen. 

zwirnen. 

werden. 

schwingen. 

zwingen. 

nehmen. 

lieben. 

aufgabeln. 

winden. 

gewinnen. 

werben. 

waten. 

gehen. 

schmelzen. 

krimpen. 

schrumpfen. 


Noch  sind  zu  erwähnen 


formielisen 
wällen 

shätlen 


wähl ,  wäll ,  i> 

wän 

sliäht,  sliätl 


formahsd 
wäjl ,  pl. 

iväjn 
iibäiijl,  pl. 

shänjn 


formahsen 
wäjlt 


sliävjlt  sollen 


vermeiden, 
wollen. 


30!> 

§.  209.  Die  durch  Vorsilben  oder  ümstandswörler  u.  s.  w. 
zusammengesetzten  unrcgelmässigen  Zeitwörter  riehten  sich  nach 
ihren  Stämmen  in  der  vorstehenden  Tabelle,  wie  z.  B.  forbijdden 
nach  bijdden;  begrippen  nach  giippen;  äujntstäujnnen  nach  slmpi- 
nen ;  bedregen,  fordregen,  äjtdregen  nach  dregen,  u.  s.  w. 

Bemerkungen  über  einige  der  vorstehenden  Zeilwörter* 

§.210.  4.  Hijnnen  heisst  4.  mit  den  Händen  auffangen,  z.B.  den 
Ball;  2.  sich  ereignen,  begeben,  zutragen.  Ijnnen  \.  beendi- 
gen, vollenden;  2.  sich  zusehends  dem  Ende  mit  der  Arbeit  nä- 
hern, wenn  es  mit  derselben  gut  fortschreitet.  Lingen  1.  langen, 
reichen;  2.  sich  sehnen,  mit  nach,  aber  nicht  zurückzielend  (re- 
ciprok),  z.  B.  ick  ling  efler  mein  Sahn,  ich  sehne  mich  nach  mei- 
nem Sohne.  Mingen  l.  mengen,  mischen;  2.  zaudern,  säumen. 
Slingcn  l.  mit  der  Schleuder  werfen;  2.  wie  im  Deutschen,  aber 
nicht  schlucken,  verschlingen,  welches  släjnkcn  heisst.  Dränhen, 
ertrinken  ,  steht  auch  zielend  für  ertränken ,  als:  he  dränld  sdn  Ilünn 
an  sin  Kätt.  Gräien ,  dän.  at  groe ,  engl,  to  groiv ,  wovon  das 
deutsche  und  englische  Grass,  Gras,  und  das  dänische  Gras  ab- 
stammt, so  wie  en  Grvde,  die  Gruse,  wofür  ich  das  Wort  grusen 
als  das  entsprechendste  gewählt  habe.  Man  gebraucht  gräien  nur 
von  dichtem,  kurzem  Grase,  kurzen  krausen  Haaren  und  krau- 
ser Wolle,  und  sagt  von  der  letztern:  dät  Uli  äs  gäiijd  unncr- 
gräjn ,  die  Wolle  ist  gut  unierwachsen.  Das  daraus  gebildete 
Hauptwort  heisst  de  Grause,  entspricht  dem  dänischen  Gröde , 
und  dem  deutschen  Gruse,  Saft  und  Trieb  des  Pflanzenwuchses; 
auch  kommt  es  in  dem  Worte  Edgrause ,  Nachgras,  dän.  Efler- 
gröde,  vor.  Weren,  4,  v.  rec. ,  sieh  wehren;  2,  v.  act.  intr. ,  weer 
da  Häjnsle ,  wehre  den  Pferden  u.  s.  w.  Sheren  h.  überhaupt 
schneiden ,  daher  de  Shjärder ,  der  Schnitter ;  mit  der  Schere 
schneiden  ist  klappen,  dän.  at  kuppe.  Tanken  l.  denken; 
2.  im  Gedächtniss  behalten.  Fielen  4.  die  im  Tüdder  stehen- 
den Schafe  und  Rinder  auf  einen  andern  Rasenfleck  setzen;  2. 
umziehen  von  einem  Hause  in  ein  anderes,  dän.  at  flötle ,  nd. 
flutten.  Mäjtten  h.  nicht  allein  messen,  sondern  auch  einem  be- 
gegnen,   mit    ihm  zusammentreffen.     Räjdden,   4.  rathen ,    einem 

39 


306 

etwas;  2.  erralhen;  3.  befehlen,  z.  B.  dö  hältst  kirr  nint  räjdden, 
du  hast  hier  nichts  zu  sogen,  zu  gebieten,  zu  herrschen  u.  s.  w. , 
in  mehrfachen  Beziehungen.  Snäjlten ,  von  de  Snütte,  Schnauze, 
Avird  nur  von  der  Nase  und  der  Lichlschnuppe  gebraucht,  woher 
auch  de  Sil  öle ,  dül  Siiöte,  der  Nasenschleim,  Rolz,  stammt.  Sprijd- 
den,  spreiten,  z.B.  Mist  spreiten  oder  streuen.  Sliltcn  1.  aus 
der  Tasche,  vom  Wagen,  auf  dem  Wege  verlieren;  2.  schleissen, 
aufsehleissen ,  z.  B.  die  Kleider;  5.  jemand  auf  die  rechte  Weise 
zu  nehmen  wissen,  um  mit  ihm  durchzukommen.  Twitten  h. 
auch  überhaupt  in  Holz,  oder  Späne  abschneiden.  GnUissen,  ein 
Stück  Zeug  oder  dergleichen  zwischen  den  Händen  reiben.  Wrihs- 
sen  1.  sich  krümmen  wie  ein  ATurm;  2.  die  Hände  ringen;  5.  ei- 
nem etwas  drehend  entwinden.  SliijUen ,  verb.  irapers.,  wird  auch 
so  gebraucht :  dät  könr  me  nint  dm  sliijtte ,  ich  schere  mich  nicht 
darum,  mag  es  nicht  u.s.  w. ;  ivdt  kön  de  dät  shijlte?  was  geht  das 
dich  an?  was  schiert  es  dich?  Bddden  1.  bitten,  2.  betteln. 
Bregen,  v.  pass.  und  v.  tr. ,  ferner:  mangeln,  fehlen,  gebrechen; 
2.  sich  erbrechen.  Fre/isen ,  fressen  ,  wird  nur  von  Menschen  ge- 
braucht ,  wenn  sie  sich  übermässig  anfüllen ,  sonst  von  Men- 
schen und  Thieren  äfisen ,  essen.  Frelisen,  v.  reg.  trans. ,  heisst 
friedigen.  Jewen,  geben,  hat  nicht  die  umfassende  Bedeutung 
des  deutschen  Wortes,  und  wird  nur  vom  Kartengeben  und  Yieh- 
füttern  gebraucht,  als:  du  shäht  jewe  ,  nämlich  Karten;  hältst  Jä- 
wen?  hast  du  dem  Vieh  den  ganzen  Stall  hindurch  ein  Futter  ge- 
geben? Huhm  jeft  träie,  man  füttert  dreimal  herum.  Ick  jeiv'r 
nint  dm,  ich  gebe  nichts  darum,  mag  es  nicht.  Das  gewöhnliche 
Geben  heisst  duhggen ,  als :  diihg  me  dät  Bauck ,  thu  mir  d.  h. 
gieb  mir.  Spregcn  h.  mit  jemand  sprechen,  als:  hähst  heim  sprä- 
gen?  hast  du  ihn  gesprochen?  an f  huhm  selleiv  spregcn,  sich  sel- 
ber loben;  das  Sprechen  überhaupt  heisst  snäken.  Tresen,  treten, 
wird  auch  vom  Begalten  der  Vögel  gebraucht.  Shafcn  h.  auch 
herbeischaffen,  zu  Wege  bringen,  und  ist  dann  regelmässig  [shü- 
?üm,v.  reg. ,  b.  bilden,  formen,  eine  Gestalt  geben;  he  wijt  'tnög  tö 
shütven ,  zu  bilden,  zu  gestalten;  2.  sich  gebehrden;  hörr  shä- 
west  de?  wie  hast  du  dich?).  Snöwiven  h.  nicht  allein  schnieben, 
sondern  auch  schnupfen,  nämlich  Taback,  Tieen,  h.  ziehen  in 
allen   Bedeutungen  des   deutschen  Wortes ,   ausser  da ,    wo  man 


307 

ein  Thicr  an  einem  Stricke  zieht;  dieses  Iieisst:  Irdckcn,  dän. 
at  träkke ,  jö  Trdckpott,  wörtlich  der  Zichtopf,  d.  i,  der  Thee- 
topf,  weil  der  Thee  ziehen  muss.  Bäirigen  hat  auch  die  etwas 
regehnässigere  Wandlungsform:  berirjt ,  im  Imperf.  u.  Perf.  FoV' 
lieseu  i.  im  Spiele,  im  Handel;  zur  See  verlieren,  untergehen, 
scheitern;  2.  entbinden,  erlösen,  eine  Gebährende.  In  dem  letz- 
teren Sinne  ist  es  regelmässig.  Grünnen,  engl,  to  grind,  h.  auf 
der  Mühle  mahlen. 

Slillcn ,  aus  der  Tasclie  verlieren,  und  süücn ,  schliessen,  irt 
allen  Bedeutungen  des  deutschen  Wortes,  sind  wohl  von  einander 
zu  unterscheiden.  Ebenso  siee«,  sehen,  und  sieen,  säen;  ersteres 
hat  im  Imperf.  sach,  dieses  sdid.  Ferner  hijtlen ,  heizen,  und 
hijlten ,  heissen ;  ersteres  hat:  het  und  halt,  in  beiden  Zeiten, 
dieses  häjttxmd  IiäjUen.  Aus  fiet ,  heizte,  geheizt,  wn-d :  de  Hct- 
stijii ,  wörtlich  der  Heizstein,  d.  i.  der  Feuerherd.  Hungen,  han- 
gen, V,  n.,  ist  von  hingen,  hängen,  v.  tr. ,  wohl  zu  unterscheiden, 

2.  Bei  mehreren  Zeiiwörlern  von  gleicher  Bedeutung  hat  man 
verschiedene  Vocale  zu  Slammiauten,  als:  fieligen,  fälligen  und 
fuligen,  folgen,  den  Acker;  das  Hauptwort  hcisst :  düt  Fulig ;  for- 
gäiijllen  und  forgellen,  vergolden;  swiennen  und  swärmen,  schwär- 
men ,  von  Bienen ,  Ameisen ,  Mücken  u.  s,  w. ;  stiermen  und  sldr- 
men,  riechen;  die  Substantiven  heissen:  de  Swierem,  Schwärm, 
und  de  Stierem,  Geruch;  swijtten  und  swälten,  schwitzen,  Subst. 
dät  Swiji ;  ihrwen  und  ärwen,  erben,  Subst.  jö  yirw ,  de  u/rwing, 
das  und  der  Erbe  ;  shieen  und  shäien ,  geschehen ,  Subst.  jö 
Shäujn ;  bäirigen  und  herrigen ,  bergen ;  wärken  und  wärrigen , 
schmerzen,  Subst.  de  Würk,  der  Sehmerz,  wie  Gigtwürk ,  Gicht- 
bruch ,  Lähsewürk ,  Gliederreissen ;  swieligen  und  swcilligen,  \.  hinun- 
terschlucken ,  2.  ersticken  ,  verb.  pass. ;  Subst.  jö  Swielig  und  jö 
Sivällig,  der  Schlund,  der  Schwalg,  die  Schwelge,  dän.  at 
svälge ,  et  Srälg ;  daher:  schwelgen,  engl,  lo  swallow;  bäligen 
und  bijlken ,  laut  rufen ,  bäligen ,  zurückrufen  ,  bijlken ,  auch 
laut  nachschreien,  daher  Subst.  de  Bijlk ;  marken  und  mürri- 
gen,  merken,  Subst.  f/äf  Mark,  Merk,  Merkzeichen;  beide  bedeu- 
ten: merken  überhaupt,  und  mürrigen  gebraucht  man  noch  beson- 
ders von  Hauslhieren,  denen  man  ein  Kennzeichen  macht,  z.  B. 
Schafen,  in  den  Ohren  oder  mit  Farben,  Gänsen  in  den  Füssen, 

30» 


508 

Rindern  mit  dem  Brenneisen  in  den  Hörnern.  Wirken  h.  i.  über- 
haupt wirken,  daher  dät  Wäirk,  das  Werk;  2.  einen  bretternen 
Zaun  setzen,  davon  dät  Wirk,  das  Wirk;  wirrigen ,  4.  wür- 
gen, wäl  dälihvirrigen,  hiniinterwürgen  ,  2.  erwürgen,  einem  die 
Kehle  oder   Gurgel    (jö  Slraahs)   zuschnüren. 

Es  mag  in  diesen  Wörtern  das  eine  Wandelwort  aus  einer 
Zeitform  des  andern  hervorgegangen  sein.  Wir  haben  ähnliche 
Fälle  im  Deutschen,  wie  trügen  und  tricgen,  beirügen  und  betrie- 
gen ,  schnauben  und  schnieben,  stäuben  und  stieben,  sprossen  und 
spriesscn  ,  träufen  und  triefe?i ,  u.  s.  w. ,  so  wie  in  der  Zeilform 
der  gewesenen  Gegenwart ,  als :  barst  und  borst ,  drasch  und 
drosch,  hob  wnd  hub,  schwor  und  schwur ,  spann  und  spow«,  schlang 
und  schlung ,  stand  und  stund  u.  s.  w\ 

3.  Folgende  der  obigen  Zeitwörter  werden  unpersönlich  ge- 
braucht, als:  bregen ,  mangeln,  gebrechen:  dät  bregt  mc;  shieeti 
oder  shüien :  dät  shäit  oller;  renen ,  regnen;  fortrijlten,  verdries- 
sen ;  täjnten ,  däuchlen,  dünken;  shijtlen,  sich  scheren,  küm- 
mern; und  bitten,  wenn  es  jucken  bedeutet;  dätbütt  nie,  es  juckt 
mich. 

4,  Die  Leidensform  des  zweiten  Mittelwortes  ist  in  einigen 
Fällen  von  der  activen  abweichend,  als:  ick  liäliw  twünd ,  aber 
de  Träjdd  ds  Iwünnen;  ick  hähiv  de  Bär  shjärd,  aber  dät  Kaum  ds 
sheren.  Selbst  beim  leidenden  Zeitworte  ist  diess  der  Fall,  als:  dö 
bäst  wügsen.  gewachsen,  ick bdmvügsen ,  ich  bin  erwachsen;  eben- 
so bei  shäid  und  sliäjn  ,  gräid  und  gräjn  u,  s.  w.  Ebenso :  ick 
hähiü  rann,  habe  geritten,  ick  bdn  ridden ,  bin  geritten,  d.  i.  zu 
Pferde;  ick  hähw  gingen,  habe  (statt  bin)  gegangen,  ick  bdn  gun- 
gen,  d.  i.  zu  Fusse  bin  ich  hicher  gekommen;  ick  hähw  kjärd , 
habe  gefahren,  bdn  käiren,  zu  Wogen;  häw  agel ,  gefahren,  bän 
ägen ,  zu  Wagen;  Jiör  bäst  färm?    wie  bist  du  daran? 

§,  211.  Die  abgeleiteten  Wortbildungen  aus  dem  unregelmäs- 
sigen Zeitworte  sind  bald  aus  der  Wandelform ,  bald  aus  der  Ge- 
genwart und  bald  aus  der  Vergangenheit  hervorgegangen.  Durch 
Vergleichung  mit  den  genannten  Zeitformen  kann  man  leicht  er- 
kennen, welcher  derselben  sie  ihre  Entstehung  verdanken,  als: 
hingen:  jö  Hing ,  die  Thürangcl,  de  Häjnger,  der  Henker,  de  Häng, 
der  Hang;  hijnnen :  jö  Hijnning ,  das  Ereigniss;  kämen:  da  Kämst , 


309 

Wäßkämst ,  der  Willkommen,  Aiijnkdmst ,  die  Ankunft;  kringen : 
jo  Krängd  ,  die  Viehseuclie  ,  Pest ;  forUngcn  :  de  Forlangsl ,  das 
Verlangen;  ränen:  de  Ränster ,  Renner,  in  Faarränsler ;  wijnnen: 
jö  Wijnning ,  Wendung;  Ujnncn :  dät  Tänner,  der  Zunder;  slin- 
gen :  jö  Sling ,  Schleuder;  sliiescn  :  de  Aiifsliiess ,  Abschied,  jö 
Shiesing ,  Scheide,  Feldscheide,  Sclieidung ;  sh'jtten:  de  StijU , 
Stoss;  sieen:  jöSigt,  dat  Sjöfin,  1.  Sehvermögen,  2.  Erscheinung; 
sliiccn:  jo  Shäujn ;  bräunen:  de  Brand,  jö  Bräiijn,  Feuersbrunst; 
gräien :  jö  Gräjdd ,  der  Rasen,  de  Grause,  dät  GJärs;  fähren:  jö 
Fähr,  \.  die  Fähre,  2.  der  Aufzug;  räiren:  jö  Mir,  A'präir,  Auf- 
ruhr; sheren,  de  Sliälir,  Schnitt;  dat  S/iJärd ,  die  Scherbe;  de 
S/ijärder ,  der  Schnitter;  glidden:  de  Glälis,  der  Glitt,  ?2Ö  ds'täw'e 
Glähs,  nun  ist's  im  Schub;  de  Gljärder,  Brotschieber;  sieen:  dät 
5ä/(/,  1.  Samen,  2.  Saat,  5.  Rapsaat;  /erew;  jö  Tering ;  ringen:  de 
Ringsler,  der  Läuter;  bregen:  de  Brähg ,  Bruch;  siegen:  de  Slälig, 
Stich,  dat  Släjk,  der  Griffel;  ähscn:  dät  ^//se,  das  Essen,  die 
Speise;  drdjnken:  dät  DrdJ)ike,  deDrönk,  de  Drönker,  der  Säufer; 
frehsen:  de  Frällie ,  die  Fresse,  das  Maul  (gemein);  Iddden:  dät 
Lddd ,  der  lose,  flache  Deckel,  2.  der  hölzerne  Teller;  ledden:  de 
A'mledder,  Einlegemesser  (ümleger);  dnhggen:  jö  Düjns,  dasThun, 
viel  Wesens ;  Je/i^ew ;  dät  e/e/i,  eine  Gabe  Futter,  de  Jeu'e ,  nur  in 
Näiihrsjewe ,  Neujahrsgabe;  selten:  de  Setter,  die  Setze,  eine  ir- 
dene Milchschüssel;  spregcn:  de  Spräjcke,  Sprache,  de  •^prök,  der 
Spruch ;  ivewen :  da  IFäir/e ,  JNom.  collect. ,  der  Webstuhl ,  de  TFä/<;sfer , 
Weber;  trescn :  de  Trälts ,  der  Tritt,  da  Trä/isc,  Trelhölzer  am 
Webcrstuhle;  fällen:  de  F(7//,  der  Fall,  jö  /^ä//,  die  Falle;  fäjd- 
den:  jö  Faihs,  der  Unterhalt;  läjtten :  de  Läjlte,  in  toUljtsluhggen ; 
mäjUen :  jö  3!äjtt,  das  Maass ,  r/e  Mäjtte,  die  Maassen  :  rfjrr  «s  ^a 
wä«  Mä/7/e  ?Hä,  dän.  der  er  jo  ingen  Maade  med,  ihr  haltet  ja 
kein  Maass ,  übertreibt  es ;  räjdden :  de  Räjdd ,  de  Räjdder ,  in 
Wönräjdder ,  wörtlich:  der  Wa/mrällier ,  einer  der  tausend  ver- 
kehrte Anschläge  macht;  de  Räjddelse ,  das  Räihsel;  bitten:  de 
jßii/er  (Beisserlein,  Zahn),  dät  Bitt ,  eine  gemachte  Oeffnung  im 
Eise  zum  Tränken  des  Viehes  (eine  vom  Winde  und  der  Strö- 
mung offne  Stelle  h.  jö  Wdnivaag) ,  dät  Bdtt ,  die  Pfeifenspitze, 
auch  dät  Müntstöck  (Mundstück)  genannt;  de  Bäfis,  i.  der  Biss, 
2,  die   Schärfe   der  Schneide ;    splitten :   de  Sp/äfis ,  die  Spleisse , 


510 

Spalte;  ridden :  de  Bidd ,  der  Ritt,  de  Ridder ,  i.  der  Reiter, 
2.  das  Reitpferd  selbst ;  der  Reuter  beim  Militair  b.  de  Rät- 
ter;  shridden :  de  S/iridd ,  der  Scbrilt;  smiften :  de  Smä/is ,  der 
Scbmiss  ,  Wurf;  dät  SmüUhig  ,  Wcberklcislcr ;  twilten :  de  Tivil- 
ter ,  der  junge  Bursclie ;  driwwen :  jö  Dräft,  i.  der  Trieb, 
2.  Nacbdruck ,  5.  Trift:  grippen:  de  Gripp,  ein  Griff  mit  der 
Hand,  de  Grawe,  der  Griff,  als  [landbabe  an  einem  Dinge;  shriiv- 
wen:  jö  Sliräß,  1.  jede  Scbrift ,  2.  die  beilige  Sebrift ;  de  S/iriw- 
wer,  Schreiber;  stricken:  de  Slräy,  der  Strich,  deSlräge,  Strei- 
cher zum  Schärfen  der  Sensen;  riivwcn:  deRä/nv,  der  Riss;  icrihs- 
scn:  de  Wrdsf,  der  Rist,  der  Spann,  dän.  en  Vrist,  von  at  vrie ; 
shenen:  de  Silin,  Schein;  reuen:  de  Rinn;  giingen :  de  Gong,  de 
Gajnger,  der  Gang  und  der  Gänger;  säiken:  jö  Säi/i,  das  Vermis- 
sen; tanken:  de  Tagte,  der  Gedanke,  gewöhnlich  nur  im  Plural, 
f/d  Tagte;  u'diinen :  deWdnst,  der  Gewinn  und  der  Gewinst;  kaa- 
nen:  de  Kunst,  die  Kunst;  släujnnen:  de  Släujnner ,  der  Leuc!uer; 
de  Slünner,  der  Ständer;  de  Stand,  der  Stand;  ä;(/?i  Stände  ice- 
sen,  in  Stande  sein;  ^iecw;  rfäf  Töc/;,  4.  der  Zug,  2.  das  Mal; 
kniepen,  kneipen:  jö  Kniep,  die  Schnalle;  bjärsten,  de  Räirsl,  der 
Burst,  Sprung,  Riss;  kriepen:  dät  Kräwel,  wie  im  Deutschen  der 
Krüppel,  vom  niederdeutschen  kriippen ,  und  im  Dänischen  en 
Kröbling  von  at  krybe ,  kröb ,  kröben ;  söppen:  de  Söpke,  der 
Schnaps;  IJaagen :  jö  Lägen,  die  Lüge;  snöivwen:  dät  iS/Jö/",  der 
Schnupfen;  döiviven  :  dät  .Dö/',  die  Tunke;  säjnkcn  und  sänken:  jö 
Sfly'//A-  und  jö  Sank,  das  Untersinken  und  Senken;  sliüwwen  :  dät 
Shiiff,  pl.  Shöivwinge ,  Scbieblade;  dät  ;^S'//ö/',  ein  Vorschiebebrett; 
dät  S/inf,  ein  Schaub,  ein  Schoof  Langslroh ,  eine  Dienst - 
oder  Lohngarbe,  Zehntengarbe;  binnen:  dät  Bünn ,  das  Bund; 
dal  Bijnn  ,  das  Band  überhaupt,  de  Dijnn ,  ein  einzelnes  Band 
zum  Umbinden,  als:  de  Hösbijnn,  pl.  da  Bijnne  {dät  ^0«.  das 
Bein,  pl.  da  j5/wp),  2.  der  Band  eines  Buches;  de  ßänn,  die  Bande, 
als:  de  Bännslöck ,  der  Bandslock,  Haselsläbe  zu  Tonnenbändern 
oder  Fassreifen;  de  Ränn/iünn  ,  der  Kettenhund;  finncn  :  deFünsl, 
der  Fund;  forliesen :  de  Forljüst ,  der  Verlust;  fordierwen:  jö 
Fordicreiv  ,  der  Verderb ,  das  Verderben  ;  friesen  :  de  Fräst ,  der 
Frost;  Itelpen:  jö  //c/;;.  Hülfe;  kippen:  de  !-?/;>,  der  Lauf;  Löper, 
der  Knicker,    Schüsser;  dat  LUpelse,  das  Laab,   Rinnsei,  de  La- 


311 

pelse ,  das  Durchlaufen  der  Pferde:  da  Häjnste  kippen  Läpelse , 
sie  liefen  durch;  In'jllen:  jö  Ilijllinfj:  i.die  JNeige;  2.  die  Nachge- 
burt ;  jö  llijll ,  die  Heide ,  Fussfessel  der  Pferde ;  Inljllcn :  jö 
Hüjlling ,  die  Haltung;  sjnngcn :  de  Söug ,  der  Sang;  häirujcn:  de 
Berrigt ,  die  Ernlc  ;  iünnen:  de  Tünnehc ,  die  Geschwulst;  sljun- 
ken:  de  Stönk ,  der  Slank;  hijddcn :  dal  i?«i/(/,  das  Gebot  auf  et- 
was; ßijUen :  jö  Fläiijdd ,  de  Flüt/ic,  der  Fluss  als  Krankheit, 
fliessende  Fistelgeschwüre  u.  dergleichen;  gijllen:  de  Gö7//,  Guss, 
Schnauze  an  einer  Kanne  u.  s.  w. ,  jÖ  Gaa/is,  die  Gosse,  in  Ulis- 
gaa/is,  die  Schöpfgosse,  durch  welche  das  Wasser  in  den  Tränk- 
trog läuft;  sln'jlten:  de  Shot,  der  Schuss  und  der  Schoss,  de  S/iö- 
ter,  der  Schütze;  forlrijUen :  dät  Forln'jt,  der  Verdruss ;  fahren: 
jö  Faiir,  die  Fuhre;  Iidwwen:  de  /iä^f ,  der  Hieb;  grewen :  dät 
Gre/",  das  Grab,  jö  Greft,  ein  Wassergraben  um  den  Warf,  jö 
Grauf,  ein  Graben  zwischen  Aeckern ,  jö  Gräwitig ,  ein  grosser 
und  liefer  Schulzgraben;  de  Grewster ,  der  Gräber,  de  Grauwer , 
von  jö  Grauf;  de  Grüppel,  schmaler  Abzugsgraben,  de  Graiip,  die 
Mislrinne  im  Stalle;  sluliggen:  de  Stiek,  der  Schlag,  Slieke  pl, , 
Prügel;  de  Slüg ,  d.  der  Schlag,  Gattung.  2.  als  Krankheit;  we- 
gen: jö  Wägt,    1.  die  Wage,    2.  das  Gewicht,  u.  s.  w. 

§.  212.  Es  folgen  liier  einige  Zeilwörlcr,  welche,  in  Ueberein- 
stimmung  mit  §.  207,  nur  dadurch  von  den  regelmässigen  ab- 
weichen, dass  sie  in  der  gewesenen  Gegenwart  und  der  Vergan- 
genheit statt  der  Silbe  et  nur  den  Buchstaben  d  bekommen,  der 
ihrer  Stammsilbe  unmittelbar  angefügt  wird,  weshalb  es  ganz 
überflüssig  wäre ,  diese  Formen  bei  jedem  einzelnen  Worte  wei- 
ter auszuführen. 

'Aien,  ick  äid ,  ick  Itäluv  aid ,  einem  die  Backen  streicheln;  be- 
Jiähven ,  bedürfen;  belieiven ,  belieben;  beräiwen  (beniwen)  berau- 
ben; beraiien ,  beruhen;  beruh  ssen ,  i.  unter  Schult  begraben 
werden  ,  2.  berauschen  ;  betrauen  ,  anvertrauen  ;  bieen  ,  biegen  ; 
h'ülen ,  bilden;  bräunen,  brennen;  brauen,  brauen;  brüggen , 
pflastern,  mit  Steinen,  Suhsl.  jö  Stijnbrü ;  büen,  arbeiten,  jö /?mw^, 
die  Saatzeit  im  Frühling;  däien,  gedeihen,  Subst.  jö  Däged,  das 
Gedeihen,  die  Gedeihlichkeit;  dieen  ,  überhaupt  Heisses  vertragen 
können,  als  heisse  Speisen  und  Getränke,  heisses  Eisen  anfassen 
können  ,    ohne  sich  daran   zu  brennen ,  u.  s.  w. ;   dielen ,  theilen ; 


312 

dräien,  4.  drehen,  2.  drechseln;  dricmen ,  träumen,  Subst.  de 
Druhm ,  der  Traum;  chillen,  4.  prellen,  2.  drillen;  dät  Drillbör , 
der  Drillbohrer;  düllen,  dulden;  fallen,  schinden;  de  Fdllbereh- 
ser ,  der  Fellbereiter,  d.  i.  der  Weissgerber;  fäilen  ,  fühlen,  jö 
Fäll,  das  Gefühl;  feilen,  füllen,  jö  Felling ,  die  Füllung;  fläien , 
putzen,  schmücken,  ausbessern,  machen;  fonldwwen ,  verdauen; 
forgellen,  vergolden  s.  forgäiijlleii ;  fnrjüllen,  vergelten;  forkieren, 
verkehren  v.  tr. ;  fornäigen,  1.  vergnügen,  2.  v.  rec. ,  sich  vernei- 
gen ;  forlieiven  ,  v,  rec. ,  sich  verlieben  ;  forsmöien  ,  verschmähen  ; 
forteilen,  1.  erzählen,  2.  v.  rec,  sich  verzählen;  fr  dien ,  freien: 
fr  dien ,  als  reines  Adjeclivum,  hcirathssüchtig,  manngierig;  fräu' 
en,  ii'cuen ,  de  Fräiide ;  gällen,  v>'c'mcn;  glaaien,  scblüpfen;  gniesen, 
das  Maul  nach  einem  verzerren ;  jö  Gnieskätt ,  Zerrkatze ,  d.  i. 
Fratzengesicht  als  Schimpfwort;  gräten,  wachsen;  grähnen ,  wim- 
mern ,  ächzen  ,  engl,  to  groan  ,  und  wahrscheinlich  von  gleicher 
Wurzel  mit  dem  deutschen  greinen  und  dem  dänischen  at  gri^ie; 
grälisen,  schauern  ,  jö  Grälising ,  der  Schauer,  z.  B.  im  Fieber;  grihs- 
sen ,  grausen;  grdwwen,  krauen,  kratzen;  gröhsen,  1.  zermalmen, 
2.  einen  knirschenden  Laut  geben  ,  wie  z.  B.  grober  Sand  unter 
den  Zähnen;  grälmen,  ausweiden,  von  dät  Granm,  Eingeweide; 
gruen  ,  grauen  ;  gunnen  ,  gönnen  ;  lidien  ,  engl,  to  Inde  ,  einem 
die  Wahrbcit  verbergen,  mildernd  für  Ijaagen ,  lügen;  häiwen, 
wähnen,  muthmassen;  hieen,  v,  pass. ,  anschwellen  vom  Wasser, 
steigen;  2.  v,  tr.  ,  ein  wenig  erhölien ;  liieren,  hören;  hdiowen, 
\.  hauen,  2.  mähen,  und  dann  unregelmässig  (siehe  die  Ta- 
belle); Julien,  \.  gelten,  2.  wimmern,  winseln;  kännen ,  ken- 
nen; käilen  ,  kühlen;  kdwwen,  kauen;  kiercn ,  \  kehren,  v.  tr. , 
2,  V.  rec.  z.  B.  huhm  änjn  wdt  kieren,  sich  an  etwas  kehren;  klap- 
pen, mit  der  Schere  schneiden,  2.  klappen,  als  Klangwort;  klam- 
men, klemmen,  Subst.  jö  Klamm;  kliewen ,  klieben ,  spalten; 
knippen ,  kneipen;  krdien  ,  krähen;  lieen,  \.  mieihen ,  2.  heuern; 
jö  Lie,  die  Miethe  und  die  Heuer;  lienen,  leihen,  to  Lien ,  zur 
Leihe;  Heren,  4.  lernen,  2.  lehren;  jö  A/fr,  die  Kenntnisse,  de  Lee- 
rer, der  Lehrer;  liesen,  lösen,  ]ö  Lie  sing ,  in  Wäfiserliesing ;  liewen, 
\.  lieben,  2.  glauben;  de  Liemlc,  die  Liebe,  de  Luwe,  der  Glau- 
be; mienen,  meinen,  jö  Miening ;  mjdivwen ,  mjauen;  nämen,  nen- 
nen; näigen,  v.  rec.,  sich  neigen,  2.  sich  genügen  lassen:  läjtt  de 


315 

dirrmämige ,  lass  dich  damit  begnügen;  päilen,  dän.  at  pole,  pla- 
schen,  platschen,  im  und  mit  Wasser,  nd.  polen  und  sölen,  engl, 
etwa  to  puddle,  davon  däi  Päjl,  dän.  cn  Pol  (gedehnt,  also  Pohl), 
das  deutsche  Pfuhl,  aber  in  sehr  verjüngtem  Maasstabe;  eine 
kleine  Lache  im  Wagengclcise ,  selbst  verschüttetes  Wasser  bildet 
en  Päjl.  Präiwen ,  prüfen,  probiren;  raucn,  ruhen,  Subst,  jö  Rau 
und  jö  Rö;  rehcn ,  recken,  s.  oben ;  rä/ira ,  rennen;  raison,  reisen, 
jö  Räilis;  riesen,  1.  sich  erheben,  aufstehen,  2.  emporrichten, 
als :  en  Hüss  riesen ;  dät  Riess ,  das  Vermögen  oder  die  Kraft  zum 
Aufstehen,  fön  7  Riess  wesen,  von  den  Beinen  sein,  von  kran- 
kem Vieh,  das  nicht  mehr  aufstehen  kann;  römen,  räumen;  röien, 
riemen,  ein  Boot  mit  dem  Riem  oder  Treibruder  schieben;  säien, 
nähen;  sillen,  nd.  sielen,  treiben,  v.  pass. ,  vom  Wasser  selbst,  in 
und  auf  demselben  ;  dät  Sill,  das  Siel,  dät  Silllöch,  der  Sielzug, 
Fluss ,  Au,  u.  s.  w, ,  de  Sillliünn,  Seehund;  shänken,  schenken; 
sfiälen ,  differiren ,  jö  Sliähl ,  der  Unterschied  im  Fordern  und 
Bieten  beim  Handeln,  jö  Forshälil ,  der  Unterschied;  jö  Shähl  h. 
sonst  die  Sehale  als  Gefäss;  shellen,  schelten;  shäivwen ,  die  Hüh- 
ner unterm  Steisse  befühlen,  ob  sie  zeitig  sind  ein  Ei  zu  legen; 
sliöien ,  Pferde  beschlagen;  shrielen ,  i.  schrillen,  2.  quicken,  von 
Ferkeln;  sftirren,  schieren,  Eier  und  Butter;  sliräien,  schreien; 
smöien ,  aufstülpen  z.B.  die  Aermel;  snöien,  drehen,  ein  Rad, 
den  Schleifstein,  sich;  späilen ,  spülen,  dät  Späiling ,  Spülicht; 
spännen,  spannen,  jö  Spann,  die  Spanne,  dät  Spann,  das  Gespann; 
späien ,  speien,  dät  Späiling,  das  Gespieene ;  spöien,  wahrsagen, 
de  Spöier;  spieen,  verfitzen,  wirren,  v.  tr. ;  stallen,  i.  stillen, 
2,  stellen;  dät  Sldlling ,  das  Gerüst,  jö  Ställing ,  die  Stellung; 
släwwen,  stauen,  das  Wasser;  staurmen,  stürmen;  stä/mcn,  stöhnen, 
dän.  at  stönne ;  stiepen  ,  Lichte  ziehen ,  durch  wiederholtes  Ein- 
tunken, sonst  gijtten ,  giesscn,  als:  stiept  an  gähn  Ljägte ,  gezo- 
gene und  gegossene  Lichte;  stieren,  stören,  jö  Stier,  Störung; 
sliermen,  riechen;  stjöien,  schaulveln,  jö  Stjöi,  die  Schaukel;  stjürren, 
steuern,  wehren,  jöStjürr;  slraaien,  gemächlich  gehen;  swäaien, 
schwenken,  flattern  lassen,  dän.  at  svaie;  swiepen,  einwindeln, 
jö  Swiep,  die  Windeln;  swiermen,  schwärmen;  swummen,  schwim- 
men; täiiven,  warten,  nd.  töwen,  dän.  at  töve;  teilen,  l.  zäh- 
len, 2.  jemand  rufen;  tieren,  v.  rec. ,  sich  zerren,  gebehrden;  töi- 

40 


514 

cn,  ihaucn,  aufthauen;  trauen,  trauen  (einem);  uhsen,  schöpfen; 
ulilmen,  glimmen;  wäien,  4.  wehen,  2.  (weihen),  ein  Paar  trauen; 
wihssen,  weisen,  zeigen;  wräicn ,  die  Bettdecke  aufdecken,  zu- 
rückschlagen; waarslmen,  wanien;  wärmen,  wärmen. 

Eine  kleine  Sammlung  regelmässiger  Zeitwörter  i). 

§.  213.  Aanen,  ahnen,  jö  Aaning ,  die  Ahnung;  ägen,  langsam 
fahren;  ägten,  achten;  ännern,  ändern.  Balisen,  haden ;  bähsen, 
Nutzen,  Vortheil  bringen,  davon:  de  Bähse,  Vortheil;  das  Subst. 
von  bähsen  (baden)  ist  dät  Ball,  pl.  da  Bähse ,  und  ebenso  lau- 
tet die  Mehrheit  von  de  Bähse;  bäsen,  birschen ,  von  Rindern 
in  der  Hitze;  bäligen,  rufen;  bänken,  klopfen;  bägen ,  backen; 
bäsern,  bessern;  baurigen,  borgen;  befähsen ,  v.  rcc. ,  sich  befas- 
sen mit;  bedröwwen ,  helrühen;  befangen,  v.  rec.,  befangen  mit  et- 
was; befrien,  befreien;  behagen—  ;  behöndeln ,  behandeln;  be- 
jäen,  bejahen;  bekümmern,  v.  rec,  sich  bekümmern  um;  belenen, 
belehnen;  belaagern,  belagern;  beläwen,  erleben;  bemündigen  — ; 
bemägtigen ,  v.  rec.,  sich  bemächtigen;  begnäsigen ,  begnadigen; 
belingen,  belangen;  berägnen ,  berechnen;  berauen,  beruhen;  be- 
rauigen,  beruhigen;  beröglen ,  berichten;  berigligen  — ;  beshäsi- 
gen ,  beschädigen ;  beshdcken ,  beschicken  ;  "  bcshaamen ,  beschä- 
men ;  beshülligen ,  beschuldigen ;  beklawen ,  bekleben ;  behuppen , 
behäufen;  besldcken,  belecken;  bemalen — ;  bemärken,  bemerken; 
beslönigen ,  beschleunigen ;  bespären ,  ersparen  ;  beslräiven ,  bestre- 
ben; tesiar/im,  bestärken;  bestjärlen ,  ht&imiQw;  belälen,  bezahlen; 
belähmen  [läjtlen — ),  einen  nur  machen  lassen,  z.B.  läjll  kam  man 
belähme,  lass  ihn  nur  machen,  allein  darum  sein;  auch:  läjll  me 
belijn,  lass  mich  allein  darum;  belingen,  bedingen;  belrägten,  be- 
trachten; betjögen  ,  bezeugen;  blähsen,  verb.  act.  intr. ,  unter  etwas 
flammen,    um  es   zu  kochen,    mit   lodernden   BrennsloiTen,    wie 


1)  Wo  in  diesem  §phen  die  friesischen  Wörter  ganz  so  lauten, 
wie  die  ihnen  entsprechenden  deutschen ,  ist  nur  ein  kleiner 
Strich  beigefügt.  Diejenigen  derselben ,  welche  früher  unter  ei- 
ner andern  Abwandlungsforin  vorgekommen  sind,  haben  neben 
dieser  auch  die  regelmässige,  wie  z.  B.  bägen,  ick  baiick,  ick 
häliw  bägen  und  ick  bägct,  hähw  bäget. 


ol5 

Stroh,  Späne  und  dcrgl.,  davon:  jö  Blähs,  dieses  Flammen,  diin. 
af.  Müsse,  et  Blus,  engl,  to  blaze,  a  blaze ;  blaasen,  blasen; 
bläcken,  v.  pass.,  bleichen,  vcrschicsscn  von  Farben,  dän.  at  blak- 
ke ;  bögen,  wohnen;  bannen,  fluchen,  bannen;  blünen ,  v.  pass., 
starke  Hitze  in  den  Backen  haben;  bläjnken,  mit  den  Augen 
winken,  knicken;  bedühssen,  bedeuten;  bcwunnern,  bewundern; 
beivären,  bewahren;  bewändern  — ;  bewälligen,  bewilligen;  be- 
ivaagen,  bewachen;  bewägen,  bewegen;  blieken,  v.  tr.  und  pass., 
bleichen;  brisen,  flechten,  engl,  to  braid ;  blögen,  sich  schämen; 
bäjcken,  beuchen;  bummern,  Schallwort,  Bummeriss,  Hohleis,  en 
Bummer fjärt ,  ein  Bummerfurz;  boren,  bohren;  brüsken,  prahlen 
mit  Farben,  laut  sprechen;  bröckeln,  bröckeln;  bläsern,  blocken; 
brüsten,  y,  rec.  — ;  brähsscn,  \.  brausen,  2.  das  Gefieder  sträuben, 
daher:  de  Brüsskräjdder,  der  Kampfhahn,  Braushahn,  und  das 
adjectiv  brösig,  Brösighäid;  brulcn,  brüllen;  billigen — ;  braasen , 
braten;  büffeln,  büfi'eln.  Dämpcn,  1.  dampfen,  2.  dämpfen;  däc- 
ken,  decken;  dulmen,  nachlassen  von  Schmerzen;  drönen,  dröh- 
nen; drögen,  trocknen;  drücken,  drucken;  dricgen ,  blühen,  von 
Getreide  und  Gräsern,  jö  Drieging ,  1.  die  Zeit  der  Kornblüthc, 
2.  die  an  den  Aehren  hangende  Blüthe  selbst;  däjngeln,  bau- 
meln; dräwen,  treffen;  daadein,  tadeln;  (%ew,  tagen,  von  de  Däi, 
der  Tag,  pl.  Dege;  dönsen  ,  tanzen ;  digten,  dichten ;  döweln,  doppeln; 
dopen,  taufen,  de  Düpe,  die  Taufe;  drugen,  seihen,  von  jö  Druhg , 
blecherne  Milchseihe ,  2.  Traube ;  dröppen ,  tropfen ;  däwiven ,  thauen , 
de  Ddwwe ,  der  Thau;  döwwen,  tunken;  dölissen,  deuten,  jö  Döhs- 
sing ;  dötlick ,  deutlieh;  dören,  bethören;  ducken,  tauchen.  Jörnen, 
aufsteigen,  von  heissen  Wasserdämpfen,  de  Jbme ;  ebben,  ebben; 
ennen,  abenden,  Abend  werden;  eggen,  1.  anreizen,  2.  verleiten, 
verlacken.  Fähsen,  fassen;  fügen,  fegen;  fällen,  einem  überall 
nachlaufen;  fangen,  fangen;  für  wen,  färben;  fele7i,  feilen;  fes- 
ten, fasten,  da  Feste,  1.  die  Fasten,  2.  pl.  von  jö  Fest,  die 
Faust;  ßhssen,  listen,  fiesten,  finseln,  dän.  at  fise,  engl,  to  fizz, 
to  fizzle,  to  foist;  Subst.  de  Fifiss,  dän.  cn  Fiis,  engl,  a  fizzle, 
a  foist,  deutsch:  der  Fist  oder  Fiest;  fisteln,  fitzen;  fjärtcn ,  fur- 
zen, Subst.  de  Fjärt,  dän.  at  fjärte,  en  Fjärt,  engl,  tofart,  a  fart, 
der  Furz;  fiedeln  — ;  fläsen ,  ausplaudern;  fläbben,  das  Maul  (die 
Flabbe)  hangen   lassen;   flönkcrn ,   flimmern,    auflodern;  fauserii, 

40» 


316 

futtern,  füllern;  fäigen,   fügen,    auch  rec.;   flächen,  mit  dmbäi, 
dmhäiflächen,  sich  herumtreiben ,  umherstreichen;  fläshen,  vorwärts- 
gehen mit  der  Arbeit,  mit  dem,  was  man  unter  Händen  hat;  /?■«//- 
f CM,  fruchten; /am we/n,  herumtappen; /ag-e/w,  fehlen;  //icAew ,  spal- 
ten; füjllen,   falten;  frügten,  fürchten;  fölligen,  folgen.     Gäsmen, 
gähnen;  gäwen,  gaffen;  gären,  gären;    gässen,.  dan,   al  gisse,   at 
gjätle,engl.  to  guess ,  vermuthen,  aufs  Oimgelahr  schliessen;  ga- 
sen, gänseln ,  albern  sein ;  gtiudden  ,  sich  schütteln  vor  Ungeziefer ; 
gesten,  v,  tr,,  eine  Kuh  aufsiegen;  gulpen,   gussweise  herausstür- 
zen; gummeln,  gäumeln,    gnaupeln,    knaupeln,   muffeln;  gjärden, 
gürten;   gecken,   narren;    gj^äinen,   grünen;   grummeln,  wimmeln; 
gilsen ,  gehen ;  gögeln,  gaukeln;  gicheln,  geigen;  gräpeln,  grapsen; 
grubein,  grübein;  grölen,  grüssen.     Hälen,  holen;  hallen,  hinken; 
hdjnken,  auf  einem  Beine  hüpfen;  hacken,  hacken;  hägen,  1.  ge- 
fallen, behagen,  2.  an-  oder  aufhaken ; //äs/ew,  eilen,  hasten;  hdxen, 
hexen,  jö  Hdx,  dieKe'ie;  h äiven ,hcl)eii,  erhebcB;  harken,  4. hor- 
chen, 2.  gehorchen;  kämmen,  i.  säumen,  v.  ti\,  ein  Tuch,  2.  ein- 
hegen; kämmen,  hemmen;   käkseu,   hassen;    kernen,  hieben,  kei- 
chen,  nd.  hiemen;  kermen ,  v.  rec,  sich  härmen;    kielen,    heilen; 
/i?j7/e« ,  fessein ;  kögen,  v.  tr.,  erfreuen;  kappen,  hüpfen,  de  Uöpp; 
köwen,  hoffen-  köndeln,  handein;  kölen,  heulen;  köcken,  sich  nie- 
derkauern,  de  Hocke ^   ätijn'e  Böcke  sältcn,  in  dieser  Stellung  sit- 
zen;   kosten,  husten;    Jiühssen,   behausen;   klimmen,   zu   Pferden, 
wenn  sie   Platz  machen  sollen.     Jöscn,   dem  Vieh  auf  dem  Stalle 
morgens  und  abends  dreimal  ein  Futter  [Jefl]  nebst  Wasser  geben  ; 
jagen,  \.  jagen,  2.  eWen;  jähhen ,  mit  offnem  Maule  gaffen;  jäppen, 
nach  Luft  schnappen;  jasfisn,  einsühlcn,  beschmutzen;  jammern, 
jammern;  jucken,  iauchzen;  iwern,  eifern  ,  dät  Iwer:  ihnen,  einen; 
ilen,  eilen;  ihrwen ,  erben.     Kappen — ;  kempen,  kämpfen;  käiveln, 
zusammcnkoppeln  von  Pferden ;  Maren  ,  karren ;  klagen  — ;  klüiv- 
wen,  klauben;    klären,    klären;  killen,  kitzeln;   kläiscn,  mit  den 
Nägeln  kratzen;  kloppen,  klopfen;  klüsen,  v.  rec,  sich  büscheln,  von 
de  Klähse,   die   Traube,   der   Büschel    (racemus   und   fasciculus); 
kldtshen  ,    mit  der  Peitsche   knallen,   in  die  Hände  klatschen,  jö 
Kldtsk,  die  Schmitze  an  der  Seime  (de  Seme)  einer  Peitsche,  wel- 
che den   Knall    verursacht;    kläwen,   kleben;    kldwwern,  klauern, 
klettern,  überklettern;  kliwwen ,  klimmen,  über  einen  Zaun  slei- 


517 

gen;  klammern  von  klammen,  klemmen ,  in  die  Höhe  klettern ,  daher 
gewöhnhch  mit   dp,  äphldmmern,  hinaufklettern;  klüjngern  ,  klin- 
geln ,  schellen ;  klücken ,  klecksen,  Subst.  de  Kläck;  kcujcln,  gackern ; 
kiecken,  gucken,  jö  Kieck,  der  Ausguck,  äiv'e  Kieck  släujnnen,  auf 
dem  Ausguck,  auf  der  Warte   stehen;  kiwwen ,   keifen,  dät   Kiß\ 
die  Keife;  knasen,  krachen;  knacken,  1.  knacken,  2.  knicken,  de 
Knack, ditv  Knack  und  der  Knick;  knüppeln,  Spitzen  klöppeln,  da 
Kndppelse,  ein  Collectivum  im  Plural,  dän.  Kniplinger;  Band  klöp- 
peln h. /ö/i/c/«,  und  die  Klöppel  Töntelslöcke;  klönken ,  \ondo  Klönke, 
der  Erdklurap,  Erdkloss,   jemand  damit  werfen;  klömpen,  v,  tr., 
klampen,  von  de  ä7öw;j  ,  die  Klampe;  /./rtWen,  flicken,  ausbessern, 
von  de  Klütt,  der  Lappen,  Fleck;  krdwweln,  kriechen, kraucln,  von 
Insecten,  2.  von  Menschen   und   Kindern,   auf  allen  Vieren  krie- 
chen; sonst  heisst  es    kriepen,  s.  o. ;    kranen ,   reckhalsen,   vergl. 
der   Kranich  und   der  Krahn  ,    engl,  a   crane  für  beides,  dän.   at 
krane,  en  Kran ,  der  Krahn;  klucken  — ;  kräicken,  zuhaken,  mit  Ha- 
ken und  Ochsen  oder  Gehren  [Kräicke  ati  Ause,  Singul.  jö  Kräick , 
jö  Auh&)\  krüllen,  kräuseln;  Ä-ff?<r/en,  kürzen,  de  Kaurte,  die  Kürze; 
kräwen,    mahnen,   um    Bezahlung   anhalten;  kregeu,  kriegen,   de 
A'n'f/?.  der  Krieg,  pl.  da  Krege;   kosten,  kosten,  da  Ünköstc,    die 
Unkosten;  kräjnken,  kränken;  kröppen,  an  Leibesfülle  zunehmen; 
künnigen,  kündigen,   ein  Capital,  dpkünnigen ,   1.  dasselbe,  2.  ein 
Brautpaar  in  der  Kirche  aufbieten;  kräweln,  krüppeln;  knurren — ; 
knappen,  knüpfen,  z.  B.  den  Rock;   hiöppen,  1.  knospen,    2.  zan- 
ken;   krTimen  —  ,*    killen  —  ,     Laagern ,  lagern;  /äsj^e?« ,  einladen; 
länen,  v.  rec. ,   sich  lehnen,   de  Läne,  die   Lehne,    de  Läneslänjl 
oder  Länstäujl;  läiven ,  4.  einlecken,  wie  die  Hunde  das  Wasser, 
2.   laben ;    Idjnken ,    leicht    einherhüpfen ;    läwern ,    liefern  ;    Idn- 
«erw,  lindern;    lüpen ,  läppen,    flicken;    Idspcn,    lispeln,    dän.   at 
läspe,  engl,  to  lisp;  lasten,   leisten,  wird  nur  da  gebraucht,    wo 
man,  aus  Mangel  an  Vermögen,  etwas  nicht  leisten  oder  ertragen 
kann,  z.B.    beim    Auflegen   zu  schv,erer    Abgaben:    Ite  kön  't  äi 
laste,   er  kann   es   nicht  ertragen;    ITiiden,  blitzen,  de  Luid,   der 
Blitz;  /änAen, ketten;  läwern,  auftrieseln,  v,  lT.,dpläwern,  als  verb, 
pass.,  fasern;  lören  und  lörren ,  lauern ;  löwen  ,  geloben;  locken,  loc- 
ken ,  verlocken ;  locken ,  glücken ,  gelingen ;  licknen  {Uckenl},  glei- 
chen, ähneln;  lögen,  lohen,  flammen,  lodern,  de  Löge,  die  Lohe; 


518 

löhnen,  launen,  maulen,  de  Löhne,  die  Laune;  IJögten,  leuch- 
ten, de  Ljögter,  die  Leuchte,  nicht  Leuchter,  de  Stäujnner ;  Her- 
ken  ,  wedeln;  laummen,  lammen,  von  Schafen;  limmen,  v.  tr. ,  lei- 
men; lullen  — ;  Immen,  v.  tr. ,  Heu  und  Getreide  auf  den  Wagen 
laden  (/(Mwew,  als  Adject.,kalm,  windstill);  laken,  lachen;  lacken, 
lacken,  versiegeln;  läiven,  leben;  lacken,  lecken,  einen  Leck  ha- 
ben; lecken  mit  der  Zunge  heisst  sldcken;  lilhssen ,  lausen. 
Maanen,  malmen,  vergl.  kräiven ;  formaanen,  ermahnen;  mägen , 
machen;  malen  — ;  mrdten ,  malzen;  mangeln,  i.  mangeln,  gebre- 
chen ,  Subst.  de  Mängel ,  2.  Wäsche  mangeln ,  mangen ,  rollen  , 
sie  mit  der  Handrolle  (dät  Mängeljöch ,  Mmgelbaurd  an  Mängel- 
stock)  glätten;  mätteji,  matten,  wie  der  Müller  das  Korn;  mashen, 
maschen  ;  mäistern  ,  meistern  ;  mdcken  ,  küssen  ,  de  Mdck  ,  der 
Kuss  (auch  npjjcn);  marken,  merken;  mälden ,  melden;  mässen , 
fehlschlagen,  missen;  auch  Gottesdienst  halten  und  vor  dem 
Altare  singen,  de  Willermdss ,  während  der  Messe;  mästen,  mis- 
sen, entbehren;  männern,  mindern;  mäjdden ,  mähen;  misten,  ne- 
beln ,  de  Mist ,  der  Nebel ,  mistig ;  mjögsen  ,  misten ,  ausmisten  , 
huhm  tömjögscn ,  einsudcin,  rcc. ;  mölken,  melken,  mäilk,  Adject. , 
milch ,  eine  milche  oder  melke  Kuh ,  die  Milch  giebt ,  sonst  ist 
sie  gest ,  sieg ;  münten ,  münzen  ;  münstern ,  mustern  ;  mucken  , 
mucksen;  mören,  mauern.  Nacken,  nicken,  de  Ndck;  näujtten, 
trällei^n;  nijddigen ,  durch  Noth  zwingen;  so  auch  mjdsägen ,  zu 
etwas  genöthigt  sein ;  zum  Essen  und  Trinken  nothigen  heisst : 
krösen;  njülten,  nützen,  de  Njülte,  Nutzen;  nillen,  sich  an  oder 
mit  Nesseln  brennen;  vjäscn ,  zaudern;  m'jdtugtigen ,  nothzüchti- 
gen ;  nocken ,  schlucken  ,  den  Schlucken  haben ,  da  Nocke  coli, 
pl. ;  nöppcn ,  zwacken,  kneipen,  in  die  Haut;  davon  jö  Nöpp , 
der  Floh ,  de  Nöpp ,  ein  Zwack ,  Kniff  mit  den  Fingern ;  nebben , 
sich  schnäbeln  ;  nünnen  ,  lullen  ,  trällern  ;  näigen ,  neigen  ,  jö 
Näiging.  Ohmen,  athmen,  de  Ohme,  der  Odem,  Athem ;  5 fern , 
opfern;  ordnen — ;  önlurden ,  antworten,  jö  Önturd,  die  Ant- 
wort, sonst  auch  dät  Sivär ,  von  swären;  orten,  vom  Stallvich , 
wenn  es  das  vorgeworfene  Heu  und  Stroh  nicht  rein  auffrisst , 
orten ,  also :  am  Orte  liegen  lassen ;  ölen ,  öhlen ,  jö  OUng ,  die 
Oehlung ,  braucht  man  so :  dirr  het  'r  cn  gauhs  Oling  oder  Lör- 
ring  füngen  ,  da  hat  er  brav  was  weg  gekriegt;  altern,    äussern. 


519 

Packen ,  packen  ;  fägeti ,  pichen  ;  ;jä/)ew  ,  an  der  Brust  saugen  ; 
-pärcii  — ;  palen,  schelfcn;  picken,  \.  picken,  2.  picken,  mit 
der  Pieke ;  inesen  und  piesern ,  rappeln ;  pennen ,  verschlies- 
sen;  pdrien ,  perlen;  passen,  1.  passen,  2.  im  Kartenspiele;  pas- 
sen, pissen;  plagen — ;  placken,  pflöcken ;  j^/wc/ce/t ,  i)flücken;  plau- 
gen,  pflügen;  pläshen,  plätschern;  placken,  flecken,  Flecke  set- 
zen; plumpen  — ;  plünnern,  plündern;  pläscrn  ,  im  Wasser  herum 
platschen,  plätschern;  plegen ,  pflegen,  jo  Pleg ,  die  Pflege;  plir- 
ren,  blinzeln,  dän.  at  plire ;  polen,  v.  tr. ,  dän.  at  pille ;  pösen, 
bauschen ,  von  Kleidern ,  Aermeln  u.  s.  w. ;  piriijlen ,  predigen  : 
das  Subst.  heisst  jö  oder  |dnt  Präjtäi,  die  Predigt;  präcken,  dän. 
at  prikke,  engl,  to  prick ,  de  Prdck ,  i.  der  Stich  mit  einer  Na- 
del oder  dergl.  2.  der  Tüpfel,  Punkt,  z..  B.  über  dem  i;  pochen, 
trotzen;  piepen  — ;  prungen ,  lauschen ,  jö  Prung  ,  der  Tausch;  jjraw- 
sen ,  unübersetzbar,  humpeln,  pfuschern,  stümpern,  aus  Unge- 
schicklichkeit mit  einer  Arbeit  nicht  fortkommen  können  und  sie 
dadurch  verderben;  äujnhupprausen ,  einem  eine  Sache  ,  eine  Arbeit 
so  verwirren,  dass  sie  nicht  wieder  gut  gemacht  werden  kann; 
jö  Prau/is,  \.  eine  elende  Rennkerze,  bei  der  man  immer  im 
Dochte  stochern  [prausen  oder  purren)  muss ,  2.  ein  Frauenzim- 
mer, das  prauset;  dePrauser,  der  prauset;  piirreti ,  A.  stochern, 
im  Lichte ,  an  den  Zähnen ,  daher ,  2.  aufwecken ,  5.  reizen ; 
forpiirren,  tr. ,  vereiteln,  einem  sein  Vorhaben;  prdnten,  dän.  at 
prente,  mit  Fraeturbuchstaben  schreiben;  pulsen,  putzen,  jö  Puls^ 
4.  der  Putz,  2.  der  Possen;  prälen  ,  prahlen;  pumpen  — ;  pjärsen , 
pressen;  pulshen,  im  Wasser  stören,  de  Pulsher  oder  Plumpstöck, 
die  Störstange;  pulen,  pfählen,  einen  Zaun;  pictshen ,  peitschen; 
prägein ,  i.  stricken,  da  Prägle ,  die  Stricknadeln,  Singul.  de 
Prägel,  2.  prickeln,  5,  vertauben,  von  den  Gliedmaassen.  Ragen, 
d.  den  Bart  scheren,  2.  iöhuperägen ,  zusammenraffen,  schieben, 
dählrägen  ,  herunterschieben  ,  z.  B.  vom  Tische  ,  dmrägeii ,  etwas 
umrühren,  z.  B.  Korn,  tordgen ,  das  Feuer  verwahren,  es  mit 
Asche  bedecken;  jö  Rähg ,  die  Ofenkrüeke,  dän.  en  Rage,  engl. 
a  rake ;  de  Rüge  wird  so  gebraucht :  wenn  jemand  in  seinen 
Vermögensumständen  nach  und  nach  so  zurück  kommt ,  dass  er 
sich  nicht  mehr  zu  helfen  weiss ,  so  sagt  man :  dät  ds  äw'cn  Rüge 
mä  häm ,  gleichsam  auf  dem  Leeren ,  Nackten ;  ferner ,  wenn  ein 


520 

Kranker  faselt ,  oder  ein  dem  Tode  Naher  das  Bettzupfen  be- 
ginnt,  dann  ist  es  äiv  'cn  Rüge  mit  ihm;  rächen,  mit  lö,  einsu- 
deln, übel  zurichten;  räspen ,  i'aspeln;  rddden,vellen;  raasen,  ra- 
sen ;  raaieln ,  taumeln ;  räicknen ,  nach  etwas  herumkramen ;  rdn- 
sägen,  dän.  at  randsage,  überall,  bis  zu  Rande,  nachsuchen, 
forschen ;  rullen  ,  rollen ,  jö  Ridl ;  röchen ,  dän.  at  rokke  ,  vom 
Fleck  rühren,  bewegen;  rewen ,  rechen,  harken,  von  jö  Rew ; 
rebben  ,  rülpsen  ;  rausern ,  rudern  ,  steuern  ;  riehen  ,  räuchern  ; 
rägnen  ,  rechnen ;  rüjtten  ,  muhen  ;  rimmcn  ,  reimen  ,  de  Rimm  , 
der  Reim;  rauhen,  ranken;  rabben ,  rupfen;  rippen ,  i.  verb.  im- 
pers. ,  reifen  ;  2.  v.  pass. ,  reifen ,  als :  da  Plüme  rippe ;  rühssen , 
ültrühssen  ,  ausstürzen  ,  ausrüllen  ,  von  alten  Wällen ,  Mauern ,  u. 
dergl. ;  rüsten  —  ;  rasen ,  faulen ;  töhupperulten ,  zusammenrotten ; 
ritsen  ,  ritzen;  röwen  ,  vernarben,  von  Wunden;  ruhen,  schobern, 
V.  a.  inlr.  Sägen,  sägen;  sägnen ,  vermissen;  sällen,  satteln;  sä- 
sigen ,  sättigen;  sacken,  mehr  zusammensinken,  vom  Korne  und 
dergl.;  säiijmien  ,  sanden;  sannen,  sinnen;  sömen,  v.  rec,  sich  zie- 
men ;  sören  ,  siechen ;  siepen ,  seifen  ;  själlcn  ,  gleichen  ;  sällen , 
salzen  ;  sulwen  ,  salben  ;  sechen  ,  sacken  ,  im  Sack  füllen  :  de  Rar 
sechet  gänjd ,  die  Gerste  sacket  gut;  shälen ,  schälen;  shüfen , 
schaffen,  herbei;  shäcken ,  1.  v.  rec. ,  sich  schicken,  2.  tr. ,  schic- 
ken ,  senden ;  shaanien ,  v.  rec. ,  sich  schämen ;  sliänhen  {shängd) , 
schenken  ;  sägnen  .  segnen  ;  säppen ,  vom  AVasser ,  das  sich  aus 
feuchtem,  nassem  Boden  und  Rinnen  in  eine  Grube  zieht;  daher, 
jö  Säpphöhl ;  shäsen,  schaden,  de  Shäse;  säg  ein ,  segeln;  sihssen, 
zischen;  sähern,  sichern;  slächen,  lecken;  sluchen ,  mit  anfsluc- 
hen  ,  wdgsliichen ,  sich  beschämt  und  muthlos  davon  schleichen ; 
sliläbben  ,  schlabbern;  summen,  schleimen;  slägiigen  ,  schlachten; 
slubbern ,  schlürfen ;  slieren ,  schmeicheln  ,  liebkosen  ;  sögen ,  v.  tr, , 
saugen  ;  sögen ,  v.  pass. ,  de  Rräi  slönl  an  söget ,  von  der  am  Feuer 
stehenden  Grütze  ,  in  welche  die  Milch  allmählig  eingesogen  wird  ; 
shräwen,  1.  schaben ,  2.  striegeln;  shudden,  schütteln ;  sfiäwen,  schif- 
fen ;  shölen ,  1.  gesenkten  Blickes,  wie  ein  Hühnerdieb,  ein- 
herschleichen:  he  gnngt  an  shölet ,  2.  an  einen  Ort  gehen,  wo  man 
vor  Wind  und  Regen  geschützt  ist,  daher  jö  Shölil ;  shäjnlen 
[hiihm),  V.  rec,  sich  spulen;  slmlpen ,  1.  Flüssigkeilen  in  einem 
Gefässc  umschütlcln,   2.  auwerslinlpen ,  überschwäppern ,  z.  B.  das 


521 

Wasser  im  Eimer,  wenn  er  zu  voll  ist;  shunigen,  schonen;  shär- 
pen  ,  schärfen;  s/ieinpen ,  scliimpfen ;  snurren  ,  schnurren;  siiareu, 
bestricken,  in' Schlingen  fangen;  snägen ,  schleichen,  davon  jö 
Sndgg,  die  Schnecke;  shrulen ,  brüllen,  aus  vollem  Halse  schreien; 
shräckcn ,  sehrecken,  de  Shrdck;  shrädden ,  mit  tö ,  einen  Richt- 
steig gehen,  oder  schräg  hinüber;  shrämmen ,  schrammen,  jö 
ShrUm ;  shöcken ,  hocken,  in  Hocken  setzen;  shrdjnken,  mit  in, 
einschränken;  s/iraaien ,  1.  v.  tr. ,  nur  halb  gar  kochen,  2. 
schroten;  shrubben ,  v.  tr. ,  schrubben,  scheuern,  kratzen  mit 
steifen  Bürsten  und  Besen ,  z,  B.  den  Fussboden  (de  Tele)  und 
die  Milchbottiche  (da  Fdlise ,  sing,  dät  Fei);  släntern,  schlendern; 
släseni,  plaudern,  klatschen;  släiven,  schleppen;  shiMen,  besteuern; 
shären,  kratzen,  wenns  einen  wo  juckt,  jucken;  sfiäwen ,  sich 
gebehrden;  shiirwen ,  zernagen,  wie  die  Mäuse;  shröckcn ,  etwas 
kränklich  sein ,  von  Menschen  und  Hausvögeln ,  die  dann  auch 
keine  Eier  raeiir  legen ;  shrögen ,  bezeichnet  den  unreinen  Ton 
eines  irdenen  Gefässes ,  das  einen  Riss  oder  Sprung  hat;  sägein, 
in  Ohnmacht  sinken;  sicknen ,  seufzen;  släsen,  im  Schlitten  fah- 
ren; slöppen,  schlaffen;  slürren ,  aufschieben,  hinstehen  lassen, 
de  Slürre ,  die  Saumseligkeit;  smägen ,  schmecken;  snidUen, 
V.  tr.,  schmitzen  ,  bei  den  Webern,  die  Schmitte  (dät  Smdtling) 
auf  den  Aufzug  werfen  und  einstreichen;  smelen,  lächeln; 
smöken  [smökt) ,  schmauchen;  snäken,  sprechen;  sndrken ,  schnar- 
chen, auch  snürrigen;  spälen ,  spielen;  sparen  — ;  spaaiten , 
spritzen;  sparen,  spüren;  spirren ,  4.  keimen,  2.  sprossen;  spds- 
sen ,  spitzen;  sprdivweln ,  strampeln;  spdhsen^  spiessen;  spijllen, 
V.  tr.  u.  pass.,  spalten;  spucken,  v,  tr.,  Speichen,  ein  Rad;  sonnern, 
V.  tr.,  sondern;  spihssen ,  speisen;  späten,  \.  spotten,  2.  flecken, 
Flecke  setzen,  davon  spölsh,  spöttisch,  und  spötig ,  fleckig,  wie 
in  säm/nerspö%,  sommersprossig;  splähsen,  v.  tr.,  splissen,  ein  Tau; 
splintern,  v.  pass.  u.  tr.,  splittern,  splinternäi,  dän.  splinterny ,  na- 
gelneu ,  splinternägel ,  splitternackt ,  nagclnackt ,  ein  Doppelwort ; 
sprdinken,  v.  tr.,  sprossen,  eine  Leiter,  \on  Sprdinke,  die  Sprosse; 
spülten,  ausspucken;  spünnen,  v.  tr.,  spunden;  staaivebi,  mit  ült , 
die  Pfeife  ausräumen  ,  dät  Staaivling  ,  das  Ausräumsei ;  släjcken , 
in  der  Asche  braten;  släpen ,  stapfen;  forslaalen ,  verstählen; 
stammen,  v.  n.  — ;  slämmern,  stottern;  stämpen,  stampfen,  de  Stämp, 


«in  Stampf  mit  dem  Fusse,  jö  StämjJ,  die  Stampfe,  Stempel,  de 
Stömper,  der  Ladestock,  und  slämpeln,  stempeln;  manchen,  stö- 
bern, de  Snauckliünn ,  der  Slöberhund;  (dät  Snaiick  in  Killsnauck, 
der  Kesselhaken  über   dem  Feuerheerde  ,   und  Lämpesnauck,   die 
Lampenkette  zu  einer  Hängelampe,  sind  nicht  von  snaucken,  stö- 
bern,  sondern   von  einem    andern    Worte  snaucken,  welches  auf- 
ziehen und  niederlassen  bedeutet ,  abgeleitet) ;  snavppen ,  schnau- 
pen ,    sagt   man   vom   Yieh ,    wenn  es    über   dem    vorgeworfenen 
Futter  steht,  ohne  davon  zu  fressen;  ebenso  von  Menschen,  wenn 
man    etwas    Angebotenes ,    besonders    Essen    und    Trinken ,   aus- 
schlägt:    wällt  nint  Itewe ,    so  kaast  snauppe ,    willst  du  nichts  ha- 
ben,   so    kannst    du    zusehen;   stoppen,    \.  stopfen,   2.  steppen, 
jö  Stöppnell ,    die  Steppnadel;   staurken,   mit  dmbäi ,    herum  stor- 
chen, von  jö  Staurk  ,  der  Storch;  stiften  — ',  strafen — ;  sttiwen,  mit 
dp,  aufstofen ,    z.B.  Kartoffeln,  Birnen,   gestofte   Speisen;   straa- 
len ,  strahlen  ;  strammen  ,  strammen  ,    von   stramm  ,    stramm  ,   was 
nach  allen  Richtungen  seiner  Weite  stark  gespannt   ist,  z.  B.  ein 
vollgepfropfter  Sack,  stramme  Hosen;  bloss  der  Länge  nach  stark 
gespannt    heisst    struff ,    straff;    sträiijnnigen ,    v.  pass.,    stranden; 
slringen,    mit  äiijn,  anstrengen;  sträwen,    i.  streben,    2.  streiten, 
zanken;  strulimmen,  strömen;  striilen  ,  slrullen  ,  gewaltsam  in  ei- 
nem dicken  Strahle    herausfliessen  ;  stocken  ,    anstücken  ;  slückcn  , 
Torf  stauchen,    daher  de    Stücke,    eine   Stauche  Torf;   Stumpen  ^ 
von  slump  ,  stumpei ,  stumpfen  ,  v.  tr. ;   staurmen  ,  stürmen ;  senni- 
gen,   sündigen,    de    Senne,    die    Sünde;    forsnnvjen ,    versöhnen; 
forslmnigen ,  verschonen;  sjühsseln,  dän.  at  sysle,  süsseln,  pässeln; 
swieren,  in  Trinkgelagen  schwärmen;  sliivwen,  v.  tr.,  steifen;  stiiv- 
wem,  gerinnen,  vom  Blute;  spickern ,  annageln;  sörrigen ,  i.  sor- 
gen, 2.  trauern,  jö  Sörrig ,  i.  die  Sorge,   2.  die  Trauer;  steilen, 
sich  bäumen  ,  von   Pferden  ,  aber   nicht  rcciprok  ;  sülten  ,  sülzen  , 
gekochten  Speck  in  Salzlake  legen;  dät  Sohl  heisst   die  Salzlake, 
davon  dat  Sülll,  die  Sülze;    swdcken,  zwicken;    swäcken,   schwä- 
chen.    Taageln ,  v.  tr. ,  zagein,  von  de  Taagel,  der  Zagel;  tacken, 
V.  tr.,   auszacken,    de  Tack;   täJilen ,    einen    losen   Boden    legen, 
die   Hille ,   also  hillen ,    zu  Heu   und    Getreide :   dat   Täling ,    die 
Hille ;    tdlten ,   v.  a.   intr. ,    zelten,   Zelte    aufsehlagen,    wie   beim 
Eindeichen  eines  Koges,  im  Feldlager,  u.s,  w. ;  tarnen ^  z.B.  hekönt 


523 

äi  tarne,  er  kanns  nicht  übers  Herz  bringen,  sich  nicht  bezäh- 
men, CS  zu  ihun  ;  adjccliv  tarnen,  Tämenliäid,  ohne  Zcilbegrilf, 
wie  fräien ,  manngierig ;  täpen ,  zapfen ;  tä$en  ,  necken  ,  reizen , 
anzapfen,  täsig ,  gricklich ,  leicht  gereizt,  Täsighiüd;  tienen ,  die- 
nen ,  de  Tijnst ;  iicmcn ,  diemen  ,  das  Heu ,  von  jö  Tiem ,  der 
Fahrzaum  ;  taakeln ,  takeln  ;  tiescn  ,  auszupfen  ;  täinsen ,  von  de 
Täms,  die  Seihe  aus  Haartuch,  auch  Haarsieb,  daher  seihen  und 
sieben,  sichten;  tirren,  v,  tr.,  aufreizen;  turen ,  thränen;  tjäsen , 
albern  schwatzen;  tagten,  dicht  machen;  tieknen,  zeichnen;  tnig- 
ten ,  trachten;  trägtigen,  trichtern;  trampen,  trampen;  trümmcln , 
wälzen,  rollen,  purzeln;  trästen,  trösten,  dcTräst;  träwen,  traben, 
jö  Träw ,  der  Trab;  treten,  trillen;  trüiviven,  di'ohen;  tweien,  sab- 
bern, quielen;  tuten,  tuten;  tugtigen,  züchtigen;  twihssen,  flüs- 
tern, wispern;  träckcn,  ziehen;  tingen,  dingen,  feilschen;  tun- 
nern, donnern;  twägen,  kleben;  twcigen,  mit  auf  (ab),  außivägen, 
z.B.  ein  dickes  Stück  Brot;  träten,  zaubern;  tönken,  danken,  de 
Tönk,  der  Dank;  twenen,  verb.  regul.  und  irreg.,  zwirnen,  davon 
dät  Twjärn,  der  Zwirn;  ttvjärnen,  quernen,  von  jö  Twjärn,  die 
Querne,  Handmühle.  Ugen,  v.  a.  intr.,  arbeiten,  beschäftigt  sein, 
ä/«M^e«,  fortarbeiten ;M//se«,  v.  tr.,  schöpfen;  uken,  v.  tr.  und  pass., 
weichen,  einweichen;  ursen,  lenzen,  Frühling  werden,  von  de 
Uhrs.  Wären,  1.  währen,  dauern,  2.  v.  tr, ,  aufbewahren,  3.  v. 
rec,  sich  wahren;  ivälen,  welken;  wäjnken,  winken;  wandern, 
wandern;  wä//erw,  1.  wälzen,  2.  wällern ;  wadrferw ,  sonnen,  wittern, 
durch  Luft,  Wind  und  Sonne  trocknen,  z  B.  Betten,  Kleider,  Heu 
u.  s.  w. ;  ivaatern ,  v.  tr.,  einen  Zeug  wässern ;  wähsern ,  wässern ;  iväck- 
seln,  wechseln,  deWdcksel;  icaaitefi,  winken;  ivärken,  schmerzen; 
wärrigen,  dasselbe;  wirr  igen,  erwürgen;  wirken  — ;  wichen,  wei- 
chen; Witten,  weissen;  wählen  — ,  jö  Waal;  waagen,  1.  wagen, 
2.  wachen;  ivdnshen,  wünschen;  wäggen,  wiegen,  von  jö  Wägg, 
die  Wiege;  wönnen,  wannen,  das  Korn  in  der  Schwingwanne,  jö 
Wönnüjlling ;  wjärdigen,  würdigen;  ivjdrpeln,  worfeln;  ivippen — ; 
tvelen,  ausruhen;  wuppen,  ähren,  Aebren  setzen,  von  jö  Wupp, 
auch:  die  Aehren  mit  dem  Aehrenbesen  (de  Wttpper)  abfegen; 
wöwiven,  weihen,  von  jö  Wöfj',  d.i.  beiliegen,  beiwohnen;  wrölen, 
wühlen,  von  Schweinen,  Maulwürfen  u.  s.  w. ;  wäigen,  auf  und 
nieder  wiegen ;  it'c/c«,  wetzen;  walken,  walken;  widden,  üttividden, 

•11  ♦ 


ausweiten,  erweitern;  ivönterti,  wintern,  auwenuäntern ,   überwin- 
tern; forwirren,  verwirren;  wunnern,  wundern,  u.  s.  w. 


Sinnverwandte  Wörter  aus  den  Zeitwörtern, 

§.214.     i.  Aujnägtnämen ,  in  Acht  nehmen;    shunigen,  schonen. 

2.     Aujngiingen,  angehen;  shijUen,  scheren, kümmern;  bäihämen. 

5.  Sieen,  sehen;  laiicken,  das  deutsche  lugen,  engl,  to  look; 
kiecken,  gucken;  de  Laiicke,  der  jedem  Menschen  eigenthümliche 
Blick:  he  fiet  cn  fölen  Laucke,  einen  bösen  Blick,  sieht  verdächtig 
aus  den  Augen. 

4.  Riesen,  sich  aufrichten;  äpstäiijnnen ,  aufstehen;  auwerijnne- 
släiijnncn,  aufstehen,  wörtlich:  überendestehen. 

5.  Finnen,  finden,  ültfintien,  ausfinden,  dpfinnen,  erfinden;  äp- 
degen,  entdecken. 

6.  Utt fairen ,  ausführen ;  ijnnen,  beendigen ,  vollenden ;  fiill fairen. 

7.  Tjäsen,  piesen,  piesern  ,  gasen,  släsern ,  Iwittwädden ,  tistjäsen, 
snicksnäken,  trindmsnaken ,  trinämmeruken ,  lauter  Wörter  für  al- 
bernes, leeres  Schwatzen;  die  weibliehen  Hauptwörter  sind  hier 
folgende:  jö  Tjähs,  i'oPiehs,  jö  Göhs,  jö  Twittivädd;  die  männlichen 
bekommen  meistens  die  Endung  er,  als:  de  Tjäser,  Pieser,  Göser, 
Släserer,  Twiltivädder,  Trindmsnäker ,  en  Trinämmeruk. 

8.  Fläsen,  ausplaudern;  släsern,  klatschen;  eßersedden,  nach- 
sagen; de  Fläspöse,  der  Ausplauderer;  jö  Släsertäsh,  die  Plauder- 
tasche, Klatscherinn. 

9.  Ültmägen ^  ausmachen;  bdilMden ,ht\\egex\',  aufmägen,  abma- 
chen; sljögten,  schlichten;  äujnt  Rögtbringßn,  zu  rechte  bringen, 

40.  Blaasen,  hhsen;  pusten,  pusten;  ahmen,  athmen;  hdchen, 
hauchen;  de  Hdch,  de  Püsl. 

\l.    Snöwwen,  schnaufen;  snäiveln ,  durch  die  Nase  sprechen. 

42.  Hemen,  hieben;  trungbursiig  wesen,  engbrüstig  sein;  kaiirt- 
ohmig  wesen,  kurzathraig  sein. 

4  5.  Tjögen ,  anschaffen ,  äiijntjögen,  dasselbe ;  daher  alle  Kleidungs- 
stücke, alles  was  man  auf  einer  Reise  mit  sich  führt,  alles  Vieh 
mit    dem   Colleclivum   dat  Tjöch   bezeichnet   wird,    nd.    dat  Tüg. 

Tjögen  ist  auch  vor  Csericht  zeugen,  de  Tjöge,  der  Zeuge, 


14,  T6ledile7i,  zulegen,  Kälber,  Läniraer,  Füllen;  dpiiocn,  auf- 
ziehen, gross  ziehen;  dpfmiscrn,  auilütlcrn  u,  s.  w. 

45.  Befä/isen,  v.  rec,  sich  befassen  mit;  aufjewcn,  v.  rcc.,  sich 
abgeben. 

IG.  Behäiwen,  bedürfen;  brücken,  i.  brauchen,  2.  gebrauchen; 
nölissig  hetven;  jö  Beltäitv,  der  Bedarf;  de  Brück,  der  Gebrauch. 

i7.  Befälen,  befehlen;  bijdden,  gebieten;  forordnen,  faarshrm- 
wen;  de  Befahl,  dät  Bödd ,  jö  Forordnmj ,  jö  Faarshrdß. 

48.  ßcspränken,  besprengen;  bespaailen,  bespritzen;  be&pölen, 
beflecken  (sonst  aucTi  bespotten),  betüpfeln;  deSpaait,  der  Spritz; 
de  Spot,  der  Fleck,  dat  Spät,  der  Spott. 

49.  Befrien,  befreien;  forliesen ,  vcrb.  reg.,  erlösen,  entbinden; 
rädden,  retten;  {forliesen,  v.  irreg.,  verlieren,  de  Forljüst);  aus 
jenen) :  jö  Forliesing,  die  Erlösung;  jö  Bdddning. 

20.    Bcsörrigen ,  besorgen ;  besldllrn,  bestellen;  üttrögten,  ausrichten. 

24.  Begercn,  begehren ;  forlingen,  fordigen,  verlangen  und  fordern. 

22.  Bdgtigen,  beichten;  bekänncn,  bekennen;  töstäujnnen,  ein- 
gestehen; jö  Bdgt,  die  Beichte ;  löslävjnnen  ist  auch  zustehen ,  daher 
de  TöstUnd,  der  Zustand. 

25.  Bliwivcn,  bleiben;  täiiven,  warten;  Imlim  dpitiijllen,  sich 
aufhalten;  dat  A'pimjll,  der  Aufenthalt,  die  Hemmung;  dät  A'p- 
äiijnthüjll,  der  Aufenthaltsort. 

24.  Belesen,  beladen ;  befragten,  befrachten ;  bepacken,  bepacken. 

25.  VFaanjäwew,  wahrnehmen;  Ugljcioen,  Acht  gehen  \  äwmärken , 
aufmerken;  dpmärken  und  dpliieren ,  lioch  aufhorchen;  dphieren 
ist  auch  einem  seine  Lection  überhören. 

26.  Bjdrsten,hevs{ex\;  riiviven ,  \'e\%scn;  springen,  springen. 

27.  Beräiren,  berühren ;  befallen,  befühlen ;  begrabbeln,  begrabbeln. 

28.  Besieen ,  besehen ;  besigtigen ;  bclrägtcn ;  jö  Belrägtning. 

29.  Huhm  besdnnen,  sich  besinnen;  huhn  betanken,  sich  beden- 
ken; hiihm  sömmeln,  sieh  sammeln;  lö  liulimsellew  kämen,  zu  sich 
selbst  kommen;  huhm  bedärrigen,  sich  sammeln,  wenn  man 
plötzlich  aus  einem  tiefen  Schlafe,  einer  Ohnmacht,  oder  dem 
Rausche  erwacht;  vom  Ungcwiiter  gebraucht,  heisst  es  sich  legen. 

50.  Beken,  recken;  tieen,  ziehen;  streken,  strecken;  dät  Töch, 
4.  der  Zug,  2. das  Mal;  de  Töhg ,  pl.  Thögo,  der  Zug,  Streich. 

34.    Hdm  sömen ,    sich  ziemen;    häm  passen,    sich  passen;    hdni. 


526 

shäcken,  sich  schicken;  hdm  äujnstäujnnen ,  anstehen. 

52.    Beren,  Geld  heben;  iwwämew,  einnehmen;  häwen,  jö  Uäiving , 
die  Hebung  auf  einer  Amtslube,  u.  s.  w. 

35.    Tönken,  danken,  tönksedden,  danksagen,  fortönken,  verdanken. 

54,    Gunncn,  gönnen;  wdnshen,  wünschen,  einem  etwas. 

35.  Häiern,  haaren;  fähsern,  mausern;  hüdden,  sich  häuten. 

36.  Siridden,  streiten,  rechten;  slräwcn,  bloss  mit  Worten  über 
etwas  streiten;  tjdivweln,  sich  zanken. 

57.  Dukggen,  ihun;  magen,  machen;  forrögten,  verrichten. 

58.  Binnen,  binden;  kneten,  anknoten,  durch  einen  Knoten. 

59.  Heipen ,  helfen ;  häisläujnnen ,  beistehen ;  jö  Help ,  de  Bäiständ. 

40.  i?e(/jere«,  regieren;  räjdden,  freie  Handhaben;  ivättösedden 
heiven,  was  zu  sagen,  zu  befehlen  haben. 

41.  Holen,  heulen;  U'jllen,  aus  vollem  Halse  schreien;  shnilen, 
brüllend  schreien;  briilen,  brüllen;  dät  Töl,  Getöse,  Lärm,  Gezänk  u.s.w. 

42.  Lärmen,  lärmen;    daaiven,  toben;  rabdllern,  schmetterndes 
Geräusch  machen;  dät  Ldrm,  dät  Bdbdller. 

45.    Hdxen,  hexen;  trölen,  zaubern;  forhäxen,  behexen. 

44.   Hieren,  hören;  lidrken,  horchen;  lijren  oder  lörren,  lauern; 
liieren  und  harken  heisst  auch  gehorchen. 

4ö.  Höppen,  hüpfen;  hdjnken,  auf  einem  Beine  hüpfen;  halten, 
hinken,  hinkend  sein;  de  Höpp,  der  Hüpf. 

4(i.  Kldjngern,  klingern  (Veröfterungswort  von  klingen);  rdjn- 
gehl ,  rasselnd  klingen  oder  klingend  rasseln ,  als  verb.  pass. ;  shrdjn- 
geln ,  dasselbe  als  v.  act.  intr.  Alle  drei  Wörter  bezeiclinen  das 
hell  oder  klar  Lautende  im  Tönen  klangbarer  Körper,  besonders 
der  Metalle  und  des  Glases.  Kldjngern  geht  aber  mehr  auf  das 
andauernde  Erzittern  des  klingenden  Körpers;  rdjngeln  mehr  auf 
die  Wiederholung  des  Klanges,  und  shräjngeln  zugleich  auf  die 
veranlassende  Ursache.  Ein  hingeworfenes  Silberstück  auf  eine 
harte  Unterlage,  eine  freihangende  Stahlslange,  die  man  durch 
einen  Schlag  mit  dem  Hammer  erschüttert,  und  ähnliche  Dinge 
Mäßigem;  ein  auf  der  Landslrasse  daher  fahrender  Wagen,  mit 
weiten  Achsenbüchsen  und  lossitzenden  Lünsen  [Lensc),  rdjngell; 
so  auch  die  Schlittenschellen,  und  insofern  sie  durch  die  Bewe- 
gungen des  Pferdes  oder  durch  eine  Menschenhand  zum  Klingen 
gebracht  werden ,  shrujngelt  man  damit;  daher  nun  auch  jö  RdJn- 


327 

cflcboss  und  jö  Sliröjnglcboss,  in  diesen  beiden  Beziehungen  für 
Scliellenbüchse,  dän.  en  Ranglebösse ,  von  Rangle,  die  Schelle, 
fries.  jö  Rüjngel,  und  ein  Hcnkellopf  mit  zwei  Henkeln,  Das 
deutsche  Ä/m<;eM  heisst  auch  im  Fries,  klingen;  aber  nur  ein,  etwa 
zum  Nolhbehelf  gebildetes,  Veröfterungswort  hungern  könnte  dem 
fries.  Worte  kläjngcrn  entsprechen. 

47.  Bögen,  Möpfen,  bänken,  heisscn  alle  drei  klopfen,  pochen 
u.  s.  w'.,  jedoch  in  verschiedenen  Beziehungen ;  bänken  bezeichnet 
ein  starkes  Klopfen;  vom  Pochen  an  eine  Thür  braucht  man  bäti- 
ken  und  bögen;  Klu/ise  bögen,  Wäsche  klopfen;  dät  Bögsliörn,  der 
Bläueltisch;  de  Kluseböger ,  der  Bläuel,  das  Bläuelholz;  huhm  äw'e 
Shullere  kloppen,  äiijn'e  Häiijnne  kloppen,  u.  s.w. 

48.  Lienen,  leihen ,  fd /jew ,  zur  Leihe;  faarshijtten ,  vorschiessen ; 
ültledden,  auslegen. 

49.  Länen,  lehnen;  stippen,  stützen. 

50.  Lieren,  lehren;  unnerrögten,  unterrichten;  unnerwihssen. 
M.    Prifissen,  preisen;  ült  strick  en ,  herausstreichen;  prahlen  — ; 

gröttspregen, 

52.  Locken,  locken;  eggen,  töeggen,  verleiten,  anreizen  zu, 

53.  Hii/im  äjltdregen ,  sich  gebehrden ,  betragen;  äjttbcren , 
dasselbe;  Imlim  tieren. 

54.  Daadein,  tadeln;  äw  wdt  ütlsetten,  aussetzen;  hijn  mägcji, 
schlecht  machen,  herabsetzen. 

55.  Huhm  tvdt  uhgivittigen ,  einem  Vorwürfe  machen;  huhm  wdt 
iinner'e  Naas  riivwcn,  einem  was  unter  die  Nase  reiben;  shönklüt- 
ten,  verläumden,  einem  Schandflecke  anhängen;  beshönklütlen, 

5ß,  ßldlden,  melden;  bekänd  mägen  ,  bekannt  machen;  wähse 
läjtten,  wissen  lassen;  mddielen,  mitlheilen, 

57.  Mdmägen,  mitmachen;  eflermägen,  nachmachen;  efteräwen, 
nachäffen;  efterduhggen,  nachlhun. 

58.  Mosern,  modern;  form ösern,  vermodern;  forivesen,  yerwesen; 
rasen,  faulen,  morschen;  forrösen,  verfaulen;  dprösen,  durch- 
faulen. 

59.  Mienen,  meinen;  gdssen,  engl,  to  guess;  häiiven,  wähnen; 
formausen  ivesen,  vermuthend  sein,  vermulhen,  ]6  For  mau  sing ; 
tanken,  denken;  liewen,  glauben;  tdjnten,  däuchten;  faardriwwen, 
einem  vorschweben. 


528 

CO.  Dräien,  drehen;  kieren,  kehren;  wijnnen,  wenden;  snöien, 
drehen,  z.B.  den  Schleifstein,  ein  Rad  u.  s.  w.,  dän.  at  snoe. 

61,  Dullen,  dulden;  lihssen,  leiden;  iUtslänjnnen ,  ausstehen; 
üühiijUen;  düllig ,  jö  Dülligliäid,  Geduld,  Duldsamkeit. 

62.  Ilen,  eilen;  hasten,  haslen;  jagen;  Im/im  shäjnten  ,  sich  spu- 
ten; jö  IM,  jö  Hast,  jö  Jagt. 

'63.  Inprmiten ,  einprägen ;  inshnrpen  ,  einschärfen  ;  ätv  't  Hart 
Icdden,  ävjn't  Geiväten  shdrpen. 

64.  Insläipen,  einschlafen;  tösläipen,  einschlafen;  äujn  Släip  fäl- 
len, in  Schlaf  fallen. 

65.  Inwijnnen,  einwenden;  wilisserspregen,  widersprechen. 

66.  Fuliggen,  füjn,  kriegen;  erhüjllen,  erhalten;  erlingen,  erlan- 
gen; beLämen,  bekommen. 

67.  Äiijntgongen ,  entgehen ;  äujntkämen,  enikommen ;  änjntivegen , 
äiijntu/äig ,  äiijnttvägen ,  entweichen;  äiijntluppen ,  entlaufen;  äiijnt- 
springen ,  entspringen. 

68.  Mjärden  ,  morden  ;  dmbringen  ,  urahringen  ;  diijdsluhggen , 
todtschlagen ;  dählsluhggen ,  erschlagen;  dm'l  Liff  bringen,  ums 
Leben  bringen;  fönt  Liff  bringen,  durch  ewiges  Plagen  und  Quä- 
len; wirrigen,  erwürgen. 

69.  Hufi.m  ävjntsetten,  sich  entsetzen;  Iiu/im  for fairen,  erschrec- 
ken; flieh  oder  trong  worden,  erbangen. 

70.  Stellen,  stehlen;  rmvcn,  rauben;  mühssen,  mausen. 

71.  Äphppen ,  einholen,  jemand;  inhtilen ,  einholen. 

72.  Fällen,  fallen;  stjärten,  stürzen;  dählsdjnken,  niedersinken. 

73.  Fdgten,  fechten;  stridden,  streiten;  kempen,  kämpfen;  wräs- 
seln,  ringen;  deStridd,  de  Kamp;  de  Kempe,  der  Kämpe,  Heune, 
Riese,  Recke. 

74.  Sillen,  sanft  dahin  fliessen;  flijtten,  fliessen;  struhmmen, 
strömen;  strulen,  strullen,  de  Struhl ,  der  Wasserstrahl;  dRi  Sill, 
der  Fluss,  jö  Fläiijdd,  die  Fluth,  de  Strnhmm,  der  Strom. 

75.  Achsen,  essen,  von  Menschen  und  Thieren;  spihssen,  spei- 
sen; frehsen,  fressen,  allein  von  Menschen;  de  Fräthe,  grober, 
gemeiner  Ausdruck  für  Mund,  die  Fresse. 

76.  Miesen ,  meiden ;  formiesen,  vermeiden ;  ävjntgongen,  entgehen. 

77.  Bldjnken,  blinken;  gh'mnern,  glimmern,  glittern;  gldnsen, 
glänzen;  shenen ,  scheinen;    glimen,  hervorschimmern;   sjämmern, 


329 

schimmern,  dämmern;  davon:   de  Bläjnk,  de  Gldns,  de  Sli'm,  de 
Gläme,  engl,  a  glcam. 

78.  Fairen,  führen;  lijddcn,  leiten;  stjürreu,  steuern,  lenken; 
jö  Fähr,  jö  Faur,  jö  Stjürr. 

79.  Fäjdden,  gebären;  hjdrnen,  geboren  werden ,  kindein;  äujn't 
Söllembedd  kämen,  ins  Wochenbett  kommen;  io  Iddden  kämen,  zu 
liegen  kommen,  geliegen,  1  Sam.  4.  vs.  19,  1  Kön.  5,  17;  äujnhup- 
smilten;  min  Mudder  fiet  me  feel,  geboren;  ivdnne  bdsl  bjärnct? 
wann  bist  du  geboren?  fäjdden  heisst  sonst  auch  ernähren,  un- 
terhalten; daher  jö  Fäihs,  der  Unterhalt. 

80.  Shänken,  schenken;  forihren,  verehren;  ]6Fonhr'mg,  Geschenk. 

81.  Hägen,  gefallen;  behagen  — ;  äujnstäiijtmen,  anstehen. 

82.  Lötven,  geloben;  forspregen,  versprechen;  tösedden,  zusagen. 

83.  Kläisen,  mit  den  Nägeln  die  Haut  zerkratzen;  riwwen , 
reissen;  grdivwcn,  mit  den  Nägeln  aller  gekrümmten  Finger  packen, 

84.  Shnimmeln  und  rummeln,  Klangwörter,  rumpeln,  u.  s.  w.; 
jö  Rummelpott,  Rurapeitopf,  ein  Spielzeug  der  Kinder,  ein  mit 
einer  strammen  Blase  überzogener  Topf. 

85.  Mummeln,  murmeln,  nörgeln;  knurren,  knurren. 

86.  Krügen,  drücken;  pjärscn  ,  pressen;  klammen,  klemmen;  de 
Pjärse,  die  Presse;  jö  Klamm,  die  Klemme,  der  Kloben. 

87.  Säjcken,  suchen;  räicknen  und  r ansägen,  s.  §.213,  S.  320. 

88.  Rippen,  regen;  räiren,  rühren:  lie  kön  hdm  äi  rippc  an 
räire,  d.i.  regen  und  bewegen. 

{Rippen,  reifen,  1.  als  v.  pers.,  reif  werden,  2.  als  impers. ,  es  i*eift , 
sind  die  beiden  andern  Bedeutungen  dieses  Wortes). 

89.  P/e^e?j,  pflegen;  huhm  tö  Cause  duhggen,  sich  gütlich  thun. 

90.  Nijddigen,  durch  Noth  zwingen;  nijdsagen,  nothgedrungen 
sein. 

91.  Späien,  speien;  hukm  bregen,  sich  erbrechen;  huhin  auwer- 
jewen,  sich  übergeben;  dät  Späiling ,  das  Ausgespieene. 

92.  Ldjnken ,  leicht  einherhüpfen;  höppen,  hüpfen;  springen — ; 
glaaien,   schlüpfen;   de  Ldjnk ,  de  Ilöpp ,   de  Spring. 

{Glaaien  heisst  auch  glühen ;  üttglaaien,  v.  tr.,  ein  Eisen  ausglühen). 

95.  Dregen,  tragen;  leflen,  heben;  beren,  baren,  nd.  hören, 
dän.  at  bare;  jö  Dragt,  Tracht;  de  Bare  — ;  da  Bere,  nora.  coli, 
pl.,  die  Gebehrden;    hnhni  äjHberen,  sich  gebaren  und  gebehrdcn. 


530 

94.  Friesen,  frieren;  kölligen,  starke  Kälte  empfinden,  von  de 
Kolle,  die  Kälte;  de  Fräst,  der  Frost. 

95.  Tünnen ,  schwellen ,  v.  pass. ;  dptüntien  ,  anschwellen ;  dp- 
luppen,  dasselbe;  de  Timnelse,  die  Geschwulst. 

96.  Häm  hijnnen,  sich  ereignen;  hdm  dräiven ,  sich  treffen; 
Iiäm  todregen,  sich  zutragen;  jö  Hijnning ,  das  Ereigniss ;  de  T6- 
fäll,  der  Zufall;  de  Sliimp ,  der  Glückstreff,  sonst  auch:  Menge, 
Masse, 

97.  Hijnnen,  v.  tr.,  mit  den  Händen  auffangen;  dpfängen. 

98.  Ijnnen,  faurtshridden ,  fortschreiten  mit  der  Arbeit,  dem 
Ende  zu. 

99.  ßlingen,  säumen;  njäsen,  zaudern;  tögern,  zögern;  sömen, 
säumen;  jyraiisen ,  aus  Ungeschicklichkeit  mit  einer  Arbeit  nicht 
fortkommen, 

100.  Shdcken,  v.tr.,  schicken;  synnen,  senden;  jö  Sijnning,  Sendung, 

101.  Huhm  slidcken,  sich  schicken;  Iinlim  dp  fairen,  sich  auffuh- 
ren; huhm  äjttdregen,  sich  betragen;  jö  Apfäiring. 

102.  Begännen,  beginnen;  äiijnfängen,  anfangen,  de Avjnfäng. 

105.  Begännen,  avjnfängen ,  dpstdllen,  als:  wdt  shdll  ick  nö  ävjn- 
fängeF  he  wijt  äi,  wdt'r  nö  dpställe  sliäll;  ivdt  begannst  döF  was 
beginnst  du  da? 

104.  Begeren,  begehren;  foiiingen ,  \-cr\angen  ;  fordigen,  fordern; 
dat  Begeren;  dät  Forlingen;  de  Forlängst,  die  Sehnsucht;  jö  For- 
dring ,  die  Forderung. 

iO^.  Neren  ,  nähren,  ernähren;  fäjdden,  beköstigen,  füttern; 
unnerhüjllen,  unterhalten;  jö  Näring,  jö  Fäihs. 

106.  Huhm  leeren,  sich  wehren;  huhm  forsivären  ,  sich  verant- 
worten, veriheidigen;  ]6\\ähr ,  Kräfte  zum  Veriheidigen;  ]6  Faar- 
sivär,  die  Fürsprache, 

107.  Tresen,  v,  tr.,  treten;  de  Urdcr  tretjö ^nert ,  der  Erpel  tritt 
die  Ente;  überhaupt  vom  BegaUen  der  Yöge\;  springen,  v.tr.,  von 
grössern  Säugethieren ;  von  Menschen ,  in  der  rohen  Gcsindel- 
sprache:  wöwwen,  weihen,  und  miecken,  von  jö  il/Zec/,;,  die  Mutter- 
scheide, Die  weibliche  Schaam  heisst  im  Allgemeinen  jö  Puhss; 
das  männliche  Glied,  de  Pille;  der  Hodensack,  de  Pung  (Beutel), 
und  die  Hoden  ,  da  Stiene,  Steine, 

108.  Bdggen,  bauen;  opbäggen,   aufbauen;  dpfäiren ,  aufführen; 


551 

af selten,   aufsetzen;   jö   Ijnbdgg ,    ein    einzeln  liegendes   Haus. 

409.  Fölligen,  folgen;  eßerkämcn,  nachkommen;  jö  FölUy,  die 
Folge,  de  Eßerkdmst,  die  Nachkunft. 

HO.  Waageti,  wagen;  dürren,  dürfen;  hiihm  fordristen,  sich  er- 
dreisten; dät  Liff  äuju'e  Waag  selten,  das  Leben  wagen. 

411.  Tresen,  v.  a.  intr.,  treten,  schreiten;  släpen,  stapfen;  de 
Trälis,  der  Tritt;  de  Trä/is,  gewöhnlich  im  Plural,  du  Trälise, 
Tritthölzer  wie  am  Webstuhle,  an  der  Orgel  u.  s.  w. ;  de  Stäip, 
der  Stapf,  ein  langer  Schritt;  de  Släpe,  die  Stapfe,  in  Fäujtt- 
stüpe ,  Fusstapfe ,  Eindruck  vom  Fusse ;  de  Trisläpe ,  ein  hölzerner 
Bock  juit  drei  Füssen;  dat  Släpstähs,  der  Stegel  zum  Ueberstei- 
gen;  strädden,  greten,  grätschen,  jö  Slrädd,  die  Grätsche,  engl. 
to  stride,  Subst.  a  stride. 

112.  Fielen,  umziehen  in  ein  anderes  Haus;  dmtieen,  umziehen; 
däi Fletgäujd,  \]mzugsgut;  deBäjtllinge,  collect,  sing.,  dieFahrniss; 
auch  die  fahrende  Habe  einer  Braut  als  Morgengabe,  von  deBäjtle, 
das  Bischen,  also:  die  Bisslinge,  Kleinigkeiten. 

115.  Swömen,  schweimen;  ämsägeln,  ohnmächtig  hinfallen;  de 
Swöme ,  die  Ohnmacht. 

114.  Kriepen,  kriechen;  krdiviveln,  krauein,  von  Insecten,  und 
von  Menschen,  auf  allen  Vieren  kriechen;  kldwwern,  klauern, 
hinankriechen,  von  jö  Kldiv,  die  Klaue;  davon  wieder  de  Kldw- 
wer,  der  Klauer. 

115.  Ljaagen,  lügen;  Iiäien,  die  Unwahrheit  sagen,  um  die 
Wahrheit  zu  verheimlichen,  engl,  to  hide;  jö  Lägen,  die  Lüge, 
de  Lägner  und  Lägenier. 

116.  A'mbäisnöivwen,  dmsnöwioen ,  dpsnöwiven ,  dpsnaucken,  alle 
herumstöbern,  aufstöbern,  auswittern, 

117.  Sldjnken,  schlucken,  hinunter;  swälligen ,  mit  dähl,  ver- 
schlingen; jö  Sldjnk,  jö  SivTiUig,  Schlund,  Schwalg;  auch  wohl 
jö  Sivielig :  vergl.  schwelgen,  dän.  at  svälge,  engl,  to  swallow. 

118.  Shellewen,  zittern;  bäwen,  beben;  bäwern,  das  Veröfte- 
rungswort  von  bäwen;  ]6Bäweresp,  die  Zitterpapel,  Espe. 

119.  Mäjdden,  mähen,  von  i'öMäjd,  die  Math;  hdivwen,  hauen; 
de  Mäjdder,  der  Mäher. 

120.  Rudden,  rdwweln,  budden.  Rudden  und  rdivweln  heisst  wild 
auf  und  niederfahren,    z.  B.    von  Kindern    im  Belle,    über  einen 

42* 


pw  m  r\ 

Wali,  durch  einen  Zaun  und  dergl.;  davon  nun  dät  Rudd ,  ein 
solches  Loch  in  einem  Zaun,  eine  Schlupfstelle  über  einen  Wall, 
wo  Menschen  und  Thiere  durchkriechen  und  übersteigen:  vergl. 
engl,  lo  rout,  a  rout  und  a  rut;  bndden,  sich  im  Staube  balzen, 
wie  die  Hühner. 

-121.  Slieren,  liebkosen;  ficheln,  nd.  fiecheln ;  smicheln,  schmeicheln. 

122.  Kränken,  kranken;  segen,  siechen;  sören,  quienen,  hinsie- 
chen; jö  Segl,  4.  die  Sucht,  2.  Seuche:  Stvinnsegt,  Göhlsegt,  Wäh- 
sersegt. 

425.  Plirren,  blinzeln;  bldjnhen,  blinken,  mit  den  Augen. 

424.  Sungern,  gellen;  kldjngern ,  s.o.  4G. 

425.  Släjcken,  in  der  Asche  braten,  rösten;  braasen,  braten;  jö 
Braalts,  der  Braten;  jö  Snmrepönn,  von  smuren,  schmoren,  Ge- 
schmortes. 

426.  Laken,  lachen;  smelen,  lächeln. 

427.  Drönen,  dröhnen;  knüsen,  krachen;  shrögen,  schadhaften 
Klang  haben. 

428.  Spürren,  spüren;  äp fragen,  erfragen. 

429.  Kräjcken,  spungen,  knappen,  von  jöKräjck,  die  Oehse,  das 
Oehr,  jö  Spung,  die  Spange,  de  Knapp,  der  Knopf;  von  jöKniep, 
die  Schnalle,  kniepen,  damit  befestigen. 

450.  Klülten,  läpen,  fläcken,  von  de  KlüU,  de  Läpe,  de  Fläck, 
ausbessern,  flicken. 

451.  Läspen,  lispeln;  snäweln,  näseln;  stämmern,  stottern. 

452.  Twelen,  quielen,  sabbern;  fräsen,  geifern;  von  dät  Twel, 
der  Quicl,  Sabber,  und  de  Fräse,  der  Geifer,  Schaum. 

455.  Fläien ,  ütlbäsern ,  in  Stand  setzen,  ausbessern. 
434.  Fldien,  ausschmücken;  pulsen,  putzen. 

453.  Sägnen,  vermissen,  was  man  nicht  mehr  hat,  noch  haben 
kann;  säiknen,  vermissen,  was  man  nicht  wieder  finden  kann. 

456.  Gfignen ,  bähsen ,  njülten,  von  dal  GägeJi ,  de  Bühse ,  de  Njütte , 
—  womit  auch  noch  de  Fordijl,  der  Vortheil,  verwandt  ist  — 
heissen  alle  Nutzen ,  Vortheil  gewähren ,  nur  in  verschiedenen 
Beziehungen  und  mit  feinen  unterschieden,  die  nur  aus  Beispie- 
len und  dem  täglichen  Gebrauche  derselben  zu  erlernen  sind. 

457.  Sliälen  und  shijtten,  dilTeriren,  dät  sfidll ,  dät  shült  äi  faale, 
differirt  nicht  viel. 


353 

iöS.  Wällern,  wälzen;  Irümmeln,  wälzen,  wällern;  rullcn,  rol- 
len; käntern,  käntern.  Kantern  kann  man  nur,  was  Kanten  hat, 
z.  B.  einen  Balken;  das  Boot  känlert;  jö  Trümmel,  die  Ackerwalze; 
de  WTillcrbulmim ,  die  Welle  oder  der  Wellbaum  in  der  Mühle  , 
die  grosse  Axc. 

139.  Bändigen,  bändigen;  sljürren,  steuern,  regieren. 

i^O.Primgen,  tauschen;  dmsettcn  ,  umsetzen;  käujllehmijlten , 
kaupeln,  das  Eingetauschte  immer  wieder  gegen  etwas  anderes 
und  Schlechteres  vertauschen;  jö  Prung ,  der  Tausch;  de  A'msäts. 

141.  Erklären,  forklüren,  ültledden,  auslegen;  dölissen,  deuten. 

142.  Forihnbaaren ,  vereinbaren,  v.  rcc;  äi(jntspregen ,  entspre- 
chen ;  auwerijnskämen ,  übereinkommen ,  de  Auwerijnskdmst ,  die 
Uebereinkunft. 

145.  Raasen,    rasen;  daawen,  toben. 

144.  Betanken,  bedenken;  auwerledden ,  überlegen. 

145.  Betijn  läjtten,  räjdde  läjtten:  läjtt  me  betijn,  lass  mich  al- 
lein darum;  läjtt  me  räjdde,  lass  mich  freie  Hand  haben. 

146.  Auwertellen,  überreden;  tösnäken,  bereden;  bewägen,  bewegen. 

147.  Uttwirken,  einem  Pferde  die  Hufe,  davon  dät  Wirkjörn, 
das  Wirkeisen;  ütlwirken,  auswirken,  einem  etwas,  eine  Sache, 
die  Freiheit,  eine  Pension  und  dergl. 

148.  Inräcken,  töräcken:  beide  Wörter  werden  1.  von  tief  ein- 
gefahrenen und  kothigen  Wegen  gebraucht ,  2.  von  übelbehandel- 
ten Sachen,  die  eingesudelt  und  in  Unordnung  gebracht  sind. 
Aus  diesem  Zeitworte  rücken  ist  der  Name  Bäcker,  der  Schin- 
der, dän.  en  Bakker ,  entstanden,  welches  Wort  aber  wieder  nicht 
mit  Bäcker  [dän  grotte  Bäcker!)  zu  verwechseln  ist. 

149.  Dräjnken,  trinken;  süppen,  saufen;  de  Drönk,  der  Trunk, 
de  Drönker,  Trunkenbold;  de  Süpper,  der  Säufer,  de  Söpke,  der 
Schnaps. 

150.  Tökiersgungen ,  zu  Kehr  gehen;  töläjttsluhggen ,  ein  grosses 
Klaggeschrei  über  etwas  erheben;  sin  Säge  äujngungen,  rührend 
und  mit  leidenschaftlichem  Gefühl  und  Heftigkeit  reden. 

Anmerkung. 

Wo  die  deutschen  Wörter  in  der  Uebersetzung  zurückzielend 
stehen,  da  sind  auch  die  friesischen  rcciprok,  jedoch  mit  cinzel- 


00^ 


nen  Ausnahmen.  Das  Zeitwort  grämen,  grämen,  hat,  ausser  der 
zurückzielenden  Form ,  noch  folgende  unpersönliche,  als:  däl  grämt 
me  dm  de,  dm  hdtn,  dm  hdr  u.  s,  w.,  wörtlich:  es  grämt  mich 
um  dich,  ihn,  sie   u.  s.  w. ,   d.h.:  es  thut  mir  leid  um  dich. 

Das  zurückzielende  Zeitwort,  v,  rec.,  hat,  wenn  es  allgemein 
steht  und  persönlich  gebraucht  wird,  allemal  hulim  bei  sich, 
als:  Imhm  shaamen,  sich  schämen;  hnhm  mäiijtt  huhm  jd  blöge, 
man  muss  sich  ja  entsehen;  huhm  kön  huhm  Idgt  forwillige,  man 
kann  sich  leicht  verirren;  huJim  mäujlt  huhm  doch  järst  betanke, 
man  muss  sich  doch  erst  bedenken;  huhm  kön  huhm  Idglere  for- 
sprege,  ds  forähse,  man  kann  sich  leichter  versprechen,  als  ver- 
essen  ^ 

Wird  aber  das  Reciprocum  unpersönlich  gebraucht,  so  hat  es 
allemal  hdm  nach  sich,  als:  dUt  fdnt  hdm  nög ,  das  findet  sich 
wohl;  dät  drüwet  hdm  nö  so,  das  traf  sich  nun  so;  dät  hünd  hdm, 
es  begab  sich;  dät  sömet  hdm  di,  es  ziemt  sich  nicht;  dät  fäiget 
hdm  wdjl,  es  fügt  sich  wohl;  dät  kön  hdm  Idgt  käme,  es  kann 
sich  leicht  treffen. 


ACHTES   GAPITEL 

DAS  UMSTANDSWORT  (Adverbium) 


§.  215.     Das  Umstandswort  bestimmt  überhaupt,  wie  die  Aus- 
sage zum  Grundworte  (Subjecte)  gedacht  werden,  oder  in  wiefern 


1  Es  ist  schon  früher  bemerkt  worden,  dass  huhm,  wenn  es 
nicht  zu  Anfange  des  Satzes  steht,  zu  'm  zusammengezogen  wird. 
Ich  füge  noch  einige  Beispiele  hinzu,  als:  dat  säit'm,  das  sagt 
man;  dät  kön'm  di  ivdhse,  das  kann  man  nicht  wissen;  dät  mäi'm 
jd  man  di  düjn,  das  mag  man  ja  nur  nicht  thun;  dirr  snäket'm 
dm,  davon  spricht  man;  wdt  slidU'm'r  [lies  shdllemer)  dp  md  stdlle, 
was  soll  man  damit  aufstellen?  wdt  fäit'm'r  faar?  was  bekommt 
man  dafür?  wdt  mäujlt' m' r  jd  doch  bdi  düjn,  etwas  muss  man  ja 
doch  dabei  thun;  wdn'm'r  dmhdne  köhs,  wenn  man  umhin  könnte. 
Vergleiche  §.448,  über  die  Zusaramenziehungcn. 


ööii 

sie  gelten  soll,  z.B.  man  Branser  ds  näilke,  kaiirtlick,  Mling,  mär- 
ling,  dntvmie,  dnjörsne,  löngens,  äiwen,  nö,  [aar  en  läiet  kicm- 
men,  mein  Bruder  ist  neulich,  kürzlich,  heut  Abend,  heute  Mor- 
gen, gestern  Abend,  gestern,  längst,  eben,  jetzt,  vor  kurzem 
gekommen;  Iie  kaum  doch  dnllick  an  tölost,  er  kam  doch  endlich 
und  zuletzt;  he  ds  hirr  noclidi  äujnkiemmen ,  er  ist  hier  noch  nicht 
angekommen;  hc  kdmt  hijl  an  all  di,  er  kommt  ganz  und  gar 
nicht;  he  ds  forligt  klemmen,  vielleicht;  he  ds  wdss,  säkor  kiem- 
men,  gewiss,  sicher;  he  kdmt  oller,  er  kommt  nie,  u.  s.  w. 

§.  216.  Wir  haben  Umstandswörter  4.  Der  Zeit,  als:  löngens,  längst, 
long,  lange,  faar  l5ngetis,\oryängst;  ihr,  eher,  früher;  üjllings,\or 
Alters,  weiland;  ihrtidds,  vormals,  in  früheren  Zeiten  ;  ijtisen,  1.  ein 
Mal,  2.  einst,  dereinst,  in  Bezug  auf  Vergangenheit  und  Zukunft ;  aurs, 
sonst ,  anders ;  dilling ,  elling ,  märling ,  jdrling  ,  heute ,  heut  Abend , 
heute  Morgen,  heuer,  in  diesem  Jahre;  lähs,  spät;  edder,  früh; 
tiddig ,  zeilig;  dntenne,  gestern  Abend;  dnjörsne,  gestern;  dnihr- 
jörsne,  vorgestern;  dnjörsne  Mjdrn,  gestern  Morgen;  dnjörsne Mäd- 
däi,  gestern  Mittag;  dnjörsne  Ihr emdddäi ,  gestern  Vormittag;  Ihre- 
mdddäi,  heute  Vormittag;  Faaremdddäi,  Vormittags,  heute  Vor- 
mittag; eftermdddäi,  auf  den  Nachmittag;  dnjörsne  enne,  gestern 
Abend,  siehe  dntenne;  dnihrjörsne  enne ,  vorgestern  Abend;  mjdrne, 
morgen ;  mjärnedder  ,  morgen  früh  ;  mjdrnenne  ,  morgen  Abend ; 
mjdrne  Eßermdddäi ,  morgen  Nachmittag;  nägtling ,  in  dieser  Nacht; 
aurdemjdrne,  übermorgen,  zusammengezogen  aus:  auwer  de  Däi 
mjdrne  (über  den  Tag  morgen);  all,  schon,  bereits;  ?iö,  nun,  jetzt; 
noch  di,  noch  nicht;  gelick,  gleich;  äujn't  Ugenbldck,  im  Augen- 
blick; strägs,  stracks;  äiwen,  eben,  soeben;  näis,  neulich;  näilke, 
jüngst;  kaurtlick,  kürzlich;  faar  en  Idiet,  vor  einer  Weile,  vor 
kurzem;  dm  en  läiet,  über  ein  kleines,  nach  einer  kleinen  Weile; 
dm  Däiem,  des  Tags,  am  Tage;  dm  Nägtem,  des  Nachts,  in  der 
Nacht;  dm  Mjdrnem,  des  Morgens;  dm  Ennem,  des  Abends;  dm 
Mdddäiem,  des  Mittags;  dm  Eßermdddäiem,  des  Nachmittags; 
dm  Faaremdddäiem ,  des  Vormittags;  dm  Wontrem,  des  Winters; 
dm  Sdmmrem,  des  Sommers;  dm  Ursem,  im  Frühling;  dm  Hdrre- 
stem,  im  Herbste;  öfting ,  oft;  sdlten,  selten;  auf  an  tö,  ab  und 
zu;  ddn  an  wdn,  dann  und  wann;  mdljdrst,  mit  dem  ersten; 
däglick,  täglich;  nägtlick ,  nächtlich;    forgingen  Ihr,  voriges  Jahr; 


536 

dät  färre  Ihr,  das  vorvorige  Jahr;  tökämen  Ihr,  künftiges  Jahr; 
forgingen  Wäg,  vorige  Woche;  tökämen  Wäg;  ülteedder,  alzufrüh; 
ältelähs,  zu  spät;  bdll,ha\d;älUidd,  allezeit;  sö/a2<rf,  sofort;  fanrts, 
gleich;  tissnög ,  früh  genug;  slrügs  efter,  gleich  darnach;  hirrtö, 
bisher;  jämmer,  immer;  oller,  nie,  niemals,  nimmer;  ollermör , 
nimmermehr;  will  und  ivillert,  während;  sunt,  seit,  altd.  sint, 
noch  in  sintemal;  wUisser,  wieder;  äntlick,  endlich;  jölidd,  da- 
mals; efterdäis,  nach  diesem;  Willems,  bisweilen;  nnnermd,  mit- 
unter; järst,  erst;  lest,  letzt  ;  tolest,  zuletzt;  järstkämend ,  näist- 
kämend ,  erst-,  nächstkommend;  eßer ,  nach;  hirreßer,  hernach, 
nachher;  middlertidd,  mittlerweile;  knüp,  kaum;  bit,  bis;  wanne? 
wann?  dann,  dann;  söbäll  us,  sobald  als;  hörr  ball?  wie  bald? 
tiväshe  in,  mitunter,  zwischen  durch;  noch  alt  oder  noch  älllidd, 
noch  immer;  änjörsne  Aagedege,  gestern  vor  acht  Tagen;  dilling 
Aagedegc ,  heute  vor  acht  Tagen,  oder  über  acht  Tage;  mälijns, 
sogleich;  ößinge  nög ,  oft  genug;  dm  mdtiügteni,  um  Mitternacht; 
noch  so  ößing ,  noch  so  oft;  dät^s  noch  en  läiet  häne,  es  ist  noch 
etwas  — einige  Zeit  —  bis  dahin;  hörr  limg  äs't  sunt?  wie  lange 
ist  es  her?  dirr's  noch  wdt  tö,  es  ist  noch  lang  bis  dahin. 

§.217.  2.  Des  Ortes,  als:  ivirr  ?  wo?  dirr,  da;  hirr,  hier; 
jdnner,  dort;  auiver,  über;  amvcräll,  überall;  ällerwägen,  allerwe- 
gen; ndrrrnge ,  nirgends;  baawen,  baawne,  oben;  baawen  ätv,  oben 
auf;  unner ,  unter;  nnner  mdddc,  dazwischen;  dele,  unten;  bütte, 
aussen;  ütte,  draussen;  banne,  binnen;  bütte  an  bdnne ,  aussen  und 
innen;  tivdshe,  zwischen;  ivirr,  irgendwo;  unnerwäis,  unterwegs; 
büttendicks,  aussendeichs;  bdnncndicks,  binnendeichs;  widd,  weit; 
widd  wag,  weit  weg;  uidd  auf,  weit  ab;  widd  fon,  weit  von; 
fi,er,  fern;  fon  fierense,  von  ferne;  stuf,  hart  daran;  trindm,  rings- 
um; näi,  nahe;  tdgtebäi,  dicht  dabei,  dicht  daran;  dnföre, 
vorne;  änädre,  hinten;  fo7i'e  biittne,  von  aussen,  auswendig;  fon 
'ebdnnene,  inwendig,  von  innen;  äjtt,  in,  zu,  bei;  äjtt'e  Hiihs, 
zu  Hause;  inne,  zu  Hause;  faurde,  im  Stalle  oder  der  Scheuer; 
triage,  in  der  Stube;  lömväis ,  landwcgs;  bdnne f aar ,  innerhalb; 
bütte faar,  ausserhalb;  üttfaar,  ostwärts  vom  Dorfe;  dpfaar,  west- 
wärts vom  Dorfe;  bäitö,  beiher,  neben  her;  büttebäi,  nebenan; 
anwerfaar,  gegenüber;  föreäujn,  vornean;  äderäiijn ,  hintenan; 
äderefter,    hinten    nach,    hinter    her;   delebäi,    untenan;    hirr  fon , 


von  hier;  stuf  ijn,  hart  an;  före,  vorne;  hefte,  hinten;  aurs  wirr, 
sonstwo;  äive/ürregge ,  dics$e\t;  äwejärincreyge ,  jenseit;  r  6g  t ,  rechts; 
left,  links;  äiwenst ,  eben,  im  Augenblick. 

§.  218.  5.  Der  Ricldung  und  Bewegung  von  und  nach  einem 
Orte,  als:  ämhuch ,  aufwärts,  hinauf ;  ftm/äj(7 ,  niederwärts,  herun- 
ter, hinunter;  dp,  auf,  hinauf;  dähl, nieder;  dp  andäfil,  auf  und 
nieder;  aufstähs,  fort,  vorwärts;  tö,  zu;  ivdg ,  \\eg;faurt,  in  den 
Stall  oder  nach  dem  Stalle  ;  trüch  ,'in  die  Stube  oder  nach  der  Stube; 
in,  ein,  herein,  hinein;  äujn,  hinein;  häne,  hin;  ji<r/,  her,  auch 
jiirle;  jdnt  an  jurt,  hin  und  her;  hdnetö ,  hinzu;  hirrin ,  liierein; 
hirrütt,  heraus ,  hinaus ;  hirrdm,  herum;  dmbäi ,  umher;  faarhdi , 
vorbei,  vorüber;  äujnt  mäujtt,  entgegen  ;  äm/m«e,  umhin  ; /«h/eäm, 
hinum;  loirrhdne F  dirr-  Inrr-jdnnerIiäne,dR-  hier-  dorthin;  dirrtö, 
ddizxx',  hirrtö ,  hierzu,  bis  hieher ;  äpäw  ,  hinauf;  dpef ter ,  UAch  oben; 
dählefter,  nach  unten;  ütteßer,  nach  aussen;  inefler ,  einwärts, 
nach  innen;  dmefter,  um  nach;  aiiwerefter ,  über  nach;  ädere ftcr, 
hintennach;  tosidde,  seitwärts;  /ota//;/,  zurück;  ärfem/^,  hintcnaus; 
föreült,  voraus;  fon  förne,  von  vorne;  fon  äderne,  von  hinten; 
töhüss,  nach  Hause;  dpäiijn ,  hinauf  und  dann  hinein,  auf,  in  mit 
dem  Acc. idpamver,  auf  über,  auf  der  Geest;  dm  'e  ^ste ,  Weste, 
Sühsse,  Naurde,  gen  Osten,  Westen,  oder  ost-  west-  süd-  und 
nordwärts;  äujnt  ^sten ,  Westen,  Süfissen  an  Naurden ,  im  Osten 
u.  s.  w. ;  efler't  Asten  ,  Westen ,  nach  dem  Osten  u.  s.  w. ;  regglings, 
rücklings;  Iiaadlings,  haüptlings  (hinfallen) ;  sTillrings  ridden  ,  wie  im 
Damensattel  zu  Pferde  sitzen ;  töhäujnne,  heraus,  aus  einem  Loche, 
einer  OefFnung;  töliffs,  zu  Leibe;  flw/rö//,  umfallend,  dän.  omkuld; 
siddlongs  ,  seilVings  ;  bütterbijns  und  l)dnticrbijns  dw'e  Sfiurre  luppen, 
binnen-und  aussenbeins  auf  Schlittschulicn  laufen;  aussenbeins,  im 
Bogen;  unnerbdnne  mä  [kämen),  hinter  etwas  (kommen);  dpijn,  ge- 
gen, gegenan;  längs,  längs;  äiijnflängs,  entlang;  bäi  wäilöng , 
weglängs,  z.  B.  plaudern;  bdnnei ichs ,  binnenrcichs  ;  büttericks  ,  aus- 
senreichs;  bdnnedörs,  innerhalb  der  Thüre;  öwer/icÄ-,  oberlich,  nach 
oben  zu;  näserlick,  nach  unten  zu,  niederlich;  tdllhävjnninge  an 
fonfiänjnninge ,  von  Wagenpferden,  zuhändig  oder  linksgebend, 
abhändig  oder  rechtsgehend  ;  hielir  !  sagt  man  ,  wenn  am  linken 
Zaumstrang  gezogen  wird,  und  am  andern:  förrig  !  —  Der  Pflüger 
sagt  zu  seinem  Pflugtreiber:  fo  de !  zu  dir  !  wenn  er  hiehr ,  und  fon  de, 

43 


538 

von  dir,  wenn  er  förrig  lenken  soll.  Beim  Antreiben  der  Pferde 
heisst  es  nd .'  nd ! ;  beim  Stillhalten  sagt  man  :  prrr. ! 

§.  219.  4.  Des  Umfanges  und  der  Zahl,  als:  toglick ,  zugleich; 
mdenauser,  miteinander;  äjnkell ,  einzeln;  sdmtlick ,  sämmtlicli ; 
ältemcüe ,  allzumal,  alle  mit  einander;  dijls ,  theils;  faale,  viel; 
läiet .  wenig;  mdnning ,  viele;  mörr ,  mehr;  hüpig ,  häufig  ;m«s^, 
meist;  mästendijls ,  meistentbeils  ;  Imlew  ,  halb;  hijl ,  ganz;  TiUhijl , 
ganz;  liijlanäU,  ganz  und  gar;  [aar  't  järst,  für 's  erste:  faar  't 
lähsere  ,  für  's  zweite  ;  faar  't  tredd  ,  für  's  dritte  ;  faar  't  fierd ,  füft, 
segst ,  saawent  u.  s.  y^-.;  tölest ,  zuletzt;  äw't  hug  st ,  höchstens ;  äiijn't 
mdnnst,  wenigstens,  mindestens;  tölmp ,  zusammen;  alte  faale, 
allzuviel;  älteläiet ,  allzuwenig;  bäinäi ,  beinahe  ;  dmentränt ,  un- 
gefähr; Ungefähr ,  dasselbe;  gär  äi ,  gar  nicht;  nint,  ninte ,  nichts; 
nög  ,  i.  genug  ,  2.  wohl ;  man ,  nur ,  bloss ;  sierern,  sehr ;  hürrfaale? 
wie  viel?  liüllwe?  v^'ie  viel?  so  faale,  sülbve,  so  viel;  fonenanser , 
von  einander;  eflerenauscr ,  nach  einander;  dmenauser ,  umeinan- 
der; ijnsen ,  twäie,  träie  ,  ein-  zwei-  dreimal;  ötterst ,  äusserst; 
dörütt ,  durchaus;  gaar,  gar;  sog  aar ,  sogar;  gaar  äi,  gar 
nicht;  ball,  bald,  fast;  üllicksö,  ebenso ;  efter  'e  Häiijnn,  nach 
und  nach  ;  so  näi ,  bis  auf;  bäi  widdem  äi ,  bei  wxitem  nicht ;  widd 
häne ,  weit  hin  ;  long  häne ,  lange  hin  ;  rickUck ,  reichlich  ;  knäp , 
knapp,  kaum;  auwerflöhsig ,  überflüssig;  pur,  bloss;  döwelt ,  dop- 
pelt; tröwclt ,  dveiiach  ;  dörgdjngig  ,  dörgongs,  durchgängig;  dör  'e 
Bank,  durch  die  Bank;  imner  'e  Häujnn ,  unter  der  Hand;  au- 
iver  'e  Mäjtte ,  über  die  Älassen  ;  Ungeheuer ,  ungeheuer;  en  lurlierläiel , 
ein  winzig  klein  Bischen. 

§.  220.  5.  Der  Gewissheit  und  Ungewissheit ,  der  Bejahung  und 
Verneinung ,  der  Beschaffenheit ,  der  Vergleichung  und  des  Zwei- 
feins, der  Ausdehnung  und  Beschränkung  u.  s.  w. ,  als:  jd ,  ja; 
nähn ,  nein;  ivirklick ,  wirklich;  äi ,  nicht;  forldgt  und  forligt , 
vielleicht;  äw  nän  Wihsse,  auf  keine  Weise;  hijl  an  all  äi, 
ganz  und  gar  nicht,  'keinesweges ;  rigtige  nög ,  zwar;  wäjl, 
wohl,  zwar;  ^väss ,  gewiss;  säker ,  säkerlick ,  sicher;  tojärlick , 
wahrlich  ;  rigtig  ,  richtig ;  höwentlick  ,  hoffentlich  ;  swürlick,  schwer- 
lich; ^m/ra/i^,7,  walirhaflig;  sömöd,  bei  Gott;  —  eine  Bekräftigung; 
bäi  Gödd  !  dasselbe;  segott  !Golt  segne  die  Mahlzeit;  söged ,  pröstl 
prosit !  jätväjl ,  jawohl ;    sömijn  ,   allerdings  ;    faarwäir  ,  fürwahr , 


339 

älk  äs,  so  wie,  als  ob;  üiijnslühg ,  entzwei;  amverüU,  über  aus; 
forjäws ,  Vergehens;  dmensonst ,  umsonst;  äujnhiip  ,  ganz  in  Unord- 
nung, in  Verwirrung;  lägt,  leicht;  sägt,  1,  leichtlich,  2,  sachte; 
jüst ,  just;  mdsslick ,  misslich;  aselick  ,  schlecht,  mittelmässig  ; 
maai,  ziemlich,  ertraglich;  /lijn ,  schlecht;  älückwäjl ,  gleichwohl; 
sä  iwäshe  biese ,  so  zwischen  heiden ;  äw't  best,  auf's  heste ;  äl- 
werlick ,  ernstlich;  kiemlick ,  geheim;  äs  wann,  als  oh;  so,  so; 
so  so ,  so,  so;  südäin  ig  ,  a]  id.  solhanig,  dän.  saadan  ;  liörr  !*  wie? 
hörrdäinig  P  dän.  hvordan,  wielhanig  ,  wie  ?  md  Lampe ,  glimpflich; 
ünforsiens,  oder  ünforsäjns ,  unversehens;  amverordentlick  und 
ütterordentlick ,  ausserordentlich;  gemien ,  gemein  mit  einander; 
üngemien,  ungemein;  drdfUck ,  dlxn.  drahelig,  weidlich,  tüchtig; 
forträfflick ,  vortrefflich  ;  töldinglick ,  hinlänglich  ,  zureichend ;  äußt 
Körtswill,  im  Scherz,  zur  Kurzweil;  löpäss ,  zupass;  tö fülle ,  in 
Erfüllung;  tö  fälle ,  mit  einander  gemein,  dän.  tilfälles ;  tokaurt 
[kämen],  zu  kurz  (kommen) ,  Verlust  leiden ;  tömäiijds ,  zu  Muthe ; 
töiväi,  zu  Wege  (bringen);  töwäis  ,  auf  den  Weg;  unnerwäis  ,  unter- 
wegs ;  tökup ,  zu  Kauf,  feil ;  sdns  ,  gesonnen ;  gängs  ,  (gäng)  versehen 
mit;  aimerijnne ,  aufgerichtet;  äiijnhäi ,  in  den  Sirn,  im  Sinne; 
faaraane ,  eniohmgi ;  nd^v ,  genau,  geizig;  purig  ,\avg;l6wddderne, 
zuwider;  befaar ,  bevor;  boppe,  oben;  amverhijnnig ,  überhands , 
dän.  overhaands; /üwm/e,  zuniclite;  tömä,  zumal;  dirrlömd,  über- 
diess  ;  älliene ,  allein  ;  aiirs ,  i .  anders  ,  2.  aber ,  3.  sondern ,  4.  sonst ; 
hall,  gerne,  hültere,  lieber;  u.  s.  w. 

Anmerkung . 

Die  Adverbien //«// ,  gerne,  pä//  (dän.  pal),  flach  und  fest  auflie- 
gend, und  stuf,  hart  an  ,  sind  steigerungsfähig;  als:  hüll,hällere, 
hallst;  päll,  pällere,  pällst;stuf,  stnß'ere,  stufst. 


Bildung  des  Umslandsworles. 

§.221.  Die  Umstandswörter  sind,  wie  die  andern  Wörterklassen, 
iheils Wurzelwörter,  als:  läJis ,  spät;  äi ,  nicht;  noch,  noch;  nög , 
genug;  ball,  bald,  u.  s.  w. ;  theils  abgeleitete ,  als:  löngens,  von 
long  ;  märling  und  mjdrne ,  von  de  Mjdrn ;  dilling ,  von  Däi ;  regg- 
lings,  von  de   Regg ;   iheils  zusammengesetzte,    als:    mjärneddcr ,. 


340 

morgen  früh  ;  aurdemjcirne ,  iibermorger. ;  auiverütt ,  überaus;   ämköU, 
über  den  Haufen  ;  bäinäi,  beinahe. 

§.  222.  Bei  den  abgeleiteten  finden  wir  die  Endungen:  e,  s, 
ing ,  ings,  ig ,  t ,  iick ,  st,  elt ,  em ,  ne,  nebst  noch  andern,  und 
vielfällig  den  Umlaut,  der  oft  ganz  unregelraässig  ist,  so  wie  die 
oft  unentbehrlichen  Vorwörtchen:  an,  dm,  bäi ,  tö,  u.  s.  w. 

(e).  A'j},  auf,  hinauf,  —  tippe,  auf,  aus  dem  Bette  sein;  in, 
ein,  hinein,  herein,  —  inne,  binnen  ,  im  Hause;  ütt ,  aus ,  hinaus, 
heraus,  —  üUe ,  draussen;  faurt ,  in  den  Stall,  nach  dem  Stalle 
zu ,  —  faurde ,  im  Stalle  oder  der  Scheune  ;  trocfi ,  aus  dem  Stall  in 
die  Stube  ,  —  traage  ,  in  der  Stube  ;  dähl,  hinunlei-,  herunter ,  —  dele, 
unten;  [aar,  vor,  für,  —  före ,  vorne.  Wenn  diese  das  e  nicht  ha- 
ben ,  so  zeigen  sie  immer  eine  Ortsveränderung  an ,  bei  der  man 
im  Deutschen  die  Verhällnisswörter  mit  dem  vierten  Fall  ge- 
braucht. —  Beispiele :  stäiijnn  dp !  steh  auf!  nämlich  aus  dem 
Bette,  ick  bdn  all  dppe ,  ich  bin  schon  auf;  kam  innl  komm 
herein!  ins  Haus,  he  äs  inne,  er  ist  innen,  d.  i.  zu  Hause,  im 
Hause;  ivältt  Uli?  willst  du  aus?  nähn ,  ick  kältw  rdl  ülte  wähn, 
nein,  ich  bin  schon  draussen  gewesen;  he  hing  faurt,  er  ging  in 
den  Stall ,  he  ds  faiirde,  er  ist  im  Stalle ;  gong  tröch!  geh  in  die  Stube 
aus  dem  Stalle,  jö  ds  traage,  sie  ist  in  der  Stube;  ick  mal  Uetvere 
faurde  äs  traage  wese,  ich  mag  lieber  im  Stalle  ,  als  in  der  Stube 
sein;  kam  dähl!  komm  herunter!  tvdl  shdll  ich  dele F  was  soll 
ich  unten?  trehs  faar  me  häne,  tritt  vor  mich  hin,  ick  mal  äi 
före  gonge,  ich  mag  nicht  vorne  gehen.  So  auch  baawcn  und 
baaiü7ie,  als:  he ivdll älltidd  baaweniUt,  er  will  immer  oben  hinaus, 
he  sät  dirr  baawne,ev  sitzt  da  oben.  Ferner:  mjärne ,  von  de 
Mjdrn  ;  äntenne ,  von  de  Enn',  näilke  ,sox\näi ;  twäshe,yom  altfries. 
twä;  tiväie  ,  von  tivä  ;  tr äie  \on  trä ,  engl,  twice  ,  thrice  ;  töliäiijnne, 
von  jö  Häujtin ;  bulle,  fon'ebültne,  auswendig. 

(s).  Gangs,  von  gongen:  hörr  bdst  gängsP  wie  bist  du  versehen, 
z.  B.  mit  Gelde  ,  mit  Mitteln  zum  Forlkommen?  sdns,  gesonnen , 
von  dät  Salin  ,  der  Sinn;  löngens ,  längst;  längs,  längs,  von  läng; 
üjllings ,  yon  üjll;regglings,  haadlings  ,  sällrings ,  \on  Regg  ,  Haad 
und  Süll;   tissnög ,    von    Tidd,    also:    tiddsnög ;   ijns,    von  ijn. 

[ling ,  ing).   Dilling ,  von  de  Däi ;  järling ,  von  dät  Ihr,  altfr.  dat 
Jer ;  elling  ,  de  Knn  ;  märling ,  de  Mjarn  ;  oft,  nfdng. 


341 

{ig).  Tiddig  ,  purig  ,  lörrig ,  von  lörren  ,  lauern  ;  södäinig  u.  s.  w, 

{t,  elt ,  ert).  WiU  ,  läiel ,  läjltel ,  von  Idjlt ,  klein  ;  djnkelt ,  döwelt , 
tröwelt,  ivillert. 

[lick).  Kaurtlich,  von  haurl ;  däglick  ,  von  Däi ;  nägtlick;  dntlick,  von  de 
Ijnne ,  düt  änt ;  järstlick  ;  ricklick,  von  rick ,  reich ;  mässHck ,  drdf- 
lick ,  äselick. 

{st).  Järst ,  lest,  mäst ,  mannst ,  längst ,  liucJist ,  uttersl,  dnnerst , 
hdnnerst ,  lauter  superlativische    Formen  und  Endungen. 

{em).  Am  Däiem  ,  dm  IJnnem ,  dm  Mjdrnem  ,  dm  Sdmmerem ,  des 
Sommers. 

{ne).  Antenne,  dnjörsne,  dnihrjörsne. 

§.  223.  Folgende  mit  tö  zusammengesetzte  Adverbien  endigen 
sich  auf  s,  als:  tö  ßj  tis,  zu  Fusse;  togöngs  ,  in  Gang;  tobijns  (dän. 
tilbeens) ,  flink  zu  Fuss;  tüliffs^  zu  Leibe;  tösjöns , 'ixxm  Vorschein; 
töwäis ,  auf  den  Weg;  iödijls,  zum  Theil;  tölupps ,  zu  Lauf;  togägens, 
dän.  tilgavns ;  töwdirks ,  zu  Werke;  tokiers ,  zu  Kehr;  töldgs ,  in 
den  Zug ,  im  Zuge ;  töivedds ,  in  die  Wette ;  tvdäis ,  zu  Tage ; 
tönüjds,  zur  Noth. 

Dahin  gehören  auch  folgende  umstandswörtliche  Ausdrücke ,  als : 
tö  Ankers,  vor  Anker;  tö  Bauks ,  zu  Buche;  tö  Bausems,  bis 
auf  den  Grund;  tö  Dörs ,  zur  Thür ;  tö  Läujnns ,  zu  Lande;  tö 
Wäsers,  zu  Wasser;  tö  Mönns ,  auf  den  Mann;  tö  ßJu/ils ,  nach 
dem  Ziele;  tö  Wäiens,  zu  Wagen;  tö  Hdjnsls ,  zu  Pferde;  tö 
Slidpps ,  zu  Schiffe;  töBüjtts,  zu  Boote;  tö  Grefts ,  zu  Grabe;  tö 
Köis,  zu  Kois. 

Andere  mit  tö  verbundene  haben  dieses  s  nicht ,  als :  töbälig , 
zurück;  tödüjdde,  zu  Tode  ;  töfäjtle,  zu  Füssen;  töfulle ,'  in  Er- 
füllung; töfdlle,  gemein  mit  einander;  töhäiijnne ,  heraus,  aus 
einem  Loche,  oder  dergl. ;  töhup,  tölmppe,  zusammen;  töhiiss , 
nach  Hause  (äj/f  'eHüfts,  zu  Hause,  in  der  Heimath);  tökaurt ,  tö- 
kaiirte,  zu  kurz;  tömäjtte,  d.  übel  an,  2.  zupass,  zu  Danke;  tö- 
päss,  zupass;  töstelise ,  zur  Stelle,  anwesend,  zugegen;  töivege , 
zu  Wege;  tömd ,  dazu  noch,  überdiess ;  töwälle ,  zu  Willen;  tö- 
kämen,  zukünftig;  töläjt ,  mit  grossem  Klaggeschrei;  töhälgens 
uud  töhtdwens ,  zur  Halbschied  ;  ^j/.m/j  ,  zu  Kauf;  iögause,  zu  Gute; 
töwddderne,  zuwider;  löbedd,  zu  Bette;  töglick,  zugleich;  tömäujd, 
zu  Mulhe;  löi/irs ,  bei  Jahren;  töwedd,  in  die  Wette,  u.  s.  w. 


542^ 

§.  224.  Verbindungen  mit  den  Wörtern :  äujn,  amver ,  unner , 
ütt,  fon,  äw,  dp,  dm,  md,  in  ,  alte  [ällö) ,  dähl,  dele  ,  bütte ,  banne , 
sind  folgende  : 

Aujn  :  äupistöfig  ,  entzwei ;  äujnhup  ,  in  Unordnung  ;  äiijn'tfjn  ,  ent- 
gegen ,  zuwider;  äiijnälles ,  in  allem,  insgesammt;  äujntmännst , 
mindestens,  wenigstens;  äujnhnäujt ,  entgegenkommend;  äujn 
'e  Gong,  in  Gang,  im  Gange;  ävjntrögt ,  zurecht  (bringen). 

Aiaver :  auiverijns ,  überein  ;  aimerfaar ,  gegenüber ;  mmerütt , 
überaus;  auwerhäne ,  überhin;  auwenväg,  darüber  hinweg ;  aw- 
werä//,  überall;  aiiiverhyimig ,  überhand. 

Unner:  unncrdör  ,  unterdurch  ;  ww?«ermft,  mitunter ;  unnerbdnne 
md,  hinter  eine  Sache  (kommen);  tinnerwäis ,  unterwegs ;  unnermddde, 
zwischen  unter;  nnnerült ,  unten  heraus. 

ijit:  üllbdi ,  längs;  üttdm ,  aus  dem  väterlichen  Hause  zu  frem- 
den Leuten ,  aus  zu  dienen ,  oder  auf  Schulen  u.  dergl, ;  üttfaar , 
in  die  Fennen  hinaus;  üUlängs ,    entlang;  ütlfon,  ab,  abstehend. 

Fon :  fon  äderne  ,  von  hinten  ;  fon  före ,  fon  förne  ,  von  vorne  ; 
fon  'e  bültne ,  von  aussen,  auswendig;  fon  'e  bdnnene,  von  innen, 
inwendig ;  fon  l  aawno ,  von  oben  ;  fon  näserne  ,  von  unten ;  fon 
fierense ,  von  ferne  ;  fon  ansere ,  fon  cnauser ,  von  einander ,  auseinan- 
der. 

'Aiv:  äw  't  Töch,  i.  auf's  Mal ,  2.  im  Zuge  ;  äw'e  Sljögte ,  auf  der 
Ebene;  äw  äiwen  Sljögte,  ohne  Veranlassung;  äw  'e  Zdjngde,  auf 
die  Länge ;  äw  'e  Hdlleft ,  auf  der  Hälfte ,  auf  halbem  Wege  ;  äw 
'e  Ldgte,  auf  eine  leichte  Weise;  äw  'o  Nätgde ,  in  der  Nähe ; 
äw  'e  Droge,  ins  Trockne,  auf  dem  Trocknen;  äw  'n  Sliimp , 
schlumpsweise. 

Ap:  dpäw ,  hinauf,  und  oben  auf;  dpäiijn,  erst  hinauf  und  dann 
hinein ;  dpbäi ,  obenbei ,  erst  hinauf  und  dann  bei  oder  neben ;  äpijn^, 
gegenan  ;  üpamver ,  auf  und  hinüber;  dpunner ,  auf  unter ,  z.  B. 
auf  unters  Dach;  dpmd,  mit  auf;  dpäm ,  auf  um;  dpfaar ,  auf 
vor,  auf  die  Acker  hinauf;  dptö ,  auf  zu;  dpfon. 
Am :  dm  'n  läiet ,  über  ein  Kleines ;  dm  'n  tränt ,  ungefähr ;  dm'- 
tijns ,  mit  Vorsatz,  gerade  deswegen  ;  dmhuch ,  in  die  Höhe  ;  dmläig , 
nach  unten  ;ämiäi,  I.  herum,  und  umher,  2.  vorbei,  vorüber,  zu 
Ende,  5.  aus  mit,  gestorben;  dmefter,  um  nach;  dmhäne,  umhin; 
dmfaar ,    um  vor  ;  dmtö  ,  umzu  ;  dmhöll ,  über  den  Haufen. 


Md:  md  'lijns  ,  miteins  ;  md'lenne  ,  zur  Vesperzeit ;  md  'tunnerne ,  die 
Zeit  des  Vormittags ,  wenn  die  Ari)citer  ihr  Zwischenessen  halten. 

In-.inäujn,  hinein;  i«Mi, in,  an  der  Seite  liinein  ;  indm,  ins  Haus 
hinein;  inimner ,  unter,  mit  dem  Acc. ; inauwer  ,  erst  ein  und  dann 
über;  ick  hon  't  äi  inauwer  filjn ,  ich  kann's  nicht  hinunter  brin- 
gen, nicht  schlucken  ,  z.  B.  eine  widerliche  Arznei;  inäio,  ein  auf; 
inkvdshe,  zwischen  hinein;  twäske  in,  mitunter;  i«fWr,  hindurch, 
durchbin. 

^Ue  {älto) :  TiUemäle ,  allzumal  ,  alle  mit  einander  ;  älteäirig  ,  zu 
arg;  ältehijnn,  allzu  schlecht;  ältcfaale,  allzu  viel;  älteläiet, 
allzu  wenig;  ältelähs ,  allzu   spät;  älteedder ,  allzu  früh. 

Üähl:  dähläw ,  niederauf;  ddhläujn ,  hinunter  in;  f/ä///ku,  hin- 
unter bei;  däliläm ,  unten  um;  dählauf,  herunter  von;  dählfaar , 
nach  dem  Dorfe  zu  ,  als  Gegensatz  von  üUfaar  und  dpfaar;  dähl- 
unner ,  nieder  unter;  dählijn ,  nieder  gegen;  dähltwdslic,  nieder 
zwischen. 

Dele  :  deleunner  ,  unten  unter;  delebäi ,  iinlen  bei,  unten  längs; 
delefaar ,  unten  vor,  unten  am  Dorfe;  deledm,  unten  um,-  dek' 
äiv ,  unten  auf. 

Bütte  und  bdnne:  bütledw ,  aussen  auf;  MWeiät ,  nebenbei ; 
hiittefaar ,  aussen  vor,  ausserhalb;  büttedm,  aussen  um;  bdn- 
ne faar ,  binnen  vor,  innerhalb;  bdnnedujn,  binnen  in,  innerhalb, 
inwendig. 

§.  22b.  Mit  wjdrls,  würts ,  und  w  Hisse ,  weise,  werden  folgende 
Umstandswörter  gebildet,  als:  üttwjdrts ,  töwjdrts ,  dj)-  dähl-  sidd- 
äster-  wester-  naurder-  oder  nörder-  söhser-  rögt-  leftwjdrts ;  stock- 
wihsse ,  stückweise;  krüsswi/isse,  kreuzweise  [auwerkrüss,  über- 
kreuz); lägivilisse ,  schichtweise;  dröppivi/isse ,  tropfenweise  [bäi 
Dröppe ,  bei  Tropfen);  stijttivilisse ,  stossweise  ,  u.  s.  w. 

§.  226.  Besonders  zu  berücksichtigen  sind  die  mit  Itirr,  tvirr  und 
dirr  zusammengesetzten  Umstandswörter,  als :  hirräiv  ,  hirräujn , 
hirrdm,  hirrfaar,  hirrbiii,  hirrdür ,  hirrßuwer,  hirrunner ,  Idrrijn , 
hirrfon,  hirrnäist ,  hirrtü; —  tvirräw,  ivirräiijn  ,  wirräm ,  wirrmd , 
wirr  faar ,  wirraimer ,  wimmner  ,  wirrdör,  tvirrijn ,  ivirrbdi,  wirr- 
näist,  wirrauf,  wirrfon ,  wirrtö ;  —  dirrdw,  dirräujn  ,  dirrauf,  dirrdm, 
dirrbäi ,  dirrauwcr ,  dirr  faar ,  dirrfon ,  dirrdör ,  dirrijn ,  dirrtö , 
dirrtömd. 


544 


Wenn  diese  Wörter  Ortsverhältnisse ,  eine  Richtung  im  Räume 
und  dergl.  bezeichnen ,  oder  geradezu  auf  sinnliche  Gegenstände 
Bezug  haben  ,  so  ruht  der  Ton  auf  dem  letzten  Worte,  und  die 
Zusammensetzung  ist  dann  unecht  oder  trennbar ,  als :  Ledd  düt 
Bauck  liirr  äiv ,  lege  das  Buch  hier  auf  (oben  auf  die  andern 
Sachen);  dät  Büjtt  kön  kirr  äl  auf  käme,  das  Boot  kann  hier  nicht 
ab  kommen ;  kmn  kirr  dm  lö  me ,  komm  hier  herum  zu  mir ;  dirr 
tvijt  ick  nint  auf ,  davon  weiss  ich  nichts ;  dirr  ds  nint  bäi  iö 
mär/en,  dabei  ist  niclils  zu  machen;  dirr  hast  dö  Shäjll  äujn, 
daranbist  du  schuld ;  kaast  dö  dirr  wdt  bäidüjn?  kannst  du  etwas 
dabei  thun  ?  hältst  dö  dirr  ivät  ijn?  hast  du  etwas  dagegen?  oder: 
hälist  'r  ivdt  ijn  <*  ^mt  /lädst  dirrijn  ?  —  wirr  kämt  he  fon  ?  wo 
kommt  er  her  ?  wäl  iväht  dirr  md  ?  was  willst  du  damit  ?  oder 
wät  wäht'r  md?  kaast  dirr  nöfj  dör  kämet  kannst  du  da  wohl  durch 
kommen  ?  nähn ,  ick  kön  'r  {dirr)  äi  dör  käme ;  dirr  bdn  ick  fon 
auf,  damit  bin  ich  ab,  bin  darum  gebracht;  auch:  auf  md:  dirr 
bdn  ick  auf  md ,  damit  bin  ich  ab;  ick  hälitv  ijnsen  äujnfanget  tö 
tieknen ,  aurs  ick  bdn  >  wihsser  fon  auf  kiemen ,  ich  habe  einmal 
angefangen  zu  zeichnen ,  bin  aber  wieder  davon  abgekommen. 

Stehen  aber  diese  Wörter  nach  etwas  Vorhergegangenem ,  be- 
sonders zu  Anfange  des  Nachsatzes  als  folgernd ,  schliessend , 
grundangebend ,  auf  eine  Ursache  hindeutend ,  so  sind  sie  echt- 
zusammengcsctzt  oder  untrennbar,  und  dann  haben  die  Wörter 
hirr ,  dirr  und  wirr  die  Betonung,  als:  hirräw  swäret  'r,  hierauf 
antwortete  er ;  hirrauf  köhs'm  nög  iUtnäme ,  hieraus  konnte  man 
wohl  entnehmen;  aurs  hirrävjn  kön's  doch  äi  Shäjll  ivese ,  aber 
hieran  kann  sie  doch  nicht  schuld  sein ;  hirrbäi  was  noch  tö 
bemärken ,  hierbei  war  noch  zu  bemerken;  hirrdm  wäjns  nint 
hiere ,  hiervon  wollten  sie  nichts  hören ;  an  hirrmä  was  't  dann 
ock  ältemäle  faarbäi ,  und  hiermit  war  es  denn  auch  alles  vorbei ; 
hirrauwer  würden  's  mal  äujn  't  Haad ,  hierüber  wurden  sie  bös 
im  Kopfe ;  wirrijn  'm  ja  doch  egentlick  nint  inwijnne  köhs , 
wogegen  man  ja  doch  eigentlich  nichts  einwenden  konnte ;  /«Vr- 
näist  fortelld 'r,  hiernächst  erzählte  er;  dirrnäist'Jiäjtl  7,  demnächst 
hiess  es;  he  het  drken  bedrägcn,  dirrdör  het  'r  sin  ricke  Dege, 
er  hat  jeden  betrogen ,  dadurch  hat  er  seine  reichen  Tage  (Reich- 
thum)     Eben   so    zu    Anfange    einer    Frage,  als:  wirrbäi   kdhn  's 


345 

dät  wahse?  woran  konnten  sie  das  wissen?  wirrdm  wäjn's  ui 
ma?  warum  wollten  sie  nicht  mit?  wirrfaar  dähstdütF  weswegen 
thust  du  das?  ivirr auf  wiest  dät?  woher  wcisst  du  das? 

Erläuleruncjen  nebst  Siimverwandtschaftlich kciien. 

§.  227.  \.  Näis ,  dnnäis ,  näjUce,  kaurlUcks.  Die  drei  ersten 
Wörter  stammen  alle  von  näi,  neu,  und  näis  bezeichnet  hier 
die  kürzeste  Zwischenzeitdauer.  Darnach  folgt  dnnäis ,  und  näjlke 
und  kaurllichs  fallen  so  ziemlich  mit  einander  zusammen.  Näis 
und  dmtäis  beziehen  sich  nur  auf  Stunden  und  Slundentheile; 
näjlke  und  kaurtUcks  gestatten  längere  Zwischenräume  von  Tagen 
und  Wochen.  Eine  kürzere  Zeit  als  näis  und  dnnäis  bezeichnen: 
äiwen,  eben,  äin'cnst,  ebenst ,  und  faar  en  Ugcnbläck.  — Näis  li.  im 
Dänischen:  nys,  und  näjlke  h.  nylig,  —  neulich,  jüngst,  kürzlich, 
unlängst. 

2.  Faurt  h.  l.fort,  als:  faurtmd  hdm !  fort  mit  ihm;  mag  faurt, 
mach  fort,  2.  nach  dem  Stalle  zu,  Iie  gongt  faurt. 

o.  Tissnög  sollte  eigentlich  hcissen  tiddsnög ,  was  man  aber 
nie  hört.  As  H  noch  tissnög  tö  haaw  F  ist  's  noch  früh  genug  in  die 
Kirche?  — Uneigentlich:  dirrhäst  tissnög  kiemmen,  dabist  du  früh 
genug  gekommen. 

4.  Efter ,  nach  (after) ,  efter  7,  nachher,  zusammengezogen  aus 
efter  dat^  nach  diesem,  als:  efter  't  wäll  ick  de't  sedde,  nachher 
will  ich  dir 's  sagen,  oder:  efter 't  wäll  ick't  de  sedde,  nachher 
will  ich 's  dir  sagen.  Im  letzten  Satze  muss  die  Abkürzung  durchaus 
stehen,  denn  man  darf  nicht  sprechen:  efter 't  wäll  ick  dät  de  sedde ; 
aber  im  ersten  Satze  darf  ich  auch  sagen  :  efter  't  todll  ick  de  dät 
sedde.  Auch:  ickwdll't  de  efter 't  sedde,  ich  will's  dir  nachher  sagen. 

5.  Fan  'e  büttne ,  auswendig,  von  aussen,  wird  auch  vom  Lernen 
gebraucht,  als:  fon  'e  büttne  Heren,  auswendig  lernen;  ick  kön  't 
fon'e  büttne ,  ich  kann's  auswendig:  fon'e  bdnncne  Heren,  inwen- 
dig ,  im  Buche  lernen  ,  bis  man  's  fertig  lesen  und  verstehen  kann  ; 
dän.  indenad  und  udenad. 

6.  A'mhuch,  in  die  Höhe,  dmläig ,  niederwärts,  nach  unten 
zu.  Tie  de  Seck  dp,  so  gongt 'r  dmhucli;  läjtt  'n  dmläig,  so  gongt'r 
däld,  lass  ihn  herunter,  so  geht  er  nieder. 

7.  A'mbäi ,   faarbäi.    A'mbäi   hat  einen    umfassenderen   Sinn  als 

u 


346 

j'aarhäi ,  als ;  he  käml  widd  (inihäi ,  er  kommt  weit  umher ;  he  kdml 
de  dmbäi,  er  überholt  dich ;  ämbäistjäwen ,  herumstreichen;  dät 
äs  iiü  äjnbdi,  das  ist  nun  nicht  mehr  so;  dät  's  dmbäi  md  hdni, 
es  ist  aus  mit  ihm  ;  dät  's  faarbäi  mä  hdm ,  hat  denselben  Sinn. 
He  ging  Jiirr  dilling  faarbäi,  er  ging  hier  heute  vorbei;  dät  äs 
nö  faarbäi ,  das  ist  nun  vorbei ;  äs  wdt  tö